Dead To Me Netflix
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Tolle Frauen im starken Plot: „Dead to Me“

Die Netflix Serie „Dead to Me“ stellt die ungewöhnliche Freundschaft zweier Frauen in den Mittelpunkt, die sich im Rahmen einer Selbsthilfegruppe gefunden haben. Während Jen (Christina Applegate) versucht, denjenigen zu finden, der ihren Mann überfahren und danach Fahrerflucht begangen hat, wird nach und nach aufgedeckt, was Judy (Linda Cardellini) mit dem ganzen zu tun hat. Not so spoilery spoiler: Mehr als Jen lieb ist.

Viel erwartet hatte ich zu Beginn nicht; eine leichte Dramedy, die sich in den endlosen Reigen so vieler anderer US-Serien einreiht. Bekommen habe ich allerdings so viel mehr: Authentische Dialoge, sinnvolle und spannende Plot Twists, vielschichtige Figuren und Protagonistinnen, die ich mir in dieser Art schon lange gewünscht habe. Dass ich diese Serie nur empfehlen kann, ist kein Geheimnis, doch lasst mich kurz ausführen, weshalb dem so ist und weshalb ihr auch unbedingt reinschauen müsst!

Starke Frauen?

Das, was mich am Diskurs über den „starken weiblichen Charakter“ seit jeher mit am meisten stört, ist die allzu oft geäußerte Definition einer um sich ballernden „Männer“spiegelung. Das darf durchaus, muss aber nicht sein. Weibliche Repräsentation sollte mehr als nur zweidimensional sein. „Dead to Me“ macht es hier genau richtig.

Sowohl Jen, als auch Judy, sind stark – auf völlig unterschiedliche Art und Weise. Zusätzlich wird nicht der Anspruch erhoben, dass sie dabei unfehlbar sein müssten oder gar keine Schwächen haben dürften. Stärke schließt Schwäche eben nicht aus. Und so dürfen sie Ärger, Verletzlichkeit und Trauer zeigen, ohne dass ihr Wert oder ihre Stärke abgesprochen wird. Ihre Entscheidungen sind nicht immer rational oder gut durchdacht, aber dabei stets nachvollziehbar. Es sind Frauenfiguren, die ich verdammt gerne auf dem Bildschirm sehe. Gut geschrieben, interessant, vielschichtig. Man merkt schlichtweg, dass mit Liz Feldman (gleichzeitig Schöpferin) und Jessica Elbaum zwei Autorinnen beteiligt sind und nicht blind ins Pinke geschrieben worden ist.

Übrigens sind nicht nur die Figuren dreidimensional und fesselnd: Die Schauspieler*innen sind es auch. Speziell die beiden Hauptdarstellerinnen Applegate und Cardellini machen einen grandiosen Job. Sie zeigen Facetten und Tiefe und ich persönlich finde es außerordentlich erfrischend, zwei Frauen über 40 in den Hauptrollen zu sehen – die auch so aussehen. Ich liebe es und will mehr davon!

Listen to me!

Sowohl in den Dialogen, als auch in den Handlungen sind feministische Ansätze eingepflegt, die allein in einer Serie zu sehen so gut tun. Themen, die für viele Frauen und weiblich Gelesene Alltag sind, werden angesprochen und nicht etwa als nichtig abgetan, sondern es wird klar Stellung bezogen. Was ist Selbstbestimmung? Ist man selbst Schuld, wenn ein Mann einen ohne Zustimmung begrapscht? (Nein!)

Dass Dead to Me den Bechdel-Test mit Leichtigkeit bestehen würde, ist dabei obligatorisch. Natürlich reden sie über ihre verstorbenen Ehemänner. Sie sind bzw. waren ein Teil von ihnen. Aber sie definieren sich oder ihren Wert nicht über sie. Sie sind eigene Persönlichkeiten, deren Probleme, Ansichten und Träume wichtig genug sind, um für sich allein zu stehen und wichtig genommen zu werden. Das ist selbst in der heutigen Serienlandschaft leider nicht selbstverständlich.

Mit dem Holzhammer wird dabei jedoch nicht gearbeitet. Alles ist angenehm eingebettet, nicht immer angenehm, aber natürlicher Teil von Plot und Figuren. Kein „Ich bin so gut, weil ich eine Frau bin!“ sondern „Ich bin so gut, weil ich Ich bin!“

Anstrengende Feminismus-Show exklusiv für Frauen?

Kurze Antwort: Nope.

Die in der Serie besprochenen Themen Trauer, Wut und Schuld sind universale Themen, die unabhängig vom Geschlecht greifen und die Zuschauer*innen packen. Dass die Protagonistinnen Frauen sind – das ist ein für mich netter Nebeneffekt, sieht man tiefe, dreidimensionale Freundschaften unter Frauen doch leider viel zu selten auf dem Bildschirm.

Für mich ist Dead to Me tatsächlich empowering. Und ich bin froh, dass sie nicht nur das ist, sondern – so ganz nebenbei – auch verdammt gut geschrieben und unterhaltsam. Frakk yeah, ich will eine zweite Staffel! Sofort! Fix my Ungeduld, Netflix!

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