Aller Anfang ist … Käsekuchen.

Eine leere Seite.

Was für die meisten gar nicht so bedrohlich klingt ist für mich und viele andere Schreiberlinge der blanke Horror. Weiß und leer scheint die Seite am Beginn des Manuskripts sagen zu wollen: „Ha! Du hast noch nichts geschafft. Hörst du? Nichts! Und du wirst auch nie etwas schreiben. Niemals!“

Dann schwebt der Zeigefinger über der Tastatur, während man schweissgebadet nach der besten Formulierung für den allerersten Satz sucht. Wobei: Muss es gleich die „beste Formulierung“ sein? Reicht nicht eine „gute“? Oder eine, die „ganz in Ordnung“ ist? Ach, Hauptsache es ist ein Satz! Oder ein Wort. Na ja, letztlich würde es doch auch reichen, wenn es nur ein Buchstabe ist? Oder…?

Und so hadert man, denkt angestrengt nach, blättert in Romanen anderer Autoren, geht im Zimmer auf und ab, grübelt, googelt nach den „besten ersten Sätzen“, denkt, denkt, denkt.Und raucht. Aus den Ohren.

Nein, die leere Seite ist nicht mein Freund, weder auf der ersten Seite des Manuskripts, noch des Kapitels. Denn sie bedeutet, dass man erstmalig die Bilder, die man sich im Kopf zur jeweiligen Szene gemacht hat, in Worte fassen muss. Dass man endlich anfangen müsste. Verdammt, dieser Druck! Ist der erste Satz jedoch erst geschrieben schreibt es sich schon von ganz alleine. Dabei reicht es mir oft sogar, wenn da irgendetwas steht. Der erste Satz muss nicht mal Sinn ergeben – gelöscht werden kann er schließlich später noch! Hauptsache, die Seite ist nicht mehr so leer und bedrohlich.

Dabei habe ich bei schneller Durchsicht meines noch unbearbeiteten Manuskripts folgende, literaturpreisverdächtige erste Sätze gefunden:

  • „Erster Satz.“
  • „Käsekuchen wäre jetzt geil!“
  • „Ashinari würde gerne bei Zrasi anrufen, doch leider gibt es in ihrer Welt kein Telefon.“
  • „Der Tag, an dem alle sterben, es sei denn, sie sind eh schon tot.“
  • „Blut, Blut, Blut und noch mehr Blut!“
  • „Naturelle [natriumarm]: Natürliches Mineralwasser ohne Kohlensäure.“

Fehlt eigentlich nur noch ein: „Wenn ich das später lese bin ich doof.“

So oder so: Man muss anfangen. Da führt leider kein Weg dran vorbei. Der erste Satz muss nicht gut sein, denn er kann später immer noch überarbeitet werden. Ist man erst einmal im Fluss, schreibt es sich auch ohne genialen Startsatz gut. Hoffentlich.

Momentan arbeite ich an zwei Projekten. Das eine ist ein humoristischer Fantasyroman, in dem eine alte Dame mit Knieproblemen und einem akuten Erdbeer-Vanillemarmeladenproblem die Welt retten muss.

(Die ersten Sätze: Die fürchterlichsten Unfälle geschehen daheim. Das hatten schon Kalypses Uroma und deren Großvater gesagt, lange bevor der Satz in Mode kam. Kalypse hätte es also besser wissen müssen. Trotzdem saß sie nun mit lang ausgestreckten Beinen an ihrem Lieblingsplatz, von derart viel Wolle umgeben, dass man meinen könnte, sie würde sich selber stricken und nicht bloß ein Paar Wintersocken. Das Schlimme dabei war nicht etwa das wurmzerfressene Holz, aus dem der Schaukelstuhl bestand und bei jedem Knarrzen mit baldiger Selbstaufgabe drohte. Auch nicht das Feuer, das behaglich in seinem Kamin vor sich her fackelte und dabei gefährlich nah an den Korb mit den Wollknäueln kam. Sondern die ganz einfache Tatsache, dass sie sich Zuhause befand.
Ja, sie hätte es definitiv besser wissen müssen.

Das andere soll ebenfalls ein Roman werden, allerdings eine wesentlich ernstere Richtung einschlagen. Von diesem Projekt allerdings habe ich bislang nur Plotideen, eine grobe Struktur und die Hauptpersonen. An sich erzählt es die Vorgeschichte meines vorangegangenen Manuskriptes.

So oder so: Die ersten Sätze sind furchtbar und sind die bei mir am häufigsten überarbeiteten!

Und: Kennt ihr das Problem der ersten Sätze? Wie löst ihr es? 🙂


Picture by Dustin Gaffke via Flickr.com under the following creative commons: Attribution-ShareAlike

„13 Reasons Why“ und sein Umgang mit der Rape Culture. Ein Positivbeispiel.

[Dieser Text enthält Spoiler]

Der Teenager Hannah Baker begeht Selbstmord. Statt eines Abschiedsbriefs hinterlässt sie einige Kassetten, die je einen Grund für ihren Suizid thematisieren – und diese Gründe sind meistens menschlich. 13 Episoden lang ergründet man an Seite ihres Klassenkameraden Clay Jensen Schritt für Schritt die Abgründe im Geflecht der Highschool.

Das gute und gleichzeitig erschreckende an der Netflixserie ist, dass sie dabei real bleibt. Die Abgründe bestehen nicht etwa aus überstilisierten Drogendeals oder meilentiefen Intrigen, sondern aus Alltäglichem. Das, für sich allein genommen, auf Außenstehende nicht immer furchtbar schlimm wirkt. Die, genau genommen, aber der erste Schritt in Schmähungen oder Schlimmeren sind. Und leider gehören auch Vergewaltigungen zum echten Leben dazu. Genau das alles thematisiert 13 Reasons Why: Rape Culture. Mit all dem Schweigen, dem Slutshaming, unbestraften Vergewaltigern und dem Schutz, den diese von mancher Seite noch immer genießen.

Und die Serie macht das verdammt gut. Endlich.

Natürlich ist es nicht die erste Serie, die Vergewaltigungen und seine Folgen anspricht. Outlander hatte es versucht und ist meiner Ansicht nach an zu wenig Feingefühl und zu viel Spektakel gescheitert. Game of Thrones hat es unter anderem als Plot Device genutzt – und das vornehmlich für eine männliche Figur. In Westworld ist es Teil einer gelebten Fantasie. In Battlestar Galactica zeigt sich die Widerwärtigkeit menschlicher Schadenfreude. Nur ein paar Beispiele von vielen. Das ist auch richtig so, schließlich ist es ein Thema, das präsent sein muss, um irgendwann eine Änderung im Bewusstsein zu bewirken. Aber so differenziert und realistisch wie in 13 Reasons Why wirkt es selten.

13 Reasons why Rape Culture
Gif 13 reasons why with her saying „Why didn’t you say this to me when I was alive“

Der Flügelschlag eines Schmetterlings kann viele tausend Kilometer weiter einen Orkan auslösen, sagt man. Auch hier sind es viele scheinbar profane Dinge, die Hannahs Leben langsam ins Wanken geraten lassen. Der Junge, der einen sehr ungünstigen, da unterwäscheentblößenden Schnappschuss von ihr herumzeigt und durch den sie zum Gespött der Klasse wird. Eine „Hot or Not“-Liste, auf der ihr Hintern als „best ass“ bezeichnet wird und durch die sie zur Zielscheibe für sexuelle Anspielungen und Getatsche innerhalb der ganzen Schule wird. Viele weitere Dinge, die zusammengenommen bei ihr zum Suizid geführt haben. Es sind sexuelle Übergriffe. Ja, manche fangen klein an. Welche Wirkung haben sie, sowohl auf Opfer, als auch Täter?

Dabei wird nicht nur aus ihrer Sicht, sondern auch aus Sicht der anderen Beteiligten erzählt. Es ist eine ruhige Erzählweise, die sich den Gefühlen und Innenleben der Teenager annimmt und viele Gründe sucht und auch findet. Es sind alles keine Monster. Es sind doch „nur Jungs“. Eine lapidare Bemerkung, die auch im realen Leben immer wieder fällt. „So sind sie eben“. Rape Culture bedeutet auch, dass solches Verhalten toleriert oder abgewunken wird.

Meist wird aus dem „Male Gaze“ heraus gefilmt. Sicherlich auch bedingt durch den Männerüberschuss bei der kreativen Produktion ist es dann nicht die weibliche Sicht, die zählt. Hier schon. Man blickt nicht durch die Linse des Stalkers, sondern bleibt nah bei Hannah und ihren Gefühlen. Das Foto ihres Hinterns wird nur kurz angedeutet, viel mehr erfährt man durch die Reaktionen der anderen, was darauf zu sehen ist. Auch die Vergewaltigungen sind aus Sicht der Opfer. Der Täter selbst ist einer der wenigen, aus dessen Sicht die ganze Serie hinweg gar nicht berichtet wird.

13 Reasons Why Shower
13 Reasons Why: Person hinter Duschwand, diffus zu erkennen

Schweigen. Viele hören sich die Tapes an, Clay ist der einzige, der reagiert. Und das ist leider Normalität. Die Serie ist ein Spiegel der Gesellschaft, die lieber bequem weg sieht, statt zu helfen, lieber nicht glaubt. Für die Slut Shaming größer geschrieben wird als die Hilfe an die Opfer. „Sie hat es so gewollt. Sie hat doch einen kurzen Rock getragen.“

„Sie sagte nicht, dass sie von dir gefickt werden wollte.“ – „Sie hat auch nicht Nein gesagt.“

Für viele ist ein „Nein“ leider noch immer das, woran sie eine Vergewaltigung festmachen. So fragt auch der Lehrer, ob Hannah Nein gesagt habe. Hatte sie nicht. Doch das ist bei einer Vergewaltigung nicht der Punkt. Es ist vielmehr nur eine von unendlich vielen klaren Möglichkeiten, seine Ablehnung gegenüber der sexuellen Handlung zu bezeugen. 13 Reasons Why macht klar, dass ein Opfer gelähmt sein kann vor Angst und Schock über die Handlung.

“I wanted guys to be uncomfortable when they read it, and both the book and the TV show made a point of noting that Hannah never says no. Because that’s what we always hear, right? ‘When a girl says no, she means no.’ But there are plenty of times when a girl’s afraid to say no for various reasons, and it doesn’t mean, ‘Oh, as long as they don’t say no, then everything’s fair game.’ You need to be a better person than that.” (Autor Jay Asher via Buzzfeed)

Die Serie will nicht bequem sein und ist es auch nicht. Man soll das Gesehene reflektieren. Die Nähe zu den Figuren macht es möglich, sich hineinzuversetzen, mitzufühlen. Und über eigene oder erlebte Unzulänglichkeiten nachzudenken. Rape Culture is a thing. Und die die Serie spiegelt das gut wider.

Daher von mir trotz etwaiger Längen ein absoluter Serientipp.

#Team Diversity bei Marvel

Superheldinnen sind schlecht fürs Geschäft. Das sagte ein Manager des Comic-Verlags Marvel am vergangenen Wochenende bei einer Tagung von Comic-Händlern im Interview mit dem Online-Magazin ICv2″, heißt es in der Onlineausgabe der Süddeutschen Zeitung. Unter dem Titel „Marvels Superheldinnen sind Ladenhüter“ kommentiert David Steinitz die seit letzten Herbst fallenden Verkaufszahlen der Marvel-Comics auf Basis des Kommentars von Marvels VP Sales David Gabriel. Dieser machte in den letzten Tagen im Internet die Runde. Meist reißerischer Art, die natürlich einen minderen Shitstorm nach sich zog. Dabei hat David Gabriel nicht einmal behauptet, dass konkret „Superheldinnen schlecht fürs Geschäft“ seien.

Auf die der Händlertagung folgenden Interviewfrage des Magazins ICv2, wie Gabriel sich den veränderten Geschmack der Comicleser erklärt, antwortete dieser mittlerweile vielzitiert:

I don’t know if that’s a question for me.  I think that’s a better question for retailers who are seeing all publishers.  What we heard was that people didn’t want any more diversity.  They didn’t want female characters out there.  That’s what we heard, whether we believe that or not.  I don’t know that that’s really true, but that’s what we saw in sales.
We saw the sales of any character that was diverse, any character that was new, our female characters, anything that was not a core Marvel character, people were turning their nose up against.  That was difficult for us because we had a lot of fresh, new, exciting ideas that we were trying to get out and nothing new really worked.

Zum Teil bezieht er sich auf die Aussagen der Händler*innen, die ICv2 während der Händlertagung ebenfalls online gestellt hat. Hier im ersten von drei Berichten lenkt Gabriel ein, dass Marvel grundsätzlich zu viele Figuren verändert und daraufhin den Unmut der Fans auf sich gezogen  habe. „The feedback was that had changed too many characters„. Der Wille, auf Diversität zu setzen, sei jedoch nicht per se ein Genickbruch. Zwar berichtet Marvel-Chefredakteur Axel Alonso:

„But Marvel is not about politics. We are about telling stories about the world.  I think we are an extension of what Stan did.  When I look at what we’re looking to do, we’re looking to tell stories that matter in this time. That’s the most important thing.“

Doch schließt das eine das andere ja nicht aus. Das bestätigen auch die Händler*innen vor Ort: „If the underlying quality of the material is good, it will do well. You have obvious hits with Miles as Spider‑Man, you have it with G. Willow Wilson’s Ms. Marvel, because the underlying content was good.“ und „I don’t think diversity is actually an issue, as long as the product is good.“ Auch Alonso selbst hat eine rührende Geschichte über seinen koreanischen Neffen zu erzählen, der sich durch die neue Version des Hulk plötzlich mit diesem identifizieren kann.

Die Zahlen

Wie sehen die amerikanischen Zahlen denn nun tatsächlich aus? Noch 2014 war die muslimische Kamala Khan aka. Ms. Marvel digitaler Bestseller Nr. 1, Black Panther indes 2016 mit 253.259 an die Shops verkauften Titeln der Topseller und unter den beiden einzigen Titeln, die im letzten Februar über den Marvel-Durchschnitt von 38.521 verkauften Titeln kommen konnten war „The Mighty Thor“, also die neue, weibliche Version des Donnergottes.

Von den 10 Topsellern Marvels besitzen drei eine diverse Hauptfigur: Jane Foster alias The Mighty Thor (weiblich), The Invincible Iron Man (weiblich und POC) und Black Panther (POC). The Mighty Thor verkauft sich sogar besser als der Vorgänger Thor: God of Thunder. Auch bspw. Spider-Gwen (29.168), Jessica Jones (25.769), Mighty Captain Marvel (24.172) und Ms.Marvel (19.870) schaffen es in die Bestsellerlisten.

Der Marveltitel, der im Februar am wenigsten häufig verkauft wurde, ist Solo (männliche Hauptfigur) mit 4.903 verkauften Ausgaben, Patsy Walker Aka Hellcat schafft es als einzige weibliche Hauptfigur in die „Top -10“ mit 7.532. Das sind freilich nur die Zahlen des Februars, ähnlich verhält es sich jedoch auch mit den Monaten zuvor.

Diversity killed the Cat?

Das „All-New, All-Different“-Konzept Marvels hatte im Oktober ’15 zwar stark begonnen, doch dann auch speziell nach DC’s Rebirth, nachgelassen. Marvel hat in den letzten beiden Jahren derart viele Titel auf den Markt geschmissen, dass sich nur wenige oben halten können. Seit 2015 wurden rund 100 Serien (re)launched mit ~6 neuen Issue #1 pro Monat. Dass jedoch statt Masse Klasse zählt und man nicht jede einzelne neue Serie verfolgen kann, ist obligatorisch. Wie es ein Händler beim Retail Summit so schön sagte: „When you start over with a number one and you’re trying to restart new inertia, it’s a point for people to jump off, as well as to jump on.

Wie eingangs auch schon erwähnt, ist es nicht die Diversität, mit der eine Story steht oder fällt. Es sind die Erzählstränge und Figuren an sich, die Kreativität der Autoren und Zeichner dahinter, die die Qualität eines Comics ausmachen. Eine muslimische Wilson kann sich vielleicht besser in eine Ms.Marvel hineinversetzen als ein weißer, männlicher Autor es könnte. Die Geschichte hinter The Mighty Thor ist interessant und unique, Squirrel Girl besticht durch Ansätze einer Parodie, während die schwächeren Titel vielleicht nicht durch Kreativität glänzen.

Dass es weibliche und diverse Figuren in die Bestsellerlisten schaffen, können wir anhand der Zahlen einfach erkennen. Es sind Charaktere, die die bestehenden nicht ersetzt, sondern ergänzt haben. Es reicht nicht, einen Superhelden einfach verschwinden und dafür eine Figur mit diversem Hintergrund seinen Platz einnehmen zu lassen. Was es braucht, sind gute Autor*innen, die im besten Fall auch nicht immer dem weißen Heteromann entsprechen. Das, was DC momentan besser zu schaffen scheint, ist die Kreierung eines komplexen, interessanten Plots, der trotzdem unterhaltsam bleibt. Da hinkt Marvel hinterher.

Und Deutschland?

Hierzulande hat Panini das Superheldenszepter in der Hand. Natürlich sei der deutsche Markt mit seinem komplexeren Markt und dem für Panini daraus resultierenden veränderten Veröffentlichungskonzept kaum mit dem amerikanischen zu vergleichen, so PR- und Press-Manager Steffen Volkmer. Ihn hatte ich kurzerhand angeschrieben, um mir mehr Informationen über die Situation der Superheldinnen deutscher Fassung einzuholen.

Konkrete Zahlen nennt er leider nicht. Allerdings liegt auch hier DC vor Marvel, wenn auch längst nicht in dem Ausmaß wie in den USA. Auch was Superheldinnen im Speziellen betrifft hat DC die Nase vorn:

„Betrachtet man die weiblichen Helden losgelöst, sind sie allgemein nicht die Verkaufsschlager (außer Harley Quinn). Sie sind aber auch nicht die mit den schlechtesten Zahlen und wenn man berücksichtigt, dass die reinen Heldinnen-Serien ein recht junges Segment sind, schlagen sie sich sogar recht gut.“

Vielleicht müssen neue Serien auch einfach reifen. Sieht man sich in einschlägigen deutschen Comicforen um, scheint der Tenor klar. Heldinnen: Gerne. Aber bitte keine Mary-Sue. Derer gibt es noch immer zu viele, was wieder auf schlechtes und/oder simples Writing zurückzuführen ist.

Ich persönlich glaube auch nicht, dass das Geschlecht des Helden alleine Ausschlag gibt. Wie seht ihr das?

weitere Quellen 
comicsbeat.com | vulture.com | diamondcomics.com | comichron.com
Header Shoppen im P&P

Der Ort im P&P, der mich wahnsinnig macht

„Ich gehe in den Krämerladen und kaufe ein…“ Gähn. Kaum eine Location stört mich mehr als die Krämer,- Waffen-, Rüstungs-, und Wattebauschläden in beliebigen Rollenspielen. Meiner Erfahrung nach werden diese Szenen unnötig ausgedehnt. Jeder Einkaufszettel, ob er nun drei Zutaten für ein Butterbrot oder ein einziges Paar Stiefel enthält, wird zelebriert, als handle es sich um die Schlüsselszene des Abenteuers. 99% der Einkaufsdialoge laufen dabei nach einem Schema ab.

„Hallo sehr geehrter Händler – Hallo blabla – Ich hätte gerne XY – Oh ja das kostet 6,66 – ne machen wir 6,50 draus – [Insert 3 Stunden Gefeilsche] – So hier bitte schön, für 6,57 ist es deins, sonst noch was? – Ja wo ich schonmal hier bin hätte ich gerne noch XY – vorzügliche Wahl, das macht 42,42 – Na machen wir doch 42,41 draus (…)“ Noooo!

Nun darf man natürlich sagen: „Hey, du hast einfach die falschen Erfahrungen gesammelt / deine Gruppen waren unpassend“. Ersteres mag stimmen, zweiteres jedoch nicht. Es waren zumeist lediglich die Händlerszenen, die mich zu kleinen Schnarchanfällen veranlasst haben. Nicht, dass das bei jedem von euch der Fall sein muss. Vielleicht findet ihr Händlerszenen ja besonders großartig und würdet am liebsten ein „Shopping Queen“-RP erstellen? Nur zu! Dennoch möchte ich meine persönliche Abneigung hier etwas genauer erklären und gleichzeitig den ein oder anderen Tipp loswerden. Es steht allerdings jedem frei, es anders zu bewerten und weiterhin seine eigene Meinung zu vertreten. (Ich werde aus silently aus dem Off judgen. Höhö.)

Weniger ist mehr

Die typische Heldengruppe besteht aus 3-4 Leuten. Wenn nur eine*r davon (ausführlich) einkaufen geht, sitzen die verbleibenden 3 Leute herum und drehen Däumchen (oder dem Spielleiter den Hals um). Wer möchte schon dem x-ten Händlergespräch lauschen? Das „Gameplay“ ist ohnehin gleich oder zumindest sehr ähnlich – warum also das ganze nicht drastisch verkürzen? Tut es jemandem weh? Wenn nicht: Ein „Ich kaufe mal schnell dies und das ein und streiche mir Betrag X ab, ok?“ reicht im Grunde vollkommen und man kann sich auf die wirklich spannenden Geschichten, Spielereien und Aufgaben konzentrieren. Als Beschneidung des Rollenspiels empfinde ich es persönlich nicht. Man spielt generell nicht jedes einzelne Gespräch mit einem NPC oder auch PC durch, sonst würde ein Abenteuer Tage, Wochen, Monate am Stück brauchen.

Es ist auch nicht unbedingt nur die Location, die mich stört, sondern das Murmeltierartige. Kamen wir, egal innerhalb welcher Spielegruppe ich gezockt habe, in eine Stadt: Zack, der erste Gang war der zum Geschäft. Je-des Mal. Ich konnte es bei den meisten Charakteren bereits mitsprechen. Das war so eingefahren, dass es auch nicht wirklich half, wenn man es angesprochen hat. Dafür waren meine bisherigen Gruppen allerdings bei fast allen anderen Angelegenheiten großartig.

Aus dem Händler (und Laden) einen Typen machen

Genau wie der Wirt nicht immer ein dicker, rotwangiger Kerl sein muss, darf der Händler – oder die Händlerin – auch mehr Profil als die Schuhsohle eines Stepptänzers besitzen. Es ist eine der einfachsten Möglichkeiten, das Einkaufen abwechslungsreich zu gestalten. Wenn nicht jeder Ladenbesitzer gleich wirkt, hat es auch für die unbeteiligten Spieler*innen mehr Anreiz, zuzuhören.

Auch das Geschäft an sich kann ausgeschmückt werden. Erinnert euch an spannende Läden in Computerspielen, Filmen oder auch Bücher. Und wenn es nur Ollivanders ist, das Fachgeschäft für Zauberstäbe aus Harry Potter. Erinnert euch an das individuelle Interieur, wie die ganze Atmosphäre auf euch gewirkt hat. Vermittelt nicht das Gefühl, als gäbe es im gesamten Land nur ein einziges Waffengeschäft, das mit den Helden reist und plötzlich in jeder Stadt, wo die Spieler auftauchen, aufploppt. Jeder Laden kann und darf anders sein. Auch  wenn natürlich nicht jedes Geschäft extrem besonders sein muss, das wäre mit Sicherheit auch dezent dubios. Wenn man aber mit Leidenschaft Einkäufe spielt, dann wäre es doch nicht verkehrt, daraus ein kleines Erlebnis mit Mehrwert zu gestalten. Und wenn man nicht gerade in der Realität oder in einem Sci-Fi-Setting o.ä. spielt, sind komplett gleich geschaltete Ketten wie Aldi und Co eher Mangelware.

Den Shopbesuch ins Abenteuer eingliedern

„Hee … psst. Wolle Info kaufen?“ Nein, ganz so offenkundig muss es ja nun nicht sein. Doch wenn man hin und wieder mal abenteuerrelevante Informationen in Gespräche mit NPCs einfließen lässt, kann das so verkehrt nicht sein. Gerade da bietet sich der Händler besonders an. Warum? Der Wirt ist ohnehin eine erwartete Informationsschleuder. Und die Passantin, die selbstverständlich total zufällig zu plaudern beginnt? Klar. Vom Händler jedoch erwartet man es nicht unbedingt. Wenn man es denn geschickt einfädelt und es eher in Nebensätze einfließen lässt. Zudem bekommt der Einkauf dann etwas weniger Belangloses.

Ich selber habe schlichtweg eine Aversion gegen die Location „Geschäft“ in Rollenspielen entwickelt. Wahrscheinlich ist mein Gefühl da auch etwas übertrieben. In zukünftigen Gruppen (derzeit habe ich leider keine, da mir die Zeit fehlt) werde ich definitiv darauf achten, keine Stunde damit zu verbringen, dass nur einer(!) shoppen geht.

Meine erste Zombiestory

Ich habe die erste Zombiestory meines Lebens wiedergefunden, die ich euch nicht vorenthalten will! Immerhin ist sie.. ungewöhnlich für ein kleines Kind. Eingebettet ist sie in einer Zeitung die ich damals für mein Mein kleines Pony-Völkchen kreiert hatte. Die wahnwitzige Auflage betrug, glaube ich, etwa fünf Stück und war im Format 4x2cm für  zwei Ponymark käuflich zu erwerben. Die Zombiestory war im Ponyland keine Geschichte, sondern bittere Wahrheit, der Zeitungsartikel kündigte das drohende Unheil an.

Damals, in der Grundschule (zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Minizeitschrift war ich 8, maximal 9 Jahre alt, was auch die Rechtschreibung erklären könnte) wollte ich bereits Journalistin werden und habe einiges erstellt, von Kurzgeschichten bis zu ganzen Zeitungen in „Originalgröße“. Die habe ich sogar verkauft – auf der Straße an ahnungslose Passanten, die mir für damals 10-50 Pfennig einfach was Gutes tun wollten. Leider war die Dorfstraße auf dem Weg zum Ölberg nicht hoch frequentiert, sonst wäre ich nun vermutlich Multimillionärin. Ganz sicher.

Doch zurück zur prähistorischen Zombiestory die ich erstellt hatte, um mit meinen Ponys spannende Abenteuer im heimischen Wohnzimmer zu erleben. Laut Zeitungsbericht beginnt die ganze Chose mit unkontrollierter Blutabgabe und scheint sich zunächst um eine ordinäre Seuche zu handeln. Zumindest bis die Ponys eines schönen Tages nicht nur Blut speien, sondern auch noch nach Gehirn und Gedärm dürsten. Selbige Ponys habe ich dann auch noch schön mit rotem Nagellack markiert und ihnen die Haare abgeschnitten. Unschön, wenn sie in der nächsten Kampagne wieder mit schönem Haar glänzen sollten.

Übrigens herrschte zu diesem Zeitpunkt obendrein auch noch Krieg in meinem Ponyland. Meine Ponys hatten es nicht leicht. Noch heute höre ich manchmal ein Stöhnen aus den Kartons im Keller, in dem meine Ponys über vergangene Zeiten jammern.

Der Verlauf der pony’schen Zombiekalypse

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Der Bürgermeister wird gefressen.

Ein Sondereinsatzkommando (bestehend aus drei Kindern. Logisch.) verschanzt die restlichen Bewohner in der Schule.

Die Zombieponies kriechen umher und fressen Kohlköpfe, da sie keine Gehirne finden können

Zombiepony „Scarlett“ raubt die kleine Schwester von Lars, meinem Lieblingspony und Mitglied des Sondereinsatzkommandos.

Lars und seine zwei Freunde stürmen die Zombieponyhauptzentrale.

Alles fliegt in die Luft (dargestellt durch ein mit roter Wasserfarbe eingefärbtes Mehl-Wasser-Gemisch, mit dem ich ganz zur Freude meiner Mutter Teile meines Kinderzimmers in apokalyptische Optik verwandelt hatte)

Die Zombieponys werden von der Ponyprinzessin wieder zurückverwandelt.

Alle haben überlebt – nur der Bürgermeister nicht, der bleibt tot.

Die drei Sondereinsatzkommando-Kids werden gefeiert und es gibt eine große Party.

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Kleine Notiz am Rande: ich hatte tatsächlich eine sehr schöne Kindheit, die Ideen für die ganzen Zombieexzesse habe ich mir von heimlichen Fernsehsessions geholt. Ich bin trotzdem ein ganz normaler Mensch geworden! Fast.

Warum ich das Konzept des „starken weiblichen Charakters“ ätzend finde

Ist Weibsvolk anwesend? Heute ist schließlich der Weltfrauentag! Grund genug, sich endlich wieder die Nägel zu lackieren und die Küche zu putzen!

… oder sich Gedanken über das Frauenbild in der Popkultur zu machen. Nein, der Fokus soll hier nicht auf der allseits bekannten und beseufzten Sexualisierung liegen, auch nicht auf irgendeiner ominöse Quote. Sondern auf der Art von Heldin, die gemeinhin als „stark“ betitelt wird. Vielleicht geht ihr kurz einen Moment in euch und überlegt: „Was bedeutet dieses „stark“ eigentlich für mich?“

Physische Stärke? Kampftalent? Der Gefahr trotzen? Sich wie ein Mann benehmen?

Sucht man einfach mal nach „strong women in comics“ findet man in erster Linie Charaktere, die „kick-ass“ sind: Wonder Woman, She-Hulk, Red Sonja – Jeder Taschendieb würde sich drei Mal überlegen, bevor er solch eine Dame um ein paar Münzen erleichtert. Physische Stärke und/oder kämpferischer Skill ist oft das erste, das einem in den Sinn kommt (außer dir natürlich, der gerade schurkenhaft kichernd die Kommentarsektion sucht um meine Worte zu widerlegen). Der Ruf nach mehr starken Frauen deckt dann auch gerne genau diese Sparte ab: Gebt uns mehr weibliche Arschtreter! Bestenfalls natürlich solche, die gleichzeitig hochgradig intelligent und gutaussehend sind, doch ist das nichts, das bei männlichen Charakteren groß anders wäre.

Wo ich gerade „männlich“ eintippe: Wie oft werden solche Protagonisten als „stark“ beschrieben? Richtig: Selten bis nie. Bei Männern scheint man es nicht für nötig zu erachten, sie noch zusätzlich zu definieren: Sie sind es scheinbar automatisch. Warum braucht es bei Frauen diesen Zusatz? Weil man grundsätzlich annimmt, dass sie schwach sind.

Männer und Frauen sind nicht gleich. Bereits rein biologisch präsentieren sich einige mehr, und einige weniger offensichtliche Unterschiede. Ich habe kein Problem damit, zuzugeben, dass der Mann im Mittel stärker ist als die Frau. Ich habe kein Problem damit, wenn es mehr physisch starke männliche, als weibliche Charaktere gibt. Womit ich jedoch durchaus meine Schwierigkeiten habe, ist die Annahme, nur eine physisch starke/gewandte/fitte Protagonistin könne stark sein. Mir scheint es, die Frau verliere automatisch an Stärke, sobald sie gekidnappt wird. Ist eine Peach schwächer als eine Michonne? Nicht unbedingt.

Die gute Frau Peach wird gekidnappt. Immer und immer wieder. Wenn man nun davon ausgeht, dass die Spiele einer mehr oder weniger zusammenhängenden Storyline folgen, hat die Dame also bereits einiges erlebt – und reckt dennoch in ihrem pinken Kleidchen stolz das Kinn, während sie nebenbei ihr Königreich wieder regiert und einen anlächelt, als wäre nichts gewesen. Sie kann Bowser nicht den Hintern versohlen, dafür jedoch zeigt sie andere starke Eigenschaften.

Peach ist natürlich ein stark stilisiertes Beispiel, schließlich ist die Geschichte hinter den Jump’n’Runs (und den etlichen weiteren Ablegern des Klempneruniversums) eher alibimäßig vorhanden, als wirklich durchdacht. Sie dient hier lediglich als einfaches Beispiel, das in wesentlich komplexerer Art und Weise auch auf weitere Charaktere übertragbar ist.

Die Existenz von Schwäche schließt Stärke nicht aus. Das wäre eine denkbar flache Charakterzeichnung, die ich weder bei männlichen, noch bei weiblichen Charakteren sehen muss. Eine Frau darf schwach sein und ich sehe eine klare Daseinsberechtigungen für die kochenden, weinenden, shoppenden Charaktere dieser Welt. Wenn es nicht die einzigen Wesenszüge weiblicher Charaktere bleiben. Auch Weiblichkeit kann stark sein und ein pinkes Kleidchen macht einen nicht schwächer.

Präsidentin Roslin, Battlestar Galactica

Ich brauche keine „starke Frau“ in einem Comic, Film oder Videospiel. Nicht, wenn damit die Kampfsau gemeint ist. Eine der stärksten, weiblichen Charaktere ist in meinen Augen Präsidentin Laura Roslin aus Battlestar Galactica. Auf ihren Schultern lastet das Schicksal der gesamten Menschheit, ihr Körper wird von einer unheilbaren Krankheit gebeutelt und dennoch schafft sie es immer wieder, die Schultern zu straffen und resolut Entscheidungen zu fällen. Trägt sie dabei eine Knarre? Braucht sie eine „starke Pose“ mit geballter Faust? Nein.

Ein weiblicher Charakter wird nicht stark, nur weil man ihn vermännlicht und mit ballernden Penisprothesen ausstattet.

Es gibt mehr starke Charaktere dieser oder jener Art, als manche denken wollen.

Ein Schwank aus dem Leben einer Comicautorin

Die Kanadierin Blake Northcott bezeichnet sich selber als „Autorin, Twitterin und exzessive Vampirslayerin (insbesondere von Glitzervampiren)„. Unter anderem schrieb sie die Superheldentrilogie „Arena Mode Saga“ und ist an den Comics „AGENTS OF P.A.C.T.“ und „Fathom“ beteiligt.

Auf Imgur hat sie nun ein paar der häufigsten an sie gerichteten Fragen beantwortet und erzählt aus ihrem Nähkästchen als Comicautorin. Das, was sie aus ihrer objektiven Sicht erzählt, ist nicht nur recht interessant, sondern bestätigt natürlich auch das ein oder andere Klischee – und widerlegt das nächste. Auf eigenen Erlebnissen und Erfahrungen basierend, natürlich.

So sei sie bislang auf Conventions nicht von „Creeps“ belästigt worden und bekomme auch das gleiche Gehalt wie Kollegen mit ähnlicher Erfahrung. Im Mittel beschwert sie sich auch nicht über sexistische Kommentare, obwohl sie durchaus schon auf ein Hotelzimmer „eingeladen“ worden sei, um dort in Ruhe „über den Comic sprechen zu können“. Sie scheint eine selbstbestimmte Frau zu sein, die sich gerne sehr sexy gibt wie etwa hier auf ihrer Patreon-Präsenz, sich aber dennoch nicht allein darauf reduzieren lässt.

Sehr schön finde ich ihre Aussage bezüglich der Frage, die ihr am häufigsten gestellt wird:

Wie wichtig sind weibliche Figuren?

„Strong characters are important. Male, female, robot, alien from a different galaxy – if you can empathize with them, and if they feel three-dimensional, you’ll want to go on a journey with them.

Comic book readers have historically been men, so there are naturally more male protagonists. Now that’s changing, and more women are venturing into comic book stores … as this happens, more female protagonists are being put in the spotlight, which is awesome. But it’s possible to put TOO much emphasis on gender and not enough on stuff like … you know, storytelling.“

Solche Einblicke wie den ihren finde ich ziemlich spannend, so kurz sie auch sein mögen. Die vollen Antworten könnt ihr auf der Imgur-Seite nachlesen. Genauer gesagt: Hier. Habt ihr noch mehr Beispiele solcher Eindrücke oder Vorstellungen?

„BUT — and this is a big but — I don’t think the most remarkable thing about my lead characters are their boobies and vaginas.“

Rassismus in der Literatur: Der stille Antagonist

Stärker als je zuvor in meinem überschaubaren Leben fühle ich mich von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus eingekesselt. Wann immer ich die virtuellen Zeitungen aufschlage oder die Blicke und geflüsterten Worte zufälliger Passanten erhasche bin ich mittendrin in einer Welt, die mir zusehends Sorgen macht. Rassismus: Er ist allgegenwärtig in der Literatur. Gerade weil es solch ein aktuelles Thema ist – und vielleicht auch noch lange so bleiben wird – ist es eines, das ich selber auch in meinen Romanprojekten thematisiere. Welche Stolpersteine es gibt und wie ich persönlich zu dieser Thematik stehe lest ihr hier in meinem Beitrag zur Blogreihe „Phantastische Realität„, die von Meara Finnegan initiiert wurde.

Definition

Beim Rassismus handelt es sich um eine Ideologie, bei der man Menschen aufgrund ihrer gemeinsamen Abstammung kategorisiert und im Zuge dessen über sie urteilt. Sowohl körperliche, als auch kulturelle Merkmale wirken dabei ausgrenzend und definierend; der Phänotyp entscheidet hierbei darüber, welche Rasse höher- und welche niederwertig und daher zu diskriminieren ist.

Im Bereich der Fantasy ist darüber hinaus der Begriff des Speziesismus interessant: Hier ist es die Art, die über die moralische Diskriminierung entscheidet. Mitglieder einer Art definieren sich zum einen über ihre Fortpflanzungsfähigkeit, zum anderen, dass sie möglichst viele gemeinsame Merkmale innehaben. Bis heute wurde es noch nicht zufriedenstellend und endgültig definiert. So oder so: Dort, wo man von Diskriminierung zwischen bspw. Orks, Elfen, Drachen oder anderen Arten liest, handelt es sich meistens um Speziesismus.

Dennoch werde ich mich hier in diesem Artikel der Einfachheit halber auf den Begriff des Rassismus‘ beschränken.

Wo findet sich Rassismus in der Phantastischen Literatur?

Dass Fantasy rassistisch sei liest man immer mal wieder in einschlägigen Foren. Doch kann ein Genre für sich gesprochen rassistisch sein? Vielmehr sind es der Plot und Weltenbau, die nach der Thematik verlangen. Fiktive Figuren, die ihre Weltanschauung in diesen zweifelhaften Pfaden verankert haben. Das macht allerdings nicht das Genre oder gar den Autoren rassistisch, sondern lediglich Teile der Welt, in der man sich beim Lesen befindet. Und das ist vollkommen in Ordnung.

Nicht selten rankt sich in der Fantasy alles um Kriege und Schlachten. Als Leser erwartet man schier, dass sich die verschiedenen Rassen und Arten nicht ganz grün sind. Der gegen Ende hin äußerst kameradschaftliche Zwist zwischen Gimli und Legolas etwa ist ein Produkt von gegenseitigen Vorurteilen und Diskriminierung. Dass er hier gut ausgeht: Geschenkt. Es wirkt fast liebenswert. In vielen anderen Geschichten und auch Rollenspielen jedoch wird es ernster thematisiert und gipfelt nicht selten in Mord und Totschlag.

Von kleinen Seitenhieben die jeweils andere Rasse und deren (angebliche) Eigenschaften betreffend bis zu handfesten Diskriminierungen findet man in vielen Genrebüchern etwas zu dieser Thematik. Meistens wird es jedoch nicht weiter aufgegriffen und dient dem Amüsement oder der Dramatik. Das jedoch finde ich schade.

In den Händen der Autoren

Wichtig finde ich hier anzumerken, dass den Rassen oftmals ganz klare Charaktereigenschaften zugeteilt werden, die als gegeben gelten. Zwerge sind trinkfest und rau, Elfen Baumkuschler, Französinnen hübsch und Deutsche pünktlich. Ich möchte fast wetten, dass die meisten von euch bei den ersten beiden Beispielen zustimmend genickt, bei den anderen beiden jedoch latent genervt die Augen verdreht haben. Und klar: Wir wissen, dass nicht jeder Deutsche oder jeder Türke gleich ist. Aber wir glauben gleichzeitig auch zu wissen, dass der Zwerg von Natur aus so oder so ist – weil in diesem Bereich selten mit Graustufen gearbeitet wird.

Wirft man einen Blick auf gleich eine andere Art, den Ork, wird der Unterschied noch deutlicher. Sicherlich gibt es mittlerweile einige Werke, in denen den Orks mehr Persönlichkeit zugesprochen wird. Dennoch ist es häufig noch immer Usus, dass die Rasse des Orks einen zu etwas Bösem macht. Das mag bei einer Kreatur wie einer solchen für uns nicht weiter tragisch sein – wo wir wieder beim (realen) Speziesmus wären. Doch weitet sich das vielerorts auch auf menschliche Rassen aus. Böse, menschliche Rassen. Macht einen die Rasse also gut oder böse? Hat man nicht die Wahl, gibt es nicht noch andere Faktoren? Natürlich handelt es sich um Extrembeispiele, doch eigene Projekte kritisch zu hinterfragen ist nie verkehrt.

Gerade die Anfänge der Fantasy zeigten klare Feindbilder auf. Monster und finstere Gesellen, gegen die sich die Helden zu wehren hatten. Um es einfacher zu gestalten wurden Gut und Böse stilisiert und auch optisch klar getrennt. Menschen gegen Orks. Weiße Abenteurer gegen schwarze Kannibalen.

Diese Trennung zeigt sich gerne auch im Optischen. Tolkiens Elben sind blond, groß, hellhäutig, blauäugig. Die Orks? Dunkel, wild, barbarisch. Dem Guten schließen sich die Hellen an, dem Bösen die Dunklen und asiatisch angehauchten. Stereotype, die sich stark vereinfacht auch in Disneyfilmen finden und immer wieder auch in der heutigen Literatur. Der dunkle Schwarzmagier. Die blonde Jungfrau.

Diese Stereotype kreieren natürlich keinen Rassismus. Sie reflektieren ihn. Und hier sind wir bei dem, dem ich kritisch gegenüber stehe.

Wir tragen Verantwortung

Eine kommentarlose Spiegelung realer Ereignisse oder althergebrachter Klischees reichen nicht aus. Abercrombie etwa hat eine antagonistische Rasse kreiert, die recht muslimisch daherkommt. Natürlich sind es die Bösen, die Bitterbösen, um genau zu sein. Er ist jedoch nur ein Beispiel unter vielen. Muslimisch angehauchte Völker des Südens, kannibalistische Schwarze, wilde Ureinwohner. Oft sind es die selben Stereotype, die immer und immer wiedergekäut werden und die fast Scheuklappen gegenüber anderen Möglichkeiten vermuten lassen. In einer Zeit, die ohnehin von Angst vor muslimischen Terror geprägt ist.

Die phantastische Welt ist eurozentrisch. Das europäische Mittelalter mit seinen weißen Figuren ist Standard. Der weiße Mensch ist Standard. Ist Rassismus Thema, dann meist gegenüber Schwarzen, Asiaten – den Anderen. Dabei ist jeder dort „der Andere“. Für uns als Leser, denn es handelt sich um fiktive Völker. Dennoch werden die Chancen nicht genutzt, vieles verpufft in den Weiten klassischer Fantasy. Ich vermisse Fantasy, in denen nicht die herkömmlichen Kulturen im Zentrum stehen. In denen vielleicht der Weiße diskriminiert wird. In dem Rassismus kritisch angesprochen oder gar wirklich thematisiert wird. Sei es direkt oder durch die Blume.

Es ist allzu einfach, bereits ausgetretene Pfade zu bewandern und sich auf die alten Klischees zu berufen. Aber es ist eine Einfachheit, die nicht sein muss. Jede Welt ist divers. Auch die fiktive.

Was tun?

Das Thema finde ich zu wichtig, als es eingestaubt zu lassen. Was wir nicht brauchen ist ein immer wiederkehrendes Spiegelbild unserer Zeit, das im schlimmsten Fall das „Feindbild“ nur noch bestärkt. Ich finde es wichtig, seine Völker und einzelnen Figuren reflektiert zu betrachten. Die im fiktiven Dialog gesagten Dinge kritisch zu hinterfragen und in eine Diskussion zu treten, wenn es das Thema verlangt.

Aber auch, dass man sich nicht auf ein Thema beschränkt. Rassismus ist nichts, was man thematisieren muss. Genauso wenig wie ich mir vorschreiben lassen möchte, welche Sexualität meine Figuren zu pflegen haben, möchte ich euch vorschreiben welche Hautfarbe eure haben sollen. Das wäre Quatsch. Nein, wofür ich plädiere ist ein allgemein bewusster Umgang mit der Materie. Wir schreiben eben nicht nur für den weißen Menschen und wir sind auch nicht in der Pflicht diskriminierende Klischees immer und immer wieder aufzuarbeiten.

Ich hoffe, dass ich den ein oder anderen von euch zum Nachdenken anregen konnte und natürlich auch, dass ihr das nicht als Bibel versteht. Es bleibt noch immer, was es ist: Nur meine Meinung.

Ms. Marvel als Symbol des Widerstands

Kamala Khan ist eine der ersten muslimischen Superheldinnen, die Marvel zu bieten hat. Als Ms. Marvel bekämpft sie allerlei garstiges Gezücht, wobei das natürlich zunächst rein auf fiktionaler Ebene ruhte. 2015 bereits machte sie einen Schritt in unsere Dimension hinein und drückte islamfeindlichen Busbannern ihren Stempel auf – als Identifikations- und Galionsfigur, als Symbol des politischen Protestes.

Gestartet von der American Freedom Defense Initiative durch die islam“kritische“ Aktivistin Pamela Geller, fuhren die Busse fröhlich durch San Francisco. Botschaften verbreitend, die meines Erachtens nach dem Verständnis des Islam nicht gerade dienlich sind; mehr noch, die Furcht und den Hass gegenüber dem Islam im Generellen  schüren sollten. Natürlich geschützt durch den 1. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten, der bspw. die Meinungs- und Pressefreiheit in den Fokus stellt. (Zu Recht.  Redefreiheit gilt es in der Tat zu schützen. Von Hassreden u.ä. bin ich trotzdem kein wirklicher Freund.) Über diese Botschaften wurden damals Banner mit Kamala Khan geklebt.

Aktuelle Situation

Jüngste politische Unruhen rund um Trump und dessen ganz famose Präsidentschaft – wir erinnern uns an diverse rassistische, sexistische Aussagen sowie Vorhaben wie der des Mauerbaus und Einreiseverbote – fordern zur Tat auf. Kann und soll man alles akzeptieren? Definitiv nicht. Als Symbol des Widerstands werden auch hier wieder einige Superhelden benutzt. Dass dabei Kamala Khan eine prominente Rolle spielt ist ob ihres eigenen Hintergrundes nur obligatorisch.

Damit scheint sie eine der wenigen „neuen“ Superhelden zu sein, die Bestand haben werden. Viele werden wieder in ein Schattendasein eintauchen. Ms. Marvel jedoch scheint es zu schaffen, sich in der Popkultur zu verankern und ihre eigene Duftmarke zu setzen. Sie, wie auch viele andere Figuren zeigen in diesen Tagen die kulturelle Bedeutung auch und gerade von Comics, die oft ganz reale Probleme und Missstände thematisieren. Die X-Men kämpfen seit jeher gegen Ausgrenzung und Diskriminierung, Swamp Thing wirft philosophische Fragen auf und Ms. Marvel steht stellvertretend für ein ethnisch buntes Amerika.

Auch Künstler reihen sich in die Proteste ein. Phil Noto etwa änderte sein Variantcover für Civil War II, Issue #0 in einer Form um, wie er meint, wie Kamala Khan höchstselbst auf Trumps Präsidentschaft reagieren würde.

Weitere Bilder

 

#msmarvel #muslimlivesmatter #muslimban #notmypresident #marvel #kamalakhan #womenofmarvel #art #policticalart #womenofcolor

Ein von Full Metal Waifu (@super_kami_waifu) gepostetes Foto am

http://angelophile.tumblr.com/post/156636964260/an-edit-that-needed-to-be-made

http://artofstevetownsley.tumblr.com/post/156552973420/in-difficult-times-art-is-not-a-way-out-but-a

via vox.com

Studie zeigt, welche Spielegenres Frauen bevorzugen – und welche nicht

Laut einer ESA-Studie des vergangenen Jahres sind rund 40% der US-amerikanischen Gamer weiblich. Diese Prozentzahl schwankt die Jahre hinweg immer leicht, was natürlich der Zufälligkeit der Befragten geschuldet ist. Eine Kritik, die dabei immer wieder aufkommt, war folgende: Die ESA würde sich zu sehr auf die Casual Gamer fokussieren, auf Social Media Spiele und auf Gamer, die eigentlich „gar keine seien“. Nick Yee, Mitbegründer der Game Analytics Company Quantic Foundry, hat nun die Ergebnisse einer umfrage veröffentlicht, die „Core Gamer“ vielleicht eher befriedigen wird.

Seine Umfrage richtete sich an jene Core Gamer, an Leute, die auf solch ein Gaming Motivation Profile klicken würden. 270,000 von ihnen folgten dem Ruf und 18,5% von ihnen waren weiblich. Das nur als grundsätzliche Information.

Wie die Relation Männer/Frauen innerhalb der gesamten Gamerschaft aussieht, wird man wohl nur erraten können. Es handelte sich um eine größtenteils offene Umfrage, Titel konnten also benannt und nicht angeklickt werden. Diese vorliegende Studie nun zeigt den Prozentsatz der Spielerinnen innerhalb der einzelnen Genres auf.

Die Ergebnisse

Die von Frauen am meisten bespielten Genres sind demnach Match 3-Titel wie Candy Crush, sowie Family/Farm Simulationen, bei denen die weibliche Spielerschaft jeweils bei 69% liegt. Casual Puzzle Games sowie „atmosphärische Erkundungsspiele“, die gleich dahinter rangieren, schaffen es nur noch auf rund 40%. Weit abgeschlagen zeigen sich Rennspiele (6%), taktische Shooter (4%), sowie Sportspiele mit mageren 2% Frauenanteil. Die komplette Grafik kann man sich hier ansehen.

Dabei zeigen sich natürlich auch Unterschiede innerhalb der Genres: Obwohl 36% der High Fantasy MMORPG-Spieler weiblich sind, beträgt der Anteil der WoW-Spielerinnen nur 26%. Über dem jeweiligen Genreschnitt dagegen liegt SW:TOR (Sci-Fi MMORPG) sowie Dragon Age: Inquisition(46%) (Western RPG mit 26%).

Bemerkenswert ist zudem, dass Yee zufolge das Studio BioWare mehr Frauen anziehe, der Anteil weiblicher Spieler dort also signifikant höher läge.

Schlussfolgerung

Die Studie soll nicht kritisieren oder irgendeine Genderdebatte entflammen, sondern Ansatzpunkte für Studios aufzeigen, ihre Spieler für das weibliche Publikum attraktiver zu gestalten. Was machen andere Designer anders? Immerhin scheint es nicht am Genre selbst zu liegen, da die Variationen innerhalb der Genres auch mal größer sind als genreübergreifend.

Hier kann man diskutieren, was die Faktoren sind, die Frauen zu diesen Spielen zieht. Der Wettkampfgedanke, der bei vielen Titeln zu hoch ist und mehr männliche Spieler motiviert oder die story- und charakterbasierten Kampagnen in Titeln wie Dragon Age:Inquisition? Vielleicht auch, dass bei Sportspielen fast ausschließlich männliche Teams oder Sportler gewählt werden können? Ähnliches scheint auch für Shooter zu gelten: Overwatch ist bei Frauen beliebter als etwa Battlefield.

Ich persönlich finde solche Studien schlichtweg interessant und es ist für Spieleschmieden und Gamer sicherlich etwas, das sich anzusehen lohnt.

Könnt ihr euch mit den Ergebnissen der Studie identifizieren?

Hier ist der Link zur Studie

DSA, wir müssen reden…

Liebes DSA.

Weißt du noch? Wir begegneten uns auf dem Schulhof, es war Liebe auf den ersten Blick. Du sahst bezaubernd aus in deinem schrillbunten Gewand. Es war längst aus der Mode, doch du hast einen Charme ausgestrahlt, dem ich mich kaum entziehen konnte. Wir verbrachten Nachmittage miteinander. Dort, auf der Bank unseres Schulhofes, hielten wir Würfel. Es fühlte sich gut, es fühlte sich richtig an. Dann wurden wir älter und unser Umgang miteinander erwachsener. Die erste gemeinsame Nacht verbrachten wir im Dunkel meines Zimmers. Wir hatten Kerzen angezündet. Eine magische Atmosphäre war uns wichtig. Es war aufregend und neu! So verstrichen die Jahre.

Eine Routine stellte sich ein. Längst wusste ich, wie du tickst und du schienst zu wissen, was ich brauche.  Waren wir uns uneins, hinterfragte ich es nicht mehr, sondern nahm es hin. Längst spürte ich kein aufgeregtes Kribbeln mehr, wenn ich im Comicladen durch deine neuen Seiten strich. Doch das war OK. Wir waren einander vertraut. Ich wusste genau, wie das beste Bier Thorwals heißt, wer der dritte Kaiser von links und wer für die Zeichnungen verantwortlich war. Dass wir eine offene Beziehung führten und ich mich auch woanders ausprobieren durfte, war für uns beide auch eine Erleichterung. Ich war zufrieden.

Bis jetzt.

Weißt du, wir haben uns beide weiterentwickelt. Du wurdest irgendwie professioneller und ernster, und ich.. naja. Ich nicht. Vielleicht hast also auch nur du dich entwickelt, während ich auf der Stelle blieb. Während du gewachsen bist, war ich zufrieden in meiner kleinen Welt. Doch du erdrücktest mich mit deinen Zahlen, deinen Sonderfertigkeiten; ach, mit allem. Warum brauchtest du diesen Schnickschnack? Waren meine unschuldigen, spärlichen Würfelwürfe dir nicht mehr gut genug? Wann haben wir nur aufgehört, uns auf Augenhöhe zu begegnen?

Verstehe mich nicht falsch! Es liegt nicht an dir, sondern an mir! Ich bin einfach nicht mehr bereit für eine Beziehung diesen Ausmaßes, nicht mehr bereit, in all das fancy Zeug zu investieren, das mich ohnehin nicht interessiert. Wir haben einfach zu unterschiedliche Vorstellungen vom Leben: Du brauchst es lang und breit und ich brauche es… kurz und dünn anders.

Wir haben uns einfach auseinandergelebt. Du bist nicht mehr das eine für mich. Wir streiten uns auch nur noch. Wenn ich dich noch einmal „Das kannst du nicht, dafür brauchst du Kampfsonderfertigkeit Nr. 6753c“ sagen höre, dann…! Und eine Schlankheitskur würde dir auch gut tun! Beide Partner sollten sich darum bemühen, für den anderen attraktiv zu bleiben! Auch wenn ich zugeben muss, dass du es zumindest versucht hast. Aber weißt du was.. lass uns Freunde bleiben. Ich bin ja nicht aus der Welt und wer weiß, vielleicht rufe ich dich auch nochmal an?

Sei nicht traurig. Ich war schließlich auch nie die Einzige für dich.

In verwelkender Liebe,
Guddy

PS: Melde dich bitte, wenn du unkomplizierter geworden bist.