Comic Jook Joint by Tee Franklin

Der Comic „Jook Joint“ ist für die Überlebenden

Comics bieten so viel: Unterhaltung, Inspirationsquelle, Eskapismus; sie können witzig, nachdenklich oder gruselig sein. Und sie können jenen Leser*innen und Autor*innen bei bestimmten Themen Halt geben. „Jook Joint“ etwa behandelt das Thema häusliche Gewalt und versetzt es in ein Horror-Setting.

Für die Autorin Tee Franklin glich das Schreiben von Jook Joint einer Therapie. Von ihrer Psychologin empfohlen, half es ihr, ihre Erlebnisse zu verarbeiten. Literarisch rechnete sie mit den Peinigern aus ihrer Vergangenheit ab – und das sehr drastisch.

Die Protagonistin Mahalia führt ein beliebtes, queerfreundliches Etablissement irgendwo in den Sümpfen von Lousiana. „Behaltet eure Hände bei euch“ steht auf dekorativen Schildern in den feucht-fröhlichen Räumlichkeiten verteilt. Natürlich hält das nicht alle davon ab, die Frauen zu belästigen und sich ihnen aufzudrängen. Zeit für Mahalia, das entsprechend zu ahnden. Mit auf ihrer Seite: Frauen aus dem Jenseits, die durch männliche Hand gestorben sind.

Triggerwarnung

Die blutigen Details und die gewalthaltigen Inhalte verlangen danach und Franklin liefert: Eine Triggerwarnung zu Beginn des Comics. Es ist ein lobenswertes Beispiel dafür, wie man es als Schaffende*r machen kann: Nicht wirklich dezent, aber man findet als Betroffene*r schnell heraus, was einen erwartet und genauer, worauf man sich einstellen kann. Zusätzlich werden für die USA relevante Telefonnummern, sowie eine Website genannt, die sich an Betroffene (häuslicher) Gewalt richten.

Triggerwarnung

Man kann dem Comic vorwerfen, eine Rache-Fantasie zu sein und vielleicht ist es das auch. Vielleicht hilft es aber in erster Linie auch Betroffenen, sich mit ihrer Vergangenheit oder sogar aktueller Realität auseinander zu setzen. Dass man im übertragenen Sinne des Genres sehen kann, dass das, was passiert, nicht Standard sein muss.

Jook Joint ist nicht für jede*n und will es wohl auch nicht sein. Aber es kann Kraft geben und jenen, die so etwas nicht erlebt haben, ein Fenster und eine Brücke sein.

Abgesetzt

Nach zwei von fünf Issues wurde es leider abgesetzt. Auf meine Nachfrage hin gab Tee Franklin an, dass sie hoffe, dass Jook Joint in Zukunft in irgendeiner Form noch veröffentlicht werden kann, sie aber momentan keine handfesten Pläne habe. Ihrem Comic „Bingo Love“ wurde durch Kickstarter Tür und Tor geöffnet – man weiß ja nie, welche Möglichkeiten für Jook Joint bestehen könnten. Schaden kann es auf alle Fälle nicht, ihr auf ihren sozialen Kanälen zu folgen und ihr Werk zu unterstützen.

Weiterführende Links:

Blue is the warmest Color Vergleich Buch zum Film

Blue is the Warmest Color – Vergleich Comic zur Verfilmung

Girl meets girl -- and discovers love and her own sexuality. Geschichten wie diese werden in Relation nicht oft auf großer Leinwand erzählt, umso schöner ist es, wenn es dann doch mal geschieht. Wie 2013 mit „Blue is the Warmest Color“, das auf dem 2010 erschienenen, gleichnamigen Comic von Julie Maroh basiert. Leider wird der Film meiner Meinung nach weder der Vorlage, noch dem Thema gerecht.

Der Comic

Die zu Beginn der Geschichte fünfzehnjährige Clementine führt ein nicht perfektes, aber normales Leben irgendwo in Frankreich. Es gerät aus emotionalen Fugen, als sie beim ersten Date mit einem älteren Jungen ein blauhaariges Mädchen sieht, das ihr seitdem nicht mehr aus dem Kopf geht. Es beherrscht ihre Gedanken- und Gefühlswelt derart, dass sie ihre eigene Identität zunehmend infrage stellt. Dort, wo die Beziehung zu ihrem nun neuen Freund bröckelt und schließlich noch vor dem ersten Sex gänzlich in die Brüche geht, erwächst ein zartes Pflänzchen der verzweifelten Liebe. Zu Emma, der jungen, blauhaarigen Frau, die sich vom flüchtigen Crush zu einer festen Liebschaft mausert. Eingebettet ist die liebevoll erzählte Beziehungsgeschichte in eine tragische Rahmenhandlung, in der die mittlerweile erwachsene Emma den Abschiedsbrief Clementines erhält und mithilfe derer Tagebücher tiefer ins Leben ihrer einstigen Freundin eintaucht.

Blue is the warmest Color - Panel aus dem Comic

Primär Clementine verfolgend, lernt man nach und nach Näheres über ihr Umfeld kennen. Die Freunde etwa, die sich beim ersten Verdacht auf ihre „andere“ Sexualität von ihr abwenden, das konservative Elternhaus, den homosexuellen Freund, der sie mit in eine Gay Bar nimmt und ihr somit erste Einblicke gewährt. Das soziale Umfeld legt ihr Steine in den Weg, doch es ist auch die gesellschaftliche Vorstellung von dem, wie man zu sein hat, die ihr die Selbstfindung nicht einfach machen.

Dieser Prozess entwickelt sich bei ihr nur langsam. Sie braucht Zeit, um sich selbst akzeptieren zu können. Emma findet dabei nicht immer die richtigen Worten oder Taten -- sie ist ein Mensch mit Fehlern, die sich stockend entwickelnde Beziehung auch dadurch realistisch und nachvollziehbar eingefangen. Die Autorin erschafft hier vielschichtige Figuren, die oft, aber nicht immer, gemeinsam durch Höhen und Tiefen gehen. Intensiv erzählt und von Bildern getragen, die die Emotionen nur zu gut transportieren können, hat man fast den Eindruck, echten Erinnerungen zu folgen. Kein Wunder, dass die mancher Journalist nicht glauben will, dass Julie Maron hiermit eben keine Autobiographie verfasst hat.

Zeitsprünge und Perspektivwechsel sind nicht immer klar voneinander getrennt, fließen stattdessen ineinander und imitieren sowohl den Gedankenfluss der lesenden Emma, als auch die inkonsequente Dokumentation Clementines in ihr Tagebuch. Der Fokus auf Details (wie etwa das prägnante Blau) bestimmen die Vergangenheit.

„Blau ist eine warme Farbe“ ist ein Comic, den zu lesen sich lohnt und der einen mit auf eine emotionale Berg- und Talfahrt nimmt. Intensiv, nachvollziehbar, wichtig.

Die Verfilmung

Nur weil ein Film auf einer Vorlage basiert, muss er sich nicht an ihr festsaugen. Er darf eigene Schlüsse ziehen, interpretieren, eigene Wege gehen. Die Verfilmung von Blau ist eine warme Farbe nutzt den vom Comic getretenen Pfad, schlittert jedoch vielmehr auf Hoverschuhen oberflächlich drüber und macht viele Schlenker nach links und rechts.

Die Grundidee bleibt freilich: Mädchen trifft Mädchen, eine Beziehung erblüht und man bestreitet Höhen und Tiefen. Auch einige Szenen wurden nahezu 1:1 übernommen; die Szenerie ist wiedererkennbar. Allerdings mangelt es an erzählerischer Tiefe. Wo ich beim Lesen mitfiebere, kann ich mit den Figuren des Films wenig anfangen. Es fehlt an Chemie, an Details der Beziehung, an Emotionalität. Dafür findet man Längen, die sich in überzogenen Alltagsszenen, nichtigen Dialogen und Sex äußern.

Oh, der Sex. Unter uns beiden Lesern dieses Artikels gesagt: Ich habe nichts gegen explizite Sexszenen. Geschlechtsteile, generell nackte Haut und eine gewisse Rohheit gehören dazu und sind mir im Film lieber als auf Hochglanz polierte Szenen. Aber Blau… wirkt, als ginge es nicht um die Figuren, sondern um das Sehen derer. Um Voyeurismus, um Pornographie. Das erscheint zu platt gerade wenn man bedenkt, dass auch die Comicautorin daran zweifelt, dass tatsächliche Lesben am Dreh beteiligt waren und die Szenen letztlich primär dem Heteromann dienlich sein sollen, die ihre hübsche Fantasie sehen wollen. Ich persönlich kann diesen Vorwurf nicht beurteilen und würde an dieser Stelle jene zu Wort kommen lassen, die das besser beurteilen können. Auf mich wirken diese Szenen allerdings gezwungen grafisch und ganz dem Male Gaze folgend.

In erster Linie empfinde ich den Film als langweilig, in zweiter Linie als unfertig in Bezug auf den Plot. Man hätte wesentlich mehr Substanz in die Beziehung zwischen Emma und Clementine -- deren Name für den Film übrigens geändert wurde, da der Band der Schauspielerin Adèle Exarchopoulos „Gerechtigkeit“ bedeutet und besser in den Plot gepasst habe -- bringen können. So jedoch bleibt die Liebesgeschichte beliebig. Zwar realistisch in ihrer Wankelmütigkeit und fern der Hollywood-Klischees, aber dennoch fern der vielschichtigen, sozial relevanten Klasse, die sie im Comic besitzt.

Fazit

Ich kann es kurz und knapp halten: Lest den Comic. Der ist super. Den Film könnt ihr getrost ignorieren.

Die Eckdaten:
[Comic] Originaltitel: Le bleu est une couleur chaude | Autorin: Julie Maroh | Illustratorin: Julie Maroh | Verlag: Glénat | Übersetzung (EN): Ivanca Hahnenberger
[Film] Originaltitel: La vie d’Adèle |Director: Abdelatif Kechiche | Darstellerinnen: Léa Seydoux, Adèle Exarchopoulos Adèle Exarchopoulos

Review Antar The Black Knight Comic

Comic mit arabischem Fokus: Antar: The Black Knight #1

Autorin: Nnedi Okorafor | Illustrationen: Eric Battle, Jason Scott Jones, Thomas Mauer | VerlagIDW Publishing | Band: 1 von 5

Die nigerianisch-amerikanische Schriftstellerin und Professorin Nnedi Okorafor schreibt nicht nur interessante und preisträchtige Romane, sondern zeichnet sich auch für manchen Comic verantwortlich. „Black Panther: Long Live the King“ etwa entsprang ihrer Schreibfeder genau wie der Kurzcomic „Blessing in Disguise„, der die Verschleppung von 200 nigerianischen Mädchen durch die terroristische Gruppe Boko Haram thematisiert. Nun hat sie sich den Legenden rund um den arabischen Dichter Antara Ibn Schaddad al-Absi oder kurz: „Antar“ angenommen.

Als Sohn des noblen Schaddad ibn Muawiya und einer Sklavin aus Äthiopien namens Zabida war es primär Antars Hautfarbe, die ihn von seinen Verwandten väterlicherseits trennte. Trotz dieser Abstammung war er nicht mehr als ein Sklave, ein Kameltreiber, dem man nichts zutraute und der es zu nichts bringen würde. Dachte man. Denn natürlich handelt es sich um eine über die Jahrhunderte immer weiter ausgeschmückte und fabelhafter gewordene Heldenreise vom Sklavenjungen zum geachteten Poeten und Krieger. Dies ist seine Geschichte.

Kreuz und quer durch die Zeit

Man startet mitten im Geschehen: Antar wird im zarten Alter von 12 von den Saif verprügelt, was seine Freundin machtlos mitansehen muss. Es entpuppt sich als die Jetzt-Zeit, aus der heraus er dem Leser tiefere Einblicke in seine Herkunft gewährleistet. Abrupt abgeblendet in einen Rückblick, lernt man dort seine Mutter als noch freie Frau 1,5 Jahre vor Antars Geburt kennen -- und ich für meinen Teil auch lieben. Sie bildet die interessanteste Figur des Comics: Mit Mut und Entschlossenheit gesegnet, behält sie auch dann noch ihren Stolz, als sie geschunden und versklavt wird und bei dem noblen Schaddad ibn Muawiya landet. Von diesem wird sie schwanger und gebiert Antar.

Hektisch und unzusammenhängend wirkende Passagen werden fortan aus Antars Leben erzählt; zu kurz, als dass man gedanklich wirklich Fuß fassen oder ihn näher kennenlernen könnte. Die Erzählweise ist diffus und gibt sich kaum Zeit zum Rasten. Das geht zu Lasten der Immersion und des Figurenverständnisses. Es hätte dem Comic gut getan, langsamer und dafür genauer zu erzählen. Vieles muss man sich herleiten, das meiste wird lediglich angedeutet. Aufgrund der wahllos wirkenden Szenen verliert man Antar schnell aus den Augen. Seine Mutter scheint die wahre Protagonistin zu sein, doch schwindet ihre Präsenz mit zunehmenden Alter Antars.

Nichtsdestotrotz ist die Geschichte interessant, die Faszination ergibt sich nicht aus den Figuren, sondern aus der ungewohnten Perspektive. Man hätte mehr draus machen können, doch will ich es auch nicht „schlecht“ nennen.

Im Vergleich zum Plot enttäuschender ist die optische Gestaltung. Wenig Mühe hat man sich mit der Vielfalt der Gesichter gegeben, viele erscheinen austauschbar und es wird einem schwierig gemacht, die verschiedenen Figuren voneinander zu unterscheiden. Der Zeichenstil ist rau, mag nicht so ganz passen zu der Colorierung. Obwohl der Zeichner kein Unbekannter ist -- Eric Battle zeichnete bereits sowohl für DC, als auch Marvel -- bleiben die Illustrationen hinter meinen Erwartungen zurück.

Fazit

Antar: The Black Knight stellt einen soliden, eher durchschnittlichen Start in die Miniserie dar. Nun, da die Einführung in Antars Hintergrund abgeschlossen sein dürfte und man sich auf dessen Werdegang konzentrieren kann, hoffe ich, dass die nächsten Bände stringenter und tiefgründiger sein werden.

Vielversprechend ist definitiv das Setting sowie der Ausgangsstoff, der viel Raum für brillante Erzählung bietet. Ich glaube durchaus, dass sich die Geschichte noch entfalten wird und Okorafor den ein oder anderen Kniff aus dem Ärmel zaubern kann.

Ms Marvel Band 1 Comic Rezension

Kamala Khan ist “Ms. Marvel” – Bd. 1

Autor: G. Willow Wilson | Illustrationen: Adrian Alphona | Verlag: Panini | Format: 124 Seiten, Softcover | Band: 1 von X | Leseprobe

Bis 2012 war sie Ms. Marvel: Carol Danvers, ein blondes, optisches All-American Girl. Dann, nach Mar-Vells a.k.a. Captain Marvels Tod übernahm sie dessen Superheldenidentität und der Name “Ms. Marvel” schien Geschichte.

Doch nicht für lange. Bereits Ende 2013 wurde bekannt, dass im Zuge des allgemeinen Umbruchs jemand Neues Ms. Marvels Nachfolge antreten würde. Die Wahl war ungewöhnlich und wurde kontrovers aufgenommen, passt jedoch hervorragend in die noch immer herrschende Suche nach mehr Diversität: Kamala Khan, sechzehnjährige Tochter einer pakistanischen Einwandererfamilie. Ms. Marvel ist fortan eine Muslima mit eigener Heftreihe und für viele ein Symbol des Widerstands. Die ersten 19 Ausgaben hat Panini Comics mittlerweile als Sammelausgaben in deutscher Übersetzung herausgegeben.

Den ersten Panini-Sammelband möchte ich euch hier vorstellen.

Handlung

Kamala wächst als Teenager zwischen den Welten auf: Als muslimische Amerikanerin steht sie zwischen zwei Stühlen, scheint zu keiner hundertprozentig zu gehören. Für ihre Familie ist sie nicht konservativ genug, während sie von ihren Mitschüler nicht selten mit Klischees beworfen wird, was in Teilen auch auf ihre geekigen Hobbies zurückzuführen ist. So schreibt sie Fan Fictions, spielt Rollenspiele und ist Fan der – in ihrer Welt schließlich auch real existierenden – Superhelden. Ihre Lieblingsheldin ist Captain Marvel. Und in genau die scheint sie sich während einer schiefgelaufenen Partynacht zu verwandeln.

Dem zugrunde liegt das – bei Ms. Marvel nicht näher erläuterte –  Crossover “Infinity“. In dieser Heftreihe zündet Black Bolt eine Bombe, welche überall auf der Welt den Terrigen-Nebel freisetzt. Menschen, welche das Inhuman-Gen in sich tragen, bekommen durch den Kontakt mit dem Nebel Superkräfte. Von alldem weiß Kamala natürlich nichts und muss fortan, ähnlich wie einst Spiderman,  alleine zusehen, wie sie mit den neu erworbenen Kräften umzugehen hat. Und das ist im normalen Teenager-Alltag alles andere als einfach.

Religion als Teilaspekt

Die Aufmerksamkeit, die die neue Ms. Marvel bereits vor Veröffentlichung der ersten Ausgabe erfahren hat, kommt natürlich nicht von ungefähr. Zwar ist sie nicht die erste muslimische Superheldin (man beachte etwa Dust von den X-Men), doch die erste, die als Titelheldin fungieren darf. Wer hier nun einen klischeebeladenen,  harsch demonstrierenden Krampf erwartet, wird hier allerdings nicht fündig werden. Die Religion soll nur eine Facette Kamalas sein und nicht das, was sie alleine ausmacht. Zwar werden Erwartungen bedient – so werden die gläubigen Eltern strenger dargestellt und etwa die Essensgebote thematisiert – doch wirkt es nicht plakativ, sondern natürlich.

Dass die Autorin G. Willow Wilson nicht nur vor einiger Zeit selbst zum Islam konvertiert ist und somit keine Außenstehende mehr ist, sondern auch einige Muslime und diverse Ansichten kennt, merkt man deutlich. Die Religion nimmt eine angenehme Nebenrolle ein und erdrückt den eigentlichen Plot nicht, sondern dient als Unterstützung des Charakters.

Ms Marvel Wolverine

Der steckt in einer Identitätskrise zwischen Freunden, Familie und den Kulturen. Die Verwandlung geschieht auf eigenen Wunsch hin, als sie, im wahrsten Sinne des Wortes benebelt, Captain Marvel, Captain America und Iron Man vor sich sieht. Kamala beteuert, Captain Marvel sein zu wollen. Beliebt, hübsch, das Böse bekämpfend. Angekommen in ihrer Welt. Der Wunsch wird prompt erfüllt, die drei nebulösen Gestalten verschwinden zurück im Nebel und lassen Kamala in Captain Marvels Gestalt inklusive Superkräften zurück. Aber ist das alles? Ist sie nur dann “super”, wenn sie eine lange blonde Mähne hat, die im Wind wehen kann und lange Beine, an denen sich sexy Overknees schmiegen? Ist es so erstrebenswert, tatsächlich jemand anderes zu sein und dafür seine eigene Identität zu verleugnen?

Das zum Glück nicht, denn das wäre definitiv ein Schritt in die falsche Richtung. Sie ist zur Verwandlungskünstlerin geworden, kann Gliedmaßen, Körpergröße, die ganze Gestalt verändern. Die Captain Marvels ist lediglich temporär, auch wenn es sie zugegebenermaßen zunächst sehr reizt, in Gestalt des Vorbildes zu agieren. Dass sie letztlich sich selbst treu bleibt, ist obligatorisch.

Mit diesen Fähigkeiten weiß sie zunächst natürlich wenig anzufangen und hat in den ersten Ausgaben viel damit zu tun, zu trainieren. Wenn man die dilettantischen Versuche mit ihrem dezent bekifft anmutenden Freund wirklich “Training” nennen darf. Wofür sie ihre Kräfte einsetzen will, ist jedoch sofort klar, denn das ist schließlich das, was sie nicht nur in ihren Fan Fictions bereits betreibt, sondern auch von ihren Eltern beigebracht bekommen hat: Hilfsbereitschaft, selbst wenn es heißt, sich selber zu gefährden, die Schwachen zu schützen und an das Allgemeinwohl zu denken. Wenn nicht jetzt, wann dann?

In den ersten Einzelausgaben sind es kleine Rettungsaktionen, die zum Teil sogar schiefgehen. Keine Endbosse, wie man sie von den “Originalen” gewöhnt ist. Der Fokus liegt noch auf Kamalas Person, ihrem Alltag und ihrer Art, mit der Verwandlung und der neuen Verantwortung umzugehen, dort hineinzuwachsen. In späteren Ausgaben, das hat die Autorin versprochen, wird es auch Interaktionen mit anderen Superhelden geben, die schließlich ebenfalls durch Jersey flattern. Dass aus dem pubertierenden Nerd in nicht allzu ferner Zukunft eine schlagkräftige Ms . Marvel werden wird, davon gehe ich stark aus!

Fazit

Die Story ist sehr kurzweilig und führt neben Kamala auch interessante Nebenfiguren ein, über die ich ebenfalls gerne mehr erfahren würde und die über ausgearbeitete Hintergrundgeschichten zu verfügen scheinen. Eine Feel good – Coming of Age – Superhero-Symbiose die echt cool ist, um mal tief in die Anglizismuskiste zu greifen. Sie ist an ein jugendliches Publikum gerichtet, doch ich denke, dass sich auch ältere Semester gut mit der neuen Ms. Marvel anfreunden können. Die Zeichnungen Adrian Alphonas runden das ganze gekonnt ab, bilden eine gute Mischung aus überzeichneten, humorvollen Passagen und rauer Federführung, der es an Dynamik nicht mangelt.

Batmans meets Turtles meet Ra’s al Ghul = Comicempfehlung!

Autor: James Tynion IV | Illustrationen: Freddie E. Williams II | Verlag: DC Comics / IDW Publishing / Panini | Format: 140 Seiten, Hard/Softcover

Inhalt

Dank eines perfiden Plans des possierlichen Krang landen nicht nur die Turtles, sondern ausgerechnet auch Shredder samt Foot Clan in einer anderen Dimension – und punktgenau in Gotham City. Dort mischen sie ein Labor auf und entwenden aus sicher sehr heroischen Gründen einen wichtigen Generator, der in den falschen Händen Grausames anrichten kann. Prompt werden sie vom überlebenden Laborpersonal als Monster und Kumpanen der Foot identifiziert. Logisch, dass sofort Batman gerufen wird, um der Schildkrötenplage Herr zu werden. Dass sich das erste Aufeinandertreffen der Ritter des Rechts ein ganz klein wenig schwierig gestaltet, steht da außer Frage.

Besprechung

Was klingt wie ein wahr gewordener Traum der Kinder der 80er und 90er ist auch tatsächlich und erstaunlich unterhaltsam. Wir finden hier eine stark unterhaltende Mixtur der bekannten Helden vor, die sich auch und vor allem in den dunklen Momenten nicht zu verstecken braucht. Dabei harmonieren Batman mit seinen Kumpanen wie auch Schurken und die Turtles ausgesprochen gut miteinander, die beiden Welten werden gekonnt zu einer verknüpft, was nicht unpassend oder erzwungen wirkt. Unterstützt wird dieser Eindruck von den hübschen Zeichnungen, die sowohl den Charakter der finster dreinblickenden Fledermaus, als auch die Atmosphäre der Turtles-Comics einzufangen vermögen.

Während sich die ersten Kapitel mit der Spannung zwischen den Turtles und der freundlichen Fledermaus von nebenan beschäftigen, werden die Schurken erst in den darauffolgenden richtig in Szene gesetzt. Dann, wenn die Helden endlich zusammenarbeiten, entfaltet sich das zerstörerische Potential des Feindes. Zusammen mit dem Pinguin, Ra’s al Ghul und allerlei anderem Gezücht Gothams bereitet sich Shredder auf eine kleine Mutagen-Apokalypse vor, die Gotham verschlingen soll.

Sowohl zwischen den Zeilen, als auch im direkten Dialog zünden die Gags, die einerseits auf der Metaebene stattfinden und andererseits in den Charakteren begründet liegen, die ebenso gut getroffen sind wie die Optik derer. Wenn Donatello einen leicht philosophisch angehauchten Monolog über seine Heimatstadt hält, horcht das Fanherz auf, wenn Michelangelo sein Videospiel in Trümmern sieht, weint es ein bisschen mit und selbst Alfred und das – zugegebenermaßen sehr gewöhnungsbedürftig anmutende – Batmobil bekommen ihre Momente. Natürlich besonders spaßig wird es, wenn die Recken mit den Gegebenheiten des jeweils anderen konfrontiert werden; Batman etwa genüsslich an einer Pizza knabbert oder Michelangelo durch die Batcave surft.

Das Crossover an sich wird durch zwei Kämpfe schön verdeutlicht: Während sich Batman gegen die Foots behaupten muss und dabei einen ersten, ehrfurchtsgebietenden Blick auf Shredder werfen kann, mühen sich andernorts die Turtles mit dem Killer Croc ab. Die Kämpfe an sich sind nett anzusehen, gehen jedoch nicht zu sehr ins Detail. Letzteres erfährt im finalen Kampf leider seinen negativen Höhepunkt: Hier wird der Endkampf derart schnell und vergleichsweise lieblos abgehandelt, dass die Masse der eigentlich hochgradig vielversprechenden Bösewichte doch arg verschwendet wird.

Fazit

Wir reden hier nicht von den aktuellen Versionen der jeweiligen Helden, aktuelle Ereignisse stehen hier also außen vor. Der Comic funktioniert als zeitloser Einzeltitel und das ist wohl auch gut so. Ich habe die 6 Issues umfassende Geschichte mit Genuss gelesen und hoffe sehr, dass es nicht das letzte gemeinsame Abenteuer dieser edlen Recken bleibt! Batman, wie wär’s mal mit einem kleinen Ausflug nach New York?

Story:               
Artwork:          
Panel Layout:  
Innovation:       
Phoenixfaktor

Autor: James Tynion IV | Illustrationen: Freddie E. Williams II | Verlag: DC Comics / IDW Publishing / Panini | Format: 140 Seiten, Hard/Softcover
Elfquest Final Quest Comic Rezension

ElfQuest: The Final Quest Vol. 1

Autor: Wendy&Richard Pini | Illustrationen: Wendy Pini; Coloration:  Sonny Strait | Verlag: Dark Horse Books | Format: 192 Seiten,  Softcover

Inhalt

[The Final Quest ist die neuste Reihe innerhalb des Elfquest-Universums. Wer wissen will, was Elfquest überhaupt ist, den verweise ich zu diesem Video von mir und natürlich auf die offizielle Seite.]

Nach den Ereignissen in Shards  sollte eigentlich Ruhe eingekehrt sein, doch leider sind es wieder die Menschen, die mit dem Frieden nicht so ganz einverstanden sind. Der Sohn des Grohmul-Djun, Angrif Djun giert nicht nur nach Macht, sondern auch und vor allen Dingen nach Unsterblichkeit. Diese erhofft er sich vom blondgelockten Wolfreiter Mender, der nicht nur heilen, sondern Körper auch verändern und dementsprechend altersresistent gestalten kann. Zudem ist es auch der magische Palast der Hohen, der Veränderungen innerhalb der Sippen forciert.

Besprechung

Elfquest ist meine erste große Comicliebe, insofern kann ich hier absolut nicht objektiv sein: Ich liebe Elfquest und bekomme regelmäßig beim Lesen der bekannten Werke eine Gänsehaut. Dennoch möchte ich euch hier The Final Quest vorstellen und ein wenig näher beleuchten. Unter der rosaroten Brille, versteht sich, dessen müsst ihr euch bewusst sein.

In dem vorliegenden ersten Band enthalten sind die Issues 1-6 inklusive dem prologartigen Special und den Covern der einzelnen Ausgaben im Anhang. In Amerika bislang erschienen sind 8 Issues, der neunte ist auf dem Weg der Veröffentlichung. Nahtlos reiht es sich an Hidden Years an und beinhaltet direkte Verknüpfungen nicht nur zu dieser Reihe, sondern ebenso zu seinen Vorgängern: Als Neuling hier einzusteigen, halte ich für eine denkbar schlechte Wahl. Hier wäre es definitiv besser, mit den klassischen Abenteuern in der Elfenwelt zu beginnen, die den Anfang der kompletten Reihe markieren und die große Reise der Wolfsreiter auf der Flucht vor den Menschen und der Suche nach anderen Elfenstämmen zeigen. Lesen kann man alle bisherigen Publikationen mit Ausnahme der final Quest auf der ofiziellen Website. Für lau. Fangt doch mit The Original Quest an!

Final Quest jedenfalls gibt nach all den anderen – nicht immer „guten“ – Künstlern, die Elfquest bislang neben Wendy Pini mit Zeichnungen versorgt haben, ein Back to the Roots- Feeling. Wendy Pini zeichnet sich endlich wieder verantwortlich für die Zeichnungen und das steigert die Qualität meiner Meinung nach erheblich. Es gibt ein Wiedersehen mit einigen tot geglaubten Charakteren sowie mit Charakteren, die tatsächlich gestorben sind – in der Erinnerung oder mit Hilfe des Palastes. Die Frage, woher Teir stammt, wer seine Eltern sind, wird geklärt und somit sein loser Handlungsfaden in das großen Geflecht geknüpft. Dabei beginnt der Band ruhig und würdevoll. Die Elfen werden in ihrer natürlichen Umgebung gezeigt, sodass man auch nach einiger Zeit der Elfquestabstinenz gut einsteigen und in die Welt der beiden Stämme – Cutters und Embers – eintauchen kann.

Positiv

  • Das ewige Thema „Leben und Tod“, der Kreislauf wird durch die Geburten und Todesfälle gut unterstrichen und passen gut hinein. Durch den Tod der beiden Elfen wird deutlich gemacht, dass es kein Zuckerschlecken ist. Denn nein, es handelt sich nicht nur um Redshirts. Durch die beiden Geburten indes wird der Zugang der Elfen zum Thema Leben klarer und das Detail rund um Moonshade läutet eine ganz andere Ära von ihrer Seite aus ein, die ich mir so nicht erwünscht hätte. Und das ist gut. Endlich eine traurige Liebesgeschichte, die ihre Hofnungslosigkeit nicht aus den bekannten Puzzlestücken zusammen setzt
  • Nicht nur der Zeichenstil, auch die Geschichte selbst ist „back to the roots“. Alte Storyelemente werden aufgegriffen, ohne sie abzunutzen oder zu kopieren. Elfquest hat vor rund 40 Jahren mit der Gefangenschaft eines Elfen und einem schwierigen Erkennen begonnen und genau das tut es auch jetzt. Ember opfert sich gewissermaßen für ihren Stamm, gibt sich in die Hände des Grohmul Angrif, damit sich ihre Wolfsreiter in Sicherheit begeben können
  • Die Beziehungen finde ich großartig. Es ist nicht das klassische Schema, nicht die klassischen Probleme, die auftauchen, sondern solche, die aus der Kultur der Elfen entspringen. Konflikte zwischen dem Weg der Wolfsreiter und der unweigerlichen Veränderung steht ebenso im raum wie das Erkennen, das zwar vom Leser gerne mit Liebe gleichgesetzt wird, aber davon absolut nicht abhängt und, wie in diesem Fall, auch zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt kommen kann.
  • Ich persönlich bin absolut zufrieden mit der Dynamik, die in den ersten sechs Issues herrscht. Actionlastige Momente sind ebenso vorhanden wie die ruhigen, in denen „nur geredet wird“.Gerade in den Actionsequenzen trumpft Wendy Pini auf, kann mit ihren Panels überzeugen. Die Geschichte ist spannend, denn ich bin mir wirklich nicht sicher, wie es enden wird, was vor allen Dingen die inneren Konflikte betrifft.
  • Vollkommene Zufriedenheit bei mir als Elfquestfan: Endlich wieder neue Abenteuer, endlich sehen, wie es mit den Elfen weitergeht, endlich wieder Elfquest, so wie es sein soll!!
  • Strongbow! ♥ Ember! ♥ Teir! ♥ Freetouch! ♥ Ehm ja. Verzeihung.

Negativ

  • [Kleiner Spoiler] Mit der Art, wie eine der beiden Elfen gestorben ist, bin ich unzufrieden. Es war so… sinnlos auf die denkbar ungünstigste Art: Es war nicht nur selbstverschuldet, sondern sogar gewollt. Kein Suizid, doch wir kennen ja die Einstellung der Go-Backs, heroisch im Kampf zu sterben. Doch warum dort? Warum nicht in einer Schlacht, die wirklich zählt? Es war so… häh? Nö, nicht einverstanden.
  • [Kleiner Spoiler] Meines Wissens nach sind Elfendamen zwei Jahre lang schwanger. Dass das Erkennen also aufgeschoben wird, nur um zu verhindern, dass das Kind unter widrigen Umständen groß wird oder die Frau in der härtesten Episode schwanger ist… Hm. Gerade weil ein Krieg bevor steht, wäre doch eine Schwangerschaft gut. Wer weiß, ob das mit dem Erkennen überhaupt so astrein aufgeschoben werden kann oder es beide überleben? Die Fruchtbarkeit der Elfen ist solch ein zartes Pflänzchen…
  • Brokeback-Pose. Tsts, Wendy, und dann noch solch eine extreme! 😉

Fazit

Insgesamt bin ich also höchst zufrieden. Ich hatte ja auch lange genug auf neuen Stoff gewartet! Die einzelnen Ausgaben zu bestellen gestaltete sich für mich als Nichtkreditkartenbesitzerin eben etwas schwierig. Volume 2 der Sammelausgabe wird erst 2016 erscheinen, doch so lange werde ich nicht mehr warten können, zumal ich mich auch selber immer bei der offiziellen ElfQuest-Facebookseite spoiler (JA, ich tue es gerne!). Also müssen die Einzelbände wohl bei Ebay bestellt werden. (Schon getan! Bis Band 8 zumindest, der neunte wird erst noch erscheinen). Sollen ElfQuestfans also hier zugreifen? Definitiv! Ist es etwas für Neueinsteiger? Nein. Zumindest nicht, bevor ihr nicht die früheren Comics auf der Website nachgelesen und euch etwas EQ-Wissen angehäuft habt!

Es sprach: Guddy, ein Fan.

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