Annette Juretzki Blind Rezension

Sternenbrand 1 – Blind

Autorin: Annette Juretzki Verlag: Traumtänzer-VerlagFormat: 494 SEITEN, SC | Bestellen

Irgendwann in der Zukunft. Vor 150 Jahren haben interstellare Fieslinge – hier auch Phantome genannt – eine Invasion gestartet und im Zuge dessen nahezu alle Aufzeichnungen vernichtet. Nur knapp konnten sie zurückgeschlagen werden, doch die Bewohner der Planeten wurden in alle Weiten versprengt.

Nun hat sich die gegründete Allianz zur Aufgabe gemacht, alle versprengten Verbündete wieder zu vereinen, um den Phantomen die Stirn bieten zu können. Die nämlich scheinen nur darauf zu warten, wieder zuschlagen zu können. Und so landet das Allianz-Schiff angeführt von Ktador Jonas Brand auf einem abgelegenen Planeten und wirbelt die dortigen Einheimischen rund um den jungen Mann Xenen  gehörig auf. Letztgenannter wird schließlich aufgrund seiner Sprachbegabung mit auf die Reise genommen, um fremde Galaxien zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen. Doch auf dem Schiff läuft längst nicht alles rund: Ein Maulwurf-Phantom scheint sich eingeschleust zu haben.

Zäher Einstieg

Zwar wird man sofort in die Handlung hineinkatapultiert, dennoch – oder gerade deswegen – ist es schwierig, sich in die Welt einzufinden. Kaum etwas wird erklärt, selbst die Umgebung bleibt schemenhaft und dadurch eher flach. Insgesamt wirkt die erste Szene sehr gedehnt, was umso mehr auffällt wenn man sie mit den Längen der folgenden vergleicht und in Relation mit der Reichhaltigkeit des Inhaltes setzt.

Auch die (Re-)Aktionen der Charaktere bleibt zuweilen etwas fragwürdig. Wie der junge Xenen, der sich zwar plötzlich potentiell bedrohlichen „Aliens“ gegenübersieht, aber eigentlich eher am Sexappeal des Captains Jonas interessiert zu sein scheint. Das ist schade, da man so leicht den Eindruck erhalten kann, Plot und Setting diene nur der erotischen Liebesgeschichte. Zu Glück verflüchtigt sich dieser Eindruck bald. Denn hat man sich erst in die Welt eingefunden, offenbart sich einem ein gut durchdachtes Setting mit liebenswerten Figuren und interessanten Konflikten.

Interessante Figuren

Zwar ist der Plot auch von äußeren Umständen bestimmt, der Großteil allerdings wird von den Figuren bereitgestellt. Aus unterschiedlichen Völkern zusammengewürfelt, bietet bereits die Besatzung des Raumschiffs enormes Konfliktpotential, das Annette auch gekonnt auszureizen weiß. Mit viel Feingeist fühlt sie sich in die jeweiligen Sichtweisen ein und formt so vielschichtige Völker mit spannenden Eigenheiten und eine plausible, lebendige Welt.

Dass sich auf dem Raumschiff nicht jeder untereinander grün und auch eine Portion Xenophobie mit an Bord ist, ist da obligatorisch. Doch wird es nicht einfach stumpf in den Roman geworfen, sondern reflektiert integriert. Ohne Standpauke regt Annette dabei zum Nachdenken an; der Mensch wird zum Alien. Das kommt besonders durch die Sicht des Ghitaners Zeyn zum Tragen, der die dritte und letzte Erzählperspektive des Romans einnimmt.

Ein Kammerspiel

Der gelegte Fokus auf die Figuren lässt eine gewisse Dialoglastigkeit erahnen und tatsächlich wird miteinander diskutiert. Und zwar derart ausführlich, dass sich manches zu wiederholen scheint. Dennoch sind die Ränkespiele, Zwistigkeiten und das kommunizierte Misstrauen untereinander wichtige und spannende Komponente von „Blind“.

Es führt dazu, dass die Motivationen und Figuren selbst voll wirken und man letztlich auch als Leser ins Zweifeln gerät über vormals gehegte Aversionen oder Sympathien. Niemand ist Gut oder Böse, jede Figur hat seine Eigenheiten, ob man diese nun mag oder nicht. Annette scheint es egal zu sein, ob man ihre drei Protagonisten auch leiden kann – und das ist ein verdammt positiver Punkt!

Wem kann man trauen kann und wem nicht bleibt das große Rätsel für Figuren und Leser. Irgendjemand scheint mit den Phantomen unter einer Decke zu stecken, was furchtbare Katastrophen nach sich ziehen kann. Man ahnt, dass der eigentliche Konflikt erst noch bevorsteht.

Ein nur vorläufiges Ende

Allzu abrupt mit einem herrlich fiesen Cliffhanger endet „Blind“ und lässt einige Fragen offen. Kein Wunder, war der Zweiteiler doch eigentlich ein einziger abgeschlossener Band. Dieser wurde in „Blind“ und „Blau“ zweigeteilt. Die gute Nachricht: Band 2 ist bereits erschienen. Der liegt übrigens bereits auf meinem Nachttisch und wartet darauf, gelesen zu werden!

Insgesamt ist „Blind“ nämlich ein sehr interessanter Science Fiction Roman mit Space Opera-Elementen, der seine Figuren ernst, aber nicht zu ernst nimmt. Die offen gelebte Sexualität ist ein interessanter Aspekt, der dem ganzen das geschmackvoll inszenierte Sahnehäubchen aufsetzt.


Story:               
Schreibstil:      
Atmosphäre:   
Figuren:            
Phoenixfaktor

Autorin: Annette Juretzki Verlag: Traumtänzer-VerlagFormat: 494 SEITEN, SC | Bestellen

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