Why the Hype? | Snotgirl

Snotgirl Review

„Hey! Listen! Hey hey! Listen Guddy! Kennst du schon Snotgirl? Das ist der heißeste Shit im Comicland! Ist von Image Comics! Listen! I mean: Read it! Read it now!“

So ging das vehemente Wispern durch meine Timelines der letzten Jahre und Monate. Nicht kontinuierlich, aber doch einem stetigen Rauschen gleich, das mich von der Großartigkeit dieses Stücks bebilderter Erzählkunst hatte überzeugen wollen. Und so griff ich kürzlich einknickend zu den zu einem Sammelband zusammengepressten, bunten Blättern. Von Bryan Lee O’Malley( Scott Pilgrim) geschrieben und von Leslie Hung illustriert, konnte das ja auch auch keine schlechte Entscheidung sein. Oder?

Aller Anfang ist leicht, so merkte ich und knabberte mich frohlockend durch die ersten Seiten. Vorgestellt wurde die Protagonistin Lottie „Snotgirl“ Person, die nach außen hin dem perfekt polierten Bild einer erfolgreichen Fashionbloggerin entspricht und mit ihren grünen Haaren einen interessanten Farbtupfer abgibt. Innerlich jedoch ist sie von Selbstzweifeln und Introvertiertheit geplagt, die sich bildhaft auch in ihren Allergien äußert: Dann, wenn sich grüner Schnodder seinen Weg durch ihre Nebenhöhlen bahnt und sich Tränen über ihre Wangen ergießen. Sympathisch, dieses Häuflein Elend, kann man sich doch mit all den Fehlerchen identifizieren.

Fröhlich blätterte ich so durch die Seiten und erfreute mich an den zahlreichen karikierenden Anspielungen auf das glorreiche Bloggerleben. Dialoge in den Weiten der Social Media rundeten das Bild gekonnt ab und boten eine kurzweilige Leserunde. Man hörte mich leise in meinem Bett kichern.

Den ersten Kniff – Snotgirl wird von einem sehr dubiosen Aushilfsarzt in einen Medikamentenversuch verstrickt, der ihren Allergien zu Leibe rücken soll – und den darauf folgenden mehr oder minder unfreiwilligen Mord an einer Bloggerkollegin feierte mein lesehungriges Herz. Es versprach, eine illustre Geschichte um Glamour, Schuld und zarte Mystik zu werden!
Kurzum: Snotgirl und ich – wir hätten so eine schöne Comic-Leserin-Beziehung führen können.

Leider verliert sich der Comic sehr bald in einem unentwirrbaren Gestrüpp aus Gossip, langweiligen Plotsträngen und nicht beantworteter Fragen. Er gibt sich hin den unausgereiften Figuren und angefangenen Plotsträngen, die wie gute Anfänge von Ideen erscheinen, jedoch nicht weiter aufgegriffen werden. „Snotgirl“ verwirrt, aber leider nicht auf kluge, sondern planlose Weise. Plötzlich erscheint es wie ein geschmackloser Kuchen, auf den wahllos irgendwelche Süßigkeiten geworfen werden: Irgendwie sieht es fancy aus, will aber keinen richtigen Sinn ergeben.

Meine gerunzelte Stirn gleicht nun nach dem Lesen weiterer Bände einem zerknüllten Stück Papier. Was will uns der Comic sagen? Hat er vergessen, dass man Plotstränge weiterführen kann? Dass man Akzente setzen, anstatt den gleichen Brei bedienen könnte? Und so trampelt man von einem bereits bekannten Bloggerwitz zum nächsten und stolpert über interessante Ansätze, die jedoch haltlos irgendwo im Schatten vergangener Blogweihnacht verenden. Nicht einmal der grüne Schnodder wird zelebriert, sondern kläglich in ein Taschentuch geniest und vergessen.

„Snotgirl“ sieht frisch aus, ist es sogar in den ersten Issues, doch vermag es nicht, mich über die Strecke hinweg zu begeistern. Als hätte man auf halber Strecke die Lust und Inspiration verloren. Das ist schade, aber letztlich bleibt dieses Fazit:

Viel Hype um nichts.

Du magst vielleicht auch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.