Lieblingsbücher

5 Lieblingsbücher

Da auf Twitter gerade #ZeigtHerEureLieblingsbücher herumgeistert, dachte ich: Ach, machste einfach mal mit! Viel Nostalgie ist dabei, viele Bücher und Zeilen, mit denen ich viel Schönes verbinde. Auch wird man wieder einmal feststellen, dass ich Wölfen stets sehr zugeneigt war – damn, es gibt aber auch phantastische Bücher mit wölfischen Protagonisten! So, without further ado:

Wolfsaga

Ein Rudel lebt friedlich in seinem Tal. Eines Tages hört man von einem „Rudel Zahllos“ – ein Rudel, das, angeführt von Shogar Khan, alle anderen unterwirft um zusammen ein unfassbar riesiges, alles andere vernichtende Rudel zu kreieren. Gier nach Macht trifft auf das Vertrauen auf alte, soziale Werte.

Was auf mich zunächst durch den „Führer“ Schogar Khan wie ein Vergleich mit dem Naziregime wirkte, kristallisiert sich als Parabel heraus, die sich auf das gesamte Miteinander und die Menschen bezieht. Diese werden nicht explizit genannt sondern treten als stilisierte Gestalten in den Alpträumen Shirikis, eines Wolfes des zuerst genannten Rudels, auf. Insgesamt kann man das Rudel Zahllos als Metapher verstehen; es steht für den Menschen. Deshalb ist der Mensch als eigener Charakter in diesem Roman auch überflüssig.

Recheis verknüpft die Natur, die tierische Sichtweise gekonnt mit der des Menschen, wobei sie die Wölfe emotional und gedanklich stark vermenschlicht, ohne es grotesk aussehen zu lassen.

Verlag: dtv | Genre: Abenteuer | Autorin: Käthe Recheis | Amazonlink

Krieg und Frieden

Sehr platt gesagt handelt es sich bei Krieg und Frieden um das russische Game of Thrones des 19. Jahrhunderts.Im historischen Kontext napoleanischer Zeit treten schier unendlich viele Protagonisten vornehmlich der russischen Oberschicht auf, die im Ränkespiel zwischen den antagonistischen Kräften Krieg und Frieden wandeln.

Der Roman ist sehr komplex, dabei unglaublich interessant und mit lebendigen Figuren gespickt, die die epische Erzählung von über 1,5k Wörtern abrunden und dabei auch nicht philosophische Annäherungen auslassen.

Mittlerweile gibt es etliche Verfilmungen und Hörspiele zu diesem Stoff, an die ich mich jedoch noch nicht wirklich herangetraut habe. Lieber setze ich mich jetzt noch einmal an dieses gewaltige Werk – beim ersten Lesen verpasst man och noch so einiges!

Verlag: diverse | Genre: Historischer Roman | Autor: Leo Tolsto | Amazonlink

Herrin der Wölfe 

„Die Herrin der Wölfe“ bildet den Start der Pentalogie rund um die Heilerin Dione, die nicht nur telepathischen Kontakt mit dem Wolf Gray Hishn aufnehmen kann, sondern in deren Händen auch das Schicksal der gesamten Welt liegt.

Was derart auf seine wichtigen Punkte heruntergebrochen klingt wie ein 08/15 Weltenretter-Fantasyschinken, besitzt doch deutlich mehr Tiefe und Individualität. Der Fokus liegt auf den Charakteren, die alle ihr eigenes Päckchen zu tragen haben ohne dabei in die „Eltern von Orks gefressen“-Vergangenheitsfalle getappt zu sein. Die gezeigte Welt ist rau und staubig, bietet Sklavenhändlern ebenso viel Raum wie der dezent und daher natürlich wirkenden, fantastischen Flora und Fauna.

Es war mit der erste Low Fantasyroman, den ich je gelesen habe und er hat mich auch aufgrund der klaren, modernen Sprache abgeholt. Er verknüpft Fantasy mit Abenteuer und führt Charaktere zusammen, die nicht in tiefste Klischeesümpfe versinken müssen, um interessant zu sein. Und es ist erfrischend blutig, ohne dabei Seen aus Gedärm zu zeigen.

Verlag: Goldmann | Genre: Low Fantasy | Autorin: Tara K. Harper | Amazonlink

Fürst der Wölfe

Hier ist der Name Programm: Fokus liegt tatsächlich auf Wölfen, genauer dem „Fürst“ der Wölfe, Athaba. Dessen Leben begleitet man von Beginn an, erlebt ihn als Welpen inmitten des Wurfes an putzigen Fellknäueln. Als Wolf unter vielen im Rudel scheint es ihm nicht unbedingt bestimmt, Leitwolf zu werden – und zunächst ein Unfall, wenig später ein Mensch reisst ihn völlig aus dem Rudel heraus. Er wird eingesperrt und per Luftpost irgendwohin gebracht – doch das kleine Flugzeug stürzt ab, Athaba und ein Mensch sind die einzigen Überlebenden. Während sich Athaba aufmacht, sein Rudel zu suchen, schließt sich ihm der Mensch an und es beginnt ein spannender Abenteuerroman, der zur Abwechslung mal nicht aus des Menschen Sicht erzählt wird.

Kilworth ist für mich der König der „tierischen“ Romane. Ob aus Sicht von Wieseln, Mäusen oder Wölfen, ihm gelingt es stets, die richtigen Worte zu finden ohne dabei albern oder kindlich zu wirken. „Der Fürst der Wölfe“ ist nicht nur aus naheliegendem Grund – der Wolf steht im Mittelpunkt – mein Liebling, sondern auch, weil er meiner Meinung nach am besten geschrieben wurde. Man muss keine Fantasy mögen, um dieses Buch schätzen zu können.

Verlag: Blanvalet | Genre: Abenteuer | Autor: Garry Kilworth | Amazonlink

Ronja Räubertochter

Ronja Räubertochter füge ich nur der Vollständigkeit halber ein, denn tatsächlich bräuchte ich es hier an dieser Stelle nicht zu erläutern. Ronja Räubertochter habe ich irgendwann, ich muss 5 gewesen sein, zu Ostern geschenkt bekommen. Damals habe ich noch in Belgien gelebt. Auf jeden Fall avancierte es quasi über Nacht zu meinem absoluten Lieblingsbuch. Mit Recht. Natürlich.

Astrid Lindgren hat es geschafft, einen Fantasyroman für Kinder und Jugendliche zu verfassen, der die Leserschaft und deren Fantasie ungaublich ernst nimmt und dabei doch nicht das Zauberhafte vermissen lässt. Ronja Räubertochter war mein erster, wirklicher Einstieg in die Fantasy und ich bin Frau Lindgren wirklich dankbar für die wunderbare Darstellung der Wesen, der Familienbande und nicht zuletzt der weiblichen Heldin, mit der ich mich damals wirklich identifizieren konnte.

Verlag: Oetinger | Genre: Fantasy | Autor: Astrid Lindgren | Amazonlink

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Buchtipps Endzeit Romane

5 stille Endzeit Romane ohne Zombies

Selten in der Popkultur kommt die Endzeit ohne Gewalt und ein gewisses Maß an Action aus. Zombies weiden sich am Menschen, Städte brennen und irgendwo im Hintergrund dröhnt eine Monsterwelle heran. Die Menschheit darbt dann in der verbliebenen Gemeinschaft, aus der heraus sich wiederum Miniapokalypschen in Form des Teufels in Menschengestalt bilden.

Doch es geht auch wesentlich stiller. Dort, wo der Untergang entweder lange zurück liegt oder nur in schleichender Ruhe vonstatten gegangen ist. Dort, wo es nur einen oder zwei menschliche Protagonisten gibt, die sich in der Isolation behaupten müssen. Die Antagonisten: Hunger, die Natur und nicht selten auch der eigene Verstand.

Hier möchte ich euch fünf Bücher ans Herz legen, die allesamt nach dem Dahinscheiden der fast kompletten Menschheit spielen und in denen existentielle Fragen und Wahrheiten im Fokus stehen.

Marlen Haushofer, „Die Wand“

Haushofer die Wand

Autorin: Marlen Haushofer Verlag: List (2014) | Umfang: 288 Seiten | Sprache: Deutsch

Die aufgrund der Erzählperspektive namenlos bleibende Protagonistin macht mit ihrer Cousine und deren Mann Urlaub in einer einsamen Berghütte. Als die eines Tages von einem Ausflug in das nahe gelegene Dorf nicht mehr zurückkehren, macht sich die Protagonistin auf, um sie zu suchen – und stößt auf halbem Wege auf eine unsichtbare Wand, hinter der alles Leben auf ewig erstarrt ist. Fortan muss sie alleine in den Bergen zurecht kommen, gegen Hunger und Naturgewalten kämpfen und damit zurecht kommen, dass ihr Kosmos drastisch geschrumpft ist.

Was genau diese Wand verursacht hat erfährt man nicht und auch die Protagonistin steht der Frage ratlos gegenüber. Man verfolgt ihr Leben in der Isolation mittels tagebuchartiger Einträge, in denen sie ihre Umgebung, aber auch sich selbst reflektiert. Dass sie immerhin tierisches Geleit findet, ist Fluch und Segen zugleich, denn ein Verlust wiegt, je konzentrierter die Bezugspersonen, umso schwerwiegender.

„Die Wand“ ist ein sehr interessanter Roman, der zum Nachdenken anregt und sowohl zarte Kritik an der Gesellschaft übt, als auch die Natur in den Fokus stellt. 2011 wurde der Roman übrigens auch verfilmt, bleibt für mein Dafürhalten jedoch hinter dem Buch zurück.

Anspruch: ♠♠♠♠ | Gefühl: ♠♠♠♠ | Gewalt: ♠♠ | Humor: ♠


Thomas Glavinic, „Die Arbeit der Nacht“

Die Arbeit der Nacht Thomas Glavinic

Autor: Thomas Glavinic Verlag: dtv (2008) | Umfang: 400 Seiten | Sprache: Deutsch

Als Jonas eines Tages aufwacht, ist alles Leben verschwunden. Weder Tier, noch Mensch zeigt sich im leer gefegten Wien. Drückende Einsamkeit lässt ihn brüchig und paranoid werden und er beginnt, die Straßen und sogar sich selbst im Schlaf zu filmen. Bald stellt er fest, dass seine Paranoia nicht unbegründet ist. Und so beginnen die seltsamen Ereignisse, die Faust enger um ihn zu schließen …

Trotz inhaltlicher Schwächen zeigt die Arbeit der Nacht auf beeindruckende Weise die Fragilität des Menschen in der Einsamkeit und schafft eine behaglich gruselige Atmosphäre. Gerade die erste Hälfte ist dadurch sehr stark, baut jedoch eine Erwartungshaltung auf, die das Ende nicht erfüllen kann. Nichtsdestotrotz ein Roman, den zu lesen sehr lohnt!

Anspruch: ♠♠♠♠ | Gefühl: ♠♠ | Gewalt: ♠ | Humor: ♠


Arno Schmidt, „Schwarze Spiegel“

Arno Schmidt Schwarze Spiegel

Autor: Arno Schmidt Verlag: Suhrkamp Verlag (2006) | Umfang: 154 Seiten | Sprache: Deutsch

Fünf Jahre nach dem dritten Weltkrieg liegt die Welt noch immer in Schutt und Asche, zermürbt von atomarem Beschuss. Bleich starren menschliche Skelette aus den Trümmern der Städte hervor, in denen der namenlose Protagonist auf seinem Fahrrad durch Norddeutschland streift. Er ist alleine, hat sich mit der Isolation allerdings mehr oder weniger angefreundet.

Gezeichnet wird ein graues Bild von der Endzeit, in dem nur ab und zu ein Funke Licht aufflackert. Das Sterben der Menschheit wird nüchtern betrachtet, hin und hergerissen zwischen Genugtuung und Trauer. Stark in den Vordergrund tritt die Gesellschaftskritik, auch und besonders durch die inneren Monologe des Erzählers.

Arno Schmidt macht es allerdings nicht allzu leicht, dem Text zu folgen. Gedankliche Sprünge des Erzählers sind nicht selten, ebenso wie die Rechtschreibung nicht immer eingehalten wird und man sich auf künstlerische Freiheit beruft. Zudem findet man etliche Anspielungen auf Literatur, Politik und weiteres Zeitgenössisches, der Humor ist zynisch, aber vorhanden.

Insgesamt ein Klassiker, den man nicht nur als Freund von Endzeit-Literatur gelesen haben sollte.

Anspruch: ♠♠♠♠♠ | Gefühl: ♠♠ | Gewalt: ♠♠ | Humor: ♠♠♠


Cormac McCarthy, „Die Straße“

Cormac McCarthy Straße

Autor: Cormac McCarthy Verlag: Rowohlt (2016) | Umfang: 256 Seiten | Sprache: Englisch

Vater und Sohn kämpfen sich durch ein zerstörtes Nordamerika, in dem nicht nur die menschlichen Hinterlassenschaften in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Die Natur stirbt. Der Himmel ist grau, die Bäume kahl und man ernährt sich von den letzten, schäbigen Resten, die die Welt noch herzugeben hat. Auf der Suche nach Rettung zieht es die dezimierte Familie zur Küste.

Die beiden sind die meiste Zeit über allein mit sich und ihrer Not – und wollen das auch bleiben. Man kann niemandem trauen, ist stets auf der Hut und verbirgt sich, so gut es geht. Das triste Bild der Welt wird durch die Kannibalen grausam akzentuiert, ohne dass sensationsheischender Geifer aus der Schreibfeder McCarthys tropft. Erschütternd und tiefgründig erzählt, fühlt man als Leser unweigerlich mit.

Viele dürften die Verfilmung mit Viggo Mortensen aus dem Jahre 2009 kennen. Auch diese ist empfehlenswert, die Darsteller machen ihre Sache gut und der Roman wurde recht gut umgesetzt.

Anspruch: ♠♠♠♠ | Gefühl: ♠♠♠ | Gewalt: ♠♠♠♠ | Humor: ♠


Jean Hegland, „Die Lichtung“

Jean Hegland Die Lichtung

Autor: Jean Hegland Verlag: Fischer (2017) | Umfang: 300 Seiten | Sprache: Englisch | Bestellen

Die zwei jungen Schwestern Nell und Eva kämpfen noch mit dem Tod ihrer Eltern, als die Zivilisation um sie herum langsam zusammenbricht. Abgeschieden am Waldrand lebend, bekommen sie von all dem jedoch wenig mit und flüchten sich bald in ihre Zweisamkeit.

Obwohl auch im nahen Umkreis der Waldhütte einiges an Grausamkeiten geschehen, bleibt das zwischenmenschliche im Vordergrund. Die Themen, die in den Dialogen und in der Erzählung aufgegriffen werden, gehen über die eines handelsüblichen Young Adult Romans hinaus und machen es so auch für erwachsene Leser angenehm zu lesen. Die Gefühlswelten der Protagonisten rücken stärker in den Mittelpunkt als in den anderen hier vorgestellten Romanen, ohne es dadurch kitschig werden zu lassen. Der Aspekt der Natur rundet das Werk ab.

Anspruch: ♠♠ | Gefühl: ♠♠♠♠♠ | Gewalt: ♠ | Humor: ♠♠


Weitere Tipps

  • James Graham Ballard: Die Dürre (The Drought, 1964)
  • Sturm aus dem Nichts (The Wind from Nowhere, 1961)
  • Paradies der Sonne (The Drowned World, 1962)
  • Richard Cowper: -The White Bird of Kinship, bestehend aus Piper at the Gates of Dawn (Story, 1976), The Road to Corlay (1978), A Dream of Kinship (1981), A Tapestry of Time (1982)
  • George R.. Stewart: Leben ohne Ende (Earth Abides, 1949)
  • John Christopher: No Blades of Grass, 1956
  • Emily St. John Mandel: Station Eleven, 2014 (Das Licht der letzten Tage).
  • Walter M. Miller, Jr.: Lobgesang auf Leibowitz (A Canticle for Leibowitz, 1959)
  • Adrian J.Walker: The End of the World Running Club

Photo by Joseph Chan on Unsplash