Comic Jook Joint by Tee Franklin

Der Comic „Jook Joint“ ist für die Überlebenden

Comics bieten so viel: Unterhaltung, Inspirationsquelle, Eskapismus; sie können witzig, nachdenklich oder gruselig sein. Und sie können jenen Leser*innen und Autor*innen bei bestimmten Themen Halt geben. „Jook Joint“ etwa behandelt das Thema häusliche Gewalt und versetzt es in ein Horror-Setting.

Für die Autorin Tee Franklin glich das Schreiben von Jook Joint einer Therapie. Von ihrer Psychologin empfohlen, half es ihr, ihre Erlebnisse zu verarbeiten. Literarisch rechnete sie mit den Peinigern aus ihrer Vergangenheit ab – und das sehr drastisch.

Die Protagonistin Mahalia führt ein beliebtes, queerfreundliches Etablissement irgendwo in den Sümpfen von Lousiana. „Behaltet eure Hände bei euch“ steht auf dekorativen Schildern in den feucht-fröhlichen Räumlichkeiten verteilt. Natürlich hält das nicht alle davon ab, die Frauen zu belästigen und sich ihnen aufzudrängen. Zeit für Mahalia, das entsprechend zu ahnden. Mit auf ihrer Seite: Frauen aus dem Jenseits, die durch männliche Hand gestorben sind.

Triggerwarnung

Die blutigen Details und die gewalthaltigen Inhalte verlangen danach und Franklin liefert: Eine Triggerwarnung zu Beginn des Comics. Es ist ein lobenswertes Beispiel dafür, wie man es als Schaffende*r machen kann: Nicht wirklich dezent, aber man findet als Betroffene*r schnell heraus, was einen erwartet und genauer, worauf man sich einstellen kann. Zusätzlich werden für die USA relevante Telefonnummern, sowie eine Website genannt, die sich an Betroffene (häuslicher) Gewalt richten.

Triggerwarnung

Man kann dem Comic vorwerfen, eine Rache-Fantasie zu sein und vielleicht ist es das auch. Vielleicht hilft es aber in erster Linie auch Betroffenen, sich mit ihrer Vergangenheit oder sogar aktueller Realität auseinander zu setzen. Dass man im übertragenen Sinne des Genres sehen kann, dass das, was passiert, nicht Standard sein muss.

Jook Joint ist nicht für jede*n und will es wohl auch nicht sein. Aber es kann Kraft geben und jenen, die so etwas nicht erlebt haben, ein Fenster und eine Brücke sein.

Abgesetzt

Nach zwei von fünf Issues wurde es leider abgesetzt. Auf meine Nachfrage hin gab Tee Franklin an, dass sie hoffe, dass Jook Joint in Zukunft in irgendeiner Form noch veröffentlicht werden kann, sie aber momentan keine handfesten Pläne habe. Ihrem Comic „Bingo Love“ wurde durch Kickstarter Tür und Tor geöffnet – man weiß ja nie, welche Möglichkeiten für Jook Joint bestehen könnten. Schaden kann es auf alle Fälle nicht, ihr auf ihren sozialen Kanälen zu folgen und ihr Werk zu unterstützen.

Weiterführende Links:

Snotgirl Review

Why the Hype? | Snotgirl

„Hey! Listen! Hey hey! Listen Guddy! Kennst du schon Snotgirl? Das ist der heißeste Shit im Comicland! Ist von Image Comics! Listen! I mean: Read it! Read it now!“

So ging das vehemente Wispern durch meine Timelines der letzten Jahre und Monate. Nicht kontinuierlich, aber doch einem stetigen Rauschen gleich, das mich von der Großartigkeit dieses Stücks bebilderter Erzählkunst hatte überzeugen wollen. Und so griff ich kürzlich einknickend zu den zu einem Sammelband zusammengepressten, bunten Blättern. Von Bryan Lee O’Malley( Scott Pilgrim) geschrieben und von Leslie Hung illustriert, konnte das ja auch auch keine schlechte Entscheidung sein. Oder?

Aller Anfang ist leicht, so merkte ich und knabberte mich frohlockend durch die ersten Seiten. Vorgestellt wurde die Protagonistin Lottie „Snotgirl“ Person, die nach außen hin dem perfekt polierten Bild einer erfolgreichen Fashionbloggerin entspricht und mit ihren grünen Haaren einen interessanten Farbtupfer abgibt. Innerlich jedoch ist sie von Selbstzweifeln und Introvertiertheit geplagt, die sich bildhaft auch in ihren Allergien äußert: Dann, wenn sich grüner Schnodder seinen Weg durch ihre Nebenhöhlen bahnt und sich Tränen über ihre Wangen ergießen. Sympathisch, dieses Häuflein Elend, kann man sich doch mit all den Fehlerchen identifizieren.

Fröhlich blätterte ich so durch die Seiten und erfreute mich an den zahlreichen karikierenden Anspielungen auf das glorreiche Bloggerleben. Dialoge in den Weiten der Social Media rundeten das Bild gekonnt ab und boten eine kurzweilige Leserunde. Man hörte mich leise in meinem Bett kichern.

Den ersten Kniff – Snotgirl wird von einem sehr dubiosen Aushilfsarzt in einen Medikamentenversuch verstrickt, der ihren Allergien zu Leibe rücken soll – und den darauf folgenden mehr oder minder unfreiwilligen Mord an einer Bloggerkollegin feierte mein lesehungriges Herz. Es versprach, eine illustre Geschichte um Glamour, Schuld und zarte Mystik zu werden!
Kurzum: Snotgirl und ich – wir hätten so eine schöne Comic-Leserin-Beziehung führen können.

Snotgirl

Leider verliert sich der Comic sehr bald in einem unentwirrbaren Gestrüpp aus Gossip, langweiligen Plotsträngen und nicht beantworteter Fragen. Er gibt sich hin den unausgereiften Figuren und angefangenen Plotsträngen, die wie gute Anfänge von Ideen erscheinen, jedoch nicht weiter aufgegriffen werden. „Snotgirl“ verwirrt, aber leider nicht auf kluge, sondern planlose Weise. Plötzlich erscheint es wie ein geschmackloser Kuchen, auf den wahllos irgendwelche Süßigkeiten geworfen werden: Irgendwie sieht es fancy aus, will aber keinen richtigen Sinn ergeben.

Meine gerunzelte Stirn gleicht nun nach dem Lesen weiterer Bände einem zerknüllten Stück Papier. Was will uns der Comic sagen? Hat er vergessen, dass man Plotstränge weiterführen kann? Dass man Akzente setzen, anstatt den gleichen Brei bedienen könnte? Und so trampelt man von einem bereits bekannten Bloggerwitz zum nächsten und stolpert über interessante Ansätze, die jedoch haltlos irgendwo im Schatten vergangener Blogweihnacht verenden. Nicht einmal der grüne Schnodder wird zelebriert, sondern kläglich in ein Taschentuch geniest und vergessen.

„Snotgirl“ sieht frisch aus, ist es sogar in den ersten Issues, doch vermag es nicht, mich über die Strecke hinweg zu begeistern. Als hätte man auf halber Strecke die Lust und Inspiration verloren. Das ist schade, aber letztlich bleibt dieses Fazit:

Viel Hype um nichts.