Das Buch der Schurken Rezension

Der Griff neben das Klo: „Das Buch der Schurken“

Autor: Martin Thomas Pesl Verlag: btb Verlag | Format: 244 Seiten, SC | Bestellen

Kaum eine Geschichte kommt ohne eine antagonistische Kraft aus. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Personen. Garstige Schurken, die es den Helden und jenen, die es werden wollen, besonders schwer machen wollen. Pesl hat in diesem Lexikon genau 100 dieser Fieslinge aus der Literatur versammelt, um sie uns näher vorzustellen.

Die fiesesten, amüsantesten und coolsten?

Bereits vorab erklärt Pesl, dass seine Zusammenstellung rein subjektiv erfolgte: Er erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder eine ultimative Aufzählung der objektiv besten Schurken. Es soll ein amüsantes Nachschlagewerk sein, in dem man stöbern und nebenbei Neues und Wissenswertes erfahren kann. Und ja, diesen Zweck erfüllt es. Viel mehr allerdings nicht.

Unterteilt in mehrere Kategorien wie „Die Despoten“, „Die Psychopathen“ und „Die Egoschweine“ werden unterschiedliche Schurken der Weltliteratur vorgestellt. Darunter sind bekannte Namen wie Graf Dracula oder Sauron ebenso vertreten wie eher unbekannte wie Zacarías („Der Herbst des Patriarchen„) und Therese Kien („Die Blendung„). Insgesamt zeigt sich so eine durchaus interessante Mischung, die einem von Aha-Momenten bis hin zu „Das Buch will ich jetzt auch lesen, um die Schurkin in Aktion zu sehen!“ viele Reaktionen zu entlocken weiß.

Das Buch der Schurken Zitat

Jedem Schurke wird dabei eine Doppelseite gewidmet, die jeweils Folgendes beinhaltet:

  • Eine Bleistift-Skizze von Kristof Kepler
  • Details: Romantitel, Autor und das Jahr aus dem die Originalfassung stammt
  • Ein Zitat aus dem jeweiligen Roman über die Person
  • Ein Fließtext, der die Person näher erläutert
  • Und zum Schluss ein kurzer Steckbrief mit wechselnden Punkten

Der Fließtext bildet dabei wie zu erwarten das Herzstück. Zuweilen etwas zu wirr wird der Schurke beschrieben und in den Kontext „seines“ Romans gesetzt. Angereichert mit unnützem und dadurch amüsanten Wissen liest sich dieser Text sehr flüssig und unterhaltsam. Allerdings wird wenig in die Tiefe gegangen – es ist eben nur ein Lexikon, Charakterstudien oder tiefere Beobachtungen bleiben da leider aus.

Ganz nett

Clockwork Orange SkizzeSo nett der Fließtext auch ist, mir fehlt die Inspirationsgabe. Vieles wie die tatsächliche Schurkenhaftigkeit wird zu oft nur angerissen und sich statt es weiter auszuführen in Belanglosigkeiten verloren. Darüber hinaus bin ich keine Freundin der Illustrationen. Zwar sind es „nur“ Bebilderungen, doch nehmen sie immerhin ein Viertel des Raumes ein. Dafür sind sie mir nicht zu pointiert und hübsch genug. Es wirkt, als habe der Künstler die Portraits mal eben auf eine Serviette gekritzelt, während er auf den Kellner wartet.

Auch die kleinen Steckbriefe bleiben hinter meinen Erwartungen zurück. Statt stets die gleichen Kategorien zu wählen und dem Leser damit Vergleichswerte zu geben, werden die Kategorien wahllos gewählt – und das nicht immer passend. Die Anzahl der Kinder etwa finde ich bei einem Buch über Schurken eher nebensächlich, auch wenn die betreffende Person ihre Kinder malträtiert. Aus den Steckbriefen hätte man so viel mehr herausholen können!

Amüsant, aber flach

So bleibt es eine Aneinanderreihung von fiktiven Schurken, die gut zu lesen ist, aber für wenig mehr taugt als der Griff neben das Klo. Es ist eine klassische Klolektüre, die Gäste sicherlich zu schätzen wissen. Als solche erfüllt sie ihren Zweck durchaus gut.

Es ist keinesfalls ein schlechtes Buch oder gar ein Griff ins Klo, aber es hätte deutlich stringenter und inhaltsvoller sein können.


Unterhaltungswert:    
Schreibstil:                     
Information:                 
Bilder:                              
Phoenixfaktor:            

Autor: Martin Thomas Pesl Verlag: btb Verlag | Format: 244 Seiten, SC | Bestellen

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