Bücher für Gamer*innen

7 lesenswerte Bücher für Gamer:innen

Viele tun es regelmäßig und mit ausdauernder Leidenschaft. Morgens, abends, nachts, ja manchmal sogar in öffentlichen Verkehrsmitteln! Die Rede ist, wie es der Titel fast vermuten lässt, natürlich vom Lesen. Das Genre ist dabei nicht festgelegt, kann der:die gemeine Gamer:in ganz nach Fasson doch sowohl nach Fantasy, als auch Romantikliteratur und mehr greifen. Hier möchte ich euch aber nun derer sechs Titel vorstellen, die Gaming und geschriebenes Wort wunderbar miteinander verbinden.

Wenn ihr weitere Beispiele habt – gerne her damit! Außerdem: Findet hier eine Liste der Romane, die als Vorlagen für Videospielen dienten. Passt ja ein wenig zusammen.

Fiktion

Constantin Gillies – „Extraleben“

Zwei Mittdreißiger nerden sich nicht nur gegenseitig zu, sondern finden eines schönen Tages auch noch eine versteckte, nach Verschwörungstheorie duftende Botschaft inmitten eines alten C64-Spiels. Es kommt, wie es kommen muss: Die beiden hüpfen vergnügt in einen Oldtimer und wagen auf der Suche nach weiteren Hinweisen eine heiße Schnitzeljagd quer durch die Weltgeschichte und insbesondere die USA.

Im Mittelpunkt steht dabei nicht der Roadtrip an sich, sondern die gedankliche Zeitreise in die Anfänge der Videospielzeit. Nostalgiegefühl dringt durch jede Pore der Seiten, wenn sich die beiden die Dialogklinke in die Hand geben und über die alten Gerätschaften fachsimpeln dass man am Ende fast meint, selber einen C64 auseinander nehmen zu können.

Mancheiner wird für diesen Nostalgietrip vielleicht zu jung sein – für jeden früher als 1990 Geborenen könnte der Griff zu diesem Buch aber ein warmes Glücksgefühl im Konsolendaumen hervorrufen.

Unterhaltung: ♦♦♦♦
Anspruch: ♣♣

Austin Grossman – „You“

Weniger fidel geht es in diesem knapp betitelten Buch zu. Protagonist Russel wuchs zu Zeiten der ersten Homecomputer auf. Damals, als Pong noch neu und jeder Mausklick aufregend war, zockte und nerdete er mit vier Freunden Tag für Tag derart enthusiastsich, dass er mit ihnen den ersten Grundstein für eine Videospielfirma legte: Black Arts. Doch diese Zeit jugendlicher Frohlockung war einmal. Nun steht Russel, mittlerweile um die 40, vor den Toren eben jener Firma um dort bei seinen ehemaligen Freunden anzuheuern. Jetzt ist zwar die Firma groß, ihr Spiel „Realms of Gold“ erfolgreich, doch die alten Freunde wirken fremd und auch innerhalb der Spielestätte ist nicht alles so glorreich, wie es scheint.

Durch viele Rückblenden gewürzt erfahren wir durch Russel das Auf und Ab seines Lebens, tauchen ein in eine Welt jungen Spieldesigns und Freundschaft. Der eigene Spieleavatar wirkt greifbar, ein Gefühl, das Russel kaum in Worte fassen und so mancher Gamer doch gut verstehen kann. Es ist eine Reise zur Erschaffung eines Mythos, in nachdenkliche Worte gekleidet, die doch auch die freudenstrahlende Passion immer wieder aufblitzen lassen.

Unterhaltung: ♦♦♦
Anspruch: ♣♣♣

Ernest Cline – „Ready Player One“

Wir schreiben das Jahr 2044. Wieder einmal hat es das Leben, wie wir es kennen, dahingerafft und Platz für primär eine neue Welt gegeben: Der virtuellen. Diese nennt sich wohlklingenderweise OASIS und wird von den Menschen sowohl für Freizeit, als auch Arbeit genutzt. Als dessen Erfinder stirbt, hinterlässt er nicht nur ein unfassbares Vermögen – sondern auch eine Art virtuelle Schnitzeljagd , deren Ziel sein Kontoguthaben ist. Doch wo fängt die wilde Jagd an? Wo sind all die Hinweise verborgen? Und wo verdammt ist denn nun dieses easterigste aller eggs?!

In einer für Dystopien sehr ungewöhnlichen, unterhaltsam-lockeren Art folgen wir dem Jungen Wade, der als einer der ersten eine heiße Spur aufnimmt und uns mit auf eine abenteuerliche Reise durch bunte Pixel, 80er Jahre Shizzle und erfreulich viel Nerdtum nimmt. Wer hier nicht alle paar Minuten über eine Referenz seufzt oder schmunzelt, ist wohl auch nicht mehr zu helfen.

Unterhaltung: ♦♦♦♦♦
Anspruch: ♣♣


Non-Fiktion

Jane McGonigal – „Besser als die Wirklichkeit!: Warum wir von Computerspielen profitieren und wie sie die Welt verändern“

Besser als die WIrklichkeit - Cover

Wie genau definiert sich das eigentlich: „Spiel“? Warum spielt sich ein Tetris auch nach unendlich vielen Versuchen noch so reizvoll? Und sind Videospiele wirklich so schlimm wie ihr Ruf?

In dieser äußerst interessanten Symbiose aus Psychologie und Videospielfakten wagt McGonigal einen positiven Blick in die Welt des Gamings. Auf wissenschaftlichen Erkenntnissen fundierend, erklärt sie nicht nur wortgewandt, was so viele Menschen an Konsolen und PCs fesselt, sondern auch, wie man die diversen Spielprinzipien auf das reale Leben übertragen und was man auch als Arbeitgeber von ihnen lernen könnte.

Ich selber hatte beim Lesen einige Aha-Momente und wurde trotz seiner wissenschaftlichen Basis wunderbar unterhalten.

Unterhaltung: ♦♦♦
Anspruch: ♣♣♣♣

David Sheff – „Nintendo, ‚Gameboy’“

Nintendo - Cover

Hinter diesem doch recht drögen Titel verbirgt sich die spannende und nicht immer gesetzlich einwandfreie Reise Nintendos von seinen ersten Anfängen als Spielkartenproduzent bis zum aktuellen Hype um – Gameboy und SNES. Denn, ja, das Buch stammt aus den frühen 90ern. In Internetzeitrechnung ist das Werk also bereits ausgestorben.

Das allerdings soll kein Hindernis sein. Ganz im Gegenteil ist sein Blick auf die Ursprünge aus heutiger Sicht frischer; eine Zeitreise auf bedruckten Seiten, die ihresgleichen sucht. Gerade für diejenigen, die gerne einen Blick hinter die Kulissen werfen, sei dieses Buch wärmstens empfohlen, setzt es den Fokus doch auf die Business-Seite des japanischen Unternehmens.

Ein besonderes Schmankerl bilden die letzten Kapitel. Diese beschäftigen sich mit Nintendos Zukunftsplänen. Wohlgemerkt aus Sicht der 90er. Aus heutiger Sicht ist dies dezent amüsant zu lesen, kam doch manches dezent anders als gedacht.

Unterhaltung: ♦♦
Anspruch: ♣♣♣♣

Jordan Mechner – „The Making of Prince of Persia: Journals 1985 – 1993

Prince of Persia - Cover

Wer schon immer gerne in fremden Tagebüchern herumgeschnüffelt hat wird an diesem Werk wohl seine helle Freude finden. Doch auch für Leser mit weniger zweifelhaften Hobbys wird diese Lektüre ein kleines Nerdfest sein. Bei diesem Titel befinden wir uns in den Tagebucheinträgen Jordan Mechners, besser bekannt als Mastermind hinter dem Klassiker Prince of Persia. Man schaut ihm bei seinen ersten Gehversuchen als Gamedesigner über die Schulter, trocknet seine imaginären Tränchen bei ersten Misserfolgen und wohnt letrztlich doch noch beim bekannten Erfolg bei.

Dabei tänzelt Mechner auf unterhaltsame Weise zwischen Informationen und kurzweiligen Anekdoten hin und her. Die Tagebuchform lockert das Lesen auf, bietet abwechslungsreiche Abschnitte. Vermutlich war man selten näher an der Entstehung eines Spiels dran wie bei diesem Making Of.

Unterhaltung: ♦♦♦♦
Anspruch: ♣♣♣

Matt Barton – Dungeons and Desktops: The History of Computer Role-Playing Games

Dungeons and Desktops - Cover

Für mich als alte Rollenspielhäsin sowohl im P&P, als auch im Videospielbereich ist solch eine Übersicht über die digitalen Rollenspiele natürlich eine kleine Schatztruhe. Barton führt auf satten 451 Seiten so ziemlich jedes halbwegs wichtige CRPG von Beginn an bis 2008 auf und lässt dem geneigten Leser dabei das ein oder andere „Hach“ entweichen. Dabei erhält man Informationen beispielsweise über die Wichtigkeit bestimmter Spiele für das Genre, wann welches Feature zuerst aufgetreten ist und wie sich einzelne Spiele im Markt behauptet haben.

Diese Historie der Computerrollenspiele ist nicht vollständig. Dennoch sind auch hier Geheimtipps zu finden und man erhält einen detaillierten Überblick, der seinesgleichen sucht. Der fällt recht trocken aus, Humor oder eine ausführliche Darstellung seiner eigenen Meinung sucht man vergebens. Einem Rollenspielnerd jedoch würde ich es definitiv empfehlen.

Unterhaltung: ♦♦
Anspruch: ♣♣

5 Fantasy Romantasy

5 romantische Fantasy-Romane, die auch das härteste Herz erweichen können

Romance: Das Genre, in dem sich die holde Maid schmachtend in die Arme des barbusigen Helden schmiegt und Schlachten und Schmachten die rosige Essenz bilden. Ob diese Romanze nun den ganzen Plot einnimmt oder nur einzelne Passagen ist unerheblich, denn was Liebe beinhaltet, kann nur einseitiges Autorenhandwerk bedeuten! Außerdem ist es Frauenkram und als solcher – Halt, stop, jetzt reden die Bücher!

Also, gut, eigentlich rede ich hier. Vielleicht werden die Bücher in einem zukünftigen Artikel für sich sprechen. Hier nun möchte ich euch derer 5 Romane phantastischer Autorinnen (Wie? Da ist auch ein männlicher Autor dabei?! Naja, der ist mitgemeint.) vorstellen, die definitiv lesenswert sind. Obwohl sie – Oh Schreck! – Liebesgeschichten beinhalten. (Zum Thema „Frauenkram ist generell kacke“ an anderer Stelle.)

Lynn Flewelling – „Die Schattengilde“

Als der junge Jäger Alec zwar ungerechtfertigt, dafür jedoch umso vehementer in den Kerker geworfen wird, wähnt er sein Schicksal schon besiegelt. Zum Glück für ihn wird nur wenig später ein Gaukler zu ihm in die Zelle geworfen, der sich als letzte Rettung entpuppt. Doch nicht nur das: Er ist weitaus mehr als nur ein Geck und selbst ihn nur Spion, Schurke oder Dieb zu nennen wäre der Beschreibung zu wenig. Dieser Mann vieler Gesichter nimmt Alec erst als Schützling, dann als Schüler und später auch als Liebhaber auf. Das ganze natürlich während sich um die beiden ein komplizierter politischer Sturm zusammenbraut, den es auch noch irgendwie abzuwehren gilt.

Die Romanze innerhalb dieser Reihe nimmt zwar zunächst nur einen kleinen Teil ein, dafür wird sie jedoch umso feinfühliger gewebt. Die Gefühle entwickeln sich langsam, authentisch. Obwohl für den größtenteils in den Wäldern aufgewachsenen Alec die Liebe zwischen zwei Männern Neuland ist, ist sie innerhalb der Gesellschaft doch als gleichwertige Beziehungs- und Erotikform akzeptiert. Das ist gerade zu der Zeit Ende der 90er, in der die Bücher geschrieben wurden, erfrischend.

William Goldman – „Die Brautprinzessin“

Ähnlich wie das nicht minder empfehlenswerte Erwachsenen-Märchen „Der Sternenwanderer“ von Neil Gaiman ist auch Goldmans Brautprinzessin den meisten eher durch die Verfilmung bekannt. Im Zentrum steht der Stalljunge Westley, der sich in die schöne Butterblume verliebt und auszieht, um ihr zu bestmöglichem Leben zu verhelfen. Zurück kommt er allerdings nicht, scheinbar dahingerafft von dem bitterlichen Piraten Roberts. Während Butterblume eines schnöden Tages anderweitig verheiratet werden soll, stürmt ein ominöser, schwarzgekleideter Scherge aufs Spielfeld – und der Kampf um die wahre Liebe kann beginnen.

Eingebettet in einen Plot, in dem ein Großvater seinem Enkel das eigentliche Märchen vorliest, zeigt sich Die Brautprinzessin unheimlich unterhaltsam. Mit Ironie gespickt, fühlt der Leser sowohl Herz, als auch Schmerz und fiebert richtiggehend mit. Es ist eine Geschichte voller überraschender Wendungen und einer Liebe, die so herrlich süß ist, dass man seine Wohnung spontan rosa streichen möchte. Und das im allerbesten Sinne. Selten habe ich so sehr über die „wahre Liebe“ fabuliert bekommen wie in dieser Geschichte, ohne davon Karies zu kriegen. Chapeau!

Colette Moody – „The Sublime and Spirited Voyage of Original Sin“

Wer des Englischen mächtig ist und zu einem aufregenden Piratenabenteuer mit nur latent historischem Einschlag greifen möchte, dem sei dieses Werk von Colette Moody ans Herz gelegt. Hier schreiben wir das Jahr 1702 und Piratentochter Gayle Malvern übernimmt nach einer Verletzung ihres Vaters dessen Schiff, die Original Sin. Um die Verwundeten des vorangegangenen Kampfes zu versorgen, klaut sie einer Stadt kurzerhand ihren Arzt. Ungünstg nur, dass sie nicht den Arzt, sondern stattdessen seine Frau, die Näherin Celia erwischt. Oder sagen wir besser: Zum Glück, denn zwischen Gayle und Celia entspinnt sich mehr als nur ein Kidnap-Verhältnis.

Nein, historisch korrekt geht es hierbei nicht zu. Das Piratensetting ist derart stark romantisiert, dass man sich der Mannschaft nur zu gerne selber anschließen möchte. Ein Abenteuer jagt das nächste, Säbelduelle sind fast an der Tagesordnung und über allem weht die frische, salzige Brise piratesker Unterhaltung. Ineinander finden Gayle und Celia nicht nur Liebe, sondern auch Hoffnung, ihre Romanze ist frisch, nur dezent tragisch und auf alle Fälle sehr unterhaltend. Hier werfen sich die Frauen nicht starken Männern an die Brust, sondern starken Frauen.

Maria V. Snyder – „Die Yelena-Reihe“

Yelena hat Glück im Unglück: Kurz vor ihrer Hinrichtung nimmt sie das Angebot an, Vorkosterin des Kommandanten von Ixia zu werden und gegebenenfalls für ihn zu sterben. Doch damit nicht genug: Sicherheitschef Valek will ganz sicher gehen und mischt ihr daher Schmetterlingsstaub in jedes Essen. Und der wird sie vergiften, wenn sie nicht täglich das Gegenmittel von ihm erhält. Eine Flucht scheint daher aussichtslos und das, wo sie bald fliehen muss – denn sie beginnt, Magie zu entwickeln. Und die ist, natürlich, verboten. Dass sie sich ausgerechnet in Valek verliebt, ist in dieser Liste an Romance-Büchern obligatorisch und Stoff für schön tragische Subplots.

„1.000 Ways To Die“ könnte der Alternativtitel lauten, da sich die Protagonistin stets ihrem baldigen Ende entgegen zu neigen scheint. Die Geschichte ist rund, spannend und birgt so manchen Wendepunkt. Eine gute Basis für die Liebesgeschichte, die sich im ersten Band beginnt, zu entfalten. Natürlich handelt es sich bei den beiden Turteltäubchen jeweils um verkappte Mary Sues. Das sollte man verzeihen können, sonst ist der Griff zu diesen Büchern nervenaufreibend. Valek ist ein Mary-Stu wie er im Buche steht: Herausragend gut aussehend, der vielleicht beste Kämpfer weit und breit und hach, was hat er doch für tolle Äuglein. Ihr merkt es schon: Yelena ist eher etwas für die männerliebende Leserschaft. Schmacht. Wenn man sich darauf einlassen kann ist es eine verdammt gute Wahl in Sachen Romantasy!

Lynn Raven – „Der Kuss des Kjer“

Heilerin Lijanas wird von Mordan, Kriegsherr der ebenso behaarten wie brutalen Kjer, entführt und denkt folgerichtig nur noch an die Flucht. Zumindest die ersten Tage und Wochen lang. Dann nämlich beginnt sie zu ahnen, dass unter dem harten Kern Mordans ein weicher, verletzlicher Kern steckt, der im scharfen Kontrast zu seinen Taten zu stehen scheint. Mehr und mehr fühlt sie sich zu ihm hingezogen und schafft es, tiefer zu blicken. Das klingt kitschig und erfüllt auf den ersten Blick gleich mehrere, altbackene und zum Teil problematische Tropes – was mich hadern ließ, diesen Roman hier aufzuführen. Dem Thema werde ich uU. noch einen eigenen Artikel widmen müssen. Aber die Beziehung klingt toxischer als sie tatsächlich ist.

Autorin Raven schafft es, sich geschickt zwischen aufkeimender Liebesbande, schnurrendem Bestien-Klischee und dem tatsächlich noch vorhandenem Plot entlangzuhangeln und einen in die Geschichte hineinzusaugen. Die Beziehung zwischen den beiden Protagonist*innen wird nachvollziehbar aufgebaut und präsentiert sich fern des Stockholm-Syndroms. Zudem ist der tatsächliche Romantikanteil angenehm dezent. Gewürzt wird die Romanze durch zwei rivalisierende Völker, ein kriegerischer Zwist und einen Antagonisten, dessen menschliche Abgründe zur Abwechslung einmal mehr das Individuum, denn die ganze Welt betreffen.

TW: Rape (eines Mannes)


Header: unsplash-logoSharon McCutcheon

Vom Roman zum Videospiel: Das Buch als Quelle

Das gemeine Videospiel hat seinen Weg längst in die Bibliotheken unserer Städte gefunden. Harmlos steht es nur wenige Regale entfernt von Klassikern wie Moby Dick und Das fliegende Klassenzimmer. Und das ist auch richtig so! Neben den Gesellschaftsspielen, die man sich dort zumeist auch ausleihen kann, machen sie schließlich auch eine gute Figur! Manch Story eines Videospiels könnte man ohne weiteres zwischen zwei oder gar mehr Buchdeckel pressen! Das erscheint gerade dann nicht wundersam, wenn man die Spiele bedenkt, die tatsächlich auf Romanen basieren.

Hier in diesem Artikel möchte ich euch die Buchvorlagen aus verschiedenen Bereichen vorstellen.

Basis: Franchise

Natürlich fallen einem dazu als erstes die riesigen Franchises ein. Herr der Ringe etwa, das mittlerweile nicht nur Verfilmungen, unfassbare Merchandisemengen und musikalische Interpretationen erfahren hat, sondern eben auch Videospiele. Die ersten Hobbit-Pixel flimmerten im Jahre 1986 als Text-Adventure für den Commodore C64 über die Bildschirme. Ob Abenteuer mit Legosteinen, MMORPGs oder Strategie: Mittelerde bot Schauplatz für viele verschiedene Spiele. Kein Wunder, wenn man den ausufernden Weltenbau Tolkiens betrachtet, dessen Kreativität und die Erschaffung einer solch reichen, phantastischen Welt, sicher noch einigen Videospielen mehr ein Heim geben könnte. Dass die erfolgreiche Verfilmungen Anstoß für etliche weitere Adaptionen bot, ist obligatorisch.

Ebenso populäre wie starke Pferde sind beispielsweise auch Harry Potter und Das Lied von Eis und Feuer. Hier sind die Videospieladaptionen Begleitprodukte der Filme bzw. Serie und basieren primär auf eben jenen. Glücklicherweise handelt es sich hierbei um keinen billigen Fanservice; die Spiele fangen die Atmosphären, Figuren und Plots gut ein und führen den Spieler tiefer in die Lore hinein.

Teilweise folgen auch die Dune-Videospiele eher dem Geist der Verfilmungen und nicht des Originals von Frank Herbert, was sich natürlich auch an der Optik festmachen lässt. Hier wird weniger etwas eigenes kreiert, als auf Altbewährtem aufgebaut. Gerade Dune II besticht darüber hinaus aber durch sein für damalige Zeiten innovatives Spielkonzept. Es ist eines der ersten Echtzeit-Strategiespiele und verknüpfte erstmalig diverse Faktoren wie Rohstoff-Management, Echtzeitkämpfe und einiges mehr zu einem einzigen Spielkonzept.

Auch Alice im Wunderland war und ist bereits Stoff etlicher Adaptionen in verschiedenen Medien und Kunstrichtungen. Der folgende Titel kreiert jedoch etwas eigenes. American McGee’s Alice entführt den Spieler in eine verstörend brutale Welt, die das Prinzip des Originals ungewöhnlich interpretiert. Hier sitzt Alice, traumatisiert durch den Feuertod ihrer Eltern, in einer Irrenanstalt und flüchtet sich ins Reich der Fantasie. Dort, im Wunderland, hat sie es nicht nur mit skurrilen, sondern hauptsächlich mit stark verfremdeten Figuren Lewis Carrolls zu tun. Obwohl ungleich grausamer, ist die Basis des Buches doch gut zu erkennen. Schließlich sind weder Alice im Wunderland, noch Alice hinter den Spiegeln rein für Kinder konzipiert und bergen so manch Geheimnis, das nicht wirklich jugendfrei ist.

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Aus östlicher Richtung

Wesentlich näher ans Original schmiegt sich die Witcher-Reihe, die ihren Anfang im Jahre 2007 nahm. Sie basiert auf den Kurzgeschichten und Romanen Andrzey Sapkowskis und bedient sich sowohl der düster-phantastischen Welt und dessen Magie, als auch der Figuren. Hierzulande waren die Romane vor den Spielen eher unbekannt, wurden sie doch erst 2008 ins Deutsche übersetzt. Sowohl Spiele, als auch Bücher zeichnen eine düstere Welt voller grausamer Figuren aus der polnischen Sagenwelt, kriegerischen Auseinandersetzungen und zwischenmenschlichem Zwist. Fantasy, die man sich nicht entgehen lassen sollte, wenn man es etwas rauher und dunkler mag.

„Dunkel“ ist ein gutes Stichwort für den nächsten Kandidaten. Mit Metro 2033 und dem Nachfolger Metro 2034 schrieb Dmitry Glukhovsky Romane über die Gesellschaft nach der atomaren Apokalypse, über der stets der Schatten eines drohenden Krieges schwebt. Deren Handlung wird in den Videospielen aufgenommen und nur an wenigen Stellen verändert oder akzentuiert. Passend zum Setting, in dem sich die Menschen in den Untergrund geflüchtet haben und nun vor atomar verseuchten Kreaturen zittern müssen, wurden die Spiele als Ego-Shooter realisiert.

Ebenfalls russischen Ursprungs ist das Setting von S.T.A.L.K.E.R.: Shadow of Chernobyl. Picknick am Wegesrand“ nennt sich der von Arkadi und Boris Strugazki geschrieben Science Fiction-Roman und beschreibt das Leben und die Konflikte von Menschen, die am Rande von Sperrgebieten wohnen, an deren Zäunen eigentlich „Aliens haften für Ihre Kinder“ stehen sollte. Dort nämlich kann man Hinterlassenschaften – Artefakte – von Außerirdischen finden, die dezent negative Auswirkungen auf den Menschen haben. Die Videospiele basieren nur lose auf dem Werk. Als Spieler kämpft man sich primär durch eine verseuchte Stadt.

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Horror in Pixeln

Düstere Fantasywelten, Dystopien, Atom-Apokalypse – kann ein Setting noch viel schlimmer werden? Oh ja, und ob! Würzen wir die Romanseiten einfach mit abgedrifteter Biochemie, fleischgewordenen Alpträumen und Tentakeln! Hurra!

Moment! Hat da jemand „Tentakel“ gesagt? Dann kann H.P.Lovecraft nicht weit sein. Tatsächlich sind seine Werke Vorbild für so manchen Künstler jeglicher Couleur. So auch für Spieleentwickler. Nicht nur die direkten Adaptionen wie „Cthulhu – Dark Corners of the Earth“, die ein im besten Sinne grauenhaftes Ambiente kreieren, sind da zu nennen, sondern auch die Kleinode, die keinen berühmten Namen im Titel tragen.

Darkness Within: In Pursuit of Loath Nolder etwa ließ sich im Jahre 2007 und mit einem recht altmodisch erscheinenden Gameplay mit sehr viel Text von den lovecraft’schen Erzählungen inspirieren und auch mit Bloodborne wurde tief in die Cthulhu-Mythos Kiste gelangt. Und das sind nur ein paar wenige Beispiele. Daran merkt man, wie reich und voll das Werk Lovecrafts war und noch immer ist.

Doch war er nicht der einzige, der zum Gruseln einlud. Harlan Ellison etwa entwarf mit der Kurzgeschichte „I have no mouth“eine düstere Zukunft, in der ein von Menschen selbst erschaffener Supercomputer die Macht an sich reisst und sich an den Qualen der neuen Dienerschar ergötzt. Ein Roman, der, ebenso wie seine Spieleadaption „I have no Mouth, and I must scream“, nicht unterhalten, sondern zum Nachdenken anregen will. Das Adventure beschwört die Atmosphäre des Romans gekonnt herauf.

In eine andere Richtung geht das Spiel „Parasite Eve“. In dem RPG spielt man eine Frau, die andere mit nur einer Berührung in Flammen aufgehen lassen kann. Ja, sie ist eine Mutantin, gehört jedoch nicht zu Professor Xaviers Schergen. Vielmehr haben sich ihre Mitochondrien, die sogenannten Kraftwerke der Zellen, weiter- und ein Eigenleben entwickelt – was alles andere als positive Folgen für die gesamte Menschheit haben könnte. Dieser Biochemie-Horror ist im Pixelformat als Action RPG weniger detailreich als die Buchvorlage gleichen Namens von Hideaki Sena. Nach Lektüre des Buches wird man vermutlich alles über Mitochondrien und abstruse biologische Versuche wissen als man wollte.

Fantasy Books

Phantastisch adaptiert

Denkt man an Fantasy und auch an den Witcher zurück, vermutet man hinter einer Computerspiel-Adaption wahrscheinlich ein Rollenspiel. Betrayal at Krondor ist solch ein Kandidat. Das Rollenspiel von 1993 basiert auf der Midkemia-Saga von Raymond Feist und spielt in einer vom Spaltkrieg zerrütteten Fantasywelt. Das Videospiel stellt dabei einen interessanten Sonderfall in der hier zusammengestellten Liste dar. Zwar hat Feist nicht selber an den Dialogen mitgearbeitet, doch zählt es offiziell zum Kanon der Welt und wurde fünf Jahre später auch in Romanform niedergeschrieben.

Ruft man „Fantasyroman!“ in den Wald hinein, schallt es erst „Herr der Ringe!“ zurück und nach einer kleinen Handvoll anderer Namen auch noch „DieShannara-Chroniken! Also wirklich nur das Buch, nicht die Serie!“. Weit vor der TV-Serie gab es aber auch noch das Computerspiel. Das Adventure beinhaltet die Welt und Figuren der Vorlage von Terry Brooks, hat jedoch eine eigene Story zu bieten. Obwohl es als Sequel zu „Das Schwert von Shannara“ fungiert, muss man es nicht gelesen haben, um der Story folgen zu können.

Doch nicht nur Adventures und Rollenspiele, nein, die Fantasy bahnt sich ihren Weg auch in die Liga der First Person Shooter. Gemeint ist das Rad der Zeit von Robert Jordan, bei dem man statt mit schweren Pumpguns mit Zaubern um sich schießt. Dabei ist das Spiel detailliert und bietet eine atmosphärische Umgebung. Wer also die Nase voll von Ego Shootern im Kriegssetting hat – und sich vor einer Grafik aus dem Jahre 2002 nicht fürchtet -, kann unter anderem zu diesem Titel greifen!

Zwischen Licht und Schatten

In der Adaption der Terry Pratchett’schen Scheibenwelt geht es originalgetreu zu. Erstmalig 1986 als Text-Adventure erschienen, folgte „The Colour of Magic“ sehr stark dem literarischen Vorbild. Auch „Discworld“, 1995 für die Playstation und den PC erschienen, fängt den für diese Romane so geliebten Humor in Form eines Adventures ein. Lose basiert es auf dem Roman „Wachen! Wachen!“, wobei der Protagonist ausgetauscht wurde und man nun den Zauberer Rincewind spielt. Zwei weitere Spiele folgten, die die Scheibenwelt in formschöne Pixel packte.

Humoristische Romane allgemein geben meiner Meinung nach besten Stoff für Adventures ab. Per Anhalter durch die Galaxis etwa wurde 1984 ebenfalls als solches konzipiert und folgt dem Buch zunächst sehr nah, ehe es sich weiter und weiter vom Original fortbewegt, ohne dabei an Qualität und treffender Ironie einzubüßen.

Fort von Humor und Licht hin zu Dystopie und Schattengewächsen. Das Spiel „Shadow Complex“ etwa spielt parallel des dystopischen Romans Empire“ von Orson Scott Card, in dem ein zweiter Amerikanischer Bürgerkrieg thematisiert wird. Auch ein kriegerisches Setting hat das Spiel Spec Ops: The Line. Es basiert auf dem Roman„Heart of Darkness“ von Joseph Conrad, das auf sehr lesenswerte Weise die traumatischen Erlebnissen eines Soldaten im Herzen Afrikas behandelt. Das Spiel versetzt die Handlung in die Wüste Dubais. Man spielt Captain Walker, Leiter eines Squads aus zwei Soldaten auf der Suche nach dem verloren gegangenen Kameraden Konrad. Man muss moralische Entscheidungen treffen und sieht die Konsequenzen. Wie das Buch spielt das Spiel mit menschlicher Fragilität.

Tiefgründig geht es auch in „Atlas wirft die Welt ab“ bzw. seit 2012: „Der Streik“ von Ayn Rand zu. Protagonistin Dagny Taggart, die in den USA der 50er Jahre das ominöse Verschwinden von Großindustriellen zu verhindern versucht. Der zurecht vielbeachtete Shooter „BioShock“ wurde von diesem Buch inspiriert, übernimmt viel von dessen Philosophie wie bspw. den Objektivismus, Aristoteles, Industrie vs. Kirche und Staat. Einige Namen wurden der Vorlage angelehnt. Auch Fallout ließ sich von dieser Autorin inspirieren. Referenzen finden sich zum Beispiel in Form von Postern: „Wer ist Atlas?

Zuletzt ein winziges Ratespiel. In welchem Spiel findet sich dieses Zitat „Nothing is an absolute reality, all is permitted“ aus dem Buch „Alamut“ von Vladimir Bartol wieder? Kleiner Tipp: Der Roman spielt im 11. Jahrhundert in der persischen Festung Alamut, die von einem Missionaren und dessen Assassinen geführt wird.

Und die Klassiker?

Bücher gibt es schon seit mehr als hundert Jahren. Ich weiß, das ist ein Schlag ins Gesicht. Neben beispielsweise der Bibel, die es unter Schirmherrschaft des christlichen Publishers Wisdom Tree selbstverständlich auch in die pixeligen Weiten unserer Wohnzimmer geschafft hat, sind es derer noch mehr Titel älterer Semester.

Als eines der größten Werke der Weltliteratur gilt „Die Göttliche Komödie“ des italienischen Dichters Dante Alighieri, die erst kurz vor dessen Tod 1321 vollendet wurde. Sie schildert eine Reise durch die drei Reiche des Jenseits, allerlei Seelen von Verstorbenen begegnend. Das Videospiel „Dante’s Inferno“ ist dabei natürlich weniger philosophisch, sondern weitaus actionbeladener. Man durchstreift „hackend und slayend“ die neun Zirkel der Hölle, sich durch allerlei garstiges Seelenzeug kämpfend. Ein großer Spaß! Und das meine ich ernst.

Zwei Jahrhunderte später und ein paar viele Länder weiter östlich wurde „Die Reise nach Westen“ verfasst. Der Klassiker chinesischer Literatur stammt von Wu Cheng’en und spielt in einer phantastischen Version des alten Chinas, die Reisen des steinernen Affen Sun Wukong. Etwas weniger gesellschaftskritisch als die Vorlage zeigt sich das Action-Adventure Enslaved: Odyssey To The West. Hier spielt man den Menschen Monkey, dem das affenartige Design immerhin geblieben ist. Es spielt in einer post-apokalyptischen Welt 150 Jahre in der Zukunft; Plot und Figuren sind nichtsdestotrotz stark an das Buch angelehnt.

Unsere Reise durch Zeit und Raum führt uns nun ins Schottland des 19. Jahrhunderts. Dort ersann Robert Louis Stevenson die berühmte Novelle „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“, die bis heute unzählige Kreative inspirieren konnte. Kein Wunder also, dass es auch Stoff für Videospiele bietet. In einem 1988 erschienen Spiel ist Dr. Jekyll auf dem Weg zu seiner Hochzeit, wird dabei jedoch stets von nervigen Passanten aufgehalten. Ist der Doktor erbost, verwandelt nicht nur er sich, sondern auch die Passanten: In Dämonen, die vernichtet gehören. Andere Adaptionen gehen dabei einen werkgetreueren Weg.


Hier endet meine Vorstellung von Büchern, die als Vorlage für Videospiele dienten. Sicherlich gibt es derer mehr, denn nicht nur gibt es mittlerweile unendlich viele Spiele, Autoren lassen sich auch gerne inspirieren. Inwieweit Spiel A auf Roman X basiert, lässt sich nicht immer nachvollziehen. Definitiv ist die Auswahl aber groß, jedes Genre abgedeckt. Man kann so viel mit und aus Büchern machen! Selbst Videospiele.

Buchempfehlung: Der Fluss dazwischen

Kenia zu Zeiten des Kolonialismus: Ein Fluss fließt durch ein Tal, das die beiden Höhenzüge Kameno und Makuyu voneinander trennt. Er steht sinnbildlich für die eintretende Trennung des Landes zwischen alten Traditionen und neuen, christlichen Tugenden. Waiyaki, ein Sohn Kamenos und traditioneller Werte, verliebt sich in ein Mädchen Makuyus, dessen Eltern zum Christentum übergetreten sind. So beginnt eine Geschichte, die mehr ist als Romeo und Julia, stattdessen tieferen Einblick in eine andere Zeit und eine andere Kultur gibt.

Erzählt wird aus mehreren Perspektiven, die oft fließend ineinander übergehen und einen Zeitraum von über einem Jahrzehnt beschreiben. In dieser Zeit wächst Waiyaku vom Jungen zu einem Mann heran. Von seinem Vater wird er zur christlichen Missionsschule geschickt, um sich dort das Wissen der Weißen zueigen zu machen. Ein Glücksgriff, denn dieses Wissen bildet später die Basis, auf der er eigene, unabhängige Schulen errichten kann, die allen Agĩkũyũ-Kindern offen steht. Denn so semi-friedlich die Koexistenz zwischen Kolonialisten und den einheimischen Agĩkũyũ auch über Jahre hinweg war – die kulturellen Differenzen ziehen im Laufe der Erzählung immer größere Kreise. Diese führen letztlich nicht nur zum Ausschluss der nicht-christlichen Kindern in den Missionarsschulen, sondern auch zu schier ausweglosen Konflikten zwischen den Parteien, die sich bis in die Interna ziehen.


Zwischen Altem und Neuem

Der Autor Ngũgĩ wa Thiong’o, 1938 in Kenia geboren, zeichnet hier eine kulturelle Grenze, die zwar auf mehr oder minder strikte Weise besteht, jedoch überschritten werden kann. In der Figur des Joshua findet sich ein Mann, der zwar beschnitten ist, jedoch nun militant das Christentum vertritt. Im Gegenteil dazu tritt ein ehemaliger Anhänger Joshuas als glühender Vertreter alter Agĩkũyũ-Traditionen auf. Inmitten dessen stehen vor allem Waiyaku, der sich primär um das gesammelte Wissen kümmert und die Tochter Joshuas Nyambura. Sie verliebt sich nicht nur in Waiyaku, sondern stellt auch die christlichen Werte in Frage, ohne sich gleich auf die „andere Seite“ zu stellen. Schließlich ist es ihre Schwester, die sich gegen den Vater stellt und ohne dessen Wissen eine Beschneidung vornehmen lässt.

„Vater und Mutter sind beschnitten. Sind sie keine Christen? Die Beschneidung hat sie nicht daran gehindert, Christen zu werden. Auch ich habe den Glauben der Weißen angenommen.Trotzdem weiß ich, dass es schön ist, eine richtige Frau zu werden und alle Bräuche unseres Stammes zu lernen.“

Aus „Der Fluss dazwischen“, Ngũgĩ wa Thiong’o, geäußert von der Figur Mithoni, Seite 34

Obwohl die christlichen Missionare tendenziell schlechter wegkommen und gerade in den Anfängen des Romans als militant und aggressiv beschrieben werden, kommen doch alle vorgestellten Seiten zum Zuge. Die einzelnen Figuren agieren und äußern sich wertend, der allgemeine Tenor der Erzählung ist jedoch betrachtend und zeigend.
Nicht unbedingt die Kolonialisierung steht im Mittelpunkt, sondern die Konflikte der einzelnen Menschen, die aus ihrer Situation heraus entstehen.

Beschneidungen

Nebst der Missionierung und dem Einfall der Weißen ist es die Praktik der Beschneidung, die mir als westlicher Leserin ins Auge fällt. Sowohl für Jungen, als auch Mädchen bildet sie in der Kultur der Agĩkũyũ ein Initiationsritus, der sie zu vollwertigen Männern bzw. Frauen werden lässt. Insbesondere der männliche Blick findet hier ein Sprachrohr; der Schmerz, der zugefügt wird und doch weit hinter dem Stolz und dem Zugehörigkeitsgefühl verblasst. Zwar stirbt im Zuge der Beschneidung ein Mädchen, doch wird dies nicht kritisch im Bezug auf die Praktik reflektiert, sondern in Bezug zur Religion des Mädchens – dem Christentum – gesetzt.

Als Leser*in ist man an dieser Stelle nicht eingeladen, zu werten. Zentrum bleibt die Betrachtung der Tradition: Die Wichtigkeit, die bestimmte Praktiken und Ansichten innerhalb einer Kultur haben, ist nicht abzustreiten und keinesfalls von heute auf morgen absetzbar. Nicht, ohne einen Ersatz zu bieten, nicht, ohne dem Zeit zu lassen.

Das, was man bei dieser Erzählung für sich mitnehmen kann, ist ein Blick in ein für westliche Augen fremdes Volk. Ein Plädoyer aber auch dafür, Neues anzunehmen – wie Waiyuki in seinen Bemühungen, Toiletten in seinen unabhängigen Schulen installieren zu lassen, was bei den Ältesten jedoch für Unmut sorgt – und keinen einzelnen Führern zu folgen, aus deren Mündern der Hass spricht.


Fazit

„Der Fluss dazwischen“ ist ein Roman, der auf wenigen Seiten vieles zu berichten weiß. Er öffnet keine Augen, aber vielleicht das Herz. Seine Darstellung zeigt Einblicke in die Vergangenheit einzelner Menschen Kenias, die sich zu lesen lohnt.

Autor: Ngũgĩ wa Thiong’o | Übersetzung: Anita Jörges | Verlag: Unionsverlag

Beeindruckende Bücher

Welches Buch hat euer Denken beeinflusst?

„Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns“, schrieb einst Franz Kafka. Kein Zitat könnte passender sein für diesen Artikel, der jene Bücher in den Fokus stellt, die mitten in Herz und Hirn gehen. Die es schaffen, zum Umdenken zu bewegen, bis ins Mark erschüttern oder faszinieren und derart besonders sind, dass man sie kaum vergessen kann. Vorhang auf.

Sowohl auf Twitter, als auch auf Facebook fragte ich euch, welches Buch genau das geschafft hat. Zusammen gekommen ist ein Fundus an außergewöhnlichen Büchern, die zu benennen definitiv nicht schaden kann – selbst dann, wenn es auf negative Weise zu beeindrucken wusste.

[Randbemerkung: Obwohl im Artikel viele Autorinnen vertreten sind, fehlen die Stimmen von POC’s fast gänzlich. Da muss ich bald eine spezielle Liste erarbeiten. Entsprechende Bücher gibt es schließlich genug.]

Augen öffnend

„Die 120 Tage von Sodom“

Wie „Die 120 Tage von Sodom“ von Marquis de Sade, das manch einen, wie Steffi, aufgrund der dort gezeigten menschlichen Abgründe abgestoßen hat.
Gerade für sie als Sozialarbeiterin wurde damit eine Grenze des Ertragbaren überschritten, hat ihr dabei allerdings auch gezeigt, wo ihre Grenzen genau liegen. „[Der ]Inhalt [ist ]an Widerwärtigkeit kaum zu übertreffen“, schreibt sie und kommt kurz darauf zum Fazit: „Ich bin froh, das Buch vollständig gelesen zu haben. Es ist zum Glück „nur“ eine völlig perverse Geschichte. Hat mich aber auf die Realität vorbereitet. Taucht das Thema irgendwie auf, ist die Akte für mich zu.

In eine zumindest ähnliche Kerbe schlägt für Stefan Mesch Ayn Rands „Der Streik“ , der in seinen Augen (und dem schließe ich mich persönlich an dieser Stelle sehr gerne an) ein absolut fragwürdiges Gesellschaftsbild zeichnet: „[Es ist] hanebüchen, absurd, zynisch und voller Denkfehler – aber ich bin echt einmal die Woche froh, dass ich das las. Weil ich seitdem merke, wie viele Leute um mich herum das Gesellschaftsbild „Wer stark ist, soll gefördert werden. Wer schwach ist, schwächt die Gemeinschaft: Wir müssen die Starken immer stärker machen, dann ziehen sie den Rest schon mit.“

Wer zufrieden in seiner eigenen Welt lebt, der weiß unter Umständen gar nicht, welche Abgründe sich in der Welt auftun. Das geschriebene Wort im Allgemeinen und Bücher im Besonderen können ein Fenster zur Welt sein, das einen zuweilen staunend, manchmal schmachtend, aber allzu oft eben auch fassungslos hinausschauen lässt. Dafür bin ich unendlich dankbar.

Das Buch als Lebenshilfe

"Buch der fünf Ringe" von Miyamoto Musashi

Zurück zu den positiven Seiten. Dorthin, wo es das geschriebene Wort schafft, das Leben zum Besseren zu wenden. Manche Bücher können helfen, über schwierige Phasen des Lebens hinwegzukommen. Beispielsweise über Trennungen, wie Kalle Paulsen erzählt.
Das „Buch der fünf Ringe“ von Miyamoto Musashi habe ihn dazu inspiriert, „etwas pragmatischer und stoischer an Probleme heranzugehen. Ich habe damals eine ganze Menge meiner (aus heutiger Sicht) unnützen Ideale über Bord geworfen und mich selbst freier und weniger emotionsgesteuert gemacht.“

Andere Bücher lehren, dass man auch um Hilfe bitten kann, wenn man sie braucht und kleine Geschenke annehmen darf, wie Aimée zu berichten weiß, wenn sie über „Art of Asking“ von Amanda Palmers spricht. Klassische Ratgeber sind dafür schließlich auch prädestiniert, Worte zu formen, die sich im Kopf verankern sollen – und es offensichtlich auch ab und an nachhaltig schaffen.

Aha!?

Doch auch Romane sind keine unbeschriebenen Blätter. Geschichten schaffen die Brücke zwischen Phantasie und Realität, spiegeln unsere Gesellschaft mal mehr, mal weniger wider. Gerade, aber nicht nur für Kinder kann das wegweisend sein und die eigenen Ansichten schärfen. Romane zeigen uns, was sein kann, was möglich wäre. Nicht umsonst sollte meiner Ansicht nach wesentlich mehr Diversität in der Literatur aller Altersklassen herrschen.

Wolfsaga“ von Käthe Recheis hatte mich als Kind unglaublich fasziniert. Die Fabel über ein scheinbar ohnmächtiges Wolfsrudel, das sich gegen die Übermacht eines totalitären Regimes stellt und für das gesunde Miteinander kämpft, zeigte mir, dass man nicht alles hinnehmen muss, was einem präsentiert wird. Man kann aufbegehren, Flagge zeigen.

Für Tim war ein Roman Mitgrund für seinen Einstieg in den Zivildienst mit geistig behinderten Menschen. Der „zeitlos geschriebene“ Roman „Flowers for Algernon“ von Daniel Keyes habe ihn „viel über die Menschlichkeit gelehrt.“ Ähnlich in eine berufliche Richtung geschubst fühlte sich Sal von Oscar Wildes „Das Bildnis des Dorian Gray“: Vom Philosophiekurs über das Studium bishin zur finalen(?) Berufswahl.

Zum Nachdenken anregen; ein Ziel, das sicherlich viele Autor*innen mit ihren Werken verfolgen. Ob es darum geht, darüber nachzudenken, „was [man] mit seinem einen Leben anfangen möchte ohne eine zweite Chance zu haben“, wie es Just Platinized ausdrückt und dabei „The First 15 Lifes of Harry August“ von Claire North bedenkt. Oder um die „Aufforderung, die Augen aufzumachen, was um einen herum passiert“, wie es Carola über die „Drachenlanze„-Romanreihe von Margaret Weis und Tracy Hickman ausdrückt.

Der hier hauseigene Marcus schwört wie selbstverständlich auf „Der Herr der Ringe“ von J.R.R.Tolkien. Es habe ihn viel über Freundschaft, die Zeiten, Orte und Ansichten überdauert gelehrt und ihm gezeigt, dass man tatsächlich etwas tun kann, wenn man nur fest genug daran glaubt.
Einen interessanten Gedankengang liefert auch Feuerlilie, die an dieser Stelle vom Roman „Das Kartengeheimnis“ von Jostein Gaarder spricht: „Das Buch habe ich in meinen jüngeren Teenagerjahren gelesen und die philosophischen Betrachtungen darin haben mich nachhaltig begleitet. Zum Beispiel die Idee, dass wir alle auf dieser Welt wahnsinnige Glückspilze sind. Warum? Man denke an die Pest im Mittelalter bei der 1/3 der Bevölkerung Europas gestorben sind – aber nicht unsere Vorfahren! Und so geht es weiter, sei es nun der 30-jährige Krieg, Hungersnöte oder zwei Weltkriege. Unsere Vorfahren waren immer unter den glücklichen Überlebenden. Was für eine unwahrscheinliche Kette von Glücksfällen, die schließlich zu unserer Geburt geführt hat.“

Worte bewegen, Worte laden zum Nachdenken und Fühlen ein, Worte sind magisch. Nicht selten beeindrucken sie nachhaltig über Jahre oder gar Jahrzehnte hinweg. Bücher können einen verändern.
Während ihr nun herzlich eingeladen seid, selbst darüber nachzudenken, welche Bücher euch auf’s Tiefste beeindruckt haben, lasse ich euch zu guter Letzt die beiden Bücher da, die mehrfach genannt worden sind. Mit Recht? Meiner Ansicht nach auf jeden Fall!


„Die unendliche Geschichte“ – Michael Ende

„Ich hab es mit 12 zum ersten Mal gelesen, danach noch weitere 5 Mal im Lauf meines Lebens. Ich habe immer neue Ebenen der Geschichte entdeckt und mit 12 mich zum ersten Mal wirklich und bewusst mit einem Buchcharakter identifizieren können. Bastian war mein Held. Und ich hab ihn intensiv beneidet um die Möglichkeit eine ganze Welt erschaffen zu dürfen mit dem letzten Staubkorn des alten Phantasiens und dem Auryn um seinen Hals.“
[Melanie Phantagrafie]

„Ich war damals 6 und das Buch brach die vierte Wand für mich offensichtlich nicht nur von Buch zu Bastian sondern auch von Bastian zu mir und das hat mein Verständnis von Fantasie gänzlich geändert.“
OddNina

„Als Mobbingopfer habe ich Bastian gefeiert!“
Katsu


Pippi Langstrumpf – Astrid Lindgren

Pippi Langstrumpf

“ Spontan würde ich sagen, dass die Bücher von Astrid Lindgren mir als Kind ein offenes Weltbild vermittelt haben. Zwar zeigt sie immer wieder soziale Unterschiede auf, aber es gibt niemals Grenzen der Menschlichkeit.“
BlackGentleman

“ Weil sie wie ich nur ein Elternteil hatte, wie ich oft allein zu Hause war, wie ich aus allem etwas anderes machte und wie ich nicht wirklich Mädchen sondern eher Burschikos/Neutrum war.“
Katsu


Headerbild by: unsplash-logoThought Catalog

Warum Vielfalt in Kinderbüchern wichtig ist + Empfehlungen nicht normativer Bücher

Man kann Menschen nicht früh genug vermitteln, dass Vielfalt existiert und es okay ist, „anders“ zu sein. Nicht nur bieten Bücher dabei einen Blick in andere Welt, sondern auch Raum für Identifikation. Leider wird diese durch (uU. diskriminierende) Stereotype oft unmöglich gemacht und Minderheiten erfahren eine Darstellung, die das in der Gesellschaft herrschende Ungleichgewicht schmerzlich spiegelt.

Die ersten Jahre prägen und je häufiger man etwas sieht, desto normaler erscheint es einem. Kinder imitieren das, was die Eltern einem vorleben – und sie lernen auch aus Kinderbüchern. Die erweitern ihre Welt und lassen sie eintauchen in eine für sie existierende Realität, in der auch Elefanten Feuerwehrmänner werden können. Mit der Diversität in Kinderbüchern ist es allerdings nicht weit her. Heteronormative, weiße Familien, in denen die Mütter Hausfrauen und die Väter Geschäftsmänner oder Polizisten sind, beherrschen das Bild. Besagte Elefanten-Feuerwehrmänner sind häufiger anzutreffen als Menschen, die nicht weiß, nicht be-hindert, nicht cis sind.

Die Masse bestimmt das, was man kauft, man müsste bewusst suchen, um Bücher zu finden, deren Figuren nicht „der Norm“ entsprechen. Wenn man dann etwas gefunden hat, bewegt es sich meist im gezielt pädagogischen Bereich. Dort soll Kindern bewusst gezeigt werden, dass es auch anders geht, dass Rassismus und Vorurteile nicht erstrebenswert sind und dass es Grenzen gibt, die aber übertreten werden dürfen. Solche problemorientierten Plots sind durchaus gut, gerade dann, wenn solch ein Problem akut in einem Kind oder einer Gruppe auftritt. Das kann und darf aber nicht alles sein.Vielfalt sollte nicht als unnormal wahrgenommen und das Finden der eigenen Identität nicht als Grenzüberschreitung dargestellt werden. Ist es erstrebenswert, eine Realität abzubilden, die nur eine stark vereinfachte sogenannte Norm kennt?

Erfährt man bestimmte Aspekte – Beziehungsformen, Ethnien, Religionen, Be-hinderungen uvm.- nur durch Stereotype, wie soll sich eine differenzierte Sichtweise entfalten? Kinder übernehmen von der Umwelt, den Bezugspersonen und nicht zuletzt den Medien; Filmen, Büchern, Werbung.

Diversität sollte nicht stets als alleiniges definierendes und dadurch nicht selten herabwürdigendes Merkmal stehen. Menschen haben wesentlich mehr Facetten, man wird nicht durch ein einziges, als unnormal geltendes Merkmal bestimmt, das noch dazu stark heruntergebrochen wird. Außerdem ist es für eben jene poc, nicht gendertypischen, be-hinderten (…) Kinder schön und empowernd, „sich selbst“ in den Büchern sehen zu können. Zu sehen, was man sein und werden könnte. Selbst dann, wenn man kein weißer Junge ist.

Was also tun?

Ein Blick ins eigene Bücherregal schadet nicht: Hatte man nur normative Bücher gekauft oder hat man Raum für Bücher, die über den eigenen Horizont blicken lassen? Kann man versuchen, dem Kind Mehrwert zu bieten?

Hier findet ihr eine Auswahl an Kinderbüchern, die entweder vielfältige Figuren beinhalten oder sich thematisch gänzlich um diverse Themen drehen. Wenn ihr weitere solcher Bücher kennt, verlinkt sie ruhig in den Kommentaren! Die hier aufgelisteten Bücher sind für Kinder ab 2 bis ca. 8 Jahren, wobei ich die nur grob in zwei Altersklassen unterteilt habe. Letztlich kommt es sicher auch auf das jeweilige Kind ab, ab wann dieses oder jenes Buch genau geeignet ist.

Dies hier ist ersteinmal nur ein Rundumschlag. Auf einzelne Themen werde ich in gesonderten Beiträgen noch eingehen.

Ab 2 Jahren

Ich mag ... schaukeln, malen, Fußball, Krach (Die Großen Kleinen)

Ich mag … schaukeln, malen, Fußball, Krach (Die Großen Kleinen)

Jede Doppelseite (das Buch ist 98-Seiten stark) stellt ein anderes Kind vor, das irgendetwas besonders mag. Fernab von Geschlechterklischees, denn es werden auch Mädchen mit „männlichen“ Hobbies und Jungs mit „weiblichen“ vorgestellt. Auch sehen die Kinder alle anders aus: Von dick bis dünn, hell- bis dunkelhäutig ist alles dabei. Ein schönes Bilderbuch, das zeigt, wie verschieden man sein kann, ohne dass dabei der Zeigefinger erhoben wird.

Verlag: Carlsen | Autorin: Constanze von Kitzing | Illustrationen: Constanze von Kitzing | Bestellen

Zusammen aus dem Gerstenberg Verlag

Zusammen!

Auch hier steht Vielfalt auf dem Programm. In witzigen Reimen wird erklärt, dass man gemeinsam und trotz aller Unterschiede alles schaffen kann. Egal, ob der andere im Rollstuhl sitzt, ein Mädchen ist oder, Göttin bewahre, eine Brille trägt.

Verlag: Gerstenberg Verlag | Autorin: Daniela Kulot | Illustrationen: Daniela Kulot | Bestellen

Nelly und die Berlinchen – Rettung auf dem Spielplatz

Nelly und die Berlinchen – Rettung auf dem Spielplatz

Drei Mädchen erleben Abenteuer auf dem Spielplatz. Dass sie nebenbei afrodeutsch, muslimisch oder die Tochter einer alleinerziehenden Mutter sind, ist dabei nebensächlich. Im Fokus steht ihre Freundschaft, die Entführung eines Teddybären und Berlin.

Verlag: HaWandel Verlag | Autorin: Karin Beese | Illustrationen: Mathilde Rousseau | Bestellen

Weitere Tipps für dieses Alter:


Ab 4 Jahren

[Manche auch erst ab 5 oder 6 – da ich selbst keine Kinder habe, überlasse ich die genaue Beurteilung den Eltern.]

Lukas ist wie Lukas Kinderbuch

Lukas ist wie Lukas

Die Brüder Tord und Lukas sind beste Freunde. Tord bewundert an seinem größeren Bruder dessen Lebensfreude und es fällt ihm nicht auf, dass Lukas das Down-Syndrom hat, bis dieser von den anderen Kindern plötzlich vom Fußballspiel ausgeschlossen wird, weil er „anders“ ist. Das Buch geht einfühlsam mit seinen Protagonisten um und verknüpft die Themen Behinderung, Freundschaft und Toleranz sehr gut miteinander.

Verlag: Ravensburger Buchverlag | Autorin: Dagmar H. Mueller | Illustrationen: Susanne Szesny | Bestellen

Paul und die Puppen

Paul spielt eigentlich Fußball – bis er sich mit seinen Puppen zu den Mädchen gesellt und sie sich mit Ballkleidern verkleiden. Auch wenn sich die anderen Jungs zuerst darüber lustig machen, stoßen sie am Ende aber doch dazu und die geschlechtlichen Normen werden endlich aufgelöst. Ebenfalls schön ist, dass Kinder unterschiedlicher Ethnien auftauchen.

Verlag: Beltz & Gelberg | Autorin und Illustrationen: Pija Lindenbaum | Bestellen

Prinzessin Pompeline traut sich

Die schöne Prinzessin Pompeline soll sich endlich trauen und ihren Prinzen auswählen! Eigensinnig wie sie ist, schert sie sich jedoch wenig um die Avancen der schicken Verehrer. Außerdem hat sie doch ohnehin schon ein Auge auf jemand ganz anderen geworfen: Prinzessin Hedwig. Dem Widerspruch ihrer Eltern zum Trotz, stehen die Prinzessinnen zu ihrer Liebe und schaffen es am Ende sogar, Eltern zu werden, was im Nachwort erläutert wird.

Verlag: Carl-Auer Kids | Autorin: Christel Rech-Simon | Bestellen

Zwei Papas für Tango

Die Pinguine Silo und Roy kümmern sich nicht um all die hübschen Pinguindamen und bauen sich gemeinsam ein Netz. Was für die Tierpfleger unvorstellbar ist, ist für die beiden das Natürlichste auf der Welt! Und so wird Tango auch das erste Pinguinjunge, das von zwei Vätern aufgezogen wird. Die Geschichte rund um die Regenbogenfamilie ist sehr schön erzählt und illustriert und fokussiert sich auf Silo und Roy als Paar.

Verlag: Thienemann  Verlag | Autorin: Edith Schreiber-Wicke  | Illustrationen: Carola Holland | Bestellen

Am Tag, als Saida zu uns kam

Am Tag, als Saída zu uns kam

Saída kommt eines Tages ohne Koffer und scheinbar ohne Worte an. Im Laufe der Zeit freundet sie sich mit einem einheimischen Mädchen an und gemeinsam überwinden sie nach und nach die sprachliche Barriere. Poetisch ist das Buch definitiv und wohl eher für Kinder ab 6 Jahren geeignet. Es geht darum, gemeinsam Hürden zu nehmen und an Erfahrungen mit der jeweils anderen Kultur, sowie dem Austausch zu wachsen.

Verlag: Peter Hammer Verlag | Autorin und Illustrationen:  Susana Gómez Redondo | Bestellen

Weitere Tipps für diese Altersklassen:

Photo by Andrew Ebrahim on Unsplash