„Sextypen“ im Rollenspiel

Sex – die bekanntlich schönste Nebensache der Welt. Doch auch im Pen&Paper? Dort, wo man mit ein paar Freund*innen zusammen am Tisch sitzt, in der einen Hand drölf fancy Würfel und in der anderen ein Glas Cola? Welcher Rollenspielende kennt nicht das verlegene Husten aus der Ecke, sobald es doch zur Annäherung zweier SCs kommt? Dabei steckt in „Rollenspiel“ doch bereits eine gehörige Portion Erotik drin! Und die DSA’sche Meistermaske könnte auch fast auf einer Swingerparty getragen werden!

Die einen spielen es jedenfalls minutiös aus, die anderen blenden vorzeitig ab. Erlaubt ist, was der Gruppe gefällt. Doch fügt sich auch jeder „Rollenspiel“typ gut in diese ein? Zu welchem der Typen gehörst du? [Vorsicht. Text enthält alberne Anspielungen und explizite Worte. Hihi.]

10 Rollenspieltypen beim Thema: Sex

Der Zahlenfetischist

Der Würfel ist sein heiliger Gral, die Zahlen seine Passion. Wozu hat man denn auch seinen Charakterbogen inklusive mühselig gesteigerter Talentwerte? Vom ersten Betörenversuch über die Reiten- oder Kletternprobe beim Besteigen bishin zum Lügenwurf bei vorgetäuschtem Orgasmus: Der Akt wird gewürfelt, vom Anfang bis zum Happy End! Dabei ist es dem Zahlenfetischisten egal, ob das Auswürfeln des Aktes länger dauert als das eines Kampfes gegen eine Horde Orks. Er ist erst befriedigt, sobald der letzte Würfel gefallen und die restlichen Mitspieler eingeschlafen sind!

Zitat: „Ich würfel auf Cumshot! Yes! Critical Hit!“

Der Atmosphäriker

Als Gegenstück zum ersten Typen ist für ihn Immersion A und O. Der Atmosphäriker ist verliebt in die Darstellung seines Charakters – in jeder Hinsicht. In wortreicher Beschreibung ergießt er sich in dem Moment, fühlt sich ein und lebt ihn. Die Augen geschlossen, mit den Händen in beschreibener Ekstase gestikulierend, ist er derart im IC versunken, dass er gar nicht merkt, wie seine Mitspieler*innen inklusive Spielleiter*in den geordneten Rückzug in die Küche antreten. Möglicherweise zündet er vorher auch ein Räucherstäbchen an und legt eine uralte Kuschelrock-CD auf.

Zitat: „Während ich ihr zärtlich das Höschen von den Schenkeln streife, hauche ich ergeben: Oh Holdeste aller Maiden, ich möchte mich bis in alle Ewigkeit in Euch versenken… Dann knabbere ich zärtlich an.. Leute? Hallo? Wo seid ihr?!“

Der Crossgender

Typ 3 spielt grundsätzlich leicht bekleidete, großbusige Frauen, die ob ihrer Sexsucht berühmt und berüchtigt sind. Mit der ihnen innewohnenden Anmut und Grazie umwickeln sie jeden Mann. Wortwörtlich. Völlig unabhängig davon, ob es sich um SC, NSC oder gar den Evil Overlord handelt, werden die armen Gestalten in Ecken, Hinterhöfe und Büsche gezerrt, wo sie gemeinsam Rahjas Freuden erleben. Dabei ist sich Typ 3 der dezenten Übersexualisierung gar nicht bewusst. Warum auch? Denn er weiß genau, wie Frauen ticken! Vielleicht hat er auch zu viele Pornos gesehen. Aber nur ganz vielleicht.

Zitat: „Ich gehe in die Taverne und suche nach dem bestaussehendsten Burschen! Sobald ich ihn gefunden habe, gehe ich auf ihn zu und sage, während ich ihm in den Schritt greife: [Fistelstimme] Oh hallo, wie wär’s mit uns? Keine Sorge, ich koste nichts, ich vögel einfach gerne mit mir völlig Fremden!“

Die Crossgender

Ihr Charakter verliert grundsätzlich sein Hemd oder vergisst zumindest, eines anzuziehen. Mit wehendem Haar – das natürlich trotz widriger Reiseumstände stets frisch gewaschen ist – lehnt er lässig gegen jeden Türrahmen, den er finden kann (was die Städtetour einer Heldentruppe mitunter deutlich verzögern kann). Werte sind Typ 4 nicht so wichtig: Es sei denn, es handelt sich um Charisma und Betören. Und ein bisschen Körperkraft. Aber nicht zu viel! Bodybuilder sind schließlich unsexy! Gekonnt betört er nur die schönsten Frauen, doch wird der eigentliche Sex dabei nicht ausgespielt. Dafür ist Typ 4 danach erst einmal einige Zeit lang nicht ansprechbar, da sie viel zu sehr damit beschäftigt ist, sehnsüchtige Löcher in die Luft zu starren.

Zitat: „Ich presse sie an meine eingeölte Brust und schiebe sie in mein Zelt. – So, macht ihr mal weiter, ich äh… muss mal eben die möglichen Klausurenfragen für nächste Woche in meinem Kopf durchgehen…“

Mr. Omnipotent

Mr. Omnipotent kann alles! Nun, zumindest kann es sein bespielter Charakter. Er legt Wert darauf, dass er das „längste Schwert“ in der Stadt hat, die härtesten Muskeln und die knackigsten Frauen an seiner Seite! Natürlich hat er seinen Charakter in jeder Hinsicht perfektioniert! Ein Amulett, das die Konstitution erhöht? Gekauft! Ein Zauberspruch, der gewisse Körperteile verlängern kann? Gezaubert! Sollte der*die SL es wagen, auf Betören würfeln zu lassen, verweist er auf seine großartigen Werte und weigert sich hartnäckig so lange, bis der SL schließlich aufgibt und Mr. Omnipotent den „besten Sex, den Aventurien je gesehen hat“ beschreiben lässt. Das allerdings fällt ausnahmsweise kurz aus.

Zitat: „Aus meinem Zelt hört ihr sie schreien: Oooh ja, du bist der Beste! Ich hatte noch nie so einen großen!

Der Schüchterne

Nummer 6 ist vermutlich der am häufigsten anzutreffende Typ und besticht durch seine Abstinenz. Weder möchte er mit seinen Charakteren erotische Szenen erleben, noch möchte er ihm bei seinen Mitspieler*innen beiwohnen. Sex gehört weder auf den Spieltisch, noch darunter! Sollte es doch soweit kommen, schießt sein Blut in den Kopf, nicht in die Genitalien. Er heißt vermutlich Hans-Dieter und sammelt Briefmarken.

Zitat: Müsst ihr das jetzt ausspielen…?

Der Teenager

Aus seiner Ecke hört man bereits dann ein Kichern, wenn die Helden nur an einem Bordell vorbei gehen. Auf Zweideutigkeiten reitet er so lange herum, bis er lachend selbst unter dem Tisch liegt, während die Mitspieler*innen mit keiner Miene zucken. Er liebt Sex – zumindest in der Theorie, denn praktisch hat er noch keine Erfahrungen sammeln können. Dafür schöpft er nun am Spieltisch aus den Vollen – und ist beim Feiern im RL verwundert, wenn die Bardame oder der Barkeeper nicht nach einem Halbsatz mit auf sein Zimmer geht.

Zitat: „Hihi! Sie hat Penis gesagt!“

Der Voyeur

Selbst hat der Voyeur keinerlei Ambitionen, seine Charaktere in erotische Situationen hinein schlittern zu lassen. Dafür jedoch wird er sofort hellwach, sobald sich etwas bei seinen Mitspielern anbahnt. Sofort unterstützt er sie mit mehr oder minder hilfreichen Tipps wie „Im Aventurischen Boten habe ich gelesen, dass es Verhütungsmittel gibt! Also sollte euch das ja jetzt nicht davon abhalten, oder?“ und zeigt sich hochgradig enttäuscht, wenn der*die SL zur nächsten Szene hin blendet. Man sollte darauf achten, dass seine beiden Hände oberhalb des Tisches sind.

Zitat: „Und weiter?! Was passiert jetzt?! Nene lasst mal ruhig endlich mal Storytelling betreiben, wir metzeln doch sonst nur…“

Der Hack’n’Slayer

Der Christian Grey unter den Typen und doch noch um einiges härter. Das Wie ist ihm nicht so wichtig, die Hauptsache ist, dass er zeigen kann, was er so drauf hat! Speziell in sozialen Abenteuern ohne Kämpfe ist es ihm wichtig, dass er zumindest in der Horizontalen ein Schlachtfest anrichten kann. Finish her! ist seine Devise und dass er ein großer, schweisstreibender Hengst ist, sollen nicht nur Helden und Mitspieler wissen, sondern auch noch die RL-Nachbarn! Er röhrt, haut auf den Tisch und will am Ende auch noch Massen an XP!

Zitat: „Komm mit, Weib! Wir rammeln bis zum ersten Blut!“

Der echt echte Rollenspieler

Der wahre Meister seines Fachs! Als echter Rollenspieler weiß er alles über seinen Helden: Farbe, Aderverlauf, Länge, Dicke und natürlich auch Vorlieben, die sich der Held im Laufe der durchgeplanten Historie mit seinen 12,5 Exfreundinnen angeeignet hat. Doch nicht nur ist der Hintergrund ausgefuchst und zehnfach vom SL abgesegnet, auch hat der echt echte Rollenspieler jede Regel, Tabelle und Sonderfertigkeit im Kopf! Sei es, dass er weiß, wie hoch die Trefferwahrscheinlichkeit aus welcher Entfernung ist oder dass er sich eine Tabelle für die Orgasmuswahrscheinlichkeit angelegt hat: Er hat einfach alles. Auch gutes Rollenspiel. So gut, dass er selber gerne mal IC und OOC verwechselt und seine RL-Freundin immer mal wieder Rahjane nennt.



Ich selbst bin Typ 6: Der schüchterne Hans-Dieter
. Ich persönlich brauche keinen Sex am Spieltisch. Besonders dann nicht, wenn er einem aufgezwungen wird. Davon abgesehen sind all die Typen hier natürlich überstilisiert und nicht allzu ernst zu nehmen. Insbesondere soll auch noch gesagt sein, dass zwar der Einfachheit halber sprachlich (fast) alle männlich sind, das ganze jedoch auch durchaus auf Spielerinnen zutreffen kann.

Picture by Alessio Albano via Flickr.com under the following creative commons: Attribution-ShareAlike
Rollenspiel im Lustigen Taschenbuch

Rollenspiel im Lustigen Taschenbuch

Es ist immer interessant, wenn Geekiges in Medien oder Produktionen, die eigentlich wenig mit der Sache zu tun haben, behandelt wird. Kennen sich die Autor:innen mit der Thematik aus oder bedienen sie sich nur irgendwelcher Strereotype? Und wenn ja – welcher genau? Hier schaue ich mir mal das Thema „Rollenspiel“ in einem Lustigen Taschenbuch näher an!

Ja, auch Donald, Mickey und Goofy spielen Rollenspiele. Vermutlich nicht ganz so unfassbar fachmännisch wie wir (haha), aber doch stets mit viel Elan. In der 310. Ausgabe des Lustigen Taschenbuches zum Beispiel. Dort spielt Donald in der Geschichte „Der schwarze Schatten“ einen mutigen Krieger, den später dann doch der Mut verlässt, Mickey einen gewieften Schurken, der gar nicht wirklich schurkig ist und Goofy einen Magier, der “mehr Zauber kennt, als er sich merken kann”. Gemeinsam sind sie auf der selbstredend heroischen Queste, um ihr Heimatdorf vor unsäglichen Monstern zu befreien.

Das Regelsystem

Das Würfelsystem - 2W6

Hierbei bedienen sich die drei Helden eines denkbar einfachen Regelsystems, das sogar von Spielfiguren unterstützt wird, um das ganze visuell anschaulicher für die kindliche Leserschaft zu gestalten. Ein Spielleiter ist nicht vonnöten, die Spieler selber erzählen die Geschichte und führen sich und ihre Mitspieler durch das Abenteuer. Dabei hilft das schlaue Regelwerk, das, je nach Werten der Helden und ein wenig im Stile der “Buchabenteuer” (Lone Wolf”), gewisse Situationen und Reaktionen der NPCs vorgibt.  Gewürfelt wird stets mit zwei W6.

Interessant hierbei ist, dass Kämpfe mit jeweils nur einem einzigen Wurf pro Held bestritten werden. Eine einzige Kampfrunde reicht aus, um ein Monster zu besiegen – oder auch, um gefressen zu werden. Aber gut, wenn man hier auch die DSA4-Regeln verwenden würde, könnte man für einen einzigen Kampf direkt 4 LTBs verbraten und das zu lesen würde nichteinmal ich mir zumuten.

Wobei, vielleicht würde ich mich doch opfern. Heroisch, selbstredend, um euch darüber zu berichten.

Die Charaktere

Goofy zaubert einen unsinnigen Zauber

Die Charaktere sind natürlich sehr klassisch, in sich jedoch angenehm humorvoll gestaltet. Mickeys Darstellung fällt mir dabei negativ auf: Seine Darstellung als edler Robin Hood ist so aalglatt wie sein geschliffener Dolch. Donald wiederum besticht durch seine OOC-Träumereien, die er in dem RP verwirklicht sehen will. Ein edler Recke voller Stolz und Tapferkeit möchte er sein, jemand, der holde Jungfrauen rettet. Wie zu erwarten war, verlässt Donald jedoch das Würfelglück und statt einer heldenhaften Rettung erlebt er mit seinem Avatar eine Peinlichkeit nach der nächsten. Goofy indes glänzt als völlig überdrehter Magier, der zwar ziemlich mächtig ist, seine Macht jedoch lieber für unsinnige Zauber wie sich selbst stopfende Socken nutzt. Die kleine Heldentruppe schlägt sich insgesamt wacker. Ein wenig schade finde ich es, dass Mickey selbst in der Rolle als Dieb und Herumstreuner noch das edleste aller Herzen zur Schau trägt. Aber gut, im Grunde spielen sich alle selbst.

Das Abenteuer

In ein “echtes” Abenteuer kann man diese Geschichte auch zwängen: Eine schwarze Kugel, die Monster gebärt und in einem finsteren Turm gehegt und gepflegt (aber offensichtlich nicht gut bewacht) wird und von den Helden zerstört werden muss, bevor eine wahre Monsterplage über die umliegenden Dörfer hereinbricht. Dazu ein gerissener Widersacher, der sich in das Vertrauen mindestens eines Helden schleicht um die Gruppe später zu verraten, gewürzt mit einem goldgierigen Oberschurken, der die Kugel für sich beanspruchen und damit Geld verdienen will. (Weil sich, wie wir alle wissen, so ein monsterzeugendes Ding ja auch wunderbar überall verkaufen lässt. Oder so.) Dieses 2W6-System mit den extrem kurzen und viel zu zufallsabhängigen Kämpfen würde ich jedoch nicht unbedingt empfehlen. Dafür plädiere ich auch fortan in meine Spielrunden für so niedliche kleine Spielfiguren in maßstabgetreuer Gestalt der Spieler!

Fazit

Donald ist stolzer Spieler eines Ritters

Obwohl keine Erklärung, was Rollenspiel überhaupt ist, voran gestellt wird, wird es doch innerhalb der Geschichte ersichtlich und ich kann mir vorstellen, dass es auch Lust auf “mehr” macht. Sehr schön ist in diesem Zusammenhang auch, dass sich Goofy vorab immer selber in die Szenen schreibt, obwohl er noch gar nicht an der Reihe ist. Disziplin will gelernt sein, auch bei Rollenspielen! Ich selber begrüße dieserart Geschichten in den LTBs natürlich sehr und lese sie auch mit am liebsten. Es gibt noch mindestens ein oder zwei andere Rollenspielgeschichten dieser Art und ich werde sie suchen und finden! Alternativ könnt ihr sie auch für mich aufspüren!

Die Darstellung der Rollenspieler an sich ist eine positive. Es sind keine verschrobene Einzelgänger, sondern die Helden aus den LTB-Geschichten, die durch das Spielen nicht dubioser wirken als zuvor. Im Gegenteil, transportiert wird durch „Der schwarze Schatten“ der Spaß, den sie alle dabei haben. Gut. Donalds Frust mag man nun nicht unter „Spaß“ abheften… aber es wäre ja leider nicht so, dass er in den anderen Geschichten vom Glück verfolgt würde.

Griefer Rollenspiel

Werde zum Griefmaster in nur 5 Schritten!

Ein Griefer (engl. grief play = dt. Leidspiel) ist ein Spieler, der versucht, anderen Spielern den Spaß am Spiel zu nehmen, ohne dabei direkt gegen grundlegende Spielregeln zu verstoßen.“ (Quelle: wikipedia)

Obige Beschreibung klingt nach einer Menge Spaß, oder? Warum sollten andere Spaß haben, wenn ich doch Spaß haben soll? Gruppenspiel ist ohnehin total veraltet und eigentlich sind nur alle für einen Zweck da: Mich zu unterhalten! Doch Griefing will gelernt sein. Wie oft habe ich schon gesehen, wie Baby-Griefer viel zu schüchtern waren. Da waren die Charaktere nicht unpassend genug oder die Kommentare nicht ausreichend störend – wirklich das Spiel gestört hat es nicht. Ein gar trauriger Anblick. Ein Anblick, den niemand mehr erleiden muss! Dank dieses Guides werdet ihr alle zu Pro-Griefern! Ihr habt solches Glück!

Schritt 1: Der Charakter

Du sitzt gemütlich zu Hause, der Rollenspielabend ist noch gut ein, zwei Stunden entfernt. Doch wo andere sich noch gepflegt einem Spiel oder Film widmen kannst du schon aktiv werden, denn bereits hier beginnt Phase Eins: Die Charaktererschaffung. Mache dies niemals – ich wiederhole: niemals! – mit deinen Mitspielern gemeinsam. Wozu auch? Du weißt ohnehin viel besser, was gut genug für dich ist und die meisten Leute pochen viel zu sehr auf das Gruppenzusammenspiel und pfuschen dir rein!

Deine oberste Regel lautet jedoch: Nieder mit dem Gruppenspiel! Frag bei den Mitspielern zuvor vorsichtig nach, welche Charakterklassen und Kulturen sie spielen werden. Filtere dann die wichtigsten Punkte zusammen, die zu deren Charakteren gar nicht passen und spiele Frankensteim, indem du all diese Punkte zu einem einzigen Char zusammenfügst. Sei dabei jedoch nicht zu dreist: ein halborkischer Elfenmagier mit Schwerpunkt Mathematik und einem Bein in der Nekromantie ist einfach nicht regelkonform und zumindest den Deckmantel der Regelkonformität musst du dir bewahren! Abstrus darf es jedoch gerne sein. Lege dir vorher einige lapidare Erklärungen zurecht, die ruhig an den Haaren herbeigezogen sein dürfen.

Schritt 2: Das richtige Timing

Komme entweder zu früh oder zu spät. Pünktlichkeit ist eine Sache, die du hier nicht brauchst. Bei überfrühter Ankunftszeit kannst du den Locationgeber bereits vorab auf deine Seite ziehen. Gehe in seinem Zimmer/seiner Wohnung auf und ab, gucke alle drei Sekunden auf die Uhr und murmle Dinge wie „Nie kommen die pünktlich…“ oder „Ich bin ja mal wieder der Einzige, dem das hier wirklich wichtig ist!“ Untermale dies mit einem milde seufzenden Kopfschütteln. In dem Unterbewusstsein des Gastgebers wird sich so langsam eine Antihaltung euren Mitspielern gegenüber manifestieren. Das ist eine sehr gute Ausgangslage!

Zuspätkommen dagegen hat gewisse andere Vorteile: alle anderen werden vorab verstimmter. Man muss auf dich warten, kann nicht anfangen, schließlich will niemand unhöflich erscheinen. Die Stimmung ist allgemein anfangs in diesem Fall keine gute. Sei nicht nur 15 Minuten zu spät, sondern mindestens 45. Entschuldige das nicht, sondern verkünde strahlend: „Frohlocket, ich bin da!“

Schritt 3: das Rollenspiel

Ihr sitzt nun alle um euren Spieltisch und fangt an, zu spielen. Als gut vorbereiteter Griefer hast du deinen Charakterbogen natürlich nicht dabei und musst dir alles aus den Fingern saugen. Nun hast du hierbei zwei Möglichkeiten: entweder, du heuchelst schreckliches Unwissen vor, damit dein Char unter erheblichem Zeitaufwand neu erstellt werden muss (=Unmut) oder du erzählst, alle Werte noch im Kopf zu haben, sodass du im Notfall besser tricksen kannst.

Wichtig: alle anderen spielen ein Rollenspiel. Du spielst Griefing. Sei nicht zu sehr in deiner Rolle! Verkünde IC, dass du jetzt gerne zum „Mäcces“ gehen willst und dass es ja „voll cool“ ist, dass sich der Zwerg so gut mit dem Elfen der Gruppe versteht, das sei „voll fortschrittlich und multikulturell, wie in der Fußballnationalmannschaft!“ Dein Held hat nur einen geringen Mutwert? Macht nichts, presche trotzdem immer mit stolz geschwellter Brust vor! Halte dich einfach nicht so sehr an dein Charakterkonzept, das ist ohnehin völlig überschätzt.

Schritt 4: Das Ambiente

Zerstöre jegliche Stimmung im Keim! Wichtigste Utensilien: Chipstüte und deine Stimmbänder. Besonders dankbar sind hierbei gruselige oder traurige Szenen. Sobald der Spielleiter seine Stimme senkt und eine entsprechende Stimmung kreieren will, warte ersteinmal ein bisschen ab, bis alle gebannt an seinen Lippen hängen. Dann dein großer Auftritt: raschle lautstark mit der Chipstüte, knuspere sportlich und spucke beim Reden theatralisch noch ein paar Krümel auf die Charakterbögen deiner Mitspieler, wenn du Dinge sagst wie: „Habt ihr eigentlich schon den neuen Film von Dingens da gesehen?“ oder „Voll traurig, die Trennung gestern bei GZSZ, oder?!“

Mache generell alles lächerlich. Verweise auf Slapstickkomödien, in denen die Handlung, die gerade IC stattfindet, ähnlich, nur nicht ganz so ernst vorkommt. Wenn der Spielleiter einen NSC darstellt und dabei die Stimme verstellt, lache ihn aus und rufe: „Lol, guckt mal wie lächerlich der sich gerade macht!“ Auch deine Mitspieler brauchen einen Dämpfer! Klopfe dir bei jeder ihrer missglückten Proben auf die Schenkel und zeige deutlich, für wie „dumm“ und unbrauchbar du deren Figuren doch findest, deiner sei ohnehin der beste!

Schritt 5: Das Ende

Die Spieler fanden das Spiel gar nicht so schlecht? Dann hast du einiges falsch gemacht. Aber noch ist nicht aller Tage Abend! mache ihnen das Erlebnis dann eben im Nachhinein schlecht! Maule herum, wie langweilig das doch heute war. Auf Gegenargumente wie „Die Szene am Baum war aber doch grandios!“ antwortest du pingelig mit „Roflcopter, DAS nennst du grandios?! Du hast wohl nicht so viele Vergleichsspielabende miterlebt, was?“

Da du viel Chips vertilgt und hoffentlich massig dabei gekrümelt hast, ist das ein guter Grund, nun einfach abzuhauen. Der riesige Müllberg, den du hinterlässt, ist dein letzter Streich! Verabschiede dich kichernd und mit einem „Macht’s gut, ihr Trottel!“

Der nächste Spielabend kann kommen!

Picture by JD Hancock via Flickr.com under the following creative commons: Attribution-ShareAlike

[LARP] Auf den Spuren der Bracar Keltoi

Während ich wieder einmal unschuldig auf Facebook surfe – und zwischen Katzenbildern und Nerdcontent hin und hergerissen bin – stoße ich auf Vorher-Nachher-Bilder. Nein, gemeint sind keine mäßig interessanten Bilder von Stars und Sternchen, die entweder gerade 5 Gramm Fett verloren oder 10 Falten hinzugewonnen haben, sondern Bilder von blutüberströmten Kriegern. Um es vorweg zu nehmen: Faltencreme ist bei diesen Bildern nicht involviert.

Nein, vielmehr blicke ich entzückt auf die Bilder von LARPern, die ihre damaligen Ichs zeigen und in Kontrast zu den Gewandungen ihrer heutigen Selbst stellen. Frei nach dem Motto „Früher Hemdchen, heute gestandener Barbar“ präsentieren sich auf der Facebookseite der Bracar Keltoi derzeit die Mitglieder dieser an die 50 Mann/Frau starken Truppe. Das ist nicht nur amüsant bis imposant anzusehen, sondern ermutigt auch Neu-LARPer, sich der Thematik mal näher zu widmen. Es hat schließlich jeder einmal klein angefangen.

Vom Larp-Änfänger zum mächtigen Krieger!Heute stellen wir euch ein weiteres Mitglied aus Tyrion Nightfires Assassinen-Familie vor: Connorson, der Hemdchenkrieger!#throwbacklarp

Gepostet von Bracar Keltoi am Freitag, 16. Juni 2017

Beim Zeigen dieser Bilder wollte ich es eigentlich auch belassen. Plötzlich jedoch finde ich mich in einem Telefonat mit Se“Basti“an Böger wieder, seines Zeichens Althochkönig der Bracar Keltoi. Schnell fühle ich mich an alte, biergeschwängerte RP-Abende erinnert, während Basti über seinen Clan und das LARP erzählt. Ich bin da, wie ich leider zugeben muss, noch eine Jungfrau. Zwar habe ich eine Art Gewandung (wie man hier oder hier sehen kann … und auch hier. Hihi. Crossed Cossplay ftw.) doch taugt diese freilich nur für alkoholisierte Abende auf Mittelaltermärkten. Ich muss allerdings zugeben: Ich bin gehooked! Ich will auch brüllend und schwertschwingend über Wiesen rennen, Schaumstoff gegen Lederrüstung prallen sehen und mich mit dem Blute gefallener Schergen bepinseln! In mir lauerte schließlich schon immer eine blutrünstige Barbarin! Leser meines alten Blogs (RIP) wissen Bescheid.

Der Inhalt ist nicht verfügbar.
Bitte erlaube Cookies, indem du auf Übernehmen im Banner klickst.


Aber natürlich geht es hier nicht um mich, sondern um den Clan der Bracar Keltoi. Der ist wohl einer der bekanntesten und größten Deutschlands und das aus vollster Passion. Nicht nur sind die Mitglieder auf unzähligen Cons vertreten, sie proben auch fleißig in den Münchner Parks und laufen ein paar Kilometer. Regelmäßig. Manchmal. Denn, ja, wer ein waschechter Barbar sein und rüstungtragend kämpfen will braucht mehr Kondition als man für einen Gang vom Sofa bis zum Kühlschrank braucht.

Als Neumünchnerin habe ich nun tatsächlich Blut geleckt, denn Basti und seine LARP-Kollegen, die sich meist schon seit Jahren kennen und über den Freundeskreis rekrutiert haben, kommen tatsächlich auch aus dieser Stadt. Das schreit eigentlich geradezu nach einem Grillabend mit Odinstrunk, Met und mehr Met Bier!

Wie dem auch sei: Sehr gerne empfehle ich die knapp 45minütige Dokumentation über LARP mit den Bracar Keltoi auf DMAX und verweise auf die Facebookseite der Truppe, die auf mich zumindest spontan sehr sympathisch, da begeistert und unkompliziert, wirkt. Klick long and prosper!

Header Shoppen im P&P

Der Ort im P&P, der mich wahnsinnig macht

„Ich gehe in den Krämerladen und kaufe ein…“ Gähn. Kaum eine Location stört mich mehr als die Krämer,- Waffen-, Rüstungs-, und Wattebauschläden in beliebigen Rollenspielen. Meiner Erfahrung nach werden diese Szenen unnötig ausgedehnt. Jeder Einkaufszettel, ob er nun drei Zutaten für ein Butterbrot oder ein einziges Paar Stiefel enthält, wird zelebriert, als handle es sich um die Schlüsselszene des Abenteuers. 99% der Einkaufsdialoge laufen dabei nach einem Schema ab.

„Hallo sehr geehrter Händler – Hallo blabla – Ich hätte gerne XY – Oh ja das kostet 6,66 – ne machen wir 6,50 draus – [Insert 3 Stunden Gefeilsche] – So hier bitte schön, für 6,57 ist es deins, sonst noch was? – Ja wo ich schonmal hier bin hätte ich gerne noch XY – vorzügliche Wahl, das macht 42,42 – Na machen wir doch 42,41 draus (…)“ Noooo!

Nun darf man natürlich sagen: „Hey, du hast einfach die falschen Erfahrungen gesammelt / deine Gruppen waren unpassend“. Ersteres mag stimmen, zweiteres jedoch nicht. Es waren zumeist lediglich die Händlerszenen, die mich zu kleinen Schnarchanfällen veranlasst haben. Nicht, dass das bei jedem von euch der Fall sein muss. Vielleicht findet ihr Händlerszenen ja besonders großartig und würdet am liebsten ein „Shopping Queen“-RP erstellen? Nur zu! Dennoch möchte ich meine persönliche Abneigung hier etwas genauer erklären und gleichzeitig den ein oder anderen Tipp loswerden. Es steht allerdings jedem frei, es anders zu bewerten und weiterhin seine eigene Meinung zu vertreten. (Ich werde aus silently aus dem Off judgen. Höhö.)

Weniger ist mehr

Die typische Heldengruppe besteht aus 3-4 Leuten. Wenn nur eine*r davon (ausführlich) einkaufen geht, sitzen die verbleibenden 3 Leute herum und drehen Däumchen (oder dem Spielleiter den Hals um). Wer möchte schon dem x-ten Händlergespräch lauschen? Das „Gameplay“ ist ohnehin gleich oder zumindest sehr ähnlich – warum also das ganze nicht drastisch verkürzen? Tut es jemandem weh? Wenn nicht: Ein „Ich kaufe mal schnell dies und das ein und streiche mir Betrag X ab, ok?“ reicht im Grunde vollkommen und man kann sich auf die wirklich spannenden Geschichten, Spielereien und Aufgaben konzentrieren. Als Beschneidung des Rollenspiels empfinde ich es persönlich nicht. Man spielt generell nicht jedes einzelne Gespräch mit einem NPC oder auch PC durch, sonst würde ein Abenteuer Tage, Wochen, Monate am Stück brauchen.

Es ist auch nicht unbedingt nur die Location, die mich stört, sondern das Murmeltierartige. Kamen wir, egal innerhalb welcher Spielegruppe ich gezockt habe, in eine Stadt: Zack, der erste Gang war der zum Geschäft. Je-des Mal. Ich konnte es bei den meisten Charakteren bereits mitsprechen. Das war so eingefahren, dass es auch nicht wirklich half, wenn man es angesprochen hat. Dafür waren meine bisherigen Gruppen allerdings bei fast allen anderen Angelegenheiten großartig.

Aus dem Händler (und Laden) einen Typen machen

Genau wie der Wirt nicht immer ein dicker, rotwangiger Kerl sein muss, darf der Händler – oder die Händlerin – auch mehr Profil als die Schuhsohle eines Stepptänzers besitzen. Es ist eine der einfachsten Möglichkeiten, das Einkaufen abwechslungsreich zu gestalten. Wenn nicht jeder Ladenbesitzer gleich wirkt, hat es auch für die unbeteiligten Spieler*innen mehr Anreiz, zuzuhören.

Auch das Geschäft an sich kann ausgeschmückt werden. Erinnert euch an spannende Läden in Computerspielen, Filmen oder auch Bücher. Und wenn es nur Ollivanders ist, das Fachgeschäft für Zauberstäbe aus Harry Potter. Erinnert euch an das individuelle Interieur, wie die ganze Atmosphäre auf euch gewirkt hat. Vermittelt nicht das Gefühl, als gäbe es im gesamten Land nur ein einziges Waffengeschäft, das mit den Helden reist und plötzlich in jeder Stadt, wo die Spieler auftauchen, aufploppt. Jeder Laden kann und darf anders sein. Auch  wenn natürlich nicht jedes Geschäft extrem besonders sein muss, das wäre mit Sicherheit auch dezent dubios. Wenn man aber mit Leidenschaft Einkäufe spielt, dann wäre es doch nicht verkehrt, daraus ein kleines Erlebnis mit Mehrwert zu gestalten. Und wenn man nicht gerade in der Realität oder in einem Sci-Fi-Setting o.ä. spielt, sind komplett gleich geschaltete Ketten wie Aldi und Co eher Mangelware.

Den Shopbesuch ins Abenteuer eingliedern

„Hee … psst. Wolle Info kaufen?“ Nein, ganz so offenkundig muss es ja nun nicht sein. Doch wenn man hin und wieder mal abenteuerrelevante Informationen in Gespräche mit NPCs einfließen lässt, kann das so verkehrt nicht sein. Gerade da bietet sich der Händler besonders an. Warum? Der Wirt ist ohnehin eine erwartete Informationsschleuder. Und die Passantin, die selbstverständlich total zufällig zu plaudern beginnt? Klar. Vom Händler jedoch erwartet man es nicht unbedingt. Wenn man es denn geschickt einfädelt und es eher in Nebensätze einfließen lässt. Zudem bekommt der Einkauf dann etwas weniger Belangloses.

Ich selber habe schlichtweg eine Aversion gegen die Location „Geschäft“ in Rollenspielen entwickelt. Wahrscheinlich ist mein Gefühl da auch etwas übertrieben. In zukünftigen Gruppen (derzeit habe ich leider keine, da mir die Zeit fehlt) werde ich definitiv darauf achten, keine Stunde damit zu verbringen, dass nur einer(!) shoppen geht.