Kamala Khan Ms marvel Cosplay

Die Wiener Polizei und Ms. Marvel gemeinsam im Cosplayhimmel

Am 13. Januar fand der Marvel-Tag 2018 statt: Deutschsprachige Comicläden zelebrierten den von Panini Comic eingeführten Tag zu Ehren Marvels, dessen Comics und Figuren. Mitten drin: Der Wiener Comicladen „Bunbury’s Comics“ und eine ganz famose Ms. Marvel-Cosplayerin.

Selbstverständlich waren alle der bei Bunbury’s Comics zugegenen Cosplayer ansehnlich, aber da mir Kamala Khan alias Ms. Marvel besonders am Herzen liegt (hier gibt es btw. meine Besprechung zum ersten ihrer Comicbände), werde ich die Fotos im Besonderen vorstellen.

Johanna Knaack ist Teil des Cosplay-Duos Astronautpool und macht in Schwarz und Rot, fotografiert von Stefan Gutternigh und Eva Amann alias „4eyes2view“ und unterstützt durch Phil eine verdammt gute Figur. Bei den Fotos hat sogar die Wiener Polizei höchstselbst als Hintergrunddekoration mitgespielt. „Und ja, wir haben sogar gefragt ob das okay ist und sie mit Comics bestochen“, so Bunbury’s Comics.

Weitere Bilder findet ihr hinter den entsprechenden Links.

Fotografen | Cosplay-Duo | Bunbury’s ComicFB-Album mit allen Fotos des Marvel-Tags

Ms Marvel Band 1 Comic Rezension

Kamala Khan ist “Ms. Marvel” – Bd. 1

Autor: G. Willow Wilson | Illustrationen: Adrian Alphona | Verlag: Panini | Format: 124 Seiten, Softcover | Band: 1 von X | Leseprobe

Bis 2012 war sie Ms. Marvel: Carol Danvers, ein blondes, optisches All-American Girl. Dann, nach Mar-Vells a.k.a. Captain Marvels Tod übernahm sie dessen Superheldenidentität und der Name “Ms. Marvel” schien Geschichte.

Doch nicht für lange. Bereits Ende 2013 wurde bekannt, dass im Zuge des allgemeinen Umbruchs jemand Neues Ms. Marvels Nachfolge antreten würde. Die Wahl war ungewöhnlich und wurde kontrovers aufgenommen, passt jedoch hervorragend in die noch immer herrschende Suche nach mehr Diversität: Kamala Khan, sechzehnjährige Tochter einer pakistanischen Einwandererfamilie. Ms. Marvel ist fortan eine Muslima mit eigener Heftreihe und für viele ein Symbol des Widerstands. Die ersten 19 Ausgaben hat Panini Comics mittlerweile als Sammelausgaben in deutscher Übersetzung herausgegeben.

Den ersten Panini-Sammelband möchte ich euch hier vorstellen.

Handlung

Kamala wächst als Teenager zwischen den Welten auf: Als muslimische Amerikanerin steht sie zwischen zwei Stühlen, scheint zu keiner hundertprozentig zu gehören. Für ihre Familie ist sie nicht konservativ genug, während sie von ihren Mitschüler nicht selten mit Klischees beworfen wird, was in Teilen auch auf ihre geekigen Hobbies zurückzuführen ist. So schreibt sie Fan Fictions, spielt Rollenspiele und ist Fan der – in ihrer Welt schließlich auch real existierenden – Superhelden. Ihre Lieblingsheldin ist Captain Marvel. Und in genau die scheint sie sich während einer schiefgelaufenen Partynacht zu verwandeln.

Dem zugrunde liegt das – bei Ms. Marvel nicht näher erläuterte –  Crossover “Infinity“. In dieser Heftreihe zündet Black Bolt eine Bombe, welche überall auf der Welt den Terrigen-Nebel freisetzt. Menschen, welche das Inhuman-Gen in sich tragen, bekommen durch den Kontakt mit dem Nebel Superkräfte. Von alldem weiß Kamala natürlich nichts und muss fortan, ähnlich wie einst Spiderman,  alleine zusehen, wie sie mit den neu erworbenen Kräften umzugehen hat. Und das ist im normalen Teenager-Alltag alles andere als einfach.

Religion als Teilaspekt

Die Aufmerksamkeit, die die neue Ms. Marvel bereits vor Veröffentlichung der ersten Ausgabe erfahren hat, kommt natürlich nicht von ungefähr. Zwar ist sie nicht die erste muslimische Superheldin (man beachte etwa Dust von den X-Men), doch die erste, die als Titelheldin fungieren darf. Wer hier nun einen klischeebeladenen,  harsch demonstrierenden Krampf erwartet, wird hier allerdings nicht fündig werden. Die Religion soll nur eine Facette Kamalas sein und nicht das, was sie alleine ausmacht. Zwar werden Erwartungen bedient – so werden die gläubigen Eltern strenger dargestellt und etwa die Essensgebote thematisiert – doch wirkt es nicht plakativ, sondern natürlich.

Dass die Autorin G. Willow Wilson nicht nur vor einiger Zeit selbst zum Islam konvertiert ist und somit keine Außenstehende mehr ist, sondern auch einige Muslime und diverse Ansichten kennt, merkt man deutlich. Die Religion nimmt eine angenehme Nebenrolle ein und erdrückt den eigentlichen Plot nicht, sondern dient als Unterstützung des Charakters.

Ms Marvel Wolverine

Der steckt in einer Identitätskrise zwischen Freunden, Familie und den Kulturen. Die Verwandlung geschieht auf eigenen Wunsch hin, als sie, im wahrsten Sinne des Wortes benebelt, Captain Marvel, Captain America und Iron Man vor sich sieht. Kamala beteuert, Captain Marvel sein zu wollen. Beliebt, hübsch, das Böse bekämpfend. Angekommen in ihrer Welt. Der Wunsch wird prompt erfüllt, die drei nebulösen Gestalten verschwinden zurück im Nebel und lassen Kamala in Captain Marvels Gestalt inklusive Superkräften zurück. Aber ist das alles? Ist sie nur dann “super”, wenn sie eine lange blonde Mähne hat, die im Wind wehen kann und lange Beine, an denen sich sexy Overknees schmiegen? Ist es so erstrebenswert, tatsächlich jemand anderes zu sein und dafür seine eigene Identität zu verleugnen?

Das zum Glück nicht, denn das wäre definitiv ein Schritt in die falsche Richtung. Sie ist zur Verwandlungskünstlerin geworden, kann Gliedmaßen, Körpergröße, die ganze Gestalt verändern. Die Captain Marvels ist lediglich temporär, auch wenn es sie zugegebenermaßen zunächst sehr reizt, in Gestalt des Vorbildes zu agieren. Dass sie letztlich sich selbst treu bleibt, ist obligatorisch.

Mit diesen Fähigkeiten weiß sie zunächst natürlich wenig anzufangen und hat in den ersten Ausgaben viel damit zu tun, zu trainieren. Wenn man die dilettantischen Versuche mit ihrem dezent bekifft anmutenden Freund wirklich “Training” nennen darf. Wofür sie ihre Kräfte einsetzen will, ist jedoch sofort klar, denn das ist schließlich das, was sie nicht nur in ihren Fan Fictions bereits betreibt, sondern auch von ihren Eltern beigebracht bekommen hat: Hilfsbereitschaft, selbst wenn es heißt, sich selber zu gefährden, die Schwachen zu schützen und an das Allgemeinwohl zu denken. Wenn nicht jetzt, wann dann?

In den ersten Einzelausgaben sind es kleine Rettungsaktionen, die zum Teil sogar schiefgehen. Keine Endbosse, wie man sie von den “Originalen” gewöhnt ist. Der Fokus liegt noch auf Kamalas Person, ihrem Alltag und ihrer Art, mit der Verwandlung und der neuen Verantwortung umzugehen, dort hineinzuwachsen. In späteren Ausgaben, das hat die Autorin versprochen, wird es auch Interaktionen mit anderen Superhelden geben, die schließlich ebenfalls durch Jersey flattern. Dass aus dem pubertierenden Nerd in nicht allzu ferner Zukunft eine schlagkräftige Ms . Marvel werden wird, davon gehe ich stark aus!

Fazit

Die Story ist sehr kurzweilig und führt neben Kamala auch interessante Nebenfiguren ein, über die ich ebenfalls gerne mehr erfahren würde und die über ausgearbeitete Hintergrundgeschichten zu verfügen scheinen. Eine Feel good – Coming of Age – Superhero-Symbiose die echt cool ist, um mal tief in die Anglizismuskiste zu greifen. Sie ist an ein jugendliches Publikum gerichtet, doch ich denke, dass sich auch ältere Semester gut mit der neuen Ms. Marvel anfreunden können. Die Zeichnungen Adrian Alphonas runden das ganze gekonnt ab, bilden eine gute Mischung aus überzeichneten, humorvollen Passagen und rauer Federführung, der es an Dynamik nicht mangelt.

Ms. Marvel als Symbol des Widerstands

Kamala Khan ist eine der ersten muslimischen Superheldinnen, die Marvel zu bieten hat. Als Ms. Marvel bekämpft sie allerlei garstiges Gezücht, wobei das natürlich zunächst rein auf fiktionaler Ebene ruhte. 2015 bereits machte sie einen Schritt in unsere Dimension hinein und drückte islamfeindlichen Busbannern ihren Stempel auf – als Identifikations- und Galionsfigur, als Symbol des politischen Protestes.

Gestartet von der American Freedom Defense Initiative durch die islam“kritische“ Aktivistin Pamela Geller, fuhren die Busse fröhlich durch San Francisco. Botschaften verbreitend, die meines Erachtens nach dem Verständnis des Islam nicht gerade dienlich sind; mehr noch, die Furcht und den Hass gegenüber dem Islam im Generellen  schüren sollten. Natürlich geschützt durch den 1. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten, der bspw. die Meinungs- und Pressefreiheit in den Fokus stellt. (Zu Recht.  Redefreiheit gilt es in der Tat zu schützen. Von Hassreden u.ä. bin ich trotzdem kein wirklicher Freund.) Über diese Botschaften wurden damals Banner mit Kamala Khan geklebt.

Aktuelle Situation

Jüngste politische Unruhen rund um Trump und dessen ganz famose Präsidentschaft – wir erinnern uns an diverse rassistische, sexistische Aussagen sowie Vorhaben wie der des Mauerbaus und Einreiseverbote – fordern zur Tat auf. Kann und soll man alles akzeptieren? Definitiv nicht. Als Symbol des Widerstands werden auch hier wieder einige Superhelden benutzt. Dass dabei Kamala Khan eine prominente Rolle spielt ist ob ihres eigenen Hintergrundes nur obligatorisch.

Damit scheint sie eine der wenigen „neuen“ Superhelden zu sein, die Bestand haben werden. Viele werden wieder in ein Schattendasein eintauchen. Ms. Marvel jedoch scheint es zu schaffen, sich in der Popkultur zu verankern und ihre eigene Duftmarke zu setzen. Sie, wie auch viele andere Figuren zeigen in diesen Tagen die kulturelle Bedeutung auch und gerade von Comics, die oft ganz reale Probleme und Missstände thematisieren. Die X-Men kämpfen seit jeher gegen Ausgrenzung und Diskriminierung, Swamp Thing wirft philosophische Fragen auf und Ms. Marvel steht stellvertretend für ein ethnisch buntes Amerika.

Auch Künstler reihen sich in die Proteste ein. Phil Noto etwa änderte sein Variantcover für Civil War II, Issue #0 in einer Form um, wie er meint, wie Kamala Khan höchstselbst auf Trumps Präsidentschaft reagieren würde.

Weitere Bilder

 

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Ein von Full Metal Waifu (@super_kami_waifu) gepostetes Foto am

http://angelophile.tumblr.com/post/156636964260/an-edit-that-needed-to-be-made

http://artofstevetownsley.tumblr.com/post/156552973420/in-difficult-times-art-is-not-a-way-out-but-a

via vox.com