Marvels Endgame

Endgame – Orakel

Eine Stunde. So lange haben Marcus und ich noch, in denen wir mit Kopfhörern und Sonnenbrillen durch die Weltgeschichte gehen müssen. Es gilt: Spoiler: Nein Nein! Aber Prognosen dürfen wir ja wohl noch abliefern, oder? Und da ich nicht in die Zukunft blicken kann, wird es sich auch kaum um Spoiler handeln.

Zunächst ein winzig kleiner Schwank, um meine Meinung einordnen zu können: Ich habe die zugehörigen Comics dieser Arc nicht gelesen, wohl aber andere Marvel-Comics auch jener Held*innen. Alle Filme aus dem MCU habe ich gesehen, größtenteils mit wahnsinniger Freude. Für mich rockt es. Sehr. Ich habe gelacht, geweint und viele tolle Stunden mit den Filmen verbracht! Meine Highlights: Thor: Ragnarok, Captain Marvel und Spiderman: Homecoming. Und Captain America: Civil War.

Aber nun: Los geht’s mit den Prognosen!

  • Hulk ist in Wahrheit Loki, der sich in ihn verwandelt hat
  • Hulk wird wieder super-grün
  • Ein empörter Mann wird im Kino aufschreien, sobald Captain Marvel die Bühne betritt
  • Im selben Moment wird ein anderer Mann vor Freude jauchzen
  • Iron Man wird sterben. Aber erst, nachdem Spider-Man wieder „auferstanden“ ist
  • Steve stirbt in einem Akt akutem Heroismus und wird später durch Bucky ersetzt
  • Ein weinendes Baby wird gezeigt
  • … und ein weinender Thor
  • Außerdem wird Thor einmal oberkörperfrei zu sehen sein
  • Captain Marvel wird auch oben ohne sein. Aber gesehen wird sie dabei nur von Valkyrie
  • Thor wird sein Auge wieder verlieren und stattdessen einen der Infinity-Stones einsetzen. Bonus-Tipp: Es wird der Soulstone sein
  • Rocket baut Buckys Arm um, damit dort die restlichen Steine eingesetzt werden können
  • Banner und Romanov küssen sich – stellen dann aber fest, dass sie nur Freunde sind
  • Sinnlose Training-Montage, in der sie sich fit für den Kampf machen und aufrüsten
  • Natürlich bekommt jede*r einen Sternmoment, in der sie in Szene gesetzt werden
  • Captain Marvel wird einen Badass-Moment haben
  • Ronins Begründung für seinen neuen Look: „Meine Mutter hat es mir genäht und zum Geburtstag geschenkt.“
  • Eine Frau, die zufällig Guddy heisst, wird weinen. Insgesamt vier Mal über den Film verteilt. Zwei Mal vor Rührung/Ergriffenheit und zwei Mal vor Trauer. Und ein halbes Mal, weil jemand super unfair war

… sollten mehr als drei der Tipps richtig sein, werdet ihr mich künftig nur noch in Delhi antreffen können, wo ich den Größenwahn verfallen bin.

Was orakelt ihr? 🙂 Merke: Echte Spoiler werde ich hier gnadenlos löschen, auch wenn ich den Film schon gesehen haben werde. Für Spoiler wird es unter Umständen einen eigenen Artikel geben.

Last Jedi Kritiker Star Wars

The Last Jedi: Warum mich deine Kritik an der Kritik stört

Ja, Star Wars: The Last Jedi ist schon „alt“, wenn man nach Internetzeitrechnung geht. Dennoch reissen die Diskussionen nicht ab. Dabei stört mich nicht, dass diskutiert wird – sondern wie diskutiert wird. Diesen Text schreibe ich bewusst, um ihn all jenen um die Ohren zu knallen, die mir oder anderen immer noch immer wieder mit dem allgemeingültig scheinenden „Du magst ihn nur nicht weil… du ihn nicht verstehst/du doof/ein Fangirl bist[/Vereinfachung].“ kommen. Jüngstes Beispiel: Ludwig Jovanovic auf RP Online.

Es ist längst Usus geworden, sich aufgrund seiner Meinung über Popkulturelles zu duellieren. Seine eigene Meinung ist stets die einzig wahre, die kluge, die beste. Und die Meinung der anderen? Schrott! SCHEISSE! Hat er denn gar nichts verstanden?! Dann heißt es „AHA! Du findest den Film zu witzig? Du gehst wohl eh zum Lachen in den Keller! Und dass Han Solo schon immer witzig war hast du auch nie gerafft, oder?“

„Du gehst doch zum Lachen in den Keller!“

Doch. Doch, ich habe es gerafft. Han Solo war immer lustig, ich habe schon immer herzhaft bei Star Wars gelacht. Mal, weil ich es wirklich lustig fand und mal, weil es einfach absurd war – und wieder andere Male, wenn es jemand parodiert. Es gibt nicht „den“ Humor. Es gibt albernen, klugen, ironischen, infantilen und Fäkalhumor. Und nein: Ich bevorzuge nicht den klugen Humor. Ich mag sie nämlich alle. Ok. Bis auf den Fäkalhumor. Den darf nur Fäkalini. Habe ich Star Wars also einfach nicht verstanden, wenn ich sage, dass ich ihn zu albern fand? Nein. Ich fand ihn schlichtweg nicht gut. Muss ich jeden Witz gut finden? Auch nicht. Aber ich darf verdammt nochmal sagen, dass ich den bestimmten Humor dieses einen Filmen nicht so passend finde. Für mich. Für diesen Plot. Wäre es ein anderer Star Wars Film mit einem anderen Plot: Von mir aus. Gerne. Ich liebe Space Balls und kann mir auch eine Komödie im star wars’schen Kanon sehr gut vorstellen.

Es spielt keine Rolle, dass es „Star Wars“ ist. Der Film ist nicht zu albern, weil es „holy fucking Star Wars“ ist – sondern weil er mir persönlich in diesem Plot nicht schmeckt. Für mich – und ich rede hier übrigens ausschließlich nur von mir – hat der meines Erachtens nach alberne Humor den Ernst vieler anderer Szenen zerstört. Wäre es feiner Humor gewesen, wäre es für mich ok gewesen.

Der Knackpunkt ist der: Ich gucke einen Film. Du guckst einen Film. Aber wir werden immer nur den selben, und nie den gleichen Film sehen. Mein Verständnis für guten Humor muss nicht der deine sein. Und das ist okay. Ich sage doch auch nicht „Haha, wenn du den Humor von Last Jedi gut findest bist du wohl ein albernes Kiddie, hihi.“ Wenn du ihn passend zum Film findest: Perfekt! Dann hast du mehr Spaß am Film! Super! Und das meine ich völlig ohne Ironie. Jeder erlebt Filme nunmal anders.

Wie man es dreht …

Und darauf lässt sich die meiste Kritik an der Kritik niederbrechen: „Man findet es kacke, weil man den Sinn und Zweck dahinter nicht versteht.“ Weil man angeblich nicht gemerkt hat, dass die Casinoszene die Graustufen des Universums hervorheben und eine Kapitalismuskritik sein soll. Weil „sein“ Star Wars zerstört wurde. Weil man ein „Crying Fanboy“ ist, der früher geweint hat, weil The Force Awakens zu nah an Episode IV sei und der heute weint, weil Last Jedi zu weit davon entfernt ist.

Zum einen: Ich bezweifle, dass alle, die Episode VIII nun kritisieren, Episode VII aus gegensätzlichen Gründen ebenfalls kacke finden. Es passt vielleicht nicht in das Weltbild, aber: Das können völlig unterschiedliche Personengruppen und Menschen sein. Holy shit! Ich beispielsweise finde Episode VII großartig! Aber nicht, weil sie in vielerlei Hinsicht eine Kopie von IV ist. Sondern weil ich schlichtweg Spaß im Kino hatte, ich den Spannungsbogen, die Figuren und den Humor mag.

Das Problem der „Kritiker der Kritiker“ ist, dass sie nicht wahrhaben wollen, dass man den Film „einfach so“ nicht gut finden kann. Die Gründe müssen nicht an Star Wars selbst liegen – sondern am Plot, den Figuren oder einem beliebigen anderen Faktor. Nicht ich nehme Star Wars zu ernst – sondern ihr. Ihr, die die Kritik am Film mit Unwissenheit oder Arroganz erklärt. Ihr, die alles daran festmachen wollt, dass es Star Wars ist.

Mir ist es egal, ob es Star Wars ist! Es hätte auch ein völlig neues Franchise sein können und mir wären die Schwachstellen im Plot, die Logik- und Anschlussfehler und der Humor trotzdem negativ aufgefallen! Man muss keine fadenscheinige Gründe suchen, um das Nichtgefallen zu erklären. Man muss nicht behaupten, dass der Gegenüber einfach nichts verstanden hat. Man kann auch einfach mal mit den Schultern zucken und sagen: „Ok. Du findest den Film nicht gut. Passt. Aber hey, lass uns trotzdem mal über Punkt XY diskutieren!“

Natürlich können wir alle erklären, warum wir dieses oder jenes gut oder schlecht finden. Wir können über alles diskutieren. Aber nicht unterstellen. Und das ist das, was mich, Verzeihung, ankotzt. Dass die Meinungen, gerade jetzt bei Last Jedi, nicht toleriert werden. Sondern dass sie diffamiert, für nichtig, für dumm erklärt werden. Egal, von welcher Seite wir sprechen. Nicht nur die Kritiker-Kritiker sind da ätzend. Die Kritiker sind es auch. „Aha! Du findest ihn also gut, ja? Tja, du hast Star Wars wohl nie geliebt / hast keine Ahnung / bist ein Kiddie.“ Ihr nehmt euch da nicht viel.

Seht es einfach ein, dass man den Film auch aus filmwissenschaftlichen Gründen sowohl gut, als auch schlecht finden kann. Dass man ihn lieben und auch hassen kann. Oder dass man ihn, wie ich, einfach nur okay findet.

Shocking.

Kylo und Rey

The Last Jedi: Das Böse ist männlich

Star Wars: Ein Weltraum-Märchen, in dem die dunkle gegen die helle Seite kämpft. Zwischen den beiden Mächten herrscht ein Gleichgewicht, in dessen Mitte es am Ende stets zur großen Explosion kommt. Dieses Mal, bei den letzten Jedi, ist das Böse männlich, während das Gute in weiblicher Perfektion erstrahlt. Und das ist schade.

Obacht: Der Text enthält Spoiler! Für eine spoilerlose Nachlese bitte hier entlang.

Im Vergleich zu älteren Filmen des Star Wars-Universums glänzt der Cast von The Last Jedi mit einer guten Portion Diversität: Schwarze, asiatische, männliche und weibliche Figuren geben sich die Klinke in die Hand, auch wenn die große Masse dabei weiß bleibt. Trotzdem sind es gerade die diversen Charaktere, die tragende Rollen haben dürfen. Die Asiatin Rose rettet den Mann, den sie liebt. Die ältere Generalin Holdo rettet gleich den ganzen Tag. Und die junge Jedi holt den verbitterten alten Mann zurück – und entfacht am Ende den letzten Funken Hoffnung neu.

In The Last Jedi sind die Frauen nahezu fehlerlos. Das klingt nach einer guten Sache – ist aber weder für die eine, noch die andere Sache von Vorteil.

Kein Hell ohne Dunkel

Was man Autor sehr schnell lernt ist, dass man seinen Figuren auch Schwächen zugestehen sollte. So wirken sie greifbarer, menschlicher und letztlich auch stärker. Nämlich dann, wenn sie die Schwächen überwinden und an ihren Erfahrungen wachsen. Hat man jedoch eine Mary-Sue vor sich – also eine Figur, die nahezu alles kann und keine echten Schwächen hat – wirkt es künstlich bis lächerlich.

Die Filmlöwin hat auf ihrem Blog Folgendes zu sagen, was ich gerne unterschreiben möchte:

„Der in diesem Film eingeführten Figur Rose (…) fehlt es wie auch Rey an Fallhöhe und inneren Konflikten. (…) In Gesellschaft von Angsthase Finn (John Boyega), den sie gleich zu Beginn beim Versuch zu desertieren erwischt, wirkt sie zugleich überlegen wie auch blass, weil übermenschlich perfekt. Star Wars – The Last Jedi hat ein maßgebliches Problem damit, seinen weiblichen* Figuren Fehler zuzugestehen und ersetzt somit bei dem offensichtlichen Versuch, seine Frauen*figuren zu empowern, eine Sexismusfalle durch die andere“, Filmlöwin aus: „Blockbuster-Check: Star Wars The Last Jedi

Es mangelt dadurch nicht nur an Identifikationspotential, sondern auch an charakterlicher Tiefe. Doch wo die Filmlöwin in ihrem lesenswerten Beitrag auf die Rolle der Frau eingeht, möchte ich hier den Fokus auf den Mann legen.

Kylo Ren ist sauer

Wenn die Maskulinität das Böse ist

Lässt man die lächerlich winzige Rolle Captain Phasmas außen vor, ist die Erste Ordnung männlich. Es sind aggressive Witzfiguren, die nicht nur den Helden, sondern auch sich gegenseitig das Leben schwer machen. Es geht, wie so oft im Leben des Klischee-Mannes, um Macht, Eroberung und Siege. Diese Ziele werden nicht mit kluger Taktik, sondern primär mit Gewalt gelöst. Sei es, dass Kylo alle Waffen auf einmal auf Luke Skywalker feuern lässt, Poe Dameron eine kleine Revolte anzettelt oder Luke auf Rey losgeht – allzu oft ist Gewalt im Spiel.

Dabei zeigen sie selber, dass es nicht immer so sein muss: Luke nutzt die Macht geschickt, um Kylo auszutricksen, während dieser die geistige Fähigkeit mitbringt, seine Gedanken vor Snoke abzuschotten. Man muss nicht immer seinen Zorn benutzen – und doch tun sie genau das.

Das ist auf erzählerischer Seite einerseits schade, da ein Männerbild gezeichnet wird, das so nicht sein muss. Andererseits zeigt es auch die Problematik auf, die solches Verhalten mit sich bringt. In The Last Jedi werden Konflikte nicht mit Muskelkraft besiegelt – sondern mit Geschick und Verstand. Das zeigt sich nicht nur eindrucksvoll in Lukes rettender Performance am Ende, sondern auch im Kampf Kylo/Rey gegen Snokes Prätorianer: Während sich Kylo mit Kraft aus dem Griff zu befreien versucht, rettet ihn Rey, indem sie ihm im richtigen Moment das Lichtschwert zuwirft. Auch wenn dies wiederum in Gewalt gipfelt, ist es ein letzter Kniff von außen.

Auch Poe muss einsehen, dass Leia und Holdo die besseren Strategen sind als er. Er, der eine Meuterei anzettelt und sich seiner Vorgesetzten widersetzen will, ist ein klassisches Beispiel von Mansplaining: Er glaubt, dass er mehr Ahnung hat als die, die eigentlich mehr Erfahrung auf dem Gebiet hat und versucht, sie zu belehren. Dass er dait letzten Endes nicht durchkommt und sogar sein Unrecht einsehen muss, ist ein Plotverlauf, wie er noch nicht häufig in der Popkultur anzutreffen ist – und den ich daher sehr begrüße.

Doch er wird dafür nicht bestraft. Es ist dem Archetyp des „Männer bleiben eben Jungs“ zu verdanken, dass man ihm im Nachhinein lediglich wohlwollend den Kopf tätschelt. Generell wird über die Männer des Films gelacht: Über General Hux, weil er einfach ein lächerlicher General ist. Über Kylo, weil er seinen Zorn nicht zügeln Kann. Über DJ, weil er ein lispelnder Trottel zu sein scheint. Über Finn, weil er ein ängstlicher Tollpatsch ist. Und natürlich über Snoke, weil er im Tod aussieht wie ein überfahrener Jar Jar.

Die Frauen müssen sie an die Hand nehmen, damit es am Ende doch noch klappt mit dem happy end. Allen voran Luke, der sich nach Kräften sträubt und in mühsamer Kleinarbeit von der stoischen Rey überzeugt werden muss, doch endlich das Richtige zu tun. Am Ende ist es immerhin Yoda, der den letzten Stubser gibt.

Es ist keinesfalls ein Problem, wenn man über Figuren lachen kann und sie antagonistische Kräfte sind. Wenn sich das allerdings auf ein Geschlecht beschränkt, ist das doch ziemlich einseitig. Ich vermisse die finster-verrückten weiblichen Figuren. Eine weibliche Sith, eine Phasma, die einen stärkeren Auftritt hat. Oder eine Rey, die Kylo die Hand reicht und Seite an Seite mit ihm um die Vorherrschaft kämpft. Auf der dunklen Seite, versteht sich. Ich will mich nicht nur über männliche Figuren lustig machen, mich über sie aufregen oder sie als dumm abwinken. Das dürfen auch gerne weibliche Charaktere sein.

Rey Lichtschwert last jedi

Aber: Verdammt, ich hasse Mansplaining!

Und daher verzeihe ich The Last Jedi die fast als einseitig zu nennende Darstellung des Mannes. Gerade in Zeiten Trumps, in denen – ja, wirklich – Mansplaining noch immer toleriert und in manchen Kreisen auch zelebriert wird, ist es ein Halleluja wert, dass es Platz in einem Blockbuster wie diesen gefunden hat – und eine Klatsche nach der anderen erfährt.

Denn wo Hitzköpfe -männliche wie weibliche – in der Popkultur nach einer Minirebellion jubelieren, wenn sie es nur für die gute Seite getan haben, werden sie hier ihrer Grenzen und Unwissenheit verwiesen. Es ist erfrischend zu sehen, dass die Figuren mit ihrer aggressiven Art gegen Wände rennen. Am Ende gibt es nämlich trotzdem einen Sieg. Nur eben auf weitaus ruhigere, besonnenere und nichtsdestotrotz ebenso heroische Weise.

Aber: The Last Jedi will grau sein. Es ist abgekommen von Schwarz und weiß und hat sich hin zu Diversität und Grauschattierungen bewegt. Das ist gut so. Aber es sollte nicht bei den Geschlechtern aufhören. Ich will auch dumme Frauen sehen – und in männlichen Figuren nicht nur den hitzigen Dorftrottel.

Vor allen Dingen aber sehe ich es nicht ein, dass Frauen als perfekte, reine Wesen dargestellt werden und die Riege der dunklen Seite fast ausschließlich von Männern besetzt ist. Verfallen nur die ach so bösen Männer der dunklen Seite? Ich denke doch nicht.

Star Wars Episode 8: Die letzten Jedi. Eine kleine Kritik ganz ohne Spoiler

Star Wars: Episode 8 -- Die letzten Jedi ist einer jener Filme, auf die sich erwachsene Menschen wochen- wenn nicht gar monatelang vorher wie kleine Kinder freuen. Die Erwartungshaltung vorab ist riesig -- konnte der Film dem gerecht werden?

In Kurzform: Ja und nein. „Die letzten Jedi“ hat durchaus gute, sogar herausragende Momente, aber auch Aspekte, die ich als unpassend empfinde. Dem möchte ich hier damit gerecht werden, indem ich die Filmkritik in vier gute und vier weniger gelungene Punkte aufteile -- außerdem habe ich mich an Fließtexten sattgesehen und finde kommentierte Aufzählungen angenehmer. Period.

Die guten Seiten der Macht

  • Die Bilder. Egal, wo in der Galaxis man sich befindet: Alles sieht passend aus. Ob die Ästhetik nun in der Schönheit der Flora oder Fauna liegt oder in der schwelenden Asche ist dabei unerheblich. Gekonnt wird visuell eine andere Welt erschaffen, eine, die man fast glaubt, spüren zu können so eindrucksvoll ist sie in Szene gesetzt. Ein Künstler war am Werk, mit dessen Bildern ich mir am liebsten die Wände tapezieren möchte. Die Bildkomposition ist herrlich und trägt massiv zu den Gänsehaut-Momenten bei, zieht sich durch die fantastisch choreografierten Kämpfe bis in den letzten Winkel der hintersten Höhle. Es ist der meiner Meinung nach schönste, künstlerischste Star Wars-Film.
  • Die Twists. Gerade wenn man ahnt, wohin die Reise geht, kommt es doch wieder anders als man denkt. Das beginnt bei kleineren Scharmützeln und hört bei tiefer gehender Charakterentwicklung auf. Das ist raffiniert gemacht und zeigt den Mut, der aufgebracht wurde, neue Wege zu bestreiten.
  • Luke Skywalker. Luke von Episode VIII ist tatsächlich mein Lieblings-Luke. Er ist vielschichtig und grau, zynisch, aber doch noch mit dem jungenhaften Schalk im Nacken. Hier scheint viel von Mark Hamills eigener Persönlichkeit durch und das ist verdammt positiv gemeint. Es ist ein Luke, der mir aufgrund seiner Wandlung gut gefällt und überzeugt. (Und ja, ich weiß, dass Mark Hamill mit diesem Luke nicht ganz grün wurde.)
  • Das Star Wars-Gefühl. Es ist noch immer da, doch verliert der Film es an der einen Stelle, wird es an der nächsten doch wieder entfacht. Es glimmt immer und überall auf, leuchtet in manchen Momenten lichterloh und treibt mir Tränen in die Augen. „All the feels!“ Die Botschaft des Films trägt durch den Film, ist aber erst gegen Ende offen ersichtlich. „Die letzten Jedi“ oder doch eher „Das Erwachen der Macht“?

Die schlechten Seiten der Macht

  • Die Albernheiten. Vorab: Ich mag Humor. Ich lache gerne. Und meistens, wenn ich sage „Der Film nimmt sich nicht so ernst!“ ist das als Lob gemeint. Hier allerdings nicht. Nicht jeder Gag ist albern und wenn in Star Wars nicht mehr gelacht werden dürfte, wäre das äußerst schade. Aber muss es dann albern sein und zum Comicrelief verkommen? Zwei, drei Szenen mehr in diese Richtung und es hätte die Waage gekippt. Denn „die Macht“ darf durchaus ernst genommen werden. Das Universum darf ruhig düstere Momente haben. Die klingen hier aber selten nach, sondern werden mir zu oft von Albernheiten zerstört.
  • Ein unnötiger Plotstrang. Der Film dauert 2,5 Stunden. 2 hätten es allerdings auch getan und die überflüssige halbe Stunde steckt in einem Plotverlauf, der im Gesamtkontext unnötig ist und auch nichts Neues in Erfahrung bringt. Mehr noch: Der Logiklöcher forciert. Hätte man den Strang rausgenommen, würde dem Film rein gar nichts fehlen. Im Gegenteil. Oder man hätte die dadurch gewonnene Zeit in Charakterdarstellungen und -vertiefungen investieren können.
  • Fehlender Mut. Bei den positiven Punkten hatte ich den Mut lobend erwähnt, doch der ist nicht immer da. Man hätte mehr rausholen können. Ginge ich an dieser Stelle zu tief ins Detail, würde ich bereits spoilern, daher belasse ich es bei einem: „Och, hättet ihr das doch durchgezogen …!“
  • Die Erste Ordnung. Wird von denen eigentlich niemand richtig ausgebildet? Dass der Hitzkopf Kylo Ren keine taktische Leuchte ist, ist völlig legitim, aber was ist mit General Hux los? Mal abgesehen von der meiner Meinung nach mangelhaften schauspielerischen Leistung ist er einer der dümmsten Generäle in der Geschichte der fiktiven Kriegsführung. Und er ist nur die Spitze des Eisbergs.

Diese 8 für mich schwerwiegendsten Punkte machen Episode 8 insgesamt zu einem durchaus guten Film, der aber zu viele Kanten hat, als dass ich ihn großartig nennen würde. Trotzdem rangiert er auf den höheren Plätzen, was Star Wars-Verfilmungen angeht. Wo genau, bin ich mir noch unschlüssig -- aber definitiv vor Episode 1 bis 3.

Habt ihr ihn schon gesehen? Wie fandet ihr ihn?