FedCon – mehr als nur Kostümshow

FedCon 2018 Rückblick

Husker, Starbuck, Boomer und Helo – das sind nicht irgendwelche berühmte Hundenamen, sondern die Callsigns von fiktiven Figuren der besten Serie der Welt. [Ja, ich halte es wie die Ärzte und behaupte es einfach in den Raum hinein. Deal with it!] Vergangenes Wochenende tummelten sich nicht nur die Darsteller eben jener Figuren auf der FedCon, sondern gleich der halbe Cast aus der Science-Fiction Serie „Battlestar Galactica“. Mit hüpfendem Fanherzen stolperte ich also direkt in das Maritim Hotel in Bonn und damit eine andere Welt hinein.

[Ein paar Fotos von der Con gibt’s übrigens hier.]

Wie in all den Jahren zuvor stellten auch bei der FedCon 27 die Panel das Herzstück dar. Hier drapieren sich die Darsteller, Astronauten und Vortragende formschön auf der Bühne, um aus ihrem Leben und ihrer Arbeit zu plaudern und Fragen aus dem Publikum zu beantworten. Anders als bei anderen Conventions beschränkt sich das Gelände auf wenige kleine Säle. Das Rahmenprogramm ist ebenso überschaubar, wenngleich beeindruckend: In den für Fanart reservierten drei Räumen findet man Gemälde, Stickereien, Comics und auch detaillierte Nachbauten wie etwa von Helios Models and Lighting.

Lange allerdings hält man sich meistens nicht in der Rahmenhandlung auf. Es gilt schließlich, grünes Alienbier zu trinken, mit netten Fans zu reden und verdammt nochmal die Stars, die man von der kleinen und auch großen Leinwand kennt, in Farbe und bunt zu sehen! Und live! Und vielleicht deren Hand zu schütteln und mit nervös zitternder Stimme Smalltalk mit ihnen zu halten! Auch das passiert. Zum Beispiel, wenn man, wie ich, an der Bar versehentlich in James Callis rennt, sich dabei mit Bier bekleckert und dann doch irgendwie nett behandelt wird. Er hatte einen guten Tag. Ich auch.

Zurück zu den Panels. Zu ihnen gibt es stets zwei Meinungen. Pro Gehirn, versteht sich. Ich fasse zusammen:

  • „Mir egal was Thema ist, hauptsache er/sie unterhält mich und ich kann aus der halben Ferne schmachten!“
  • „Peinlich. Sind doch auch nur Menschen wie du und ich, warum sollte ich denen dann zuhören?“
  • „Mich interessiert es einfach nicht.“
  • „OMFG DA IST XY AUF DER BÜHNE!!!!“
  • „Habe die Serie gesehen und freue mich einfach, die Darsteller live zu erleben!“
  • „Super, toll, aber Hauptsache keine politischen Diskussionen!“

Keine Politik? Mitnichten.

Dabei haben Darsteller meistens mehr zu sagen als „Ja, Co-Star YZ ist nett, danke der Nachfrage.“ Ich selbst, die keinen großartigen Starkult betreibt – diesen bei anderen jedoch toleriere – interessiere mich besonders dafür, wofür deren Herz brennt. Wofür sie sich einsetzen, wofür sie ihre Stimme erheben und ihre Reichweite benutzen. Denn die haben sie. Da nur über das Wetter zu reden würde ich als vergeudet empfinden.

So kam auch nahezu kein Panel ohne politische Seitenhiebe auf den allseits beliebten Trump oder einen Hauch von Gesellschaftskritik aus. Von der Ankündigung der Darstellerin Mary McDonnell „Begrüßt nun die Mutter der Galactica und die Präsidentin, die wir alle gerne hätten!“ über deutliche Spitzen gegen die US-Regierung bishin zu tiefgreifender Kritik an dem kulturellen Völkermord in Kanada. Es wurde über Sexismus in der Branche gesprochen, Rollenbilder und Rassismus. Bei letzterem Thema fiel es manchem, wie etwa Rekha Sharma schwer, auf deutschem Boden darüber zu sprechen. Verziehen? Vielleicht. Vergessen? Definitiv nicht.

Kommt die Sprache auf all das, wird einem bewusst, wie viel die Science-Fiction für uns alle getan hat und noch immer tut. Star Trek als Vorreiter des diversen Casts. Wo Schwarze und Weiße sich küssen, Asiaten und Russen auf der Brücke sitzen und Mensch wieder Mensch, und nicht nur Rasse sein darf. Nicht die Waffe ist das Mittel der Wahl, sondern Diplomatie, Empathie und das Wort. Eine Welt, die wir uns wohl alle so sehr wünschen und die auf dem Bildschirm zumindest für kurze Zeit Realität wird. Das gibt Hoffnung und inspiriert.

Dass die FedCon 27 ganz unter dem Stern der Galactica stand passt da hervorragend. Es ist eine Serie, die ganz bewusst Rollenbilder aufgebrochen hat. „Die große Kunst war es, gar nicht zu thematisieren, dass Figur XY weiblich ist“, so Katee Sackhoff, die in der Serie Starbuck spielt. Eine Rolle, die in der originalen Serie noch männlich war. „Es war kein Thema und somit stand nicht mehr ihr Geschlecht im Fokus, sondern sie als Person mitsamt ihren Fähigkeiten.“ Da spielt es auch eine Rolle, dass fast Grace Park die Rolle bekommen hätte. Man hat offenbar nicht nach einer weißen, blonden Frau gesucht. Grace Park ist koreanischer Abstammung.

BSG macht auf vielen Ebenen so vieles richtig. Wir haben eine Präsidentin, Soldatinnen und so ziemlich jede Ethnie vertreten. Wir haben darüberhinaus auch männliche Figuren, die weinen und kleiner als ihre Liebhaberin sein dürfen. „Ich dachte mir: Neben ihr bin ich doch kein Mann mehr, sondern ein Hobbit!“, gab James „Gaius Baltar“ Callis preis, dessen Schauspielkollegin Trisha Helfer – in der Serie seine Geliebte – ihn deutlich überragt. Aber auch hierbei wurde sich bewusst dafür entschieden.

In gewisser Weise war BSG seiner Zeit voraus. Und das, wo Star Tek doch so viele Jahrzehnte zuvor bereits die Weichen hatte stellen können. Viel ist noch zu tun, auch im Land der Science-Fiction – aber es ist verdammt gut dabei. Man mag dieses Genre gerne belächeln, es als Schund abtun oder es in die Freak-Ecke abschieben. Dann gibt man jedoch auf gröbste Weise zu, keine Ahnung zu haben. Weder von der Bedeutung, noch von Stil, Erzählweise oder schauspielerischem und künstlerischem Können. Science-Fiction ist mehr als Verkleidungen, ist mehr als Laser und Raumschiffe. Es ist Vorreiter, Weichensteller und Inspiration. Science-Fiction ist das Sinnbild geistigen Fortschritts.

Und die FedCon?

Auf der FedCon tummelt man sich unter Gleichgesinnten. Unter Menschen, die es verstehen sollten.Es ist tatsächlich eine große Familie, in der man keine 5 Minuten alleine bleibt. So entspinnen sich binnen Sekunden lustige, und/oder interessante Gespräche, die den kleinsten gemeinsamen Nenner im Fandom finden. Es ist ein Wochenende, aus dem man sich die Rosinen herauspicken kann. Für mich war es dieses Mal das Eintauchen in das BSG-Universum. Ich habe mich in den Geschichten darüber gesuhlt und mich von Herzen darüber gefreut, dass sich die Darsteller noch immer so gut zu verstehen scheinen.

Wer sich Trekkie nennt, aber Rassismus fördert, hat Star Trek nie verstanden.

Edward James Olmos FedCon 2018James Callis FedCon 2018 Kandyse McClure FedCon 2018Katee Sackhoff FedCon Mary McDonnell Fedcon2018 Rekha Sharma Fedcon2018
Tahmoh Penikett FedCon 2018Robert Picardo FedCon

Du magst vielleicht auch

1 Kommentar

  1. „Eine Welt, die wir uns wohl alle so sehr wünschen und die auf dem Bildschirm zumindest für kurze Zeit Realität wird. Das gibt Hoffnung und inspiriert.“
    Ja. Einfach ja. <3 Danke für deinen Bericht!