Ready Player One: Warum ich den Gang ins Kino nicht empfehlen würde

Ready Player One Review

Filmbesprechungen sind so eine Sache. Lobt man einen Film in den Himmel, wird man gleich des herzchenbrillentragenden Fanboytums bezichtigt. Kritisiert man einen Film in Grund und Boden, versteht man ihn einfach nicht oder ist eine „doofe Spaßbremse“. So oder so: Man ist immer der Buhmann. Für mich kann ich sagen, dass ich recht unvoreingenommen an den Kinobesuch gegangen bin. Ich hatte weder tiefe, noch hohe Erwartungen an den Film und die Vorlage habe ich ohnehin nicht im Kopf. Ich finde die Verfilmung nur leider wirklich schlecht. Einfach so. Ohne ihn schlecht machen zu wollen. Sorry. Ist so. Und ich kann es auch erklären.

Dabei sind die Eckdaten des Films vielversprechend. Der von Steven Spielberg produzierte Streifen enthält eine Schatzjagd nach den vom Entwickler der OASIS – eine riesige virtuelle Welt, bei der die ganze Welt mitmischt – im Spiel versteckten Easter Eggs. Garniert mit unzähligen Anspielungen an Popkulturelles, diversen Figuren und dem nicht wegudenkenenden Thema „Gaming“ hätte es so großartig werden können! Am Ende wurde es jedoch nur ein allzu platter Film mit der Zielgruppe „Sechsjährige“. Oder eben Leute, die „noch Spaß an Filmen haben können.“ Ich doofe Spaßbremse, ich. [Sideote: Verrisse sind keine persönlichen Beleidigungen gegenüber jenen, die den Film mochten. Auch ich mag Filme für Sechsjährige. Hach, Disney! Aber eben nicht diesen.]

Punkt Nummer 1.: Die Darstellung der VR ist Crap

Das Beste am Film ist zweifellos die Optik. Die OASIS ist wunderbar designed, überall verstecken sich kleine Referenzen in Form von Postern, Figürchen und Charakteren und die reale Welt sieht auch authentisch aus. Aber wie das VR-Gaming dargestellt wird ist dermaßen lächerlich, dass ich im Kino mindestens drei Mal „Och ne, echt jetzt …?!“ gemurmelt habe. Und ich rede normalerweise nicht mit mir selbst. Dafür habe ich schließlich meine Katze.

Dabei verstehe ich durchaus, dass man als Filmmacher gewisse künstlerische Freiheiten haben darf, um die Dynamik des Films gewahrt zu wissen. Wenn die Hauptfigur auf der Stelle tritt, während er in der virtuellen Welt sportliche Höchstleistungen vollbringt, sieht das vielleicht dämlich aus – aber dann hätte man es nicht zeigen müssen. Ich habe auch nicht dagegen, wenn Dinge unlogisch sind – aber die gezeigte Art zu spielen war nicht unlogisch, sondern grenzte bereits an Debilität!

Sorry, aber wenn die Spieler wirklich von A nach B laufen, um im Spiel von A nach B zu gelangen, ist das dezent unpraktikabel. Ich sage nur: Wände. Auch Rückstöße sind blöd. Und dass die Gruppen an Spielern, deren Avatare im Spiel nebeneinander stehen und dort abgeknallt werden, auch in der realen Welt genau in dieser Formation nebeneinander … ach. Scheiß drauf. Es ist einfach schlecht gemacht.

Punkt Nummer 2: Die Figuren

Soll ich wirklich noch anfangen, die abstrus schnulzige Gefühlswelt des Protagonisten zu besprechen? Wenn die Zeit für eine plausiblere Kennenlernphase nicht ausreicht, dann stellt die Liebesgeschichte eben um, liebe Autoren. Das ist nicht so schwierig wie ihr vielleicht denkt. Aber es hätte den Film bereits besser gemacht. Dass die weibliche Hauptfigur dann auch noch mit dem entsetzlich dämlichen „Ich bin voll hässlich und schäme mich wegen meines Aussehens, denn ich trage EINE BRILLE (Bin unter der Brille aber normschön, hihi. Und eine normschöne Figur habe ich auch noch dazu, tüdelü)!“ entspricht, setzt dem ganzen die Krone auf.

Ok, die Brille ist in diesem Fall ein Feuermal quer über eine Gesichtshälfte. Shocking. Diese sanft rötliche Färbung ist nicht ansatzweise hässlich, sondern allenfalls interessant bis niedlich. Dieser ganze Umstand hat mich im Kino derart genervt, da es dramatisch eingeleitet wurde. Frau im Halbschatten, ernste Stimme, dramatic reveal, ihr kennt es. Mit genau der gleichen Art würden andere Regisseure missgestaltete Tentakel, die ihr aus der Nase wachsen, vorstellen.

Auch hier war der Bösewicht eine absolute Witzfigur. Das ist für Kinderfilme okay, aber mehr auch nicht. Sein Passwort auf die Stuhllehne für jeden Putzmann und Horst einsehbar aufkleben? WTF! Und das ist nur einer von einer langen, langen … langen Reihe an Punkten.

Punkte Nummer 3-5: Die Story, der Humor, der Nerdstuff

Ich liebe Schatzjagden! Die Story hier war jedoch, bis auf einen ganz netten fünf-minütigen Ausflug in einen Filmklassiker, drittklassig. Hundertfach besser gesehen. Daher möchte ich hier nicht näher drauf eingehen. Ich würde beim Schreiben einschlafen.

Ähnliches gilt für den Humor. Kindisch. Ja, ein Tritt in die Eier ist so dermaßen lustig, dass ich fast rollend aus dem Kino gelacht wäre. Nicht.

Der letzte Punkt gilt dem Nerdstuff. All den Anspielungen, Easter Eggs, Referenzen. Während das Buch noch die 80er thematisiert, gibt es im Film eine Jetztzeit-Parade mit Gaststars der 80er und 90er. Das ist okay. Aber täuscht auch nicht über die Tatsache hinweg, dass ich es zu viel fand. Wenn man eine Salami Pizza bestellt, jubelt man dann über jede Scheibe Salami? Ist doch nichts Besonderes mehr. Man hat es so bestellt, erwartet und bekommen. Kann natürlich schmecken. Mir hat es nicht geschmeckt.

Natürlich war es lustig, Tracer auf ungewohntem Boden zu sehen, dem DeLorean zuzugucken und im Hintergrund Geekzeug zu entdecken. Aber wenn ich ein Wimmelbild will, greife ich zu Wo ist Walter. Der ist auch viel lustiger gestreift.

Fazit

Ihr dürft ihn sehr gerne weiterhin gut finden! Ich freue mich für euch! Auch ich wäre lieber mit guter Laune aus dem Kino gegangen! Für mich bleibt die Verfilmung von Ready Player One allerdings eine zwar optisch eindrucksvolle, aber seelenlose und verdammt platte Aneinanderreihung von doofen, lächerlichen und mit Geekzeug vollgestopften Szenen.

Einfach nicht sehenswert.

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