Geeks #takeaknee

Was haben die Hashtags #takeaknee und #boycottNFL mit Geeks zu tun? Worum geht’s überhaupt? Das, meine freundlichen Leser aus der Nachbarschaft, kann ich euch hier gerne näher erzählen.

Die Vorgeschichte

Es war einmal – genauer gesagt im August 2016 – der damalige Quarterback der San Francisco 49ers, Colin Kaepernick. Der war bei dem Testspiel seiner Mannschaft während der Hymne einfach sitzen geblieben. Das ist in etwa so, als würde bei einem Fußballspiel hierzulande jemand nicht die Nationalhymne singen – eigentlich also kaum der Rede wert. Manche beschweren sich vielleicht darüber, dass ein Özil nicht mitträllert, ein nationaler Shitstorm ist jedoch nicht zu erwarten.  Kaepernick jedoch – mittlerweile arbeitslos – diente das Sitzenbleiben und später auch hashtaggebende Hinknien dem stillen Protest gegen Polizeigewalt, Ungleichheit und Rassismus. Dass sein Hinknien weite Wellen ziehen würde, liegt seinem Statement zugrunde:

„I am not going to stand up to show pride in a flag for a country that oppresses black people and people of color, to me, this is bigger than football and it would be selfish on my part to look the other way. There are bodies in the street and people getting paid leave and getting away with murder.“ [NFL.com]

Diese Äußerung erhielt einige Unterstützer. Weitere – vornehmlich schwarze – NFL-Spieler folgten dem Protest. Zunächst Kollege Eric Reid, der sich neben Kaepernick kniete, dann weitere, gehäuft in den kommenden Wochen. Auch Stars bspw. aus der Musikszene zeigten ihre Unterstützung auf der Bühne. Prominente wie George Clooney reagierten mit Sympathien. Der stille Protest bekam immer mehr Scheinwerferlicht. Dem gegenüber stehen die Kritiker, allen voran nun amtierender Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump:

„That’s a total disrespect of our heritage. That’s a total disrespect for everything we stand for.“ [edition.cnn] Get that son of a bitch off the field right now, he’s fired. He’s fired!“ [Video]

Die NFL ist den US-Amerikanern heilig wie den Münchnern das Oktoberfest. Es hat alles nach festen Regeln zu laufen und, bitteschön, sei die Standhaftigkeit während der Hymne auch ein Zeichen des Respekts gegenüber Land und Veteranen. Wer sich dem Stehen aktiv widersetzt, zeige mangelnden Respekt bis Hohn. Vor wenigen Wochen hat die neue NFL-Liga begonnen. Spieler vieler Teams standen oder knieten mit eingehakten Armen auf dem Feld – oder blieben der Hymne gar ganz fern. Auch das Netz reagierte standesgemäß mit einem Hashtag, unter dem man Ablehnung oder Zuneigung zeigt: #takeaknee oder #boycottNFL. Die Liga ist politisch geworden – und das schmeckt längst nicht jedem. Die NFL scheint Umfragen zufolge so unbeliebt wie nie zuvor.

Auf Rassismus und Ungleichheit aufmerksam machen: Eine wie ich finde gute Sache. Es ist ein stiller Protest, der sich nicht gegen die Flagge und noch weniger gegen Kriegsveteranen richtet, sondern Rassismus anprangert. Trump selber befeuert die Debatte immer wieder mit hitzigen Äußerungen. Ein Thema scheinbar, das die Nation spaltet.

Und was haben Geeks damit zu tun?

Vom 22.-24.09. fand die Baltimore Comic Con statt. Angereist sind selbstverständlich auch einige Cosplayer. Menschen unterschiedlichster Coleur, die sich oftmals sehr fotoaffin zeigen und ein schönes visuelles Statement abgeben könnten. Das dachte sich zumindest Cosplayer Harry C., der ein Foto initiierte, auf dem genau dieser stille Protest aus der NFL samt erhobener Faust der Black Power Bewegung zu sehen ist.

Vom Sport ab ins Nerdtum: Unterstützenswert und kraftvoller vielleicht als die schlichte Nutzung eines Hashtags. Auf Popcultureuncovered.com erklärt Harry C. seine Motivation wie folgt (wobei der gesamte Artikel weitaus mehr abdeckt und lesenswert ist):

For those that have completely missed the point of why we are protesting is because many of us, and not just minorities, are sick and tired of the same narrative each and every time a person of color is detained by cops, especially when we are unarmed and compliant, some how we die at their hands, a media circus ensues, the family is bought out for millions and the cops walk, and sometimes even keep their jobs. We are tired of having a criminal justice system that imprisons people of color at disproportionately high rates for the same crimes of their white counterparts and for longer periods of time. To put it simply, we are tired of still being treated by second class citizens after being here for 400+ years. [Quelle])

Ich persönlich unterstütze solche Proteste und das Erheben der Stimme gerne. Man tut niemandem damit weh – außer vielleicht den Weißen, die da gemütlich in ihren Fanstühlen sitze und sich über Dinge mokieren, die an sich irrelevant sind. Knien, sitzen, stehen – der Spieler sollte frei sein. Ist er scheinbar nicht. Und das allein ist schon traurig genug.

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