Suicide Squad: So handzahm, dass es schmerzt

Handzahm in Bromance ergehende Figuren gekleidet in hübsche Kostümchen und garniert von mehr oder minder flotten Sprüchen, die jedoch zumeist nur zäh von den blutleeren Lippen tropfen: „Suicide Squad“ ist der schnurrend verplüschte Tribble unter den DC-Movies. Und das ist eine Farce angesichts dessen, dass hier Schurken im Fokus stehen statt der strahlenden Helden mit schmalzigen Löckchen anderer DC-Verfilmungen.

Nun zu sagen: „Aber naja. So schlecht war er nicht und die erste halbe Stunde war sogar richtig gut“ ist eine Aussage, die von mir nicht ausgelutschter sein könnte. „Okayishe“ Filme gibt es genug; handlungsarme Streifen bar jeglicher Botschaft oder gar Innovation. Doch hier bin ich, gerade im Nachgang, wenn ich meine verschlafenen Gehirnwindungen endlich entwirrt habe, sehr enttäuscht. Suicide Squad hätte so gut werden können! Er hätte DC schon damals, vor Wonder Woman, aus der Filmtristesse reissen und ein Statement setzen können! Harley Quinn, der Joker, Deadshot, Diablo – das sind alles Figuren, die unglaublich viel Potential in sich tragen und einen Plot mit viel dreckigem Humor und neuen Ideen hätten füttern sollen. Wie großartig wäre es gewesen, wenn die Hintergründe genauer beleuchtet worden wären, man ausnahmsweise einmal unmoralischen Stoff zu sehen bekommt und überhaupt etwas erfährt, das die Existenz der Schurken als Protagonisten rechtfertigt. „Schurke“, „Bösewicht“, „supervillain“ – Dammit, diese Bezeichnungen muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen! Doch statt des zu erwartenden, bitteren Geschmackes enthüllt sich im Mundraum lediglich eine klebrige Süße, die derart unpassend im optischen Dunkel des Filmes erscheint. „They are bad guys – The worst of the worst“, wie im Film gesagt wird? Um es mal mit Harleys Worten auszudrücken: Hahahahaha!

„Guddy? Worum geht’s eigentlich?“

Ach ja. Der Film hat ja auch einen Plot. Habe ich gehört. Unter Leitung von Amanda Waller wird die „Task Force X“ eingeführt, im Real Life besser bekannt als „Suicide Squad“: Verurteilte Schwerverbrecher sollen unter fachkundiger Leitung der Good Guys auf besonders aussichtslose Missionen geschickt werden, klein gehalten durch explosive Implantate. Falls die Welt bedroht wird. Oder sich Superman spontan gegen die Menschheit wendet. Oder irgendwo eine Kaffeemaschine explodiert, weil eine gewisse Guddy sie wiedermal nicht richtig bedient hat. So oder so: Weshalb bei solchen Missionen ausgerechnet jene Schurken auf Streife geschickt werden, wird mir nicht ganz klar. Jemand, der einen Boomerang werfen kann? Ach, holt doch Link, der kann zumindest noch das Masterschwert schwingen. Allzu bösartig will ich hier aber auch gar nicht sein: Immerhin können sie alle kämpfen. Nur – wäre es nicht dezent sinnvoller, gerade weltenzerstörerische Kräfte nicht gleich wahnsinnigen Verrückten ans Herz zu legen, sondern, sagen wir mal… jemandem wie… hm…. Superman?

Doch naja, es geht schließlich um die Figuren. Also lehnen wir uns zurück und genießen das bitterböse Schauspiel der Verurteilten, die sich in ihrer eigenen Boshaftigkeit suhlen und – Moment. Warum genau schießen mir statt böser Sprüche und skurrilem Wahnsinn Herzen entgegen? Bromance! Guter Wille! Friendship is fucking Magic! Scheinbar. Ja, der Film ist mir deutlich zu zahm. Himmel, das letzte Drittel des Filmes besteht aus netten Botschaften und Gekuschel! Im übertragenen Sinne natürlich. Vordergründig gibt es ja auch noch einen Endkampf. Oder so. An sich könnte man die Schurken auch fast durch B-Klasse-Helden ersetzen und es würde sich an der Stimmung kaum etwas ändern. Schade. Auch der Joker kommt, und das ist ob des Marketings im Vorfeld dubios – deutlich zu kurz.

 

„Gibt’s denn auch gute Punkte?“

Aber sicher! Es beginnt sogar vielversprechend mit comicesker Bildsprache und auch die Figureneinführung ist – obgleich mancherorts ob ihrer Längen bemängelt – recht interessant. Gleich einem Mosaik fügen sich die Szenen zu einem Bild zusammen, das zwar konfus daher kommt, doch genau damit auch den Charakter des Suicide Squads unterstreicht. Es macht Spaß, da zuzusehen. Wo die Bilder und Story nur bis zu einem gewissen Maß zu begeistern wissen, schafft dies die Musik bis zum Ende des Films und lässt an Kick-Ass erinnern, der eine ähnlich energische Playlist aufzuweisen hat. Leider können die Bilder da nicht mithalten. Den Soundtrack würde ich mir daher eher zulegen als die DVD zum Film selbst.

Als Figur finde ich primär Harley Quinn trotz aller Kritiken ziemlich gut getroffen. Ihre Vergangenheit wird angerissen, es bleibt Spielraum für eigene Interpretationen. Ihre nur nach außen hin scheinende, selbstbestimmte Sexualität wird ebenso sichtbar wie ihr zerbrechliches Inneres, das sie hinter einer grinsenden Maske aus Sprüchen versteckt. Margot Robbie spielt diese Rolle meiner Meinung unheimlich gut und treffend. Ihrem Spiel sehe ich gerne zu, sie als Harley ist darüber hinaus auch eine der wenigen echten Glanzpunkte des Filmes.

Fazit

Ja. Nett. War ok. Aber er bleibt deutlich hinter den Erwartungen zurück und wird auch dem Thema nicht wirklich gerecht. Nichtsdestotrotz machen einzelne Szenen durchaus Spaß und der Beginn kann sich auch sehen lassen. Es gibt deutlich schlechtere Filme und es ist seitens DC immerhin ein Schritt in die richtige Richtung. Dennoch: Unterm Strich finde ich ihn enttäuschend, zu wenig irre und fies angesichts meiner Erwartungen.

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