Kylo und Rey

The Last Jedi: Das Böse ist männlich

Star Wars: Ein Weltraum-Märchen, in dem die dunkle gegen die helle Seite kämpft. Zwischen den beiden Mächten herrscht ein Gleichgewicht, in dessen Mitte es am Ende stets zur großen Explosion kommt. Dieses Mal, bei den letzten Jedi, ist das Böse männlich, während das Gute in weiblicher Perfektion erstrahlt. Und das ist schade.

Obacht: Der Text enthält Spoiler! Für eine spoilerlose Nachlese bitte hier entlang.

Im Vergleich zu älteren Filmen des Star Wars-Universums glänzt der Cast von The Last Jedi mit einer guten Portion Diversität: Schwarze, asiatische, männliche und weibliche Figuren geben sich die Klinke in die Hand, auch wenn die große Masse dabei weiß bleibt. Trotzdem sind es gerade die diversen Charaktere, die tragende Rollen haben dürfen. Die Asiatin Rose rettet den Mann, den sie liebt. Die ältere Generalin Holdo rettet gleich den ganzen Tag. Und die junge Jedi holt den verbitterten alten Mann zurück – und entfacht am Ende den letzten Funken Hoffnung neu.

In The Last Jedi sind die Frauen nahezu fehlerlos. Das klingt nach einer guten Sache – ist aber weder für die eine, noch die andere Sache von Vorteil.

Kein Hell ohne Dunkel

Was man Autor sehr schnell lernt ist, dass man seinen Figuren auch Schwächen zugestehen sollte. So wirken sie greifbarer, menschlicher und letztlich auch stärker. Nämlich dann, wenn sie die Schwächen überwinden und an ihren Erfahrungen wachsen. Hat man jedoch eine Mary-Sue vor sich – also eine Figur, die nahezu alles kann und keine echten Schwächen hat – wirkt es künstlich bis lächerlich.

Die Filmlöwin hat auf ihrem Blog Folgendes zu sagen, was ich gerne unterschreiben möchte:

„Der in diesem Film eingeführten Figur Rose (…) fehlt es wie auch Rey an Fallhöhe und inneren Konflikten. (…) In Gesellschaft von Angsthase Finn (John Boyega), den sie gleich zu Beginn beim Versuch zu desertieren erwischt, wirkt sie zugleich überlegen wie auch blass, weil übermenschlich perfekt. Star Wars – The Last Jedi hat ein maßgebliches Problem damit, seinen weiblichen* Figuren Fehler zuzugestehen und ersetzt somit bei dem offensichtlichen Versuch, seine Frauen*figuren zu empowern, eine Sexismusfalle durch die andere“, Filmlöwin aus: „Blockbuster-Check: Star Wars The Last Jedi

Es mangelt dadurch nicht nur an Identifikationspotential, sondern auch an charakterlicher Tiefe. Doch wo die Filmlöwin in ihrem lesenswerten Beitrag auf die Rolle der Frau eingeht, möchte ich hier den Fokus auf den Mann legen.

Kylo Ren ist sauer

Wenn die Maskulinität das Böse ist

Lässt man die lächerlich winzige Rolle Captain Phasmas außen vor, ist die Erste Ordnung männlich. Es sind aggressive Witzfiguren, die nicht nur den Helden, sondern auch sich gegenseitig das Leben schwer machen. Es geht, wie so oft im Leben des Klischee-Mannes, um Macht, Eroberung und Siege. Diese Ziele werden nicht mit kluger Taktik, sondern primär mit Gewalt gelöst. Sei es, dass Kylo alle Waffen auf einmal auf Luke Skywalker feuern lässt, Poe Dameron eine kleine Revolte anzettelt oder Luke auf Rey losgeht – allzu oft ist Gewalt im Spiel.

Dabei zeigen sie selber, dass es nicht immer so sein muss: Luke nutzt die Macht geschickt, um Kylo auszutricksen, während dieser die geistige Fähigkeit mitbringt, seine Gedanken vor Snoke abzuschotten. Man muss nicht immer seinen Zorn benutzen – und doch tun sie genau das.

Das ist auf erzählerischer Seite einerseits schade, da ein Männerbild gezeichnet wird, das so nicht sein muss. Andererseits zeigt es auch die Problematik auf, die solches Verhalten mit sich bringt. In The Last Jedi werden Konflikte nicht mit Muskelkraft besiegelt – sondern mit Geschick und Verstand. Das zeigt sich nicht nur eindrucksvoll in Lukes rettender Performance am Ende, sondern auch im Kampf Kylo/Rey gegen Snokes Prätorianer: Während sich Kylo mit Kraft aus dem Griff zu befreien versucht, rettet ihn Rey, indem sie ihm im richtigen Moment das Lichtschwert zuwirft. Auch wenn dies wiederum in Gewalt gipfelt, ist es ein letzter Kniff von außen.

Auch Poe muss einsehen, dass Leia und Holdo die besseren Strategen sind als er. Er, der eine Meuterei anzettelt und sich seiner Vorgesetzten widersetzen will, ist ein klassisches Beispiel von Mansplaining: Er glaubt, dass er mehr Ahnung hat als die, die eigentlich mehr Erfahrung auf dem Gebiet hat und versucht, sie zu belehren. Dass er dait letzten Endes nicht durchkommt und sogar sein Unrecht einsehen muss, ist ein Plotverlauf, wie er noch nicht häufig in der Popkultur anzutreffen ist – und den ich daher sehr begrüße.

Doch er wird dafür nicht bestraft. Es ist dem Archetyp des „Männer bleiben eben Jungs“ zu verdanken, dass man ihm im Nachhinein lediglich wohlwollend den Kopf tätschelt. Generell wird über die Männer des Films gelacht: Über General Hux, weil er einfach ein lächerlicher General ist. Über Kylo, weil er seinen Zorn nicht zügeln Kann. Über DJ, weil er ein lispelnder Trottel zu sein scheint. Über Finn, weil er ein ängstlicher Tollpatsch ist. Und natürlich über Snoke, weil er im Tod aussieht wie ein überfahrener Jar Jar.

Die Frauen müssen sie an die Hand nehmen, damit es am Ende doch noch klappt mit dem happy end. Allen voran Luke, der sich nach Kräften sträubt und in mühsamer Kleinarbeit von der stoischen Rey überzeugt werden muss, doch endlich das Richtige zu tun. Am Ende ist es immerhin Yoda, der den letzten Stubser gibt.

Es ist keinesfalls ein Problem, wenn man über Figuren lachen kann und sie antagonistische Kräfte sind. Wenn sich das allerdings auf ein Geschlecht beschränkt, ist das doch ziemlich einseitig. Ich vermisse die finster-verrückten weiblichen Figuren. Eine weibliche Sith, eine Phasma, die einen stärkeren Auftritt hat. Oder eine Rey, die Kylo die Hand reicht und Seite an Seite mit ihm um die Vorherrschaft kämpft. Auf der dunklen Seite, versteht sich. Ich will mich nicht nur über männliche Figuren lustig machen, mich über sie aufregen oder sie als dumm abwinken. Das dürfen auch gerne weibliche Charaktere sein.

Rey Lichtschwert last jedi

Aber: Verdammt, ich hasse Mansplaining!

Und daher verzeihe ich The Last Jedi die fast als einseitig zu nennende Darstellung des Mannes. Gerade in Zeiten Trumps, in denen – ja, wirklich – Mansplaining noch immer toleriert und in manchen Kreisen auch zelebriert wird, ist es ein Halleluja wert, dass es Platz in einem Blockbuster wie diesen gefunden hat – und eine Klatsche nach der anderen erfährt.

Denn wo Hitzköpfe -männliche wie weibliche – in der Popkultur nach einer Minirebellion jubelieren, wenn sie es nur für die gute Seite getan haben, werden sie hier ihrer Grenzen und Unwissenheit verwiesen. Es ist erfrischend zu sehen, dass die Figuren mit ihrer aggressiven Art gegen Wände rennen. Am Ende gibt es nämlich trotzdem einen Sieg. Nur eben auf weitaus ruhigere, besonnenere und nichtsdestotrotz ebenso heroische Weise.

Aber: The Last Jedi will grau sein. Es ist abgekommen von Schwarz und weiß und hat sich hin zu Diversität und Grauschattierungen bewegt. Das ist gut so. Aber es sollte nicht bei den Geschlechtern aufhören. Ich will auch dumme Frauen sehen – und in männlichen Figuren nicht nur den hitzigen Dorftrottel.

Vor allen Dingen aber sehe ich es nicht ein, dass Frauen als perfekte, reine Wesen dargestellt werden und die Riege der dunklen Seite fast ausschließlich von Männern besetzt ist. Verfallen nur die ach so bösen Männer der dunklen Seite? Ich denke doch nicht.

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2 Gedanken zu “The Last Jedi: Das Böse ist männlich”