The Rise of Skywalker

Warum ich Star Wars: The Rise of Skywalker leider schlecht finde

Es bedarf nur eines Tons, um Tränen in die Augen eines Star Wars-Fans schießen zu lassen. Und auch ich saß bei diesem ersten Ton voller Rührung im Kinosessel. Denn Star Wars bedeutet Emotionen, Nostalgie, Erinnerungen. Mit Emotionen spielt man nicht; Disney macht es trotzdem. Und da ist es kein Wunder, dass auch The Rise of Skywalker polarisiert: Man liebt oder man hasst ihn.

Daher vorab ein Einwurf, weil sich die sozialen Netzwerke nicht aufgrund des Films, sondern aufgrund von Meinungen darüber überschlagen. Dabei ist an sich keine Meinung invalide. Wenn euch der Film „abholen“ kann ist das wunderbar, stellt euch aber nicht über jene, die ihn furchtbar finden. Und, natürlich, gilt das umgekehrt genau so. Ich finde es absurd, wie sich beide Lager gegenseitig abschlachten. Sprecht doch lieber über den Film. Und ich gönne es wirklich allen von Herzen, die Rise of Skywalker gut finden! Randbemerkung Ende und an dieser Stelle sei noch ein Artikel mit dem schönen Titel „Warum mich deine Kritik an der Kritik [an Star Wars: The Last Jedi] stört“ empfohlen.

Ich persönlich bin absolut enttäuscht vom Aufstieg Skwalkers. Mehrfach saß ich fassungslos im Kino, wusste nicht, ob ich lachen, weinen, oder mein Popcorn gegen die Leinwand werfen sollte. Ich finde den Film handwerklich einfach schlecht. Ein paar Szenen konnten mich überzeugen, ich bekam Gänsehaut. Doch diese Momente sind rar gesät.

Hier möchte ich nun ein paar Punkte für und gegen den Film aussprechen. Scheut euch nicht, eure eigene Meinung in den Kommentaren kundzutun!

OBACHT: SPOILER!

THE GOOD

Beziehungen

Generell bin ich keine große Shipperin. Ob A nun ,mit B, C oder gar niemandem zusammen kommt, ist mir recht egal. Daher bin ich an dieser Stelle auch nicht enttäuscht worden, zumal sich im Aufstieg Skywalkers auch generell wenig romantische Liebe verbirgt. Dass sich Rey und Ben letzten Endes kurz küssen, drückt für mich eher Erleichterung und Dankbarkeit aus. Da war der lesbische Kuss schon inhaltsschwerer. Leider was beide Seiten der Medaille angeht: Zum einen ist es schön, dass LGBT einfach als Teil der Welt eingepflegt wurde. Zum anderen wurde sich schlichtweg nicht viel getraut, der Kuss kann und wurde schnell wegretouchiert. Mutig wäre es gewesen, wenn es an prominenter Stelle oder von einer Hauptfigur ausgehend geschehen wäre.

Ich selbst habe zwischen Poe und Finn allerdings auch nie „die Funken sprühen sehen“ wie viele andere aus meiner Bubble, weswegen ein Kuss zwischen den beiden auf mich konstruiert gewirkt hätte. Für mich sind die beiden ein Paradebeispiel für eine liebevolle Freundschaft – und die ist in dieser Form zwischen Männern in der toxischen Männlichkeit unserer Zeit Mangelware. Umso froher bin ich, dass sie hier existieren darf. Auch sehr lobenswert: Es gibt Freundschaften zwischen Männern und Frauen, die nicht auf Liebe hinauslaufen. Einer der schönsten Momente war für mich somit die sehr körperliche Umarmung zwischen Rey, Finn und Poe am Ende.

End-lich mal kein Liebes- sondern Freundschaftstrio.

Star Wars: The Rise of Skywalker Rey und Kylo Darth Vader Helmet

„I am Rey … Skywalker.“

Ja, dass Rey nun doch – irgendwie – eine Skywalker ist, finden viele furchtbar. Ich nicht. Star Wars generell spielt gerne mit dem Gedanken „Ich bin vom Geschlecht der XY also bin ich so und so“, was ich unglaublich ermüdend finde. Hier jedoch wählt Rey ihre Familie und sie wird auch mit offenen Armen adoptiert. Und das ist ein, finde ich, großartiges Zeichen. Wir sind mehr als nur Blut und Genetik.

The Ugly

„Ach, übrigens…“

Der Aufbau ist der eines Videospiels. „Finde Objekt A, um Map 1 freizuschalten. Haste? Joot, dann finde jetzt Clue B heraus, um zu Map 2 zu gelangen, hurra!“ Und das ist nicht nur schlechtes Storytelling, sondern auch noch chaotisch und faul ausgeführt. Man hat versucht, unendlich viele Details und Fakten einzufügen, dass es einfach den Rahmen sprengt und keinen Raum für Erzählen, Aufatmen und Gefühle lässt. Fakten, statt Interpretationen. Es wird viel erklärt, aber Bildersprache findet kaum statt.

Dieses „Ach, übrigens… zieht sich durch ganz The Rise of Skywalker. „Ach, übrigens… ihr brauxcht eine kleine Pyramide, um dorthin zu gelangen. Ja, wussten wir vorher auch nicht, aber jetzt ist es nunmal so!“ „Ach, übrigens… Palpatine ist da und er hat eine Armee und so. Ja, ist jetzt so.“ „Ach, übrigens… Rey und Kylo können jetzt super heilen. Ja ich weiß, wurde vorher nie gezeigt und haben sie auch nicht gelernt, aber.. naja. Ist jetzt so.“ „Ach, übrigens… hihi, C3-PO’s Gedächtnis kann doch wiederhergestellt qwerden, weil…. uns das halt besser in den Kram passt.“ „Ach, übrigens… (…)

Überhaupt, die Figurentode …. wow. Einfach nur wow. Das billige Mittel des „HaHA ihr denkt er wäre tot! Aber nein, wir zaubern ihn wieder zurück aus dem Hut! Wie das logisch funktioniert, wissen wir nicht, ist uns aber auch egal.“

Völliges Chaos und Ahnungslosigkeit auf so vielen Ebenen. Man merkt, dass man sich hier gegenseitig sabotiert hat und nun irgendwie lose Enden miteinander verknüpft, sich dabei vermutlich wahllos Fantheorien ausgesucht hat und jetzt hofft, dass Frankensteins Monster überleben wird.

Star Wars Rise of Skywalker Sith Rey

Figuren

Wow. Ich bin noch immer dezent wütend denn gerade die Figuren haben mich maßlos enttäuscht. Es findet, abgesehen von Kylo und eventuell Rey, einfach keinerlei Charakterentwicklung statt, die Figuren verharren auf dem Status Quo – oder werden gleich ganz unsichtbar gemacht. Man beugte sich rassistischer Kritiken, die leider weit über die bloße Kritik an der Figur hinausging. Findet eine Figur scheiße – aber ein rassistischer Shitstorm gegen den Schauspieler oder die Schauspielerin sind absolut verachtenswert.

Und so verschwand Rose fast gänzlich und Finn wurde zu einem Sidekick degradiert, der nur ab und zu durch das Bild stolpern durfte. Finn, einstiger Neben- Protagonist aus The Force Awakens ist uninterssant geworden, dabei hatte er eine Rolle gespielt. Weshalb Figuren müsam aufbauen, wenn man sie danach ohnehin wegschmeisst?

Und Kylo? Dessen Wandlung finde ich nicht nachvollziehbar. Lieblos inszeniert, nur damit er am Ende stirbt und nie wieder auftaucht. Sein Tod? Unerheblich.

Ach, ich könnte noch viele weitere Punkte aufzählen, fest steht: Ich finde, dass die Figuren in diesem Film wie Dreck behandelt worden sind.

Fanservice

Fanservice in aller Ehren. Aber es war für mich zu viel und zu stark auf genau das getrimmt. Es wirkte nicht liebevoll und achtend, sondern dahingeklatscht. Selbst der großartige Soundtrack verkam aufgrund der Häufig- und Wahllosigkeit zum Aufzugsgedudel.

Fazit

Ich kann, wie eingangs erwähnt, andere Meinungen durchaus akzeptieren und kann viele Punkte zwar verstehen, für mich persönlich(!) jedoch nicht nachvollziehen. Ich finde The Rise of Skywalker leider schlecht. Star Wars hat er für mich trotzdem nicht kaputt gemacht. 😉

Sehr gerne dürft ihr eure Meinung zu dem Film(!) loswerden. An meinen Emotionen und Kritiken zum Film gibt es allerdings leider wenig zu diskutueren.

Header: Aladdin Jasmin Speechless

[Aladdin] Sagt was ihr wollt, Jasmins Lied „Speechless“rockt!

In „Aladdin“ erhält Prinzessin Jasmin eine dezent ausgefeiltere Rolle als im disney’schen Vorbild von 1992. Sie ist selbstbestimmter und, im Rahmen eines Kinderfilms, feministischer geprägt. Im neuen Lied „Speechless / Ich werde niemals schweigen“ erhält sie eine Stimme, die nachhallt.

Anders als im Trickfilm strebt sie hier nicht nur danach, den Man zu heiraten, den sie für den Richtigen hält. Sie greift nach Höherem, nach Agrabah, um im Sinne des Volkes zu regieren. Als erste Frau. Das passt sowohl in die heutige Zeit, als auch in die Fantasywelt, die sich Disney auf Basis des fiktiven Orients ersonnen hat. Dem Setting und dem Casting wurde sich bereits an anderer Stelle kritisch genähert [Siehe: „Der Live-Action Aladdin und was er mit Orientalismus und Colorism zu tun hat„], aus light-feministischer Sicht finde ich das Remake jedoch gelungen.

Jasmin steht nicht im Mittelpunkt – noch steht es Aladdin meiner Ansicht nach – aber macht auch nicht den Fehler, sie nur durch diese feministischen Aspekte zu definieren. Es fügt sich meines Erachtens nach nahtlos in die anderen charakterlichen Aspekte ein. Wie für einen Kinderfilm üblich und sicherlich auch ausreichend, bleiben die Darstellungen allesamt skizzenhaft und auf prägnante Eckpunkte beschränkt. Mit Jasmin hat man eine weibliche Figur erschaffen, die ich als Mädchen gerne gesehen hätte und in der „Original-Jasmin“ auch in Ansätzen gefunden hatte. Jemanden mit einer Stimme, die sich nicht zum Schweigen bringen will.

Nicht sprachlos

Der Höhepunkt dieser Darstellung ist wenig überraschend dann auch der neu kreierte Song „Speechless“ bzw. „Ich werde niemals schweigen“.

Man hat eine Stimme und die zählt. Ich persönlich finde sowohl Melodie, als auch Text sehr „empowerned“ und stark, ähnlich wie Frozens „Let it Go“.

„I won’t be silenced
You can’t keep me quiet
Won’t tremble when you try it
All I know is I won’t go speechless

Benj Pasek & Justin Paulare – Speechless (From „Aladdin“)

Damit möchte ich nicht sagen, dass Jasmin die beste Figur aller Zeiten ist. Davon ist sie mit Sicherheit ein paar Teppichflugmeilen entfernt. Aber sie ist eine Figur mit einer starken Botschaft, die man dem Nachwuchs ohne Reue zeigen kann. Dafür und für den Song schätze ich sie sehr.

Außerdem hat sie in ihrer Gedankensequenz was von Thanos. Das ist schön. Oder so.

PS: Ich finde Will Smiths Dschinni besser als jenen von Robin Williams. So. Jetzt ist es raus. Er ist einfach so shiny!

Blue is the warmest Color Vergleich Buch zum Film

Blue is the Warmest Color – Vergleich Comic zur Verfilmung

Girl meets girl – and discovers love and her own sexuality. Geschichten wie diese werden in Relation nicht oft auf großer Leinwand erzählt, umso schöner ist es, wenn es dann doch mal geschieht. Wie 2013 mit „Blue is the Warmest Color“, das auf dem 2010 erschienenen, gleichnamigen Comic von Julie Maroh basiert. Leider wird der Film meiner Meinung nach weder der Vorlage, noch dem Thema gerecht.

Der Comic

Die zu Beginn der Geschichte fünfzehnjährige Clementine führt ein nicht perfektes, aber normales Leben irgendwo in Frankreich. Es gerät aus emotionalen Fugen, als sie beim ersten Date mit einem älteren Jungen ein blauhaariges Mädchen sieht, das ihr seitdem nicht mehr aus dem Kopf geht. Es beherrscht ihre Gedanken- und Gefühlswelt derart, dass sie ihre eigene Identität zunehmend infrage stellt. Dort, wo die Beziehung zu ihrem nun neuen Freund bröckelt und schließlich noch vor dem ersten Sex gänzlich in die Brüche geht, erwächst ein zartes Pflänzchen der verzweifelten Liebe. Zu Emma, der jungen, blauhaarigen Frau, die sich vom flüchtigen Crush zu einer festen Liebschaft mausert. Eingebettet ist die liebevoll erzählte Beziehungsgeschichte in eine tragische Rahmenhandlung, in der die mittlerweile erwachsene Emma den Abschiedsbrief Clementines erhält und mithilfe derer Tagebücher tiefer ins Leben ihrer einstigen Freundin eintaucht.

Blue is the warmest Color - Panel aus dem Comic

Primär Clementine verfolgend, lernt man nach und nach Näheres über ihr Umfeld kennen. Die Freunde etwa, die sich beim ersten Verdacht auf ihre „andere“ Sexualität von ihr abwenden, das konservative Elternhaus, den homosexuellen Freund, der sie mit in eine Gay Bar nimmt und ihr somit erste Einblicke gewährt. Das soziale Umfeld legt ihr Steine in den Weg, doch es ist auch die gesellschaftliche Vorstellung von dem, wie man zu sein hat, die ihr die Selbstfindung nicht einfach machen.

Dieser Prozess entwickelt sich bei ihr nur langsam. Sie braucht Zeit, um sich selbst akzeptieren zu können. Emma findet dabei nicht immer die richtigen Worten oder Taten – sie ist ein Mensch mit Fehlern, die sich stockend entwickelnde Beziehung auch dadurch realistisch und nachvollziehbar eingefangen. Die Autorin erschafft hier vielschichtige Figuren, die oft, aber nicht immer, gemeinsam durch Höhen und Tiefen gehen. Intensiv erzählt und von Bildern getragen, die die Emotionen nur zu gut transportieren können, hat man fast den Eindruck, echten Erinnerungen zu folgen. Kein Wunder, dass die mancher Journalist nicht glauben will, dass Julie Maron hiermit eben keine Autobiographie verfasst hat.

Zeitsprünge und Perspektivwechsel sind nicht immer klar voneinander getrennt, fließen stattdessen ineinander und imitieren sowohl den Gedankenfluss der lesenden Emma, als auch die inkonsequente Dokumentation Clementines in ihr Tagebuch. Der Fokus auf Details (wie etwa das prägnante Blau) bestimmen die Vergangenheit.

„Blau ist eine warme Farbe“ ist ein Comic, den zu lesen sich lohnt und der einen mit auf eine emotionale Berg- und Talfahrt nimmt. Intensiv, nachvollziehbar, wichtig.

Die Verfilmung

Nur weil ein Film auf einer Vorlage basiert, muss er sich nicht an ihr festsaugen. Er darf eigene Schlüsse ziehen, interpretieren, eigene Wege gehen. Die Verfilmung von Blau ist eine warme Farbe nutzt den vom Comic getretenen Pfad, schlittert jedoch vielmehr auf Hoverschuhen oberflächlich drüber und macht viele Schlenker nach links und rechts.

Die Grundidee bleibt freilich: Mädchen trifft Mädchen, eine Beziehung erblüht und man bestreitet Höhen und Tiefen. Auch einige Szenen wurden nahezu 1:1 übernommen; die Szenerie ist wiedererkennbar. Allerdings mangelt es an erzählerischer Tiefe. Wo ich beim Lesen mitfiebere, kann ich mit den Figuren des Films wenig anfangen. Es fehlt an Chemie, an Details der Beziehung, an Emotionalität. Dafür findet man Längen, die sich in überzogenen Alltagsszenen, nichtigen Dialogen und Sex äußern.

Oh, der Sex. Unter uns beiden Lesern dieses Artikels gesagt: Ich habe nichts gegen explizite Sexszenen. Geschlechtsteile, generell nackte Haut und eine gewisse Rohheit gehören dazu und sind mir im Film lieber als auf Hochglanz polierte Szenen. Aber Blau… wirkt, als ginge es nicht um die Figuren, sondern um das Sehen derer. Um Voyeurismus, um Pornographie. Das erscheint zu platt gerade wenn man bedenkt, dass auch die Comicautorin daran zweifelt, dass tatsächliche Lesben am Dreh beteiligt waren und die Szenen letztlich primär dem Heteromann dienlich sein sollen, die ihre hübsche Fantasie sehen wollen. Ich persönlich kann diesen Vorwurf nicht beurteilen und würde an dieser Stelle jene zu Wort kommen lassen, die das besser beurteilen können. Auf mich wirken diese Szenen allerdings gezwungen grafisch und ganz dem Male Gaze folgend.

In erster Linie empfinde ich den Film als langweilig, in zweiter Linie als unfertig in Bezug auf den Plot. Man hätte wesentlich mehr Substanz in die Beziehung zwischen Emma und Clementine – deren Name für den Film übrigens geändert wurde, da der Band der Schauspielerin Adèle Exarchopoulos „Gerechtigkeit“ bedeutet und besser in den Plot gepasst habe – bringen können. So jedoch bleibt die Liebesgeschichte beliebig. Zwar realistisch in ihrer Wankelmütigkeit und fern der Hollywood-Klischees, aber dennoch fern der vielschichtigen, sozial relevanten Klasse, die sie im Comic besitzt.

Fazit

Ich kann es kurz und knapp halten: Lest den Comic. Der ist super. Den Film könnt ihr getrost ignorieren.

Die Eckdaten:
[Comic] Originaltitel: Le bleu est une couleur chaude | Autorin: Julie Maroh | Illustratorin: Julie Maroh | Verlag: Glénat | Übersetzung (EN): Ivanca Hahnenberger
[Film] Originaltitel: La vie d’Adèle |Director: Abdelatif Kechiche | Darstellerinnen: Léa Seydoux, Adèle Exarchopoulos Adèle Exarchopoulos

Star Wars Episode 8: Die letzten Jedi. Eine kleine Kritik ganz ohne Spoiler

Star Wars: Episode 8 – Die letzten Jedi ist einer jener Filme, auf die sich erwachsene Menschen wochen- wenn nicht gar monatelang vorher wie kleine Kinder freuen. Die Erwartungshaltung vorab ist riesig – konnte der Film dem gerecht werden?

In Kurzform: Ja und nein. „Die letzten Jedi“ hat durchaus gute, sogar herausragende Momente, aber auch Aspekte, die ich als unpassend empfinde. Dem möchte ich hier damit gerecht werden, indem ich die Filmkritik in vier gute und vier weniger gelungene Punkte aufteile – außerdem habe ich mich an Fließtexten sattgesehen und finde kommentierte Aufzählungen angenehmer. Period.

Die guten Seiten der Macht

  • Die Bilder. Egal, wo in der Galaxis man sich befindet: Alles sieht passend aus. Ob die Ästhetik nun in der Schönheit der Flora oder Fauna liegt oder in der schwelenden Asche ist dabei unerheblich. Gekonnt wird visuell eine andere Welt erschaffen, eine, die man fast glaubt, spüren zu können so eindrucksvoll ist sie in Szene gesetzt. Ein Künstler war am Werk, mit dessen Bildern ich mir am liebsten die Wände tapezieren möchte. Die Bildkomposition ist herrlich und trägt massiv zu den Gänsehaut-Momenten bei, zieht sich durch die fantastisch choreografierten Kämpfe bis in den letzten Winkel der hintersten Höhle. Es ist der meiner Meinung nach schönste, künstlerischste Star Wars-Film.
  • Die Twists. Gerade wenn man ahnt, wohin die Reise geht, kommt es doch wieder anders als man denkt. Das beginnt bei kleineren Scharmützeln und hört bei tiefer gehender Charakterentwicklung auf. Das ist raffiniert gemacht und zeigt den Mut, der aufgebracht wurde, neue Wege zu bestreiten.
  • Luke Skywalker. Luke von Episode VIII ist tatsächlich mein Lieblings-Luke. Er ist vielschichtig und grau, zynisch, aber doch noch mit dem jungenhaften Schalk im Nacken. Hier scheint viel von Mark Hamills eigener Persönlichkeit durch und das ist verdammt positiv gemeint. Es ist ein Luke, der mir aufgrund seiner Wandlung gut gefällt und überzeugt. (Und ja, ich weiß, dass Mark Hamill mit diesem Luke nicht ganz grün wurde.)
  • Das Star Wars-Gefühl. Es ist noch immer da, doch verliert der Film es an der einen Stelle, wird es an der nächsten doch wieder entfacht. Es glimmt immer und überall auf, leuchtet in manchen Momenten lichterloh und treibt mir Tränen in die Augen. „All the feels!“ Die Botschaft des Films trägt durch den Film, ist aber erst gegen Ende offen ersichtlich. „Die letzten Jedi“ oder doch eher „Das Erwachen der Macht“?

Die schlechten Seiten der Macht

  • Die Albernheiten. Vorab: Ich mag Humor. Ich lache gerne. Und meistens, wenn ich sage „Der Film nimmt sich nicht so ernst!“ ist das als Lob gemeint. Hier allerdings nicht. Nicht jeder Gag ist albern und wenn in Star Wars nicht mehr gelacht werden dürfte, wäre das äußerst schade. Aber muss es dann albern sein und zum Comicrelief verkommen? Zwei, drei Szenen mehr in diese Richtung und es hätte die Waage gekippt. Denn „die Macht“ darf durchaus ernst genommen werden. Das Universum darf ruhig düstere Momente haben. Die klingen hier aber selten nach, sondern werden mir zu oft von Albernheiten zerstört.
  • Ein unnötiger Plotstrang. Der Film dauert 2,5 Stunden. 2 hätten es allerdings auch getan und die überflüssige halbe Stunde steckt in einem Plotverlauf, der im Gesamtkontext unnötig ist und auch nichts Neues in Erfahrung bringt. Mehr noch: Der Logiklöcher forciert. Hätte man den Strang rausgenommen, würde dem Film rein gar nichts fehlen. Im Gegenteil. Oder man hätte die dadurch gewonnene Zeit in Charakterdarstellungen und -vertiefungen investieren können.
  • Fehlender Mut. Bei den positiven Punkten hatte ich den Mut lobend erwähnt, doch der ist nicht immer da. Man hätte mehr rausholen können. Ginge ich an dieser Stelle zu tief ins Detail, würde ich bereits spoilern, daher belasse ich es bei einem: „Och, hättet ihr das doch durchgezogen …!“
  • Die Erste Ordnung. Wird von denen eigentlich niemand richtig ausgebildet? Dass der Hitzkopf Kylo Ren keine taktische Leuchte ist, ist völlig legitim, aber was ist mit General Hux los? Mal abgesehen von der meiner Meinung nach mangelhaften schauspielerischen Leistung ist er einer der dümmsten Generäle in der Geschichte der fiktiven Kriegsführung. Und er ist nur die Spitze des Eisbergs.

Diese 8 für mich schwerwiegendsten Punkte machen Episode 8 insgesamt zu einem durchaus guten Film, der aber zu viele Kanten hat, als dass ich ihn großartig nennen würde. Trotzdem rangiert er auf den höheren Plätzen, was Star Wars-Verfilmungen angeht. Wo genau, bin ich mir noch unschlüssig – aber definitiv vor Episode 1 bis 3.

Habt ihr ihn schon gesehen? Wie fandet ihr ihn?