Zum Weltfrauentag – Drei Frauen, drei Ansichten

„Frauentag ist vorbei, du Basti*!“ Und trotzdem lasse ich hier an dieser Stelle nun drei unterschiedliche Frauen über den Frauentag, Weiblichkeit und Gleichberechtigung fabulieren. Warum? Weil Frauen auch außerhalb des Weltfrauentages existieren und die Themen als solche nie an Gültig- und Wichtigkeit verlieren.

Mit dabei:

Seid dabei gewarnt: Hier geht es nicht um scharfe Kritik oder Feminismus mit Biss, sondern schlicht darum, zuzuhören. Was sagen Frauen unterschiedlichen Alters und verschiedener Hintergründe zu den Themen? Gibt es einen gemeinsamen Konsens? Und was kann ich für mich da herausziehen?

Wie definierst Du Weiblichkeit?

Maria: „Weiblichkeit kann so vieles sein: Empathie, Kommunikativ, Durchsetzungsvermögen; sozial; Aussehen. Es gibt keine eindeutige Definition; ist eine Frau, die sich in Männerberufen durchsetzt weniger weiblich? Jeder sollte so sein dürfen, wie er / sie ist.“

Sara Sophie: „Es ist eine veranlagte Selbstverständlichkeit, ein Sein, dass man sich als Frau empfindet und sich entsprechend auch mit dem weiblichen Geschlecht beschreibt. Kurzum Weiblichkeit ist Identität und diese kann auch unabhängig von phänotypischen Merkmalen vorliegen.“

Judith C Vogt
Judith C.Vogt

Judith: „Das ist eine echt schwierige Frage für mich, weil ich mich die meiste Zeit gar nicht so wirklich als „weiblich“ empfinde. Also, ich habe eben eine anerzogene Vorstellung davon, was ich als weiblich wahrnehme und verstehe, passe in die aber selbst eher nicht rein. Ich bin zunehmend der Ansicht, dass Frauen eher eine Art politische Gruppe sind – zu der zu gehören, ist nicht von körperlichen Merkmalen oder besonderen Charaktereigenschaften abhängig. Und zu der gehöre ich definitiv.“

Ich persönlich habe mich nie als „weiblich“ im gesellschaftlichen Kontext empfunden und bin froh, dass mit der klassischen Geschlechterrolle immer mehr aufgeräumt und Akzeptanz geübt wird.
Es nervt mich ungemein, wenn jemand vorschreiben will, wie sich eine „richtige“ Frau zu verhalten oder stylen (oder gar welche Figur sie zu haben) hat. Das kann einem niemand vorschreiben.


Wer ist dein weibliches Vorbild?

M: „Ich habe kein Vorbild, weder weiblich noch männlich. Angela Merkel finde ich gut, weil sie so viel erreicht hat (unabhängig von der Politik).“

S: „Das Vorbild habe ich jetzt nicht, aber aus gegebenem Anlass würde ich gerade Greta Thunberg sagen. Eine junge Frau die für ihre Ideale kämpft und deswegen auch Konsequenzen und Angriffe gegen ihre Person in Kauf nimmt und trotz alledem weiter macht. Dass sie so polarisiert, zeigt aber auch deutlich, dass sie mit ihren Idealen den Nerv getroffen hat. Sehr inspirierende Persönlichkeit.“

J: „Ich bewundere viele Menschen für das, was sie tun, aber ich habe keine richtigen Vorbilder mehr. Ich glaube, das hängt damit zusammen, dass für mich die Zeit der einzelnen Genies vorbei ist. Veränderung ist ein „group effort“, und ich finde es großartig, dass immer mehr und mehr Leute sich Gehör verschaffen. Ich bewundere eher die gerade 
stattfindende Bewegung als Ganzes! ;)“


Findet Gleichstellung bereits statt? Wo besteht Verbesserungsbedarf?

M: „Seit den 70er Jahren hat sich viel getan. Damals konnte ein Ehemann das Arbeitsverhältnis seiner Ehefrau gegen ihren Willen kündigen. Die Ehe war keine wirkliche Partnerschaft. Die Frauen sind selbstbestimmter als damals. Aber richtige Gleichberechtigung ist auch nach fast 50 Jahren noch nicht erreicht. Frauen verdienen in vielen Berufen noch immer weniger als ein Mann bei gleicher Tätigkeit. Männer werden bei Karrieresprüngen immer noch bevorzugt. Kindererziehung ist in vielen Fällen noch immer hauptsächlich Sache der Frauen, was sich auch auf ihre berufliche Karriere auswirkt. Männer und Frauen sind gleich; kein Geschlecht ist besser als das Andere. Das muss in vielen Köpfen noch ankommen.“

Sara Sophie

S: „Ich wünschte ich könnte die erste Frage mit einem Ja beantworten, so ist es aber leider nicht, allem voran wenn man die Rolle der Frau im globalen Kontext betrachtet, wo noch in einigen Kulturen das weibliche Geschlecht weniger Wert ist und bestimmte Rechte nicht wahrnehmen kann. Aber auch in unserer westlichen Gesellschaft besteht Nachholbedarf. C.a. 50% aller Menschen definieren sich als weiblich, diese Tatsache wird aber in der Realität nur selten repräsentiert, außerdem haben Frauen auch nicht selten das Problem, dass sie weniger ernst genommen werden und nicht zuletzt finde ich es doch ziemlich abstrus dass Männer über Dinge entscheiden, die fast ausschließlich nur Frauen betreffen und ihre Stimme auch noch ein gewaltiges Gewicht haben. Kurzum; ich wünsche mir mehr politische Entscheidungsprozesse wo Frauen repräsentierter sind, gerade bei Themen die uns betreffen. Es gibt dann natürlich noch viel mehr Probleme und Verbesserungen, es würde dann aber zu ausufernd werden.“

J: „Ich hab lange gedacht, dass wir schon ziemlich weit sind und gerade so die letzten Hürden zu einem gleichberechtigten Umgang nehmen. Aber unsere Gesellschaft ist immer noch massiv und systemisch ungleich, in jeder Hinsicht, nicht nur, was die Gleichberechtigung von Geschlechtern angeht. Ich glaube, diese systemische Benachteiligung zu sehen und dagegen zu arbeiten ist jetzt die große Herausforderung unserer Gesellschaft. Systemischer Sexismus wird ja von überall her ausgeübt: Von Männern, die selbst nie etwas vorsätzlich Frauenfeindliches tun, von Frauen, die Teil des Systems sind, von Unternehmen, die „eigentlich“ Frauen fördern wollen – da zu checken, dass es Dinge gibt, an denen wir nicht selbst und vorsätzlich schuld sind, die wir aber trotzdem aktiv ändern müssen, ist, denke ich, die richtig große nächste Hürde, die wir nehmen müssen. Und danach sehen wir mal weiter.“


Was sollte am Weltfrauentag gefeiert werden? Worum sollte es gehen?

M: „Um Frauen; um Gleichberechtigung.“

S: „Worum sollte es gehen?: Ich finde es sollte ein Feiertag sein, wo man Weiblichkeit als ganzes zelebriert und auch die Möglichkeit bietet seine eigene weibliche Identität zu repräsentieren und diese zu feiern. Er sollte aber auch politisch sein, wo auf Ungleichheiten der Geschlechter und Probleme der Frauen in der Gesellschaft, sowohl im regionalen bis globalen Kontext aufmerksam gemacht werden sollte und entsprechend Lösungsvorschläge erarbeitet werden, wie man die Ungleichheiten entgegenwirken kann.“

J: „Der Weltfrauentag hat im Prinzip dasselbe Dilemma wie der Black History Month. Im Februar Schwarze Menschen in der Weltgeschichte zu feiern, ist eine gute Sache, die Aufmerksamkeit bringt für Geschichte, die sonst nicht erzählt wird. Aber das bedeutet letztlich, dass die anderen 11 Monate wieder White History Months sind und wir wieder vornehmlich Weltgeschichte als Geschichte weißer Menschen wahrnehmen. Das ist ein bisschen zweischneidig. Ich finde es superwichtig, Marginalisierte hervorzuheben, und das ist sicher etwas, was der Weltfrauentag auch versucht. Aber letztlich ist für viele der Weltfrauentag ein Anlass, einander in männerdominierten Aufsichtsräten auf die Schultern zu klopfen und zu sagen: „Wir sind ja schon so weit!“ und dann am nächsten Tag business as usual zu betreiben.
Aber bei einer Sache bin ich mir sehr sicher: Am Weltfrauentag sollten
nicht Männer die Bühne erhalten, um über Frauen zu sprechen – nein, auch nicht anerkennend oder bewundernd oder hervorhebend oder whatever. Wenn du ein cis Mann bist und man hat dich eingeladen, am Weltfrauentag zu sprechen – im Radio, im Fernsehen, auf einer Bühne, bei einer Firma, dann bestehe darauf, dass für denselben Job eine Frau gefunden wird. Es gibt sie. Wir sind überall.“

Und ihr?

Wie würdet ihr die Fragen beantworten? Hat sich euer Verständnis davon in den letzten Jahren verändert?
Ausdrücklich möchte ich auch darauf hinweisen, dass zwei der Frauen auch Twitteraccounts haben, denen zu folgen sich lohnt.


Header: unsplash-logoMonica Melton
Interview Elea Brandt Opfermond

Elea Brandt: „Wenn man in diesem System aufgewachsen ist und es nie anders kennengelernt hat: hinterfragt man es dann?“

Opfermond“ ist mein persönliches Romanhighlight der letzten Monate. Der Roman, der in einer dreckigen, misogynen Welt spielt, hält sich mit Gewalt und Tod nicht zurück – und das auf eine fein beschriebene Art und Weise.

Mit der Autorin Elea Brandt traf ich mich auf ein Skype-Gespräch, um über vulgäre Wortwahl, wegweisende Frauenfiguren und Moral in ihrem Roman zu sprechen.


Guddy: Mit welchen drei Wörtern würdest du „Opfermond“ beschreiben?

Elea Brandt: Uff. „Düster“. „Kompliziert“. Ein drittes … schwierig.

Wie sieht es mit „Tod“ aus?

Tod wäre auch gut, ja. Ja, doch. Ja!

Denn der Tod ist ja doch ein zentrales Thema im Roman. Hast du ihn bewusst derart prominent verarbeitet?

Es kam einfach. Was tatsächlich schon ziemlich früh feststand war dieser erste Satz: „Der Tod ist ein ständiger Begleiter.“ Der Satz kommt danach auch immer mal wieder, ist ein bisschen der rote Faden. Den Satz habe ich bestimmt vier Wochen, bevor ich mit dem Schreiben begonnen hatte, mit mir herumgetragen. Der Rest hat sich während des Schreibens entwickelt.

Da muss ich auch meiner Lektorin ein großes Kompliment aussprechen, die einen tollen Blick für Bilder hat. An vielen Stellen hat sie mitgeholfen, die Motive Leben und Tod, Helligkeit und Dunkelheit noch stärker herauszuarbeiten. Das ist finde ich ganz gut gelungen und rund geworden irgendwo.

Hast du ein konkretes Beispiel für diese Kontraste?

Elea Brandt Zitat IdraOhne groß zu spoilern: Varek hat zum Beispiel sehr viel Angst vor der Dunkelheit, was sich auch durch die Geschichte zieht. Das ist immer konnotiert mit Tod, Gefahr und natürlich auch Angst. Bei Idra dagegen hat die Dunkelheit eher etwas Positives. Sie wächst ja in einem Armenviertel auf und kennt es nicht anders, dass Nacht und Dunkelheit ihr Schutz bieten. Ich denke, das passt alles ganz gut in diese „Leben und Tod“-Thematik.

Und Varek, der als Assassine immer ein bisschen auf diesem Scheideweg ist zwischen Leben und Tod, der aber gleichzeitig dieses Leben auch ablehnt und Idra, die jeden Tag kämpft aber vor dem Tod eigentlich gar keine Angst hat, weil er ihr einfach jeden Tag begegnet. Sie ruht einfach sehr stark darin. Varek wiederum kippt zwischen diesen beiden Extremen.

Würdest du Varek grundsätzlich als ängstlicher einschätzen?

Schwierig. Ich glaube, Varek hat mit mehr Dämonen zu kämpfen, also mit mehr Schatten und dunklen Flecken, die ihn so ein Leben lang geprägt haben. Idra ist da mehr die Pragmatikerin. Die kennt zwar die typischen Gefahren, die einem auf der Straße begegnen können, aber sie hat diese Grundängste nicht so sehr. Deswegen würde ich fast sagen: Ja.

Wo mir Idra sehr ängstlich vorgekommen ist, ist in der Alten Stadt, wenn der Tod sehr stark in den Vordergrund rückt.

Genau. Das geht ein bisschen aus dem Pragmatismus raus, dem sie den ganzen Tag begegnet. Sie hat gelernt, dass hinter jeder Ecke ein Messerstecher lauern könnte. Damit kann sie umgehen. Aber dieses Mysterium des Todes, das in der Alten Stadt so präsent ist, das macht ihr Angst.

In einem Roman wie diesem ist es ganz klar, dass auch liebgewonnene Figuren zum Tod kommen.

Bei einem von ihnen muss man sagen, dass es ein DSA-Charakter ist – wie übrigens auch Idra und Esra. Ihn gab es als diese Figur also schon und ich habe ihn sozusagen in diese Geschichte hineingeschrieben. Aber viele Leser haben schon früh gemerkt oder das Gefühl gehabt, dass es ihn treffen könnte. Lustigerweise ist es in „unserem DSA-Universum“ so, dass diese Figur überlebt hat, Idra aber sterben musste.

Man merkt auch, dass du DSA-Spielerin bist. Zum Beispiel meine ich, Al’Anfa in der Stadt wiedererkannt zu haben. Wie sehr hast du dich bei der Kreation der Welt an Rollenspielwelten orientiert?

Elea Brandt Zitat OrientalischesJa, es ist das schlimmste aus Al’Anfa, Fasar und Mengbillar zusammengeschmissen, allerdings nicht so richtig bewusst. Bewusst würde ich allerdings schon sagen, dass die Atmosphäre an Fasar zumindest angelehnt ist, dieses Düster-Orientalische. Das kennt man ja so nicht. Meistens, wenn man orientalische Settings hat, ist es dieses märchenhafte 1001 Nacht-Flair. Genau das wollte ich ganz bewusst nicht. Ich wollte es archaischer. Der morbide Grundcharakter von Fasar passte dagegen ganz gut.

Hinzu kamen dann meine eigenen Ideen. Vieles baut ja auf diesem Glaubenskonstrukt auf, dem Glauben an den Blutgott. Darauf ist die Gesellschaftsstruktur entstanden. Dass es dann insgesamt Mengbillar und Al’Anfa ähnelt, liegt denke ich einfach daran, dass sich die Gesellschaftsstrukturen da ähnlich entwickelt haben.

Würdest du in dieser Stadt wohnen wollen? Vermutlich nicht, oder?

Eher nicht, nein. Das ist aber auch das, was man sich dann fragt: Wenn man in diesem System aufgewachsen ist und es nie anders kennengelernt hat: hinterfragt man es dann? Und dann lebt man vielleicht auch ganz mit dem, wie es halt ist und akzeptiert es. Aber wenn man dann mit unseren Augen, unseren Moralvorstellungen drauf sieht, ist es natürlich unvorstellbar.

Wer ist denn für dich die unmoralischste Person in deinem Roman?

Das ist interessant, denn es hängt ein bisschen davon ab, wie man Moral definiert. Aber von meinem jetzigen Standpunkt aus wohl der Khari. Er ist einfach mies. Die anderen haben zumindest eine Art Agenda, einen Plan, eine Moralvorstellung. Die muss in unserem Sinne nicht gut sein, aber sie haben zumindest eine. Die hat der Khari tatsächlich gar nicht – oder man merkt es ihm zumindest nicht an.

An einer Stelle haben zwei Personen zwar ehelichen Sex, aber wirklich einvernehmlich ist er nicht. [Sie lässt es über sich ergehen, ekelt sich aber davor] Würdest du das bereits als Vergewaltigung bezeichnen?

Ich finde es immer schwierig, das einzuschätzen, wenn man eben ganz andere gesellschaftliche Vorgaben und Vorstellungen von Sexualität hat. Von unserem heutigen Standpunkt würde ich sagen ja, definitiv. Wenn man aber in dieses System hineinschaut, dann wird er „legitim“. Weil in diesem System der Mann mehr oder weniger der Besitzer der Frau ist und dann nach diesen Statuten ist es auch legitim.

Ist es dir wichtig, so etwas im Roman zu bewerten?

Ich habe schon den Eindruck, dass es bewertet ist und ich finde es auch wichtig. Es so hinzustellen, als sei es grundsätzlich OK oder sogar romantisch, finde ich nicht gut.  Ich denke auch, dass klar wird, dass die Art und Weise, wie der Mann seine Frau behandelt oder auch wie der Zuhälter seine Huren, nicht in Ordnung ist. So ein Leben ist weder schön, noch in irgendeiner Weise wünschenswert. Es ist ein Produkt des brutalen Systems, in das sie alle hineingezwungen wurden.

Die Frauen deines Romans wirken dabei keinesfalls gebrochen.

Elea Brandt Zitat FrauenGenau. Es ist natürlich ein grundsätzlich sehr misogynes System. Von daher war es mir auch wichtig, Contra zu geben. Wenn am Ende die Männer auch die sind, die alle Fäden ziehen, wäre es auch wieder langweilig und auch nicht realistisch, selbst wenn der Mann tonangebend ist. Ich finde es auch spannend: Wenn man im Nachhinein nochmal  das Buch liest, merkt man, dass die Frauen diejenigen sind, die die Geschichte voran treiben. Das ist mir erst danach bewusst geworden.

Das ist total lustig. Augenscheinlich ist ja Varek der eigentliche Hauptpart, aber Idra gibt ihm alle wichtigen Informationen. Gleichzeitig ist auch Alrha eine treibende Kraft, ebenso wie Esra. Erst im letzten Drittel wir er aktiv. Grundsätzlich ist er der, der reagiert, statt agiert.

Du benutzt ziemlich direkte Wortwahl im Roman. Findest du, dass es daran momentan in der Phantastik mangelt?

Witzigerweise lese ich gerade „Nevernight“ von Jay Christoff und der ist tatsächlich auch sehr derb in seiner Sprache. Es kommt extrem darauf an, wie gut es zum Roman passt. Bei Idra war es es mir wichtig, weil ich es realistisch finde. Im Gegensatz dazu habe ich auch schon Fantasybücher, in denen die Charaktere, die aus einfachsten Verhältnissen kommen, sehr geschliffen daherreden. Als wären sie gerade vom Mittelaltermarkt gekommen. Und das stört mich. Klar, man möchte irgendwie eine „Mittelalter-Romantik“ herstellen. Aber es ist dann einfach nicht stimmig.

Die Leute dieser Zeit haben genau so geflucht und vulgär daher geredet wie wir heute, nur mit anderen Worten. Ich als Autorin übersetze es ja quasi nur in unser heutiges Jargon.  Und da finde ich es auch stimmig, wenn mal ordentlich auf die Kacke gehauen wird.

Gab es Schwierigkeiten, deswegen einen Verlag zu finden oder war das kein Problem?

Elea Brandt Zitat FuckDas ging überraschend flott. Ich glaube da haben wir auch nie wirklich darüber diskutiert, es war nie ein Problem. Es kam nie negativ auf. Im Gegenteil, meine Lektorin hat vielleicht sogar noch etwas hinzugefügt. Ich meine, es passt ja zu dem Lebensumfeld.

Wo ich nur aufpassen musste war, dass es nicht zu modern wird. Mir fehlt zum Beispiel das „Fuck“ …

Oh ja, mir auch! Das ist so ärgerlich! Es gibt auch keine gute Entsprechung!

Genau. Oder „Wow“ oder „krass, das kann man ja nicht schreiben. Es ist schwer, es so zu schreiben, dass es nicht nur passt, sondern auch wirkt. Das habe ich dann oft weggelassen oder geschrieben, dass sie fluchen. Das nimmt natürlich Power raus, muss aber leider manchmal sein. Denn wenn ich Fantasy lese und dann über moderne Begriffe stolpere, stört mich das sehr. Es war mir wichtig, dass alles direkt bleibt.

So, abschließende Frage! Wie lange würdest du in der Stadt wohl überleben?

Zweieinhalb Minuten …? Kommt darauf an, wenn ich wirklich in den Roman stolpern würde, würde ich vermutlich innerhalb der nächsten Minuten versklavt werden. Wenn ich schon Ahnung hätte, aber wohl auch nicht allzu lange. So gefragt sind Psychologen da nicht und ich wäre aufgeschmissen …


Elea Brandt, Psychologin und eingefleischte Rollenspielerin, kam früh mit der Phantastik in Berührung und lässt ihre Begeisterung dafür in ihre Romane und Kurzgeschichten fließen. Dabei hat sie sich auf vielschichtige Figuren, Low Fantasy, Thriller, Horror und Mystery spezialisiert, streckt aber auch gerne ihre Fühler weiter aus.

„Opfermond“ hat es im Februar übrigens auf die Phantastik-Bestenliste geschafft. Wenn das kein Grund ist, auch mal reinzuschnuppern!

Zu ihrer Website geht’s hier entlang