Comic Jook Joint by Tee Franklin

Der Comic „Jook Joint“ ist für die Überlebenden

Comics bieten so viel: Unterhaltung, Inspirationsquelle, Eskapismus; sie können witzig, nachdenklich oder gruselig sein. Und sie können jenen Leser*innen und Autor*innen bei bestimmten Themen Halt geben. „Jook Joint“ etwa behandelt das Thema häusliche Gewalt und versetzt es in ein Horror-Setting.

Für die Autorin Tee Franklin glich das Schreiben von Jook Joint einer Therapie. Von ihrer Psychologin empfohlen, half es ihr, ihre Erlebnisse zu verarbeiten. Literarisch rechnete sie mit den Peinigern aus ihrer Vergangenheit ab – und das sehr drastisch.

Die Protagonistin Mahalia führt ein beliebtes, queerfreundliches Etablissement irgendwo in den Sümpfen von Lousiana. „Behaltet eure Hände bei euch“ steht auf dekorativen Schildern in den feucht-fröhlichen Räumlichkeiten verteilt. Natürlich hält das nicht alle davon ab, die Frauen zu belästigen und sich ihnen aufzudrängen. Zeit für Mahalia, das entsprechend zu ahnden. Mit auf ihrer Seite: Frauen aus dem Jenseits, die durch männliche Hand gestorben sind.

Triggerwarnung

Die blutigen Details und die gewalthaltigen Inhalte verlangen danach und Franklin liefert: Eine Triggerwarnung zu Beginn des Comics. Es ist ein lobenswertes Beispiel dafür, wie man es als Schaffende*r machen kann: Nicht wirklich dezent, aber man findet als Betroffene*r schnell heraus, was einen erwartet und genauer, worauf man sich einstellen kann. Zusätzlich werden für die USA relevante Telefonnummern, sowie eine Website genannt, die sich an Betroffene (häuslicher) Gewalt richten.

Triggerwarnung

Man kann dem Comic vorwerfen, eine Rache-Fantasie zu sein und vielleicht ist es das auch. Vielleicht hilft es aber in erster Linie auch Betroffenen, sich mit ihrer Vergangenheit oder sogar aktueller Realität auseinander zu setzen. Dass man im übertragenen Sinne des Genres sehen kann, dass das, was passiert, nicht Standard sein muss.

Jook Joint ist nicht für jede*n und will es wohl auch nicht sein. Aber es kann Kraft geben und jenen, die so etwas nicht erlebt haben, ein Fenster und eine Brücke sein.

Abgesetzt

Nach zwei von fünf Issues wurde es leider abgesetzt. Auf meine Nachfrage hin gab Tee Franklin an, dass sie hoffe, dass Jook Joint in Zukunft in irgendeiner Form noch veröffentlicht werden kann, sie aber momentan keine handfesten Pläne habe. Ihrem Comic „Bingo Love“ wurde durch Kickstarter Tür und Tor geöffnet – man weiß ja nie, welche Möglichkeiten für Jook Joint bestehen könnten. Schaden kann es auf alle Fälle nicht, ihr auf ihren sozialen Kanälen zu folgen und ihr Werk zu unterstützen.

Weiterführende Links:

The Perfection auf Netflix

Netflix‘ „The Perfection“ ist extrem – das macht ihn aber nicht gut

Auf den ersten Blick macht „The Perfection“ vieles richtig: Der Film zeigt zwei Frauen in den Hauptrollen, von denen beide lesbisch (oder auch bspw. pan- oder bisexuell) und eine eine POC ist. Es geht -- nebst dem eigentlichen Thriller bzw. Horroraspekt -- um Wut, Stolz und Stärke. Zudem ist er streckenweise ekelhaft und schockierend, was natürlich einen besonderen Reiz ausmacht. Aber ist er auch gut? Ich finde nicht. Und ich kann die Begeisterung, die vielerorts herrscht, nicht ganz nachvollziehen.

Wenn man in den sozialen Netzwerken nach dem Film sucht, findet man sich bald in einem Sumpf aus wundervoll reizenden Adjektiven wieder: Verstörend! Ekelhaft! Extrem! Insane! Boundary-pushing! Messed up! Man überschlägt sich fast vor lauter Begeisterung, den Film überstanden zu haben und lobt ihn über den Klee. Aber warum? Weil er … extrem ist? Weil er Grenzen überschreitet?

Anstatt einer schnöden Inhaltsangabe des Films lasse ich euch den Trailer hier. Obacht: Er zeigt bereits recht viel. Wer sich überraschen lassen will, guckt den Film ohne zuvor den Trailer begutachtet zu haben.

Nicht dass wir uns falsch verstehen: Die erste Hälfte des Films ist fantastisch! Überraschend, klug inszeniert und beseelt durch unglaublich gutes Charakterspiel der beiden Darstellerinnen! Hier wird auch weibliche Nacktheit gezeigt: In einer lesbischen Liebesszene, die erfrischend normal und wenig „male-gazig“ erscheint. „Hurra!“, dachte ich, „Das scheint ein super Film zu sein!“ Man weiß noch nicht so recht, wo es hinführen wird: Ist es ein Thriller? Eine Maden-Invasion-Virus-Geschichte? Oder doch Superman?

Der Twist

Der erste Twist war ein Höhepunkt und wunderbar präsentiert. Danach wurde der Film für mich jedoch zum nahezu billigen Trash. Plötzlich gab es nur noch dubiose Entscheidungen und Begründungen seitens der Figuren, ein billiges Motiv und lächerliche Plot Devices. Es wurde plakativ und zu in meinen Augen lächerlichem Unfug. Dabei mag ich Trash! Ich mag Horror! Aber nicht, wenn zu diesen speziellen Themen gegriffen wird. Nicht, wenn diese so behandelt werden.
„Aber es ist doch so toll extrem!“ Ach. Guckt halt die erste Hälfte von The Perfection und kreuzt dann „Kill Bill“ mit „I spit on your grave“. Das kann dann eure zweite Hälfte sein.

Ab hier: Spoiler!

Ich war unfassbar enttäuscht davon, dass Vergewaltigung als derart billiges Motiv verwendet wurde. Der -- richtig kluge und gute -- Film wurde alsbald zum Revenge Porn, unter dem die interessanten Figuren litten und der Plot ins Bodenlose abdriftete. Als ob es keine andere Möglichkeit gegeben hätte, sie zur Vernunft zu bekommen! Als ob man selbst automatisch zu einem Monster werden würde, wenn einem Leid widerfahren ist! Als ob man immer und immer wieder die Szenen hätten zeigen müssen! Klar -- es wurde nichts gezeigt. Nackt war nur der Mann. Aber immer und immer wieder? Ja, wir haben es verstanden. Ja, sie wurden vergewaltigt und missbraucht. Da hat bereits die erste Szene gereicht, in der es angedeutet wurde, nur der Druck seiner Hand auf ihrer Schulter. Wir wussten es -- dann wurde es plakativ. Eben extrem, hurra. Weil „extrem“ ja immer cool ist. Hauptsache extrem, Hauptsache, man kann unter diesem Deckmantel unter die schwachen des Plots hinwegsehen. Und wenn man es zu flach und trashig findet, ist man die Spaßbefreite. Logisch.

Es wurde schlicht von Minute zu Minute billiger und flacher und das hat mir um die Figuren und den anfänglichen Plot so leid getan. Man hätte es so viel klüger, so viel feinsinniger zeigen können -- und den Mann am Ende trotzdem derart verstümmeln können. Gebt uns Horror, gebt uns Extremes! Aber gewirkt hat es auf mich wie bloße Effekthascherei um der Schocks wegen. Meiner Ansicht nach verheizen sie.
Kann ich bitte noch einen Film mit diesen beiden Darstellerinnen haben? Sehr gerne mit Gore, Schocker und Maden im Arm! Aber ohne dämlichen Revenge Porn? Danke.

/Rant.

Vom Roman zum Videospiel: Das Buch als Quelle

Das gemeine Videospiel hat seinen Weg längst in die Bibliotheken unserer Städte gefunden. Harmlos steht es nur wenige Regale entfernt von Klassikern wie Moby Dick und Das fliegende Klassenzimmer. Und das ist auch richtig so! Neben den Gesellschaftsspielen, die man sich dort zumeist auch ausleihen kann, machen sie schließlich auch eine gute Figur! Manch Story eines Videospiels könnte man ohne weiteres zwischen zwei oder gar mehr Buchdeckel pressen! Das erscheint gerade dann nicht wundersam, wenn man die Spiele bedenkt, die tatsächlich auf Romanen basieren.

Hier in diesem Artikel möchte ich euch die Buchvorlagen aus verschiedenen Bereichen vorstellen.

Basis: Franchise

Natürlich fallen einem dazu als erstes die riesigen Franchises ein. Herr der Ringe etwa, das mittlerweile nicht nur Verfilmungen, unfassbare Merchandisemengen und musikalische Interpretationen erfahren hat, sondern eben auch Videospiele. Die ersten Hobbit-Pixel flimmerten im Jahre 1986 als Text-Adventure für den Commodore C64 über die Bildschirme. Ob Abenteuer mit Legosteinen, MMORPGs oder Strategie: Mittelerde bot Schauplatz für viele verschiedene Spiele. Kein Wunder, wenn man den ausufernden Weltenbau Tolkiens betrachtet, dessen Kreativität und die Erschaffung einer solch reichen, phantastischen Welt, sicher noch einigen Videospielen mehr ein Heim geben könnte. Dass die erfolgreiche Verfilmungen Anstoß für etliche weitere Adaptionen bot, ist obligatorisch.

Ebenso populäre wie starke Pferde sind beispielsweise auch Harry Potter und Das Lied von Eis und Feuer. Hier sind die Videospieladaptionen Begleitprodukte der Filme bzw. Serie und basieren primär auf eben jenen. Glücklicherweise handelt es sich hierbei um keinen billigen Fanservice; die Spiele fangen die Atmosphären, Figuren und Plots gut ein und führen den Spieler tiefer in die Lore hinein.

Teilweise folgen auch die Dune-Videospiele eher dem Geist der Verfilmungen und nicht des Originals von Frank Herbert, was sich natürlich auch an der Optik festmachen lässt. Hier wird weniger etwas eigenes kreiert, als auf Altbewährtem aufgebaut. Gerade Dune II besticht darüber hinaus aber durch sein für damalige Zeiten innovatives Spielkonzept. Es ist eines der ersten Echtzeit-Strategiespiele und verknüpfte erstmalig diverse Faktoren wie Rohstoff-Management, Echtzeitkämpfe und einiges mehr zu einem einzigen Spielkonzept.

Auch Alice im Wunderland war und ist bereits Stoff etlicher Adaptionen in verschiedenen Medien und Kunstrichtungen. Der folgende Titel kreiert jedoch etwas eigenes. American McGee’s Alice entführt den Spieler in eine verstörend brutale Welt, die das Prinzip des Originals ungewöhnlich interpretiert. Hier sitzt Alice, traumatisiert durch den Feuertod ihrer Eltern, in einer Irrenanstalt und flüchtet sich ins Reich der Fantasie. Dort, im Wunderland, hat sie es nicht nur mit skurrilen, sondern hauptsächlich mit stark verfremdeten Figuren Lewis Carrolls zu tun. Obwohl ungleich grausamer, ist die Basis des Buches doch gut zu erkennen. Schließlich sind weder Alice im Wunderland, noch Alice hinter den Spiegeln rein für Kinder konzipiert und bergen so manch Geheimnis, das nicht wirklich jugendfrei ist.

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Aus östlicher Richtung

Wesentlich näher ans Original schmiegt sich die Witcher-Reihe, die ihren Anfang im Jahre 2007 nahm. Sie basiert auf den Kurzgeschichten und Romanen Andrzey Sapkowskis und bedient sich sowohl der düster-phantastischen Welt und dessen Magie, als auch der Figuren. Hierzulande waren die Romane vor den Spielen eher unbekannt, wurden sie doch erst 2008 ins Deutsche übersetzt. Sowohl Spiele, als auch Bücher zeichnen eine düstere Welt voller grausamer Figuren aus der polnischen Sagenwelt, kriegerischen Auseinandersetzungen und zwischenmenschlichem Zwist. Fantasy, die man sich nicht entgehen lassen sollte, wenn man es etwas rauher und dunkler mag.

„Dunkel“ ist ein gutes Stichwort für den nächsten Kandidaten. Mit Metro 2033 und dem Nachfolger Metro 2034 schrieb Dmitry Glukhovsky Romane über die Gesellschaft nach der atomaren Apokalypse, über der stets der Schatten eines drohenden Krieges schwebt. Deren Handlung wird in den Videospielen aufgenommen und nur an wenigen Stellen verändert oder akzentuiert. Passend zum Setting, in dem sich die Menschen in den Untergrund geflüchtet haben und nun vor atomar verseuchten Kreaturen zittern müssen, wurden die Spiele als Ego-Shooter realisiert.

Ebenfalls russischen Ursprungs ist das Setting von S.T.A.L.K.E.R.: Shadow of Chernobyl. Picknick am Wegesrand“ nennt sich der von Arkadi und Boris Strugazki geschrieben Science Fiction-Roman und beschreibt das Leben und die Konflikte von Menschen, die am Rande von Sperrgebieten wohnen, an deren Zäunen eigentlich „Aliens haften für Ihre Kinder“ stehen sollte. Dort nämlich kann man Hinterlassenschaften – Artefakte – von Außerirdischen finden, die dezent negative Auswirkungen auf den Menschen haben. Die Videospiele basieren nur lose auf dem Werk. Als Spieler kämpft man sich primär durch eine verseuchte Stadt.

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Horror in Pixeln

Düstere Fantasywelten, Dystopien, Atom-Apokalypse – kann ein Setting noch viel schlimmer werden? Oh ja, und ob! Würzen wir die Romanseiten einfach mit abgedrifteter Biochemie, fleischgewordenen Alpträumen und Tentakeln! Hurra!

Moment! Hat da jemand „Tentakel“ gesagt? Dann kann H.P.Lovecraft nicht weit sein. Tatsächlich sind seine Werke Vorbild für so manchen Künstler jeglicher Couleur. So auch für Spieleentwickler. Nicht nur die direkten Adaptionen wie „Cthulhu – Dark Corners of the Earth“, die ein im besten Sinne grauenhaftes Ambiente kreieren, sind da zu nennen, sondern auch die Kleinode, die keinen berühmten Namen im Titel tragen.

Darkness Within: In Pursuit of Loath Nolder etwa ließ sich im Jahre 2007 und mit einem recht altmodisch erscheinenden Gameplay mit sehr viel Text von den lovecraft’schen Erzählungen inspirieren und auch mit Bloodborne wurde tief in die Cthulhu-Mythos Kiste gelangt. Und das sind nur ein paar wenige Beispiele. Daran merkt man, wie reich und voll das Werk Lovecrafts war und noch immer ist.

Doch war er nicht der einzige, der zum Gruseln einlud. Harlan Ellison etwa entwarf mit der Kurzgeschichte „I have no mouth“eine düstere Zukunft, in der ein von Menschen selbst erschaffener Supercomputer die Macht an sich reisst und sich an den Qualen der neuen Dienerschar ergötzt. Ein Roman, der, ebenso wie seine Spieleadaption „I have no Mouth, and I must scream“, nicht unterhalten, sondern zum Nachdenken anregen will. Das Adventure beschwört die Atmosphäre des Romans gekonnt herauf.

In eine andere Richtung geht das Spiel „Parasite Eve“. In dem RPG spielt man eine Frau, die andere mit nur einer Berührung in Flammen aufgehen lassen kann. Ja, sie ist eine Mutantin, gehört jedoch nicht zu Professor Xaviers Schergen. Vielmehr haben sich ihre Mitochondrien, die sogenannten Kraftwerke der Zellen, weiter- und ein Eigenleben entwickelt – was alles andere als positive Folgen für die gesamte Menschheit haben könnte. Dieser Biochemie-Horror ist im Pixelformat als Action RPG weniger detailreich als die Buchvorlage gleichen Namens von Hideaki Sena. Nach Lektüre des Buches wird man vermutlich alles über Mitochondrien und abstruse biologische Versuche wissen als man wollte.

Fantasy Books

Phantastisch adaptiert

Denkt man an Fantasy und auch an den Witcher zurück, vermutet man hinter einer Computerspiel-Adaption wahrscheinlich ein Rollenspiel. Betrayal at Krondor ist solch ein Kandidat. Das Rollenspiel von 1993 basiert auf der Midkemia-Saga von Raymond Feist und spielt in einer vom Spaltkrieg zerrütteten Fantasywelt. Das Videospiel stellt dabei einen interessanten Sonderfall in der hier zusammengestellten Liste dar. Zwar hat Feist nicht selber an den Dialogen mitgearbeitet, doch zählt es offiziell zum Kanon der Welt und wurde fünf Jahre später auch in Romanform niedergeschrieben.

Ruft man „Fantasyroman!“ in den Wald hinein, schallt es erst „Herr der Ringe!“ zurück und nach einer kleinen Handvoll anderer Namen auch noch „DieShannara-Chroniken! Also wirklich nur das Buch, nicht die Serie!“. Weit vor der TV-Serie gab es aber auch noch das Computerspiel. Das Adventure beinhaltet die Welt und Figuren der Vorlage von Terry Brooks, hat jedoch eine eigene Story zu bieten. Obwohl es als Sequel zu „Das Schwert von Shannara“ fungiert, muss man es nicht gelesen haben, um der Story folgen zu können.

Doch nicht nur Adventures und Rollenspiele, nein, die Fantasy bahnt sich ihren Weg auch in die Liga der First Person Shooter. Gemeint ist das Rad der Zeit von Robert Jordan, bei dem man statt mit schweren Pumpguns mit Zaubern um sich schießt. Dabei ist das Spiel detailliert und bietet eine atmosphärische Umgebung. Wer also die Nase voll von Ego Shootern im Kriegssetting hat – und sich vor einer Grafik aus dem Jahre 2002 nicht fürchtet -, kann unter anderem zu diesem Titel greifen!

Zwischen Licht und Schatten

In der Adaption der Terry Pratchett’schen Scheibenwelt geht es originalgetreu zu. Erstmalig 1986 als Text-Adventure erschienen, folgte „The Colour of Magic“ sehr stark dem literarischen Vorbild. Auch „Discworld“, 1995 für die Playstation und den PC erschienen, fängt den für diese Romane so geliebten Humor in Form eines Adventures ein. Lose basiert es auf dem Roman „Wachen! Wachen!“, wobei der Protagonist ausgetauscht wurde und man nun den Zauberer Rincewind spielt. Zwei weitere Spiele folgten, die die Scheibenwelt in formschöne Pixel packte.

Humoristische Romane allgemein geben meiner Meinung nach besten Stoff für Adventures ab. Per Anhalter durch die Galaxis etwa wurde 1984 ebenfalls als solches konzipiert und folgt dem Buch zunächst sehr nah, ehe es sich weiter und weiter vom Original fortbewegt, ohne dabei an Qualität und treffender Ironie einzubüßen.

Fort von Humor und Licht hin zu Dystopie und Schattengewächsen. Das Spiel „Shadow Complex“ etwa spielt parallel des dystopischen Romans Empire“ von Orson Scott Card, in dem ein zweiter Amerikanischer Bürgerkrieg thematisiert wird. Auch ein kriegerisches Setting hat das Spiel Spec Ops: The Line. Es basiert auf dem Roman„Heart of Darkness“ von Joseph Conrad, das auf sehr lesenswerte Weise die traumatischen Erlebnissen eines Soldaten im Herzen Afrikas behandelt. Das Spiel versetzt die Handlung in die Wüste Dubais. Man spielt Captain Walker, Leiter eines Squads aus zwei Soldaten auf der Suche nach dem verloren gegangenen Kameraden Konrad. Man muss moralische Entscheidungen treffen und sieht die Konsequenzen. Wie das Buch spielt das Spiel mit menschlicher Fragilität.

Tiefgründig geht es auch in „Atlas wirft die Welt ab“ bzw. seit 2012: „Der Streik“ von Ayn Rand zu. Protagonistin Dagny Taggart, die in den USA der 50er Jahre das ominöse Verschwinden von Großindustriellen zu verhindern versucht. Der zurecht vielbeachtete Shooter „BioShock“ wurde von diesem Buch inspiriert, übernimmt viel von dessen Philosophie wie bspw. den Objektivismus, Aristoteles, Industrie vs. Kirche und Staat. Einige Namen wurden der Vorlage angelehnt. Auch Fallout ließ sich von dieser Autorin inspirieren. Referenzen finden sich zum Beispiel in Form von Postern: „Wer ist Atlas?

Zuletzt ein winziges Ratespiel. In welchem Spiel findet sich dieses Zitat „Nothing is an absolute reality, all is permitted“ aus dem Buch „Alamut“ von Vladimir Bartol wieder? Kleiner Tipp: Der Roman spielt im 11. Jahrhundert in der persischen Festung Alamut, die von einem Missionaren und dessen Assassinen geführt wird.

Und die Klassiker?

Bücher gibt es schon seit mehr als hundert Jahren. Ich weiß, das ist ein Schlag ins Gesicht. Neben beispielsweise der Bibel, die es unter Schirmherrschaft des christlichen Publishers Wisdom Tree selbstverständlich auch in die pixeligen Weiten unserer Wohnzimmer geschafft hat, sind es derer noch mehr Titel älterer Semester.

Als eines der größten Werke der Weltliteratur gilt „Die Göttliche Komödie“ des italienischen Dichters Dante Alighieri, die erst kurz vor dessen Tod 1321 vollendet wurde. Sie schildert eine Reise durch die drei Reiche des Jenseits, allerlei Seelen von Verstorbenen begegnend. Das Videospiel „Dante’s Inferno“ ist dabei natürlich weniger philosophisch, sondern weitaus actionbeladener. Man durchstreift „hackend und slayend“ die neun Zirkel der Hölle, sich durch allerlei garstiges Seelenzeug kämpfend. Ein großer Spaß! Und das meine ich ernst.

Zwei Jahrhunderte später und ein paar viele Länder weiter östlich wurde „Die Reise nach Westen“ verfasst. Der Klassiker chinesischer Literatur stammt von Wu Cheng’en und spielt in einer phantastischen Version des alten Chinas, die Reisen des steinernen Affen Sun Wukong. Etwas weniger gesellschaftskritisch als die Vorlage zeigt sich das Action-Adventure Enslaved: Odyssey To The West. Hier spielt man den Menschen Monkey, dem das affenartige Design immerhin geblieben ist. Es spielt in einer post-apokalyptischen Welt 150 Jahre in der Zukunft; Plot und Figuren sind nichtsdestotrotz stark an das Buch angelehnt.

Unsere Reise durch Zeit und Raum führt uns nun ins Schottland des 19. Jahrhunderts. Dort ersann Robert Louis Stevenson die berühmte Novelle „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“, die bis heute unzählige Kreative inspirieren konnte. Kein Wunder also, dass es auch Stoff für Videospiele bietet. In einem 1988 erschienen Spiel ist Dr. Jekyll auf dem Weg zu seiner Hochzeit, wird dabei jedoch stets von nervigen Passanten aufgehalten. Ist der Doktor erbost, verwandelt nicht nur er sich, sondern auch die Passanten: In Dämonen, die vernichtet gehören. Andere Adaptionen gehen dabei einen werkgetreueren Weg.


Hier endet meine Vorstellung von Büchern, die als Vorlage für Videospiele dienten. Sicherlich gibt es derer mehr, denn nicht nur gibt es mittlerweile unendlich viele Spiele, Autoren lassen sich auch gerne inspirieren. Inwieweit Spiel A auf Roman X basiert, lässt sich nicht immer nachvollziehen. Definitiv ist die Auswahl aber groß, jedes Genre abgedeckt. Man kann so viel mit und aus Büchern machen! Selbst Videospiele.

5 Fakten über Walker (FTWD-Edition)

Manche Serien findet man einfach nur schlecht. Man sieht sie sich kurz an, denkt sich „Nä. Wech damit!“ und guckt dann doch wieder zum drölften Mal Battlestar Galactica. Doch da gibt es auch jene Serien, die so schlecht sind, dass man nicht weggucken kann, mehr noch: Sie sehen muss! Fear the Walking Dead ist für mich solch ein Kandidat. Die Personen agieren derart stupide, die Dialoge triefen vor Inkompetenz und die Storyline ist in solchem Maße lächerlich, dass die Serie für mich(!) mehr Comedy denn Horror ist. Vor wenigen Wochen startete die dritte Staffel der Serie. Grund genug, uns den Walkern zu widmen.

Fear the Walking Dead - ADHS

Die schlechte Nachricht zuerst: Zombies wollen euch fressen. Alle. Ausnahmslos. Die gute Nachricht: Sie haben eine ähnlich geartete Aufmerksamkeitsspanne wie ich, denn sie – he seht mal, dort fliegt ein aufgegessenes Butterbrot!

Zumindest in Fear the Walking Dead scheinen die Überlebenden derart um die Aufmerksamkeit der Walker besorgt, dass die bloße Anwesenheit ihres eigenen frischen Fleisches nicht gut genug ist! Bei Anlockung des Feindes (s.o.) dienen sie nicht nur selbst als Köder, nein, alle paar Sekunden ist es auch von Nöten, durch ekstatische Klänge und fideles „He! Follow me, bitches!“  auf sich aufmerksam zu machen. Wer weiß? Nachher verlieren die Walker noch das Interesse und spielen lieber Schnick Schnack Schnuck?

Fear the Walking Dead - Wasserzombies


Zombies sind furchtbare Wesen: Untot, irgendwie verwesend und verdammt ekelhaft. Lasst ein Steak mal drei Wochen lang liegen und ihr wisst Bescheid. (Aber im Ernst: Wer würde ein Steak schon liegen lassen? Ich meine: Ein fucking Steak!) Doch so eklig und tödlich sie auch sein mögen, es gibt Hoffnung! Lockt sie einfach in ein Gewässer eurer Wahl und schon ist jeglicher Gestank und jede Gefahr gebannt! Könnte man zumindest meinen, wenn man den Protagonisten dabei zusieht, wie sie die Walker ins Meer locken und, kaum dass diese hinein geplumpst sind, erleichtert aufatmen. Leichen werden ja nicht wieder an Land gespült, nein, nein!

Fear the Walking Dead - gesund

Leider habe ich kein passendes Beweisbild gefunden, doch die beiden sich mit Walkerblut einreibenden Darsteller tragen derart entzückte Mienen dabei zur Schau, dass man unwillkürlich an eine genüssliche Bukkake-Party denken muss. „Oh ja! Ich schmiere es mir überall hin! In die Augen! In den geöffneten Mund! Mhmmm!“ Und ja: Porno- und FTWD-Darsteller sind talenttechnisch kaum voneinander zu unterscheiden.

Verstehen Sie mich nicht falsch, werter Leser, selbstredend ist mir bewusst, dass es sich bei den Walkerausdünstungen um ein probates Antizombiemittel handelt. Dass es aber in den eigenen Körperkreislauf geschmiert werden muss, ist mir tatsächlich neu.

Fear the Walking Dead - Walker Azubis

TWD-Enthusiasten wissen längst Bescheid: Walker können verdammt aufdringlich werden, wenn sie einen erspäht haben. Gerne erinnern wir uns an das Gefängnis, das Rick&Co Obdach bot und an dessen Zäunen sich die Zombies die Nasen durch die Drahte drückten. Nicht so die südamerikanischen Zombies! Nein, sie erscheinen gänzlich unbeeindruckt vom menschlichen Treiben, das sich hinter den Maschendrahtzäunen abspielt – oder aber im Zombiedasein nur Dilettanten zu sein. Herumbalgende lärmende Kinder, BBQs, Gelächter – egal, Mr. Walker schlurft unbeeindruckt im Sande herum und bewässert die zarten Gräser mit seinem Sabber. Kein Wunder, dass die Figuren selten vor Angst erzittern.

Fear the Walking Dead - Zombies akurat


Kann natürlich sein, dass man hier ein zombiefizierte Touristengruppe aus Bielefeld sieht, doch nichtsdestotrotz sind die fear’schen Walker überraschend geordnet! In Reih und Glied torkeln sie – mal mehr, häufiger weniger gut gespielt – auf die Kamera zu und würden vermutlich noch eine saubere Rettungsgasse bilden, wenn eine Sirene ertönen würde.

Ich mag die fear’schen Walker. Zumindest würde ich die Welt aus FTWD, und nicht die aus TWD wählen, wenn ich müsste. Erscheint mir insgesamt deutlich sicherer. Denn wie sagt man in FTWD so schön achselzuckend: „Es gibt Schlimmeres.“

Meine erste Zombiestory

Ich habe die erste Zombiestory meines Lebens wiedergefunden, die ich euch nicht vorenthalten will! Immerhin ist sie.. ungewöhnlich für ein kleines Kind. Eingebettet ist sie in einer Zeitung die ich damals für mein Mein kleines Pony-Völkchen kreiert hatte. Die wahnwitzige Auflage betrug, glaube ich, etwa fünf Stück und war im Format 4x2cm für  zwei Ponymark käuflich zu erwerben. Die Zombiestory war im Ponyland keine Geschichte, sondern bittere Wahrheit, der Zeitungsartikel kündigte das drohende Unheil an.

Damals, in der Grundschule (zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Minizeitschrift war ich 8, maximal 9 Jahre alt, was auch die Rechtschreibung erklären könnte) wollte ich bereits Journalistin werden und habe einiges erstellt, von Kurzgeschichten bis zu ganzen Zeitungen in „Originalgröße“. Die habe ich sogar verkauft – auf der Straße an ahnungslose Passanten, die mir für damals 10-50 Pfennig einfach was Gutes tun wollten. Leider war die Dorfstraße auf dem Weg zum Ölberg nicht hoch frequentiert, sonst wäre ich nun vermutlich Multimillionärin. Ganz sicher.

Doch zurück zur prähistorischen Zombiestory die ich erstellt hatte, um mit meinen Ponys spannende Abenteuer im heimischen Wohnzimmer zu erleben. Laut Zeitungsbericht beginnt die ganze Chose mit unkontrollierter Blutabgabe und scheint sich zunächst um eine ordinäre Seuche zu handeln. Zumindest bis die Ponys eines schönen Tages nicht nur Blut speien, sondern auch noch nach Gehirn und Gedärm dürsten. Selbige Ponys habe ich dann auch noch schön mit rotem Nagellack markiert und ihnen die Haare abgeschnitten. Unschön, wenn sie in der nächsten Kampagne wieder mit schönem Haar glänzen sollten.

Übrigens herrschte zu diesem Zeitpunkt obendrein auch noch Krieg in meinem Ponyland. Meine Ponys hatten es nicht leicht. Noch heute höre ich manchmal ein Stöhnen aus den Kartons im Keller, in dem meine Ponys über vergangene Zeiten jammern.

Der Verlauf der pony’schen Zombiekalypse

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Der Bürgermeister wird gefressen.

Ein Sondereinsatzkommando (bestehend aus drei Kindern. Logisch.) verschanzt die restlichen Bewohner in der Schule.

Die Zombieponies kriechen umher und fressen Kohlköpfe, da sie keine Gehirne finden können

Zombiepony „Scarlett“ raubt die kleine Schwester von Lars, meinem Lieblingspony und Mitglied des Sondereinsatzkommandos.

Lars und seine zwei Freunde stürmen die Zombieponyhauptzentrale.

Alles fliegt in die Luft (dargestellt durch ein mit roter Wasserfarbe eingefärbtes Mehl-Wasser-Gemisch, mit dem ich ganz zur Freude meiner Mutter Teile meines Kinderzimmers in apokalyptische Optik verwandelt hatte)

Die Zombieponys werden von der Ponyprinzessin wieder zurückverwandelt.

Alle haben überlebt – nur der Bürgermeister nicht, der bleibt tot.

Die drei Sondereinsatzkommando-Kids werden gefeiert und es gibt eine große Party.

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Kleine Notiz am Rande: ich hatte tatsächlich eine sehr schöne Kindheit, die Ideen für die ganzen Zombieexzesse habe ich mir von heimlichen Fernsehsessions geholt. Ich bin trotzdem ein ganz normaler Mensch geworden! Fast.