Rollenspiel im Lustigen Taschenbuch

Rollenspiel im Lustigen Taschenbuch

Es ist immer interessant, wenn Geekiges in Medien oder Produktionen, die eigentlich wenig mit der Sache zu tun haben, behandelt wird. Kennen sich die Autor:innen mit der Thematik aus oder bedienen sie sich nur irgendwelcher Strereotype? Und wenn ja – welcher genau? Hier schaue ich mir mal das Thema „Rollenspiel“ in einem Lustigen Taschenbuch näher an!

Ja, auch Donald, Mickey und Goofy spielen Rollenspiele. Vermutlich nicht ganz so unfassbar fachmännisch wie wir (haha), aber doch stets mit viel Elan. In der 310. Ausgabe des Lustigen Taschenbuches zum Beispiel. Dort spielt Donald in der Geschichte „Der schwarze Schatten“ einen mutigen Krieger, den später dann doch der Mut verlässt, Mickey einen gewieften Schurken, der gar nicht wirklich schurkig ist und Goofy einen Magier, der “mehr Zauber kennt, als er sich merken kann”. Gemeinsam sind sie auf der selbstredend heroischen Queste, um ihr Heimatdorf vor unsäglichen Monstern zu befreien.

Das Regelsystem

Das Würfelsystem - 2W6

Hierbei bedienen sich die drei Helden eines denkbar einfachen Regelsystems, das sogar von Spielfiguren unterstützt wird, um das ganze visuell anschaulicher für die kindliche Leserschaft zu gestalten. Ein Spielleiter ist nicht vonnöten, die Spieler selber erzählen die Geschichte und führen sich und ihre Mitspieler durch das Abenteuer. Dabei hilft das schlaue Regelwerk, das, je nach Werten der Helden und ein wenig im Stile der “Buchabenteuer” (Lone Wolf”), gewisse Situationen und Reaktionen der NPCs vorgibt.  Gewürfelt wird stets mit zwei W6.

Interessant hierbei ist, dass Kämpfe mit jeweils nur einem einzigen Wurf pro Held bestritten werden. Eine einzige Kampfrunde reicht aus, um ein Monster zu besiegen – oder auch, um gefressen zu werden. Aber gut, wenn man hier auch die DSA4-Regeln verwenden würde, könnte man für einen einzigen Kampf direkt 4 LTBs verbraten und das zu lesen würde nichteinmal ich mir zumuten.

Wobei, vielleicht würde ich mich doch opfern. Heroisch, selbstredend, um euch darüber zu berichten.

Die Charaktere

Goofy zaubert einen unsinnigen Zauber

Die Charaktere sind natürlich sehr klassisch, in sich jedoch angenehm humorvoll gestaltet. Mickeys Darstellung fällt mir dabei negativ auf: Seine Darstellung als edler Robin Hood ist so aalglatt wie sein geschliffener Dolch. Donald wiederum besticht durch seine OOC-Träumereien, die er in dem RP verwirklicht sehen will. Ein edler Recke voller Stolz und Tapferkeit möchte er sein, jemand, der holde Jungfrauen rettet. Wie zu erwarten war, verlässt Donald jedoch das Würfelglück und statt einer heldenhaften Rettung erlebt er mit seinem Avatar eine Peinlichkeit nach der nächsten. Goofy indes glänzt als völlig überdrehter Magier, der zwar ziemlich mächtig ist, seine Macht jedoch lieber für unsinnige Zauber wie sich selbst stopfende Socken nutzt. Die kleine Heldentruppe schlägt sich insgesamt wacker. Ein wenig schade finde ich es, dass Mickey selbst in der Rolle als Dieb und Herumstreuner noch das edleste aller Herzen zur Schau trägt. Aber gut, im Grunde spielen sich alle selbst.

Das Abenteuer

In ein “echtes” Abenteuer kann man diese Geschichte auch zwängen: Eine schwarze Kugel, die Monster gebärt und in einem finsteren Turm gehegt und gepflegt (aber offensichtlich nicht gut bewacht) wird und von den Helden zerstört werden muss, bevor eine wahre Monsterplage über die umliegenden Dörfer hereinbricht. Dazu ein gerissener Widersacher, der sich in das Vertrauen mindestens eines Helden schleicht um die Gruppe später zu verraten, gewürzt mit einem goldgierigen Oberschurken, der die Kugel für sich beanspruchen und damit Geld verdienen will. (Weil sich, wie wir alle wissen, so ein monsterzeugendes Ding ja auch wunderbar überall verkaufen lässt. Oder so.) Dieses 2W6-System mit den extrem kurzen und viel zu zufallsabhängigen Kämpfen würde ich jedoch nicht unbedingt empfehlen. Dafür plädiere ich auch fortan in meine Spielrunden für so niedliche kleine Spielfiguren in maßstabgetreuer Gestalt der Spieler!

Fazit

Donald ist stolzer Spieler eines Ritters

Obwohl keine Erklärung, was Rollenspiel überhaupt ist, voran gestellt wird, wird es doch innerhalb der Geschichte ersichtlich und ich kann mir vorstellen, dass es auch Lust auf “mehr” macht. Sehr schön ist in diesem Zusammenhang auch, dass sich Goofy vorab immer selber in die Szenen schreibt, obwohl er noch gar nicht an der Reihe ist. Disziplin will gelernt sein, auch bei Rollenspielen! Ich selber begrüße dieserart Geschichten in den LTBs natürlich sehr und lese sie auch mit am liebsten. Es gibt noch mindestens ein oder zwei andere Rollenspielgeschichten dieser Art und ich werde sie suchen und finden! Alternativ könnt ihr sie auch für mich aufspüren!

Die Darstellung der Rollenspieler an sich ist eine positive. Es sind keine verschrobene Einzelgänger, sondern die Helden aus den LTB-Geschichten, die durch das Spielen nicht dubioser wirken als zuvor. Im Gegenteil, transportiert wird durch „Der schwarze Schatten“ der Spaß, den sie alle dabei haben. Gut. Donalds Frust mag man nun nicht unter „Spaß“ abheften… aber es wäre ja leider nicht so, dass er in den anderen Geschichten vom Glück verfolgt würde.

Teenage Mutant Ninja Turtles Jennika

Jennika ist die neue weibliche Teenage Mutant Ninja Turtle – Und mehr als nur Schlumpfine

Die Teenage Mutant Ninja Turtles haben kürzlich Zuwachs bekommen: Jennika, künstlerisch in Szene gesetzt von Sophie Campbell. Seit Venus de Milo ist sie die zweite weibliche Turtle innerhalb der bekannten Ninjagruppe. Und ich als eingefleischter Turtlesfan seit Ende der 80er finde sie großartig. Here’s why.

Okay. Natürlich gab und gibt es auch hier wieder Stimmen, die sich ausdrücklich gegen sie als Figur ausgesprochen haben. Interessanter- und traurigerweise jedoch primär nicht, weil man generell kein 5. Rad am Wagen haben will. Sondern weil es sich um einen weiblichen Turtle ohne Brüste handelt. Um einen „woken“ SJW. Misogynie as it’s best, bei der es nicht mehr um die Comics, sondern nur um die eigene schrecklick fragile und durch die News verletzte Seele geht. Dies geht so weit, dass ein Tweet, in dem ganz bewusst und definitiv nicht wohlwollend der Deadname der Zeichnerin benutzt wurde, viel zu lange unkritisiert gefeiert worden ist.

Worum es übrigens ging? Darum, dass Sophie Campbell vor 5 Jahren bereits einen weiblichen OC-Turtle mit gelbem Bandana hatte. Der herablassende Kommentar: „Haha, wenn euch Jennika wie ein DeviantArt-OC vorkommt, dann, weil sie genau so einer ist!“
Genau.
Ihr wisst schon, dass viele Figuren lange vor der Realisierung durch Verlage & Co. existieren? Dass Autor*innen und Künstler*innen sehr wohl auch vor Aufträgen vor Fantasie erblühen können? Das ist weder neu, noch besonders aufregend. Hier wurde so getan, als wurde wahllos ein OC hergenommen. Das ist jedoch nicht der Fall. Vielmehr hatte Sophie vorab eine Vision, die sie nun endlich verwirklichen konnte.
Tom Waltz, Editor und Autor der aktuellen TMNT-Serie, veröffentlichte vor kurzem (mit Einverständnis) ein paar Mailverläufe zwischen ihm und Sophie, in dem dies nochmal verdeutlicht wird.

Die Hintergründe

Doch zurück zu den positiven Aspekten. Beispielsweise zum Hintergrund Jennikas. Dieser ist nämlich durchaus interessant und birgt Stoff für viele weitere Plotstränge. Zum einen ist sie als (ehemaliges) Mitglied des Foot Clans ohnehin auf der eher grauen Seite der Macht angesiedelt. In dieser Comicreihe schwappt der Foot Clan zwischen „Gut“ und „Böse“ hin und her, scheint sich aktuell unter der Führung Splinters in den guten Reihen eingependelt zu haben. Jennika hadert seit ihrer Einführung mit sich und den Strukturen.
Nun, als humanoide Schildkröte, muss sie sich nicht nur mit diesen Strukturen, sondern auch mit ihrer neuen Form herumschlagen. Da hilft es nicht, dass sie und Casey Jones im Laufe der Issues romantische Gefühle füreinander entwickelt hatten. Ihr dritter Zeh (ihre männlichen Kollegen haben zwei) ist ein immerwährender Reminder ihrer Vergangenheit.

Kurz: Das könnte dem Comic wunderbare Tiefe geben – oder in Soap-Drama ausarten. Wohin genau es schlagen wird, wird man sehen.

Teenage Mutant Ninja Turtles Jennika Gruppe

Ihre Darstellung

Ich muss es betonend in dicke Großbuchstaben setzen:
SIE HAT KEINE BOOBIES!
Und das ist verdammt großartig! Schließlich, so erkennen wir wenn wir einen Blick in das bebilderte Tierlexikon werfen, besitzen auch handelsübliche Schildkröten keine Brüste. Ihr Sexualdimorphismus ignoriert die Brüste ordinärer Säugetiere. Dafür jedoch deutet sich eines an: Weibliche Schildkröten sind bei den meisten Arten tatsächlich größer als die männlichen Vertreter ihrer Art. Das sei nur erwähnt, da sich bereits darüber beschwert wurde, dass Jennika ihre vier Mitschildkröten überragt. Von Mary Sue war die Rede und von übertriebenem Feminismus (Ja ei der Daus!).

Bereits bevor Jennika zu einer Schildmaid wurde, trug sie einen Look zur Schau, der erfrischend frei von der sozialen Rolle weiblicher Figuren war: Kurze Haare und allgemein eher burschikos. Und nein, auch eine Menschenfrau hat nicht automatisch große Brüste. Auch in ihrer Schildkrötenform unterlässt man es, ihr betont „feminine“ Attribute zu verleihen, wie sie in der Comicwelt stets benutzt werden, um das Weibliche zu kennzeichnen: Lange Wimpern, betonte Brüste, Make-Up und lange Haare bzw. Zöpfe, um nur ein paar zu nennen.
Wenn wir uns an Venus de Milo, den ersten weiblichen Turtle, zurückerinnern, kann man einiges davon wiedererkennen: Sie hat zwar keine Haare, ihr Bandana ist jedoch zu einem Zopf geflochten. Ihr Brustpanzer hat die Form menschlicher Brüste. Ihre ganze Gestalt ist dem des Ideals einer Menschenfrau nachempfunden. Man hat es tatsächlich geschafft, eine Schildkrötenfigur zu sexualisieren.
Das ist bei Jennika nicht der Fall.
Sie dient nicht als Quotenfrau, nicht als jemand, der nur über ihre Weiblichkeit definiert ist. Keine Schlumpfine. Zumindest nicht ihrem Look nach. Und sie erscheint mir ziemlich vielversprechend und ich kann kaum erwarten, mehr von ihr zu sehen! Ob es da wohl wieder von Vorteil war, dass ihr Look von einer Frau miterdacht worden ist?

„Unter den Originalautoren wäre das NIE passiert!“

Kevin Eastman ist einer der Schöpfer der Teenage Mutant Ninja Turtles.
Kevin Eastman ist Co-Autor der aktuellen Reihe.
Gegenbeweisführung abgeschlossen.

Jennika ist der neue weibliche Turtle

„Eine weibliche Turtle interessiert keinen Bebop!“

Ein Geständnis vorab: Bebops Antwort steht noch aus, da er gerade mit Rocksteady Super Mario spielt und dabei nicht gestört werden will. Dennoch kann ich von sehr vielen Menschen berichten – mich eingeschlossen – die sich unwahrscheinlich über die neue Turtledame freuen! Nicht nur sind die Verkaufs- und Pre-Orderzahlen dieses Issues, sowie jenes Issues in dem Jennika zuerst menschlich aufgetreten ist (namentlich #51), sehr stolz, auch hat sie nachhaltig Eindruck hinterlassen. Hier ein paar Beispiele:

Zuletzt bleibt mir noch zu sagen, dass ich mich freue, dass wieder etwas Neues probiert wird und man sich durch Venus nicht bis ans Ende ein eigenes Grab bezüglich weiblicher Turtles gegraben hat. Ich bin wirklich zuversichtlich, dass Jennika eine gute Ergänzung sein wird und hoffe, dass sie uns in dieser Form noch lange erhalten bleibt.

Blue is the warmest Color Vergleich Buch zum Film

Blue is the Warmest Color – Vergleich Comic zur Verfilmung

Girl meets girl -- and discovers love and her own sexuality. Geschichten wie diese werden in Relation nicht oft auf großer Leinwand erzählt, umso schöner ist es, wenn es dann doch mal geschieht. Wie 2013 mit „Blue is the Warmest Color“, das auf dem 2010 erschienenen, gleichnamigen Comic von Julie Maroh basiert. Leider wird der Film meiner Meinung nach weder der Vorlage, noch dem Thema gerecht.

Der Comic

Die zu Beginn der Geschichte fünfzehnjährige Clementine führt ein nicht perfektes, aber normales Leben irgendwo in Frankreich. Es gerät aus emotionalen Fugen, als sie beim ersten Date mit einem älteren Jungen ein blauhaariges Mädchen sieht, das ihr seitdem nicht mehr aus dem Kopf geht. Es beherrscht ihre Gedanken- und Gefühlswelt derart, dass sie ihre eigene Identität zunehmend infrage stellt. Dort, wo die Beziehung zu ihrem nun neuen Freund bröckelt und schließlich noch vor dem ersten Sex gänzlich in die Brüche geht, erwächst ein zartes Pflänzchen der verzweifelten Liebe. Zu Emma, der jungen, blauhaarigen Frau, die sich vom flüchtigen Crush zu einer festen Liebschaft mausert. Eingebettet ist die liebevoll erzählte Beziehungsgeschichte in eine tragische Rahmenhandlung, in der die mittlerweile erwachsene Emma den Abschiedsbrief Clementines erhält und mithilfe derer Tagebücher tiefer ins Leben ihrer einstigen Freundin eintaucht.

Blue is the warmest Color - Panel aus dem Comic

Primär Clementine verfolgend, lernt man nach und nach Näheres über ihr Umfeld kennen. Die Freunde etwa, die sich beim ersten Verdacht auf ihre „andere“ Sexualität von ihr abwenden, das konservative Elternhaus, den homosexuellen Freund, der sie mit in eine Gay Bar nimmt und ihr somit erste Einblicke gewährt. Das soziale Umfeld legt ihr Steine in den Weg, doch es ist auch die gesellschaftliche Vorstellung von dem, wie man zu sein hat, die ihr die Selbstfindung nicht einfach machen.

Dieser Prozess entwickelt sich bei ihr nur langsam. Sie braucht Zeit, um sich selbst akzeptieren zu können. Emma findet dabei nicht immer die richtigen Worten oder Taten -- sie ist ein Mensch mit Fehlern, die sich stockend entwickelnde Beziehung auch dadurch realistisch und nachvollziehbar eingefangen. Die Autorin erschafft hier vielschichtige Figuren, die oft, aber nicht immer, gemeinsam durch Höhen und Tiefen gehen. Intensiv erzählt und von Bildern getragen, die die Emotionen nur zu gut transportieren können, hat man fast den Eindruck, echten Erinnerungen zu folgen. Kein Wunder, dass die mancher Journalist nicht glauben will, dass Julie Maron hiermit eben keine Autobiographie verfasst hat.

Zeitsprünge und Perspektivwechsel sind nicht immer klar voneinander getrennt, fließen stattdessen ineinander und imitieren sowohl den Gedankenfluss der lesenden Emma, als auch die inkonsequente Dokumentation Clementines in ihr Tagebuch. Der Fokus auf Details (wie etwa das prägnante Blau) bestimmen die Vergangenheit.

„Blau ist eine warme Farbe“ ist ein Comic, den zu lesen sich lohnt und der einen mit auf eine emotionale Berg- und Talfahrt nimmt. Intensiv, nachvollziehbar, wichtig.

Die Verfilmung

Nur weil ein Film auf einer Vorlage basiert, muss er sich nicht an ihr festsaugen. Er darf eigene Schlüsse ziehen, interpretieren, eigene Wege gehen. Die Verfilmung von Blau ist eine warme Farbe nutzt den vom Comic getretenen Pfad, schlittert jedoch vielmehr auf Hoverschuhen oberflächlich drüber und macht viele Schlenker nach links und rechts.

Die Grundidee bleibt freilich: Mädchen trifft Mädchen, eine Beziehung erblüht und man bestreitet Höhen und Tiefen. Auch einige Szenen wurden nahezu 1:1 übernommen; die Szenerie ist wiedererkennbar. Allerdings mangelt es an erzählerischer Tiefe. Wo ich beim Lesen mitfiebere, kann ich mit den Figuren des Films wenig anfangen. Es fehlt an Chemie, an Details der Beziehung, an Emotionalität. Dafür findet man Längen, die sich in überzogenen Alltagsszenen, nichtigen Dialogen und Sex äußern.

Oh, der Sex. Unter uns beiden Lesern dieses Artikels gesagt: Ich habe nichts gegen explizite Sexszenen. Geschlechtsteile, generell nackte Haut und eine gewisse Rohheit gehören dazu und sind mir im Film lieber als auf Hochglanz polierte Szenen. Aber Blau… wirkt, als ginge es nicht um die Figuren, sondern um das Sehen derer. Um Voyeurismus, um Pornographie. Das erscheint zu platt gerade wenn man bedenkt, dass auch die Comicautorin daran zweifelt, dass tatsächliche Lesben am Dreh beteiligt waren und die Szenen letztlich primär dem Heteromann dienlich sein sollen, die ihre hübsche Fantasie sehen wollen. Ich persönlich kann diesen Vorwurf nicht beurteilen und würde an dieser Stelle jene zu Wort kommen lassen, die das besser beurteilen können. Auf mich wirken diese Szenen allerdings gezwungen grafisch und ganz dem Male Gaze folgend.

In erster Linie empfinde ich den Film als langweilig, in zweiter Linie als unfertig in Bezug auf den Plot. Man hätte wesentlich mehr Substanz in die Beziehung zwischen Emma und Clementine -- deren Name für den Film übrigens geändert wurde, da der Band der Schauspielerin Adèle Exarchopoulos „Gerechtigkeit“ bedeutet und besser in den Plot gepasst habe -- bringen können. So jedoch bleibt die Liebesgeschichte beliebig. Zwar realistisch in ihrer Wankelmütigkeit und fern der Hollywood-Klischees, aber dennoch fern der vielschichtigen, sozial relevanten Klasse, die sie im Comic besitzt.

Fazit

Ich kann es kurz und knapp halten: Lest den Comic. Der ist super. Den Film könnt ihr getrost ignorieren.

Die Eckdaten:
[Comic] Originaltitel: Le bleu est une couleur chaude | Autorin: Julie Maroh | Illustratorin: Julie Maroh | Verlag: Glénat | Übersetzung (EN): Ivanca Hahnenberger
[Film] Originaltitel: La vie d’Adèle |Director: Abdelatif Kechiche | Darstellerinnen: Léa Seydoux, Adèle Exarchopoulos Adèle Exarchopoulos

Snotgirl Review

Why the Hype? | Snotgirl

„Hey! Listen! Hey hey! Listen Guddy! Kennst du schon Snotgirl? Das ist der heißeste Shit im Comicland! Ist von Image Comics! Listen! I mean: Read it! Read it now!“

So ging das vehemente Wispern durch meine Timelines der letzten Jahre und Monate. Nicht kontinuierlich, aber doch einem stetigen Rauschen gleich, das mich von der Großartigkeit dieses Stücks bebilderter Erzählkunst hatte überzeugen wollen. Und so griff ich kürzlich einknickend zu den zu einem Sammelband zusammengepressten, bunten Blättern. Von Bryan Lee O’Malley( Scott Pilgrim) geschrieben und von Leslie Hung illustriert, konnte das ja auch auch keine schlechte Entscheidung sein. Oder?

Aller Anfang ist leicht, so merkte ich und knabberte mich frohlockend durch die ersten Seiten. Vorgestellt wurde die Protagonistin Lottie „Snotgirl“ Person, die nach außen hin dem perfekt polierten Bild einer erfolgreichen Fashionbloggerin entspricht und mit ihren grünen Haaren einen interessanten Farbtupfer abgibt. Innerlich jedoch ist sie von Selbstzweifeln und Introvertiertheit geplagt, die sich bildhaft auch in ihren Allergien äußert: Dann, wenn sich grüner Schnodder seinen Weg durch ihre Nebenhöhlen bahnt und sich Tränen über ihre Wangen ergießen. Sympathisch, dieses Häuflein Elend, kann man sich doch mit all den Fehlerchen identifizieren.

Fröhlich blätterte ich so durch die Seiten und erfreute mich an den zahlreichen karikierenden Anspielungen auf das glorreiche Bloggerleben. Dialoge in den Weiten der Social Media rundeten das Bild gekonnt ab und boten eine kurzweilige Leserunde. Man hörte mich leise in meinem Bett kichern.

Den ersten Kniff – Snotgirl wird von einem sehr dubiosen Aushilfsarzt in einen Medikamentenversuch verstrickt, der ihren Allergien zu Leibe rücken soll – und den darauf folgenden mehr oder minder unfreiwilligen Mord an einer Bloggerkollegin feierte mein lesehungriges Herz. Es versprach, eine illustre Geschichte um Glamour, Schuld und zarte Mystik zu werden!
Kurzum: Snotgirl und ich – wir hätten so eine schöne Comic-Leserin-Beziehung führen können.

Snotgirl

Leider verliert sich der Comic sehr bald in einem unentwirrbaren Gestrüpp aus Gossip, langweiligen Plotsträngen und nicht beantworteter Fragen. Er gibt sich hin den unausgereiften Figuren und angefangenen Plotsträngen, die wie gute Anfänge von Ideen erscheinen, jedoch nicht weiter aufgegriffen werden. „Snotgirl“ verwirrt, aber leider nicht auf kluge, sondern planlose Weise. Plötzlich erscheint es wie ein geschmackloser Kuchen, auf den wahllos irgendwelche Süßigkeiten geworfen werden: Irgendwie sieht es fancy aus, will aber keinen richtigen Sinn ergeben.

Meine gerunzelte Stirn gleicht nun nach dem Lesen weiterer Bände einem zerknüllten Stück Papier. Was will uns der Comic sagen? Hat er vergessen, dass man Plotstränge weiterführen kann? Dass man Akzente setzen, anstatt den gleichen Brei bedienen könnte? Und so trampelt man von einem bereits bekannten Bloggerwitz zum nächsten und stolpert über interessante Ansätze, die jedoch haltlos irgendwo im Schatten vergangener Blogweihnacht verenden. Nicht einmal der grüne Schnodder wird zelebriert, sondern kläglich in ein Taschentuch geniest und vergessen.

„Snotgirl“ sieht frisch aus, ist es sogar in den ersten Issues, doch vermag es nicht, mich über die Strecke hinweg zu begeistern. Als hätte man auf halber Strecke die Lust und Inspiration verloren. Das ist schade, aber letztlich bleibt dieses Fazit:

Viel Hype um nichts.

Review Antar The Black Knight Comic

Comic mit arabischem Fokus: Antar: The Black Knight #1

Autorin: Nnedi Okorafor | Illustrationen: Eric Battle, Jason Scott Jones, Thomas Mauer | VerlagIDW Publishing | Band: 1 von 5

Die nigerianisch-amerikanische Schriftstellerin und Professorin Nnedi Okorafor schreibt nicht nur interessante und preisträchtige Romane, sondern zeichnet sich auch für manchen Comic verantwortlich. „Black Panther: Long Live the King“ etwa entsprang ihrer Schreibfeder genau wie der Kurzcomic „Blessing in Disguise„, der die Verschleppung von 200 nigerianischen Mädchen durch die terroristische Gruppe Boko Haram thematisiert. Nun hat sie sich den Legenden rund um den arabischen Dichter Antara Ibn Schaddad al-Absi oder kurz: „Antar“ angenommen.

Als Sohn des noblen Schaddad ibn Muawiya und einer Sklavin aus Äthiopien namens Zabida war es primär Antars Hautfarbe, die ihn von seinen Verwandten väterlicherseits trennte. Trotz dieser Abstammung war er nicht mehr als ein Sklave, ein Kameltreiber, dem man nichts zutraute und der es zu nichts bringen würde. Dachte man. Denn natürlich handelt es sich um eine über die Jahrhunderte immer weiter ausgeschmückte und fabelhafter gewordene Heldenreise vom Sklavenjungen zum geachteten Poeten und Krieger. Dies ist seine Geschichte.

Kreuz und quer durch die Zeit

Man startet mitten im Geschehen: Antar wird im zarten Alter von 12 von den Saif verprügelt, was seine Freundin machtlos mitansehen muss. Es entpuppt sich als die Jetzt-Zeit, aus der heraus er dem Leser tiefere Einblicke in seine Herkunft gewährleistet. Abrupt abgeblendet in einen Rückblick, lernt man dort seine Mutter als noch freie Frau 1,5 Jahre vor Antars Geburt kennen -- und ich für meinen Teil auch lieben. Sie bildet die interessanteste Figur des Comics: Mit Mut und Entschlossenheit gesegnet, behält sie auch dann noch ihren Stolz, als sie geschunden und versklavt wird und bei dem noblen Schaddad ibn Muawiya landet. Von diesem wird sie schwanger und gebiert Antar.

Hektisch und unzusammenhängend wirkende Passagen werden fortan aus Antars Leben erzählt; zu kurz, als dass man gedanklich wirklich Fuß fassen oder ihn näher kennenlernen könnte. Die Erzählweise ist diffus und gibt sich kaum Zeit zum Rasten. Das geht zu Lasten der Immersion und des Figurenverständnisses. Es hätte dem Comic gut getan, langsamer und dafür genauer zu erzählen. Vieles muss man sich herleiten, das meiste wird lediglich angedeutet. Aufgrund der wahllos wirkenden Szenen verliert man Antar schnell aus den Augen. Seine Mutter scheint die wahre Protagonistin zu sein, doch schwindet ihre Präsenz mit zunehmenden Alter Antars.

Nichtsdestotrotz ist die Geschichte interessant, die Faszination ergibt sich nicht aus den Figuren, sondern aus der ungewohnten Perspektive. Man hätte mehr draus machen können, doch will ich es auch nicht „schlecht“ nennen.

Im Vergleich zum Plot enttäuschender ist die optische Gestaltung. Wenig Mühe hat man sich mit der Vielfalt der Gesichter gegeben, viele erscheinen austauschbar und es wird einem schwierig gemacht, die verschiedenen Figuren voneinander zu unterscheiden. Der Zeichenstil ist rau, mag nicht so ganz passen zu der Colorierung. Obwohl der Zeichner kein Unbekannter ist -- Eric Battle zeichnete bereits sowohl für DC, als auch Marvel -- bleiben die Illustrationen hinter meinen Erwartungen zurück.

Fazit

Antar: The Black Knight stellt einen soliden, eher durchschnittlichen Start in die Miniserie dar. Nun, da die Einführung in Antars Hintergrund abgeschlossen sein dürfte und man sich auf dessen Werdegang konzentrieren kann, hoffe ich, dass die nächsten Bände stringenter und tiefgründiger sein werden.

Vielversprechend ist definitiv das Setting sowie der Ausgangsstoff, der viel Raum für brillante Erzählung bietet. Ich glaube durchaus, dass sich die Geschichte noch entfalten wird und Okorafor den ein oder anderen Kniff aus dem Ärmel zaubern kann.

Sonnenstein Cosplay

[NSFW] Sonnenstein Cosplay

Sonnenstein“ (engl.: Sunstone) ist ein Webcomic des Künstlers Stjepan Sejic, der seine Leser mit ins Reich des BDSMs mitnimmt und dabei die Liebesbeziehung zwischen Lisa und Allison in den Fokus rückt. Der Comic ist nicht nur einfühlsam erzählt, sondern sieht auch noch ziemlich gut aus. Wie kann man dem besser huldigen als mit einem Cosplay?

Sicherlich sind die Outfits und Make Ups von Lisa und Allison leichter nachzustellen als die aufwändig gestalteten Figuren anderer Fandoms. Doch geht es auch um die Darstellung und die in den Fotos wohnende Atmosphäre – und die ist verdammt gut getroffen.

Während die gebürtige Ukrainerin Lina UwU in die Rolle des Rotschopfs Lisa schlüpft, mimt die Deutsch-Polin Leontha Allison. Beide machen vor der Kamera Sarenka z Aparatems eine gute Figur und zeigen einmal mehr, dass BDSM durchaus auch ästhetisch und ohne viel Klischee dargestellt werden kann. Mehr Fotos aus der Sonnenstein-Cosplayshoot findet ihr hier.

Übrigens lohnt sich auch ein oder zwei oder mehr Blicke in den Comic selbst. Es beschreibt BDSM weitaus authentischer als bspw. ein Shades of Grey. Auf Deutsch ist er bei Panini Comics Deutschland erhältlich. 

Eine deutsche Leseprobe findet ihr hier.

Sonnenstein Cosplay

[Linktipp] Analyse der Gender-Repräsentation von über 34k Comichelden

vonIhre Ergebnisse sind nicht weltenverändernd, aber doch ziemlich interessant.

Untersucht hat sie Comichelden aus den Häusern Marvel und DC, die rund 70% des amerikanischen Marktes ausmachen und zusammen sowohl eine große Bandbreite bieten, als auch bis weit in die 30er Jahre hinein reichen. Aus ihren Federn stammen schließlich auch die bekanntesten Helden. Shendrucks Fokus liegt dabei auf den Unterschieden in der Darstellung zwischen männlichen und weiblichen Figuren. Da die ComicVine Database neben „Male“ und „Female“ lediglich eine „Other“-Sektion bietet, die jedoch nur Nichtmenschliches und daher Undefinierbares beinhaltet, hat sie sich dafür entschieden, auch nur diese beiden Geschlechter in ihre Analyse mit einzubeziehen.

Die Ergebnisse

Wenig überraschend ist, dass die Superfähigkeiten weiblicher Helden weniger auf physischer, denn auf psychischer Stärke beruhen. Währenddessen glänzen überproportional viele männliche Superhelden beispielsweise durch Muskelkraft. Mentale Fähigkeiten wie Empathie und Telepathie gehören in den Comics eher in weibliche Sphären. Die Fähigkeit, sein eigenes Haar zu kontrollieren, kommt bei Superheldinnen übrigens siebenmal so häufig vor wie bei ihren männlichen Kollegen.

Weiterhin Shendruck die Verteilung von männlichen und weiblichen Helden in den über 2,500 Teams untersucht. Wenig überraschend: Männer sind in den Teams wesentlich häufiger vertreten als Frauen, ganze 30% der Teams können gar keine Frau in ihren Reihen aufweisen, während etwa 12% der ganzen Teams mehr Frauen beinhalten als Männer. Von diesen 12% sind die meisten reine Frauenteams. Dort findet sich übrigens auch ein Phänomen, das mir auch bei von Frauen geführten Geekblogs aufgefallen ist: Die Weiblichkeit steht bereits groß im Namen verankert. Femizons, Lady Liberators, Female Furies, Holiday Girls, Doom Maidens und viele mehr … rund ein Drittel der Ladyteams besteht darauf, sich auch über ihre Weiblichkeit zu definieren. Das finde ich, genau wie bei den Blogs, schade.

Auch wenig überraschend ist es, dass weit mehr Superheldinnen als „Girls“ bezeichnet werden als Superhelden als „Boys“. Frauen werden gerne mit niedlichen, unschuldigen Namen bedacht, während die der Männer im Schnitt gefährlicher und härter wirken.

Die ganzen Zahlen und Grafiken lest ihr natürlich am besten auf der Seite selbst nach. Ich finde reine Statistiken immer sehr spannend, auch wenn sie alleine nicht alles aussagen können.

Zum Link geht es hier entlang!

Ein Schwank aus dem Leben einer Comicautorin

Die Kanadierin Blake Northcott bezeichnet sich selber als „Autorin, Twitterin und exzessive Vampirslayerin (insbesondere von Glitzervampiren)„. Unter anderem schrieb sie die Superheldentrilogie „Arena Mode Saga“ und ist an den Comics „AGENTS OF P.A.C.T.“ und „Fathom“ beteiligt.

Auf Imgur hat sie nun ein paar der häufigsten an sie gerichteten Fragen beantwortet und erzählt aus ihrem Nähkästchen als Comicautorin. Das, was sie aus ihrer objektiven Sicht erzählt, ist nicht nur recht interessant, sondern bestätigt natürlich auch das ein oder andere Klischee – und widerlegt das nächste. Auf eigenen Erlebnissen und Erfahrungen basierend, natürlich.

So sei sie bislang auf Conventions nicht von „Creeps“ belästigt worden und bekomme auch das gleiche Gehalt wie Kollegen mit ähnlicher Erfahrung. Im Mittel beschwert sie sich auch nicht über sexistische Kommentare, obwohl sie durchaus schon auf ein Hotelzimmer „eingeladen“ worden sei, um dort in Ruhe „über den Comic sprechen zu können“. Sie scheint eine selbstbestimmte Frau zu sein, die sich gerne sehr sexy gibt wie etwa hier auf ihrer Patreon-Präsenz, sich aber dennoch nicht allein darauf reduzieren lässt.

Sehr schön finde ich ihre Aussage bezüglich der Frage, die ihr am häufigsten gestellt wird:

Wie wichtig sind weibliche Figuren?

„Strong characters are important. Male, female, robot, alien from a different galaxy – if you can empathize with them, and if they feel three-dimensional, you’ll want to go on a journey with them.

Comic book readers have historically been men, so there are naturally more male protagonists. Now that’s changing, and more women are venturing into comic book stores … as this happens, more female protagonists are being put in the spotlight, which is awesome. But it’s possible to put TOO much emphasis on gender and not enough on stuff like … you know, storytelling.“

Solche Einblicke wie den ihren finde ich ziemlich spannend, so kurz sie auch sein mögen. Die vollen Antworten könnt ihr auf der Imgur-Seite nachlesen. Genauer gesagt: Hier. Habt ihr noch mehr Beispiele solcher Eindrücke oder Vorstellungen?

„BUT — and this is a big but — I don’t think the most remarkable thing about my lead characters are their boobies and vaginas.“