[Buchkritik] Armageddon

AUTOR: Wolfgang Hohlbein VERLAG: PiperFORMAT: 608 SEITEN, HC | BESTELLEN 

Lange habe ich mehr oder minder große Bögen um Romane von Wolfgang Hohlbein gemacht; Zu enttäuscht war ich von einigen Titeln vergangener Jahre. Dass ich nun wieder zu einem Titel dieses Autoren gegriffen habe hat zwei simple Grüne: Ich liebe die Endzeitthematik und natürlich gebe ich jedem Autoren gerne eine zweite Chance. Zum Glück wurde ich von Armageddon nicht erneut enttäuscht.

Inhalt

Beka ist gerade auf dem Landeflug nach Tel Aviv, als im wahrsten Sinne die Bombe einschlägt: Ein Atompilz schießt aus dem Boden der israelischen Stadt und versenkt die Welt in Schutt und Asche. Ein Blinzeln später befindet sich Beka wunderlicherweise nicht brennend in Trümmern, sondern plötzlich in der absoluten Dunkelheit der Katakomben.

Gemeinsam mit dem ebenso geheimnisvollen wie gottgleich schönen Luke, der aus dem Flugzeug auf ebenso ominöse Weise hierher teleportiert wurde, macht sie sich auf den beschwerlichen Weg der Sonne entgegen. Nur um dort festzustellen, dass die letzte Schlacht längst im Gange ist: Das Armageddon.

Gnade der Unsympathin

Meine Beziehung zu diesem Roman begann so, wie viele Beziehungen enden: Kompliziert. Protagonistin Beka ist eine junge Querulantin im späten Teenageralter, die viele Klischees dieser Altersgruppe erfüllt. Ihre patzige, betont sarkastische Art ließ mich beim Lesen mehrmals die Augen verdrehen. Sarkasmus und Ironie in aller Ehren, doch geschieht dies in derart vielen, derart unpassenden Momenten, dass ich es lediglich „nervig“ nennen kann. Da ich die Erzählstimme eines Romans essentiell finde hätte ich nicht gedacht, dass Beka das Ruder noch herumdrehen kann.

Doch sie schaffte es. Irgendwann freundete ich mich mit ihr an, sah ihr nach, wenn sie wieder mal einen ihrer wenig glorreichen Momente hat. Primär verdankt sie das den Personen, die ihr im Laufe der Zeit begegnen und ihre charakterlichen Schwächen ebnen. Auf eine gewisse hohlbein’sche Art finden wir auch hier den – dieses Mal maßvoll – plärrenden Sidekick, den hitzigen, aber in den Tiefen seines Herzens gutmütigen Kontrahenten und viele weitere Figuren, die sich angenehm in die Geschichte fügen und ihr Profil gibt.

Dezent Biblisch

Der Titel lässt die biblischen Einflüsse natürlich erahnen. Ja, Armageddon bedient sich vieler biblischer Themen, ohne diese jedoch allzu breit auszurollen. Die Bibel – die wahrscheinlich erste phantastische Anthologie – dient hier als Fundament, auf das Hohlbein seine ganz eigenen Bausteine setzt und daraus ein wahrhaft phantastisches Häuslein baut. Der Leser muss die Bibel nicht gelesen haben, um dem Plot folgen zu können. Kennt man die Bibel allerdings, wird man viele Anspielungen und Details besser verstehen können.

An der religiösen Fassade entlang hangeln sich Beka und ihre baldigen Kumpanen ihrem eigentlichen Abenteuer entgegen, denn natürlich ist das Armageddon nicht das Ende, sondern der Anfang. Gut und Böse sind nicht immer leicht zu definieren und noch schwieriger zu erkennen. Zwielicht umgibt zuweilen selbst die strahlendsten Engel. Wenig ist in dieser postapokalyptischen Welt wirklich Schwarz und Weiß.

Unterhaltsame Endzeit

Viele Endzeittitel fokussieren sich auf Leid und Elend, auf das Überleben der letzten Hinterbliebenden. Dies ist hier nicht unbedingt der Fall: Es ist ein Jugendroman, der trotz des Settings positiv unterhalten möchte. Die Monotonie der zurückgelassenen Welt, Hunger und Tristesse sind durchaus auch von Hohlbein angesprochene Themen, doch bohrt er dahingehend nie tief. Die Atmosphäre wird angedeutet, jedoch nicht zelebriert oder akzentuiert. Dazu passt der sehr angenehm flüssige Schreibstil, der nicht nur routiniert durch die Szenerie führt, sondern gleichzeitig auch zu unterhalten weiß.

In sich bleiben Welt und Plot stets schlüssig und da machen auch die Protagonisten und Nebenfiguren keine Ausnahme. Sehr schön finde ich die durchaus überraschenden Wendungen und das Ausradieren von Personen, von denen man es wahrscheinlich nicht und dann auch noch auf diese Art erwartet hätte. Vieles geschieht ohne Vorwarnung – und das ist auch verdammt gut so!

Fazit

„Armageddon“ ist der erste Roman seit langem, den ich in einem Rutsch hätte durchlesen können, wenn es denn meine Zeit erlaubt hätte. Er ist unterhaltsam, nicht zu flach und dabei mit interessanten Figuren bestückt, von denen man gerne mehr erfahren möchte. Zum Glück wird man auch Gelegenheit dazu haben, denn Armageddon ist der erste Teil einer bislang noch undefiniert langen Reihe.

Story:               
Schreibstil:      
Atmosphäre:   
Figuren:            
Phoenixfaktor

AUTOR: Wolfgang Hohlbein VERLAG: PiperFORMAT: 608 SEITEN, HC | BESTELLEN 

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