Wie wichtig ist euch die Grafik in Videospielen?

Der Standard fragt in seinem aktuellen Gametalk, ob die Grafik in Videospielen tatsächlich so wichtig sei. Ich sage ganz klar: Ja. Doch während der Standard mit „gut“ High-End-Grafik, 4k und Hyperrealismus meint, meine ich etwas anderes. 

Als Ausschlag für die Diskussion wird der Grafikkrieg „Microsoft vs. Sony“ genannt, die sich mit immer wieder neuen, verbesserten Konsolen ins Wettrüsten stürzen. Dabei, so der Standard, schlage sich das ohnehin nicht so sehr in den Verkaufszahlen nieder und überhaupt, „was nützt ein schönes Äußeres, wenn der Inhalt fehlt?“

„Was ist Ihnen wichtiger: Grafik oder Gameplay?“

Der Teufel liegt für mich im Detail. Oder, genauer gesagt: Im „oder“. Wieso sollte man sich entscheiden müssen? Schließt das eine das andere aus? Weder die im Artikel genannten, positiven Beispiele für „schlechtere Grafik“ wie „Zelda: Breath of the Wild“, noch die „reinen Grafikschleudern“ wie „Forza Motorsport 7“ bauen nur auf den einen Aspekt. Wo wäre Zelda jetzt, wenn Nintendo seine Konsolen nicht auch stetig verbessert hätte, wenn man nicht mit der Zeit gegangen wäre? Und würde man Forza spielen, wenn das Gameplay vollkommener Murks wäre?

Natürlich sind auch Spiele erfolgreich, die nicht mit einer 4k hyperrealistischen Grafik glänzen. Vermutlich werden sie auch immer erfolgreich bleiben. Nicht nur sehnt sich der Mensch nach Nostalgie, nach Einfachheit und natürlich mögen auch viele Menschen einfach den einfacheren Grafikstil – zu manchen Genres passt es einfach besser.

Es kommt auf das Spiel an

Auch wenn ich aus Notalgiegründen auch immer wieder zu meinem heiß und innig geliebten Might&Magic VI zurückkehre – RPGs spiele ich am liebsten dann, wenn sie auf dem neusten grafischen Stand sind. Ich liebe es, durch die wunderschönen Welten Tamriels zu streifen, mich in den endlosen Wäldern Temeriens zu verlaufen und einfach nur da zu sitzen und die Umgebung zu bestaunen. Es fördert die Immersion.

Natürlich ändert die phantastische Optik am Gameplay nichts und wenn Skyrim furchtbar zu steuern wäre, hätte ich es vermutlich nicht lange gespielt. Aber wenn Might&Magic VI mit genau diesem Gameplay und genau dieser Welt ein Remake erfahren würde – ich würde ein etwaiges Kickstarter wahrscheinlich alleine stemmen. (Nein, das habt ihr nicht gehört, Studios!)

Bei manchen Genres ist eine hyperrealistische Grafik allerdings sogar hinderlich. Wer möchte ein Super Mario spielen, wenn man Marios Poren auf der Knollennase zählen könnte? Oder Tetris, wenn man vor lauter Steinmaserung die Blöcke nicht mehr richtig zuordnen kann? Das Ding ist nur: Comiceske Grafik ist nicht per se „schlecht“ oder „alt“. Ja, auch ein Super Mario hat sich optisch rasant weiterentwickelt und auch Zelda ist längst nicht mehr derart verpixelt wie früher.

Das oben gezeigte Heroes of Might&Magic etwa mag ich in seinen alten Versionen deutlich lieber. Die bunten, einfachen Grafiken unterstützen das Gameplay meiner Ansicht nach besser als die aufpolierten Versionen.

Es gibt kein „Oder“

Zu fragen, ob einem Grafik oder Gameplay wichtig sei, ist in etwa so, als würde man fragen, ob man lieber auf Nahrung oder Wasser verzichten würde. Beides ist essentiell. Und ein „gut“ heißt noch lange nicht „hyperrealistisch“. Es heißt „zum Spiel passend“. Und ja: Das sollte die Grafik immer sein. Ob nun „passend“ aber heißt, eine realistische Grafik zu präsentieren oder doch Pixelbrei, liegt am Einzelfall. Der Mix entscheidet für mich. Und das ist mehr als „nur die Grafik/Story zählt“.

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