Brüste mit Ananas

Wann klicke ich – und wann du?

Wenn ein Artikel in den sozialen Netzwerken geteilt werden reichen Bruchteile von Sekunden, die über Klicken und Nichtklicken entscheiden. Ich habe mich mal gefragt, wie ich ticke – und möchte von euch wissen, was ein Teaser haben muss, damit ihr auf den Link klickt.

Als wir vor einiger Zeit die Leserumfrage gestartet hatten (interessieren euch die Ergebnisse eigentlich?) bekamen wir als Kritik häufig zu hören: „Ihr schreibt jetzt vermehrt für die Masse und dann auch nur noch so doofe seichte News, statt ausführlich recherchierten Stuff“: Zunächst: Das ist völlig ok, zu kritisieren! Ich selbst würde gerne häufiger Gehaltvolles schreiben.

Der Haken: Es klickt niemand. Die Masse will dumme, kurze News. Nein, ich werde fortan nicht damit anfangen, nur noch schnelle News zu schreiben – aber man neigt eben doch dazu, die Güte eines Artikels an den Klicks zu messen. Dabei bin ich selbst nicht besser. Ich klicke oft Scheiße.

Auf dem Weg zur Arbeit, im Wartezimmer, kurz zwischen Tür und Angel – am Handy lese ich kaum ausführliche, kluge Artikel. Die hebe ich mir für später auf – und vergesse sie dann leider allzu oft. Stattdessen scrolle ich auf Facebook und klicke auf Dinge, die Kurzweil versprechen: Listicles, Aufreger, Bildchen. Es sind keine Artikel, für die der Autor Hirnschmalz benötigen würde oder für die er sich „Journalist“ nennen könnte. Aber sie sind Fast Food.

Heute schwebte mein Cursor sekundenlang über einem Artikelteaser auf Facebook. Der Titel: Irgendwas mit Sex. Das Bild: Bunt, knallig, stumpf. Und ich fragte mich plötzlich: Will ich den Klick wirklich verschenken? Ich werde nichts Neues erfahren, nicht lernen, nichts für die Zukunft mitnehmen. Alles, was ich bekommen werde, sind 20 Sekunden Unterhaltung. Die ich übrigens in ähnlicher Form, wenn nicht besser, bekommen würde, würde ich stattdessen im Kopf Queen (Fucking Queen! Hey! Listen!)mitsingen.

Ich beichte. Ich klicke, wenn Folgendes erfüllt ist:

  • Ein Aufregerthema
  • Eine Überschrift, bei der ich mir denke „WTF? Nicht wirklich, oder?“ und im gleichen Moment „Natürlich nicht. Es ist Clickbait. Ach, what the hell. Klick halt.“
  • Jensen Ackles. Ich klicke alles mit Jensen Ackles. Alles.
  • „Hippe Headlines.
  • Das Teaserbild fasziniert, hat eine (oft sexuelle) Ästhetik.

Selbstredend klicke ich auch die Artikel an, die guten (!) Inhalt versprechen. Die gut recherchierten, hinterfragten, ausführlich beleuchteten Artikel – von denen es viel zu wenige gibt. Zu viele Online-Redakteure denken wohl so wie ich oft befürchte: „Klicks gehen vor Qualität.“

Ich muss mir eingestehen, dass der Mensch einfach gestrickt ist. Und das, obwohl die klugen Artikel meist ebenso kostenlos verfügbar sind wie die hingeschissenen. Und ja: Ich sage bewusst: „Hingeschissen“. Nichts anderes ist es oft. Ich bin einfach gestrickt.

Schade. Es ist schade, dass ich häufiger Schund klicke. Dabei weiß ich es besser. Ich bin selber ein Teil der Maschinerie, die ich selbst ablehne. Ich bin selbst der Grund, weshalb man als Redakteur lieber zu den schnellen Themen greift, anstatt sich den wichtigen zu widmen.

Wann klickst du?

 

Header by: Marvin Meyer

Vielleicht interessiert dich auch ...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

3 Gedanken zu “Wann klicke ich – und wann du?”