Rollenspiel im Lustigen Taschenbuch

Rollenspiel im Lustigen Taschenbuch

Es ist immer interessant, wenn Geekiges in Medien oder Produktionen, die eigentlich wenig mit der Sache zu tun haben, behandelt wird. Kennen sich die Autor:innen mit der Thematik aus oder bedienen sie sich nur irgendwelcher Strereotype? Und wenn ja – welcher genau? Hier schaue ich mir mal das Thema „Rollenspiel“ in einem Lustigen Taschenbuch näher an!

Ja, auch Donald, Mickey und Goofy spielen Rollenspiele. Vermutlich nicht ganz so unfassbar fachmännisch wie wir (haha), aber doch stets mit viel Elan. In der 310. Ausgabe des Lustigen Taschenbuches zum Beispiel. Dort spielt Donald in der Geschichte „Der schwarze Schatten“ einen mutigen Krieger, den später dann doch der Mut verlässt, Mickey einen gewieften Schurken, der gar nicht wirklich schurkig ist und Goofy einen Magier, der “mehr Zauber kennt, als er sich merken kann”. Gemeinsam sind sie auf der selbstredend heroischen Queste, um ihr Heimatdorf vor unsäglichen Monstern zu befreien.

Das Regelsystem

Das Würfelsystem - 2W6

Hierbei bedienen sich die drei Helden eines denkbar einfachen Regelsystems, das sogar von Spielfiguren unterstützt wird, um das ganze visuell anschaulicher für die kindliche Leserschaft zu gestalten. Ein Spielleiter ist nicht vonnöten, die Spieler selber erzählen die Geschichte und führen sich und ihre Mitspieler durch das Abenteuer. Dabei hilft das schlaue Regelwerk, das, je nach Werten der Helden und ein wenig im Stile der “Buchabenteuer” (Lone Wolf”), gewisse Situationen und Reaktionen der NPCs vorgibt.  Gewürfelt wird stets mit zwei W6.

Interessant hierbei ist, dass Kämpfe mit jeweils nur einem einzigen Wurf pro Held bestritten werden. Eine einzige Kampfrunde reicht aus, um ein Monster zu besiegen – oder auch, um gefressen zu werden. Aber gut, wenn man hier auch die DSA4-Regeln verwenden würde, könnte man für einen einzigen Kampf direkt 4 LTBs verbraten und das zu lesen würde nichteinmal ich mir zumuten.

Wobei, vielleicht würde ich mich doch opfern. Heroisch, selbstredend, um euch darüber zu berichten.

Die Charaktere

Goofy zaubert einen unsinnigen Zauber

Die Charaktere sind natürlich sehr klassisch, in sich jedoch angenehm humorvoll gestaltet. Mickeys Darstellung fällt mir dabei negativ auf: Seine Darstellung als edler Robin Hood ist so aalglatt wie sein geschliffener Dolch. Donald wiederum besticht durch seine OOC-Träumereien, die er in dem RP verwirklicht sehen will. Ein edler Recke voller Stolz und Tapferkeit möchte er sein, jemand, der holde Jungfrauen rettet. Wie zu erwarten war, verlässt Donald jedoch das Würfelglück und statt einer heldenhaften Rettung erlebt er mit seinem Avatar eine Peinlichkeit nach der nächsten. Goofy indes glänzt als völlig überdrehter Magier, der zwar ziemlich mächtig ist, seine Macht jedoch lieber für unsinnige Zauber wie sich selbst stopfende Socken nutzt. Die kleine Heldentruppe schlägt sich insgesamt wacker. Ein wenig schade finde ich es, dass Mickey selbst in der Rolle als Dieb und Herumstreuner noch das edleste aller Herzen zur Schau trägt. Aber gut, im Grunde spielen sich alle selbst.

Das Abenteuer

In ein “echtes” Abenteuer kann man diese Geschichte auch zwängen: Eine schwarze Kugel, die Monster gebärt und in einem finsteren Turm gehegt und gepflegt (aber offensichtlich nicht gut bewacht) wird und von den Helden zerstört werden muss, bevor eine wahre Monsterplage über die umliegenden Dörfer hereinbricht. Dazu ein gerissener Widersacher, der sich in das Vertrauen mindestens eines Helden schleicht um die Gruppe später zu verraten, gewürzt mit einem goldgierigen Oberschurken, der die Kugel für sich beanspruchen und damit Geld verdienen will. (Weil sich, wie wir alle wissen, so ein monsterzeugendes Ding ja auch wunderbar überall verkaufen lässt. Oder so.) Dieses 2W6-System mit den extrem kurzen und viel zu zufallsabhängigen Kämpfen würde ich jedoch nicht unbedingt empfehlen. Dafür plädiere ich auch fortan in meine Spielrunden für so niedliche kleine Spielfiguren in maßstabgetreuer Gestalt der Spieler!

Fazit

Donald ist stolzer Spieler eines Ritters

Obwohl keine Erklärung, was Rollenspiel überhaupt ist, voran gestellt wird, wird es doch innerhalb der Geschichte ersichtlich und ich kann mir vorstellen, dass es auch Lust auf “mehr” macht. Sehr schön ist in diesem Zusammenhang auch, dass sich Goofy vorab immer selber in die Szenen schreibt, obwohl er noch gar nicht an der Reihe ist. Disziplin will gelernt sein, auch bei Rollenspielen! Ich selber begrüße dieserart Geschichten in den LTBs natürlich sehr und lese sie auch mit am liebsten. Es gibt noch mindestens ein oder zwei andere Rollenspielgeschichten dieser Art und ich werde sie suchen und finden! Alternativ könnt ihr sie auch für mich aufspüren!

Die Darstellung der Rollenspieler an sich ist eine positive. Es sind keine verschrobene Einzelgänger, sondern die Helden aus den LTB-Geschichten, die durch das Spielen nicht dubioser wirken als zuvor. Im Gegenteil, transportiert wird durch „Der schwarze Schatten“ der Spaß, den sie alle dabei haben. Gut. Donalds Frust mag man nun nicht unter „Spaß“ abheften… aber es wäre ja leider nicht so, dass er in den anderen Geschichten vom Glück verfolgt würde.

Halle Bailey ist Arielle

Warum regen wir uns über eine Schwarze Arielle auf?

Halle Bailey wird Disneys neue Arielle. Halle: Eine junge Frau mit ansteckendem Lächeln und einem hübschen Gesicht, die mit ihrer Ausstrahlung einer Arielle sicherlich würdig ist. Das Problem für viele dabei: Sie ist Schwarz.

Die Frage, die zunächst im Raum steht, ist diese: Warum war Arielle überhaupt weiß? Als Meerjungfrau ist sie eine fiktive Kreatur und könnte nahezu jede Hautfarbe besitzen oder sogar von Schuppen, statt Haut bekleidet sein. Sie könnte getupft, gestreift oder mit Kästchen versehen sein. Sie wird jedoch stets weiß dargestellt – weil weiße Haut bis vor gar nicht allzu langer Zeit der etablierte Standard in der Popkultur war. Ihre in den meisten Vorlagen weiße Haut ist okay. Eine dunkle wäre es jedoch auch. Die Hautfarbe hat storytechnisch schlichtweg keine Relevanz.

Was uns zum nächsten Punkt führt:

„Aber Pocahontas wird auch nie von einer Weißen gespielt! HA!“

Nun. Bei Pocahontas ist ihre Ethnie Teil der erzählten Geschichte. Würde ihre Figur mit einer Weißen gecastet werden, würde das weder der Figur, noch dem Plot gerecht werden. Schlimmer: Es würde sich um Whitewashing handeln. Eine eigentlich nicht-weiße Figur wird der „weißen Norm“ angepasst, die jedoch nicht in der Realität, sondern lediglich in strukturell geprägten Köpfen existiert.

Ähnliches konnte man bereits mit dem Aladdin-Casting beobachten: Die Rolle der Jasmin wurde zwar mit Naomi Scotts von jemandem besetzt, die einen nicht-weißen Hintergrund hat. Allerdings liegt dort die Sachlage des Colorism nahe, da sie deutlich europäische Gesichtszüge und eine vergleichsweise helle Haut besitzt. (Siehe Artikel “ „Der Live-Action Aladdin und was er mit Orientalismus und Colorism zu tun hat„)

Hollywood ist nach wie vor weiß, POC sind zwar auf dem Vormarsch, aber weiterhin werden vorrangig weiße Menschen in den Hauptrollen gecastet. Und ja, das ist ein Problem. Man schließt aktiv aus. Wenn man sich ansieht, wie viele weiße Disney-Prinzessinnen es gibt, wird schnell klar: Sie bilden die große Mehrheit. Viel wichtiger: Ihre Herkunft hat so gut wie nie etwas mit dem Plot zu tun. Sie haben das Privileg, sein zu dürfen. Während die POC-Prinzessinnen häufig über ihre Hautfarbe definiert werden. Nicht immer – aber doch häufig. Warum diese Struktur also nicht weiter aufbrechen?

Kurzum: Man sollte auf den Kontext achten. Gehört die Hautfarbe oder Ethnie zur Figur? Oder hat sie wenig bis keinerlei Relevanz?

„Aber wenn Weiße in POC-Rollen gecastet werden, ist der Aufschrei auch groß! Doppelmoral!“

Wie bereits angedeutet, castet die westliche Welt eher ungerne POC-Darsteller*innen. Warum? Weil man dafür angeblich einen eigenen Plot „braucht“, der sich um die Ethnie rankt. Das ist natürlich zu kurz gedacht, denn obwohl bspw. Han Solo weiß ist, hat seine Weißheit nichts mit seiner Herkunft zu tun. Er könnte beispielsweise schwarz sein, ohne dass es einen Unterschied machen würde. Aber daran denkt die westliche Welt kaum. Schwarze werden meist nur gecastet, wenn es sein „Muss“. Und das ist ein Problem.

Als Positivbeispiel möchte ich hier Star Trek einfügen, die divers casten, ohne dass die Rollen auf ihre Ethnien beschränkt sind.

Es gibt schon wenige Rollen „für POC“. Eine Weiße in eine eigentlich asiatische Rolle zu casten, hat daher einen mehr als nur bitteren Beigeschmack. Da geht es nicht mehr um Diversität, sondern um das (bewusste) Unsichtbarmachen von POC.

Wenn irgendwann ein Ausgleich und weniger internalisierter Rassismus herrschen sollte, wenn irgendwann POC in Rollen gecastet werden, die einfach „sind“ – dann gäbe es wohl auch keine Aufschreie mehr, wenn eine POC-Rolle anders interpretiert und die Hautfarbe verändert werden würde.

Doch so weit sind wir noch nicht. Noch lange nicht.

„Aber Arielle ist rothaarig!“

„Uhm, actually…“

Eigentlich wird „Die kleine Seejungfrau“ von Hans Christian Andersen – dem eigentlichen Original – nicht mit roten, sondern mit langen Haaren beschrieben. Als sich Disney Ende der 80er Jahre im kreativen Prozess rund um Arielle befand, war übrigens von blondem Haar die Rede. Aufgrund der Popularität des 1984 erschienenen Films „Splash“ jedoch wurde dies jedoch verworfen. Schließlich wäre die optische Nähe zur Hauptfigur zu signifikant.

Bei dem Frust geht es freilich um das Bewahren der eigenen Kindheitserinnerungen. Um das wohlbekannte „Das war schon immer so!“ Ungeachtet dessen, dass es eben nicht „immer schon“ so war sondern sich auch die kleine See- oder eben Meerjungfrau im Laufe der Zeit großen Wandlungen unterzogen hat. Dass ein Bild, das man von etwas hat, nicht zwingend das einzig wahre sein muss. Popkultur ändert sich. Wir ändern uns.

Ganz davon abgesehen, dass auch POCs rote Haare haben können. Und eine Darstellerin kann sich die Haare färben. Überraschung und Konfetti!

Warum ist uns Nostalgie derart heilig, dass wir sie über alles andere stellen? Ist es nicht egal, ob Arielle in einer Interpretation rote, blonde oder gar grüne Haare hat? Bildet die Farbe ihrer Haut oder Haare wirklich die Essenz der Geschichte? Und wenn es doch „egal“ ist – dann kann sie auch gerne Schwarz sein. Zumal ihre „Rasse“ nicht mal geändert wird. Sie verbleibt eine Meerjungfrau.

Auch eine Frage, die man sich stellen kann: Warum ist es ein Aufschrei wert, wenn statt einer weißen, eine schwarze Frau gecastet wird – aber nicht, wenn die ganze Aussage einer Geschichte eine Änderung erfährt? Schließlich stirbt die Seejungfrau am Ende des Originals. Bummer.

Die Figur der Arielle ist eine fiktive, ihre Herkunft ist hautfarbenunabhängig. Solange Halle Bailey glaubhaft eine Meerjungfrau darstellen kann und der Film gut geschrieben und realisiert wird, sollte uns in erster Linie das Endergegbnis interessieren. Und nicht unsere festgefahrenen Kindheitserinnerungen. Denn den Disneyfilm von 1990 – nun, den kann man immer und immer wieder auf DVD genießen. Auch weiterhin.

Header: Aladdin Jasmin Speechless

[Aladdin] Sagt was ihr wollt, Jasmins Lied „Speechless“rockt!

In „Aladdin“ erhält Prinzessin Jasmin eine dezent ausgefeiltere Rolle als im disney’schen Vorbild von 1992. Sie ist selbstbestimmter und, im Rahmen eines Kinderfilms, feministischer geprägt. Im neuen Lied „Speechless / Ich werde niemals schweigen“ erhält sie eine Stimme, die nachhallt.

Anders als im Trickfilm strebt sie hier nicht nur danach, den Man zu heiraten, den sie für den Richtigen hält. Sie greift nach Höherem, nach Agrabah, um im Sinne des Volkes zu regieren. Als erste Frau. Das passt sowohl in die heutige Zeit, als auch in die Fantasywelt, die sich Disney auf Basis des fiktiven Orients ersonnen hat. Dem Setting und dem Casting wurde sich bereits an anderer Stelle kritisch genähert [Siehe: „Der Live-Action Aladdin und was er mit Orientalismus und Colorism zu tun hat„], aus light-feministischer Sicht finde ich das Remake jedoch gelungen.

Jasmin steht nicht im Mittelpunkt – noch steht es Aladdin meiner Ansicht nach – aber macht auch nicht den Fehler, sie nur durch diese feministischen Aspekte zu definieren. Es fügt sich meines Erachtens nach nahtlos in die anderen charakterlichen Aspekte ein. Wie für einen Kinderfilm üblich und sicherlich auch ausreichend, bleiben die Darstellungen allesamt skizzenhaft und auf prägnante Eckpunkte beschränkt. Mit Jasmin hat man eine weibliche Figur erschaffen, die ich als Mädchen gerne gesehen hätte und in der „Original-Jasmin“ auch in Ansätzen gefunden hatte. Jemanden mit einer Stimme, die sich nicht zum Schweigen bringen will.

Nicht sprachlos

Der Höhepunkt dieser Darstellung ist wenig überraschend dann auch der neu kreierte Song „Speechless“ bzw. „Ich werde niemals schweigen“.

Man hat eine Stimme und die zählt. Ich persönlich finde sowohl Melodie, als auch Text sehr „empowerned“ und stark, ähnlich wie Frozens „Let it Go“.

„I won’t be silenced
You can’t keep me quiet
Won’t tremble when you try it
All I know is I won’t go speechless

Benj Pasek & Justin Paulare – Speechless (From „Aladdin“)

Damit möchte ich nicht sagen, dass Jasmin die beste Figur aller Zeiten ist. Davon ist sie mit Sicherheit ein paar Teppichflugmeilen entfernt. Aber sie ist eine Figur mit einer starken Botschaft, die man dem Nachwuchs ohne Reue zeigen kann. Dafür und für den Song schätze ich sie sehr.

Außerdem hat sie in ihrer Gedankensequenz was von Thanos. Das ist schön. Oder so.

PS: Ich finde Will Smiths Dschinni besser als jenen von Robin Williams. So. Jetzt ist es raus. Er ist einfach so shiny!

Marvels Endgame

Endgame – Orakel

Eine Stunde. So lange haben Marcus und ich noch, in denen wir mit Kopfhörern und Sonnenbrillen durch die Weltgeschichte gehen müssen. Es gilt: Spoiler: Nein Nein! Aber Prognosen dürfen wir ja wohl noch abliefern, oder? Und da ich nicht in die Zukunft blicken kann, wird es sich auch kaum um Spoiler handeln.

Zunächst ein winzig kleiner Schwank, um meine Meinung einordnen zu können: Ich habe die zugehörigen Comics dieser Arc nicht gelesen, wohl aber andere Marvel-Comics auch jener Held*innen. Alle Filme aus dem MCU habe ich gesehen, größtenteils mit wahnsinniger Freude. Für mich rockt es. Sehr. Ich habe gelacht, geweint und viele tolle Stunden mit den Filmen verbracht! Meine Highlights: Thor: Ragnarok, Captain Marvel und Spiderman: Homecoming. Und Captain America: Civil War.

Aber nun: Los geht’s mit den Prognosen!

  • Hulk ist in Wahrheit Loki, der sich in ihn verwandelt hat
  • Hulk wird wieder super-grün
  • Ein empörter Mann wird im Kino aufschreien, sobald Captain Marvel die Bühne betritt
  • Im selben Moment wird ein anderer Mann vor Freude jauchzen
  • Iron Man wird sterben. Aber erst, nachdem Spider-Man wieder „auferstanden“ ist
  • Steve stirbt in einem Akt akutem Heroismus und wird später durch Bucky ersetzt
  • Ein weinendes Baby wird gezeigt
  • … und ein weinender Thor
  • Außerdem wird Thor einmal oberkörperfrei zu sehen sein
  • Captain Marvel wird auch oben ohne sein. Aber gesehen wird sie dabei nur von Valkyrie
  • Thor wird sein Auge wieder verlieren und stattdessen einen der Infinity-Stones einsetzen. Bonus-Tipp: Es wird der Soulstone sein
  • Rocket baut Buckys Arm um, damit dort die restlichen Steine eingesetzt werden können
  • Banner und Romanov küssen sich – stellen dann aber fest, dass sie nur Freunde sind
  • Sinnlose Training-Montage, in der sie sich fit für den Kampf machen und aufrüsten
  • Natürlich bekommt jede*r einen Sternmoment, in der sie in Szene gesetzt werden
  • Captain Marvel wird einen Badass-Moment haben
  • Ronins Begründung für seinen neuen Look: „Meine Mutter hat es mir genäht und zum Geburtstag geschenkt.“
  • Eine Frau, die zufällig Guddy heisst, wird weinen. Insgesamt vier Mal über den Film verteilt. Zwei Mal vor Rührung/Ergriffenheit und zwei Mal vor Trauer. Und ein halbes Mal, weil jemand super unfair war

… sollten mehr als drei der Tipps richtig sein, werdet ihr mich künftig nur noch in Delhi antreffen können, wo ich den Größenwahn verfallen bin.

Was orakelt ihr? 🙂 Merke: Echte Spoiler werde ich hier gnadenlos löschen, auch wenn ich den Film schon gesehen haben werde. Für Spoiler wird es unter Umständen einen eigenen Artikel geben.

Aladdins Jasmin Real Life Remake

Der Live-Action Aladdin und was er mit Orientalismus und Colorism zu tun hat

Das Live-Action Remake von Aladdin schlägt hohe Wellen auch abseits der Disney-Fangemeinde. Nicht nur der Dschinni, auch das Casting insbesondere der weiblichen Hauptfigur Jasmin steht dabei unter scharfer Kritik. Bevor ich mich als Unbeteiligte an eine Erklärung wage, möchte ich lieber jene zu Wort kommen lassen, die selbst von rassistischen und orientalistischen Strukturen und Vorurteilen betroffen sind. Meet Swara Salih.

WICHTIG: Dieser von Swara Salih verfasste Artikel erschien zuerst unter dem Titel „The Live Action ‘Aladdin’ Doubles Down on Orientalist and Colorist Trends“ auf dem Blog The Nerds of Color. Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion durfte ich den Artikel übersetzen und ihn hier auf meinem Blog für euch zur Verfügung stellen. Wer des Englischen mächtig ist, ist allerdings aus Prinzip herzlich eingeladen, sich bevorzugt mit dem Original zu befassen: Klick.

Aladdin ist einer meiner absoluten Lieblingsfilme aller Zeiten. Als Kind des Nahen Ostens fühlte ich mich repräsentiert und dieses Gefühl hat mich seither immer begleitet. Über meine insgesamt sehr komplizierte Beziehung zu dem Live-Action Remake allerdings habe ich auch bereits sehr ausführlichen geschrieben. Mit dem neuen, eigentlich sehr soliden Trailer werden nun weitere Einblicke in die Entwicklung der Realverfilmung gegeben, die sich offenbar bedenklicher Trends bedient. Insgesamt habe ich sehr wenig bis gar kein Vertrauen darin, dass es dieser Film in Bezug auf die problematischen Aspekte des Originals besser machen wird,(den willkommenen Fakt, dass POC die Hauptrollen spielen werden, einmal außen vor gelassen), sondern diese sogar noch verstärken wird.

Die Autorin Clarkisha Kent hat diesbezüglich ausführlich und eindringlich über ein weit verbreitetes Problem geschrieben, das bislang noch zu wenig Beachtung gefunden hat: den Colorism. [Anm.: Ein sehr schönes Video dazu findet sich hier.] Damit wird die Diskriminierung aufgrund der Hautfarbe auch innerhalb ethnischer Gruppen bezeichnet. Wie ihr euch sicher vorstellen könnt, erhalten Schauspieler mit hellerer Haut und deutlich europäischen, optischen Merkmalen aufgrund des Colorism die wohlwollendste Behandlung in Hollywood. Insbesondere bei Schauspielerinnen wird dies deutlich: Jene mit hellerer Haut und „weißeren“ Gesichtszügen werden bei Castings bevorzugt (Wie Clarkisha in ihrem Artikel erklärt). Im Internet wurden nun einige Stimmen laut, die genau das beim Casting von Naomi Scotts (die zur Hälfte Gujarati-Inderin und zur Hälfte Weiß ist) als Jasmin bemerkt haben.

Über diesen Aspekt von Jasmins Casting habe ich bislang noch nicht gesprochen und mich mehr auf die Tatsache konzentriert, dass eine arabische Rolle von einer Inderin gespielt wird. People of Color sind aber nicht austauschbar. Je mehr ich allerdings von Jasmin in Trailern und Teasern sehe und mich mit befreundeten Women of Color (Wie meine But Why Tho? Chefredakteurin Kate Sánchez, die Co-Moderatorin des Flash Podcast Tatiana Hullender und meine But Why Tho?-Kollegin Trishh) über die Aspekte des Colorism unterhalte, desto mehr wird mir klar, wie sehr Naomi als Weiß gesehen werden kann.

Sie ist immer noch eine Woman of Color, aber gerade im Vergleich zu der originalen Jasmin weist sie eine hellere Haut und europäischere Gesichtszügen auf. Ich will damit nicht sagen, dass es keine Araberinnen, Perserinnen, Kurdinnen oder indischen Frauen gibt, die aussehen wie Jasmin im Realfilm. Sondern ich möchte darauf hinweisen, dass Jasmin im ursprünglichen Trickfilm eben nicht so aussieht. Vielmehr hat Jasmin dort im Gegensatz zu Naomi traditionellere arabische Gesichtszüge. Wenn Jasmin von einer weniger als Weiß durchgehenden und mehr dem Original entsprechenden Inderin verkörpert werden würde, hätten ich und viele andere weniger Probleme mit dieser Darstellung.

Colorism existiert inmitten arabischer und nahöstlicher Gemeinschaften, aber Jasmin stellte eine erfrischende Abwechslung dar: Endlich hatte eine dunkelhäutigere, eindeutig arabische Frau eine heroische Rolle inne. Leider fand bei Naomis Casting eine Rückwärtsbewegung in Richtung problematischer Strukturen statt. Wie die Autorin Mae Abdulbaki so schön schreibt: „Middle Eastern people range in a large spectrum of skin color.“ Jasmin wurde lange als positives Beispiel einer dunkelhäutigeren arabischen Frau gefeiert. Anscheinend waren Guy Ritchie und die Verantwortlichen aus dem Hause Disney jedoch der Überzeugung, dass nur eine Weiß aussehende Jasmin ein weltweites Publikum ansprechen könne.

Darüber hinaus änderten die Schöpfer der Realverfilmung die Hintergründe von Jasmins Mutter: Diese kommt nun aus einem „anderen Land.“ Ein Versuch, Naomis Casting zu erklären? Diesen typisch arabischen Charakter weniger arabisch zu machen, ist nicht nur unglaublich ärgerlich, sondern auch ein riesiger Rückschritt. Denn beim Colorism handelt es sich um ein weltweites Problem, mit dem wir uns befassen müssen. Mit der Realverfilmung von Aladdin jedoch scheint sich nichts zu verbessern.

Das Wenige, was wir bislang von Dschafars Darstellung gesehen haben, ist übrigens auch problematisch. Obwohl ich froh bin, dass wir einige der akzentuierten und rassistischen Tropes seiner Zeichentrickfigur überwunden haben, kann ich jetzt schon sagen, dass die Filmemacher auf einen anderen orientalistischen Trope setzen. Der Orientalismus beinhaltet viele Dinge, aber letztendlich läuft es darauf hinaus, dass nicht-westliche Länder und Gemeinschaften als „exotisch“ und „minderwertig“, sowie hilfsbedürftig der westlichen Welt gegenüber dargestellt werden. In der Vergangenheit war der orientalistische Trope in den westlichen Medien sehr beliebt, der Männer aus dem Mittleren Osten als verweiblicht und daher „weniger wert“ als westliche Figuren präsentiert hat. Typischerweise wurde dies beispielsweise dadurch ausgedrückt, dass der betreffende Charakter eine hohe und dünne Stimme hat, wie wir sie auch von Dschafar in den Teasern und Trailern hören können.

Im Netflix-Film Der ägyptische Spion, der Israel rettete habe ich Marwan Kenzari (der Schauspieler, der Dschafar verkörpert) bereits spielen sehen und nein, seine Stimme, wie sie in den Aladdin-Trailern zu hören ist, ist nicht seine natürliche. Selbstverständlich ist nichts falsch an einem Mann, der eine Stimme abseits traditionell männlicher Norm hat. Aber die Art, wie Marwan anscheinend von Ritchie angewiesen wurde, diese Rolle zu spielen, folgt genau jenen schädlichen orientalistischen Traditionen. Im Gegensatz zu Aladdin, der mit einem westlichen Akzent spricht, ist Dschafar somit kein „echter Mann“ und wir sollen ihn dadurch automatisch als weniger wert betrachten. Ich hatte gehofft, dass sie Dschafar unter Einbehaltung seines Antagonisten-Daseins weniger problematisch darstellen würden (inklusive der Art, wie er Jasmin behandelt). Aber zu sehen, in welcher Form sie Marwans Talente benutzen und offenbar verschwenden, befürchte ich, dass sie auch in dieser Hinsicht einen Schritt zurück machen werden.

Ein anderer Aspekt des Orientalismus, den die Filmemacher im ursprünglichen Aladdin untergebracht haben und der sich jetzt mit doppelter Kraft zu reproduzieren scheint, geht davon aus, dass östliche Kulturen im Wesentlichen alle gleich und austauschbar seien (Unabhängig vom Colorism wurde das bereits mit Naomis Casting deutlich). Für die Filmemacher ist „brown“ schlicht „brown“. Wir sind austauschbar für sie und sie denken, dass das vollkommen okay sei.

Natürlich ist das absolut nicht okay. Sie hatten die Dreistigkeit, offiziell zu verkünden, dass sie mit der Einführung von Charakteren aus dem gesamten Nahen Osten und Asien „die kulturelle Vielfalt der Seidenstraße feiern“ würden [Anm.: Siehe hier]. Nein. Dadurch wird lediglich der Orientalismus zelebriert, indem sie die tatsächlichen arabischen und nahöstlichen Menschen vom kreativen Prozess ausschließen und ein westliches Fantasyland kreieren (aka „The Orient“). Araber, Perser, Inder, Chinesen und andere POC werden offenbar einfach in einen Topf geschmissen. Zumindest im ursprünglichen Aladdin waren die Charaktere immerhin eindeutig arabisch (so problematisch sie auch porträtiert und mit eigenem, mit indischen Elementen angereichertem Orientalismus versehen worden sind). Die von westlichen Medien geprägte, rassistische Herangehensweise von Guy Ritchie und seinem Team jedoch muss ein Ende haben. Punkt.

Der originale Aladdin, seine Sequels und die wunderbare Serie werden für Kinder und Erwachsene zum Glück immer zur Verfügung stehen und hoffentlich auch via Disney+ verfügbar sein. Sicherlich sind sie auf ihre eigene Weise problematisch, aber zumindest hat es Children of Color und Kindern aus dem Nahen Osten ermöglicht, sich darin dargestellt zu sehen und Spaß daran zu haben. Der neue Film wird wahrscheinlich ein aus westlicher, Weißer Hand erschaffenes Chaos orientalistischer Stereotype sein, an dem mit Ausnahme weniger Schauspieler niemand aus dem Mittleren Osten kreativ beteiligt gewesen ist.

Wir müssen uns für die Repräsentation arabischer, iranischer, kurdischer und türkischer Menschen andernorts einsetzen. In Bezug auf diese Realverfilmung jedoch nähere ich mich dem Punkt, es mit den Worten von Ira Madison III auszudrücken: „Keep it“.