Welche Verantwortung hat Phantastik PAN18

„Welche Verantwortung hat Phantastik?“ – Ein Nachwort zum #PAN18

Vergangene Woche fand das dritte PAN-Branchentreffen der Phantastik unter dem Banner „Träumen Androiden von Freiheit? – Über Gesellschaft und Politik in der Phantastik“ in Köln statt. Deutschsprachige AutorInnen tummelten sich, oft mit Kaffee, häufiger mit Enthusiasmus bewaffnet, im Odysseum und lauschten Vorträgen, beteiligten sich an Podiumsdiskussionen und netzwerkten. Insgesamt, das kann ich schon vorweg nehmen, war es ein unglaublich inspirierendes und spannendes Treffen mit großartigen Menschen! Doch gesagt wurde nicht alles.

Bei der Podiumsdiskussion „Rassismus – Sexismus – Homophobie – welche Verantwortung hat die Phantastik?“ war ich selbst als „Stimme auf dem Sofa“ beteiligt. Vorab versprach ich mir anregende Diskussionen über jene kritische Themen. Insbesondere das Themenfeld Rassismus, das mir besonders am Herzen liegt und dessen Besprechung ich fernab des Treffens viel Zeit widme, wollte ich besprochen wissen.

Denn während Frauen beim Branchentreffen die Überzahl ausmachten und auch einige aus dem LGBT-Bereich vertreten waren, so sah es bei Menschen mit etwa Migrationshintergrund oder dunklerer Hautfarbe anders aus. Autor und ebenfalls Panelteilnehmer  Akram el Bahay war einer der verschwindend wenigen dort, auf die das zutraf. Bezeichnenderweise drehte sich beim Panel dann auch alles um Sexismus und Homophobie. Das ist nicht schlecht, sind es doch auch wichtige Themen – doch fielen dadurch andere Themen komplett unter den Tisch.

Viel Wert wurde während der Diskussion beispielsweise auf Dumbledore gelegt. Die populäre Figur aus dem Harry Potter-Universum, die Autorin Rowling später nebenbei als schwul geoutet hatte. Definitiv ein spannendes Thema, über das sich diskutieren lässt – aber es erstickte leider jedes andere Thema im Keim. Kaum sprachen wir auf dem Sofa über etwas anderes, kam die nächste Wortmeldung aus dem Publikum wieder auf den Zauberer zurück. Und wieder. Und wieder. Und immer. Wieder. Insgesamt hätte ich mir hier eine andere Handhabung gewünscht. Aber zurück zum Wesentlichen:

Rassismus ist der Antagonist der Phantastik

In einem vergangenen Artikel bin ich bereits auf versteckten Rassismus (Und auch: Speziesismus) innerhalb der Phantastik eingegangen, weshalb ich das Thema hier nur oberflächlich anreissen möchte. Phantastische Welten leben von ihrem Weltenbau und den dort hausenden Kreaturen und Völkern. Bereits dies ist nicht selten Brutstätte kritischer Gedankengänge. Die meisten Leser begrüßen Sachverhalte, die man leicht einordnen kann. Wir sehen die hübschen Elfen, die goldgierigen Zwerge und die gemeinen Orks und denken uns: „Genau so muss es sein! Diese Rassen sind so und nicht anders!“ Wir sprechen den Völkern Eigenschaften zu, die auf die einzelnen Individuen ebenso zutreffen und geltend sind. Nicht der Einzelne zählt, sondern die Masse. So werden aus den Elfen die Guten und aus den Orks die Bösen. Elben im Herrn der Ringe sind gut und hell. Orks im Herrn der Ringe böse und dunkel.

Beides – auf alle übertragene Eigenschaften und die Helligkeit als Indikator für Gut oder Böse – sind Faktoren, auf die wir als Autoren achten können, sollten, meiner Meinung nach sogar müssen. Sonst laufen wir Gefahr, Rassismus zu reflektieren ohne ihn zu hinterfragen. Wir greifen sonst auf Althergebrachtes zurück: Die „besten“falls noch antagonistisch angelegten Wüstenvölker, die wir wie selbstverständlich muslimisch anlegen, ohne uns über die Bedeutung dessen bewusst zu werden. Das Motiv „des Anderen“ – wobei wir hier meist von einem eurozentrischen Weltbild ausgehen.

„Wir“ – das sind die Weißen. Die „Normalen“. Wir gehen von unserem Blick aus, den wir auf die kreierte Welt und die dortigen fiktiven Kulturen wie selbstverständlich übertragen. Und das ist schade. Wir sind in der Lage, uns die durchdachtesten Plots auszudenken, vielschichtige Figuren zu entwerfen und auf die Vielfalt der Figuren in Geschlecht und Sexualität zu achten – aber sobald es um Völker geht, greifen wir bequem auf Klischees zurück. Die sind nicht per se rassistisch – prägen aber ein rassistisches Bild.

Die Schubladen

Der Mensch denkt in Kategorien, er giert danach, sich auch selbst in welche einzuteilen.  „Ich bin Ein Europäer!“ – „Ich bin heterosexuell!“ –  „Ich bin eine Rheinländerin!“ – „Ich bin ein Geek!“ – der Drang, in eine Schublade zu gehören, ist bei den meisten groß. Er möchte innerhalb dieser Schublade dazugehören. Das allein ist nicht schlimm. Es half und hilft dem Menschen, sich und seine Welt einzuordnen.

Mal angenommen, als Autor könnte man bei der Figuren- und Völkererschaffung auf einen Schrank voller Ideen zurückgreifen. Der Schrank vieler wäre unglaublich groß. Die einzelnen Schubladen wären beschriftet mit „Mann“, „Frau“, Weiß“, „Schwarz“ und vielem mehr. Doch während die „Weiß“-Schublade riesig wäre, voll von Schattierungen, Gut und Böse, Diesem und Jenem, ist die „Schwarz“-Schublade klein. „Rassismus“ finden wir darin, „Sklaverei“, „Afrika“, „Zebra“ und weitere Klischees. Und natürlich: Uns fehlen oftmals die Berührungspunkte.

Hier möchte ich jedem Autoren ans Herz legen, die Sichtweisen anderer realer Völker kennenzulernen. Lasst uns Erfahrungsberichte von Menschen lesen, die die Apartheid miterlebt haben! (Wie etwa „Farbenblind„) Lasst uns Romane von afrikanischen, asiatischen, südamerikanischen Autoren lesen! Schauen wir Dokumentationen, lauschen Interviews, erhören die Stimmen derjeniger, die uns fremd sind. Sensibilisiert euch für andere Denkweisen und versucht, über den eigenen Tellerrand zu schauen. Und nicht zuletzt: Sprecht mit Menschen. Tauscht euch aus!

Vielfalt in den Figuren

Phantastische Romane mit nicht-weißen Protagonisten sind rar gesät. (Hier hatte ich mal 5 empfehlenswerte vorgestellt) Und selbst wenn die Hautfarbe einer Person nicht näher definiert wird, so stellt man sie sich meistens weiß vor. Soweit ich weiß (Korrektur immer gerne gesehen), wird die Hautfarbe Hermiones im Harry Potter-Original, also den Büchern, nicht explizit erwähnt – und trotzdem gab es einen Aufschrei, als bekannt wurde, dass die Schauspielerin es Theaterstücks schwarz sein würde.

Die Vorlage durch die Schauspielerin innerhalb der Verfilmungen Emma Watson wiegt für viele zu stark. Dabei ist sie nur eine von vielen möglichen Repräsentationen. Hätte man für die Theaterrolle jemanden amerikanisches – also nicht britisches – gewählt, wäre es wohl in Ordnung gewesen. Vermutlich auch dann, wenn jene Schauspielerin nicht exakt wie Emma Watson aussehen würde. Dabei spielt, anders als die Struktur der Haare, die Hautfarbe keine Rolle.

Und doch tut sie es. In den Köpfen der Leser und der Masse. So sehr, dass Verlage ihre Cover „weißwaschen“, weil sie befürchten, sonst keine Käufer zu finden. So sehr, dass auch als klar nicht-weiß ausgelegte Figuren in Serien- oder Filmadaptionen mit weißen Schauspielern belegt wurden und werden. Siehe Starship Troopers.

Und hier zeigt sich auch die Wichtigkeit der Repräsentation. Dort, wo keine herrscht, findet keine Sichtbarkeit. Wir als Weiße haben gut reden, denn wir finden fast überall Menschen, die unserem Phänotyp entsprechen. In unserer Heimat erfahren wir keinen Rassismus – was uns blind machen kann für die Sorge, Ängste und Nöte Anderer. „Uns geht’s doch gut! Ich habe Rassismus noch nie erlebt!“ Ähnlich wie die Frau, die sich mit Männern konfrontiert sieht „Sexismus in der Branche? Habe ich als Mann nicht erlebt, also gibt es ihn nicht! Basta!“

Und die, die dem weißen Phänotyp nicht entsprechen? Sie finden Repräsentationen meistens in den Nebenrollen oder in Serien, die „extra für Schwarze“ mit ausschließlich schwarzem Cast sind. Warum? Warum nicht selbst auch schwarze Figuren einführen? Warum nicht die Weißen als „die anderen“ einführen? Warum nicht Figuren, statt wandelnde Hautfarben entwerfen?

Repräsentation ist wichtig

„Representation matters“ – das wird einem bei Filmen wie Black Panther und dem Hashtag  schmerzlich bewusst. Endlich sehen sich Schwarze auf großer Leinwand – nicht als Randfigur, sondern als Hauptpersonen, Weltenretter, Helden. Nicht weißgewaschen, nicht als schwarze Abziehbilder eines eigentlichen Weißen, sondern als eigenständige Persönlichkeiten mit eigener Kultur. Eine, die zählt und ernstgenommen wird.

Wir als Autoren können Welten erschaffen, Geschichten spinnen, Emotionen hervorrufen Menschen zum Nachdenken anregen. Auf eine einfache Art und Weise können wir es durch unsere Themen und Figuren schaffen, ein Bewusstsein zu entwickeln. Wenn der Leser nur für weiße, heterosexuelle, in unseren Breiten als „normal“ geltende Menschen mitfiebern kann, weil er über andere einfach nicht liest, ist das verschenktes Potential, das aber so einfach ausgeschöpft werden könnte.

Lasst uns über den Tellerrand schauen. Lasst uns Diskussionen führen, kreativ werden und versuchen, Klischees zu überwinden. Lasst uns vielschichtige Figuren jeglicher Couleur entwerfen. Weil wir uns bewusst sind. Nicht, weil wir gezwungen werden.

Sondern weil wir es können.


Header: Vinicius Henrique

Trevor Noah Farbenblind Rezension

Weshalb du „Farbenblind“ von Trevor Noah lesen solltest

Autor: Trevor Noah Verlag: Blessing Verlag | Format: 336 Seiten, HC

Trevor Noahs Autobiographie hätte seinen Aufstieg vom armen Kind Afrikas zum international gefeierten Comedian und Show Host in den Fokus stellen können. Solche Geschichten appellieren an den Träumer in uns und finden stets ihre begeisterten und innerlich neidenden Zuhörer. Trevor hat es sich jedoch nicht so einfach gemacht. Statt des American Dreams thematisiert er seine Kindheit und Jugend in einem von Rassismus und Armut geprägten Umfeld der Apartheid. Und das geht unter die Haut.

Obwohl man dem Buch manches – wie etwa eine fehlende Kontinuität in der Erzählführung und mangelhafte Selbstreflexion seitens des Autoren – ankreiden könnte, ist es ein Werk, das man gelesen haben sollte. Nicht nur, weil es sich trotz der ernsten Thematik unterhaltsam liest und den ein oder anderen Lacher birgt, sondern vor allen Dingen weil es uns, die sich in unserem Eurozentrismus suhlen, den Horizont erweitern kann.

Der Nabel der Welt …

… ist nicht Deutschland. Ja nicht einmal Europa oder der ganze eurasische Kontinent. Nicht die Welt bestimmt den Nabel, sondern jedes Individuum für sich. Genau diesen Umstand stellt Trevor hier eindrucksvoll zur Schau. Aus der Sichtweise eines Chamäleons, das überall und nirgends richtig zu Hause ist, hat er gelernt, die Perspektiven zu erkennen und spielerisch zwischen ihnen zu wechseln. Er erläutert, wie Sprache Barrieren schafft, aber auch Verbindungen herstellt wo eigentlich gar keine herrschten.

Wer als Deutscher den Namen „Hitler“ hört, denkt an Antisemitismus, Hass und Tod. Undenkbar, sein Kind so zu nennen, undenkbar, im Kreis um einen Tänzer zu stehen und mit der typischen Hip Hop-Bewegung den Arm im Takt zu bewegen, während man „Go Hitler!“ ruft. Die Episode, die in der Autobiographie dazu erzählt wird, ist im ersten Moment verstörend – doch nur dann, wenn man es aus seiner eigenen Sicht betrachtet. Hier jedoch wird man dazu angehalten, die Perspektive zu ändern, mit den Augen eines Jugendlichen Afrikas zu sehen. Aus seiner Sicht ist nicht Hitler die abscheulichste anzunehmende Person, sondern jemand ganz anderes, den wir Europäer gar nicht erst mit ins Fadenkreuz genommen hätten.

Farbenblind Trevor Noah Zitat

Apartheid?

Viel erfährt man über die teils desaströsen Umstände zu Zeiten der Apartheid. Dabei wird es nicht zum Geschichtsbuch oder zur Aneinanderreihung von Fakten, Daten und Zahlen, sondern geprägt von persönlichen Eindrücken. Das macht es lebendiger und griffiger gerade für das europäische Auge. Vielleicht erfährt man nicht die ganzen Hintergründe, doch man erfährt das, ebenso zählt: Das Empfinden der Betroffenen. Wie fühlt es sich an, von der eigenen Mutter auf offener Straße verleugnet zu werden? Als Kind eines weißen Mannes und einer schwarzen Mutter war man als Verbrechen geboren; die Fortpflanzung der Eltern stand unter strenger Strafe.

„Farbige“ werden dort die Früchte einer solchen Liebe – oder zuweilen auch Gewalt – genannt. Sie gehören weder zu den Schwarzen, noch zu den Weißen und bilden eine eigene Gruppe mit eigenen Regeln, eigener Sprache bishin zur eigenen Kultur. Sie sind Produkt eines Systems, das die Menschen gegeneinander aufbringen möchte, um die eigene Macht zu erhalten. Ein System, das in „Farbenblind“ eindrucksvoll präsentiert wird und bei dessen Vorstellung man nur den Kopf stellen kann.

„Nelson Mandela hat einmal gesagt: »Wenn man zu einem Mann in einer Sprache spricht, die er versteht, erreicht man seinen Verstand. Wenn man zu ihm in seiner Sprache spricht, erreicht man sein Herz.« Er hatte ja so recht. Wenn man sich bemüht, die Sprache des anderen zu sprechen, selbst wenn es nur ein paar Sätze hier und da sind, sagt man damit: »Ich erkenne eure Kultur an. Ihr habt eine eigene Identität. Ich sehe euch als

Erfahrungsberichte wie jener Trevor Noahs sind extrem wertvoll nicht nur für die Betroffenen selbst, sondern vor allen Dingen auch für die Unbeteiligten. Die eigene Perspektive wird in Frage gestellt und der Geist für die Sichtweisen Anderer geschärft.

Auch Autoren profitieren davon

Vielleicht überraschenderweise möchte ich dieses Buch insbesondere auch Autoren ans Herz legen. Jene, die vielschichtige Figuren und spannende, authentische Welten erschaffen möchten. Meistens behilft man sich dabei nämlich des eigenen und von Natur aus beschränkten Horizontes. Das ist keine Schande, denn man kann nicht überall gewesen sein und alles gesehen und mit jedem gesprochen haben.

Doch gerade wer in die Fremde schreibt, mit seinen Worten andere Kontinente erschafft und Personen zum Leben erweckt, für den ist solch ein Buch Gold wert. Versetzt euch in andere Perspektiven, liest mit offenem Geist und willendem Herzen. „farbenblind“ ist, wie anfangs erwähnt, kein perfektes Buch. Aber es kann Emotionen wecken und den Horizont erweitern – in der bestmöglichen Weise.

Die Reaktionen zu „The Problem with Apu“ zeigen die Arroganz des Unbeteiligten

Vor wenigen Wochen hat der südasiatisch-amerikanische Comedian Hari Kondabolu eine Dokumentation über südasiatische Repräsentation in der US-amerikanischen Popkultur mit Fokus auf die Simpsons-Figur Apu veröffentlicht. Die Reaktionen darauf sind bezeichnend.

Der Trailer, der auch auf Youtube zu sehen ist, zeigt dabei, wie unterhaltsam und gleichzeitig reflektiert Kondabolu selbst mit der Thematik umgeht. Er geht nicht mit grantig erhobenem Zeigefinger auf die Zuschauer, die USA oder die Simpsons zu, sondern erklärt trotz allem gut gelaunt, was an Apu Nahasapeemapetilon ihn so stört und was an ihm toxisch sein kann.

Die Simpsons sind bissig und parodieren etliche Gruppen, US-Amerikaner eingeschlossen. Doch während andere Minderheiten auch weitere Identifikationsfiguren oder Repräsentationen in der Popkultur erfahren, blieb das bei Südasiaten lange aus. „Es gibt einfach keine andere Repräsentation [abgesehen von Apu]!“, beschwert sich der im Trailer zu sehende südasiatisch-stämmige Schauspieler Utkarsh Ambudgar und zeigt damit das Hauptproblem auf. Denn wo der Durchschnittszuschauer keinen anderen Inder außer Apu „kennt“ wird er weniger hinterfragen und das Gesehene in sich aufnehmen.

Dass Kondabolu die Simpsons trotz Apu mag, wird deutlich. Aber als jemand, der sein ganzes Leben lang mit den von Apu angerichteten Vorstellungen in den Köpfen der Umwelt leben musste, ist es sein gutes Recht, das aufzuzeigen. Zu hinterfragen, zu kritisieren. Nichts anderes macht er – und das ist vollkommen legitim.

Das gegen die eigene Stirn geschlagene Brett

Den meisten Unbeteiligten ist das egal. Sie wollen es aktiv nicht sehen. Sie schlagen sich selber ein Brett vor den Kopf und rufen:“ Du Weichei, komm mal klar und hör auf zu heulen!“ Sie schreiben schlechte Kritiken, ohne den Film gesehen oder verstanden zu haben.

„Weiß der Typ nicht, dass die Simpsons eine Satireshow ist, die sich über alle Stereotype lustig macht?“

Die Sache ist: Dass sich über den Stereotyp des geldgeilen, kinderreichen, armen, etwas dümmlichen Inders  lustig gemacht wird ist nicht das Problem. Dass es keine anderen Repräsentationen, Interpretationen und Vorbilder gibt und die Simpsons damit wegweisend in den Köpfen der Masse sind, wiegt da schwerer. Und ja, es ist generell eher fragwürdig, nach unten zu treten denn einflussreichere Gruppen oder Personen zu persiflieren.

Es ist von Bedeutung, wer solch eine Figur kreiert – und wer sie spricht. Im Falle Apus sind es Weiße. Das steht in einer langen Tradition. Die Frage ist: Ist das so großartig?

Das Sinnbild allgemeiner Ignoranz

In den Kommentaren wird Kondabolu als Weichei beschimpft, als jemand, der sich von allem und jedem beleidigt fühlt, als Memme. Ich lese die Kommentare und bin sauer, dass sich niemand auch nur die Mühe gemacht hat, die Intention und Problematik hinter dem Video zu verstehen. Es ist ein Trauerspiel, in dem sich die schimpfende Masse lächerlich macht, ohne es selber zu merken. Leider ist es eben eine Masse und keine Minderheit.

Es geht nicht darum, die Simpsons zu verteufeln. Kondabolu selbst mag die Serie und führt sie als eine der Hauptinspirationsquellen für sein Schaffen als Comedian an. Eben weil es sie sich über alles und jeden lustig macht. Das ist okay. Das darf sein. Über sich selbst und andere zu lachen ist völlig legitim – solange man weiß, dass es nur eine Karikatur ist. Solange „Apu“ nicht das einzige ist, womit man verbunden wird.

Es schadet nicht, über die Probleme anderer nachzudenken. Es schadet nicht, sich einen Moment Zeit zu nehmen und zuzuhören. Es schadet auch nicht, darüber nachzudenken. Ohne am Ende gedankenlos loszukrähen und den Gegenüber zu verunglimpfen.

Sei nicht wie Homer Simpson. Denk weiter als von hier bis „Oh ein Donut!“

Rassismus in der Literatur: Der stille Antagonist

Stärker als je zuvor in meinem überschaubaren Leben fühle ich mich von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus eingekesselt. Wann immer ich die virtuellen Zeitungen aufschlage oder die Blicke und geflüsterten Worte zufälliger Passanten erhasche bin ich mittendrin in einer Welt, die mir zusehends Sorgen macht. Rassismus: Er ist allgegenwärtig in der Literatur. Gerade weil es solch ein aktuelles Thema ist – und vielleicht auch noch lange so bleiben wird – ist es eines, das ich selber auch in meinen Romanprojekten thematisiere. Welche Stolpersteine es gibt und wie ich persönlich zu dieser Thematik stehe lest ihr hier in meinem Beitrag zur Blogreihe „Phantastische Realität„, die von Meara Finnegan initiiert wurde.

Definition

Beim Rassismus handelt es sich um eine Ideologie, bei der man Menschen aufgrund ihrer gemeinsamen Abstammung kategorisiert und im Zuge dessen über sie urteilt. Sowohl körperliche, als auch kulturelle Merkmale wirken dabei ausgrenzend und definierend; der Phänotyp entscheidet hierbei darüber, welche Rasse höher- und welche niederwertig und daher zu diskriminieren ist.

Im Bereich der Fantasy ist darüber hinaus der Begriff des Speziesismus interessant: Hier ist es die Art, die über die moralische Diskriminierung entscheidet. Mitglieder einer Art definieren sich zum einen über ihre Fortpflanzungsfähigkeit, zum anderen, dass sie möglichst viele gemeinsame Merkmale innehaben. Bis heute wurde es noch nicht zufriedenstellend und endgültig definiert. So oder so: Dort, wo man von Diskriminierung zwischen bspw. Orks, Elfen, Drachen oder anderen Arten liest, handelt es sich meistens um Speziesismus.

Dennoch werde ich mich hier in diesem Artikel der Einfachheit halber auf den Begriff des Rassismus‘ beschränken.

Wo findet sich Rassismus in der Phantastischen Literatur?

Dass Fantasy rassistisch sei liest man immer mal wieder in einschlägigen Foren. Doch kann ein Genre für sich gesprochen rassistisch sein? Vielmehr sind es der Plot und Weltenbau, die nach der Thematik verlangen. Fiktive Figuren, die ihre Weltanschauung in diesen zweifelhaften Pfaden verankert haben. Das macht allerdings nicht das Genre oder gar den Autoren rassistisch, sondern lediglich Teile der Welt, in der man sich beim Lesen befindet. Und das ist vollkommen in Ordnung.

Nicht selten rankt sich in der Fantasy alles um Kriege und Schlachten. Als Leser erwartet man schier, dass sich die verschiedenen Rassen und Arten nicht ganz grün sind. Der gegen Ende hin äußerst kameradschaftliche Zwist zwischen Gimli und Legolas etwa ist ein Produkt von gegenseitigen Vorurteilen und Diskriminierung. Dass er hier gut ausgeht: Geschenkt. Es wirkt fast liebenswert. In vielen anderen Geschichten und auch Rollenspielen jedoch wird es ernster thematisiert und gipfelt nicht selten in Mord und Totschlag.

Von kleinen Seitenhieben die jeweils andere Rasse und deren (angebliche) Eigenschaften betreffend bis zu handfesten Diskriminierungen findet man in vielen Genrebüchern etwas zu dieser Thematik. Meistens wird es jedoch nicht weiter aufgegriffen und dient dem Amüsement oder der Dramatik. Das jedoch finde ich schade.

In den Händen der Autoren

Wichtig finde ich hier anzumerken, dass den Rassen oftmals ganz klare Charaktereigenschaften zugeteilt werden, die als gegeben gelten. Zwerge sind trinkfest und rau, Elfen Baumkuschler, Französinnen hübsch und Deutsche pünktlich. Ich möchte fast wetten, dass die meisten von euch bei den ersten beiden Beispielen zustimmend genickt, bei den anderen beiden jedoch latent genervt die Augen verdreht haben. Und klar: Wir wissen, dass nicht jeder Deutsche oder jeder Türke gleich ist. Aber wir glauben gleichzeitig auch zu wissen, dass der Zwerg von Natur aus so oder so ist – weil in diesem Bereich selten mit Graustufen gearbeitet wird.

Wirft man einen Blick auf gleich eine andere Art, den Ork, wird der Unterschied noch deutlicher. Sicherlich gibt es mittlerweile einige Werke, in denen den Orks mehr Persönlichkeit zugesprochen wird. Dennoch ist es häufig noch immer Usus, dass die Rasse des Orks einen zu etwas Bösem macht. Das mag bei einer Kreatur wie einer solchen für uns nicht weiter tragisch sein – wo wir wieder beim (realen) Speziesmus wären. Doch weitet sich das vielerorts auch auf menschliche Rassen aus. Böse, menschliche Rassen. Macht einen die Rasse also gut oder böse? Hat man nicht die Wahl, gibt es nicht noch andere Faktoren? Natürlich handelt es sich um Extrembeispiele, doch eigene Projekte kritisch zu hinterfragen ist nie verkehrt.

Gerade die Anfänge der Fantasy zeigten klare Feindbilder auf. Monster und finstere Gesellen, gegen die sich die Helden zu wehren hatten. Um es einfacher zu gestalten wurden Gut und Böse stilisiert und auch optisch klar getrennt. Menschen gegen Orks. Weiße Abenteurer gegen schwarze Kannibalen.

Diese Trennung zeigt sich gerne auch im Optischen. Tolkiens Elben sind blond, groß, hellhäutig, blauäugig. Die Orks? Dunkel, wild, barbarisch. Dem Guten schließen sich die Hellen an, dem Bösen die Dunklen und asiatisch angehauchten. Stereotype, die sich stark vereinfacht auch in Disneyfilmen finden und immer wieder auch in der heutigen Literatur. Der dunkle Schwarzmagier. Die blonde Jungfrau.

Diese Stereotype kreieren natürlich keinen Rassismus. Sie reflektieren ihn. Und hier sind wir bei dem, dem ich kritisch gegenüber stehe.

Wir tragen Verantwortung

Eine kommentarlose Spiegelung realer Ereignisse oder althergebrachter Klischees reichen nicht aus. Abercrombie etwa hat eine antagonistische Rasse kreiert, die recht muslimisch daherkommt. Natürlich sind es die Bösen, die Bitterbösen, um genau zu sein. Er ist jedoch nur ein Beispiel unter vielen. Muslimisch angehauchte Völker des Südens, kannibalistische Schwarze, wilde Ureinwohner. Oft sind es die selben Stereotype, die immer und immer wiedergekäut werden und die fast Scheuklappen gegenüber anderen Möglichkeiten vermuten lassen. In einer Zeit, die ohnehin von Angst vor muslimischen Terror geprägt ist.

Die phantastische Welt ist eurozentrisch. Das europäische Mittelalter mit seinen weißen Figuren ist Standard. Der weiße Mensch ist Standard. Ist Rassismus Thema, dann meist gegenüber Schwarzen, Asiaten – den Anderen. Dabei ist jeder dort „der Andere“. Für uns als Leser, denn es handelt sich um fiktive Völker. Dennoch werden die Chancen nicht genutzt, vieles verpufft in den Weiten klassischer Fantasy. Ich vermisse Fantasy, in denen nicht die herkömmlichen Kulturen im Zentrum stehen. In denen vielleicht der Weiße diskriminiert wird. In dem Rassismus kritisch angesprochen oder gar wirklich thematisiert wird. Sei es direkt oder durch die Blume.

Es ist allzu einfach, bereits ausgetretene Pfade zu bewandern und sich auf die alten Klischees zu berufen. Aber es ist eine Einfachheit, die nicht sein muss. Jede Welt ist divers. Auch die fiktive.

Was tun?

Das Thema finde ich zu wichtig, als es eingestaubt zu lassen. Was wir nicht brauchen ist ein immer wiederkehrendes Spiegelbild unserer Zeit, das im schlimmsten Fall das „Feindbild“ nur noch bestärkt. Ich finde es wichtig, seine Völker und einzelnen Figuren reflektiert zu betrachten. Die im fiktiven Dialog gesagten Dinge kritisch zu hinterfragen und in eine Diskussion zu treten, wenn es das Thema verlangt.

Aber auch, dass man sich nicht auf ein Thema beschränkt. Rassismus ist nichts, was man thematisieren muss. Genauso wenig wie ich mir vorschreiben lassen möchte, welche Sexualität meine Figuren zu pflegen haben, möchte ich euch vorschreiben welche Hautfarbe eure haben sollen. Das wäre Quatsch. Nein, wofür ich plädiere ist ein allgemein bewusster Umgang mit der Materie. Wir schreiben eben nicht nur für den weißen Menschen und wir sind auch nicht in der Pflicht diskriminierende Klischees immer und immer wieder aufzuarbeiten.

Ich hoffe, dass ich den ein oder anderen von euch zum Nachdenken anregen konnte und natürlich auch, dass ihr das nicht als Bibel versteht. Es bleibt noch immer, was es ist: Nur meine Meinung.

Ms. Marvel als Symbol des Widerstands

Kamala Khan ist eine der ersten muslimischen Superheldinnen, die Marvel zu bieten hat. Als Ms. Marvel bekämpft sie allerlei garstiges Gezücht, wobei das natürlich zunächst rein auf fiktionaler Ebene ruhte. 2015 bereits machte sie einen Schritt in unsere Dimension hinein und drückte islamfeindlichen Busbannern ihren Stempel auf – als Identifikations- und Galionsfigur, als Symbol des politischen Protestes.

Gestartet von der American Freedom Defense Initiative durch die islam“kritische“ Aktivistin Pamela Geller, fuhren die Busse fröhlich durch San Francisco. Botschaften verbreitend, die meines Erachtens nach dem Verständnis des Islam nicht gerade dienlich sind; mehr noch, die Furcht und den Hass gegenüber dem Islam im Generellen  schüren sollten. Natürlich geschützt durch den 1. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten, der bspw. die Meinungs- und Pressefreiheit in den Fokus stellt. (Zu Recht.  Redefreiheit gilt es in der Tat zu schützen. Von Hassreden u.ä. bin ich trotzdem kein wirklicher Freund.) Über diese Botschaften wurden damals Banner mit Kamala Khan geklebt.

Aktuelle Situation

Jüngste politische Unruhen rund um Trump und dessen ganz famose Präsidentschaft – wir erinnern uns an diverse rassistische, sexistische Aussagen sowie Vorhaben wie der des Mauerbaus und Einreiseverbote – fordern zur Tat auf. Kann und soll man alles akzeptieren? Definitiv nicht. Als Symbol des Widerstands werden auch hier wieder einige Superhelden benutzt. Dass dabei Kamala Khan eine prominente Rolle spielt ist ob ihres eigenen Hintergrundes nur obligatorisch.

Damit scheint sie eine der wenigen „neuen“ Superhelden zu sein, die Bestand haben werden. Viele werden wieder in ein Schattendasein eintauchen. Ms. Marvel jedoch scheint es zu schaffen, sich in der Popkultur zu verankern und ihre eigene Duftmarke zu setzen. Sie, wie auch viele andere Figuren zeigen in diesen Tagen die kulturelle Bedeutung auch und gerade von Comics, die oft ganz reale Probleme und Missstände thematisieren. Die X-Men kämpfen seit jeher gegen Ausgrenzung und Diskriminierung, Swamp Thing wirft philosophische Fragen auf und Ms. Marvel steht stellvertretend für ein ethnisch buntes Amerika.

Auch Künstler reihen sich in die Proteste ein. Phil Noto etwa änderte sein Variantcover für Civil War II, Issue #0 in einer Form um, wie er meint, wie Kamala Khan höchstselbst auf Trumps Präsidentschaft reagieren würde.

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Ein von Full Metal Waifu (@super_kami_waifu) gepostetes Foto am

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http://artofstevetownsley.tumblr.com/post/156552973420/in-difficult-times-art-is-not-a-way-out-but-a

via vox.com