Teenage Mutant Ninja Turtles Jennika

Jennika ist die neue weibliche Teenage Mutant Ninja Turtle – Und mehr als nur Schlumpfine

Die Teenage Mutant Ninja Turtles haben kürzlich Zuwachs bekommen: Jennika, künstlerisch in Szene gesetzt von Sophie Campbell. Seit Venus de Milo ist sie die zweite weibliche Turtle innerhalb der bekannten Ninjagruppe. Und ich als eingefleischter Turtlesfan seit Ende der 80er finde sie großartig. Here’s why.

Okay. Natürlich gab und gibt es auch hier wieder Stimmen, die sich ausdrücklich gegen sie als Figur ausgesprochen haben. Interessanter- und traurigerweise jedoch primär nicht, weil man generell kein 5. Rad am Wagen haben will. Sondern weil es sich um einen weiblichen Turtle ohne Brüste handelt. Um einen „woken“ SJW. Misogynie as it’s best, bei der es nicht mehr um die Comics, sondern nur um die eigene schrecklick fragile und durch die News verletzte Seele geht. Dies geht so weit, dass ein Tweet, in dem ganz bewusst und definitiv nicht wohlwollend der Deadname der Zeichnerin benutzt wurde, viel zu lange unkritisiert gefeiert worden ist.

Worum es übrigens ging? Darum, dass Sophie Campbell vor 5 Jahren bereits einen weiblichen OC-Turtle mit gelbem Bandana hatte. Der herablassende Kommentar: „Haha, wenn euch Jennika wie ein DeviantArt-OC vorkommt, dann, weil sie genau so einer ist!“
Genau.
Ihr wisst schon, dass viele Figuren lange vor der Realisierung durch Verlage & Co. existieren? Dass Autor*innen und Künstler*innen sehr wohl auch vor Aufträgen vor Fantasie erblühen können? Das ist weder neu, noch besonders aufregend. Hier wurde so getan, als wurde wahllos ein OC hergenommen. Das ist jedoch nicht der Fall. Vielmehr hatte Sophie vorab eine Vision, die sie nun endlich verwirklichen konnte.
Tom Waltz, Editor und Autor der aktuellen TMNT-Serie, veröffentlichte vor kurzem (mit Einverständnis) ein paar Mailverläufe zwischen ihm und Sophie, in dem dies nochmal verdeutlicht wird.

Die Hintergründe

Doch zurück zu den positiven Aspekten. Beispielsweise zum Hintergrund Jennikas. Dieser ist nämlich durchaus interessant und birgt Stoff für viele weitere Plotstränge. Zum einen ist sie als (ehemaliges) Mitglied des Foot Clans ohnehin auf der eher grauen Seite der Macht angesiedelt. In dieser Comicreihe schwappt der Foot Clan zwischen „Gut“ und „Böse“ hin und her, scheint sich aktuell unter der Führung Splinters in den guten Reihen eingependelt zu haben. Jennika hadert seit ihrer Einführung mit sich und den Strukturen.
Nun, als humanoide Schildkröte, muss sie sich nicht nur mit diesen Strukturen, sondern auch mit ihrer neuen Form herumschlagen. Da hilft es nicht, dass sie und Casey Jones im Laufe der Issues romantische Gefühle füreinander entwickelt hatten. Ihr dritter Zeh (ihre männlichen Kollegen haben zwei) ist ein immerwährender Reminder ihrer Vergangenheit.

Kurz: Das könnte dem Comic wunderbare Tiefe geben – oder in Soap-Drama ausarten. Wohin genau es schlagen wird, wird man sehen.

Teenage Mutant Ninja Turtles Jennika Gruppe

Ihre Darstellung

Ich muss es betonend in dicke Großbuchstaben setzen:
SIE HAT KEINE BOOBIES!
Und das ist verdammt großartig! Schließlich, so erkennen wir wenn wir einen Blick in das bebilderte Tierlexikon werfen, besitzen auch handelsübliche Schildkröten keine Brüste. Ihr Sexualdimorphismus ignoriert die Brüste ordinärer Säugetiere. Dafür jedoch deutet sich eines an: Weibliche Schildkröten sind bei den meisten Arten tatsächlich größer als die männlichen Vertreter ihrer Art. Das sei nur erwähnt, da sich bereits darüber beschwert wurde, dass Jennika ihre vier Mitschildkröten überragt. Von Mary Sue war die Rede und von übertriebenem Feminismus (Ja ei der Daus!).

Bereits bevor Jennika zu einer Schildmaid wurde, trug sie einen Look zur Schau, der erfrischend frei von der sozialen Rolle weiblicher Figuren war: Kurze Haare und allgemein eher burschikos. Und nein, auch eine Menschenfrau hat nicht automatisch große Brüste. Auch in ihrer Schildkrötenform unterlässt man es, ihr betont „feminine“ Attribute zu verleihen, wie sie in der Comicwelt stets benutzt werden, um das Weibliche zu kennzeichnen: Lange Wimpern, betonte Brüste, Make-Up und lange Haare bzw. Zöpfe, um nur ein paar zu nennen.
Wenn wir uns an Venus de Milo, den ersten weiblichen Turtle, zurückerinnern, kann man einiges davon wiedererkennen: Sie hat zwar keine Haare, ihr Bandana ist jedoch zu einem Zopf geflochten. Ihr Brustpanzer hat die Form menschlicher Brüste. Ihre ganze Gestalt ist dem des Ideals einer Menschenfrau nachempfunden. Man hat es tatsächlich geschafft, eine Schildkrötenfigur zu sexualisieren.
Das ist bei Jennika nicht der Fall.
Sie dient nicht als Quotenfrau, nicht als jemand, der nur über ihre Weiblichkeit definiert ist. Keine Schlumpfine. Zumindest nicht ihrem Look nach. Und sie erscheint mir ziemlich vielversprechend und ich kann kaum erwarten, mehr von ihr zu sehen! Ob es da wohl wieder von Vorteil war, dass ihr Look von einer Frau miterdacht worden ist?

„Unter den Originalautoren wäre das NIE passiert!“

Kevin Eastman ist einer der Schöpfer der Teenage Mutant Ninja Turtles.
Kevin Eastman ist Co-Autor der aktuellen Reihe.
Gegenbeweisführung abgeschlossen.

Jennika ist der neue weibliche Turtle

„Eine weibliche Turtle interessiert keinen Bebop!“

Ein Geständnis vorab: Bebops Antwort steht noch aus, da er gerade mit Rocksteady Super Mario spielt und dabei nicht gestört werden will. Dennoch kann ich von sehr vielen Menschen berichten – mich eingeschlossen – die sich unwahrscheinlich über die neue Turtledame freuen! Nicht nur sind die Verkaufs- und Pre-Orderzahlen dieses Issues, sowie jenes Issues in dem Jennika zuerst menschlich aufgetreten ist (namentlich #51), sehr stolz, auch hat sie nachhaltig Eindruck hinterlassen. Hier ein paar Beispiele:

Zuletzt bleibt mir noch zu sagen, dass ich mich freue, dass wieder etwas Neues probiert wird und man sich durch Venus nicht bis ans Ende ein eigenes Grab bezüglich weiblicher Turtles gegraben hat. Ich bin wirklich zuversichtlich, dass Jennika eine gute Ergänzung sein wird und hoffe, dass sie uns in dieser Form noch lange erhalten bleibt.

5 Fantasy Romantasy

5 romantische Fantasy-Romane, die auch das härteste Herz erweichen können

Romance: Das Genre, in dem sich die holde Maid schmachtend in die Arme des barbusigen Helden schmiegt und Schlachten und Schmachten die rosige Essenz bilden. Ob diese Romanze nun den ganzen Plot einnimmt oder nur einzelne Passagen ist unerheblich, denn was Liebe beinhaltet, kann nur einseitiges Autorenhandwerk bedeuten! Außerdem ist es Frauenkram und als solcher – Halt, stop, jetzt reden die Bücher!

Also, gut, eigentlich rede ich hier. Vielleicht werden die Bücher in einem zukünftigen Artikel für sich sprechen. Hier nun möchte ich euch derer 5 Romane phantastischer Autorinnen (Wie? Da ist auch ein männlicher Autor dabei?! Naja, der ist mitgemeint.) vorstellen, die definitiv lesenswert sind. Obwohl sie – Oh Schreck! – Liebesgeschichten beinhalten. (Zum Thema „Frauenkram ist generell kacke“ an anderer Stelle.)

Lynn Flewelling – „Die Schattengilde“

Als der junge Jäger Alec zwar ungerechtfertigt, dafür jedoch umso vehementer in den Kerker geworfen wird, wähnt er sein Schicksal schon besiegelt. Zum Glück für ihn wird nur wenig später ein Gaukler zu ihm in die Zelle geworfen, der sich als letzte Rettung entpuppt. Doch nicht nur das: Er ist weitaus mehr als nur ein Geck und selbst ihn nur Spion, Schurke oder Dieb zu nennen wäre der Beschreibung zu wenig. Dieser Mann vieler Gesichter nimmt Alec erst als Schützling, dann als Schüler und später auch als Liebhaber auf. Das ganze natürlich während sich um die beiden ein komplizierter politischer Sturm zusammenbraut, den es auch noch irgendwie abzuwehren gilt.

Die Romanze innerhalb dieser Reihe nimmt zwar zunächst nur einen kleinen Teil ein, dafür wird sie jedoch umso feinfühliger gewebt. Die Gefühle entwickeln sich langsam, authentisch. Obwohl für den größtenteils in den Wäldern aufgewachsenen Alec die Liebe zwischen zwei Männern Neuland ist, ist sie innerhalb der Gesellschaft doch als gleichwertige Beziehungs- und Erotikform akzeptiert. Das ist gerade zu der Zeit Ende der 90er, in der die Bücher geschrieben wurden, erfrischend.

William Goldman – „Die Brautprinzessin“

Ähnlich wie das nicht minder empfehlenswerte Erwachsenen-Märchen „Der Sternenwanderer“ von Neil Gaiman ist auch Goldmans Brautprinzessin den meisten eher durch die Verfilmung bekannt. Im Zentrum steht der Stalljunge Westley, der sich in die schöne Butterblume verliebt und auszieht, um ihr zu bestmöglichem Leben zu verhelfen. Zurück kommt er allerdings nicht, scheinbar dahingerafft von dem bitterlichen Piraten Roberts. Während Butterblume eines schnöden Tages anderweitig verheiratet werden soll, stürmt ein ominöser, schwarzgekleideter Scherge aufs Spielfeld – und der Kampf um die wahre Liebe kann beginnen.

Eingebettet in einen Plot, in dem ein Großvater seinem Enkel das eigentliche Märchen vorliest, zeigt sich Die Brautprinzessin unheimlich unterhaltsam. Mit Ironie gespickt, fühlt der Leser sowohl Herz, als auch Schmerz und fiebert richtiggehend mit. Es ist eine Geschichte voller überraschender Wendungen und einer Liebe, die so herrlich süß ist, dass man seine Wohnung spontan rosa streichen möchte. Und das im allerbesten Sinne. Selten habe ich so sehr über die „wahre Liebe“ fabuliert bekommen wie in dieser Geschichte, ohne davon Karies zu kriegen. Chapeau!

Colette Moody – „The Sublime and Spirited Voyage of Original Sin“

Wer des Englischen mächtig ist und zu einem aufregenden Piratenabenteuer mit nur latent historischem Einschlag greifen möchte, dem sei dieses Werk von Colette Moody ans Herz gelegt. Hier schreiben wir das Jahr 1702 und Piratentochter Gayle Malvern übernimmt nach einer Verletzung ihres Vaters dessen Schiff, die Original Sin. Um die Verwundeten des vorangegangenen Kampfes zu versorgen, klaut sie einer Stadt kurzerhand ihren Arzt. Ungünstg nur, dass sie nicht den Arzt, sondern stattdessen seine Frau, die Näherin Celia erwischt. Oder sagen wir besser: Zum Glück, denn zwischen Gayle und Celia entspinnt sich mehr als nur ein Kidnap-Verhältnis.

Nein, historisch korrekt geht es hierbei nicht zu. Das Piratensetting ist derart stark romantisiert, dass man sich der Mannschaft nur zu gerne selber anschließen möchte. Ein Abenteuer jagt das nächste, Säbelduelle sind fast an der Tagesordnung und über allem weht die frische, salzige Brise piratesker Unterhaltung. Ineinander finden Gayle und Celia nicht nur Liebe, sondern auch Hoffnung, ihre Romanze ist frisch, nur dezent tragisch und auf alle Fälle sehr unterhaltend. Hier werfen sich die Frauen nicht starken Männern an die Brust, sondern starken Frauen.

Maria V. Snyder – „Die Yelena-Reihe“

Yelena hat Glück im Unglück: Kurz vor ihrer Hinrichtung nimmt sie das Angebot an, Vorkosterin des Kommandanten von Ixia zu werden und gegebenenfalls für ihn zu sterben. Doch damit nicht genug: Sicherheitschef Valek will ganz sicher gehen und mischt ihr daher Schmetterlingsstaub in jedes Essen. Und der wird sie vergiften, wenn sie nicht täglich das Gegenmittel von ihm erhält. Eine Flucht scheint daher aussichtslos und das, wo sie bald fliehen muss – denn sie beginnt, Magie zu entwickeln. Und die ist, natürlich, verboten. Dass sie sich ausgerechnet in Valek verliebt, ist in dieser Liste an Romance-Büchern obligatorisch und Stoff für schön tragische Subplots.

„1.000 Ways To Die“ könnte der Alternativtitel lauten, da sich die Protagonistin stets ihrem baldigen Ende entgegen zu neigen scheint. Die Geschichte ist rund, spannend und birgt so manchen Wendepunkt. Eine gute Basis für die Liebesgeschichte, die sich im ersten Band beginnt, zu entfalten. Natürlich handelt es sich bei den beiden Turteltäubchen jeweils um verkappte Mary Sues. Das sollte man verzeihen können, sonst ist der Griff zu diesen Büchern nervenaufreibend. Valek ist ein Mary-Stu wie er im Buche steht: Herausragend gut aussehend, der vielleicht beste Kämpfer weit und breit und hach, was hat er doch für tolle Äuglein. Ihr merkt es schon: Yelena ist eher etwas für die männerliebende Leserschaft. Schmacht. Wenn man sich darauf einlassen kann ist es eine verdammt gute Wahl in Sachen Romantasy!

Lynn Raven – „Der Kuss des Kjer“

Heilerin Lijanas wird von Mordan, Kriegsherr der ebenso behaarten wie brutalen Kjer, entführt und denkt folgerichtig nur noch an die Flucht. Zumindest die ersten Tage und Wochen lang. Dann nämlich beginnt sie zu ahnen, dass unter dem harten Kern Mordans ein weicher, verletzlicher Kern steckt, der im scharfen Kontrast zu seinen Taten zu stehen scheint. Mehr und mehr fühlt sie sich zu ihm hingezogen und schafft es, tiefer zu blicken. Das klingt kitschig und erfüllt auf den ersten Blick gleich mehrere, altbackene und zum Teil problematische Tropes – was mich hadern ließ, diesen Roman hier aufzuführen. Dem Thema werde ich uU. noch einen eigenen Artikel widmen müssen. Aber die Beziehung klingt toxischer als sie tatsächlich ist.

Autorin Raven schafft es, sich geschickt zwischen aufkeimender Liebesbande, schnurrendem Bestien-Klischee und dem tatsächlich noch vorhandenem Plot entlangzuhangeln und einen in die Geschichte hineinzusaugen. Die Beziehung zwischen den beiden Protagonist*innen wird nachvollziehbar aufgebaut und präsentiert sich fern des Stockholm-Syndroms. Zudem ist der tatsächliche Romantikanteil angenehm dezent. Gewürzt wird die Romanze durch zwei rivalisierende Völker, ein kriegerischer Zwist und einen Antagonisten, dessen menschliche Abgründe zur Abwechslung einmal mehr das Individuum, denn die ganze Welt betreffen.

TW: Rape (eines Mannes)


Header: unsplash-logoSharon McCutcheon
Halle Bailey ist Arielle

Warum regen wir uns über eine Schwarze Arielle auf?

Halle Bailey wird Disneys neue Arielle. Halle: Eine junge Frau mit ansteckendem Lächeln und einem hübschen Gesicht, die mit ihrer Ausstrahlung einer Arielle sicherlich würdig ist. Das Problem für viele dabei: Sie ist Schwarz.

Die Frage, die zunächst im Raum steht, ist diese: Warum war Arielle überhaupt weiß? Als Meerjungfrau ist sie eine fiktive Kreatur und könnte nahezu jede Hautfarbe besitzen oder sogar von Schuppen, statt Haut bekleidet sein. Sie könnte getupft, gestreift oder mit Kästchen versehen sein. Sie wird jedoch stets weiß dargestellt – weil weiße Haut bis vor gar nicht allzu langer Zeit der etablierte Standard in der Popkultur war. Ihre in den meisten Vorlagen weiße Haut ist okay. Eine dunkle wäre es jedoch auch. Die Hautfarbe hat storytechnisch schlichtweg keine Relevanz.

Was uns zum nächsten Punkt führt:

„Aber Pocahontas wird auch nie von einer Weißen gespielt! HA!“

Nun. Bei Pocahontas ist ihre Ethnie Teil der erzählten Geschichte. Würde ihre Figur mit einer Weißen gecastet werden, würde das weder der Figur, noch dem Plot gerecht werden. Schlimmer: Es würde sich um Whitewashing handeln. Eine eigentlich nicht-weiße Figur wird der „weißen Norm“ angepasst, die jedoch nicht in der Realität, sondern lediglich in strukturell geprägten Köpfen existiert.

Ähnliches konnte man bereits mit dem Aladdin-Casting beobachten: Die Rolle der Jasmin wurde zwar mit Naomi Scotts von jemandem besetzt, die einen nicht-weißen Hintergrund hat. Allerdings liegt dort die Sachlage des Colorism nahe, da sie deutlich europäische Gesichtszüge und eine vergleichsweise helle Haut besitzt. (Siehe Artikel “ „Der Live-Action Aladdin und was er mit Orientalismus und Colorism zu tun hat„)

Hollywood ist nach wie vor weiß, POC sind zwar auf dem Vormarsch, aber weiterhin werden vorrangig weiße Menschen in den Hauptrollen gecastet. Und ja, das ist ein Problem. Man schließt aktiv aus. Wenn man sich ansieht, wie viele weiße Disney-Prinzessinnen es gibt, wird schnell klar: Sie bilden die große Mehrheit. Viel wichtiger: Ihre Herkunft hat so gut wie nie etwas mit dem Plot zu tun. Sie haben das Privileg, sein zu dürfen. Während die POC-Prinzessinnen häufig über ihre Hautfarbe definiert werden. Nicht immer – aber doch häufig. Warum diese Struktur also nicht weiter aufbrechen?

Kurzum: Man sollte auf den Kontext achten. Gehört die Hautfarbe oder Ethnie zur Figur? Oder hat sie wenig bis keinerlei Relevanz?

„Aber wenn Weiße in POC-Rollen gecastet werden, ist der Aufschrei auch groß! Doppelmoral!“

Wie bereits angedeutet, castet die westliche Welt eher ungerne POC-Darsteller*innen. Warum? Weil man dafür angeblich einen eigenen Plot „braucht“, der sich um die Ethnie rankt. Das ist natürlich zu kurz gedacht, denn obwohl bspw. Han Solo weiß ist, hat seine Weißheit nichts mit seiner Herkunft zu tun. Er könnte beispielsweise schwarz sein, ohne dass es einen Unterschied machen würde. Aber daran denkt die westliche Welt kaum. Schwarze werden meist nur gecastet, wenn es sein „Muss“. Und das ist ein Problem.

Als Positivbeispiel möchte ich hier Star Trek einfügen, die divers casten, ohne dass die Rollen auf ihre Ethnien beschränkt sind.

Es gibt schon wenige Rollen „für POC“. Eine Weiße in eine eigentlich asiatische Rolle zu casten, hat daher einen mehr als nur bitteren Beigeschmack. Da geht es nicht mehr um Diversität, sondern um das (bewusste) Unsichtbarmachen von POC.

Wenn irgendwann ein Ausgleich und weniger internalisierter Rassismus herrschen sollte, wenn irgendwann POC in Rollen gecastet werden, die einfach „sind“ – dann gäbe es wohl auch keine Aufschreie mehr, wenn eine POC-Rolle anders interpretiert und die Hautfarbe verändert werden würde.

Doch so weit sind wir noch nicht. Noch lange nicht.

„Aber Arielle ist rothaarig!“

„Uhm, actually…“

Eigentlich wird „Die kleine Seejungfrau“ von Hans Christian Andersen – dem eigentlichen Original – nicht mit roten, sondern mit langen Haaren beschrieben. Als sich Disney Ende der 80er Jahre im kreativen Prozess rund um Arielle befand, war übrigens von blondem Haar die Rede. Aufgrund der Popularität des 1984 erschienenen Films „Splash“ jedoch wurde dies jedoch verworfen. Schließlich wäre die optische Nähe zur Hauptfigur zu signifikant.

Bei dem Frust geht es freilich um das Bewahren der eigenen Kindheitserinnerungen. Um das wohlbekannte „Das war schon immer so!“ Ungeachtet dessen, dass es eben nicht „immer schon“ so war sondern sich auch die kleine See- oder eben Meerjungfrau im Laufe der Zeit großen Wandlungen unterzogen hat. Dass ein Bild, das man von etwas hat, nicht zwingend das einzig wahre sein muss. Popkultur ändert sich. Wir ändern uns.

Ganz davon abgesehen, dass auch POCs rote Haare haben können. Und eine Darstellerin kann sich die Haare färben. Überraschung und Konfetti!

Warum ist uns Nostalgie derart heilig, dass wir sie über alles andere stellen? Ist es nicht egal, ob Arielle in einer Interpretation rote, blonde oder gar grüne Haare hat? Bildet die Farbe ihrer Haut oder Haare wirklich die Essenz der Geschichte? Und wenn es doch „egal“ ist – dann kann sie auch gerne Schwarz sein. Zumal ihre „Rasse“ nicht mal geändert wird. Sie verbleibt eine Meerjungfrau.

Auch eine Frage, die man sich stellen kann: Warum ist es ein Aufschrei wert, wenn statt einer weißen, eine schwarze Frau gecastet wird – aber nicht, wenn die ganze Aussage einer Geschichte eine Änderung erfährt? Schließlich stirbt die Seejungfrau am Ende des Originals. Bummer.

Die Figur der Arielle ist eine fiktive, ihre Herkunft ist hautfarbenunabhängig. Solange Halle Bailey glaubhaft eine Meerjungfrau darstellen kann und der Film gut geschrieben und realisiert wird, sollte uns in erster Linie das Endergegbnis interessieren. Und nicht unsere festgefahrenen Kindheitserinnerungen. Denn den Disneyfilm von 1990 – nun, den kann man immer und immer wieder auf DVD genießen. Auch weiterhin.

Die große Empörung

Ist der Rausch der Empörung wichtiger als die Sache selbst?

Empörung ist die neue Ware, Likes der wohlverdiente Lohn. Gegenseitiger Hass rollt durch das Internet und nimmt alles mit: Freund*in, Feind*in, Hauptsache man hat sich so richtig ausgekotzt. Der guten Sache wegen. Der Punkt ist oft allerdings: Die Sache selbst bleibt dabei oft genug auf der Strecke.

„Die Sache“: Das kann ein tolerantes Miteinander sein, Feminismus, Rassismus oder Ableismus. Es kann die Bitte nach Diversität sein. „Die Sache“ ist allerdings aktuell irgendwo in irgendeine Nische verbannt worden. Lieber ignoriert oder ätzt man. Und das finde ich aktuell leider verdammt unerträglich. Hier mal ein paar der Dinge, von denen ich wünschte, sie wären anders.

Anerkennung statt Ablehnung

Das, was in solchen Debatten fehlt, ist – die Debatte. Es gibt kein „Hm, warum ist es dir so wichtig, dass Repräsentation herrscht?“ sondern lediglich ein „ICH habe es IMMER SCHON so gekannt, also ist alles andere unnütz!“ Man müsste sich ja sonst ein Mindestmaß anstrengen und alte Pfade verlassen. Gerade Menschen über 20 tun sich da manchmal schwer. Schließlich, nun ja, habe man es „immer schon so gemacht“ und „uiuiui, wo kämen wir denn da hin, wenn man IN DER PHANTASTIK plötzlich anfangen müsste, sich in andere Menschen hineinzuversetzen.!“ (Spoiler: Die Phantastik hat sehr wohl auch Verantwortung.)

Dabei würde es schlicht ausreichen, wenn man Betroffenen zuhört. Wenn man nicht alles als unabdingbare Forderung, sondern als Bitte sieht. Gerade als weißer heterosexueller cis-Mann ist man verwöhnt. Das ist so. Das ist kein Vorwurf, sondern eine simple Tatsache. Ihr werdet euer Leben lang innerhalb dieser sozialen Komponente gepampert. Man macht euch da keinen Vorwurf,schließlich habt ihr Diskriminierung, Frauenfeindlichkeit etc. nicht am eigenen Leibe erfahren. Ein Vorwurf wird erst dann erbracht, wenn ihr euch weigert, zuzuhören. Beispielsweise zum Thema Heldinnen. Und natürlich kann es sein, dass ihr an anderer Stelle Diskriminierung erfahrt, etwa durch eine (geistige) Behinderung oder Krankheit. Das möchte euch niemand absprechen. Ich selbst bin als weißer Mensch privilegiert.

Leider – und das beobachte ich einfach viel zu häufig – schmeisst ihr euch stattdessen lieber auf den Boden, strampelt mit Armen und Beinen und brüllt, dass das alles viel zu anstrengend sei. Fun fact: Diskriminierung, Frauenfeindlichkeit, Ableismus und vieles mehr ist vermutlich wichtiger als eure Befindlichkeiten.

Hört zu. Denkt nach. Damit wäre vielen bereits geholfen.

Disclaimer: Und mit „ihr“ meine ich „uns“. Ich kann in vielen Belangen auch vieles besser machen und lernen. Auch ich muss zuhören.

Hilfe statt Hass

Aber ach, wäre die geeky Welt (Nazis u.ä. außen vor gelassen) doch schön, wenn es nur um die bösen cis-Männer und ihre Befindlichkeiten ginge. Dann könnte man sich Zeit nehmen und ihnen in Ruhe erklären, weshalb Gendersternchen gar nicht so schlimm sind und alles halb so schwierig ist, wie man es sich vorstellt. Nein, auf der anderen Seite stehen nämlich schon die Fackelträger*innen bereit und scharren mit den Füßen.

Er hat „dumm“ gesagt, steinigt ihn!“ Hinter diesem Ausruf des zumeist twitter’schen Zorns steht die Kritik am Ableismus, also Kritik an Behindertenfeindlichkeit, hier in Gestalt von entsprechenden Äußerungen. Kurz: Die Kritik ist eine an sich sehr gute Sache. Behindertenfeindliche Begriffe werden zu oft unbedarft geäußert. Es ist in der Alltagssprache verankert und diese strukturellen Problematiken aufzuzeigen ist wichtig. Leider wird nicht aufgezeigt, sondern direkt scharf geschossen. Gerade Ableismus ist allerdings etwas, das der Masse erst seit kürzester Zeit entgegen geworfen wird; eine in Relation zur Masse betrachtet(!) sehr junge Kritik, mit der die meisten noch nie in Berührung gekommen sind. Gleichzeitig tut man so, als müsste jede*r bereits woke sein und um die Problematik wissen. Breaking News: Es kann nicht jede*r perfekt sein.

„Muss ich jetzt jede*n der*die Scheiße labert pampern oder was?!?“

Natürlich nicht. Aber ist euch nie in den Sinn gekommen, dass es gegenteiligen Effekt hat, gleich draufloszuschießen gerade wenn die betroffene Person gar keine Ahnung hat, worum es geht? Dabei wäre es so einfach, kurz statt aggressiv „Du bist scheiße!“ zu sagen, es kurz zu erklären. Oder einen Link zu einem großartigen Artikel bereitzustellen. Man könnte damit zum Nachdenken anregen. Zum Umdenken. Ist das nicht wichtiger als der Rausch der Empörung?
Denn darum scheint es euch zu gehen: Um Empörung. Ihr called diese Leute dann aus. Ihr wollt keine Debatte, ihr wollt kein Umdenken. Das, was ihr wollt, sind Likes. Euch folgt auf Twitter – denn das ist die in diesen Fällen oft gewählte Plattform – eure treue Bubble, die sich ebenfalls primär empören möchte. Ihr feiert ein Likefest und suhlt euch im gemeinsamen Hass gegen den Unwissenden, der nicht ganz so gebildet (übrigens Klassismus) ist wie ihr. Ui, toll. Geht es euch noch um die Sache? Oder doch nur um Polemik? Glaubt ihr wirklich, ihr gewinnt, nur weil ihr euch in eurer Bubble suhlt und um euch tretet?

Wir drehen uns im Kreis.

Lasst uns kämpfen!

Natürlich ist es super, wenn man auf problematische Strukturen aufmerksam macht! Natürlich dürfen Rassismus, Misogynie, TERFs und vielem mehr kein Raum gegeben werden! Lasst uns darum kämpfen, dass diese Gruppen kleiner werden! Lasst uns für mehr Diversität kämpfen und für marginalisierte Menschen! Lasst uns laut sein! Sehr laut und unbequem!

Aber wie können wir gewinnen, wenn wir blind um uns schießen? Wie können wir eine Zeit des Umdenkens einleiten, wenn wir statt Wissen blanken Hass verteilen? Nur in Extremen zu denken und zu verurteilen hilft nicht der Sache, sondern eurer Bubble. Oder geht ihr auch außerhalb Twitters auf die Barrikaden? Nehmt ein Mikro in die Hand und mobilisiert? Auch dort würde es nicht reichen, eine Reihe von rassistischen Arschlöchern aufzuzählen.
„Person XY hat das gesagt! Und dann hat Person Y diesen Kack erzählt! Haha seht euch diese Schweine an!“ Ja, das ist mal eine tolle Kundgebung. Vermutlich würdet ihr stattdessen eine Rede vorbereiten. Aufzeigen, warum es so furchtbar ist. Zwar im gemeinsamen Frust mobilisieren, aber nicht mit blinden Roundhousekicks glänzen. Zumindest habe ich das bei Demos nie in der Form erlebt. War trotzdem empowernd. So ganz ohne reines Outcallen.

Tja.

Ich persönlich finde es wichtig – und ich bin auch von Ismen betroffen, welche man mir leider oder zum Glück nicht immer ansieht – zu reflektieren und zum Nachdenken anzuregen. Als ich vor Jahren begonnen habe, über Diversität in der Popkultur zu schreiben, war das Feld noch leer. Es gab schlichtweg kaum andere Blogs oder Youtuber, die über solche Themen gesprochen haben. Zum Glück ist das nun anders und die Gesellschaft generell offener und eher bereit, nachzudenken. Auch Dank der vielen Own Voices, die aus ihrer eigenen Sicht darlegen. Gelernt habe ich von ihnen. Nicht von jenen, die ihren Feed ausschließlich mit dem Outcallen Anderer füllen.


Header: unsplash-logoHasan Almasi
Griefer Rollenspiel

Werde zum Griefmaster in nur 5 Schritten!

Ein Griefer (engl. grief play = dt. Leidspiel) ist ein Spieler, der versucht, anderen Spielern den Spaß am Spiel zu nehmen, ohne dabei direkt gegen grundlegende Spielregeln zu verstoßen.“ (Quelle: wikipedia)

Obige Beschreibung klingt nach einer Menge Spaß, oder? Warum sollten andere Spaß haben, wenn ich doch Spaß haben soll? Gruppenspiel ist ohnehin total veraltet und eigentlich sind nur alle für einen Zweck da: Mich zu unterhalten! Doch Griefing will gelernt sein. Wie oft habe ich schon gesehen, wie Baby-Griefer viel zu schüchtern waren. Da waren die Charaktere nicht unpassend genug oder die Kommentare nicht ausreichend störend – wirklich das Spiel gestört hat es nicht. Ein gar trauriger Anblick. Ein Anblick, den niemand mehr erleiden muss! Dank dieses Guides werdet ihr alle zu Pro-Griefern! Ihr habt solches Glück!

Schritt 1: Der Charakter

Du sitzt gemütlich zu Hause, der Rollenspielabend ist noch gut ein, zwei Stunden entfernt. Doch wo andere sich noch gepflegt einem Spiel oder Film widmen kannst du schon aktiv werden, denn bereits hier beginnt Phase Eins: Die Charaktererschaffung. Mache dies niemals – ich wiederhole: niemals! – mit deinen Mitspielern gemeinsam. Wozu auch? Du weißt ohnehin viel besser, was gut genug für dich ist und die meisten Leute pochen viel zu sehr auf das Gruppenzusammenspiel und pfuschen dir rein!

Deine oberste Regel lautet jedoch: Nieder mit dem Gruppenspiel! Frag bei den Mitspielern zuvor vorsichtig nach, welche Charakterklassen und Kulturen sie spielen werden. Filtere dann die wichtigsten Punkte zusammen, die zu deren Charakteren gar nicht passen und spiele Frankensteim, indem du all diese Punkte zu einem einzigen Char zusammenfügst. Sei dabei jedoch nicht zu dreist: ein halborkischer Elfenmagier mit Schwerpunkt Mathematik und einem Bein in der Nekromantie ist einfach nicht regelkonform und zumindest den Deckmantel der Regelkonformität musst du dir bewahren! Abstrus darf es jedoch gerne sein. Lege dir vorher einige lapidare Erklärungen zurecht, die ruhig an den Haaren herbeigezogen sein dürfen.

Schritt 2: Das richtige Timing

Komme entweder zu früh oder zu spät. Pünktlichkeit ist eine Sache, die du hier nicht brauchst. Bei überfrühter Ankunftszeit kannst du den Locationgeber bereits vorab auf deine Seite ziehen. Gehe in seinem Zimmer/seiner Wohnung auf und ab, gucke alle drei Sekunden auf die Uhr und murmle Dinge wie „Nie kommen die pünktlich…“ oder „Ich bin ja mal wieder der Einzige, dem das hier wirklich wichtig ist!“ Untermale dies mit einem milde seufzenden Kopfschütteln. In dem Unterbewusstsein des Gastgebers wird sich so langsam eine Antihaltung euren Mitspielern gegenüber manifestieren. Das ist eine sehr gute Ausgangslage!

Zuspätkommen dagegen hat gewisse andere Vorteile: alle anderen werden vorab verstimmter. Man muss auf dich warten, kann nicht anfangen, schließlich will niemand unhöflich erscheinen. Die Stimmung ist allgemein anfangs in diesem Fall keine gute. Sei nicht nur 15 Minuten zu spät, sondern mindestens 45. Entschuldige das nicht, sondern verkünde strahlend: „Frohlocket, ich bin da!“

Schritt 3: das Rollenspiel

Ihr sitzt nun alle um euren Spieltisch und fangt an, zu spielen. Als gut vorbereiteter Griefer hast du deinen Charakterbogen natürlich nicht dabei und musst dir alles aus den Fingern saugen. Nun hast du hierbei zwei Möglichkeiten: entweder, du heuchelst schreckliches Unwissen vor, damit dein Char unter erheblichem Zeitaufwand neu erstellt werden muss (=Unmut) oder du erzählst, alle Werte noch im Kopf zu haben, sodass du im Notfall besser tricksen kannst.

Wichtig: alle anderen spielen ein Rollenspiel. Du spielst Griefing. Sei nicht zu sehr in deiner Rolle! Verkünde IC, dass du jetzt gerne zum „Mäcces“ gehen willst und dass es ja „voll cool“ ist, dass sich der Zwerg so gut mit dem Elfen der Gruppe versteht, das sei „voll fortschrittlich und multikulturell, wie in der Fußballnationalmannschaft!“ Dein Held hat nur einen geringen Mutwert? Macht nichts, presche trotzdem immer mit stolz geschwellter Brust vor! Halte dich einfach nicht so sehr an dein Charakterkonzept, das ist ohnehin völlig überschätzt.

Schritt 4: Das Ambiente

Zerstöre jegliche Stimmung im Keim! Wichtigste Utensilien: Chipstüte und deine Stimmbänder. Besonders dankbar sind hierbei gruselige oder traurige Szenen. Sobald der Spielleiter seine Stimme senkt und eine entsprechende Stimmung kreieren will, warte ersteinmal ein bisschen ab, bis alle gebannt an seinen Lippen hängen. Dann dein großer Auftritt: raschle lautstark mit der Chipstüte, knuspere sportlich und spucke beim Reden theatralisch noch ein paar Krümel auf die Charakterbögen deiner Mitspieler, wenn du Dinge sagst wie: „Habt ihr eigentlich schon den neuen Film von Dingens da gesehen?“ oder „Voll traurig, die Trennung gestern bei GZSZ, oder?!“

Mache generell alles lächerlich. Verweise auf Slapstickkomödien, in denen die Handlung, die gerade IC stattfindet, ähnlich, nur nicht ganz so ernst vorkommt. Wenn der Spielleiter einen NSC darstellt und dabei die Stimme verstellt, lache ihn aus und rufe: „Lol, guckt mal wie lächerlich der sich gerade macht!“ Auch deine Mitspieler brauchen einen Dämpfer! Klopfe dir bei jeder ihrer missglückten Proben auf die Schenkel und zeige deutlich, für wie „dumm“ und unbrauchbar du deren Figuren doch findest, deiner sei ohnehin der beste!

Schritt 5: Das Ende

Die Spieler fanden das Spiel gar nicht so schlecht? Dann hast du einiges falsch gemacht. Aber noch ist nicht aller Tage Abend! mache ihnen das Erlebnis dann eben im Nachhinein schlecht! Maule herum, wie langweilig das doch heute war. Auf Gegenargumente wie „Die Szene am Baum war aber doch grandios!“ antwortest du pingelig mit „Roflcopter, DAS nennst du grandios?! Du hast wohl nicht so viele Vergleichsspielabende miterlebt, was?“

Da du viel Chips vertilgt und hoffentlich massig dabei gekrümelt hast, ist das ein guter Grund, nun einfach abzuhauen. Der riesige Müllberg, den du hinterlässt, ist dein letzter Streich! Verabschiede dich kichernd und mit einem „Macht’s gut, ihr Trottel!“

Der nächste Spielabend kann kommen!

Picture by JD Hancock via Flickr.com under the following creative commons: Attribution-ShareAlike

Header: Aladdin Jasmin Speechless

[Aladdin] Sagt was ihr wollt, Jasmins Lied „Speechless“rockt!

In „Aladdin“ erhält Prinzessin Jasmin eine dezent ausgefeiltere Rolle als im disney’schen Vorbild von 1992. Sie ist selbstbestimmter und, im Rahmen eines Kinderfilms, feministischer geprägt. Im neuen Lied „Speechless / Ich werde niemals schweigen“ erhält sie eine Stimme, die nachhallt.

Anders als im Trickfilm strebt sie hier nicht nur danach, den Man zu heiraten, den sie für den Richtigen hält. Sie greift nach Höherem, nach Agrabah, um im Sinne des Volkes zu regieren. Als erste Frau. Das passt sowohl in die heutige Zeit, als auch in die Fantasywelt, die sich Disney auf Basis des fiktiven Orients ersonnen hat. Dem Setting und dem Casting wurde sich bereits an anderer Stelle kritisch genähert [Siehe: „Der Live-Action Aladdin und was er mit Orientalismus und Colorism zu tun hat„], aus light-feministischer Sicht finde ich das Remake jedoch gelungen.

Jasmin steht nicht im Mittelpunkt – noch steht es Aladdin meiner Ansicht nach – aber macht auch nicht den Fehler, sie nur durch diese feministischen Aspekte zu definieren. Es fügt sich meines Erachtens nach nahtlos in die anderen charakterlichen Aspekte ein. Wie für einen Kinderfilm üblich und sicherlich auch ausreichend, bleiben die Darstellungen allesamt skizzenhaft und auf prägnante Eckpunkte beschränkt. Mit Jasmin hat man eine weibliche Figur erschaffen, die ich als Mädchen gerne gesehen hätte und in der „Original-Jasmin“ auch in Ansätzen gefunden hatte. Jemanden mit einer Stimme, die sich nicht zum Schweigen bringen will.

Nicht sprachlos

Der Höhepunkt dieser Darstellung ist wenig überraschend dann auch der neu kreierte Song „Speechless“ bzw. „Ich werde niemals schweigen“.

Man hat eine Stimme und die zählt. Ich persönlich finde sowohl Melodie, als auch Text sehr „empowerned“ und stark, ähnlich wie Frozens „Let it Go“.

„I won’t be silenced
You can’t keep me quiet
Won’t tremble when you try it
All I know is I won’t go speechless

Benj Pasek & Justin Paulare – Speechless (From „Aladdin“)

Damit möchte ich nicht sagen, dass Jasmin die beste Figur aller Zeiten ist. Davon ist sie mit Sicherheit ein paar Teppichflugmeilen entfernt. Aber sie ist eine Figur mit einer starken Botschaft, die man dem Nachwuchs ohne Reue zeigen kann. Dafür und für den Song schätze ich sie sehr.

Außerdem hat sie in ihrer Gedankensequenz was von Thanos. Das ist schön. Oder so.

PS: Ich finde Will Smiths Dschinni besser als jenen von Robin Williams. So. Jetzt ist es raus. Er ist einfach so shiny!

Header Wie man Frauen schreibt

Wie man Frauen schreibt

Generationen an Autoren haben sich die Zähne an ihren weiblichen Figuren ausgebissen. Selten wortwörtlich, freilich, denn wer beisst schon freiwillig in sein Manuskript? Damit ihr fortan weder unkontrolliert beissen, noch schwitzen müsst, habe ich hier den ultimativen Guide zum Schreiben weiblicher Figuren vorbereitet!

Frauen sind seltsam. Alle. Wie fremde, giftige Pflanzen dringen sie in das vertraute Territorium des starken Mannes ein und verbreiten pinkes Unheil und Chaos. Sie zu verstehen ist dem Mann von damals wie heute fast unmöglich. Logisch, sind sie doch eine eigene Spezies, ihre Taten irrational und verrückt. Halten wir uns also lieber an folgende Grundregeln:

Frauen sind wie Männer – nur ganz anders

Fast könnte man meinen, dass Frauen ganz normale Menschen mit ganz normalen Hobbies und ganz normalen Ansichten und Gefühlen sind. Das ist jedoch stark vereinfacht und sogar verharmlost. Es suggeriert, dass Frauen die gleichen Rechte wie Männer haben und man sich nicht in „Naja, is‘ halt ne Frau, nech, was will sie hier?“-Reden flüchten kann.

Hobbies, die zu Frauen passen:

  • Hausarbeit
  • Handarbeiten: Nähen, Stricken, Basteln
  • Filme. Obacht: Nur den folgenden Genres zugehörig: Romance, Paranormal Romance, Romance-Romance
  • Schreiben: Gedichte, seichte Kost
  • Träumen; Fantasieren, Traumschlösser bauen, mit Vögeln singen
  • Frauenabende: Gegenseitig schminken, Sekt schlürfen, Romance gucken, Gesichtsmasken

Um es etwas diverser zu gestalten – denn wie wir gelernt haben, ist Diversität sehr wichtig – kann man von oben Genanntem abweichen, indem man einer Frau typisch männliche Hobbies verleiht. Aber: derer nicht zu viele. Sie müssen mit Bedacht eingesetzt werden, damit die Figur nicht plötzlich mit einem Mann verwechselt wird.

BonusWissen: Je weniger weibliche Attribute eine Frau erhält, desto cooler wird sie. Ist eine Frau natürlich zu cool, wird sie zu unweiblich. Frauen sind einfach nicht cool. Und auch nicht witzig, aber das setze ich mal als gegebenes Wissen voraus.

Bonus-Wissen #2: Weibliche Wut ist nicht nachvollziehbar, sondern grundsätzlich verrückt.

Stärke

Stärke ist wichtig. Starke Protagonistinnen liegen voll im Trend. Die gute Nachricht: Es ist so einfach, sie so schreiben! Man braucht derer nur drei Zutaten:

  • Eine Knarre. Knarren sind stark. In einem phantastischen Setting tut es auch ein Schwert.
  • Vergewaltigungen. Vergewaltigungen machen stark. So stark. Zum Glück hat sie Schlimmes erlebt, sonst wäre sie noch immer ganz zart.
  • Männlichkeit. Männer sind toll, Männer sind stark, Männer sind gigantisch! Um eine Frau stark sein zu lassen, braucht sie also männlich gelesene Attribute, Logisch. Das ist ein Level-Up.

Motivation

Frauen wollen von Männern beachtet werden, woraus sich ihre Motivation ergibt.
Beispiele:

  • Welten vor Unheil retten? Wenn sie dadurch den Prinzen zum Mann nehmen darf
  • Karriere: Wenn sie später 50 Jahre Mutterzeit nehmen kann
  • Sich weiterentwickeln? Wenn es bedeutet, dass sie ihr Aussehen für das männliche Auge optimiert
  • Rache: Wenn ihr Mann von einer anderen Frau hinterrücks gestohlen wurde (Verrückt!)

Frauen wollen gefallen und gefällig sein. Nur durch den Traummann und Kinder wird eine Frau erfüllt.

Boobies!

Eine Frau wird erst durch Brüste zur Frau. Frauen ohne Brüste oder gar ohne Vagina? Um das zu verstehen müsste man ja nachdenken! Nein, bleiben wir lieber im Mittelalter. Ist ja auch einfacher zu schreiben. Wenn man die Recherche außen vor lässt.

Brüste also. Beschreibt sie. Groß und ausführlich. Frauen spüren sie beim Gehen, sehen sie beim flüchtigen Spiegelblick, denken jede Minute an sie. Woher soll der Leser auch wissen, dass sie Brüste hat, wenn man sie nicht erwähnt?!? Die besten Vergleiche ergeben sich aus Früchten. Die sind ja schließlich auch großartig. Melonen, knackige Äpfel, bloß keine garstigen Orangen. Die haben nicht die gewünschte Oberfläche. Weich und glatt sollen sie sein!

Vergesst auch nicht, Frauen entsprechend zu kleiden. Auf High Heels lässt es sich hervorragend laufen und verfolgen, Nagellack trocknet innerhalb von Nanosekunden und Lippenstift verschmiert auch bei den wildesten Küssen nicht. Beine und Achseln sind bei der Frau von heute von Natur aus haarlos und insbesondere die Frau aus der Fantasywelt hat sich auf langen Reisen nicht darum oder um handelsübliche Hygiene zu sorgen. Zur Not macht es auch der eilig herbeigezauberte Spruch. Ist ja Fantasy.

Männerrunde

Das fertige Produkt kann dann in der heimeligen Männerrunde besprochen und die weibliche Figur auf ihre Perfektion hin untersucht werden. Testleserinnen sind dabei unerheblich, denn Männer wissen ohnehin alles besser. Selbst wie man Frauen richtig schreibt. Schließlich sehen nur Männer Frauen von außen, Frauen sind befangen und, natürlich verrückt. Es sei denn, es handelt sich um die eigene Protagonistin. Die ist perfekt von der splissbefreiten Haarspitze bis zur weichen Fußsohle.

Gratuliere. Du bist bereit. Bitteschön. Vergiss nicht, dich von deinen Kollegen feiern zu lassen, eine total starke Protagonistin zu haben.

Photo by Nadim Merrikh on Unsplash

Comic Jook Joint by Tee Franklin

Der Comic „Jook Joint“ ist für die Überlebenden

Comics bieten so viel: Unterhaltung, Inspirationsquelle, Eskapismus; sie können witzig, nachdenklich oder gruselig sein. Und sie können jenen Leser*innen und Autor*innen bei bestimmten Themen Halt geben. „Jook Joint“ etwa behandelt das Thema häusliche Gewalt und versetzt es in ein Horror-Setting.

Für die Autorin Tee Franklin glich das Schreiben von Jook Joint einer Therapie. Von ihrer Psychologin empfohlen, half es ihr, ihre Erlebnisse zu verarbeiten. Literarisch rechnete sie mit den Peinigern aus ihrer Vergangenheit ab – und das sehr drastisch.

Die Protagonistin Mahalia führt ein beliebtes, queerfreundliches Etablissement irgendwo in den Sümpfen von Lousiana. „Behaltet eure Hände bei euch“ steht auf dekorativen Schildern in den feucht-fröhlichen Räumlichkeiten verteilt. Natürlich hält das nicht alle davon ab, die Frauen zu belästigen und sich ihnen aufzudrängen. Zeit für Mahalia, das entsprechend zu ahnden. Mit auf ihrer Seite: Frauen aus dem Jenseits, die durch männliche Hand gestorben sind.

Triggerwarnung

Die blutigen Details und die gewalthaltigen Inhalte verlangen danach und Franklin liefert: Eine Triggerwarnung zu Beginn des Comics. Es ist ein lobenswertes Beispiel dafür, wie man es als Schaffende*r machen kann: Nicht wirklich dezent, aber man findet als Betroffene*r schnell heraus, was einen erwartet und genauer, worauf man sich einstellen kann. Zusätzlich werden für die USA relevante Telefonnummern, sowie eine Website genannt, die sich an Betroffene (häuslicher) Gewalt richten.

Triggerwarnung

Man kann dem Comic vorwerfen, eine Rache-Fantasie zu sein und vielleicht ist es das auch. Vielleicht hilft es aber in erster Linie auch Betroffenen, sich mit ihrer Vergangenheit oder sogar aktueller Realität auseinander zu setzen. Dass man im übertragenen Sinne des Genres sehen kann, dass das, was passiert, nicht Standard sein muss.

Jook Joint ist nicht für jede*n und will es wohl auch nicht sein. Aber es kann Kraft geben und jenen, die so etwas nicht erlebt haben, ein Fenster und eine Brücke sein.

Abgesetzt

Nach zwei von fünf Issues wurde es leider abgesetzt. Auf meine Nachfrage hin gab Tee Franklin an, dass sie hoffe, dass Jook Joint in Zukunft in irgendeiner Form noch veröffentlicht werden kann, sie aber momentan keine handfesten Pläne habe. Ihrem Comic „Bingo Love“ wurde durch Kickstarter Tür und Tor geöffnet – man weiß ja nie, welche Möglichkeiten für Jook Joint bestehen könnten. Schaden kann es auf alle Fälle nicht, ihr auf ihren sozialen Kanälen zu folgen und ihr Werk zu unterstützen.

Weiterführende Links:

Luana by Guilherme Stecanella on Unsplash

Ich kann keine Geschichte erzählen, die nicht die meine ist

Ganze 359 Seiten misst „Das Flüstern der Verstoßenen.“ Es hatte mein erster Roman werden sollen. Tage, Wochen, Monate – ach, Jahre habe ich mit dem Plotten und Schreiben verbracht. Doch längst fühlt sich die Geschichte nicht mehr richtig für mich an. Es ist einfach nicht mehr meine.

Ganz fertig ist sie ohnehin nicht. Es fehlen ein paar Szenen und zusammengeflickt werden müssten die Kapitel auch noch. Trotzdem: Über Jahre war die Geschichte mein kleines Baby, mein erstes, richtiges Schreibprojekt. Manche von euch können sich vielleicht auch noch an den ein oder anderen kleinen Blogbeitrag erinnern.

Erzählen wollte ich eine Geschichte über die (weggenommene) Freiheit des Menschen, über Rassismus, über Fremdenfeindlichkeit und Hass. Ich hatte damals – völlig blinderweise – den Eindruck, dass es so etwas nicht geben würde. Nicht, dass ich mich besonders innovativ gefühlt hätte – ich hatte einfach den Eindruck, dass es solche Romane mit POC-Protagonisten und derartigen Themen innerhalb des Genres Fantasy nicht geben würde und ich wollte damit zur Diversität beitragen. (Wobei natürlich dahingestellt ist, ob es überhaupt hätte veröffentlicht werden können. Hust hust.)

Aber zum Glück wurde dieser Eindruck von Dutzenden Romanen zertrampelt. Octavia E. Butler, N. K. Jemisin und Nnedi Okorafor sind nur die zur Zeit vielleicht populärsten Gesichter unter vielen. Unglaublich großartige Romane sind in den letzten Jahren (und Jahrzehnten) von diesen Frauen – und natürlich auch Männern – erschaffen worden. Das, was ich hatte erzählen wollen, ist unter ihrer Feder besser aufgehoben und es wäre anmaßend, diese Feder mit Gewalt an mich reissen zu wollen.

So ist „Das Flüstern der Verstoßenen“ mein erster ernster Schreibversuch, bei dem ich viel gelernt habe. Über das Schreiben, über mich und über die Annahme von guter und konstruktiver Kritik. Die Figuren und den Plot liebe ich noch immer, aber so richtig „komplett“ fühlte er sich nicht an. Ich weiß nun auch, wieso. (Nebst dem Fakt, dass es schlicht …. mein erstes Schreibprojekt war.) Und das ist okay.

Und was kommt jetzt?

Seit längerer Zeit liebäugel ich mit einem anderen Projekt: Endzeit in einem phantastischen Setting soll es sein. Ich hatte mir überlegt, welche Geschichte in mir steckt und welche ich gerne erzählen möchte, weil es mich betrifft. Und so entspann sich in meinem Kopf eine Geschichte über persönliche Freiheit, Käfige, depressive Anleihen und Glück an der Einsamkeit. Über Freundschaft, phantastische Welten und ein paar kleine Zombies. Weil… ich Zombies einfach mag. Jede zweite Nacht träume ich von ihnen. Und ja, das ist gruselig. Vielleicht war ich in meinem früheren Leben eine Zombiemaske oder so. WHO KNOWS?!

Auf jeden Fall würde ich diese Geschichte nicht nur schreiben, sondern hier auf meinem Blog auch über den Werdegang erzählen. Vielleicht habt ihr ja Lust, dem zu folgen? Dann könnt ihr es euch gerne hier gemütlich machen!

Ich plotte dann mal. Und ich habe wahnsinnig Lust darauf!

Photo by Guilherme Stecanella on Unsplash

The Perfection auf Netflix

Netflix‘ „The Perfection“ ist extrem – das macht ihn aber nicht gut

Auf den ersten Blick macht „The Perfection“ vieles richtig: Der Film zeigt zwei Frauen in den Hauptrollen, von denen beide lesbisch (oder auch bspw. pan- oder bisexuell) und eine eine POC ist. Es geht – nebst dem eigentlichen Thriller bzw. Horroraspekt – um Wut, Stolz und Stärke. Zudem ist er streckenweise ekelhaft und schockierend, was natürlich einen besonderen Reiz ausmacht. Aber ist er auch gut? Ich finde nicht. Und ich kann die Begeisterung, die vielerorts herrscht, nicht ganz nachvollziehen.

Wenn man in den sozialen Netzwerken nach dem Film sucht, findet man sich bald in einem Sumpf aus wundervoll reizenden Adjektiven wieder: Verstörend! Ekelhaft! Extrem! Insane! Boundary-pushing! Messed up! Man überschlägt sich fast vor lauter Begeisterung, den Film überstanden zu haben und lobt ihn über den Klee. Aber warum? Weil er … extrem ist? Weil er Grenzen überschreitet?

Anstatt einer schnöden Inhaltsangabe des Films lasse ich euch den Trailer hier. Obacht: Er zeigt bereits recht viel. Wer sich überraschen lassen will, guckt den Film ohne zuvor den Trailer begutachtet zu haben.

Nicht dass wir uns falsch verstehen: Die erste Hälfte des Films ist fantastisch! Überraschend, klug inszeniert und beseelt durch unglaublich gutes Charakterspiel der beiden Darstellerinnen! Hier wird auch weibliche Nacktheit gezeigt: In einer lesbischen Liebesszene, die erfrischend normal und wenig „male-gazig“ erscheint. „Hurra!“, dachte ich, „Das scheint ein super Film zu sein!“ Man weiß noch nicht so recht, wo es hinführen wird: Ist es ein Thriller? Eine Maden-Invasion-Virus-Geschichte? Oder doch Superman?

Der Twist

Der erste Twist war ein Höhepunkt und wunderbar präsentiert. Danach wurde der Film für mich jedoch zum nahezu billigen Trash. Plötzlich gab es nur noch dubiose Entscheidungen und Begründungen seitens der Figuren, ein billiges Motiv und lächerliche Plot Devices. Es wurde plakativ und zu in meinen Augen lächerlichem Unfug. Dabei mag ich Trash! Ich mag Horror! Aber nicht, wenn zu diesen speziellen Themen gegriffen wird. Nicht, wenn diese so behandelt werden.
„Aber es ist doch so toll extrem!“ Ach. Guckt halt die erste Hälfte von The Perfection und kreuzt dann „Kill Bill“ mit „I spit on your grave“. Das kann dann eure zweite Hälfte sein.

Ab hier: Spoiler!

Ich war unfassbar enttäuscht davon, dass Vergewaltigung als derart billiges Motiv verwendet wurde. Der – richtig kluge und gute – Film wurde alsbald zum Revenge Porn, unter dem die interessanten Figuren litten und der Plot ins Bodenlose abdriftete. Als ob es keine andere Möglichkeit gegeben hätte, sie zur Vernunft zu bekommen! Als ob man selbst automatisch zu einem Monster werden würde, wenn einem Leid widerfahren ist! Als ob man immer und immer wieder die Szenen hätten zeigen müssen! Klar – es wurde nichts gezeigt. Nackt war nur der Mann. Aber immer und immer wieder? Ja, wir haben es verstanden. Ja, sie wurden vergewaltigt und missbraucht. Da hat bereits die erste Szene gereicht, in der es angedeutet wurde, nur der Druck seiner Hand auf ihrer Schulter. Wir wussten es – dann wurde es plakativ. Eben extrem, hurra. Weil „extrem“ ja immer cool ist. Hauptsache extrem, Hauptsache, man kann unter diesem Deckmantel unter die schwachen des Plots hinwegsehen. Und wenn man es zu flach und trashig findet, ist man die Spaßbefreite. Logisch.

Es wurde schlicht von Minute zu Minute billiger und flacher und das hat mir um die Figuren und den anfänglichen Plot so leid getan. Man hätte es so viel klüger, so viel feinsinniger zeigen können – und den Mann am Ende trotzdem derart verstümmeln können. Gebt uns Horror, gebt uns Extremes! Aber gewirkt hat es auf mich wie bloße Effekthascherei um der Schocks wegen. Meiner Ansicht nach verheizen sie.
Kann ich bitte noch einen Film mit diesen beiden Darstellerinnen haben? Sehr gerne mit Gore, Schocker und Maden im Arm! Aber ohne dämlichen Revenge Porn? Danke.

/Rant.

Vom Roman zum Videospiel: Das Buch als Quelle

Das gemeine Videospiel hat seinen Weg längst in die Bibliotheken unserer Städte gefunden. Harmlos steht es nur wenige Regale entfernt von Klassikern wie Moby Dick und Das fliegende Klassenzimmer. Und das ist auch richtig so! Neben den Gesellschaftsspielen, die man sich dort zumeist auch ausleihen kann, machen sie schließlich auch eine gute Figur! Manch Story eines Videospiels könnte man ohne weiteres zwischen zwei oder gar mehr Buchdeckel pressen! Das erscheint gerade dann nicht wundersam, wenn man die Spiele bedenkt, die tatsächlich auf Romanen basieren.

Hier in diesem Artikel möchte ich euch die Buchvorlagen aus verschiedenen Bereichen vorstellen.

Basis: Franchise

Natürlich fallen einem dazu als erstes die riesigen Franchises ein. Herr der Ringe etwa, das mittlerweile nicht nur Verfilmungen, unfassbare Merchandisemengen und musikalische Interpretationen erfahren hat, sondern eben auch Videospiele. Die ersten Hobbit-Pixel flimmerten im Jahre 1986 als Text-Adventure für den Commodore C64 über die Bildschirme. Ob Abenteuer mit Legosteinen, MMORPGs oder Strategie: Mittelerde bot Schauplatz für viele verschiedene Spiele. Kein Wunder, wenn man den ausufernden Weltenbau Tolkiens betrachtet, dessen Kreativität und die Erschaffung einer solch reichen, phantastischen Welt, sicher noch einigen Videospielen mehr ein Heim geben könnte. Dass die erfolgreiche Verfilmungen Anstoß für etliche weitere Adaptionen bot, ist obligatorisch.

Ebenso populäre wie starke Pferde sind beispielsweise auch Harry Potter und Das Lied von Eis und Feuer. Hier sind die Videospieladaptionen Begleitprodukte der Filme bzw. Serie und basieren primär auf eben jenen. Glücklicherweise handelt es sich hierbei um keinen billigen Fanservice; die Spiele fangen die Atmosphären, Figuren und Plots gut ein und führen den Spieler tiefer in die Lore hinein.

Teilweise folgen auch die Dune-Videospiele eher dem Geist der Verfilmungen und nicht des Originals von Frank Herbert, was sich natürlich auch an der Optik festmachen lässt. Hier wird weniger etwas eigenes kreiert, als auf Altbewährtem aufgebaut. Gerade Dune II besticht darüber hinaus aber durch sein für damalige Zeiten innovatives Spielkonzept. Es ist eines der ersten Echtzeit-Strategiespiele und verknüpfte erstmalig diverse Faktoren wie Rohstoff-Management, Echtzeitkämpfe und einiges mehr zu einem einzigen Spielkonzept.

Auch Alice im Wunderland war und ist bereits Stoff etlicher Adaptionen in verschiedenen Medien und Kunstrichtungen. Der folgende Titel kreiert jedoch etwas eigenes. American McGee’s Alice entführt den Spieler in eine verstörend brutale Welt, die das Prinzip des Originals ungewöhnlich interpretiert. Hier sitzt Alice, traumatisiert durch den Feuertod ihrer Eltern, in einer Irrenanstalt und flüchtet sich ins Reich der Fantasie. Dort, im Wunderland, hat sie es nicht nur mit skurrilen, sondern hauptsächlich mit stark verfremdeten Figuren Lewis Carrolls zu tun. Obwohl ungleich grausamer, ist die Basis des Buches doch gut zu erkennen. Schließlich sind weder Alice im Wunderland, noch Alice hinter den Spiegeln rein für Kinder konzipiert und bergen so manch Geheimnis, das nicht wirklich jugendfrei ist.

.

Aus östlicher Richtung

Wesentlich näher ans Original schmiegt sich die Witcher-Reihe, die ihren Anfang im Jahre 2007 nahm. Sie basiert auf den Kurzgeschichten und Romanen Andrzey Sapkowskis und bedient sich sowohl der düster-phantastischen Welt und dessen Magie, als auch der Figuren. Hierzulande waren die Romane vor den Spielen eher unbekannt, wurden sie doch erst 2008 ins Deutsche übersetzt. Sowohl Spiele, als auch Bücher zeichnen eine düstere Welt voller grausamer Figuren aus der polnischen Sagenwelt, kriegerischen Auseinandersetzungen und zwischenmenschlichem Zwist. Fantasy, die man sich nicht entgehen lassen sollte, wenn man es etwas rauher und dunkler mag.

„Dunkel“ ist ein gutes Stichwort für den nächsten Kandidaten. Mit Metro 2033 und dem Nachfolger Metro 2034 schrieb Dmitry Glukhovsky Romane über die Gesellschaft nach der atomaren Apokalypse, über der stets der Schatten eines drohenden Krieges schwebt. Deren Handlung wird in den Videospielen aufgenommen und nur an wenigen Stellen verändert oder akzentuiert. Passend zum Setting, in dem sich die Menschen in den Untergrund geflüchtet haben und nun vor atomar verseuchten Kreaturen zittern müssen, wurden die Spiele als Ego-Shooter realisiert.

Ebenfalls russischen Ursprungs ist das Setting von S.T.A.L.K.E.R.: Shadow of Chernobyl. Picknick am Wegesrand“ nennt sich der von Arkadi und Boris Strugazki geschrieben Science Fiction-Roman und beschreibt das Leben und die Konflikte von Menschen, die am Rande von Sperrgebieten wohnen, an deren Zäunen eigentlich „Aliens haften für Ihre Kinder“ stehen sollte. Dort nämlich kann man Hinterlassenschaften – Artefakte – von Außerirdischen finden, die dezent negative Auswirkungen auf den Menschen haben. Die Videospiele basieren nur lose auf dem Werk. Als Spieler kämpft man sich primär durch eine verseuchte Stadt.

.

Horror in Pixeln

Düstere Fantasywelten, Dystopien, Atom-Apokalypse – kann ein Setting noch viel schlimmer werden? Oh ja, und ob! Würzen wir die Romanseiten einfach mit abgedrifteter Biochemie, fleischgewordenen Alpträumen und Tentakeln! Hurra!

Moment! Hat da jemand „Tentakel“ gesagt? Dann kann H.P.Lovecraft nicht weit sein. Tatsächlich sind seine Werke Vorbild für so manchen Künstler jeglicher Couleur. So auch für Spieleentwickler. Nicht nur die direkten Adaptionen wie „Cthulhu – Dark Corners of the Earth“, die ein im besten Sinne grauenhaftes Ambiente kreieren, sind da zu nennen, sondern auch die Kleinode, die keinen berühmten Namen im Titel tragen.

Darkness Within: In Pursuit of Loath Nolder etwa ließ sich im Jahre 2007 und mit einem recht altmodisch erscheinenden Gameplay mit sehr viel Text von den lovecraft’schen Erzählungen inspirieren und auch mit Bloodborne wurde tief in die Cthulhu-Mythos Kiste gelangt. Und das sind nur ein paar wenige Beispiele. Daran merkt man, wie reich und voll das Werk Lovecrafts war und noch immer ist.

Doch war er nicht der einzige, der zum Gruseln einlud. Harlan Ellison etwa entwarf mit der Kurzgeschichte „I have no mouth“eine düstere Zukunft, in der ein von Menschen selbst erschaffener Supercomputer die Macht an sich reisst und sich an den Qualen der neuen Dienerschar ergötzt. Ein Roman, der, ebenso wie seine Spieleadaption „I have no Mouth, and I must scream“, nicht unterhalten, sondern zum Nachdenken anregen will. Das Adventure beschwört die Atmosphäre des Romans gekonnt herauf.

In eine andere Richtung geht das Spiel „Parasite Eve“. In dem RPG spielt man eine Frau, die andere mit nur einer Berührung in Flammen aufgehen lassen kann. Ja, sie ist eine Mutantin, gehört jedoch nicht zu Professor Xaviers Schergen. Vielmehr haben sich ihre Mitochondrien, die sogenannten Kraftwerke der Zellen, weiter- und ein Eigenleben entwickelt – was alles andere als positive Folgen für die gesamte Menschheit haben könnte. Dieser Biochemie-Horror ist im Pixelformat als Action RPG weniger detailreich als die Buchvorlage gleichen Namens von Hideaki Sena. Nach Lektüre des Buches wird man vermutlich alles über Mitochondrien und abstruse biologische Versuche wissen als man wollte.

Fantasy Books

Phantastisch adaptiert

Denkt man an Fantasy und auch an den Witcher zurück, vermutet man hinter einer Computerspiel-Adaption wahrscheinlich ein Rollenspiel. Betrayal at Krondor ist solch ein Kandidat. Das Rollenspiel von 1993 basiert auf der Midkemia-Saga von Raymond Feist und spielt in einer vom Spaltkrieg zerrütteten Fantasywelt. Das Videospiel stellt dabei einen interessanten Sonderfall in der hier zusammengestellten Liste dar. Zwar hat Feist nicht selber an den Dialogen mitgearbeitet, doch zählt es offiziell zum Kanon der Welt und wurde fünf Jahre später auch in Romanform niedergeschrieben.

Ruft man „Fantasyroman!“ in den Wald hinein, schallt es erst „Herr der Ringe!“ zurück und nach einer kleinen Handvoll anderer Namen auch noch „DieShannara-Chroniken! Also wirklich nur das Buch, nicht die Serie!“. Weit vor der TV-Serie gab es aber auch noch das Computerspiel. Das Adventure beinhaltet die Welt und Figuren der Vorlage von Terry Brooks, hat jedoch eine eigene Story zu bieten. Obwohl es als Sequel zu „Das Schwert von Shannara“ fungiert, muss man es nicht gelesen haben, um der Story folgen zu können.

Doch nicht nur Adventures und Rollenspiele, nein, die Fantasy bahnt sich ihren Weg auch in die Liga der First Person Shooter. Gemeint ist das Rad der Zeit von Robert Jordan, bei dem man statt mit schweren Pumpguns mit Zaubern um sich schießt. Dabei ist das Spiel detailliert und bietet eine atmosphärische Umgebung. Wer also die Nase voll von Ego Shootern im Kriegssetting hat – und sich vor einer Grafik aus dem Jahre 2002 nicht fürchtet -, kann unter anderem zu diesem Titel greifen!

Zwischen Licht und Schatten

In der Adaption der Terry Pratchett’schen Scheibenwelt geht es originalgetreu zu. Erstmalig 1986 als Text-Adventure erschienen, folgte „The Colour of Magic“ sehr stark dem literarischen Vorbild. Auch „Discworld“, 1995 für die Playstation und den PC erschienen, fängt den für diese Romane so geliebten Humor in Form eines Adventures ein. Lose basiert es auf dem Roman „Wachen! Wachen!“, wobei der Protagonist ausgetauscht wurde und man nun den Zauberer Rincewind spielt. Zwei weitere Spiele folgten, die die Scheibenwelt in formschöne Pixel packte.

Humoristische Romane allgemein geben meiner Meinung nach besten Stoff für Adventures ab. Per Anhalter durch die Galaxis etwa wurde 1984 ebenfalls als solches konzipiert und folgt dem Buch zunächst sehr nah, ehe es sich weiter und weiter vom Original fortbewegt, ohne dabei an Qualität und treffender Ironie einzubüßen.

Fort von Humor und Licht hin zu Dystopie und Schattengewächsen. Das Spiel „Shadow Complex“ etwa spielt parallel des dystopischen Romans Empire“ von Orson Scott Card, in dem ein zweiter Amerikanischer Bürgerkrieg thematisiert wird. Auch ein kriegerisches Setting hat das Spiel Spec Ops: The Line. Es basiert auf dem Roman„Heart of Darkness“ von Joseph Conrad, das auf sehr lesenswerte Weise die traumatischen Erlebnissen eines Soldaten im Herzen Afrikas behandelt. Das Spiel versetzt die Handlung in die Wüste Dubais. Man spielt Captain Walker, Leiter eines Squads aus zwei Soldaten auf der Suche nach dem verloren gegangenen Kameraden Konrad. Man muss moralische Entscheidungen treffen und sieht die Konsequenzen. Wie das Buch spielt das Spiel mit menschlicher Fragilität.

Tiefgründig geht es auch in „Atlas wirft die Welt ab“ bzw. seit 2012: „Der Streik“ von Ayn Rand zu. Protagonistin Dagny Taggart, die in den USA der 50er Jahre das ominöse Verschwinden von Großindustriellen zu verhindern versucht. Der zurecht vielbeachtete Shooter „BioShock“ wurde von diesem Buch inspiriert, übernimmt viel von dessen Philosophie wie bspw. den Objektivismus, Aristoteles, Industrie vs. Kirche und Staat. Einige Namen wurden der Vorlage angelehnt. Auch Fallout ließ sich von dieser Autorin inspirieren. Referenzen finden sich zum Beispiel in Form von Postern: „Wer ist Atlas?

Zuletzt ein winziges Ratespiel. In welchem Spiel findet sich dieses Zitat „Nothing is an absolute reality, all is permitted“ aus dem Buch „Alamut“ von Vladimir Bartol wieder? Kleiner Tipp: Der Roman spielt im 11. Jahrhundert in der persischen Festung Alamut, die von einem Missionaren und dessen Assassinen geführt wird.

Und die Klassiker?

Bücher gibt es schon seit mehr als hundert Jahren. Ich weiß, das ist ein Schlag ins Gesicht. Neben beispielsweise der Bibel, die es unter Schirmherrschaft des christlichen Publishers Wisdom Tree selbstverständlich auch in die pixeligen Weiten unserer Wohnzimmer geschafft hat, sind es derer noch mehr Titel älterer Semester.

Als eines der größten Werke der Weltliteratur gilt „Die Göttliche Komödie“ des italienischen Dichters Dante Alighieri, die erst kurz vor dessen Tod 1321 vollendet wurde. Sie schildert eine Reise durch die drei Reiche des Jenseits, allerlei Seelen von Verstorbenen begegnend. Das Videospiel „Dante’s Inferno“ ist dabei natürlich weniger philosophisch, sondern weitaus actionbeladener. Man durchstreift „hackend und slayend“ die neun Zirkel der Hölle, sich durch allerlei garstiges Seelenzeug kämpfend. Ein großer Spaß! Und das meine ich ernst.

Zwei Jahrhunderte später und ein paar viele Länder weiter östlich wurde „Die Reise nach Westen“ verfasst. Der Klassiker chinesischer Literatur stammt von Wu Cheng’en und spielt in einer phantastischen Version des alten Chinas, die Reisen des steinernen Affen Sun Wukong. Etwas weniger gesellschaftskritisch als die Vorlage zeigt sich das Action-Adventure Enslaved: Odyssey To The West. Hier spielt man den Menschen Monkey, dem das affenartige Design immerhin geblieben ist. Es spielt in einer post-apokalyptischen Welt 150 Jahre in der Zukunft; Plot und Figuren sind nichtsdestotrotz stark an das Buch angelehnt.

Unsere Reise durch Zeit und Raum führt uns nun ins Schottland des 19. Jahrhunderts. Dort ersann Robert Louis Stevenson die berühmte Novelle „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“, die bis heute unzählige Kreative inspirieren konnte. Kein Wunder also, dass es auch Stoff für Videospiele bietet. In einem 1988 erschienen Spiel ist Dr. Jekyll auf dem Weg zu seiner Hochzeit, wird dabei jedoch stets von nervigen Passanten aufgehalten. Ist der Doktor erbost, verwandelt nicht nur er sich, sondern auch die Passanten: In Dämonen, die vernichtet gehören. Andere Adaptionen gehen dabei einen werkgetreueren Weg.


Hier endet meine Vorstellung von Büchern, die als Vorlage für Videospiele dienten. Sicherlich gibt es derer mehr, denn nicht nur gibt es mittlerweile unendlich viele Spiele, Autoren lassen sich auch gerne inspirieren. Inwieweit Spiel A auf Roman X basiert, lässt sich nicht immer nachvollziehen. Definitiv ist die Auswahl aber groß, jedes Genre abgedeckt. Man kann so viel mit und aus Büchern machen! Selbst Videospiele.

Buchtipps Endzeit Romane

5 stille Endzeit Romane ohne Zombies

Selten in der Popkultur kommt die Endzeit ohne Gewalt und ein gewisses Maß an Action aus. Zombies weiden sich am Menschen, Städte brennen und irgendwo im Hintergrund dröhnt eine Monsterwelle heran. Die Menschheit darbt dann in der verbliebenen Gemeinschaft, aus der heraus sich wiederum Miniapokalypschen in Form des Teufels in Menschengestalt bilden.

Doch es geht auch wesentlich stiller. Dort, wo der Untergang entweder lange zurück liegt oder nur in schleichender Ruhe vonstatten gegangen ist. Dort, wo es nur einen oder zwei menschliche Protagonisten gibt, die sich in der Isolation behaupten müssen. Die Antagonisten: Hunger, die Natur und nicht selten auch der eigene Verstand.

Hier möchte ich euch fünf Bücher ans Herz legen, die allesamt nach dem Dahinscheiden der fast kompletten Menschheit spielen und in denen existentielle Fragen und Wahrheiten im Fokus stehen.

Marlen Haushofer, „Die Wand“

Haushofer die Wand

Autorin: Marlen Haushofer Verlag: List (2014) | Umfang: 288 Seiten | Sprache: Deutsch

Die aufgrund der Erzählperspektive namenlos bleibende Protagonistin macht mit ihrer Cousine und deren Mann Urlaub in einer einsamen Berghütte. Als die eines Tages von einem Ausflug in das nahe gelegene Dorf nicht mehr zurückkehren, macht sich die Protagonistin auf, um sie zu suchen – und stößt auf halbem Wege auf eine unsichtbare Wand, hinter der alles Leben auf ewig erstarrt ist. Fortan muss sie alleine in den Bergen zurecht kommen, gegen Hunger und Naturgewalten kämpfen und damit zurecht kommen, dass ihr Kosmos drastisch geschrumpft ist.

Was genau diese Wand verursacht hat erfährt man nicht und auch die Protagonistin steht der Frage ratlos gegenüber. Man verfolgt ihr Leben in der Isolation mittels tagebuchartiger Einträge, in denen sie ihre Umgebung, aber auch sich selbst reflektiert. Dass sie immerhin tierisches Geleit findet, ist Fluch und Segen zugleich, denn ein Verlust wiegt, je konzentrierter die Bezugspersonen, umso schwerwiegender.

„Die Wand“ ist ein sehr interessanter Roman, der zum Nachdenken anregt und sowohl zarte Kritik an der Gesellschaft übt, als auch die Natur in den Fokus stellt. 2011 wurde der Roman übrigens auch verfilmt, bleibt für mein Dafürhalten jedoch hinter dem Buch zurück.

Anspruch: ♠♠♠♠ | Gefühl: ♠♠♠♠ | Gewalt: ♠♠ | Humor: ♠


Thomas Glavinic, „Die Arbeit der Nacht“

Die Arbeit der Nacht Thomas Glavinic

Autor: Thomas Glavinic Verlag: dtv (2008) | Umfang: 400 Seiten | Sprache: Deutsch

Als Jonas eines Tages aufwacht, ist alles Leben verschwunden. Weder Tier, noch Mensch zeigt sich im leer gefegten Wien. Drückende Einsamkeit lässt ihn brüchig und paranoid werden und er beginnt, die Straßen und sogar sich selbst im Schlaf zu filmen. Bald stellt er fest, dass seine Paranoia nicht unbegründet ist. Und so beginnen die seltsamen Ereignisse, die Faust enger um ihn zu schließen …

Trotz inhaltlicher Schwächen zeigt die Arbeit der Nacht auf beeindruckende Weise die Fragilität des Menschen in der Einsamkeit und schafft eine behaglich gruselige Atmosphäre. Gerade die erste Hälfte ist dadurch sehr stark, baut jedoch eine Erwartungshaltung auf, die das Ende nicht erfüllen kann. Nichtsdestotrotz ein Roman, den zu lesen sehr lohnt!

Anspruch: ♠♠♠♠ | Gefühl: ♠♠ | Gewalt: ♠ | Humor: ♠


Arno Schmidt, „Schwarze Spiegel“

Arno Schmidt Schwarze Spiegel

Autor: Arno Schmidt Verlag: Suhrkamp Verlag (2006) | Umfang: 154 Seiten | Sprache: Deutsch

Fünf Jahre nach dem dritten Weltkrieg liegt die Welt noch immer in Schutt und Asche, zermürbt von atomarem Beschuss. Bleich starren menschliche Skelette aus den Trümmern der Städte hervor, in denen der namenlose Protagonist auf seinem Fahrrad durch Norddeutschland streift. Er ist alleine, hat sich mit der Isolation allerdings mehr oder weniger angefreundet.

Gezeichnet wird ein graues Bild von der Endzeit, in dem nur ab und zu ein Funke Licht aufflackert. Das Sterben der Menschheit wird nüchtern betrachtet, hin und hergerissen zwischen Genugtuung und Trauer. Stark in den Vordergrund tritt die Gesellschaftskritik, auch und besonders durch die inneren Monologe des Erzählers.

Arno Schmidt macht es allerdings nicht allzu leicht, dem Text zu folgen. Gedankliche Sprünge des Erzählers sind nicht selten, ebenso wie die Rechtschreibung nicht immer eingehalten wird und man sich auf künstlerische Freiheit beruft. Zudem findet man etliche Anspielungen auf Literatur, Politik und weiteres Zeitgenössisches, der Humor ist zynisch, aber vorhanden.

Insgesamt ein Klassiker, den man nicht nur als Freund von Endzeit-Literatur gelesen haben sollte.

Anspruch: ♠♠♠♠♠ | Gefühl: ♠♠ | Gewalt: ♠♠ | Humor: ♠♠♠


Cormac McCarthy, „Die Straße“

Cormac McCarthy Straße

Autor: Cormac McCarthy Verlag: Rowohlt (2016) | Umfang: 256 Seiten | Sprache: Englisch

Vater und Sohn kämpfen sich durch ein zerstörtes Nordamerika, in dem nicht nur die menschlichen Hinterlassenschaften in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Die Natur stirbt. Der Himmel ist grau, die Bäume kahl und man ernährt sich von den letzten, schäbigen Resten, die die Welt noch herzugeben hat. Auf der Suche nach Rettung zieht es die dezimierte Familie zur Küste.

Die beiden sind die meiste Zeit über allein mit sich und ihrer Not – und wollen das auch bleiben. Man kann niemandem trauen, ist stets auf der Hut und verbirgt sich, so gut es geht. Das triste Bild der Welt wird durch die Kannibalen grausam akzentuiert, ohne dass sensationsheischender Geifer aus der Schreibfeder McCarthys tropft. Erschütternd und tiefgründig erzählt, fühlt man als Leser unweigerlich mit.

Viele dürften die Verfilmung mit Viggo Mortensen aus dem Jahre 2009 kennen. Auch diese ist empfehlenswert, die Darsteller machen ihre Sache gut und der Roman wurde recht gut umgesetzt.

Anspruch: ♠♠♠♠ | Gefühl: ♠♠♠ | Gewalt: ♠♠♠♠ | Humor: ♠


Jean Hegland, „Die Lichtung“

Jean Hegland Die Lichtung

Autor: Jean Hegland Verlag: Fischer (2017) | Umfang: 300 Seiten | Sprache: Englisch | Bestellen

Die zwei jungen Schwestern Nell und Eva kämpfen noch mit dem Tod ihrer Eltern, als die Zivilisation um sie herum langsam zusammenbricht. Abgeschieden am Waldrand lebend, bekommen sie von all dem jedoch wenig mit und flüchten sich bald in ihre Zweisamkeit.

Obwohl auch im nahen Umkreis der Waldhütte einiges an Grausamkeiten geschehen, bleibt das zwischenmenschliche im Vordergrund. Die Themen, die in den Dialogen und in der Erzählung aufgegriffen werden, gehen über die eines handelsüblichen Young Adult Romans hinaus und machen es so auch für erwachsene Leser angenehm zu lesen. Die Gefühlswelten der Protagonisten rücken stärker in den Mittelpunkt als in den anderen hier vorgestellten Romanen, ohne es dadurch kitschig werden zu lassen. Der Aspekt der Natur rundet das Werk ab.

Anspruch: ♠♠ | Gefühl: ♠♠♠♠♠ | Gewalt: ♠ | Humor: ♠♠


Weitere Tipps

  • James Graham Ballard: Die Dürre (The Drought, 1964)
  • Sturm aus dem Nichts (The Wind from Nowhere, 1961)
  • Paradies der Sonne (The Drowned World, 1962)
  • Richard Cowper: -The White Bird of Kinship, bestehend aus Piper at the Gates of Dawn (Story, 1976), The Road to Corlay (1978), A Dream of Kinship (1981), A Tapestry of Time (1982)
  • George R.. Stewart: Leben ohne Ende (Earth Abides, 1949)
  • John Christopher: No Blades of Grass, 1956
  • Emily St. John Mandel: Station Eleven, 2014 (Das Licht der letzten Tage).
  • Walter M. Miller, Jr.: Lobgesang auf Leibowitz (A Canticle for Leibowitz, 1959)
  • Adrian J.Walker: The End of the World Running Club

Photo by Joseph Chan on Unsplash

Kaffeegeist

[Gastartikel] Ketten-Kurzgeschichte – Teil 4

Vor rund 4 Wochen hatte ich die Ketten-Kurzgeschichte ins Leben gerufen: Verschiedene Autor*innen und Blogger*innen schreiben gemeinsam an einer (Kurz-)Geschichte. Und das, ohne dass man jeweils weiß, wie es weitergeht. Dies ist nun der vierte Part.

Ich möchte hier noch keine Zusammenfassung der ominösen Geschehnisse rund um die Protagonistin Özlem bieten, sondern euch vielmehr nahelegen, die vorherigen drei Part zu lesen. Diese finden sich hier:

Und nun: Vorhang auf für Part 4, geschrieben von Iris Schäfer! Ihr einen Besuch abstatten kann man auf Twitter.


Der Zettel war beim ersten Mal noch nicht in ihrer Jackentasche gewesen, da war sie sich ganz sicher! Vielleicht verlor sie doch den Verstand? Özlem schaute auf ihr Handgelenk, es war erst 20:13 Uhr. Was sollte sie bis 23 Uhr machen? Sollte sie sich überhaupt darauf einlassen, sich mit einem völlig Fremden an einem dunklen Ort zu treffen?

Sie versuchte sich zu erinnern, ob sie jemanden an ihrer Jacke gesehen hatte, aber sie war sich sicher, dass niemand an der Garderobe war, nachdem sie ihr Mobiltelefon in die Jacke gesteckt hatte. Die Billard-Jungs hatten sie nicht so abgelenkt, ganz bestimmt nicht. Und wie kam der Zettel in ihre Tasche?

Irgendwie war sie ja doch neugierig. Langsam schlenderte sie wieder Richtung Strand, sie musste noch fast drei Stunden rumkriegen. Gab es irgendwo was zu essen? Gut, dass sie ihr Portemonnaie nicht auch in der Jacke hatte! Das wäre ja was geworden, wenn das auch weg gewesen wäre! Allein die Papiere und die Kreditkarten!

Ah, der kleine Italiener… Hungrig suchte sie sich einen Tisch und studierte die Speisekarte.

Einen großen Antipasti-Teller und einen Espresso später verließ sie das Restaurant wieder. Sie hatte sich entschieden, ja, sie würde den geheimnisvollen „Kommandanten“ treffen. Eine gute halbe Stunde war noch Zeit, und so ging sie langsam in Richtung der alten Post. Vielleicht war es sinnvoll, sich die Lage dort noch mal anzuschauen. Jane Bond auf geheimer Mission, kicherte sie nervös in sich hinein.

Die alte Post machte ihren Namen alle Ehre: ein großes, freistehendes Backsteingebäude mit kleinen Türmchen an allen vier Ecken. Ein ganz schöner Klotz, der irgendwie so gar nicht in die Umgebung passte. Soweit sie wusste, hat der Eigentümer inzwischen Büros dort vermietet. Kleine Gassen einmal rund um das Gebäude, eine Treppe führte zum Eingang hoch. Heutzutage wäre das schon wegen der Barrierefreiheit gar nicht mehr möglich, ging es Özlem durch den Kopf.

Sie schaute nervös auf ihren Fitnesstracker, es war zehn Minuten vor elf. Hier stand sie auf dem Präsentierteller, mitten im Mondlicht. Schnell zog sie sich in den Schatten eines Wohnhauses zurück, von wo sie einen guten Blick auf den Eingang der ehemaligen Post hatte. Sie schaute sich um, aber niemand weit und breit zu sehen. Die Fenster in den Häusern waren entweder dunkel, oder es flimmerte bläulich. Hier, in diesem Winkel des Ortes, war es erstaunlich ruhig in den Straßen. Fast zu ruhig.

Wieder der Blick zur Uhr, ob er wirklich kommen würde? Kannte sie ihn vielleicht? Wo blieb er nur, der geheimnisvolle Kommandant? Und was wollte er von ihr? In der Ferne hörte sie die Turmuhr der Kirche. Da ertönte eine dunkle Stimme hinter ihr: „Dreh dich nicht um!“

[…]


Den nächsten Part wird voraussichtlich träumerin stellen.
Photo by Toa Heftiba on Unsplash

Dead To Me Netflix

Tolle Frauen im starken Plot: „Dead to Me“

Die Netflix Serie „Dead to Me“ stellt die ungewöhnliche Freundschaft zweier Frauen in den Mittelpunkt, die sich im Rahmen einer Selbsthilfegruppe gefunden haben. Während Jen (Christina Applegate) versucht, denjenigen zu finden, der ihren Mann überfahren und danach Fahrerflucht begangen hat, wird nach und nach aufgedeckt, was Judy (Linda Cardellini) mit dem ganzen zu tun hat. Not so spoilery spoiler: Mehr als Jen lieb ist.

Viel erwartet hatte ich zu Beginn nicht; eine leichte Dramedy, die sich in den endlosen Reigen so vieler anderer US-Serien einreiht. Bekommen habe ich allerdings so viel mehr: Authentische Dialoge, sinnvolle und spannende Plot Twists, vielschichtige Figuren und Protagonistinnen, die ich mir in dieser Art schon lange gewünscht habe. Dass ich diese Serie nur empfehlen kann, ist kein Geheimnis, doch lasst mich kurz ausführen, weshalb dem so ist und weshalb ihr auch unbedingt reinschauen müsst!

Starke Frauen?

Das, was mich am Diskurs über den „starken weiblichen Charakter“ seit jeher mit am meisten stört, ist die allzu oft geäußerte Definition einer um sich ballernden „Männer“spiegelung. Das darf durchaus, muss aber nicht sein. Weibliche Repräsentation sollte mehr als nur zweidimensional sein. „Dead to Me“ macht es hier genau richtig.

Sowohl Jen, als auch Judy, sind stark – auf völlig unterschiedliche Art und Weise. Zusätzlich wird nicht der Anspruch erhoben, dass sie dabei unfehlbar sein müssten oder gar keine Schwächen haben dürften. Stärke schließt Schwäche eben nicht aus. Und so dürfen sie Ärger, Verletzlichkeit und Trauer zeigen, ohne dass ihr Wert oder ihre Stärke abgesprochen wird. Ihre Entscheidungen sind nicht immer rational oder gut durchdacht, aber dabei stets nachvollziehbar. Es sind Frauenfiguren, die ich verdammt gerne auf dem Bildschirm sehe. Gut geschrieben, interessant, vielschichtig. Man merkt schlichtweg, dass mit Liz Feldman (gleichzeitig Schöpferin) und Jessica Elbaum zwei Autorinnen beteiligt sind und nicht blind ins Pinke geschrieben worden ist.

Übrigens sind nicht nur die Figuren dreidimensional und fesselnd: Die Schauspieler*innen sind es auch. Speziell die beiden Hauptdarstellerinnen Applegate und Cardellini machen einen grandiosen Job. Sie zeigen Facetten und Tiefe und ich persönlich finde es außerordentlich erfrischend, zwei Frauen über 40 in den Hauptrollen zu sehen – die auch so aussehen. Ich liebe es und will mehr davon!

Listen to me!

Sowohl in den Dialogen, als auch in den Handlungen sind feministische Ansätze eingepflegt, die allein in einer Serie zu sehen so gut tun. Themen, die für viele Frauen und weiblich Gelesene Alltag sind, werden angesprochen und nicht etwa als nichtig abgetan, sondern es wird klar Stellung bezogen. Was ist Selbstbestimmung? Ist man selbst Schuld, wenn ein Mann einen ohne Zustimmung begrapscht? (Nein!)

Dass Dead to Me den Bechdel-Test mit Leichtigkeit bestehen würde, ist dabei obligatorisch. Natürlich reden sie über ihre verstorbenen Ehemänner. Sie sind bzw. waren ein Teil von ihnen. Aber sie definieren sich oder ihren Wert nicht über sie. Sie sind eigene Persönlichkeiten, deren Probleme, Ansichten und Träume wichtig genug sind, um für sich allein zu stehen und wichtig genommen zu werden. Das ist selbst in der heutigen Serienlandschaft leider nicht selbstverständlich.

Mit dem Holzhammer wird dabei jedoch nicht gearbeitet. Alles ist angenehm eingebettet, nicht immer angenehm, aber natürlicher Teil von Plot und Figuren. Kein „Ich bin so gut, weil ich eine Frau bin!“ sondern „Ich bin so gut, weil ich Ich bin!“

Anstrengende Feminismus-Show exklusiv für Frauen?

Kurze Antwort: Nope.

Die in der Serie besprochenen Themen Trauer, Wut und Schuld sind universale Themen, die unabhängig vom Geschlecht greifen und die Zuschauer*innen packen. Dass die Protagonistinnen Frauen sind – das ist ein für mich netter Nebeneffekt, sieht man tiefe, dreidimensionale Freundschaften unter Frauen doch leider viel zu selten auf dem Bildschirm.

Für mich ist Dead to Me tatsächlich empowering. Und ich bin froh, dass sie nicht nur das ist, sondern – so ganz nebenbei – auch verdammt gut geschrieben und unterhaltsam. Frakk yeah, ich will eine zweite Staffel! Sofort! Fix my Ungeduld, Netflix!