Wir Streamerinnen sind keine Einhörner, verdammt nochmal!

Wieder einmal werden weibliche (und diverse) Streamerinnen und/oder Gamerinnen gesucht, die auf Twitch oder Youtube aktiv sind. Händeringend. Die Szene sei ja „extrem einheitlich“. Man wolle „seinen Horizont erweitern“. Sagt mal. Seid ihr seit Jahren(!) auf beiden Augen und Ohren blind?!

Ja, es ist großartig, wenn man seinen Horizont erweitern möchte! Toll, wenn man aktiv nach marginalisierten Leutchen sucht die man unterstützen möchte. Wirklich! Aber dieses sich ständig wiederholende Narrativ des „Es gibt keine Streamerinnen die zocken!!!“ ist einfach nur Zeichen einer patriarchalen Scheuklappengesellschaft und fern der seit Jahren (Jahrzehnten?) gelebten Realität.

Auf mich wirkt es, als würde man sich aktiv dagegen wehren, Streamerinnen zu sehen und sich hinter „Aber sie sind nicht unter den 10 beliebtesten Kanälen gelistet, wie kann ich die denn dann finden? :(“ verstecken.

Fun Fact: Ich war jetzt ungelogen nur 10 Sekunden im „Durchsuchen„-Mode (exemplarisch Fortnite) unterwegs und habe auf Anhieb(!) ein Dutzend zockende Frauen gefunden.

Ich nehme es euch nicht ab

Mir steht diese Argumentation bis oben hin. Ab 2011 war ich für ein paar Jahre auf Youtube unterwegs. Und damals schon gab es zockende und let’s playende Frauen. In Foren wurde man fündig, in den Kommentarspalten und natürlich auf Youtube selbst. Das ist jetzt 9 Jahre her. Seitdem sind nicht nur nicht alle Frauen abgesprungen – es sind sogar unzählige hinzugekommen!

Selbiges gilt für Twitch. Wenn aber natürlich Frauen und andere Marginalisierte künstlich kleingehalten werden, kann frau nicht in die Riege der beliebtesten X aufsteigen.

„Wat? Künstliche Kleinhaltung? Du spinnst doch!“ Na. Lasst mich ein paar Beispiele nennen:

  • It’s a man-made boys club. Ja, immer noch. Zu diversen Formaten eingeladen werden noch immer bevorzugt „der Buddy“, sprich: andere Männer. „Wir haben keine Frauen gefunden die mitmachen wollten“ – Bullshit. Ihr habt sie einfach nicht gefragt. Ausnahme: Die Quotenfrau. Ja danke. Nicht. Kooperiert doch mal mit Let’s Playerinnen. Ja, it’s that easy.
  • „Die ist nur wegen der Titten bekannt geworden!“ Damit wird nicht nur das Talent der Frau klein geredet, sondern auch suggeriert, dass es bei ihrem Kanal gar nicht erst primär um Gaming gehen kann. Sie zeigt ja Brüste. Ich bin in einer Streamer-Gruppe auf Facebook aktiv und die sexistischen Kommentare sind unterste Schublade. Und mir geht es nicht um Frauen, die im BH vor dem Rechner sitzen würden.
  • Dieses bereits erwähnte Narrativ. „Die Szene ist so einheitlich! 🙁 “ Seit Jahren sagt ihr das. Und seit Jahren ist es unwahr. Aber dadurch, dass immer und immer wieder so getan wird, als gäbe es keine Streamerinnen oder Youtuberinnen, bleibt es verankert.

Was also tun, um Streamerinnen zu unterstützen?

Folgt ihnen. Teilt ihre Beiträge. Tut nicht so, als gäbe es sie – uns – nicht. Ihr seid die, die dafür sorgen, wenn primär auf Brüste und SChönheit geguckt wird. Steuert dem entgegen, indem ihr mal wagt, hinter die Fassade zu schauen. Dann werdet ihr vermutlich bald sehen, dass nicht die Streamerin auf Brüste baut, sondern ihr. Dass sie sehr wohl innere Werte hat. Sorry, dass wir aussehen, wie wir aussehen.

Und wartet nicht auf die x-te Liste an nicht-männlichen Streamer*innen. Es gibt unendlich viele. Und wenn es schon so viele Listen gibt: Folgt den genannten Kanälen doch mal! Stattdessen werden Listen genannt, aber ignoriert. Ab und an mache ich mir nämlich durchaus die Mühe und schaue bei den letzten Follower*innen nach. Lustigerweise sind die Fragensteller „NENNT MIR DOCH MAL WEIBLICHE STREAMERINNEN!!!11“ dann nämlich nicht dabei.

Suse sammelt auf Twitter beispielsweise gerade: Klick mich. Und das ist wie gesagt nur eine von unendlich vielen bereits bestehender Listen.

Aber verdammt nochmal, tut nicht immer so, als gäbe es uns nicht! Ich habe es satt!

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