Im Bann der zertanzten Schuhe Janna Ruth

Im Bann der zertanzten Schuhe

AUTORIN: Janna Ruth REIHEMÄRCHENSPINNERFORMAT: 316 SEITEN, SC | BESTELLEN 

Die Märchenspinnerei: Ein Zusammenschluss von 12 Autorinnen unterschiedlichster schriftstellerischer Hintergründe, die die altbekannten Märchen neu interpretieren. „Im Bann der zertanzten Schuhe“ adaptiert das grimmsche Märchen „Die zertanzten Schuhe“ in die heutige Zeit und scheut sich nicht davor zurück, es mit ernsten Themen wie Drogenmissbrauch und psychischen Störungen zu verweben.

ÜbrigensAuf Facebook verlose ich den Roman. Wenn ihr also in den Lostopf wandern wollt, schaut dort vorbei.

Inhalt

Nach seinem Dienst in Afghanistan und geplagt von Alpträumen hat Jonas den festen Halt im Leben verloren. Es ist der Zauber der Nacht, der in ihm neues Leben weckt – und die lebenslustige Tänzerin Sophie. Nacht für Nacht tanzt sie in dem sagenumwobenen Club DeModie mit ihrem Geliebten ungeachtet dessen, dass ihre Schuhe längst verschlissen sind und dem Club ein ganz und gar nicht märchenhafter Zauber anhaftet …

Im Bann der Worte

Schnell wird man von den Sätzen Janna Ruths eingesponnen und an die Seiten gefesselt. Es ist ein Schreibstil, der sofort Bilder im Kopf entstehen lässt und sich dennoch nah an der rauen Realität bewegt. Sofort meint man, den Club DeModie selbst zu betreten, sich auf den goldglänzenden Spuren durch die Geschichte zu bewegen. Die Bildhaftigkeit und hübschen Formulierungen sind die Stärken des Romans, die auch dann zu Tage treten, wenn es fort vom Märchenhaften hin zur Realität geht.

Die erscheint je nach gewählter Perspektive oft trist doch legt sich diese Tristesse nicht auf den Schreibstil nieder. Es sind die düsteren Gedanken der Protagonisten, die sich langsam entfalten und dafür sorgen, dass man noch tiefer in die Geschichte hinein gesogen wird.

Durch die Fassade der Änderungen hindurch schimmert das grimmsche Märchen noch immer durch und setzt Akzente. Die Vorlage ist alt und nicht allzu tiefgründig in seiner Reinform, was sich letztlich auch bis zu diesem Roman durchzieht. Man erwartet ein Märchen und bekommt genau das mit modernen Elementen bespickt – und einer ausladenden Rahmenstory garniert.

Abseits der beiden Hauptfiguren Jonas und Sophie bekommt man schnell nicht nur einen Über- sondern auch einen Durchblick. Hier ist wenig überraschend und das eine kommt wie selbstverständlich zum anderen. Bestünde der Roman nur aus diesen märchenhaften Storyelementen, wäre es dürftig.

Die Figuren stehen im Fokus

Es ist allerdings auch nicht der Plot, der im Mittelpunkt steht, sondern die Figuren. Sie bieten nicht nur die interessantesten Plotpunkte, sondern sind sich selbst auch die eigentlichen Antagonisten. Beide haben ihre Päckchen zu tragen, mit denen sie zu kämpfen haben und an denen sie zu Grunde zu gehen drohen.

Dabei werden Tabuthemen angesprochen und gerade in Jonas‘ Fall ist es sehr interessant zu sehen, wie diese in einem Unterhaltungsroman funktionieren

  • Drogenmissbrauch. Es ist nicht nur der Club, der Sophie Nacht um Nacht in seinen Bann zieht und das Märchen, das dem menschlichen Geist zur Droge werden kann. Auch Alkohol und aufputschende Getränke werden zum Thema, der selbstzerstörerische Umgang damit angesprochen, ohne dabei mit dem Zeigefinger oder dem Paukenschlag zu agieren. Speziell den Alkoholmissbrauch kennt man aus Krimis, in denen der obligatorisch raubeinige Kommissar häufig zur Flasche greift. Dort ist es ein billiger Zug, die Figur zu definieren. Hier jedoch ist es nicht Teil des Charakterkonzeptes, sondern Teil des Problems, das sorgfältig seziert wird.
  • Posttraumatische Belastungsstörung. Jonas leidet nach seinen Einsätzen in Afghanistan an dieser psychischen Störung, die es ihm unmöglich zu machen scheint, ein normales Leben zu führen. Mit viel Gefühl nimmt sich Janna Ruth diesem Problem an und holt es aus der hintersten Ecke hervor. In einem gesonderten Artikel inklusive Interview mit der Autorin wird darauf nochmal genauer eingegangen werden.
  • Depressionen. Als Begleiterscheinung der PTBS schwankt sie immer mal wieder in den Gedanken Jonas‘ mit, ohne sich dabei in den Vordergrund zu stellen.

All das ist stimmig in den Roman integriert. Die Figuren wirken dadurch plastisch, ohne aufgesetzt zu sein. ‚Im Bann der zertanzten Schuhe‘ ist ein gutes Beispiel dafür, dass solche Themen auch in Liebesromanen und der „profanen Unterhaltungsliteratur“ ihren Platz haben – und dort ebenso sinnvoll sind wie in Büchern, die sich einzig um diese Themen drehen. Drogen, psychische Störungen: Es sind Themen, die zum Leben dazugehören. Deshalb haben sie besonders auch in scheinbar „normalen“ Romanen ihre Daseinsberechtigung. Ohne dass man davon bedrängt wird. Es ist ein Teil davon.

Mein größter Kritikpunkt

Insbesondere Jonas wird im Lauf der Geschichte zur Ranke, die sich um Sophie windet um sich an ihr in die Höhe zu heben. Sein Fokus auf sie wirkt auf mich nicht wie blühende Liebe, sondern wie Besessenheit. Ein wenig wird er zum liebeshungrigen Stalker. Letztlich ist mir Jonas zu fixiert auf sie, was mir etwas von den Sympathien nahm, die ich für ihn zu Beginn hegte. Ich hätte mir mehr Liebesgeschichte (Dass ich das mal sagen würde!)und weniger „Du bist mein Strohhalm, an den ich mich klammere!“ gewünscht. Es hätte für mich allerdings wieder funktioniert, wenn das Ende ein anderes gewesen wäre. Aber es ist kein Wunschkonzert und diese Kritik nur subjektiver Natur. Jonas an sich bleibt gut ausgearbeitet – ich kann nur nicht viel mit ihm und der Beziehung zwischen den beiden anfangen.

Fazit

Ich bin eine unglaublich kritische Leserin. Ich finde die wenigsten Romane richtig gut (Und ja, das finde ich selber ziemlich ätzend!). Aber den hier habe ich tatsächlich in einem Rutsch durchgelesen. Natürlich gibt es Kleinigkeiten, die ich bemängeln würde oder Aspekte, die ich mir mehr ausformuliert gewünscht hätte. Aber er ist und bleibt ein guter Roman, den ich mit bestem Gewissen weiter empfehlen kann!

Übrigens: Auf Facebook verlose ich den Roman. Wenn ihr also in den Lostopf wandern wollt, schaut dort vorbei.


Story:               
Schreibstil:      
Atmosphäre:   
Figuren:            
Phoenixfaktor

 

AUTORIN: Janna Ruth REIHEMÄRCHENSPINNERFORMAT: 316 SEITEN, SC | BESTELLEN 

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