Zu tussig um eine Heldin zu sein

Das Böse lauert im Make-Up: „Tussis“ auf dem Abstellgleis der Phantastik

Hübsch zu sein ist in der Popkultur kein Verbrechen – sehr wohl aber, sich für Make-Up, Mode und Co zu interessieren. Neben dem, dass es belächelt und als unnützen Weiberkram abgetan wird, werden diese Figuren gerne als Antagonisten dargestellt. Sie sind die, die es der Hauptfigur schwierig machen, sie sind die bösen Charakters, die erst auf den richtigen Pfad geführt werden müssen. Denn kann eine Person, die es liebt, sich schön zu machen, überhaupt selbst zur Heldin taugen?

Spoiler: Sie könnte. Denn auch sie ist eine Person mit mehreren Facetten. Make-Up und Co. zu lieben ist nichts, für das man sich schämen müsste. Es mag nicht so angesagt sein wie die Passion für Sammelkarten, Videospiele und Bücher, doch muss es das?

Das Thema schlägt in eine ähnliche Kerbe wie das rund um die Stärke von (weiblichen) Figuren, das ich im letzten Jahr bereits angesprochen hatte. Stark ist, wer ein Schwert schwingen kann, selbst in brenzligen Situationen coole Sprüche auf den Lippen hat und körperlich fit ist? Ja, das könnte Stärke bedeuten. Doch Stärke bedeutet mehr als das und schließt auch manikürte Fingernägel nicht aus.

Prinzessin Vespa Spaceballs

Sicher erinnert ihr euch an Prinzessin Vespa aus der Star Wars-Parodie „Spaceballs“: Eine Frau, die mit drölfzig Taschen reist, ihre Haare stets perfekt föhnt und sich furchtbar aufregt, sobald eine Spitze dieses wundervollen Haares angesengt wird. Sie gilt anfangs als Zicke, findet jedoch im Laufe der Geschichte zu einer geerdeteren Persönlichkeit, auch Dank des eigentlichen Helden Lone Starrs.

Trotzdem ist sie eine der wenigen „Tussis“ des Genres, die sich nicht nur auf Gehässigkeit und Unterdrückung spezialisiert haben, sondern tatsächlich auch den Antagonisten hart ans Leder gehen können. Das ist selten geworden in einer Zeit, in der die Heldinnen meist gar nicht wissen, wie hübsch sie sind oder sich morgens wahlweise nur kurz mit Bürste oder Wimperntusche pimpen und dann trotzdem die schönsten der Schönen sind.

Unsympathin?

Natürlich gilt es stets, für sein kreatives Projekt eine sympathische Figur zu finden, bevor der Leser oder Zuschauer unter einem frühzeitigen Interessensverlust leidet. Der Punkt ist der: Als von bereits besprochenen Hobbys begeisterte Frau muss man nicht unbedingt unsympathisch sein. Mn redet nur gerne davon, dass es angeblich immer so sei.

Denn die für viele allzu weibliche Lust daran, sich hübscher oder auch nur „anders“ zu machen, passt für viele scheinbar nicht in das Bild einer sympathischen Protagonistin. Dabei wäre es so großartig, mal eine vielschichtige „Tussi“ als Heldin eines Romans zu haben! Die sich gerne und ausführlich mit Make-Up beschäftigt, stundenlang shoppen geht und Sex and the City, statt Star Wars mitsprechen kann. Als Identifikationsfigur könnte sie dennoch dienen – wenn sie ansonsten sympathisch, mutig und verständlich agiert.

Nebenbei könnte sie ja auch gerne noch Star Wars-Figuren sammeln oder ein Karate-Ass sein. Wenn es denn unbedingt sein muss.

Headerbild:Tanja Heffner

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