The Rise of Skywalker

Warum ich Star Wars: The Rise of Skywalker leider schlecht finde

Es bedarf nur eines Tons, um Tränen in die Augen eines Star Wars-Fans schießen zu lassen. Und auch ich saß bei diesem ersten Ton voller Rührung im Kinosessel. Denn Star Wars bedeutet Emotionen, Nostalgie, Erinnerungen. Mit Emotionen spielt man nicht; Disney macht es trotzdem. Und da ist es kein Wunder, dass auch The Rise of Skywalker polarisiert: Man liebt oder man hasst ihn.

Daher vorab ein Einwurf, weil sich die sozialen Netzwerke nicht aufgrund des Films, sondern aufgrund von Meinungen darüber überschlagen. Dabei ist an sich keine Meinung invalide. Wenn euch der Film „abholen“ kann ist das wunderbar, stellt euch aber nicht über jene, die ihn furchtbar finden. Und, natürlich, gilt das umgekehrt genau so. Ich finde es absurd, wie sich beide Lager gegenseitig abschlachten. Sprecht doch lieber über den Film. Und ich gönne es wirklich allen von Herzen, die Rise of Skywalker gut finden! Randbemerkung Ende und an dieser Stelle sei noch ein Artikel mit dem schönen Titel „Warum mich deine Kritik an der Kritik [an Star Wars: The Last Jedi] stört“ empfohlen.

Ich persönlich bin absolut enttäuscht vom Aufstieg Skwalkers. Mehrfach saß ich fassungslos im Kino, wusste nicht, ob ich lachen, weinen, oder mein Popcorn gegen die Leinwand werfen sollte. Ich finde den Film handwerklich einfach schlecht. Ein paar Szenen konnten mich überzeugen, ich bekam Gänsehaut. Doch diese Momente sind rar gesät.

Hier möchte ich nun ein paar Punkte für und gegen den Film aussprechen. Scheut euch nicht, eure eigene Meinung in den Kommentaren kundzutun!

OBACHT: SPOILER!

THE GOOD

Beziehungen

Generell bin ich keine große Shipperin. Ob A nun ,mit B, C oder gar niemandem zusammen kommt, ist mir recht egal. Daher bin ich an dieser Stelle auch nicht enttäuscht worden, zumal sich im Aufstieg Skywalkers auch generell wenig romantische Liebe verbirgt. Dass sich Rey und Ben letzten Endes kurz küssen, drückt für mich eher Erleichterung und Dankbarkeit aus. Da war der lesbische Kuss schon inhaltsschwerer. Leider was beide Seiten der Medaille angeht: Zum einen ist es schön, dass LGBT einfach als Teil der Welt eingepflegt wurde. Zum anderen wurde sich schlichtweg nicht viel getraut, der Kuss kann und wurde schnell wegretouchiert. Mutig wäre es gewesen, wenn es an prominenter Stelle oder von einer Hauptfigur ausgehend geschehen wäre.

Ich selbst habe zwischen Poe und Finn allerdings auch nie „die Funken sprühen sehen“ wie viele andere aus meiner Bubble, weswegen ein Kuss zwischen den beiden auf mich konstruiert gewirkt hätte. Für mich sind die beiden ein Paradebeispiel für eine liebevolle Freundschaft – und die ist in dieser Form zwischen Männern in der toxischen Männlichkeit unserer Zeit Mangelware. Umso froher bin ich, dass sie hier existieren darf. Auch sehr lobenswert: Es gibt Freundschaften zwischen Männern und Frauen, die nicht auf Liebe hinauslaufen. Einer der schönsten Momente war für mich somit die sehr körperliche Umarmung zwischen Rey, Finn und Poe am Ende.

End-lich mal kein Liebes- sondern Freundschaftstrio.

Star Wars: The Rise of Skywalker Rey und Kylo Darth Vader Helmet

„I am Rey … Skywalker.“

Ja, dass Rey nun doch – irgendwie – eine Skywalker ist, finden viele furchtbar. Ich nicht. Star Wars generell spielt gerne mit dem Gedanken „Ich bin vom Geschlecht der XY also bin ich so und so“, was ich unglaublich ermüdend finde. Hier jedoch wählt Rey ihre Familie und sie wird auch mit offenen Armen adoptiert. Und das ist ein, finde ich, großartiges Zeichen. Wir sind mehr als nur Blut und Genetik.

The Ugly

„Ach, übrigens…“

Der Aufbau ist der eines Videospiels. „Finde Objekt A, um Map 1 freizuschalten. Haste? Joot, dann finde jetzt Clue B heraus, um zu Map 2 zu gelangen, hurra!“ Und das ist nicht nur schlechtes Storytelling, sondern auch noch chaotisch und faul ausgeführt. Man hat versucht, unendlich viele Details und Fakten einzufügen, dass es einfach den Rahmen sprengt und keinen Raum für Erzählen, Aufatmen und Gefühle lässt. Fakten, statt Interpretationen. Es wird viel erklärt, aber Bildersprache findet kaum statt.

Dieses „Ach, übrigens… zieht sich durch ganz The Rise of Skywalker. „Ach, übrigens… ihr brauxcht eine kleine Pyramide, um dorthin zu gelangen. Ja, wussten wir vorher auch nicht, aber jetzt ist es nunmal so!“ „Ach, übrigens… Palpatine ist da und er hat eine Armee und so. Ja, ist jetzt so.“ „Ach, übrigens… Rey und Kylo können jetzt super heilen. Ja ich weiß, wurde vorher nie gezeigt und haben sie auch nicht gelernt, aber.. naja. Ist jetzt so.“ „Ach, übrigens… hihi, C3-PO’s Gedächtnis kann doch wiederhergestellt qwerden, weil…. uns das halt besser in den Kram passt.“ „Ach, übrigens… (…)

Überhaupt, die Figurentode …. wow. Einfach nur wow. Das billige Mittel des „HaHA ihr denkt er wäre tot! Aber nein, wir zaubern ihn wieder zurück aus dem Hut! Wie das logisch funktioniert, wissen wir nicht, ist uns aber auch egal.“

Völliges Chaos und Ahnungslosigkeit auf so vielen Ebenen. Man merkt, dass man sich hier gegenseitig sabotiert hat und nun irgendwie lose Enden miteinander verknüpft, sich dabei vermutlich wahllos Fantheorien ausgesucht hat und jetzt hofft, dass Frankensteins Monster überleben wird.

Star Wars Rise of Skywalker Sith Rey

Figuren

Wow. Ich bin noch immer dezent wütend denn gerade die Figuren haben mich maßlos enttäuscht. Es findet, abgesehen von Kylo und eventuell Rey, einfach keinerlei Charakterentwicklung statt, die Figuren verharren auf dem Status Quo – oder werden gleich ganz unsichtbar gemacht. Man beugte sich rassistischer Kritiken, die leider weit über die bloße Kritik an der Figur hinausging. Findet eine Figur scheiße – aber ein rassistischer Shitstorm gegen den Schauspieler oder die Schauspielerin sind absolut verachtenswert.

Und so verschwand Rose fast gänzlich und Finn wurde zu einem Sidekick degradiert, der nur ab und zu durch das Bild stolpern durfte. Finn, einstiger Neben- Protagonist aus The Force Awakens ist uninterssant geworden, dabei hatte er eine Rolle gespielt. Weshalb Figuren müsam aufbauen, wenn man sie danach ohnehin wegschmeisst?

Und Kylo? Dessen Wandlung finde ich nicht nachvollziehbar. Lieblos inszeniert, nur damit er am Ende stirbt und nie wieder auftaucht. Sein Tod? Unerheblich.

Ach, ich könnte noch viele weitere Punkte aufzählen, fest steht: Ich finde, dass die Figuren in diesem Film wie Dreck behandelt worden sind.

Fanservice

Fanservice in aller Ehren. Aber es war für mich zu viel und zu stark auf genau das getrimmt. Es wirkte nicht liebevoll und achtend, sondern dahingeklatscht. Selbst der großartige Soundtrack verkam aufgrund der Häufig- und Wahllosigkeit zum Aufzugsgedudel.

Fazit

Ich kann, wie eingangs erwähnt, andere Meinungen durchaus akzeptieren und kann viele Punkte zwar verstehen, für mich persönlich(!) jedoch nicht nachvollziehen. Ich finde The Rise of Skywalker leider schlecht. Star Wars hat er für mich trotzdem nicht kaputt gemacht. 😉

Sehr gerne dürft ihr eure Meinung zu dem Film(!) loswerden. An meinen Emotionen und Kritiken zum Film gibt es allerdings leider wenig zu diskutueren.

Top5 Phoenixe in Film und TV

Die 5 besten Phoenixe aus Film und TV

Ihr kennt das: Ihr seid wiedermal zu Asche zerfallen und raucht ein wenig vor euch hin. Ihr findet alles um euch herum kacke und euch sowieso. Kunststück, als Staubhaufen hat man eigentlich immer einen Bad-Hair-Day. Doch bevor ihr vom übereifrigen Janitor weggefegt werdet, erinnert ihr euch: Ha! Ich kann als Phoenix ja wieder auferstehen! Und so schnipst ihr einmal mit den imaginären Fingern und verwandelt euch zurück in einen Phoenix!* Und weil es so schön ist, lasse ich mal ein paar Filme und Serien Revue passieren und lasse meine Favoriten hier in diesem Blogbeitrag wiederauferstehen!

*Kennt ihr nicht? Oh, sorry. Ich kenne es aber. Sorry. Der Blogname kommt ja nicht von ungefähr!

Phoenix – Supernatural

 Phoenix in Supernatural killed by Dean

Meine Liebe zu Supernatural und Dean ist ungebrochen – natürlich muss ich hier einen von Deans Siegen zelebrieren. In diesem Fall über einen Phoenix. „Aber Guddy, wenn der Phoenix doch derart fatal versagt, wie kommt er dann auf diese heilige Liste hier?!?“

Gut dass du fragst, namenlose Blogleseperson, derer habe ich zwei Antworten:

1: Er ist eine ganz andere Art von Phoenix, was ihn beziehungsweise seine Art so besonders macht. Garstige Monster, die es armen Lebenden schwierig macht und sie einfach so per Handschlag zu Staub zerfallen lassen können. Das ist schon ziemich badass. Darf somit auf die Liste.

2: Dean ist im Gif. ‚Nuff said.

Phoenixhaftigkeit: 4 von 10 rauchenden Colts

Harry Potter Phoenix Fawkes

Fawkes – Harry Potter

Herzlich willkommen zum offensichtlichsten Phoenix auf dieser Liste! Fawkes‘ erster Auftritt ist derart klassisch, dass dem ungeahnten Harry das Gesicht entgleist und in der frischen Asche versinkt. Als wiederauferstehendes Küken schließlich ist er so possierlich, dass ich fast im Tierheim angerufen hätte um zu fragen, ob dort zufällig einer auf mich wartet. Spoiler: Leider nein.

So oder so: Wer sich nach Phoenixen umschaut, wird an ihm nicht vorbeikommen und das mit Recht, ist er doch ein ganz bezauberndes Wesen seiner Art und sehr hübsch anzusehen.

Phoenixhaftigkeit: 10 von 10 rauchenden Aschehäufchen

Needle: Conan the Adventurer

Ich habe definitiv eine Schwäche für tierische Sidekicks und Needle bildet da keine Ausnahme. Der kleine Phoenix, der sich meist dekorativ auf Conans Schulter breitmacht, fügt der Serie einen federnden Batzen Humor hinzu und fügt dem popkulturellen Phoenixmythos eine neue Komponente hinzu, indem er mittels seiner Federkraft zaubern kann.

Sehr schön ist auch die Tatsache, dass er sich häufig als sprechender Papagei tarnen muss, um nicht aufzufallen. Außerdem: Er glitzert! Herzallerliebst!

Phoenixhaftigkeit: 6 von 10 rauchenden Köpfen

Jean Grey – X-Men

Jean Grey X-Men Phoenix

This is kind of a given: Jean Grey aka Phoenix ist eine schillernde Person aus dem X-Men Universum und in ihren vielfachen Interpretationen sehenswert. Sie taucht in Comics, Serien, Videospielen und in heimischen Wohnzimmern auf, in Filmen und vermutlich in den Köpfen vieler Menschen zu besinnlichen Momenten.

Optisch am besten gefällt mir Sophie Turners Darstellung. Man spürt die Macht und die flammende Aura hat definitiv etwas. Trotzdem: Der zugehörige Film steht nicht unbedingt auf meiner Liste. Welche Interpretation ist euer Favorit?

Phoenixhaftigkeit: 9 von 10 rauchenden Geliebten

Joaquin Phoenix: Joker

Joaquin Phoenix Joker

Sie sehen hier einen Phoenix in seinem natürlichen Habitat. In seinem flammend roten Kleid kann man erahnen, zu welch brandgefährlichen Akten er in der Lage ist. Kundige Augen mögen jedoch erahnt haben: In der Tat, es handelt sich hier nur um eine garstige Mimikry! Joaquin Phoenix ist gar kein richtiger Phoenix! Verrückt. Ja, da muss man tatsächlich genau hinschauen.

Wie dem auch sei: Joaquin Phoenix hat es geschafft, dem batman’schen Joker neues Leben einzuhauchen. Auch eine Form der Phoenix-Wiederauferstehung. Nein? Doch! Ooh! Und dafür gebührt ihm dieser Platz.

Phoenixhaftigkeit: 8 von 10 Rauchbomben

Halle Bailey ist Arielle

Warum regen wir uns über eine Schwarze Arielle auf?

Halle Bailey wird Disneys neue Arielle. Halle: Eine junge Frau mit ansteckendem Lächeln und einem hübschen Gesicht, die mit ihrer Ausstrahlung einer Arielle sicherlich würdig ist. Das Problem für viele dabei: Sie ist Schwarz.

Die Frage, die zunächst im Raum steht, ist diese: Warum war Arielle überhaupt weiß? Als Meerjungfrau ist sie eine fiktive Kreatur und könnte nahezu jede Hautfarbe besitzen oder sogar von Schuppen, statt Haut bekleidet sein. Sie könnte getupft, gestreift oder mit Kästchen versehen sein. Sie wird jedoch stets weiß dargestellt – weil weiße Haut bis vor gar nicht allzu langer Zeit der etablierte Standard in der Popkultur war. Ihre in den meisten Vorlagen weiße Haut ist okay. Eine dunkle wäre es jedoch auch. Die Hautfarbe hat storytechnisch schlichtweg keine Relevanz.

Was uns zum nächsten Punkt führt:

„Aber Pocahontas wird auch nie von einer Weißen gespielt! HA!“

Nun. Bei Pocahontas ist ihre Ethnie Teil der erzählten Geschichte. Würde ihre Figur mit einer Weißen gecastet werden, würde das weder der Figur, noch dem Plot gerecht werden. Schlimmer: Es würde sich um Whitewashing handeln. Eine eigentlich nicht-weiße Figur wird der „weißen Norm“ angepasst, die jedoch nicht in der Realität, sondern lediglich in strukturell geprägten Köpfen existiert.

Ähnliches konnte man bereits mit dem Aladdin-Casting beobachten: Die Rolle der Jasmin wurde zwar mit Naomi Scotts von jemandem besetzt, die einen nicht-weißen Hintergrund hat. Allerdings liegt dort die Sachlage des Colorism nahe, da sie deutlich europäische Gesichtszüge und eine vergleichsweise helle Haut besitzt. (Siehe Artikel “ „Der Live-Action Aladdin und was er mit Orientalismus und Colorism zu tun hat„)

Hollywood ist nach wie vor weiß, POC sind zwar auf dem Vormarsch, aber weiterhin werden vorrangig weiße Menschen in den Hauptrollen gecastet. Und ja, das ist ein Problem. Man schließt aktiv aus. Wenn man sich ansieht, wie viele weiße Disney-Prinzessinnen es gibt, wird schnell klar: Sie bilden die große Mehrheit. Viel wichtiger: Ihre Herkunft hat so gut wie nie etwas mit dem Plot zu tun. Sie haben das Privileg, sein zu dürfen. Während die POC-Prinzessinnen häufig über ihre Hautfarbe definiert werden. Nicht immer – aber doch häufig. Warum diese Struktur also nicht weiter aufbrechen?

Kurzum: Man sollte auf den Kontext achten. Gehört die Hautfarbe oder Ethnie zur Figur? Oder hat sie wenig bis keinerlei Relevanz?

„Aber wenn Weiße in POC-Rollen gecastet werden, ist der Aufschrei auch groß! Doppelmoral!“

Wie bereits angedeutet, castet die westliche Welt eher ungerne POC-Darsteller*innen. Warum? Weil man dafür angeblich einen eigenen Plot „braucht“, der sich um die Ethnie rankt. Das ist natürlich zu kurz gedacht, denn obwohl bspw. Han Solo weiß ist, hat seine Weißheit nichts mit seiner Herkunft zu tun. Er könnte beispielsweise schwarz sein, ohne dass es einen Unterschied machen würde. Aber daran denkt die westliche Welt kaum. Schwarze werden meist nur gecastet, wenn es sein „Muss“. Und das ist ein Problem.

Als Positivbeispiel möchte ich hier Star Trek einfügen, die divers casten, ohne dass die Rollen auf ihre Ethnien beschränkt sind.

Es gibt schon wenige Rollen „für POC“. Eine Weiße in eine eigentlich asiatische Rolle zu casten, hat daher einen mehr als nur bitteren Beigeschmack. Da geht es nicht mehr um Diversität, sondern um das (bewusste) Unsichtbarmachen von POC.

Wenn irgendwann ein Ausgleich und weniger internalisierter Rassismus herrschen sollte, wenn irgendwann POC in Rollen gecastet werden, die einfach „sind“ – dann gäbe es wohl auch keine Aufschreie mehr, wenn eine POC-Rolle anders interpretiert und die Hautfarbe verändert werden würde.

Doch so weit sind wir noch nicht. Noch lange nicht.

„Aber Arielle ist rothaarig!“

„Uhm, actually…“

Eigentlich wird „Die kleine Seejungfrau“ von Hans Christian Andersen – dem eigentlichen Original – nicht mit roten, sondern mit langen Haaren beschrieben. Als sich Disney Ende der 80er Jahre im kreativen Prozess rund um Arielle befand, war übrigens von blondem Haar die Rede. Aufgrund der Popularität des 1984 erschienenen Films „Splash“ jedoch wurde dies jedoch verworfen. Schließlich wäre die optische Nähe zur Hauptfigur zu signifikant.

Bei dem Frust geht es freilich um das Bewahren der eigenen Kindheitserinnerungen. Um das wohlbekannte „Das war schon immer so!“ Ungeachtet dessen, dass es eben nicht „immer schon“ so war sondern sich auch die kleine See- oder eben Meerjungfrau im Laufe der Zeit großen Wandlungen unterzogen hat. Dass ein Bild, das man von etwas hat, nicht zwingend das einzig wahre sein muss. Popkultur ändert sich. Wir ändern uns.

Ganz davon abgesehen, dass auch POCs rote Haare haben können. Und eine Darstellerin kann sich die Haare färben. Überraschung und Konfetti!

Warum ist uns Nostalgie derart heilig, dass wir sie über alles andere stellen? Ist es nicht egal, ob Arielle in einer Interpretation rote, blonde oder gar grüne Haare hat? Bildet die Farbe ihrer Haut oder Haare wirklich die Essenz der Geschichte? Und wenn es doch „egal“ ist – dann kann sie auch gerne Schwarz sein. Zumal ihre „Rasse“ nicht mal geändert wird. Sie verbleibt eine Meerjungfrau.

Auch eine Frage, die man sich stellen kann: Warum ist es ein Aufschrei wert, wenn statt einer weißen, eine schwarze Frau gecastet wird – aber nicht, wenn die ganze Aussage einer Geschichte eine Änderung erfährt? Schließlich stirbt die Seejungfrau am Ende des Originals. Bummer.

Die Figur der Arielle ist eine fiktive, ihre Herkunft ist hautfarbenunabhängig. Solange Halle Bailey glaubhaft eine Meerjungfrau darstellen kann und der Film gut geschrieben und realisiert wird, sollte uns in erster Linie das Endergegbnis interessieren. Und nicht unsere festgefahrenen Kindheitserinnerungen. Denn den Disneyfilm von 1990 – nun, den kann man immer und immer wieder auf DVD genießen. Auch weiterhin.

Header: Aladdin Jasmin Speechless

[Aladdin] Sagt was ihr wollt, Jasmins Lied „Speechless“rockt!

In „Aladdin“ erhält Prinzessin Jasmin eine dezent ausgefeiltere Rolle als im disney’schen Vorbild von 1992. Sie ist selbstbestimmter und, im Rahmen eines Kinderfilms, feministischer geprägt. Im neuen Lied „Speechless / Ich werde niemals schweigen“ erhält sie eine Stimme, die nachhallt.

Anders als im Trickfilm strebt sie hier nicht nur danach, den Man zu heiraten, den sie für den Richtigen hält. Sie greift nach Höherem, nach Agrabah, um im Sinne des Volkes zu regieren. Als erste Frau. Das passt sowohl in die heutige Zeit, als auch in die Fantasywelt, die sich Disney auf Basis des fiktiven Orients ersonnen hat. Dem Setting und dem Casting wurde sich bereits an anderer Stelle kritisch genähert [Siehe: „Der Live-Action Aladdin und was er mit Orientalismus und Colorism zu tun hat„], aus light-feministischer Sicht finde ich das Remake jedoch gelungen.

Jasmin steht nicht im Mittelpunkt -- noch steht es Aladdin meiner Ansicht nach -- aber macht auch nicht den Fehler, sie nur durch diese feministischen Aspekte zu definieren. Es fügt sich meines Erachtens nach nahtlos in die anderen charakterlichen Aspekte ein. Wie für einen Kinderfilm üblich und sicherlich auch ausreichend, bleiben die Darstellungen allesamt skizzenhaft und auf prägnante Eckpunkte beschränkt. Mit Jasmin hat man eine weibliche Figur erschaffen, die ich als Mädchen gerne gesehen hätte und in der „Original-Jasmin“ auch in Ansätzen gefunden hatte. Jemanden mit einer Stimme, die sich nicht zum Schweigen bringen will.

Nicht sprachlos

Der Höhepunkt dieser Darstellung ist wenig überraschend dann auch der neu kreierte Song „Speechless“ bzw. „Ich werde niemals schweigen“.

Man hat eine Stimme und die zählt. Ich persönlich finde sowohl Melodie, als auch Text sehr „empowerned“ und stark, ähnlich wie Frozens „Let it Go“.

„I won’t be silenced
You can’t keep me quiet
Won’t tremble when you try it
All I know is I won’t go speechless

Benj Pasek & Justin Paulare -- Speechless (From „Aladdin“)

Damit möchte ich nicht sagen, dass Jasmin die beste Figur aller Zeiten ist. Davon ist sie mit Sicherheit ein paar Teppichflugmeilen entfernt. Aber sie ist eine Figur mit einer starken Botschaft, die man dem Nachwuchs ohne Reue zeigen kann. Dafür und für den Song schätze ich sie sehr.

Außerdem hat sie in ihrer Gedankensequenz was von Thanos. Das ist schön. Oder so.

PS: Ich finde Will Smiths Dschinni besser als jenen von Robin Williams. So. Jetzt ist es raus. Er ist einfach so shiny!

The Perfection auf Netflix

Netflix‘ „The Perfection“ ist extrem – das macht ihn aber nicht gut

Auf den ersten Blick macht „The Perfection“ vieles richtig: Der Film zeigt zwei Frauen in den Hauptrollen, von denen beide lesbisch (oder auch bspw. pan- oder bisexuell) und eine eine POC ist. Es geht -- nebst dem eigentlichen Thriller bzw. Horroraspekt -- um Wut, Stolz und Stärke. Zudem ist er streckenweise ekelhaft und schockierend, was natürlich einen besonderen Reiz ausmacht. Aber ist er auch gut? Ich finde nicht. Und ich kann die Begeisterung, die vielerorts herrscht, nicht ganz nachvollziehen.

Wenn man in den sozialen Netzwerken nach dem Film sucht, findet man sich bald in einem Sumpf aus wundervoll reizenden Adjektiven wieder: Verstörend! Ekelhaft! Extrem! Insane! Boundary-pushing! Messed up! Man überschlägt sich fast vor lauter Begeisterung, den Film überstanden zu haben und lobt ihn über den Klee. Aber warum? Weil er … extrem ist? Weil er Grenzen überschreitet?

Anstatt einer schnöden Inhaltsangabe des Films lasse ich euch den Trailer hier. Obacht: Er zeigt bereits recht viel. Wer sich überraschen lassen will, guckt den Film ohne zuvor den Trailer begutachtet zu haben.

Nicht dass wir uns falsch verstehen: Die erste Hälfte des Films ist fantastisch! Überraschend, klug inszeniert und beseelt durch unglaublich gutes Charakterspiel der beiden Darstellerinnen! Hier wird auch weibliche Nacktheit gezeigt: In einer lesbischen Liebesszene, die erfrischend normal und wenig „male-gazig“ erscheint. „Hurra!“, dachte ich, „Das scheint ein super Film zu sein!“ Man weiß noch nicht so recht, wo es hinführen wird: Ist es ein Thriller? Eine Maden-Invasion-Virus-Geschichte? Oder doch Superman?

Der Twist

Der erste Twist war ein Höhepunkt und wunderbar präsentiert. Danach wurde der Film für mich jedoch zum nahezu billigen Trash. Plötzlich gab es nur noch dubiose Entscheidungen und Begründungen seitens der Figuren, ein billiges Motiv und lächerliche Plot Devices. Es wurde plakativ und zu in meinen Augen lächerlichem Unfug. Dabei mag ich Trash! Ich mag Horror! Aber nicht, wenn zu diesen speziellen Themen gegriffen wird. Nicht, wenn diese so behandelt werden.
„Aber es ist doch so toll extrem!“ Ach. Guckt halt die erste Hälfte von The Perfection und kreuzt dann „Kill Bill“ mit „I spit on your grave“. Das kann dann eure zweite Hälfte sein.

Ab hier: Spoiler!

Ich war unfassbar enttäuscht davon, dass Vergewaltigung als derart billiges Motiv verwendet wurde. Der -- richtig kluge und gute -- Film wurde alsbald zum Revenge Porn, unter dem die interessanten Figuren litten und der Plot ins Bodenlose abdriftete. Als ob es keine andere Möglichkeit gegeben hätte, sie zur Vernunft zu bekommen! Als ob man selbst automatisch zu einem Monster werden würde, wenn einem Leid widerfahren ist! Als ob man immer und immer wieder die Szenen hätten zeigen müssen! Klar -- es wurde nichts gezeigt. Nackt war nur der Mann. Aber immer und immer wieder? Ja, wir haben es verstanden. Ja, sie wurden vergewaltigt und missbraucht. Da hat bereits die erste Szene gereicht, in der es angedeutet wurde, nur der Druck seiner Hand auf ihrer Schulter. Wir wussten es -- dann wurde es plakativ. Eben extrem, hurra. Weil „extrem“ ja immer cool ist. Hauptsache extrem, Hauptsache, man kann unter diesem Deckmantel unter die schwachen des Plots hinwegsehen. Und wenn man es zu flach und trashig findet, ist man die Spaßbefreite. Logisch.

Es wurde schlicht von Minute zu Minute billiger und flacher und das hat mir um die Figuren und den anfänglichen Plot so leid getan. Man hätte es so viel klüger, so viel feinsinniger zeigen können -- und den Mann am Ende trotzdem derart verstümmeln können. Gebt uns Horror, gebt uns Extremes! Aber gewirkt hat es auf mich wie bloße Effekthascherei um der Schocks wegen. Meiner Ansicht nach verheizen sie.
Kann ich bitte noch einen Film mit diesen beiden Darstellerinnen haben? Sehr gerne mit Gore, Schocker und Maden im Arm! Aber ohne dämlichen Revenge Porn? Danke.

/Rant.

Marvels Endgame

Endgame – Orakel

Eine Stunde. So lange haben Marcus und ich noch, in denen wir mit Kopfhörern und Sonnenbrillen durch die Weltgeschichte gehen müssen. Es gilt: Spoiler: Nein Nein! Aber Prognosen dürfen wir ja wohl noch abliefern, oder? Und da ich nicht in die Zukunft blicken kann, wird es sich auch kaum um Spoiler handeln.

Zunächst ein winzig kleiner Schwank, um meine Meinung einordnen zu können: Ich habe die zugehörigen Comics dieser Arc nicht gelesen, wohl aber andere Marvel-Comics auch jener Held*innen. Alle Filme aus dem MCU habe ich gesehen, größtenteils mit wahnsinniger Freude. Für mich rockt es. Sehr. Ich habe gelacht, geweint und viele tolle Stunden mit den Filmen verbracht! Meine Highlights: Thor: Ragnarok, Captain Marvel und Spiderman: Homecoming. Und Captain America: Civil War.

Aber nun: Los geht’s mit den Prognosen!

  • Hulk ist in Wahrheit Loki, der sich in ihn verwandelt hat
  • Hulk wird wieder super-grün
  • Ein empörter Mann wird im Kino aufschreien, sobald Captain Marvel die Bühne betritt
  • Im selben Moment wird ein anderer Mann vor Freude jauchzen
  • Iron Man wird sterben. Aber erst, nachdem Spider-Man wieder „auferstanden“ ist
  • Steve stirbt in einem Akt akutem Heroismus und wird später durch Bucky ersetzt
  • Ein weinendes Baby wird gezeigt
  • … und ein weinender Thor
  • Außerdem wird Thor einmal oberkörperfrei zu sehen sein
  • Captain Marvel wird auch oben ohne sein. Aber gesehen wird sie dabei nur von Valkyrie
  • Thor wird sein Auge wieder verlieren und stattdessen einen der Infinity-Stones einsetzen. Bonus-Tipp: Es wird der Soulstone sein
  • Rocket baut Buckys Arm um, damit dort die restlichen Steine eingesetzt werden können
  • Banner und Romanov küssen sich – stellen dann aber fest, dass sie nur Freunde sind
  • Sinnlose Training-Montage, in der sie sich fit für den Kampf machen und aufrüsten
  • Natürlich bekommt jede*r einen Sternmoment, in der sie in Szene gesetzt werden
  • Captain Marvel wird einen Badass-Moment haben
  • Ronins Begründung für seinen neuen Look: „Meine Mutter hat es mir genäht und zum Geburtstag geschenkt.“
  • Eine Frau, die zufällig Guddy heisst, wird weinen. Insgesamt vier Mal über den Film verteilt. Zwei Mal vor Rührung/Ergriffenheit und zwei Mal vor Trauer. Und ein halbes Mal, weil jemand super unfair war

… sollten mehr als drei der Tipps richtig sein, werdet ihr mich künftig nur noch in Delhi antreffen können, wo ich den Größenwahn verfallen bin.

Was orakelt ihr? 🙂 Merke: Echte Spoiler werde ich hier gnadenlos löschen, auch wenn ich den Film schon gesehen haben werde. Für Spoiler wird es unter Umständen einen eigenen Artikel geben.

Aladdins Jasmin Real Life Remake

Der Live-Action Aladdin und was er mit Orientalismus und Colorism zu tun hat

Das Live-Action Remake von Aladdin schlägt hohe Wellen auch abseits der Disney-Fangemeinde. Nicht nur der Dschinni, auch das Casting insbesondere der weiblichen Hauptfigur Jasmin steht dabei unter scharfer Kritik. Bevor ich mich als Unbeteiligte an eine Erklärung wage, möchte ich lieber jene zu Wort kommen lassen, die selbst von rassistischen und orientalistischen Strukturen und Vorurteilen betroffen sind. Meet Swara Salih.

WICHTIG: Dieser von Swara Salih verfasste Artikel erschien zuerst unter dem Titel „The Live Action ‘Aladdin’ Doubles Down on Orientalist and Colorist Trends“ auf dem Blog The Nerds of Color. Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion durfte ich den Artikel übersetzen und ihn hier auf meinem Blog für euch zur Verfügung stellen. Wer des Englischen mächtig ist, ist allerdings aus Prinzip herzlich eingeladen, sich bevorzugt mit dem Original zu befassen: Klick.

Aladdin ist einer meiner absoluten Lieblingsfilme aller Zeiten. Als Kind des Nahen Ostens fühlte ich mich repräsentiert und dieses Gefühl hat mich seither immer begleitet. Über meine insgesamt sehr komplizierte Beziehung zu dem Live-Action Remake allerdings habe ich auch bereits sehr ausführlichen geschrieben. Mit dem neuen, eigentlich sehr soliden Trailer werden nun weitere Einblicke in die Entwicklung der Realverfilmung gegeben, die sich offenbar bedenklicher Trends bedient. Insgesamt habe ich sehr wenig bis gar kein Vertrauen darin, dass es dieser Film in Bezug auf die problematischen Aspekte des Originals besser machen wird,(den willkommenen Fakt, dass POC die Hauptrollen spielen werden, einmal außen vor gelassen), sondern diese sogar noch verstärken wird.

Die Autorin Clarkisha Kent hat diesbezüglich ausführlich und eindringlich über ein weit verbreitetes Problem geschrieben, das bislang noch zu wenig Beachtung gefunden hat: den Colorism. [Anm.: Ein sehr schönes Video dazu findet sich hier.] Damit wird die Diskriminierung aufgrund der Hautfarbe auch innerhalb ethnischer Gruppen bezeichnet. Wie ihr euch sicher vorstellen könnt, erhalten Schauspieler mit hellerer Haut und deutlich europäischen, optischen Merkmalen aufgrund des Colorism die wohlwollendste Behandlung in Hollywood. Insbesondere bei Schauspielerinnen wird dies deutlich: Jene mit hellerer Haut und „weißeren“ Gesichtszügen werden bei Castings bevorzugt (Wie Clarkisha in ihrem Artikel erklärt). Im Internet wurden nun einige Stimmen laut, die genau das beim Casting von Naomi Scotts (die zur Hälfte Gujarati-Inderin und zur Hälfte Weiß ist) als Jasmin bemerkt haben.

Über diesen Aspekt von Jasmins Casting habe ich bislang noch nicht gesprochen und mich mehr auf die Tatsache konzentriert, dass eine arabische Rolle von einer Inderin gespielt wird. People of Color sind aber nicht austauschbar. Je mehr ich allerdings von Jasmin in Trailern und Teasern sehe und mich mit befreundeten Women of Color (Wie meine But Why Tho? Chefredakteurin Kate Sánchez, die Co-Moderatorin des Flash Podcast Tatiana Hullender und meine But Why Tho?-Kollegin Trishh) über die Aspekte des Colorism unterhalte, desto mehr wird mir klar, wie sehr Naomi als Weiß gesehen werden kann.

Sie ist immer noch eine Woman of Color, aber gerade im Vergleich zu der originalen Jasmin weist sie eine hellere Haut und europäischere Gesichtszügen auf. Ich will damit nicht sagen, dass es keine Araberinnen, Perserinnen, Kurdinnen oder indischen Frauen gibt, die aussehen wie Jasmin im Realfilm. Sondern ich möchte darauf hinweisen, dass Jasmin im ursprünglichen Trickfilm eben nicht so aussieht. Vielmehr hat Jasmin dort im Gegensatz zu Naomi traditionellere arabische Gesichtszüge. Wenn Jasmin von einer weniger als Weiß durchgehenden und mehr dem Original entsprechenden Inderin verkörpert werden würde, hätten ich und viele andere weniger Probleme mit dieser Darstellung.

Colorism existiert inmitten arabischer und nahöstlicher Gemeinschaften, aber Jasmin stellte eine erfrischende Abwechslung dar: Endlich hatte eine dunkelhäutigere, eindeutig arabische Frau eine heroische Rolle inne. Leider fand bei Naomis Casting eine Rückwärtsbewegung in Richtung problematischer Strukturen statt. Wie die Autorin Mae Abdulbaki so schön schreibt: „Middle Eastern people range in a large spectrum of skin color.“ Jasmin wurde lange als positives Beispiel einer dunkelhäutigeren arabischen Frau gefeiert. Anscheinend waren Guy Ritchie und die Verantwortlichen aus dem Hause Disney jedoch der Überzeugung, dass nur eine Weiß aussehende Jasmin ein weltweites Publikum ansprechen könne.

Darüber hinaus änderten die Schöpfer der Realverfilmung die Hintergründe von Jasmins Mutter: Diese kommt nun aus einem „anderen Land.“ Ein Versuch, Naomis Casting zu erklären? Diesen typisch arabischen Charakter weniger arabisch zu machen, ist nicht nur unglaublich ärgerlich, sondern auch ein riesiger Rückschritt. Denn beim Colorism handelt es sich um ein weltweites Problem, mit dem wir uns befassen müssen. Mit der Realverfilmung von Aladdin jedoch scheint sich nichts zu verbessern.

Das Wenige, was wir bislang von Dschafars Darstellung gesehen haben, ist übrigens auch problematisch. Obwohl ich froh bin, dass wir einige der akzentuierten und rassistischen Tropes seiner Zeichentrickfigur überwunden haben, kann ich jetzt schon sagen, dass die Filmemacher auf einen anderen orientalistischen Trope setzen. Der Orientalismus beinhaltet viele Dinge, aber letztendlich läuft es darauf hinaus, dass nicht-westliche Länder und Gemeinschaften als „exotisch“ und „minderwertig“, sowie hilfsbedürftig der westlichen Welt gegenüber dargestellt werden. In der Vergangenheit war der orientalistische Trope in den westlichen Medien sehr beliebt, der Männer aus dem Mittleren Osten als verweiblicht und daher „weniger wert“ als westliche Figuren präsentiert hat. Typischerweise wurde dies beispielsweise dadurch ausgedrückt, dass der betreffende Charakter eine hohe und dünne Stimme hat, wie wir sie auch von Dschafar in den Teasern und Trailern hören können.

Im Netflix-Film Der ägyptische Spion, der Israel rettete habe ich Marwan Kenzari (der Schauspieler, der Dschafar verkörpert) bereits spielen sehen und nein, seine Stimme, wie sie in den Aladdin-Trailern zu hören ist, ist nicht seine natürliche. Selbstverständlich ist nichts falsch an einem Mann, der eine Stimme abseits traditionell männlicher Norm hat. Aber die Art, wie Marwan anscheinend von Ritchie angewiesen wurde, diese Rolle zu spielen, folgt genau jenen schädlichen orientalistischen Traditionen. Im Gegensatz zu Aladdin, der mit einem westlichen Akzent spricht, ist Dschafar somit kein „echter Mann“ und wir sollen ihn dadurch automatisch als weniger wert betrachten. Ich hatte gehofft, dass sie Dschafar unter Einbehaltung seines Antagonisten-Daseins weniger problematisch darstellen würden (inklusive der Art, wie er Jasmin behandelt). Aber zu sehen, in welcher Form sie Marwans Talente benutzen und offenbar verschwenden, befürchte ich, dass sie auch in dieser Hinsicht einen Schritt zurück machen werden.

Ein anderer Aspekt des Orientalismus, den die Filmemacher im ursprünglichen Aladdin untergebracht haben und der sich jetzt mit doppelter Kraft zu reproduzieren scheint, geht davon aus, dass östliche Kulturen im Wesentlichen alle gleich und austauschbar seien (Unabhängig vom Colorism wurde das bereits mit Naomis Casting deutlich). Für die Filmemacher ist „brown“ schlicht „brown“. Wir sind austauschbar für sie und sie denken, dass das vollkommen okay sei.

Natürlich ist das absolut nicht okay. Sie hatten die Dreistigkeit, offiziell zu verkünden, dass sie mit der Einführung von Charakteren aus dem gesamten Nahen Osten und Asien „die kulturelle Vielfalt der Seidenstraße feiern“ würden [Anm.: Siehe hier]. Nein. Dadurch wird lediglich der Orientalismus zelebriert, indem sie die tatsächlichen arabischen und nahöstlichen Menschen vom kreativen Prozess ausschließen und ein westliches Fantasyland kreieren (aka „The Orient“). Araber, Perser, Inder, Chinesen und andere POC werden offenbar einfach in einen Topf geschmissen. Zumindest im ursprünglichen Aladdin waren die Charaktere immerhin eindeutig arabisch (so problematisch sie auch porträtiert und mit eigenem, mit indischen Elementen angereichertem Orientalismus versehen worden sind). Die von westlichen Medien geprägte, rassistische Herangehensweise von Guy Ritchie und seinem Team jedoch muss ein Ende haben. Punkt.

Der originale Aladdin, seine Sequels und die wunderbare Serie werden für Kinder und Erwachsene zum Glück immer zur Verfügung stehen und hoffentlich auch via Disney+ verfügbar sein. Sicherlich sind sie auf ihre eigene Weise problematisch, aber zumindest hat es Children of Color und Kindern aus dem Nahen Osten ermöglicht, sich darin dargestellt zu sehen und Spaß daran zu haben. Der neue Film wird wahrscheinlich ein aus westlicher, Weißer Hand erschaffenes Chaos orientalistischer Stereotype sein, an dem mit Ausnahme weniger Schauspieler niemand aus dem Mittleren Osten kreativ beteiligt gewesen ist.

Wir müssen uns für die Repräsentation arabischer, iranischer, kurdischer und türkischer Menschen andernorts einsetzen. In Bezug auf diese Realverfilmung jedoch nähere ich mich dem Punkt, es mit den Worten von Ira Madison III auszudrücken: „Keep it“.

Last Jedi Kritiker Star Wars

The Last Jedi: Warum mich deine Kritik an der Kritik stört

Ja, Star Wars: The Last Jedi ist schon „alt“, wenn man nach Internetzeitrechnung geht. Dennoch reissen die Diskussionen nicht ab. Dabei stört mich nicht, dass diskutiert wird – sondern wie diskutiert wird. Diesen Text schreibe ich bewusst, um ihn all jenen um die Ohren zu knallen, die mir oder anderen immer noch immer wieder mit dem allgemeingültig scheinenden „Du magst ihn nur nicht weil… du ihn nicht verstehst/du doof/ein Fangirl bist[/Vereinfachung].“ kommen. Jüngstes Beispiel: Ludwig Jovanovic auf RP Online.

Es ist längst Usus geworden, sich aufgrund seiner Meinung über Popkulturelles zu duellieren. Seine eigene Meinung ist stets die einzig wahre, die kluge, die beste. Und die Meinung der anderen? Schrott! SCHEISSE! Hat er denn gar nichts verstanden?! Dann heißt es „AHA! Du findest den Film zu witzig? Du gehst wohl eh zum Lachen in den Keller! Und dass Han Solo schon immer witzig war hast du auch nie gerafft, oder?“

„Du gehst doch zum Lachen in den Keller!“

Doch. Doch, ich habe es gerafft. Han Solo war immer lustig, ich habe schon immer herzhaft bei Star Wars gelacht. Mal, weil ich es wirklich lustig fand und mal, weil es einfach absurd war – und wieder andere Male, wenn es jemand parodiert. Es gibt nicht „den“ Humor. Es gibt albernen, klugen, ironischen, infantilen und Fäkalhumor. Und nein: Ich bevorzuge nicht den klugen Humor. Ich mag sie nämlich alle. Ok. Bis auf den Fäkalhumor. Den darf nur Fäkalini. Habe ich Star Wars also einfach nicht verstanden, wenn ich sage, dass ich ihn zu albern fand? Nein. Ich fand ihn schlichtweg nicht gut. Muss ich jeden Witz gut finden? Auch nicht. Aber ich darf verdammt nochmal sagen, dass ich den bestimmten Humor dieses einen Filmen nicht so passend finde. Für mich. Für diesen Plot. Wäre es ein anderer Star Wars Film mit einem anderen Plot: Von mir aus. Gerne. Ich liebe Space Balls und kann mir auch eine Komödie im star wars’schen Kanon sehr gut vorstellen.

Es spielt keine Rolle, dass es „Star Wars“ ist. Der Film ist nicht zu albern, weil es „holy fucking Star Wars“ ist – sondern weil er mir persönlich in diesem Plot nicht schmeckt. Für mich – und ich rede hier übrigens ausschließlich nur von mir – hat der meines Erachtens nach alberne Humor den Ernst vieler anderer Szenen zerstört. Wäre es feiner Humor gewesen, wäre es für mich ok gewesen.

Der Knackpunkt ist der: Ich gucke einen Film. Du guckst einen Film. Aber wir werden immer nur den selben, und nie den gleichen Film sehen. Mein Verständnis für guten Humor muss nicht der deine sein. Und das ist okay. Ich sage doch auch nicht „Haha, wenn du den Humor von Last Jedi gut findest bist du wohl ein albernes Kiddie, hihi.“ Wenn du ihn passend zum Film findest: Perfekt! Dann hast du mehr Spaß am Film! Super! Und das meine ich völlig ohne Ironie. Jeder erlebt Filme nunmal anders.

Wie man es dreht …

Und darauf lässt sich die meiste Kritik an der Kritik niederbrechen: „Man findet es kacke, weil man den Sinn und Zweck dahinter nicht versteht.“ Weil man angeblich nicht gemerkt hat, dass die Casinoszene die Graustufen des Universums hervorheben und eine Kapitalismuskritik sein soll. Weil „sein“ Star Wars zerstört wurde. Weil man ein „Crying Fanboy“ ist, der früher geweint hat, weil The Force Awakens zu nah an Episode IV sei und der heute weint, weil Last Jedi zu weit davon entfernt ist.

Zum einen: Ich bezweifle, dass alle, die Episode VIII nun kritisieren, Episode VII aus gegensätzlichen Gründen ebenfalls kacke finden. Es passt vielleicht nicht in das Weltbild, aber: Das können völlig unterschiedliche Personengruppen und Menschen sein. Holy shit! Ich beispielsweise finde Episode VII großartig! Aber nicht, weil sie in vielerlei Hinsicht eine Kopie von IV ist. Sondern weil ich schlichtweg Spaß im Kino hatte, ich den Spannungsbogen, die Figuren und den Humor mag.

Das Problem der „Kritiker der Kritiker“ ist, dass sie nicht wahrhaben wollen, dass man den Film „einfach so“ nicht gut finden kann. Die Gründe müssen nicht an Star Wars selbst liegen – sondern am Plot, den Figuren oder einem beliebigen anderen Faktor. Nicht ich nehme Star Wars zu ernst – sondern ihr. Ihr, die die Kritik am Film mit Unwissenheit oder Arroganz erklärt. Ihr, die alles daran festmachen wollt, dass es Star Wars ist.

Mir ist es egal, ob es Star Wars ist! Es hätte auch ein völlig neues Franchise sein können und mir wären die Schwachstellen im Plot, die Logik- und Anschlussfehler und der Humor trotzdem negativ aufgefallen! Man muss keine fadenscheinige Gründe suchen, um das Nichtgefallen zu erklären. Man muss nicht behaupten, dass der Gegenüber einfach nichts verstanden hat. Man kann auch einfach mal mit den Schultern zucken und sagen: „Ok. Du findest den Film nicht gut. Passt. Aber hey, lass uns trotzdem mal über Punkt XY diskutieren!“

Natürlich können wir alle erklären, warum wir dieses oder jenes gut oder schlecht finden. Wir können über alles diskutieren. Aber nicht unterstellen. Und das ist das, was mich, Verzeihung, ankotzt. Dass die Meinungen, gerade jetzt bei Last Jedi, nicht toleriert werden. Sondern dass sie diffamiert, für nichtig, für dumm erklärt werden. Egal, von welcher Seite wir sprechen. Nicht nur die Kritiker-Kritiker sind da ätzend. Die Kritiker sind es auch. „Aha! Du findest ihn also gut, ja? Tja, du hast Star Wars wohl nie geliebt / hast keine Ahnung / bist ein Kiddie.“ Ihr nehmt euch da nicht viel.

Seht es einfach ein, dass man den Film auch aus filmwissenschaftlichen Gründen sowohl gut, als auch schlecht finden kann. Dass man ihn lieben und auch hassen kann. Oder dass man ihn, wie ich, einfach nur okay findet.

Shocking.

Kylo und Rey

The Last Jedi: Das Böse ist männlich

Star Wars: Ein Weltraum-Märchen, in dem die dunkle gegen die helle Seite kämpft. Zwischen den beiden Mächten herrscht ein Gleichgewicht, in dessen Mitte es am Ende stets zur großen Explosion kommt. Dieses Mal, bei den letzten Jedi, ist das Böse männlich, während das Gute in weiblicher Perfektion erstrahlt. Und das ist schade.

Obacht: Der Text enthält Spoiler! Für eine spoilerlose Nachlese bitte hier entlang.

Im Vergleich zu älteren Filmen des Star Wars-Universums glänzt der Cast von The Last Jedi mit einer guten Portion Diversität: Schwarze, asiatische, männliche und weibliche Figuren geben sich die Klinke in die Hand, auch wenn die große Masse dabei weiß bleibt. Trotzdem sind es gerade die diversen Charaktere, die tragende Rollen haben dürfen. Die Asiatin Rose rettet den Mann, den sie liebt. Die ältere Generalin Holdo rettet gleich den ganzen Tag. Und die junge Jedi holt den verbitterten alten Mann zurück – und entfacht am Ende den letzten Funken Hoffnung neu.

In The Last Jedi sind die Frauen nahezu fehlerlos. Das klingt nach einer guten Sache – ist aber weder für die eine, noch die andere Sache von Vorteil.

Kein Hell ohne Dunkel

Was man Autor sehr schnell lernt ist, dass man seinen Figuren auch Schwächen zugestehen sollte. So wirken sie greifbarer, menschlicher und letztlich auch stärker. Nämlich dann, wenn sie die Schwächen überwinden und an ihren Erfahrungen wachsen. Hat man jedoch eine Mary-Sue vor sich – also eine Figur, die nahezu alles kann und keine echten Schwächen hat – wirkt es künstlich bis lächerlich.

Die Filmlöwin hat auf ihrem Blog Folgendes zu sagen, was ich gerne unterschreiben möchte:

„Der in diesem Film eingeführten Figur Rose (…) fehlt es wie auch Rey an Fallhöhe und inneren Konflikten. (…) In Gesellschaft von Angsthase Finn (John Boyega), den sie gleich zu Beginn beim Versuch zu desertieren erwischt, wirkt sie zugleich überlegen wie auch blass, weil übermenschlich perfekt. Star Wars – The Last Jedi hat ein maßgebliches Problem damit, seinen weiblichen* Figuren Fehler zuzugestehen und ersetzt somit bei dem offensichtlichen Versuch, seine Frauen*figuren zu empowern, eine Sexismusfalle durch die andere“, Filmlöwin aus: „Blockbuster-Check: Star Wars The Last Jedi

Es mangelt dadurch nicht nur an Identifikationspotential, sondern auch an charakterlicher Tiefe. Doch wo die Filmlöwin in ihrem lesenswerten Beitrag auf die Rolle der Frau eingeht, möchte ich hier den Fokus auf den Mann legen.

Kylo Ren ist sauer

Wenn die Maskulinität das Böse ist

Lässt man die lächerlich winzige Rolle Captain Phasmas außen vor, ist die Erste Ordnung männlich. Es sind aggressive Witzfiguren, die nicht nur den Helden, sondern auch sich gegenseitig das Leben schwer machen. Es geht, wie so oft im Leben des Klischee-Mannes, um Macht, Eroberung und Siege. Diese Ziele werden nicht mit kluger Taktik, sondern primär mit Gewalt gelöst. Sei es, dass Kylo alle Waffen auf einmal auf Luke Skywalker feuern lässt, Poe Dameron eine kleine Revolte anzettelt oder Luke auf Rey losgeht – allzu oft ist Gewalt im Spiel.

Dabei zeigen sie selber, dass es nicht immer so sein muss: Luke nutzt die Macht geschickt, um Kylo auszutricksen, während dieser die geistige Fähigkeit mitbringt, seine Gedanken vor Snoke abzuschotten. Man muss nicht immer seinen Zorn benutzen – und doch tun sie genau das.

Das ist auf erzählerischer Seite einerseits schade, da ein Männerbild gezeichnet wird, das so nicht sein muss. Andererseits zeigt es auch die Problematik auf, die solches Verhalten mit sich bringt. In The Last Jedi werden Konflikte nicht mit Muskelkraft besiegelt – sondern mit Geschick und Verstand. Das zeigt sich nicht nur eindrucksvoll in Lukes rettender Performance am Ende, sondern auch im Kampf Kylo/Rey gegen Snokes Prätorianer: Während sich Kylo mit Kraft aus dem Griff zu befreien versucht, rettet ihn Rey, indem sie ihm im richtigen Moment das Lichtschwert zuwirft. Auch wenn dies wiederum in Gewalt gipfelt, ist es ein letzter Kniff von außen.

Auch Poe muss einsehen, dass Leia und Holdo die besseren Strategen sind als er. Er, der eine Meuterei anzettelt und sich seiner Vorgesetzten widersetzen will, ist ein klassisches Beispiel von Mansplaining: Er glaubt, dass er mehr Ahnung hat als die, die eigentlich mehr Erfahrung auf dem Gebiet hat und versucht, sie zu belehren. Dass er dait letzten Endes nicht durchkommt und sogar sein Unrecht einsehen muss, ist ein Plotverlauf, wie er noch nicht häufig in der Popkultur anzutreffen ist – und den ich daher sehr begrüße.

Doch er wird dafür nicht bestraft. Es ist dem Archetyp des „Männer bleiben eben Jungs“ zu verdanken, dass man ihm im Nachhinein lediglich wohlwollend den Kopf tätschelt. Generell wird über die Männer des Films gelacht: Über General Hux, weil er einfach ein lächerlicher General ist. Über Kylo, weil er seinen Zorn nicht zügeln Kann. Über DJ, weil er ein lispelnder Trottel zu sein scheint. Über Finn, weil er ein ängstlicher Tollpatsch ist. Und natürlich über Snoke, weil er im Tod aussieht wie ein überfahrener Jar Jar.

Die Frauen müssen sie an die Hand nehmen, damit es am Ende doch noch klappt mit dem happy end. Allen voran Luke, der sich nach Kräften sträubt und in mühsamer Kleinarbeit von der stoischen Rey überzeugt werden muss, doch endlich das Richtige zu tun. Am Ende ist es immerhin Yoda, der den letzten Stubser gibt.

Es ist keinesfalls ein Problem, wenn man über Figuren lachen kann und sie antagonistische Kräfte sind. Wenn sich das allerdings auf ein Geschlecht beschränkt, ist das doch ziemlich einseitig. Ich vermisse die finster-verrückten weiblichen Figuren. Eine weibliche Sith, eine Phasma, die einen stärkeren Auftritt hat. Oder eine Rey, die Kylo die Hand reicht und Seite an Seite mit ihm um die Vorherrschaft kämpft. Auf der dunklen Seite, versteht sich. Ich will mich nicht nur über männliche Figuren lustig machen, mich über sie aufregen oder sie als dumm abwinken. Das dürfen auch gerne weibliche Charaktere sein.

Rey Lichtschwert last jedi

Aber: Verdammt, ich hasse Mansplaining!

Und daher verzeihe ich The Last Jedi die fast als einseitig zu nennende Darstellung des Mannes. Gerade in Zeiten Trumps, in denen – ja, wirklich – Mansplaining noch immer toleriert und in manchen Kreisen auch zelebriert wird, ist es ein Halleluja wert, dass es Platz in einem Blockbuster wie diesen gefunden hat – und eine Klatsche nach der anderen erfährt.

Denn wo Hitzköpfe -männliche wie weibliche – in der Popkultur nach einer Minirebellion jubelieren, wenn sie es nur für die gute Seite getan haben, werden sie hier ihrer Grenzen und Unwissenheit verwiesen. Es ist erfrischend zu sehen, dass die Figuren mit ihrer aggressiven Art gegen Wände rennen. Am Ende gibt es nämlich trotzdem einen Sieg. Nur eben auf weitaus ruhigere, besonnenere und nichtsdestotrotz ebenso heroische Weise.

Aber: The Last Jedi will grau sein. Es ist abgekommen von Schwarz und weiß und hat sich hin zu Diversität und Grauschattierungen bewegt. Das ist gut so. Aber es sollte nicht bei den Geschlechtern aufhören. Ich will auch dumme Frauen sehen – und in männlichen Figuren nicht nur den hitzigen Dorftrottel.

Vor allen Dingen aber sehe ich es nicht ein, dass Frauen als perfekte, reine Wesen dargestellt werden und die Riege der dunklen Seite fast ausschließlich von Männern besetzt ist. Verfallen nur die ach so bösen Männer der dunklen Seite? Ich denke doch nicht.

Star Wars Episode 8: Die letzten Jedi. Eine kleine Kritik ganz ohne Spoiler

Star Wars: Episode 8 -- Die letzten Jedi ist einer jener Filme, auf die sich erwachsene Menschen wochen- wenn nicht gar monatelang vorher wie kleine Kinder freuen. Die Erwartungshaltung vorab ist riesig -- konnte der Film dem gerecht werden?

In Kurzform: Ja und nein. „Die letzten Jedi“ hat durchaus gute, sogar herausragende Momente, aber auch Aspekte, die ich als unpassend empfinde. Dem möchte ich hier damit gerecht werden, indem ich die Filmkritik in vier gute und vier weniger gelungene Punkte aufteile -- außerdem habe ich mich an Fließtexten sattgesehen und finde kommentierte Aufzählungen angenehmer. Period.

Die guten Seiten der Macht

  • Die Bilder. Egal, wo in der Galaxis man sich befindet: Alles sieht passend aus. Ob die Ästhetik nun in der Schönheit der Flora oder Fauna liegt oder in der schwelenden Asche ist dabei unerheblich. Gekonnt wird visuell eine andere Welt erschaffen, eine, die man fast glaubt, spüren zu können so eindrucksvoll ist sie in Szene gesetzt. Ein Künstler war am Werk, mit dessen Bildern ich mir am liebsten die Wände tapezieren möchte. Die Bildkomposition ist herrlich und trägt massiv zu den Gänsehaut-Momenten bei, zieht sich durch die fantastisch choreografierten Kämpfe bis in den letzten Winkel der hintersten Höhle. Es ist der meiner Meinung nach schönste, künstlerischste Star Wars-Film.
  • Die Twists. Gerade wenn man ahnt, wohin die Reise geht, kommt es doch wieder anders als man denkt. Das beginnt bei kleineren Scharmützeln und hört bei tiefer gehender Charakterentwicklung auf. Das ist raffiniert gemacht und zeigt den Mut, der aufgebracht wurde, neue Wege zu bestreiten.
  • Luke Skywalker. Luke von Episode VIII ist tatsächlich mein Lieblings-Luke. Er ist vielschichtig und grau, zynisch, aber doch noch mit dem jungenhaften Schalk im Nacken. Hier scheint viel von Mark Hamills eigener Persönlichkeit durch und das ist verdammt positiv gemeint. Es ist ein Luke, der mir aufgrund seiner Wandlung gut gefällt und überzeugt. (Und ja, ich weiß, dass Mark Hamill mit diesem Luke nicht ganz grün wurde.)
  • Das Star Wars-Gefühl. Es ist noch immer da, doch verliert der Film es an der einen Stelle, wird es an der nächsten doch wieder entfacht. Es glimmt immer und überall auf, leuchtet in manchen Momenten lichterloh und treibt mir Tränen in die Augen. „All the feels!“ Die Botschaft des Films trägt durch den Film, ist aber erst gegen Ende offen ersichtlich. „Die letzten Jedi“ oder doch eher „Das Erwachen der Macht“?

Die schlechten Seiten der Macht

  • Die Albernheiten. Vorab: Ich mag Humor. Ich lache gerne. Und meistens, wenn ich sage „Der Film nimmt sich nicht so ernst!“ ist das als Lob gemeint. Hier allerdings nicht. Nicht jeder Gag ist albern und wenn in Star Wars nicht mehr gelacht werden dürfte, wäre das äußerst schade. Aber muss es dann albern sein und zum Comicrelief verkommen? Zwei, drei Szenen mehr in diese Richtung und es hätte die Waage gekippt. Denn „die Macht“ darf durchaus ernst genommen werden. Das Universum darf ruhig düstere Momente haben. Die klingen hier aber selten nach, sondern werden mir zu oft von Albernheiten zerstört.
  • Ein unnötiger Plotstrang. Der Film dauert 2,5 Stunden. 2 hätten es allerdings auch getan und die überflüssige halbe Stunde steckt in einem Plotverlauf, der im Gesamtkontext unnötig ist und auch nichts Neues in Erfahrung bringt. Mehr noch: Der Logiklöcher forciert. Hätte man den Strang rausgenommen, würde dem Film rein gar nichts fehlen. Im Gegenteil. Oder man hätte die dadurch gewonnene Zeit in Charakterdarstellungen und -vertiefungen investieren können.
  • Fehlender Mut. Bei den positiven Punkten hatte ich den Mut lobend erwähnt, doch der ist nicht immer da. Man hätte mehr rausholen können. Ginge ich an dieser Stelle zu tief ins Detail, würde ich bereits spoilern, daher belasse ich es bei einem: „Och, hättet ihr das doch durchgezogen …!“
  • Die Erste Ordnung. Wird von denen eigentlich niemand richtig ausgebildet? Dass der Hitzkopf Kylo Ren keine taktische Leuchte ist, ist völlig legitim, aber was ist mit General Hux los? Mal abgesehen von der meiner Meinung nach mangelhaften schauspielerischen Leistung ist er einer der dümmsten Generäle in der Geschichte der fiktiven Kriegsführung. Und er ist nur die Spitze des Eisbergs.

Diese 8 für mich schwerwiegendsten Punkte machen Episode 8 insgesamt zu einem durchaus guten Film, der aber zu viele Kanten hat, als dass ich ihn großartig nennen würde. Trotzdem rangiert er auf den höheren Plätzen, was Star Wars-Verfilmungen angeht. Wo genau, bin ich mir noch unschlüssig -- aber definitiv vor Episode 1 bis 3.

Habt ihr ihn schon gesehen? Wie fandet ihr ihn?