Welche Verantwortung hat Phantastik PAN18

„Welche Verantwortung hat Phantastik?“ – Ein Nachwort zum #PAN18

Vergangene Woche fand das dritte PAN-Branchentreffen der Phantastik unter dem Banner „Träumen Androiden von Freiheit? – Über Gesellschaft und Politik in der Phantastik“ in Köln statt. Deutschsprachige AutorInnen tummelten sich, oft mit Kaffee, häufiger mit Enthusiasmus bewaffnet, im Odysseum und lauschten Vorträgen, beteiligten sich an Podiumsdiskussionen und netzwerkten. Insgesamt, das kann ich schon vorweg nehmen, war es ein unglaublich inspirierendes und spannendes Treffen mit großartigen Menschen! Doch gesagt wurde nicht alles.

Bei der Podiumsdiskussion „Rassismus – Sexismus – Homophobie – welche Verantwortung hat die Phantastik?“ war ich selbst als „Stimme auf dem Sofa“ beteiligt. Vorab versprach ich mir anregende Diskussionen über jene kritische Themen. Insbesondere das Themenfeld Rassismus, das mir besonders am Herzen liegt und dessen Besprechung ich fernab des Treffens viel Zeit widme, wollte ich besprochen wissen.

Denn während Frauen beim Branchentreffen die Überzahl ausmachten und auch einige aus dem LGBT-Bereich vertreten waren, so sah es bei Menschen mit etwa Migrationshintergrund oder dunklerer Hautfarbe anders aus. Autor und ebenfalls Panelteilnehmer  Akram el Bahay war einer der verschwindend wenigen dort, auf die das zutraf. Bezeichnenderweise drehte sich beim Panel dann auch alles um Sexismus und Homophobie. Das ist nicht schlecht, sind es doch auch wichtige Themen – doch fielen dadurch andere Themen komplett unter den Tisch.

Viel Wert wurde während der Diskussion beispielsweise auf Dumbledore gelegt. Die populäre Figur aus dem Harry Potter-Universum, die Autorin Rowling später nebenbei als schwul geoutet hatte. Definitiv ein spannendes Thema, über das sich diskutieren lässt – aber es erstickte leider jedes andere Thema im Keim. Kaum sprachen wir auf dem Sofa über etwas anderes, kam die nächste Wortmeldung aus dem Publikum wieder auf den Zauberer zurück. Und wieder. Und wieder. Und immer. Wieder. Insgesamt hätte ich mir hier eine andere Handhabung gewünscht. Aber zurück zum Wesentlichen:

Rassismus ist der Antagonist der Phantastik

In einem vergangenen Artikel bin ich bereits auf versteckten Rassismus (Und auch: Speziesismus) innerhalb der Phantastik eingegangen, weshalb ich das Thema hier nur oberflächlich anreissen möchte. Phantastische Welten leben von ihrem Weltenbau und den dort hausenden Kreaturen und Völkern. Bereits dies ist nicht selten Brutstätte kritischer Gedankengänge. Die meisten Leser begrüßen Sachverhalte, die man leicht einordnen kann. Wir sehen die hübschen Elfen, die goldgierigen Zwerge und die gemeinen Orks und denken uns: „Genau so muss es sein! Diese Rassen sind so und nicht anders!“ Wir sprechen den Völkern Eigenschaften zu, die auf die einzelnen Individuen ebenso zutreffen und geltend sind. Nicht der Einzelne zählt, sondern die Masse. So werden aus den Elfen die Guten und aus den Orks die Bösen. Elben im Herrn der Ringe sind gut und hell. Orks im Herrn der Ringe böse und dunkel.

Beides – auf alle übertragene Eigenschaften und die Helligkeit als Indikator für Gut oder Böse – sind Faktoren, auf die wir als Autoren achten können, sollten, meiner Meinung nach sogar müssen. Sonst laufen wir Gefahr, Rassismus zu reflektieren ohne ihn zu hinterfragen. Wir greifen sonst auf Althergebrachtes zurück: Die „besten“falls noch antagonistisch angelegten Wüstenvölker, die wir wie selbstverständlich muslimisch anlegen, ohne uns über die Bedeutung dessen bewusst zu werden. Das Motiv „des Anderen“ – wobei wir hier meist von einem eurozentrischen Weltbild ausgehen.

„Wir“ – das sind die Weißen. Die „Normalen“. Wir gehen von unserem Blick aus, den wir auf die kreierte Welt und die dortigen fiktiven Kulturen wie selbstverständlich übertragen. Und das ist schade. Wir sind in der Lage, uns die durchdachtesten Plots auszudenken, vielschichtige Figuren zu entwerfen und auf die Vielfalt der Figuren in Geschlecht und Sexualität zu achten – aber sobald es um Völker geht, greifen wir bequem auf Klischees zurück. Die sind nicht per se rassistisch – prägen aber ein rassistisches Bild.

Die Schubladen

Der Mensch denkt in Kategorien, er giert danach, sich auch selbst in welche einzuteilen.  „Ich bin Ein Europäer!“ – „Ich bin heterosexuell!“ –  „Ich bin eine Rheinländerin!“ – „Ich bin ein Geek!“ – der Drang, in eine Schublade zu gehören, ist bei den meisten groß. Er möchte innerhalb dieser Schublade dazugehören. Das allein ist nicht schlimm. Es half und hilft dem Menschen, sich und seine Welt einzuordnen.

Mal angenommen, als Autor könnte man bei der Figuren- und Völkererschaffung auf einen Schrank voller Ideen zurückgreifen. Der Schrank vieler wäre unglaublich groß. Die einzelnen Schubladen wären beschriftet mit „Mann“, „Frau“, Weiß“, „Schwarz“ und vielem mehr. Doch während die „Weiß“-Schublade riesig wäre, voll von Schattierungen, Gut und Böse, Diesem und Jenem, ist die „Schwarz“-Schublade klein. „Rassismus“ finden wir darin, „Sklaverei“, „Afrika“, „Zebra“ und weitere Klischees. Und natürlich: Uns fehlen oftmals die Berührungspunkte.

Hier möchte ich jedem Autoren ans Herz legen, die Sichtweisen anderer realer Völker kennenzulernen. Lasst uns Erfahrungsberichte von Menschen lesen, die die Apartheid miterlebt haben! (Wie etwa „Farbenblind„) Lasst uns Romane von afrikanischen, asiatischen, südamerikanischen Autoren lesen! Schauen wir Dokumentationen, lauschen Interviews, erhören die Stimmen derjeniger, die uns fremd sind. Sensibilisiert euch für andere Denkweisen und versucht, über den eigenen Tellerrand zu schauen. Und nicht zuletzt: Sprecht mit Menschen. Tauscht euch aus!

Vielfalt in den Figuren

Phantastische Romane mit nicht-weißen Protagonisten sind rar gesät. (Hier hatte ich mal 5 empfehlenswerte vorgestellt) Und selbst wenn die Hautfarbe einer Person nicht näher definiert wird, so stellt man sie sich meistens weiß vor. Soweit ich weiß (Korrektur immer gerne gesehen), wird die Hautfarbe Hermiones im Harry Potter-Original, also den Büchern, nicht explizit erwähnt – und trotzdem gab es einen Aufschrei, als bekannt wurde, dass die Schauspielerin es Theaterstücks schwarz sein würde.

Die Vorlage durch die Schauspielerin innerhalb der Verfilmungen Emma Watson wiegt für viele zu stark. Dabei ist sie nur eine von vielen möglichen Repräsentationen. Hätte man für die Theaterrolle jemanden amerikanisches – also nicht britisches – gewählt, wäre es wohl in Ordnung gewesen. Vermutlich auch dann, wenn jene Schauspielerin nicht exakt wie Emma Watson aussehen würde. Dabei spielt, anders als die Struktur der Haare, die Hautfarbe keine Rolle.

Und doch tut sie es. In den Köpfen der Leser und der Masse. So sehr, dass Verlage ihre Cover „weißwaschen“, weil sie befürchten, sonst keine Käufer zu finden. So sehr, dass auch als klar nicht-weiß ausgelegte Figuren in Serien- oder Filmadaptionen mit weißen Schauspielern belegt wurden und werden. Siehe Starship Troopers.

Und hier zeigt sich auch die Wichtigkeit der Repräsentation. Dort, wo keine herrscht, findet keine Sichtbarkeit. Wir als Weiße haben gut reden, denn wir finden fast überall Menschen, die unserem Phänotyp entsprechen. In unserer Heimat erfahren wir keinen Rassismus – was uns blind machen kann für die Sorge, Ängste und Nöte Anderer. „Uns geht’s doch gut! Ich habe Rassismus noch nie erlebt!“ Ähnlich wie die Frau, die sich mit Männern konfrontiert sieht „Sexismus in der Branche? Habe ich als Mann nicht erlebt, also gibt es ihn nicht! Basta!“

Und die, die dem weißen Phänotyp nicht entsprechen? Sie finden Repräsentationen meistens in den Nebenrollen oder in Serien, die „extra für Schwarze“ mit ausschließlich schwarzem Cast sind. Warum? Warum nicht selbst auch schwarze Figuren einführen? Warum nicht die Weißen als „die anderen“ einführen? Warum nicht Figuren, statt wandelnde Hautfarben entwerfen?

Repräsentation ist wichtig

„Representation matters“ – das wird einem bei Filmen wie Black Panther und dem Hashtag  schmerzlich bewusst. Endlich sehen sich Schwarze auf großer Leinwand – nicht als Randfigur, sondern als Hauptpersonen, Weltenretter, Helden. Nicht weißgewaschen, nicht als schwarze Abziehbilder eines eigentlichen Weißen, sondern als eigenständige Persönlichkeiten mit eigener Kultur. Eine, die zählt und ernstgenommen wird.

Wir als Autoren können Welten erschaffen, Geschichten spinnen, Emotionen hervorrufen Menschen zum Nachdenken anregen. Auf eine einfache Art und Weise können wir es durch unsere Themen und Figuren schaffen, ein Bewusstsein zu entwickeln. Wenn der Leser nur für weiße, heterosexuelle, in unseren Breiten als „normal“ geltende Menschen mitfiebern kann, weil er über andere einfach nicht liest, ist das verschenktes Potential, das aber so einfach ausgeschöpft werden könnte.

Lasst uns über den Tellerrand schauen. Lasst uns Diskussionen führen, kreativ werden und versuchen, Klischees zu überwinden. Lasst uns vielschichtige Figuren jeglicher Couleur entwerfen. Weil wir uns bewusst sind. Nicht, weil wir gezwungen werden.

Sondern weil wir es können.


Header: Vinicius Henrique

Trevor Noah Farbenblind Rezension

Weshalb du „Farbenblind“ von Trevor Noah lesen solltest

Autor: Trevor Noah Verlag: Blessing Verlag | Format: 336 Seiten, HC

Trevor Noahs Autobiographie hätte seinen Aufstieg vom armen Kind Afrikas zum international gefeierten Comedian und Show Host in den Fokus stellen können. Solche Geschichten appellieren an den Träumer in uns und finden stets ihre begeisterten und innerlich neidenden Zuhörer. Trevor hat es sich jedoch nicht so einfach gemacht. Statt des American Dreams thematisiert er seine Kindheit und Jugend in einem von Rassismus und Armut geprägten Umfeld der Apartheid. Und das geht unter die Haut.

Obwohl man dem Buch manches – wie etwa eine fehlende Kontinuität in der Erzählführung und mangelhafte Selbstreflexion seitens des Autoren – ankreiden könnte, ist es ein Werk, das man gelesen haben sollte. Nicht nur, weil es sich trotz der ernsten Thematik unterhaltsam liest und den ein oder anderen Lacher birgt, sondern vor allen Dingen weil es uns, die sich in unserem Eurozentrismus suhlen, den Horizont erweitern kann.

Der Nabel der Welt …

… ist nicht Deutschland. Ja nicht einmal Europa oder der ganze eurasische Kontinent. Nicht die Welt bestimmt den Nabel, sondern jedes Individuum für sich. Genau diesen Umstand stellt Trevor hier eindrucksvoll zur Schau. Aus der Sichtweise eines Chamäleons, das überall und nirgends richtig zu Hause ist, hat er gelernt, die Perspektiven zu erkennen und spielerisch zwischen ihnen zu wechseln. Er erläutert, wie Sprache Barrieren schafft, aber auch Verbindungen herstellt wo eigentlich gar keine herrschten.

Wer als Deutscher den Namen „Hitler“ hört, denkt an Antisemitismus, Hass und Tod. Undenkbar, sein Kind so zu nennen, undenkbar, im Kreis um einen Tänzer zu stehen und mit der typischen Hip Hop-Bewegung den Arm im Takt zu bewegen, während man „Go Hitler!“ ruft. Die Episode, die in der Autobiographie dazu erzählt wird, ist im ersten Moment verstörend – doch nur dann, wenn man es aus seiner eigenen Sicht betrachtet. Hier jedoch wird man dazu angehalten, die Perspektive zu ändern, mit den Augen eines Jugendlichen Afrikas zu sehen. Aus seiner Sicht ist nicht Hitler die abscheulichste anzunehmende Person, sondern jemand ganz anderes, den wir Europäer gar nicht erst mit ins Fadenkreuz genommen hätten.

Farbenblind Trevor Noah Zitat

Apartheid?

Viel erfährt man über die teils desaströsen Umstände zu Zeiten der Apartheid. Dabei wird es nicht zum Geschichtsbuch oder zur Aneinanderreihung von Fakten, Daten und Zahlen, sondern geprägt von persönlichen Eindrücken. Das macht es lebendiger und griffiger gerade für das europäische Auge. Vielleicht erfährt man nicht die ganzen Hintergründe, doch man erfährt das, ebenso zählt: Das Empfinden der Betroffenen. Wie fühlt es sich an, von der eigenen Mutter auf offener Straße verleugnet zu werden? Als Kind eines weißen Mannes und einer schwarzen Mutter war man als Verbrechen geboren; die Fortpflanzung der Eltern stand unter strenger Strafe.

„Farbige“ werden dort die Früchte einer solchen Liebe – oder zuweilen auch Gewalt – genannt. Sie gehören weder zu den Schwarzen, noch zu den Weißen und bilden eine eigene Gruppe mit eigenen Regeln, eigener Sprache bishin zur eigenen Kultur. Sie sind Produkt eines Systems, das die Menschen gegeneinander aufbringen möchte, um die eigene Macht zu erhalten. Ein System, das in „Farbenblind“ eindrucksvoll präsentiert wird und bei dessen Vorstellung man nur den Kopf stellen kann.

„Nelson Mandela hat einmal gesagt: »Wenn man zu einem Mann in einer Sprache spricht, die er versteht, erreicht man seinen Verstand. Wenn man zu ihm in seiner Sprache spricht, erreicht man sein Herz.« Er hatte ja so recht. Wenn man sich bemüht, die Sprache des anderen zu sprechen, selbst wenn es nur ein paar Sätze hier und da sind, sagt man damit: »Ich erkenne eure Kultur an. Ihr habt eine eigene Identität. Ich sehe euch als

Erfahrungsberichte wie jener Trevor Noahs sind extrem wertvoll nicht nur für die Betroffenen selbst, sondern vor allen Dingen auch für die Unbeteiligten. Die eigene Perspektive wird in Frage gestellt und der Geist für die Sichtweisen Anderer geschärft.

Auch Autoren profitieren davon

Vielleicht überraschenderweise möchte ich dieses Buch insbesondere auch Autoren ans Herz legen. Jene, die vielschichtige Figuren und spannende, authentische Welten erschaffen möchten. Meistens behilft man sich dabei nämlich des eigenen und von Natur aus beschränkten Horizontes. Das ist keine Schande, denn man kann nicht überall gewesen sein und alles gesehen und mit jedem gesprochen haben.

Doch gerade wer in die Fremde schreibt, mit seinen Worten andere Kontinente erschafft und Personen zum Leben erweckt, für den ist solch ein Buch Gold wert. Versetzt euch in andere Perspektiven, liest mit offenem Geist und willendem Herzen. „farbenblind“ ist, wie anfangs erwähnt, kein perfektes Buch. Aber es kann Emotionen wecken und den Horizont erweitern – in der bestmöglichen Weise.

Fantasy Romane mit schwarzen POC Protagonisten

5 empfehlenswerte Phantastik-Romane mit schwarzen Protagonist*innen

Ist euch eigentlich schon mal aufgefallen, wie „weiß“ die literarische Landschaft der Phantastik ist? Nicht nur auf den Covern prangen vorrangig Menschen weißer Hautfarbe, auch innerhalb der Geschichten selbst findet man wesentlich mehr weiße Figuren als solche mit dunklem Teint. Das ist natürlich nicht rassistisch – aber zumindest schade.

In Fantasywelten kann man als Autor Völker jeglicher Couleur erstellen, in der Science Fiction ganze Planeten mit völlig neuen Rassen kreieren. Dennoch greifen die meisten weißen Autoren dabei auf Protagonisten zurück, die der „eigenen Masse“ entsprechen. Das geschieht vermutlich aus Gewohnheit und den festgefahrenen Ideen. Helden strahlen hell, während viele garstigen Völker dunkel vor sich hin stieren.

Und selbst wenn eine Hauptfigur mal nicht weiß ist, so stellt man sie sich oft als genau das vor. Verfilmungen wie Starship Troopers treiben es auf die Spitze, indem sie den Protagonisten „weißwaschen“. Auch Neil Gaiman musste für einen Schauspieler mit nicht-weißem Hintergrund für die Serienadaption „American Gods“ kämpfen.

Hier habe ich fünf Beispiele für schwarze Protagonisten in der Phantastik-Literatur zusammengesucht, die ich euch gerne empfehle. Gerne dürft ihr in den Kommentaren weitere Romane ergänzen!

Octavia E. Butler, Fledgling
Fledgling Octavia E. Butler

Autor: Octavia E. Butler Verlag: Grand Central Publishing | Umfang: 320 Seiten | Sprache: Englisch | Bestellen

Shori wacht ohne Erinnerungen und schwer verletzt in einer Höhle auf. Es dauert, bis sie herausfindet, wer und vor allem was sie ist: Eine Art Vampir, der jedoch durch Experimente aufpoliert wurde. Die Sonne etwa verbrennt zwar ihre Haut, ist jedoch nicht sofort tödlich. Auch ein Grund, weshalb sie schneller Anschluss an einen Fremden findet, von dem sie nicht nur die dringend nötige Nähe und Gesellschaft, sondern auch Blut erhält. Es wird zu einer Mensch-Vampir-Symbiose, die in dieser Welt gar nicht mal so unüblich ist.

Gemeinsam gehen sie auf die Suche nach der eigenen Identität und den Mördern ihrer Eltern. Steine werden ihr dadurch sowohl von den Menschen, als auch den Vertretern ihrer eigenen Art in den Weg gelegt. Denn irgendwer hat etwas gegen Shori und diejenigen, die so verbessert wurden wie sie.

Butler schrieb eine Geschichte, die zu ihrer Zeit nicht nur ein neues Licht auf das Vampirgenre warf, sondern auch kritische Themen wie Rassismus, kulturelle Diskrepanzen und moralische Fragen bespricht. Selten wird der Leser belehrt, sondern vielmehr zum Nachdenken angeregt. Etwas, das ich bei vielen Fantasyromanen vermisse und dann ausgerechnet hier bei den Vampiren finde.

Shori. Eine eigenständige, interessante Persönlichkeit mit Biss.

Genre: Drama, Romanze | Anspruch: ♠♠♠♠ | Gefühl: ♠♠♠♠ | Gewalt: ♠♠♠ | Humor: ♠


Nnedi Okorafor, „Wer fürchtet den Tod“

Wer fürchtet den Tod Nnedi Okorafor

Autor: Nnedi Okorafor Verlag: Cross Cult | Umfang: 480 Seiten | Sprache: Englisch, Deutsch | Bestellen

Das post-apokalyptische Afrika. Die hellhäutigen Nuru  unterdrücken gewaltsam die dunkelhäutigen Okeke. Aus manchen Angriffen der Nuru auf die Okeke entstehen Kinder aus Vergewaltigungen: Die Ewu. Ihnen wird ein Hang zur Gewalt nachgesagt, wurden sie doch im Hass gezeugt. Die junge Frau Onyesonwu ist solch eine Ewu, die gemeinsam mit ihrer Mutter in einer kleinen Ortschaft inmitten der Wüste Zuflucht findet – und dort feststellt, dass sie magisch begabt ist.

Hier wird keine schöne Welt beschrieben, sondern eine, auf deren Ascheboden der Hass gedeiht. Wut ist auch das, was Onyesonwu antreibt, denn sie geht auf die Reise, um ihren Vater und Vergewaltiger ihrer Mutter zu finden und zu bestrafen.

Die Autorin bedient sich dabei einer kraftvollen Sprache, die Raum für Fantasie und Nährboden für eine Legende bietet. Brutal, unangenehm und mit viel Wut im Bauch – es ist kein Roman, den man gemütlich in der Badewanne lesen möchte und dennoch zu begeistern weiß.

Onyesonwu. Ihr Name bedeutet auf Deutsch „Wer fürchtet den Tod“. Sie eher nicht.

Genre: Endzeit | Anspruch: ♠♠♠♠ | Gefühl: ♠♠♠ | Gewalt: ♠♠♠♠ | Humor: ♠


Ursula K. Le Guin, „Erdsee“

Ursula K. Le Guin Erdsee

Autor: Ursula K. Le Guin Verlag: Piper | Umfang: 196 Seiten | Sprache: Englisch, Deutsch | Bestellen

Der junge Duny – oder später Ged – ist eigentlich nur der Sohn eines Bronzeschmieds – doch in ihm ist längst Magie herangereift, die ihn zu einer berühmten Zauberschule treibt. Dort übt er sich nicht nur in profaner Magie, sondern auch in gefährlicheren Formen. Als er eines Tages unabsichtlich einen Dämon beschwört, droht die Welt, aus den Fugen zu geraten. Schafft es es, vom Gejagten zum Jäger zu werden?

Die Werke Le Guins gelten nicht umsonst als eine der wichtigsten Fantasy-Epen: Ihre Erzählweise ist fesselnd, die Welt, die sie auch hier kreiert, fantasievoll und authentisch.

In der Miniserie wird Ged von einem weißen Schauspieler verkörpert, dabei hat sich Le Guin in Interviews stets für die Diversität ihrer Figuren ausgesprochen. Tatsächlich ist Ged nur einer von vielen Figuren, die nicht dem weißen Phänotyp entsprechen.

Ged. Schnell von sich selbst überzeugt, stellt er bald heraus, dass er Demut üben muss.

Genre: Fantasy | Anspruch: ♠♠♠ | Gefühl: ♠♠♠ | Gewalt: ♠♠ | Humor: ♠♠♠


Mat Johnson, „Pym“

Pym Mat Johnson

Autor: Mat Johnson Verlag: Spiegel & Grau | Umfang: 384 Seiten | Sprache: Englisch | Bestellen

Der afroamerikanische Literatur-Professor Chris Jaynes ist fasziniert von dem einzigen Roman Edgar Allan Poes „Die Erzählung des Arthur Gordon Pym aus Nantucket“ [Der auch tatsächlich existiert] und begibt sich auf dessen Spuren in die Antarktis. Dort, so Poe, soll es das horroreske Land des vollkommenen Schwarz geben – inklusiver schwarzer Menschen mit schwarzen Zähnen. Jaynes rekrutiert eine Crew aus ausnahmslos schwarzen Menschen und startet in ein unglaubliches Abenteuer.

Die zusammengewürfelte Crew ist fast ebenso grotesk wie einige der Szenen, die Jaynes tief in die Abgründe und Mysterien Amerikas und Poes Geschichte führen. Gespickt mit beissendem Humor, treffender Gesellschaftskritik, triefender Satire und einer gewissen „Oddness“ ist Pym sicherlich nicht für jeden etwas – doch es ist definitiv ein Roman, den man gelesen haben sollte, denn viele solcher Art gibt es nicht.

Chris Jaynes. Ein Professor, der sich für Diversität einsetzt und an der Universität an gewisse Grenzen stößt.

Genre: Satire, Fantasy | Anspruch: ♠♠♠♠ | Gefühl: ♠♠♠ | Gewalt: ♠♠ | Humor: ♠♠♠♠♠


Nisi Shawl, „Everfair“

Nisi Shawl Everfair

Autor: Nisi Shawl Verlag: Tor Books | Umfang: 384 Seiten | Sprache: Englisch | Bestellen

Was wäre geschehen, wenn der Kongo Dampftechnologie entwickelt hätte, als Ende des 19. Jahrhunderts Belgiens König Leopold II das Land an sich reissen wollte? Vielleicht Everfair, der im gleichnamigen Roman durch das tapfere Eingreifen von Idealisten entstandene Staat. Eine von Steampunk durchtränkte Utopie, die noch immer mit gesellschaftlichen Konflikten und politischen Zwisten zu kämpfen hat und deren Protagonisten so vielfältig sind wie das Leben selbst.

Durch die Augen vieler Protagonisten zeichnet Shawl eine vielschichtige Welt mit den Problemen auch unserer Zeit wie Rassismus und Vorurteilen gegenüber anderen sexuellen Orientierungen, aber auch den Problemen, die Kolonialisierungen mit sich bringen. Dabei bleibt sie unterhaltsam und fantasievoll, kreiert ein Setting, das man in dieser Form selten zu Gesicht bekommt.

Genre: Steampunk | Anspruch: ♠♠♠♠ | Gefühl: ♠♠♠ | Gewalt: ♠♠ | Humor: ♠♠


Header:Oladimeji Odunsi

Arabische Charaktere in Videospielen

Überblick über „arabische Figuren“ in Videospielen

Nach wie vor finde ich es spannend, wie bestimmte „Gruppen“ in der Popkultur dargestellt werden – gerade dann, wenn es sich um Menschen handelt, die aktuell auch im realen Leben auf bestimmte Klischees und Vorurteile reduziert werden. Und das ist noch harmlos ausgedrückt. Auch hier habe ich versucht, es nur zu zeigen und kein Urteil zu äußern, auch wenn ich mir darüber bewusst bin, dass der Fokus vielleicht ein wenig auf Shooter und Konsorten liegt. Allerdings hat das auch einen Grund: Es findet dort eine Häufung statt.

Trifft man in einem Videospiele auf einen arabischen Charakter, wird man nicht selten in einem der beiden folgenden Settings unterwegs sein: Dem „Orientalischen“, das sich hauptsächlich an den Märchen aus 1001 Nacht orientiert und ein Phantasie-Gebilde zeigt oder einem Kriegsschauplatz, womit aktuelle Geschehnisse verarbeitet werden. Bleibt da noch Raum für eine differenziertere Darstellung?

Arabischer Raum Karte

Definition

Ich möchte mich hier auf die Ethnie der Araber beschränken, die hauptsächlich, aber nicht nur, in der „arabischen Welt“ zu Hause sind. Diese arabisch geprägte Welt erstreckt sich vom Westen Nordafrikas über die Saharazone, den Nahen Osten und die Arabische Halbinsel bin zu der östlichen Grenzen des Irak, umfasst je nach Definition 19-22 Staaten und rund 337 Millionen Menschen.

Gemeinsames Merkmal ist die arabische Kultur, was insbesondere die arabische Sprache, aber auch etwa die Religion beinhaltet. Nichtsdestotrotz ist es eine Kultur mit vielen Facetten, die auch längst nicht nur Muslime kennt. Genauso wenig, wie „arabisch“ und „islamisch“ synonym zu verwendende Begriffe sind, sind es auch „arabisch“ und „orientalisch“ nicht. Der künstlich als Abgrenzung zum Westen geschaffene und durch diesen geprägte und romantisierte Begriff „Orient“ suggeriert, dass es eine allgemeingültige, gemeinsame orientalische Kultur geben würde. Dem ist jedoch nicht so.

Zurück zu den Videospielen.

Streng genommen tauchen die ersten arabischen Figuren bereits 1981 im Spiel „Southern Command“ auf. In dieser Strategie-Simulation des Arabisch-Israelischen Krieges von 1967 kämpft man auf der Seite der Israelis. Eine wirkliche Repräsentation findet hier jedoch nicht statt. Es ist ähnlich aufgebaut wie die klassischen Wargames; die Einheiten sind stark stilisiert oder durch Panzer dargestellt.

Wenige Jahre später wird das nächste Extrem der Darstellung arabischer Figuren aus der Wunderlampe gepustet: Das Orientalische. Die Spieleadaption des Comics Isnogud aus dem Jahre 1987 stellt den titelgebenden Großwesir Isnogud vor, der „Kalif anstelle des Kalifen“ werden will und dabei kaum ein Mittel scheut. Den dezent jähzornigen und hinterlistigen Gesellen steuert man durch eine märchenhafte Szenerie wie aus 1001 Nacht. Das stellt nicht die Wirklichkeit dar und fußt auf romantischen Darstellungen und Eskapismus.

Stellvertretend für ein paar persische Spielsettings möchte ich das zwei Jahre später auf den Markt gekommene „Prince of Persia“ nennen, mit dessen damals noch blonden Prinzen man ebenfalls in orientalische Gefilde eintaucht. Perser bilden jedoch eine eigene Ethnie, sodass ich auf jene nicht näher eingehen werde.

Ähnlich orientalische Stereotypen findet man auch im Spiel „Exile“ oder „XZR, dessen erster Teil nur in Japan released wurde. Dort spielt man den zeitreisenden, syrischen Assassinen Sadler, einen Antihelden, der auf der Mission ist, den Kalifen zu töten. Dieser Titel wurde nicht nur kontrovers aufgenommen, weil es statt Potions Drogen en masse gibt und Sadler gerne mal eine Zigarette genießt – und ja, die Zigaretten wurden bei einigen Versionen entfernt. Sondern auch, da er nicht nur historische Daten, sondern auch historische Persönlichkeiten enthält – wie den Präsidenten der Vereinigten Staaten. Und der wird gnadenlos getötet. Natürlich um den Weltfrieden zu sichern. Logisch. Diese Perspektive, in der man als arabischer Charakter gegen einen US-amerikanischen antritt, ist nach wie vor eine Seltenheit.

Beat’em Ups

Beat’em Up – Figuren sind dafür prädestiniert, stereotyp dargestellt zu werden und bei den folgenden ist es kaum anders. Beginnen wir mit dem 1994 erschienenen Power Instinct 2Sahad Asran Ryuto ist ein libanesischer Kämpfer, der nicht nur profane Kampftechniken nutzt, sondern auch die Kräfte eines Dschinns. Er wird als höflicher Kerl beschrieben, der äußerst beliebt bei den Frauen ist, jedoch zu Gewaltausbrüchen neigt. Optisch ebenfalls an das Orientalische angelehnt ist Street Fighters Pullum Purna. Die hübsche Dame ist die Tochter eines reichen Mannes aus Saudi-Arabien. Auf der Suche nach Rache schreckt sie auch nicht davor zurück, gemeingefährliche Dance- und Musikmoves in ihre Kampfchoreographie einzuflechten.

Pullum Purna

Im selben Jahr, nämlich 1996, erscheint auch das Spiel „Arabian Nights“. Man spielt das Mädchen Shukran, das sich von dem Dschinn Ifrit ewigen Frieden für ihr Land wünscht. Dass der ein wenig überfordert ist, ist dabei fast obligatorisch, zumal er doch eigentlich endlich nur einen einfachen, tausendsten Wunsch erfüllen wollte, um endlich vom Bann des bösen Zauberers Sulkeiman frei zu kommen. Das ganze Setting entspricht dem romantischen Bild des Orients.

Diesem Bild ebenfalls entsprechen die fiktiven Länder und Völker einiger Spiele wie Al-Quadim: The Genie’s Curse oder auch The Legend of Zelda.

Viel populärer wird jedoch ein andere Setting. Aktuelle Ereignisse verarbeitend und die Stimmungen nutzend, finden sich im Bereich der Kriegssimulation und Shooter immer mehr Schauplätze des Nahen Ostens. Zumeist spielt man US-amerikanische oder britische Truppen, die gegen terroristische Vereinigungen vorgehen. Selten werden hierbei einzelne Personen dargestellt, es geht gegen ein gesichtsloses Kollektiv, gegen „die Anderen“. Zu den Gegnern fehlt der persönliche Bezug, es findet eine Entmenschlichung statt. Dabei sind die Gegner nicht selten Araber. Eine Darstellung, die auf ein Feindbild setzt einseitige Sichten verstärkt.

Im 2000 erschienenen Delta Force: Land Warrior beispielsweise bekämpft man eine fiktive Terrororganisation, die aus Arabern verschiedener Länder besteht. Kurz nach 9/11 erschien – was ich hier stellvertretend für weitere Strategespiele dieser Art nenne, in der arabische Völker eine Fraktion unter vielen sind –Civilization III, wo auf eine sehr neutrale Darstellung der lang zurück liegenden, historischen Ereignisse geachtet und auch die muslimische Religion nicht verteufelnd dargestellt wird.

Im Jahre 2003 erschien mit Command&Conquer Generals ein Spiel, das ein fiktives Nahost-Szenario beschreibt. Es stellt die USA, China und die Terrororganisation GLA, die gerne mit Selbstmordattentätern und aus dem Hinterhalt agiert, als Parteien auf und spielt hauptsächlich im Irak und Afghanistan. Zwei Wochen nach Deutschland-Release wurde es hierzulande indiziert, da es kriegsverherrlichend sei. So konnte man in einer Mission Zivilisten töten, die später durch Cyborgs ersetzt wurden. Ebenso wurden mit der Änderung echter Namen einige reale Bezüge entfernt. 2013 schließlich wurde es wieder vom Index genommen.

Altaïr Ibn-La’Ahad Ubisoft

Spricht man von arabischen Charakteren, kommt man nicht an Assassins Creed vorbei. Dort spielt man nicht nur in den Erinnerungen des syrischen Altaïr Ibn-La’Ahads herum, sondern erlebt auch altertümliche Städte wie Jerusalem, Damaskus und Masyaf, die ein historisch recht korrektes Abbild der damaligen Zeit des dritten Kreuzzuges und der Gesellschaft abbilden. Man lernt die Araber als mannigfaltiges Volk mit diversen Charakteren kennen. Zu Beginn noch arrogant, entwickelt sich Altaïr zu einer vielschichtigen Person mit Stärken und Schwächen.

Auch 2007 lernen wir in Call of Duty 4 den radikalen Khaled Al-Asad kennen. Innerhalb des Settings, in dem es in einem fiktiven, arabischen Staat gegen den Terror zu kämpfen gilt, ist er der grausame Antagonist, dessen Handlanger Khaffiyas tragen, dunkelhäutig und arabisch-sprechend sind und somit das Klischee arabischer Männer seit 2001 bedienen.

Anstieg charakterlicher Vielfalt

2009 bekommen wir eine Darstellung eines Arabers, die sich von all den bisherigen abhebt: Yusuf Amir ist der reiche Sohn eines noch reicheren Geschäftsmannes aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Obwohl er Wörter wie Nigger inflationär benutzt, scheint er ein freundlicher Geselle zu sein. Gut. Er ist kriminell, besitzt und nutzt Waffen, konsumiert Drogen und sein Vater ist alles andere als stolz auf ihn, doch er ist eine Person, die irgendwie Spaß macht und auf eine ominöse Art und Weise liebenswert ist. Eher bedient er das Klischee amerikanischer Rapper.

Auch Deus Ex: Human Revolutions Faridah Malek ist eine Person, die weder orientalisch, noch terroristisch angelegt ist. Sie ist eine arabisch-amerikanische Frau, die unter anderem durch ihre Intelligenz besticht und nicht nur eine fähige Pilotin, sondern auch für die Handlung wichtig ist.

Mit Uncharted 3 erhalten wir ein Spiel, das nicht nur teilweise in Yemen und Syrien spielt und auch Land und Leute abseits gängiger Kriegsschauplätze zeigt, sondern auch einzelne Persönlichkeiten darstellt. Rameses etwa ist ein Pirat vermutlich ägyptischer Abstammung, der zwar gegen Nathan agiert, jedoch nicht durch und durch böse erscheint. Ebenfalls zu nennen ist noch der Anführer der Beduinen Salim, der Nathan nicht nur rettet und ihm Gastfreundschaft zeigt, sondern ihm auch ein Pferd zur Verfügung stellt und somit ein sehr positiv empfundener Charakter ist.

2014 erbat sich Bandai während des Entwicklungsprozesses von den Spielern des Nahen Ostens Feeback via Facebook bezüglich eines Charakters, Shaheen, um ihn möglichst authentisch aussehen zu lassen. Er trägt einen Scimitar, einen Shemagh und einen Agal um die Kufiya, wurde seit dem Posting jedoch von dem Assassins Creedschem Aussehen etwas entfernt. Shaheen wird oft mit Rashid verglichen, der im kommenden Jahr der erste arabische Charakter der Street Fighter-Hauptserie sein wird. Dieser wirkt ein wenig freundlicher als Shaheen und kämpft weniger akrobatisch, sondern scheinbar mit der Kraft des tasmanischen Teufels.

Beyond-Two-Souls-PS4-v-PS3-comparison

Vor einiger Zeit wurden bei Twitter Bilder veröffentlicht, in denen deutlich wurde, dass die Hautfarben Saudi-Arabischer NPCs in der PS4 remastered-Version von Beyond Two Souls im direkten Vergleich zur PS3 Version heller erschienen. Man sprach vom „White-Washing“ Quantic Dreams David Cage reagierte auf diese Vorwürfe mit einem Erklärungsschreiben: Es sei unter anderem einfach ein anderer Skin Shader benutzt worden und die Lichtverhältnisse seien generell abgeändert worden. Davon unabhängig möchte ich persönlich noch kurz einwerfen, dass es nicht „den arabischen Hautton“ gibt.

Insgesamt erkennt man eine exotische, romantische Verklärung auf das Orientalische, sowie einen Fokus auf das Militärische und den Terror. Letztlich wird das Fremde regelrecht zelebriert und alles, ähnlich wie bei unserem europäischen Mittelalter, in einen lustigen Topf geworfen. Eine jahrhundertealte Geschichte, fußend in mehreren Ländern, wird auf wenigste Stereotypen und Klischees heruntergebrochen. Das ist in dieser Masse schade, da im Gegensatz dazu die positiven Rollenbilder meiner Meinung nach noch zu selten sind.

Gerne dürft ihr natürlich selber hier fehlende arabische Charaktere ergänzen und euren eigenen Eindruck darlegen.

Zur Verbildlichung der genannten Figuren: Das entsprechende Video.

Schwarze Charaktere in Videospielen Games

Die Darstellung schwarzer Figuren in Videospielen – Eine Zeitreise

Böse Zungen mögen behaupten, dass Videospiele bei schwarzen Figuren kaum mehr als rassistische Klischees kennen. Vodoozauber, Goldkettchen und gewaltbereite Schläger: Das sind Stereotypen, an die dann viele denken. Und tatsächlich besitzt die Repräsentation von Minderheiten in Videospielen noch Ecken und Kanten – doch glätten sich diese zusehends. Im Laufe der Jahre hat ein Wandel stattgefunden, den ich euch hier näher bringen möchte.

Dabei werde ich nicht jede einzelne schwarze Videospielfigur die es je gegeben hat nennen, sondern lediglich jene, die die Entwicklung der Darstellungen deutlich machen. Es soll keine Liste aller Figuren sein.

Im Jahre 1979 tauchte der erste Schwarze in einem Videospiel auf und das auf eine denkbar klassische Weise: Als Basketballspieler. Das Spiel „Basketball“ für den Atari800 brauchte noch keine Namen für seine Protagonisten, zumal diese lediglich charakterlose Spielsteine sind. Um die beiden Spielfiguren voneinander unterscheiden zu können, wurden sie verschieden eingefärbt. Obwohl die Figur also streng genommen durchaus „schwarz“ ist, dient sie nicht der Darstellung einer bestimmten Person oder gar Ethnie.

Punch Out Mike Tyson

Popularität ist der Schlüssel

Das änderte sich in den 80ern. Dort, nämlich 1987, trat der damalige Box-Schwergewichtsweltmeister Mike Tyson höchstselbst auf die Videospielbühne. In dem Boxspiel Punch Out mimt er den Endgegner, der gemeinhin als einer der schwierigsten gilt. Als schwarze Berühmtheit in einem Spiel bildet er jedoch nur die Vorhut: Es folgten Stars wie Michael Jordan und Tiger Woods, die in Sportspielen auftreten durften.

In dieser Zeit stellten schwarze Figuren in Videospielen häufig Athleten oder Berühmtheiten dar. Eine mögliche Erklärung wäre die japanische Dominanz innerhalb der Spielekultur dieser Zeit. Japan bildet eine relativ homogene Gesellschaft mit vergleichsweise geringer ethnischer Vielfalt. So sind etwa 99% der Bewohner Japaner, die restlichen 1% teilen sich vornehmlich in Koreaner, Chinesen und Brasilianer auf. Im Vergleich dazu sind in den USA zu 77% Weiße und zu 13% Schwarze anzutreffen.

Als Inspiration für schwarze Charaktere wurde daher gerne die amerikanische Popkultur mit seinen spärlichen Stereotypen der „people of color“ heran gezogen, was sich auch später in Spielen wie Tekken und Dead or Alive niederschlagen wird: Zack wird Dennis Rodman und Raven einem Wesley Snipe in der Rolle des Blade nachempfunden. Und auch in dem US-Spiel Moonwalker spielt man eine schwarze Berühmtheit: Michael Jackson. Ohne Waffen sondern mit der Kraft der Musik und mit der Eleganz des Tanzes rettet man dort Kinder vor dem bösen Mr. Big.

michael-jacksons-moonwalker

Neben medienwirksamen Berühmtheiten traten schwarze Figuren vor allem als Kämpfer in Beat ‚em Ups auf. Das Genre lebt von seinen überstilisierten Figuren; es zelebriert die Klischees. Das schließt Schwarze nicht aus, beschränkt sich aber auch nicht auf sie. Dadurch zeigen sie auch wunderbar die gängigen Klischees zu bestimmten Personengruppen auf.

Das Klischee

Es beginnt 1991 mit den kleinen, agilen Eddie Hunter, genannt „Skate“. Im Spiel Streets of Rage ist er nicht nur ein fideler Skater, sondern auch ein passionierter Break Dancer, der dem Gegner mit seinen Moves Schaden zufügen kann. Wild grinsend und ebenfalls breakdancend schließt sich DeeJay aus Street Fighter an, der dem realen Kampfsportler und Schauspieler Billy Blanks nachempfunden ist.  Der tumbe, boxende Balrog aus dem selben Spiel gleicht dagegen einem Mike Tyson.

Auch der breakdancende Discobesucher darf nicht fehlen. Im Spiel „Kaiser Knuckel“ aus dem Jahre 1994 tänzelt sich Boggy durch die Gegner, wobei die japanischen Entwickler mit dem Outfit einige Jahre daneben lagen und sich vermutlich älterer Musikvideos bedient hatten. Aus dem selben Jahre stammt Fight Fever, in dem man den Basketballer Magic Dunker spielen kann.

Breakdance und Boxen: Zwei Hauptzutaten für das Rezept „Klischee eines Afro-Amerikaners“. Eine fast schon ruhmvolle Ausnahmen bilden vereinzelt Kämpfer wie Dudley, der erstmalig 1997 in Street Fighter 3 auszuwählen war und der ein britischer Gentleman und Geschäftsmann ist. Dem Turnier wohnt er bei, um sich neue Rosen für seinen Garten zu gönnen und die Trauer über sein vermisstes Auto zu überwinden. Das ist für ein Beat ‚em Up schon erstaunlich viel Klischeebruch im Spiel.

Zuletzt sei aus diesem Genre noch einer zu nennen: Birdie aus der Street Fighter Alphaserie, in der er ab 1995 ein spielbarer Charakter ist. Er ist ein britischer Punker, der als Kneipenschläger angefangen hatte und eine etwas eigenwillige „Frisur“ zur Schau trägt. Etwas anderes ist jedoch in diesem Kontext erwähnenswerter: Im originalen Street Fighter von 1987 traf man bereits auf ihn, allerdings nur als Gegner. Damals war er noch weiß. Den Umstand erklärt er im dritten Alpha damit, dass er damals krank und entsprechend blass gewesen sei.

Im Rollenspiel angekommen

Mit dem 1997 erschienenen siebten Final Fantasy Teil konnte man erstmals innerhalb dieser Reihe einen Schwarzen spielen; den dezent gewaltbereiten Anführer einer Widerstandsbewegung Barrett Wallace. Aufgrund seiner Ähnlichkeit zu Mr. T stand der Charakter seiner Zeit in der Kritik, zumal er gerade in der amerikanischen Version recht dumm klingt. Hinter der mies gelaunten, rauen Fassade ist er jedoch komplexer als man meinen könnte, war nicht nur ein fürsorglicher Ehemann, sondern ist auch ein guter Vater seiner Adoptivtochter.

Mit Might&Magic 6 startend unternehmen wir nun eine kleine Exkursion in die Rollenspielgefilde. In jenem besagten Spiel aus dem Jahre 1998, The Mandate of Heaven, gibt es genau eine Gegnergruppe, die schwarz ist. Es sind Kannibalen, die Leichen aufspießen, Knochen herumliegen lassen und weiße Jungfrauen entführen. Es ist die bis dato wohl feindlichste Darstellung von schwarzen Menschen. Trotzdem gibt es unter den NPCs viele Farbige und auch für die Helden kann man mittels vorgefertigter Portraits eine dunkle Hautfarbe wählen. Prozentual gesehen sind es aber weitaus mehr weiße als schwarze Avatare, aus denen man wählen kann.

Ähnlich mau sieht die Portraitvielfalt in anderen Rollenspielen dieser Zeit aus. Baldurs Gate, DSA … selten kann man Portraits von Helden dunkler Hautfarbe finden – wenn überhaupt.

Shadow Man Game

Tod, Knochen, dunkle Magie: Vodoo

Ende der 90er scheint die Zeit des Vodoos angebrochen zu sein. Im 1998 erschienenen Action-Adventure Akuji the Heartless spielt man den Voodoopriester und Krieger Akuji, dem das Herz  bei seiner Hochzeit aus der Brust gerissen wurde. Dank des Vodoozaubers ist er dazu verdammt, in der Unterwelt zu leben. Erst wenn er die Seelen seiner Vorfahren gesammelt hat, wird ihm ein Weg in die Welt der lebenden gewährt, um Rache zu nehmen und seine Braut zu retten.

Ein Jahr später kommt die Videospieladaption von Garth Ennis‘ Comic „Shadow Man“ in die Läden. Dort spielt man Michael leRoi, der bei einer Schießerei seine Familie verliert und selber Dank Vodoo schwerverletzt überlebt. Von der Vodoopriesterin mit dem klangvollen Namen Nettie bekommt er eine Vodoomaske, die ihn nicht nur von einem Fluch erlöst, sondern ihn auch zwischen den Welten wandeln lässt und unter ihrer Herrschaft stehen lässt.

Der Schwarze dient hier dem Mittel zum Zweck, das dunkle Thema „Vodoo“ in ein Spiel einzubauen. Gleichzeitig ist er endlich als Protagonist angekommen. Er ist nicht nur Nebenfigur oder einer unter vielen, sondern der, um den sich alles dreht, die wichtigste Person im Spiel. Die, in deren Rolle man als Spieler schlüpft.

Cole Train Gears of War

Die Wutfigur

Aus vielen Actionfilmen gerade der 70er und 80er kennt man den gewalttätigen Sidekick, der oftmals dem Archetypen des „wütenden, fluchenden Schwarzen“ entspricht. Eine Trope, die witzig klingt, im Kern jedoch einen bitteren Geschmack enthält. Der „angry black man“ fühlt sich missverstanden, im Nachteil gegenüber dem Weißen und ständig benachteiligt, weshalb sich die Wut in ihm angestaut hat. Der Comic Relief bagatellisiert die eigentlichen Probleme. Natürlich bedeutet das nicht automatisch, dass jede wütende schwarze Figur komplett diesem Typ entspricht – aber es schadet nicht, die Wurzeln zu kennen.

Auch vor Videospielen macht dieses Klischee nicht Halt. Seargent Avery Johnson aus Halo etwa schickt seine Leute fluchend herum, bleibt ansonsten allerdings eindimensional. Ein weiteres prominentes Beispiel unter vielen ist Gears of Wars Augustus „Cole Train“ Cole. Er ist der einzige, der bei jedem Satz flucht und dabei laut und aggressiv ist. Trotzdem: Er ist charismatisch und cool, war nie kriminell und steht für seine Freunde ein. Zudem hat er eine Vergangenheit, die ihn sentimental zurück blicken lässt und ihm zusätzlich Tiefe verleiht. Hier vermischen sich Klischees mit einer stimmigen Hintergrundgeschichte, die die in ihm vereinten Stereotypen zu etwas meines Erachtens nach sehr interessantem machen.

Von Gewalt und Gefluche ist es erzählerisch nicht mehr weit zum Verbrechen. In dem kontrovers diskutierten GTA: San Andreas aus dem Jahre 2004 spielt man Carl „CJ“ Johnson, der zu Beginn ins Gefängnis gesteckt wird. Man fühlt sich als Spieler den weißen Officers ausgeliefert, was einen kleinen Spiegel der realen Situationen darstellt. CJs Leben ist geprägt von Gewalt, Verbrechen und erlebtem Hass. Zwar ist das Spiel eine Parodie, zeigt jedoch gut und bewusst den Blick auf, den die Medien auf Schwarze haben. Auch ist CJ kein einseitiger Charakter. Er zeigt sich reflektierter als die Protagonisten früherer GTA-Teile, zeigt Reue und ist im Kern ein guter Mensch. Er liebt es nicht, zu töten.

Bis hier sind es in erster Linie tatsächlich Stereotypen oder stereotyp dargestellte Figuren, die einer bestimmten Richtung folgen und keine großen Überraschungen bieten. Dennoch sind sie deutlich weiter entwickelter als die Prügelknaben, Sportler und Stars der ersten Zeit. Und es wird noch deutlich differenzierter werden, wie die nächsten Spiele zeigen.

Admiral David Anderson Mass Effect

Die 2000er: Es wird differenzierter

2004 erschien Half-Life 2, wo Alyx Vance als Partnerin von Gordon Freeman vorgestellt wird. Die Halbasiatin ist eine gebildete Hackerin und kennt sich nicht nur mit Maschinen aus, sondern ist auch eine überlegte Kämpferin. Ihre witzige Art bildet einen netten Gegenpol zum stummen Protagonisten. Es ist eine durchweg positive Figur, die zudem auch noch gut ohne Klischees auskommt.

2007 lernte man in Mass Effect den damaligen Captain und jetzigen Admiral David Anderson kennen. Obwohl eine militärische Figur, ist er doch ruhig, vermag es, eine Autorität auszustrahlen, die weder Gefluche, noch Aggression braucht. Als Kriegsheld und politische Größe ist er der Mentor des Protagonisten und einer der wenigen durchweg positiv dargestellten schwarzen Charakteren in Videospielen bislang.

In Team Fortress 2 des selben Jahres erfolgt schließlich ein Bruch des Erwarteten. Der einäugige Sprengstoffexperte Demoman ist zwar vom Phänotypen her ein Schwarzer, doch sind es vor allem die Klischees schottischer Wurzeln, die ihn prägen. Hier wird gut aufgezeigt, dass die Hautfarbe keine Nationalitätszugehörigkeit beinhaltet, was ich persönlich sehr wichtig finde,. Zu oft gerät es in Vergessenheit.

2009 gibt uns mit Sazh eine der wenigen schwarzen Figuren des Franchises: Sazh von Final Fantasy 13. Sein Afro ist derart prominent, dass sogar ein Vögelchen darin wohnt. Er als Figur ist schön ausgearbeitet und mit einer Tiefe versehen, die den anderen Figuren der Reihe kaum nachsteht. Seine Liebe zu seinem Sohn ist riesig und das, was ihn antreibt. Trotz des Afros eine Figur mit erfreulich wenigen klischeebehafteten Aspekten. Auch wenn er vorhanden ist, so präsentiert die Reihe doch eine verschwindend geringe Anzahl von ethnisch diversen Haupt- und Nebenfiguren.

Die Kontroverse um Resident Evil 5

Doch kommen wir zu den kleinen Skandälchen rund um das Thema. 2009 erschien Resident Evil 5, das in Afrika spielt. Chris Redfield tötet dort fast ausschließlich schwarze Infizierte. Bereits nach dem Trailer wurden einige kritische Stimmen laut, wobei ich stellvertretend den Videospielkritiker N’Gai Croal zitieren möchte:

Es geht nicht darum, dass man keine schwarzen Zombies haben darf. Allerdings stimmt die Bildsprache im Trailer mit klassisch rassistischer Bildsprache überein. Nicht witzig, aber durchaus interessant war, dass es so viele Gamer gab, die es nicht sehen konnten. Sie konnten es wirklich wortwörtlich einfach nicht sehen. Dabei wäre es zu simpel, zu sagen: „Ach, damals haben sie spanische Zombies in Resident Evil 4 erschossen und nun sind es schwarze Zombies, weshalb die Leute nun verärgert sind. Nein, die Symbolik ist nicht die selbe. Es hat nicht die selbe Geschichte, nicht das selbe Gewicht.“, N’Gai Croal in einem Interview mit MTV

Diese Symbolik ist für US-Amerikaner verständlicher als für uns (weiße) Europäer, die wir über die amerikanische Geschichte und speziell den dortigen Anfeindungen gegenüber Schwarzen nicht allzu vertraut sind. Die Aggression ist stärker noch verankert als hier, die Bilder mit mehr Assoziationen behaftet. Es sind diese drastischen Bilder, die vielen in den Sinn kommen und die Trailer wie diesen für sie so unerträglich machen, in denen Schwarz von Weißen verprügelt und erschossen werden. Die Bilder rufen Erinnerungen wach, lassen bittere Fragen und Assoziationen aufkommen. Während die einen nur Zombies unter vielen sehen, sehen die anderen ein unreflektiertes, visuelles Aufwärmen der Geschichte.

Nicht vergessen werden darf hier Sheva Alamar, Chris Redfields Sidekick, die vom zweiten Spieler gespielt werden kann. Ihre Funktion im Singleplayer ist hauptsächlich, den Protagonisten durch das fremde Land zu führen. Sie selbst nimmt dabei kaum eine narrative Rolle ein. Kennzeichnend ist auch, dass sie im Gegensatz zu den Bewohnern dieses Landstriches eine hellere Hautfarbe hat. Auch das bot Zündstoff, da dadurch die Wildheit der Schwarzen noch akzentuiert werden würde. Die einzige durchweg positive Figur neben Chris ist, obwohl sie dort heimisch ist, ebenfalls nicht schwarz. Gerade weil Schwarze noch unterrepräsentiert waren und auch noch sind, war das wie ein Schlag in die Magengrube.

Left4Dead hat es ein Jahr zuvor anders und wohlwollender gemeint: Unter den Zombies gibt es sowohl Schwarze, als auch Weiße. Auch die Figuren sind diverser. Der schwarze IT Experte Louis etwa ist eigentlich ein ganz normaler Typ, dass er überlebt hat, hat mit seinen Waffenskills sicher nichts zu tun. Er ist des Japanischen mächtig, spielt Xbox und ist ein optimistischer Kerl. Im zweiten Teil sind sogar zwei der vier Überlebenden schwarz.

Lee Everett Walking Dead

Die Komplexität steigt

Neben den noch kommenden, bekannten Klischees wie Dead or Alives Zakk, der dem Basketballer Dennis Rodman nachempfunden wurde fallen in den kommenden Jahren vielmehr die vielschichtigeren Charaktere auf. 2012 etwa spielt man zum ersten Mal in der Assassins Creed-Serie eine weibliche Figur, namentlich Aveline de Grandpré. Die erbitterte Kämpferin hat französische und haitianische Wurzeln und hilft anderen, der Sklaverei zu entfliehen. Ihre Methoden sind grausam, doch ihr letztendliches Ziel ist Freiheit und Frieden. Das Spiel ist ein gutes Beispiel dafür, dass auch ein Team aus weißen Entwicklern eine gut recherchierte, fundierte und diverse Figur erschaffen können, ohne dass auf Klischees zurückgegriffen wird.

Auch The Walking Dead führt im selben Jahr einen komplexen Charakter ein: Lee Everett. Zwar sitzt er ganz Klischee gleich in der ersten Szene als festgenommener Mörder in einem Streifenwagen, doch entpuppt sich seine Geschichte als vielschichtiger und tragischer als gedacht. Er ist wider Erwarten kein Gangster, hat sowohl Schwächen, als auch stark ausgebildete Stärken wie Hilfsbereitschaft und Selbstlosigkeit. Vor seiner Kurzschlusstat arbeitete er als Professor der Geschichte an einer Universität. Sein größtes Plus ist die Tatsache, dass er ein ganz normaler Mensch ist. Es ist weder seine Hautfarbe, die ihn definiert oder ihn zu einer interessanten Figur macht, noch ein daraus resultierendes Klischee.

Klischees sind schlecht? Für manche ist auch das Gegenteil nicht gut genug. Remember me präsentiert 2013 eine Protagonistin, die zwar phänotypisch schwarz ist, deren Ethnie jedoch keinerlei Rolle spielt. In dem Action-Adventure sucht die ehemalige Elite-Gedächtnis-Jägerin nach ihren eigenen, geraubten Erinnerungen und verhält sich nicht stereotyp, verfällt also nicht in den noch vor wenigen Jahren so beliebten Slang und bedient keine sichtlichen Stereotypen. Was ich erfrischend finde, war für viele andere ein Aufreger, da die kulturelle Identität nicht klar abgegrenzt worden sei. Doch muss man diese definieren? Ist es nicht viel schöner, wenn das nicht immer eine Rolle spielen muss? Creative Director Jean-Maxime Moris antwortete auf die Frage, weshalb Nilin nicht weiß sei, mit einem simplen: „Es war keine bewusste Entscheidung. Es hat sich von Anfang an einfach richtig angefühlt.“ Nicht die Hautfarbe steht im Vordergrund. Sondern die Person.

Das Adventure Broken Age geht 2014 ähnliche Wege. Man kann zwischen zwei Kindern als Protagonisten frei wechseln und entsprechend das Abenteuer erleben. Einer der beiden Protagonisten ist das Mädchen Vella Tartine. Dass man ein schwarzes Mädchen spielen kann, ist erfrischend ebenso wie die Tatsache, dass sie sich selbst und die Welt rettet – eine Heldin, die für viele junge Spieler als Repräsentationsfigur herhalten kann.

Aufgedrängt, zu selten, zu doof – weitere Kritik

Im Jahr 2015 sorgte das Survival-Spiel Rust noch während der Entwicklung für Empörung unter den Spielern: Es wurde angekündigt, dass man sein Aussehen zufällig zugeteilt bekommt, statt selber entscheiden zu können. Man ist, was man ist, ob nun weiß, schwarz oder irgendetwas dazwischen. Schwupps, drohten manche Spieler mit Boykott, andere kritisierten einfach die fehlende Wahlmöglichkeit. Auf der anderen Seite zu stehen, scheint für manche unerträglich zu sein.

Einer der Entwickler verzeichnete auf den Servern einen drastischen Anstieg an rassistischen Äußerungen. Auf einen Schimpfwortfilter wurde jedoch zunächst verzichtet, da sich das Problem innerhalb der Spielwelt wohl alleine erledigt: Die Spieler, die mit solchen Äußerungen glänzten, waren immer in der Minderheit und häufig formierten sich die anderen Spieler, um etwas dagegen zu unternehmen.

Und auch Spiele gänzlich ohne schwarze Figuren provozierten Debatten: The Witcher 3: Wild Hunt ist nicht für seine charakterliche Diversität bekannt. Man spielt einen sehr weißen, männlichen, heterosexuellen Protagonisten. Doch Stein des Anstoßes war und ist der Mangel an schwarzen Figuren innerhalb der gesamten Welt. Dies ist eigentlich ein eigenes Thema wert, sagen möchte ich dazu nur eines: Ein Muss besteht für keinen Spieleentwickler. Niemand MUSS diesen oder jenen Quotencharakter einfügen. Mehr noch: Das bloße Einfügen eines Quotencharakters finde ich persönlich sehr schwach. Das, was ich präferiere, ist eine realistische Darstellung. Das schließt positive, wie auch negative Darstellungen ein – und manchmal auch das Fehlen einer Gruppierung. Sobald eine Gruppierung, eine Ausrichtung, ein Volk jedoch einseitig dargestellt wird, hat es meiner Meinung nach deutliches Verbesserungspotential.

Fifa 17 führte 2016 einen neuen Single Player ein und entschied sich für einen schwarzen Protagonisten. Man verfolgt und spielt Alex Hunters Karriere von der Pike an und erfährt nach und nach mehr über seine Hintergründe, was das Spiel an sich dreidimensionaler macht. Sowohl für Mafia 3, als auch Watch Dogs 2 wurden ebenfalls schwarze Protagonisten gewählt, die durch ihre Hintergründe glänzen. Mit Nadine Ross führte Uncharted 4 derweil eine graue Nebenfigur ein, die dem Protagonisten stark zusetzt. Sie ist die Anführerin einer Söldnergruppe und schafft spielend den Spagat zwischen klischeehafter, „weiblicher Grazie“ und „männlicher Derbheit“.

Mittlerweile machen viele kleinere Entwickler(studios) durch ihre Spiele auf die Problematiken aufmerksam, mit denen insbesondere Schwarze häufig in Berührung kommen. 2017 erschien das Browserspiel Hair Nah, das mit dem Reizthema „Andere Leute fassen ungefragt meine Haare an“ spielt. Das Haar vieler schwarzer Frauen sieht interessant und ungewöhnlich für Weiße aus, sodass sie oft ungefragt zugreifen. Das scheint ein Problem zu sein, das viele schwarze Frauen kennen. In dem Spiel muss man diese tatschenden Hände abwehren.

Im selben Jahr versuchte das Spiel „We are Chicago“ die Hintergründe von Schwarzen in Chicago zu beleuchten. Aus Sicht Aarons erfährt man Mobbing und Rassismus. Das Spiel kam bei Kritikern gut und bei Spielern schlecht an, was primär an dem Gameplay und der Grafik liegt. Mitunter wird es aber auch aufgrund der Thematik diffamiert und als „Nigga Simulator“ verunglimpft. Liebe Gesellschaft, da ist noch viel zu tun …

Representation matters

Insgesamt sind Schwarze in Videospielen noch immer unterrepräsentiert und oft einseitig dargestellt, doch im Vergleich zu früher immerhin Charakterköpfe und nicht mehr zwingend nur Abziehbildchen. Repräsentation ist wichtig, nach wie vor. Kinder und auch Erwachsene sollen sehen, dass sie nicht alleine sind, dass sie alles werden können, wenn sie nur wollen, dass ihre Umgebung sie sieht und als das wahrnimmt, was sie sind: Menschen mit Stärken, Schwächen und nicht nur bestehend aus Klischees.

Als Entwickler neigt man wahrscheinlich aber auch dazu, erst an sich selbst zu denken. Rund 76% der Entwickler sind weiß, nur etwa 3% schwarz. Das dürfte ein Mitgrund sein, weshalb schwarze Figuren noch immer unterrepräsentiert sind. Man muss mehr Möglichkeiten schaffen, die Industrie öffnen und Kontakte erweitern und nicht in seiner eigenen, ethnischen Bubble bleiben.

Im Laufe meiner Recherchen zu diesem Video und nach all den Berichten, Artikeln und Aussagen, die ich im Zuge dessen gelesen habe, habe ich erst wirklich gemerkt, wie feinfühlig man dieses Thema angehen muss und wie schwierig es bereits ist, über dieses Thema nur zu sprechen. Zu schnell wird man in eine Ecke gedrängt, zu dünn ist das Eis, auf dem man wandelt. Diese Tatsache allein zeigt bereits, dass da einiges an Nachhol- und Gesprächsbedarf besteht. Nicht unbedingt im Bereich der Videospiele, sondern auch und besonders im realen Leben.


Quellen:
Demografie JapansLänderdaten EthnienListe von schwarzen VideospielcharakterenFormulierungsratgeber für JournalistenBuch: Ultimate History of Video GamesInternational Game Developers AssociationChildren Now, Fair Play? Violence, Gender and Race in Video GamesRust-Debatte |
sowie diverse Websites von Publishern, einige Let’s Plays und eigene Spielerinnerungen.
Die Bezeichnung „Schwarzer“ ist laut der bpb die politisch korrekte Ausdrucksweise. Die Nennung der Hautfarbe erfolgt hier ausschließlich deshalb derart inflationär, da diese Kern der Untersuchung ist.

Warum Vielfalt in Kinderbüchern wichtig ist + Empfehlungen nicht normativer Bücher

Man kann Menschen nicht früh genug vermitteln, dass Vielfalt existiert und es okay ist, „anders“ zu sein. Nicht nur bieten Bücher dabei einen Blick in andere Welt, sondern auch Raum für Identifikation. Leider wird diese durch (uU. diskriminierende) Stereotype oft unmöglich gemacht und Minderheiten erfahren eine Darstellung, die das in der Gesellschaft herrschende Ungleichgewicht schmerzlich spiegelt.

Die ersten Jahre prägen und je häufiger man etwas sieht, desto normaler erscheint es einem. Kinder imitieren das, was die Eltern einem vorleben – und sie lernen auch aus Kinderbüchern. Die erweitern ihre Welt und lassen sie eintauchen in eine für sie existierende Realität, in der auch Elefanten Feuerwehrmänner werden können. Mit der Diversität in Kinderbüchern ist es allerdings nicht weit her. Heteronormative, weiße Familien, in denen die Mütter Hausfrauen und die Väter Geschäftsmänner oder Polizisten sind, beherrschen das Bild. Besagte Elefanten-Feuerwehrmänner sind häufiger anzutreffen als Menschen, die nicht weiß, nicht be-hindert, nicht cis sind.

Die Masse bestimmt das, was man kauft, man müsste bewusst suchen, um Bücher zu finden, deren Figuren nicht „der Norm“ entsprechen. Wenn man dann etwas gefunden hat, bewegt es sich meist im gezielt pädagogischen Bereich. Dort soll Kindern bewusst gezeigt werden, dass es auch anders geht, dass Rassismus und Vorurteile nicht erstrebenswert sind und dass es Grenzen gibt, die aber übertreten werden dürfen. Solche problemorientierten Plots sind durchaus gut, gerade dann, wenn solch ein Problem akut in einem Kind oder einer Gruppe auftritt. Das kann und darf aber nicht alles sein.Vielfalt sollte nicht als unnormal wahrgenommen und das Finden der eigenen Identität nicht als Grenzüberschreitung dargestellt werden. Ist es erstrebenswert, eine Realität abzubilden, die nur eine stark vereinfachte sogenannte Norm kennt?

Erfährt man bestimmte Aspekte – Beziehungsformen, Ethnien, Religionen, Be-hinderungen uvm.- nur durch Stereotype, wie soll sich eine differenzierte Sichtweise entfalten? Kinder übernehmen von der Umwelt, den Bezugspersonen und nicht zuletzt den Medien; Filmen, Büchern, Werbung.

Diversität sollte nicht stets als alleiniges definierendes und dadurch nicht selten herabwürdigendes Merkmal stehen. Menschen haben wesentlich mehr Facetten, man wird nicht durch ein einziges, als unnormal geltendes Merkmal bestimmt, das noch dazu stark heruntergebrochen wird. Außerdem ist es für eben jene poc, nicht gendertypischen, be-hinderten (…) Kinder schön und empowernd, „sich selbst“ in den Büchern sehen zu können. Zu sehen, was man sein und werden könnte. Selbst dann, wenn man kein weißer Junge ist.

Was also tun?

Ein Blick ins eigene Bücherregal schadet nicht: Hatte man nur normative Bücher gekauft oder hat man Raum für Bücher, die über den eigenen Horizont blicken lassen? Kann man versuchen, dem Kind Mehrwert zu bieten?

Hier findet ihr eine Auswahl an Kinderbüchern, die entweder vielfältige Figuren beinhalten oder sich thematisch gänzlich um diverse Themen drehen. Wenn ihr weitere solcher Bücher kennt, verlinkt sie ruhig in den Kommentaren! Die hier aufgelisteten Bücher sind für Kinder ab 2 bis ca. 8 Jahren, wobei ich die nur grob in zwei Altersklassen unterteilt habe. Letztlich kommt es sicher auch auf das jeweilige Kind ab, ab wann dieses oder jenes Buch genau geeignet ist.

Dies hier ist ersteinmal nur ein Rundumschlag. Auf einzelne Themen werde ich in gesonderten Beiträgen noch eingehen.

Ab 2 Jahren

Ich mag ... schaukeln, malen, Fußball, Krach (Die Großen Kleinen)

Ich mag … schaukeln, malen, Fußball, Krach (Die Großen Kleinen)

Jede Doppelseite (das Buch ist 98-Seiten stark) stellt ein anderes Kind vor, das irgendetwas besonders mag. Fernab von Geschlechterklischees, denn es werden auch Mädchen mit „männlichen“ Hobbies und Jungs mit „weiblichen“ vorgestellt. Auch sehen die Kinder alle anders aus: Von dick bis dünn, hell- bis dunkelhäutig ist alles dabei. Ein schönes Bilderbuch, das zeigt, wie verschieden man sein kann, ohne dass dabei der Zeigefinger erhoben wird.

Verlag: Carlsen | Autorin: Constanze von Kitzing | Illustrationen: Constanze von Kitzing | Bestellen

Zusammen aus dem Gerstenberg Verlag

Zusammen!

Auch hier steht Vielfalt auf dem Programm. In witzigen Reimen wird erklärt, dass man gemeinsam und trotz aller Unterschiede alles schaffen kann. Egal, ob der andere im Rollstuhl sitzt, ein Mädchen ist oder, Göttin bewahre, eine Brille trägt.

Verlag: Gerstenberg Verlag | Autorin: Daniela Kulot | Illustrationen: Daniela Kulot | Bestellen

Nelly und die Berlinchen – Rettung auf dem Spielplatz

Nelly und die Berlinchen – Rettung auf dem Spielplatz

Drei Mädchen erleben Abenteuer auf dem Spielplatz. Dass sie nebenbei afrodeutsch, muslimisch oder die Tochter einer alleinerziehenden Mutter sind, ist dabei nebensächlich. Im Fokus steht ihre Freundschaft, die Entführung eines Teddybären und Berlin.

Verlag: HaWandel Verlag | Autorin: Karin Beese | Illustrationen: Mathilde Rousseau | Bestellen

Weitere Tipps für dieses Alter:


Ab 4 Jahren

[Manche auch erst ab 5 oder 6 – da ich selbst keine Kinder habe, überlasse ich die genaue Beurteilung den Eltern.]

Lukas ist wie Lukas Kinderbuch

Lukas ist wie Lukas

Die Brüder Tord und Lukas sind beste Freunde. Tord bewundert an seinem größeren Bruder dessen Lebensfreude und es fällt ihm nicht auf, dass Lukas das Down-Syndrom hat, bis dieser von den anderen Kindern plötzlich vom Fußballspiel ausgeschlossen wird, weil er „anders“ ist. Das Buch geht einfühlsam mit seinen Protagonisten um und verknüpft die Themen Behinderung, Freundschaft und Toleranz sehr gut miteinander.

Verlag: Ravensburger Buchverlag | Autorin: Dagmar H. Mueller | Illustrationen: Susanne Szesny | Bestellen

Paul und die Puppen

Paul spielt eigentlich Fußball – bis er sich mit seinen Puppen zu den Mädchen gesellt und sie sich mit Ballkleidern verkleiden. Auch wenn sich die anderen Jungs zuerst darüber lustig machen, stoßen sie am Ende aber doch dazu und die geschlechtlichen Normen werden endlich aufgelöst. Ebenfalls schön ist, dass Kinder unterschiedlicher Ethnien auftauchen.

Verlag: Beltz & Gelberg | Autorin und Illustrationen: Pija Lindenbaum | Bestellen

Prinzessin Pompeline traut sich

Die schöne Prinzessin Pompeline soll sich endlich trauen und ihren Prinzen auswählen! Eigensinnig wie sie ist, schert sie sich jedoch wenig um die Avancen der schicken Verehrer. Außerdem hat sie doch ohnehin schon ein Auge auf jemand ganz anderen geworfen: Prinzessin Hedwig. Dem Widerspruch ihrer Eltern zum Trotz, stehen die Prinzessinnen zu ihrer Liebe und schaffen es am Ende sogar, Eltern zu werden, was im Nachwort erläutert wird.

Verlag: Carl-Auer Kids | Autorin: Christel Rech-Simon | Bestellen

Zwei Papas für Tango

Die Pinguine Silo und Roy kümmern sich nicht um all die hübschen Pinguindamen und bauen sich gemeinsam ein Netz. Was für die Tierpfleger unvorstellbar ist, ist für die beiden das Natürlichste auf der Welt! Und so wird Tango auch das erste Pinguinjunge, das von zwei Vätern aufgezogen wird. Die Geschichte rund um die Regenbogenfamilie ist sehr schön erzählt und illustriert und fokussiert sich auf Silo und Roy als Paar.

Verlag: Thienemann  Verlag | Autorin: Edith Schreiber-Wicke  | Illustrationen: Carola Holland | Bestellen

Am Tag, als Saida zu uns kam

Am Tag, als Saída zu uns kam

Saída kommt eines Tages ohne Koffer und scheinbar ohne Worte an. Im Laufe der Zeit freundet sie sich mit einem einheimischen Mädchen an und gemeinsam überwinden sie nach und nach die sprachliche Barriere. Poetisch ist das Buch definitiv und wohl eher für Kinder ab 6 Jahren geeignet. Es geht darum, gemeinsam Hürden zu nehmen und an Erfahrungen mit der jeweils anderen Kultur, sowie dem Austausch zu wachsen.

Verlag: Peter Hammer Verlag | Autorin und Illustrationen:  Susana Gómez Redondo | Bestellen

Weitere Tipps für diese Altersklassen:

Photo by Andrew Ebrahim on Unsplash

Die Reaktionen zu „The Problem with Apu“ zeigen die Arroganz des Unbeteiligten

Vor wenigen Wochen hat der südasiatisch-amerikanische Comedian Hari Kondabolu eine Dokumentation über südasiatische Repräsentation in der US-amerikanischen Popkultur mit Fokus auf die Simpsons-Figur Apu veröffentlicht. Die Reaktionen darauf sind bezeichnend.

Der Trailer, der auch auf Youtube zu sehen ist, zeigt dabei, wie unterhaltsam und gleichzeitig reflektiert Kondabolu selbst mit der Thematik umgeht. Er geht nicht mit grantig erhobenem Zeigefinger auf die Zuschauer, die USA oder die Simpsons zu, sondern erklärt trotz allem gut gelaunt, was an Apu Nahasapeemapetilon ihn so stört und was an ihm toxisch sein kann.

Die Simpsons sind bissig und parodieren etliche Gruppen, US-Amerikaner eingeschlossen. Doch während andere Minderheiten auch weitere Identifikationsfiguren oder Repräsentationen in der Popkultur erfahren, blieb das bei Südasiaten lange aus. „Es gibt einfach keine andere Repräsentation [abgesehen von Apu]!“, beschwert sich der im Trailer zu sehende südasiatisch-stämmige Schauspieler Utkarsh Ambudgar und zeigt damit das Hauptproblem auf. Denn wo der Durchschnittszuschauer keinen anderen Inder außer Apu „kennt“ wird er weniger hinterfragen und das Gesehene in sich aufnehmen.

Dass Kondabolu die Simpsons trotz Apu mag, wird deutlich. Aber als jemand, der sein ganzes Leben lang mit den von Apu angerichteten Vorstellungen in den Köpfen der Umwelt leben musste, ist es sein gutes Recht, das aufzuzeigen. Zu hinterfragen, zu kritisieren. Nichts anderes macht er – und das ist vollkommen legitim.

Das gegen die eigene Stirn geschlagene Brett

Den meisten Unbeteiligten ist das egal. Sie wollen es aktiv nicht sehen. Sie schlagen sich selber ein Brett vor den Kopf und rufen:“ Du Weichei, komm mal klar und hör auf zu heulen!“ Sie schreiben schlechte Kritiken, ohne den Film gesehen oder verstanden zu haben.

„Weiß der Typ nicht, dass die Simpsons eine Satireshow ist, die sich über alle Stereotype lustig macht?“

Die Sache ist: Dass sich über den Stereotyp des geldgeilen, kinderreichen, armen, etwas dümmlichen Inders  lustig gemacht wird ist nicht das Problem. Dass es keine anderen Repräsentationen, Interpretationen und Vorbilder gibt und die Simpsons damit wegweisend in den Köpfen der Masse sind, wiegt da schwerer. Und ja, es ist generell eher fragwürdig, nach unten zu treten denn einflussreichere Gruppen oder Personen zu persiflieren.

Es ist von Bedeutung, wer solch eine Figur kreiert – und wer sie spricht. Im Falle Apus sind es Weiße. Das steht in einer langen Tradition. Die Frage ist: Ist das so großartig?

Das Sinnbild allgemeiner Ignoranz

In den Kommentaren wird Kondabolu als Weichei beschimpft, als jemand, der sich von allem und jedem beleidigt fühlt, als Memme. Ich lese die Kommentare und bin sauer, dass sich niemand auch nur die Mühe gemacht hat, die Intention und Problematik hinter dem Video zu verstehen. Es ist ein Trauerspiel, in dem sich die schimpfende Masse lächerlich macht, ohne es selber zu merken. Leider ist es eben eine Masse und keine Minderheit.

Es geht nicht darum, die Simpsons zu verteufeln. Kondabolu selbst mag die Serie und führt sie als eine der Hauptinspirationsquellen für sein Schaffen als Comedian an. Eben weil es sie sich über alles und jeden lustig macht. Das ist okay. Das darf sein. Über sich selbst und andere zu lachen ist völlig legitim – solange man weiß, dass es nur eine Karikatur ist. Solange „Apu“ nicht das einzige ist, womit man verbunden wird.

Es schadet nicht, über die Probleme anderer nachzudenken. Es schadet nicht, sich einen Moment Zeit zu nehmen und zuzuhören. Es schadet auch nicht, darüber nachzudenken. Ohne am Ende gedankenlos loszukrähen und den Gegenüber zu verunglimpfen.

Sei nicht wie Homer Simpson. Denk weiter als von hier bis „Oh ein Donut!“

Ein Schritt weiter: Coming Outs im Football Manager 2018

Im kommenden Football Manager 2018 wird sich der ein oder andere Spieler als homosexuell outen. Das war den britischen  Entwicklern als Abbild der Realität wichtig zu implementieren. 

Erspäht hat dieses Feature ein Spieler der Beta, der seine Entdeckung natürlich sofort verzwitscherte:

Das bestätigte Sports Interactive-Entwickler Miles Jacobson unter anderem Richtung BBC:

„Part of the reason we decided to do this is because there are gay footballers. We know from the amount of professionals that there has to be players who are gay but feel they don’t want to come out. I find it weird that it’s still a problem in football so we decided to try and show people that coming out isn’t a big deal and can be a positive thing. I just think it’s crazy that in 2017 we are in a world where people can’t be themselves.“

Und ja: Ein Coming-Out als ganz realer Fußballer ist noch immer keine Entscheidung, die leicht fallen dürfte – zu vorurteilsbehaftet sind viele Fans, zu starr das Bild wie ein Fußballer zu sein hat. Homosexualität passt da für viele nicht ins Bild. Umso schöner, dass es Sports Interactive als etwas Normales darstellt, mehr noch: Tatsächlich werden dem Spieler dadurch sogar Vorteile verschafft.

So können die Einnahmen des Clubs Dank des Coming Outs und dem Zuspruch durch die LGBT-Community sogar ansteigen. Andererseits wurde auch auf die Regeln innerhalb der einzelnen Länder geachtet. Fußballspieler, die aus Ländern kommen in denen Homosexualität noch strafbar ist werden sich im Spiel nicht outen.

Auch werden sich virtuelle Spieler, die realen Spielern nachempfunden wurden, nicht outen.

Der Football Manager 2018 wird am 10.11. international erschienen – allerdings noch nicht in Deutschland. Hierzulande muss tatsächlich bis 2018 gewartet werden. Ab dann nämlich gilt das Lizensabkommen mit der Bundesliga.

Wer mehr über Homosexualität in Videospielen erfahren möchte darf sich gerne mein Video dazu ansehen!