Kaffeegeist
Literatur Schreiben

[Gastartikel] Ketten-Kurzgeschichte – Teil 4

Vor rund 4 Wochen hatte ich die Ketten-Kurzgeschichte ins Leben gerufen: Verschiedene Autor*innen und Blogger*innen schreiben gemeinsam an einer (Kurz-)Geschichte. Und das, ohne dass man jeweils weiß, wie es weitergeht. Dies ist nun der vierte Part.

Ich möchte hier noch keine Zusammenfassung der ominösen Geschehnisse rund um die Protagonistin Özlem bieten, sondern euch vielmehr nahelegen, die vorherigen drei Part zu lesen. Diese finden sich hier:

Und nun: Vorhang auf für Part 4, geschrieben von Iris Schäfer! Ihr einen Besuch abstatten kann man auf Twitter.


Der Zettel war beim ersten Mal noch nicht in ihrer Jackentasche gewesen, da war sie sich ganz sicher! Vielleicht verlor sie doch den Verstand? Özlem schaute auf ihr Handgelenk, es war erst 20:13 Uhr. Was sollte sie bis 23 Uhr machen? Sollte sie sich überhaupt darauf einlassen, sich mit einem völlig Fremden an einem dunklen Ort zu treffen?

Sie versuchte sich zu erinnern, ob sie jemanden an ihrer Jacke gesehen hatte, aber sie war sich sicher, dass niemand an der Garderobe war, nachdem sie ihr Mobiltelefon in die Jacke gesteckt hatte. Die Billard-Jungs hatten sie nicht so abgelenkt, ganz bestimmt nicht. Und wie kam der Zettel in ihre Tasche?

Irgendwie war sie ja doch neugierig. Langsam schlenderte sie wieder Richtung Strand, sie musste noch fast drei Stunden rumkriegen. Gab es irgendwo was zu essen? Gut, dass sie ihr Portemonnaie nicht auch in der Jacke hatte! Das wäre ja was geworden, wenn das auch weg gewesen wäre! Allein die Papiere und die Kreditkarten!

Ah, der kleine Italiener… Hungrig suchte sie sich einen Tisch und studierte die Speisekarte.

Einen großen Antipasti-Teller und einen Espresso später verließ sie das Restaurant wieder. Sie hatte sich entschieden, ja, sie würde den geheimnisvollen „Kommandanten“ treffen. Eine gute halbe Stunde war noch Zeit, und so ging sie langsam in Richtung der alten Post. Vielleicht war es sinnvoll, sich die Lage dort noch mal anzuschauen. Jane Bond auf geheimer Mission, kicherte sie nervös in sich hinein.

Die alte Post machte ihren Namen alle Ehre: ein großes, freistehendes Backsteingebäude mit kleinen Türmchen an allen vier Ecken. Ein ganz schöner Klotz, der irgendwie so gar nicht in die Umgebung passte. Soweit sie wusste, hat der Eigentümer inzwischen Büros dort vermietet. Kleine Gassen einmal rund um das Gebäude, eine Treppe führte zum Eingang hoch. Heutzutage wäre das schon wegen der Barrierefreiheit gar nicht mehr möglich, ging es Özlem durch den Kopf.

Sie schaute nervös auf ihren Fitnesstracker, es war zehn Minuten vor elf. Hier stand sie auf dem Präsentierteller, mitten im Mondlicht. Schnell zog sie sich in den Schatten eines Wohnhauses zurück, von wo sie einen guten Blick auf den Eingang der ehemaligen Post hatte. Sie schaute sich um, aber niemand weit und breit zu sehen. Die Fenster in den Häusern waren entweder dunkel, oder es flimmerte bläulich. Hier, in diesem Winkel des Ortes, war es erstaunlich ruhig in den Straßen. Fast zu ruhig.

Wieder der Blick zur Uhr, ob er wirklich kommen würde? Kannte sie ihn vielleicht? Wo blieb er nur, der geheimnisvolle Kommandant? Und was wollte er von ihr? In der Ferne hörte sie die Turmuhr der Kirche. Da ertönte eine dunkle Stimme hinter ihr: „Dreh dich nicht um!“

[…]


Den nächsten Part wird voraussichtlich träumerin stellen.
Photo by Toa Heftiba on Unsplash

4 Replies to “[Gastartikel] Ketten-Kurzgeschichte – Teil 4

  1. Es ist schon interessant, wie oft die Geschichte den Stil wechselt. Anfang dachte ich Fantasy, dann Mystery… und nun äh check ich noch nicht ganz in welche Richtung das laufen wird.

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