Die Reaktionen zu „The Problem with Apu“ zeigen die Arroganz des Unbeteiligten

Vor wenigen Wochen hat der südasiatisch-amerikanische Comedian Hari Kondabolu eine Dokumentation über südasiatische Repräsentation in der US-amerikanischen Popkultur mit Fokus auf die Simpsons-Figur Apu veröffentlicht. Die Reaktionen darauf sind bezeichnend.

Der Trailer, der auch auf Youtube zu sehen ist, zeigt dabei, wie unterhaltsam und gleichzeitig reflektiert Kondabolu selbst mit der Thematik umgeht. Er geht nicht mit grantig erhobenem Zeigefinger auf die Zuschauer, die USA oder die Simpsons zu, sondern erklärt trotz allem gut gelaunt, was an Apu Nahasapeemapetilon ihn so stört und was an ihm toxisch sein kann.

Die Simpsons sind bissig und parodieren etliche Gruppen, US-Amerikaner eingeschlossen. Doch während andere Minderheiten auch weitere Identifikationsfiguren oder Repräsentationen in der Popkultur erfahren, blieb das bei Südasiaten lange aus. „Es gibt einfach keine andere Repräsentation [abgesehen von Apu]!“, beschwert sich der im Trailer zu sehende südasiatisch-stämmige Schauspieler Utkarsh Ambudgar und zeigt damit das Hauptproblem auf. Denn wo der Durchschnittszuschauer keinen anderen Inder außer Apu „kennt“ wird er weniger hinterfragen und das Gesehene in sich aufnehmen.

Dass Kondabolu die Simpsons trotz Apu mag, wird deutlich. Aber als jemand, der sein ganzes Leben lang mit den von Apu angerichteten Vorstellungen in den Köpfen der Umwelt leben musste, ist es sein gutes Recht, das aufzuzeigen. Zu hinterfragen, zu kritisieren. Nichts anderes macht er – und das ist vollkommen legitim.

Das gegen die eigene Stirn geschlagene Brett

Den meisten Unbeteiligten ist das egal. Sie wollen es aktiv nicht sehen. Sie schlagen sich selber ein Brett vor den Kopf und rufen:“ Du Weichei, komm mal klar und hör auf zu heulen!“ Sie schreiben schlechte Kritiken, ohne den Film gesehen oder verstanden zu haben.

„Weiß der Typ nicht, dass die Simpsons eine Satireshow ist, die sich über alle Stereotype lustig macht?“

Die Sache ist: Dass sich über den Stereotyp des geldgeilen, kinderreichen, armen, etwas dümmlichen Inders  lustig gemacht wird ist nicht das Problem. Dass es keine anderen Repräsentationen, Interpretationen und Vorbilder gibt und die Simpsons damit wegweisend in den Köpfen der Masse sind, wiegt da schwerer. Und ja, es ist generell eher fragwürdig, nach unten zu treten denn einflussreichere Gruppen oder Personen zu persiflieren.

Es ist von Bedeutung, wer solch eine Figur kreiert – und wer sie spricht. Im Falle Apus sind es Weiße. Das steht in einer langen Tradition. Die Frage ist: Ist das so großartig?

Das Sinnbild allgemeiner Ignoranz

In den Kommentaren wird Kondabolu als Weichei beschimpft, als jemand, der sich von allem und jedem beleidigt fühlt, als Memme. Ich lese die Kommentare und bin sauer, dass sich niemand auch nur die Mühe gemacht hat, die Intention und Problematik hinter dem Video zu verstehen. Es ist ein Trauerspiel, in dem sich die schimpfende Masse lächerlich macht, ohne es selber zu merken. Leider ist es eben eine Masse und keine Minderheit.

Es geht nicht darum, die Simpsons zu verteufeln. Kondabolu selbst mag die Serie und führt sie als eine der Hauptinspirationsquellen für sein Schaffen als Comedian an. Eben weil es sie sich über alles und jeden lustig macht. Das ist okay. Das darf sein. Über sich selbst und andere zu lachen ist völlig legitim – solange man weiß, dass es nur eine Karikatur ist. Solange „Apu“ nicht das einzige ist, womit man verbunden wird.

Es schadet nicht, über die Probleme anderer nachzudenken. Es schadet nicht, sich einen Moment Zeit zu nehmen und zuzuhören. Es schadet auch nicht, darüber nachzudenken. Ohne am Ende gedankenlos loszukrähen und den Gegenüber zu verunglimpfen.

Sei nicht wie Homer Simpson. Denk weiter als von hier bis „Oh ein Donut!“

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