Walter Moers Florian Biege Stadt der träumenden Bücher Comic Graphic Novel

[Graphic Novel] Die Stadt der träumenden Bücher Band 1+2: So schön war Zamonien noch nie

Autor: Walter Moers | Illustrationen: Florian Biege | VerlagKnausFormat: Hardcover | Bände: 2 | Bestellen: Band 1, Band 2

Mit dem Roman „Die Stadt der träumenden Bücher“ gelang Walter Moers 2005 eine Glanzleistung sprachlicher Kunst, die nicht nur mich persönlich in ihren Bann schlagen konnte, sondern auch einige Preise einzuheimsen vermochte. In Form der erzählenden Figur Hildegunst von Mythenmetz bricht er mit literarischen Standards und erschuf in der Stadt Buchhaim einen Protagonisten ohne Herzschlag.

Nun erschien der zweite und letzte Band der aufwändig gestalteten Graphic Novel, die den Roman in phantasievolle Bilder kleidet. Schaffen die Comics es, den Geist des Romans einzufangen? Mutig bin ich Mythenmetz in die Seiten gefolgt, tief in die Katakomben Buchhaims hinab, um diese Frage beantworten zu können!

Und hier fängt die Geschichte an

Der angehende Dichter und Schriftsteller Hildegunst von Mythenmetz ist zu Tode betrübt, als sein geliebter Mentor stirbt und ein riesiges Loch in seinem Herzen zurücklässt. Stopfen kann das scheinbar nur das Geheimnis um das Manuskript, das ihm der Mentor hinterlassen hat. Das ist derart ergreifend geschrieben, so voller Geist und Gefühl, so perfekt, dass man mehr darüber herausfinden muss! Und so bricht Hildegunst auf in die fern gelegene Stadt Buchhaim, um den Verfasser dieser Zeilen ausfindig machen. Denn nur so wird er mehr über die Kunst des Schreibens und das Orm erfahren, der sagenumwobenen Inspiration aller Kreativen.

Kaum in Buchhaim angekommen und die echsenartige Nase in diverse Bücher gesteckt, fällt er tief in die Geheimnisse nicht nur des Manuskripts, sondern auch der Stadt selbst hinein – und das wörtlicher, als er geglaubt hatte: Er landet tief in den düsteren und nicht enden wollenden Katakomben. Ob er einen Weg heraus und den Verfasser des Manuskripts finden wird, erfährt man in dieser in zwei Bänden abgeschlossenen Comic-Adaption-

Malerisch

„Es wird schwierig, mich zu überzeugen“, dachte ich trotz des schönen Covers, das mir entgegen lächelte. Zu begeistert war ich von dem Roman, der mich mit seiner malerischen Wortgewalt fesseln und begeistern konnte. Fantasievoll wurde dort mit den Worten schier gespielt in einer Art, die ich so noch nie zuvor gesehen hatte. Kann ein Comic dem gerecht werden?

Die kurze Antwort: Erstaunlicherweise ja. Die dezent längere Antwort: Die Graphic Novel ist relativ textlastig und enthält einige Textpassagen, die ich noch aus dem Roman kenne. Die sind wunderbar in die Bilder integriert, gehen mit diesen einen regelrechte Symbiose ein und vermitteln ein Leseerlebnis, das man nicht in einem weg verschlingen, sondern langsam genießen sollte. Es sind weder allein die Texte, die sprechen, noch einzig die Bilder und das ist verdammt gut so. Zu viele Comics verlassen sich primär auf das eine oder auf das andere.

Sofort wird man in die Handlung gesogen, die zwar tendenziell schnell vorangeht, aber doch Raum zum Träumen und Verweilen lässt. Viele Seiten ähneln Wimmelbildern, auf denen es einiges zu entdecken gibt. Moers‘ Beschreibungen der Bücherstadt Buchhaim nehmen in den Bildern Gestalt ein und werden durch die Textbausteine unterstrichen.

Bieges Zeichenstil passt dabei hervorragend zu der Welt Zamoniens. Es ist ein Stil, den ich selbst beim Zeichnen bevorzuge und der jeden virtuellen Pinselstrich nachvollziehbar lässt. Er ist grob dort, wo er grob und diffus sein soll und detailliert, wo man genauer hinschauen möchte, fängt dabei stets die fantasievolle Gestaltung der Wesen, Orte und Zauber ein.

Man spürt die Arbeit, die hinter jeder Seite steckt. Von Moers‘ Skizze über Bieges Interpretation, Farbschemata und ausformulierterer Skizzen bis hin zum fertigen Bild: Viele Arbeitsschritte führen letztlich zu einem Ergebnis, das sich sehen lassen kann.

Zamonien Mythenmetz Moers

Der eigentliche Protagonist

Die Figuren sind nicht das, wofür man hier wirklich brennt. Hildeginst ist ein eher typischer Held auf Reise, der neugierig und oft unfreiwillig in Schlamassel und ins Abenteuer plumpst und sich mehr schlecht, als recht durchschlägt. Auch die anderen Figuren sind zwar bunt und unterhaltsam, aber nicht besonders tiefgründig.

Der eigentliche Star ist die Stadt selbst. Die verwinkelten Gassen strotzen vor Leben und Geheimnissen, sie pulsiert in jeder Ecke und scheint ein eigenes Leben voller literarischer Eigenheiten entwickelt zu haben, an der vor allem Buchliebhaber ihre helle Freude haben dürften. Verlage, Lektorate, Bücher; jeder kleinste und letzte Winkel leuchtet vor Literatur.  Das spiegelt sich auch in den Wortwitzen und Seitenhieben auf das deutsche Buchwesen wieder, die auch mit Kritik nicht sparen. Letzteres wurde hier sparsamer eingestreut als in der Buchvorlage, ist aber nichtsdestotrotz sichtbar.

Die Reise Hildegunsts führt durch die Stadt und deren Katakomben, die sich als überaus finster entpuppen und für eine Portion angenehmen Grusel sorgen. Man entdeckt die Orte mit dem Dichter gemeinsam, es ist das, was für den Spannungsbogen sorgt, nicht der Plot an sich. Der ist zwar interessant, aber scheint durch die viele Ereignisse eher fragmentiert. Der Köder in Form des Geheimnisses rund um das Manuskripts wird die ganze Zeit jedoch vor der Nase herum gewedelt und wird nicht aus dem Blick gelassen.

Fazit

Man merkt: Ich persönlich bin von beiden Bänden hingerissen sowohl was die optische Gestaltung und Haptik, als auch den Inhalt selbst angeht. Sehr schön finde ich auch die ausklappbaren Seiten, das eine Panoramaaufnahme einer ganz bestimmten Höhle gewährleistet und die Illusion von unglaublichen Ausmaßes beschert.

„Die Stadt der träumenden Bücher“ ist und bleibt eine außerordentlich phantasievolle Geschichte mit schillernden Figuren und sprudelnden Ideen, die ich nur jedem ans Herz legen möchte.


Story:               
Artwork:          
Panel Layout:  
Innovation:       
Phoenixfaktor

Autor: Walter Moers | Illustrationen: Florian Biege | VerlagKnausFormat: Hardcover | Bände: 2 | Bestellen: Band 1, Band 2


Die Bände wurden mir kosten- und bedingungslos vom Verlag zugeschickt. Nichtsdestotrotz stehe ich hier für meine ehrliche Meinung.

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