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Gaming Kolumnen

Die größten Irrtümer rund um Community Manager:innen

Ich liebe meine Arbeit als Community Managerin: Die Interaktion mit leidenschaftlichen Fans on- und offline, das Analysieren und Anwenden von Strategien, das Kreieren von kreativen Assets und Kampagnen und vieles mehr. Man ist Teil einer Community und arbeitet, zumindest in meinem Fall, an und mit Videospielen. Am erfüllendsten ist meine Arbeit für mich dann, wenn ich mit der Community kommuniziere; entweder direkt in Chats, oder eher indirekt mittels Social Media Postings, Ankündigungen und Co. Allerdings hat auch dieser Part seine Schattenseiten. Dann, wenn die Community teils – aus meiner Perspektive – abstruse Erwartungen an meine Arbeit hegt.

Hier möchte ich euch nun die größten Irrtümer rund um Community Manager*innen vorstellen. Wenn ihr selbst in diesem Bereich arbeitet, kommentiert gerne, ob es euch ähnlich geht oder ihr ganz andere Erfahrungen gesammelt habt!

Community Manager*innen sollen eigentlich andere Dinge tun!

Ihr kennt es: Der Twitter-Account des Studios eures Vertrauens postet ein lustiges Meme / einen unterhaltsamen Artikel; kurz: Fluff, der die Community unterhalten soll. Ich persönlich liebe diese Art von Postings. Man kann kreativ sein, wunderbare Dinge wie Fan Art hervorheben und mit der Community in lockeren Kontakt treten.

Natürlich fixen wir damit aber kein Spiel. Gifs reparieren keine Bugs. Und mit einem Lächeln kann man das gepeinigte Herz eines Fans nicht kitten. Solche Postings sind dafür aber auch nicht da. Wichtiger noch: Solche Postings nehmen den Bugfixes keinen Platz weg. Ob ich jetzt etwas Witziges auf Twitter poste oder weiter an irgendeinem Social Media Plan arbeite – ich würde stattdessen nicht an Bugs arbeiten. Dafür bin ich als Community Managerin nicht eingestellt. Umgekehrt würde kein Developer und keine Developerin auf meinem Social Media herumschrauben. Der*die fixt eben unter anderem gerade Bugs.

Ich als Community Managerin darf und soll also sehr wohl auch einfach mal unterhaltsame Dinge posten. Dadurch lernt man die Community kennen, kann mit ihr interagieren und es hält den Flow aufrecht. Aber: In Krisenzeiten sollte man sehr spärlich damit umgehen. Das versteht sich von selbst. Hier spreche ich tatsächlich von Zeiten außerhalb dessen.

Plus: Ein „Fixt mal euer Spiel!!!“ hilft niemandem. Was soll gefixt werden? Auf welchem System spielst du? Und, natürlich: Welches Spiel spielst du überhaupt? Manche Publisher und Studios haben nämlich durchaus mehr als eines. Überraschung. Böse Zungen mögen natürlich behaupten, dass es denjenigen nicht wirklich um Konstruktivität geht. Schade eigentlich.

Sie sollen dein – DEIN – LP teilen!

Den Wunsch nach Anerkennung verstehe ich – und auch, dass man sich schnell ignoriert fühlen kann. Man hat etwas Tolles kreiert, etwa ein Let’s Play oder eine Kurzgeschichte, irgendetwas – und man erhält von offizieller Seite nicht mal ein Like.

Tatsache ist: Je nach Spiel, Publisher oder Studio bekommt man Tonnen an Content zugespielt, und das über unterschiedliche Kanäle. Jede*r von ihnen möchte dabei gesehen werden. Und ja, vieles davon sehen wir auch tatsächlich. Manches im Detail, manches im Vorbeisurfen, anderes aus dem Augenwinkel. Wir lesen und sehen viel und tun das auch verdammt gerne, aber verpassen dabei natürlich auch manches.

Und selbst wenn wir dieses und jenes im Detail gesehen haben, können wir nicht alles davon auf unseren Kanälen teilen. Wie sähe dieser Kanal dann aus? Wie ungeordnetes Chaos, in dem sich nicht mal der*die Influencer*in selbst erkennen kann.

Ich persönlich war auf beiden Seiten, sowohl auf Publisher-, als auch Communityseite und weiß, wie großartig es sich anfühlt, wenn man von einem großen Account „geteilt“ wird. Daher freue ich mich auch jedes Mal ganz ernsthaft, wenn der Kalender Raum für Fankreationen hat und ich etwas teilen kann. Oder wenn ich Zeit habe, es zu kommentieren. Allerdings gibt die Zeit es nicht immer her.

Aber was wieso und wann – das unterliegt so vielen Faktoren, dass ich das unmöglich hier nun erläutern kann oder gar möchte. Geheimtipp: Eine aggressive Forderung wird niemanden dazu verleiten, etwas zu teilen. Aber je häufiger man eine Person sieht und je qualitativ hochwertiger jener Content ist, desto eher wird er oder sie auch „gesehen“.

Community Manager haben keinen Feierabend! Nie!

Spoiler: Ich mag meinen Job. Gerade zu Beginn habe ich deshalb auch oft am Wochenende und nach Feierabend auf Fragen aus der Community geantwortet, Dinge vor- und nachbereitet. Das mache ich allerdings nicht mehr in dem Maße, wenn nichts Dringendes ist. Warum? Weil ich ein Mensch mit einem ganz normalen Freizeit- und Erholungsbedürfnis bin.

Für die meisten ist das auch einleuchtend. Dennoch gilt für viele: Community Manager*innen sollen immer und jederzeit zur Verfügung stehen. Man wird auf Discord und auf den privaten SoMe Kanälen zu allen möglichen Zeiten angepingt – und das ist noch vollkommen in Ordnung. Man wird ja nicht gezwungen, sofort zu reagieren. (Was man natürlich dennoch macht, schließlich möchte man helfen.) Viele haben jedoch eine aggressive Erwartungshaltung.

„Hallo? HALLO! Ich hab dich was gefragt!“
„Hey [Insert Namen eines Kollegen], die Guddy war zu faul zum antworten, vielleicht bist du ja netter?!“
„Ja DANKE auch was ein scheiß Service! [Kotzsmiley]


Und das finde ich … schade. Umgekehrt kommt von jenen Leuten nämlich auch keine Anerkennung, wenn man an einem Samstag um 23 Uhr antwortet. Weil sie es so erwarten. Von jemandem, der*die von Montags bis Freitags bereits eine 40 Stunden Woche hat.
Muss ich dazu noch mehr sagen? Nutzt unsere Hilfsbereitschaft bitte nicht aus.

Community Manager sind alle Praktikanten!

Logisch. Schließlich ist es ja auch gar kein richtiger Job: Wir sitzen halt nonstop vor Twitter, posten ab und zu ein zufällig ausgewähltes Gif und irgendeinen innerhalb von drei Sekunden zusammengewürfelten Unsinn, während wir auf dem zweiten Bildschirm Hearthstone spielen und … Okay, ich ziehe euch gleich hier den Zahn, bevor ihr euch noch bestätigt fühlt.

Es ist tatsächlich ein richtiger Job, den man nicht „mal eben“ macht. Zumindest dort, wo ich aktuell arbeite, ist es tatsächlich mit Management verbunden. Wir erstellen Pläne, stehen in engem Kontakt mit den Studios um die Strategien zu besprechen, betreiben Influencermarketing, analysieren Märkte und Advertisings, um nur wenige Arbeitsbereiche zu nennen.

Und selbst wenn wir uns im Social Media selbst herumtreiben, hat es wenig mit dem zu tun, was ich privat auf meinen Accounts mache. Es ist Arbeit. Man hat ein ganz anderes Maß an Verantwortung, mehr und wesentlich kritischere Augen, die einen beobachten und letztlich postet man nicht einfach drauflos. Wie auch? Wir twittern nicht für uns, sondern für Dritte.

Dass diese Arbeit auch Spaß macht, ist ein großes Plus. Aber aus der vermeintlich herabwürdigen Aussage, es würde sich bei uns „nur um Praktikant*innen“ handeln, spricht natürlich auch nicht eine tatsächliche Herabwürdigung. Sondern Neid. Und das wissen wir sehr wohl.

Community Manager sind männlich!

Als Community Managerin innerhalb der Videospielindustrie bin ich für die Fans männlich. Selbst mit einem weiblichen Nickname und meinem weiblichen Comicbild als Avatar, den ich bei Ubisoft benutzt habe, nehmen sie an, ich sei männlich. Immer. Von „Danke Dude“ über „Der Typ, der gerade bei Anno Twitter betreut, ist super cool!“ bis zu „Ich wette, dein Schwanz ist winzig klein!“ habe ich schon so vieles gelesen, das ich von dem Mindset einfach ein bisschen genervt bin. Wisst ihr, Frauen existieren in der Videospielbranche und viele von uns sind auch verdammt witzig und können gut schreiben.

Grundsätzlich habe ich kein Problem damit, misgendered zu werden, aber dem hier liegt einfach ein Grundgedanke hinter, der einfach nicht mehr sein muss. Mittlerweile gibt es so viele bekannte, weibliche Gesichter der Gamesbranche und ich bin das „männlich by default“ einfach leid. Gendert doch einfach gar nicht.

Wir sind an allem Schuld

Ganz ehrlich? Das ist pures Trolling und wer keine konstruktiven Argumente bringen möchte – denen ich durchaus gerne zuhöre, auch um sie an das Studio weiterleiten zu können, was schließlich mitunter mein Job ist – bekommt von mir je nach Arbeitgeber*in entweder gar keine, oder eine ebenfalls trollende Antwort.

Und um noch ein bisschen ehrlicher zu sein? Trolling finde ich nicht ärgerlich. Zumindest nicht für mich, sondern für die anderen Fans. Ich für mich finde es possierlich und möchte ihnen am liebsten ein rosa Kuscheltier zum Liebhaben schicken. Leider wäre ich dann schnell arm.

5 Replies to “Die größten Irrtümer rund um Community Manager:innen

  1. Hach, herrlicher Post 🙂

    Ich war fünf Jahre lang fest im QA-Team eines Spieleentwicklers angestellt. Ich glaube ich hatte noch nie einen Job, der mir so viel Hass aus der Community entgegengebracht hat.
    „Warum ist der Bug, den ich Dir gestern gemeldet habe, heute noch nicht gefixt?“
    „Warum hast Du den Bug nicht selbst gefunden, wirst doch dafür bezahlt?!“
    „Hey, mach das doch mal heile, ist doch Dein Job!“

    Nein, nein, nein. Ihr habt es nicht verstanden!

    Tja, und so könnte man diese Erlebnisse auf jeden Teilbereich der Spieleentwicklung abbilden. Oder gar auf jeden Beruf. Irgendwo gibt’s immer ein paar Scheißerchen, die nicht verstehen wollen (oder können), dass Aufgabenfelder extra abgegrenzt sind, damit sich jede/r auf das konezentrieren kann, dass was er/sie am besten kann.

    So long,
    lass Dir den Spaß an Deinem Job nie verderben.

    Cheers
    Jan

      1. Über Typos komme ich GERADE SO hinweg… ;D
        Oh ja, QA Tester*innen können da ganz sicher auch ein Lied von singen. Die meisten haben einfach keine Ahnung, wie Spieleentwicklung funktioniert. Das kann man ihnen natürlich nicht vorhalten – mangelnden Respekt jedoch schon. Und das habe ich in der Vergangenheit auch immer gegenüber den Leuten betont.

        Wenn man so einen Job hat, braucht man auf jeden Fall ein dickes Fell.

        Danke für deinen Kommentar! 🙂

  2. Schön, dass du wieder bloggst! 🙂
    Und dann noch zu einem solch spannenden Thema. Danke für das Teilen deiner Einblicke. Bei dem Job ist es noch schwieriger, klar zwischen Arbeit und Freizeit zu trennen, als bei schon „normalen“ Jobs in modernen Unternehmen, wo man eben per Slack oder Teams kommuniziert und jede E-Mail auch aufs private Handy bekommt (meine Community-Manager-Zeiten, nicht in der Games-Branche, sind aber auch schon lange vorbei).

    1. Schön, dass du wieder vorbeischaust! <3

      Und ja, Trennung fiel mir gerade zu Beginn wirklich schwer, zumal ich in den Bios meiner sozialen Kanäle auch Ubisoft verlinkt hatte. Das mache ich nicht mehr. Ich bin nicht mein Arbeitgeber, auch wenn ich bei meinem jetzigen echt sehr gerne arbeite.

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