Dreckiger Fantasy-Thriller mit Gewaltanteilen: Opfermond

Opfermond Elea Brandt Rezension

Autorin: Elea Brandt VerlagMantikore-Verlag | Format: 437 Seiten, SC | Bestellen

Für die beiden Protagonisten ist ausgerechnet ein Gevatter allzu häufiger Gast: Der Tod. Während ihm die Hure Idra meist auf dreckiger Straße als passiver Beobachter begegnet, reicht ihm der Assassine Varek höchstselbst die Hand. Ein Auftrag führt ihn nun jedoch auf die andere Seite: Er muss einen Mord aufklären. Dabei dringt er tief in die Geheimnisse der Stadt des Blutigen Gottes ein – und die sind eng mit einem düsteren Kult verwoben.

Sex, Drugs & Rock’n’Death

In Opfermond darf „Eindringen“ wörtlich aufgefasst werden. Elea Brandt beschreibt ihre kreierte Welt wie sie ist: Direkt, blutig, von Sex gesprenkelt. Die große Kunst dabei ist, dass nichts gekünstelt wirkt. Die Sexszenen scheinen nicht zu existieren, um irgendjemanden scharf zu machen, sondern weil die Szene oder die Figur sie erfordern. Es ist genauso wenig pornographisch wie die Gewalt aufgesetzt. Dieses Natürliche ist etwas, das mir bei fast allen anderen Fantasyromanen [die ich gelesen habe] fehlt. Die Welt wirkt dadurch real, die Figuren plausibel und vielschichtig. Nicht die Lust an Sex und Brutalität steht im Fokus, sondern die Maschinerie und Geschichten dahinter.

Es bildet die Basis für die Figuren, die sich mal mehr, mal weniger gut durch die Welt bewegen. Wir verfolgen zwei Protagonisten, die sehr unterschiedlich sind und sich inmitten der korrupten Stadt doch in einem einen: Ihre Moral. Die ist nicht immer mit der unseren vergleichbar, doch stets plausibel und in sich schlüssig. Auch wenn Varek ein Auftragsmörder ist, so hat er doch Skrupel, einen Zwist, der ihn von innen aufzufressen droht. Und das auf eine in dem Genre typischen weniger sexy-dramatische, als auf interessante Art und Weise.

Opfermond Zitat

Zu dem Genannten würde keine blumige Wortwahl passen. Folgerichtig greifen viele Figuren auf harte Worte zurück. „Scheiße“, „Ficken“ und das obligatorische „Schwanz“ darf da natürlich nicht fehlen, auch nicht im eigentlichen Fließtext. Das passt allerdings alles wunderbar zu der jeweiligen Figur.

Ein größtenteils dichter Plot

Der Sog in die Stadt bleibt über weite Strecken bestehen. Man fragt sich, was hinter dem Mord und der aufkeimenden Krankheit steckt, wer Freund und wer Feind ist. Vieles bleibt dabei lange im Nebel, gerade dicht genug, um den nächsten Schritt nur erahnen zu können. Die Zutaten wie ein blutiger Kult, zwielichtige Würdenträger, Rauschkraut und Sterbende, aus deren Augen Blut tropft fügen sich zu einem spannenden Ganzen zusammen. Über die Kapitel hinweg werden langsam lose Fäden verknüpft und Personen bekommen durch gewonnene Hinweise interessante Aspekte hinzu.

Die Suche nach dem Mörder funktioniert bei Opfermond dann am besten, wenn ganz nah an die Figuren herangezoomt wird und man neue Gegenden der Stadt betritt, die einen durch die Beschreibungen in ihren Bann nehmen. Allerdings zieht sich das Indiziensammeln durch Varek im ersten Drittel. Er reagiert, statt zu agieren und das tut dem Plot nicht unbedingt gut. Von Person zu Person gelenkt, mangelt es dort an Spannung.

Diese Personen – größtenteils Familie, Liebhaber und andere Bekannte des Ermordeten – sind im Gesamten interessante und voll wirkende Persönlichkeiten. Selbst wer nicht noch häufiger im Roman auftauchen wird, erhält eine fundierte Beschreibung und agiert wie eine Person und nicht wie ein Baustein des Plots. Nur bei einem Aspekt kam ich ins Grübeln: Die Frauen erscheinen zu Beginn entweder als berechnende Verführerinnen oder als dreckige, einfach gestrickte Huren. Zum Glück ist es kein Eindruck, der sich über den gesamten Roman halten kann, was auch dezent langweilig wäre.

Ein Highlight?

Mein persönlicher Eindruck: Ich bin eine furchtbare kritische Leserin und breche sicher 90% der Bücher ab, die ich lese. Opfermond allerdings hat mich grundsätzlich überzeugt. Die Beschreibungen lassen sofort atmosphärische Bilder entstehen und die Figuren sind angenehm grau, ohne dass ihre Graustufen nur Mittel zum Zweck sind. Man merkt, dass die Autorin jahrelange Rollenspielerin ist.

Und daher kann ich schlichtweg nur eine absolute Kaufempfehlung aussprechen.


Story:               
Schreibstil:      
Atmosphäre:   
Figuren:            
Phoenixfaktor

Autorin: Elea Brandt VerlagMantikore-Verlag | Format: 437 Seiten, SC | Bestellen

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3 Kommentare

  1. Wow, schon beim Posttitel dachte ich: Es klingt, als müsse ich das lesen. Und nun steht fest: Das muss ich mir wohl holen. Verdammte Axt! 😀 Danke für den Tipp.