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Buchkolumnen Literatur

Wie man Frauen schreibt

Generationen an Autoren haben sich die Zähne an ihren weiblichen Figuren ausgebissen. Selten wortwörtlich, freilich, denn wer beisst schon freiwillig in sein Manuskript? Damit ihr fortan weder unkontrolliert beissen, noch schwitzen müsst, habe ich hier den ultimativen Guide zum Schreiben weiblicher Figuren vorbereitet!

Frauen sind seltsam. Alle. Wie fremde, giftige Pflanzen dringen sie in das vertraute Territorium des starken Mannes ein und verbreiten pinkes Unheil und Chaos. Sie zu verstehen ist dem Mann von damals wie heute fast unmöglich. Logisch, sind sie doch eine eigene Spezies, ihre Taten irrational und verrückt. Halten wir uns also lieber an folgende Grundregeln:

Frauen sind wie Männer – nur ganz anders

Fast könnte man meinen, dass Frauen ganz normale Menschen mit ganz normalen Hobbies und ganz normalen Ansichten und Gefühlen sind. Das ist jedoch stark vereinfacht und sogar verharmlost. Es suggeriert, dass Frauen die gleichen Rechte wie Männer haben und man sich nicht in „Naja, is‘ halt ne Frau, nech, was will sie hier?“-Reden flüchten kann.

Hobbies, die zu Frauen passen:

  • Hausarbeit
  • Handarbeiten: Nähen, Stricken, Basteln
  • Filme. Obacht: Nur den folgenden Genres zugehörig: Romance, Paranormal Romance, Romance-Romance
  • Schreiben: Gedichte, seichte Kost
  • Träumen; Fantasieren, Traumschlösser bauen, mit Vögeln singen
  • Frauenabende: Gegenseitig schminken, Sekt schlürfen, Romance gucken, Gesichtsmasken

Um es etwas diverser zu gestalten – denn wie wir gelernt haben, ist Diversität sehr wichtig – kann man von oben Genanntem abweichen, indem man einer Frau typisch männliche Hobbies verleiht. Aber: derer nicht zu viele. Sie müssen mit Bedacht eingesetzt werden, damit die Figur nicht plötzlich mit einem Mann verwechselt wird.

BonusWissen: Je weniger weibliche Attribute eine Frau erhält, desto cooler wird sie. Ist eine Frau natürlich zu cool, wird sie zu unweiblich. Frauen sind einfach nicht cool. Und auch nicht witzig, aber das setze ich mal als gegebenes Wissen voraus.

Bonus-Wissen #2: Weibliche Wut ist nicht nachvollziehbar, sondern grundsätzlich verrückt.

Stärke

Stärke ist wichtig. Starke Protagonistinnen liegen voll im Trend. Die gute Nachricht: Es ist so einfach, sie so schreiben! Man braucht derer nur drei Zutaten:

  • Eine Knarre. Knarren sind stark. In einem phantastischen Setting tut es auch ein Schwert.
  • Vergewaltigungen. Vergewaltigungen machen stark. So stark. Zum Glück hat sie Schlimmes erlebt, sonst wäre sie noch immer ganz zart.
  • Männlichkeit. Männer sind toll, Männer sind stark, Männer sind gigantisch! Um eine Frau stark sein zu lassen, braucht sie also männlich gelesene Attribute, Logisch. Das ist ein Level-Up.

Motivation

Frauen wollen von Männern beachtet werden, woraus sich ihre Motivation ergibt.
Beispiele:

  • Welten vor Unheil retten? Wenn sie dadurch den Prinzen zum Mann nehmen darf
  • Karriere: Wenn sie später 50 Jahre Mutterzeit nehmen kann
  • Sich weiterentwickeln? Wenn es bedeutet, dass sie ihr Aussehen für das männliche Auge optimiert
  • Rache: Wenn ihr Mann von einer anderen Frau hinterrücks gestohlen wurde (Verrückt!)

Frauen wollen gefallen und gefällig sein. Nur durch den Traummann und Kinder wird eine Frau erfüllt.

Boobies!

Eine Frau wird erst durch Brüste zur Frau. Frauen ohne Brüste oder gar ohne Vagina? Um das zu verstehen müsste man ja nachdenken! Nein, bleiben wir lieber im Mittelalter. Ist ja auch einfacher zu schreiben. Wenn man die Recherche außen vor lässt.

Brüste also. Beschreibt sie. Groß und ausführlich. Frauen spüren sie beim Gehen, sehen sie beim flüchtigen Spiegelblick, denken jede Minute an sie. Woher soll der Leser auch wissen, dass sie Brüste hat, wenn man sie nicht erwähnt?!? Die besten Vergleiche ergeben sich aus Früchten. Die sind ja schließlich auch großartig. Melonen, knackige Äpfel, bloß keine garstigen Orangen. Die haben nicht die gewünschte Oberfläche. Weich und glatt sollen sie sein!

Vergesst auch nicht, Frauen entsprechend zu kleiden. Auf High Heels lässt es sich hervorragend laufen und verfolgen, Nagellack trocknet innerhalb von Nanosekunden und Lippenstift verschmiert auch bei den wildesten Küssen nicht. Beine und Achseln sind bei der Frau von heute von Natur aus haarlos und insbesondere die Frau aus der Fantasywelt hat sich auf langen Reisen nicht darum oder um handelsübliche Hygiene zu sorgen. Zur Not macht es auch der eilig herbeigezauberte Spruch. Ist ja Fantasy.

Männerrunde

Das fertige Produkt kann dann in der heimeligen Männerrunde besprochen und die weibliche Figur auf ihre Perfektion hin untersucht werden. Testleserinnen sind dabei unerheblich, denn Männer wissen ohnehin alles besser. Selbst wie man Frauen richtig schreibt. Schließlich sehen nur Männer Frauen von außen, Frauen sind befangen und, natürlich verrückt. Es sei denn, es handelt sich um die eigene Protagonistin. Die ist perfekt von der splissbefreiten Haarspitze bis zur weichen Fußsohle.

Gratuliere. Du bist bereit. Bitteschön. Vergiss nicht, dich von deinen Kollegen feiern zu lassen, eine total starke Protagonistin zu haben.

Photo by Nadim Merrikh on Unsplash

One Reply to “Wie man Frauen schreibt

  1. Uh wie Recht du mit manchen Äußerungen hast. Aber wehe man schreibt über ne Frau, die unheimlich gut heimwerken kann. Oder über eine Frau, die 1A mit einem Speer umgeht. Oder Anwältin ist und sich nicht um Minderheiten kümmer. Wehe, wehe!

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