Last Jedi Kritiker Star Wars

The Last Jedi: Warum mich deine Kritik an der Kritik stört

Ja, Star Wars: The Last Jedi ist schon „alt“, wenn man nach Internetzeitrechnung geht. Dennoch reissen die Diskussionen nicht ab. Dabei stört mich nicht, dass diskutiert wird – sondern wie diskutiert wird. Diesen Text schreibe ich bewusst, um ihn all jenen um die Ohren zu knallen, die mir oder anderen immer noch immer wieder mit dem allgemeingültig scheinenden „Du magst ihn nur nicht weil… du ihn nicht verstehst/du doof/ein Fangirl bist[/Vereinfachung].“ kommen. Jüngstes Beispiel: Ludwig Jovanovic auf RP Online.

Es ist längst Usus geworden, sich aufgrund seiner Meinung über Popkulturelles zu duellieren. Seine eigene Meinung ist stets die einzig wahre, die kluge, die beste. Und die Meinung der anderen? Schrott! Dumm! Hat er denn gar nichts verstanden?! Dann heißt es „AHA! Du findest den Film zu witzig? Du gehst wohl eh zum Lachen in den Keller! Und dass Han Solo schon immer witzig war hast du auch nie gerafft, oder?“

„Du gehst doch zum Lachen in den Keller!“

Doch. Doch, ich habe es gerafft. Han Solo war immer lustig, ich habe schon immer herzhaft bei Star Wars gelacht. Mal, weil ich es wirklich lustig fand und mal, weil es einfach behämmert war – und wieder andere Male, wenn es jemand parodiert. Es gibt nicht „den“ Humor. Es gibt albernen, klugen, ironischen, infantilen und Fäkalhumor. Und nein: Ich bevorzuge nicht den klugen Humor. Ich mag sie nämlich alle. Ok. Bis auf den Fäkalhumor. Den darf nur Fäkalini. Habe ich Star Wars also einfach nicht verstanden, wenn ich sage, dass ich ihn zu albern fand? Nein. Ich fand ihn schlichtweg nicht gut. Muss ich jeden Witz gut finden? Auch nicht. Aber ich darf verdammt nochmal sagen, dass ich den bestimmten Humor dieses einen Filmen nicht so passend finde. Für mich. Für diesen Plot. Wäre es ein anderer Star Wars Film mit einem anderen Plot: Von mir aus. Gerne. Ich liebe Space Balls und kann mir auch eine Komödie im star wars’schen Kanon sehr gut vorstellen.

Es spielt keine Rolle, dass es „Star Wars“ ist. Der Film ist nicht zu albern, weil es „holy fucking Star Wars“ ist – sondern weil er mir persönlich in diesem Plot nicht schmeckt. Für mich – und ich rede hier übrigens ausschließlich nur von mir – hat der meines Erachtens nach alberne Humor den Ernst vieler anderer Szenen zerstört. Wäre es feiner Humor gewesen, wäre es für mich ok gewesen.

Der Knackpunkt ist der: Ich gucke einen Film. Du guckst einen Film. Aber wir werden immer nur den gleichen, und nie den selben Film sehen. Mein Verständnis für guten Humor muss nicht der deine sein. Und das ist okay. Ich sage doch auch nicht „Haha, wenn du den Humor von Last Jedi gut findest bist du wohl ein albernes Kiddie, hihi.“ Wenn du ihn passend zum Film findest: Perfekt! Dann hast du mehr Spaß am Film! Super! Und das meine ich völlig ohne Ironie. Jeder erlebt Filme nunmal anders.

Wie man es dreht …

Und darauf lässt sich die meiste Kritik an der Kritik niederbrechen: „Man findet es doof, weil man den Sinn und Zweck dahinter nicht versteht.“ Weil man angeblich nicht gemerkt hat, dass die Casinoszene die Graustufen des Universums hervorheben und eine Kapitalismuskritik sein soll. Weil „sein“ Star Wars zerstört wurde. Weil man ein „Crying Fanboy“ ist, der früher geweint hat, weil The Force Awakens zu nah an Episode IV sei und der heute weint, weil Last Jedi zu weit davon entfernt ist.

Zum einen: Ich bezweifle, dass alle, die Episode VIII nun kritisieren, Episode VII aus gegensätzlichen Gründen ebenfalls kacke finden. Es passt vielleicht nicht in das Weltbild, aber: Das können völlig unterschiedliche Personengruppen und Menschen sein. Holy shit! Ich beispielsweise finde Episode VII großartig! Aber nicht, weil sie in vielerlei Hinsicht eine Kopie von IV ist. Sondern weil ich schlichtweg Spaß im Kino hatte, ich den Spannungsbogen, die Figuren und den Humor mag.

Das Problem der „Kritiker der Kritiker“ ist, dass sie nicht wahrhaben wollen, dass man den Film „einfach so“ nicht gut finden kann. Die Gründe müssen nicht an Star Wars selbst liegen – sondern am Plot, den Figuren oder einem beliebigen anderen Faktor. Nicht ich nehme Star Wars zu ernst – sondern ihr. Ihr, die die Kritik am Film mit Unwissenheit oder Arroganz erklärt. Ihr, die alles daran festmachen wollt, dass es Star Wars ist.

Mir ist es egal, ob es Star Wars ist! Es hätte auch ein völlig neues Franchise sein können und mir wären die Schwachstellen im Plot, die Logik- und Anschlussfehler und der Humor trotzdem negativ aufgefallen! Man muss keine fadenscheinige Gründe suchen, um das Nichtgefallen zu erklären. Man muss nicht behaupten, dass der Gegenüber einfach nichts verstanden hat. Man kann auch einfach mal mit den Schultern zucken und sagen: „Ok. Du findest den Film nicht gut. Passt. Aber hey, lass uns trotzdem mal über Punkt XY diskutieren!“

Natürlich können wir alle erklären, warum wir dieses oder jenes gut oder schlecht finden. Wir können über alles diskutieren. Aber nicht unterstellen. Und das ist das, was mich, Verzeihung, ankotzt. Dass die Meinungen, gerade jetzt bei Last Jedi, nicht toleriert werden. Sondern dass sie diffamiert, für nichtig, für dumm erklärt werden. Egal, von welcher Seite wir sprechen. Nicht nur die Kritiker-Kritiker sind da ätzend. Die Kritiker sind es auch. „Aha! Du findest ihn also gut, ja? Tja, du hast Star Wars wohl nie geliebt / hast keine Ahnung / bist ein Kiddie.“ Ihr nehmt euch da nicht viel.

Seht es einfach ein, dass man den Film auch aus filmwissenschaftlichen Gründen sowohl gut, als auch schlecht finden kann. Dass man ihn lieben und auch hassen kann. Oder dass man ihn, wie ich, einfach nur okay findet.

Shocking.

2 Comments

  • GwynGaming 4. Januar 2018 at 18:34

    Das kann ich auch so unterschreiben! Ich hasse diese Aussagen wie die Pest – Dann liebst du Franchise XY ja nicht, wenn du es nicht gut findest.
    Gerade weil ich etwas liebe, kritisiere ich es doch und schreibe darüber! Vielfältige Meinungen sind so wichtig – warum nicht einfach akzeptieren? Für einige muss das wirklich schwer sein. Ich mochte den neuen Star Wars Film, kann aber jeden verstehen, der Kritik dazu äußert.

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  • Pi mal R Quadrat 5. Januar 2018 at 9:40

    Kapitalismuskritik wird lobend erwähnt? In einem Disnye-/Star-Wars-Film?! O_O
    Ich glaub, spätestens jetzt schlägts 13. XD
    Klar, die Passage gibt einen minimalen Einblick in die Hintergründe. Nur: Dazu braucht es keine 30 Minuten „Finn und Rose retten die Galaxis“, einen Handlungsstrang, der nur noch mehr Fragen und plot holes aufwirft – wenn Finn und Rose mit ner Rettungskapsel abhauen und durch den Hyperspace flitzen können, wie sie lustig sind, warum evakuieren dann die Rebellen nicht ihre drei Schiffe auf dieselbe Art? Wenn Finn und Rose mit ihrem geklauten Schiff in der Lage sind, zurück zur langsamsten Verfolgungsjagt aller Zeiten zu gelangen, warum jagt die Erste Ordnung dann nicht einfach einen Sternenzerstörer nach vorne, um auf die Rebellen zu warten? Und woher weiß ausgerechnet Finn vom ultraneuesten Spielzeug der Ersten Ordnung, mit dem man Hyperspacesprünge verfolgen kann? – und ein Pferderennen, das schlechter als My Little Pony ist. *grummel*

    Wie du sagst, die ganzen Logikfehler und Absurditäten wären bei jedem anderen Film aufgefallen. Manche kann man trotzdem mögen – Pacific Rim macht Laune, auch wenn man niemals im Leben ein Schiff als Baseballschläger benutzen kann, aber im Rahmen der Handlung von riesigen Robotern und Kaiju macht das schon seinen Sinn – und andere werden dadurch nun mal deutlich heruntergezogen. Und das schlimmste ist ja, dass The Last Jedi einiges an Potential hatte, mit Kylo-Rey-Luke, was mir zu über 90% sehr gut gefiel. Und halt anderes maßlos vergeudet, siehe Phasma.

    Und ich stimme dir auch zu, dass man sich über solche Sachen unterhalten kann. Was deutlich besser ist, als nach dem Film nur kurz zu nicken, weil man dieselbe Meinung hat, und dann nach Hause zu gehen… .

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