[Buchkritik] Zarin Saltan

AUTORIN: Katherina Ushachov REIHEMärchenspinnerFORMAT: 138 SEITEN, SC
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Die Märchenspinnerei: Das ist ein Zusammenschluss von 12 Autorinnen unterschiedlichster schriftstellerischer Hintergrundes, die die altbekannten Märchen neu interpretieren. „Zarin Saltan“ adaptiert das russische Gedicht „Zar Saltan“ von Alexander Sergejewitsch Puschkin in die heutige Zeit und lässt hier auch endlich die weibliche Seite zu Wort kommen.

Inhalt

Annas Leben als Slawistikstudentin und Aushilfe gestaltet sich als sehr beschaulich. Zumindest bis sie von ihren zwei Freundinnen bei einer russischen Datingshow angemeldet wird und sich die drei wenig später als Nebenbuhlerinnen um den Kaviarzar Viktor wiederfinden. Der erwählt Anna – und ihr Leben wird zu einem Märchentraum. Hier könnte bereits „Happy End“ stehen – wären da nicht Neid und Missgunst, die dem Märchen einen Eimer klebriges Pech überstülpen. Da kann nur noch eine Fee in Gestalt eines possierlichen Tierchens helfen…

Ein famoser Start

Gleich die ersten Seiten vermochten es, mich hinein in die Geschichte zu ziehen. Alles wirkt echt, nicht überspitzt, nicht zu schnell oder zu poetisch. Kleine Details wie Kaugummireste an der Wange machen die Figuren lebendig und die klare Sprache lenkt nicht vom Inhalt ab. So ist es der Beginn, der kraftvoll wirkt. Zwar weiß man nicht nur durch den Klappentext, sondern auch durch die Sicht der beiden Protagonisten selbst, wie die Romanze ungefähr enden wird, doch war ich dennoch gespannt darauf wie genau es dazu kommen wird – und ob der Plot die ein oder andere Überraschung bereithalten würde.

Die Geschichte verwässert

Leider verwässern Plot und Figuren im Laufe der Seiten, werden blasser und bäumen sich erst in den letzten Passagen wieder auf. Durch die vielen Zeitsprünge war ich nicht mehr Teil ihres Werdegangs und verlor schlussendlich den Bezug zu den Figuren. Die schnellen Zusammenfassungen der letzten Tage, Wochen und Monate können die für die Charakterentwicklung relevanten Szenen nicht ersetzen. Der wachsenden Beziehung zwischen Viktor und Anna wohnt man als allzu passiver Beobachter bei, wird nicht hinein gesogen in die Magie, die die beiden eigentlich verbindet. So blieb ich unbeteiligt, die Liebe war für mich nur schwierig greifbar.

Ähnlich erging es mir mit den Figuren. Mit Ausnahme Viktors bleiben sie unscheinbar, profillos. Mir fehlen Schwächen, Details, die sie ausmachen und definieren. Insbesondere die Motivation der beiden Freundinnen bleibt so sehr kryptisch. Noch immer ist mir nicht ganz klar, in welcher Beziehung sie wirklich zu Anna stehen. Manche ihrer Aktionen bleiben diskrepant.

Das, was mich an Zarin Saltan jedoch am meisten stört, sind die Reaktionen der Ärzte und des Personals. Ich kann und möchte nicht zu viel vorwegnehmen, doch wirkt vieles auf mich unlogisch, dass es mich beim Lesen geärgert hat. Auch hier hätte ich mir mehr Details gewünscht, mehr Atmosphäre, die nicht nur zu erklären weiß, sondern auch tiefer ins Dilemma einführt.

Versöhnt hat mich dann das Ende: Die märchenhaften Aspekte werten die Geschichte auf und verleihen ihr zu neuem Glanz. Hier wird auch die Verbindung zur Vorlage deutlich.

Die Verbindung zum Märchen

Die Wahl zur Datingshow war eine gute. Wie sonst soll man rechtfertigen, dass ein Mann die Frau tatsächlich aussucht, statt dass sie sich gegenseitig finden? Auch die weiteren Parallelen sind schön eingeflochten, auch wenn sich die meisten in ihrer vollen Blüte erst gegen Ende zeigen.

„Zar Saltan“ wird hier neu interpretiert und in unsere Zeit verschoben. Katherina Ushachov verleiht dem Märchen einen feministischen Anstrich, der es neu aufpoliert und deutlich verschönert. Dass sie ein paar Details heraus nimmt und andere hinzu dichtet ist passend und fügt sich gut in die Geschichte ein.

Fazit

„Zarin Saltan“ liest sich angenehm flüssig. Der Plot ist märchenhaft schlicht, verdichtet sich jedoch im Subtext und weiß zu unterhalten. An manchen Aspekten krankt es, klebt dem jedoch durch andere Stellen wieder ein Pflaster auf. Wer gerade russische Märchen mag wird hier definitiv fündig werden und seine Freude haben.

Story:               
Schreibstil:      
Atmosphäre:   
Figuren:            
Phoenixfaktor

 

AUTORIN: Katherina Ushachov REIHEMärchenspinnerFORMAT: 138 SEITEN, SC
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