Rape Culture

[Offtopic] Rape Culture

[Dieser Text stammt aus dem Jahre 2012 und wurde nun von meinem ursprünglichen Blog „gerettet“]

Ausgehend von diesem Artikel der Süddeutschen Zeitung, der die gestiegene Anzahl sexueller Übergriffe auf dem Oktoberfest thematisiert und der damit verbundenen Diskussion, die ich auf Facebook gestartet hatte, muss ich das Thema nun einfach auch hier anschlagen. Konkreter Auslöser war folgendes Zitat aus der SZ:

„Meist sind es Touristinnen, die dem Hilfsteam in die Arme laufen oder vom BRK und von der Security gebracht werden. Frauen, die das Bier unter- und die eigene Standhaftigkeit überschätzen. „Die sitzen dann mit hochgerutschtem Dirndl auf der Wiese und schlafen. Klar, dass das manche Männer als Einladung sehen“, sagt Rudolf-Jilg.“

Sicher meint die Frau das nicht so. Was bleibt, ist jedoch das allgemeine gesellschaftliche Bild. Eine Formulierung, die so unglücklich, wie bezeichnend ist. Abstrahiert: Klar, dass das manche Männer als Einladung verstehen. So ist das halt. Ist ja auch einleuchtend: betrunkene Frau + hochgerutschter Rock = konkrete Sexeinladung. Lernt man schon in der Schule, diese Gleichung.

Himmel, Arsch und Zwirn! Nein!

Slutwalk Knappe/sexy Kleidung ist keine Einladung zu einem tätlichen Übergriff! Sicher kann man damit argumentieren, dass die Frau/der Mann nicht hätte trinken und seine Grenzen besser hätte kennen sollen. Doch ein Fehler, eine Unachtsamkeit, darf niemandem die Legitimation geben, ein Verbrechen zu begehen! Statt auf dem Täter, wird auf dem Opfer (dem O p f e r!) herumgehackt. Hätte sie denn keinen Rollkragenpullover oder Schneeanzug tragen können? Warum hat sie überhaupt Alkohol getrunken? Hätte, könnte, wäre. Kein Zweifel: Man soll sich nicht zur Besinnungslosigkeit betrinken. Aber: Warum wird der Täter außen vor gelassen? Warum wird dieser größtenteils ignoriert, seine Grausamkeit totgeschwiegen? Weil die Frau sich einen längeren Rock hätte aussuchen können? Ich bitte euch!

Statistisch gesehen ist es nicht der kurze Rock, der Vergewaltigungen forciert. Opfer kann jeder werden: Mann, Frau, jung, alt, Rollkragenpulloverträger oder Dirndlliebhaberin. Der Täter (oder die Täterin): Er kann aus dem Verwandten- oder Bekanntenkreis stammen, aus dem nächsten Busch oder dem Hauseingang. Er kann auf Miniröcke stehen oder auf das unschuldige Mädchen vom Land mit Jeans und Shirt. Er kann aus Berechnung handeln oder aus Spontaneität.

Man spricht von Prävention: Selbstverteidigungskurse sollen besucht werden. Gerne. Dort wird nicht nur gelernt, Nein zu sagen, sondern auch, die Scheu vor einem Schlag ins Gesicht oder dem Tritt in die Hoden zu verlieren. Was jedoch viele dabei vergessen, ist Folgendes: Theorie ≠ Praxis. Selbst gut ausgebildet, kann man in Schock verfallen. Todesangst lähmt, eventuell hat man Schmerzen, der Moment schockiert. Da an Regeln und Gelerntes zu denken liegt nicht jedem. Daheim auf dem Sofa oder am Schreibtisch mögt ihr denken: „Doch. Ich kann.“ Wirklich?

Das, worauf ich hinauswill ist, dass es nicht sein darf, dass das Opfer mehr Schuld bekommt als der Täter. Es ist nicht normal, dass man jemanden bespringt, nur weil er gerade nicht reagieren kann, sei es aufgrund des Alkohols oder irgendetwas anderem. Es ist nicht normal, dass man jemanden aufgrund aufreizender Kleidung vergewaltigt. Es ist nicht normal, dass man sich so sehr vergisst. Vergesst die Täter nicht, schiebt nicht alles auf die Opfer!

Ich bin geschockt von dem, was ich bei der Facebookdiskussion teilweise gelesen habe. Wirklich geschockt.

Interessante Links

Zu Slut WalksProject Unbreakable | Feminists don’t think all men are rapists... | Ich habe nicht angezeigt, weil... | Mythen und Tatsachen

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