#wirschreibenDemokratie

Zu sagen, Politik und Fremdenfeindlichkeit gehöre nicht zu den Themen des Geektums, hat Star Trek nie gesehen, den Witcher nie verstanden und Herr der Ringe nie gelesen.

Phantastik ist nicht nur Unterhaltung und Realitätsflucht; sie kann ein Spiegel sein, der uns vorgehalten wird, zum Nachdenken anregen soll, Sprachrohr ist für die Ungehörten. Ablehnung einer Rasse gegenüber, Furcht vor dem Unbekannten, Völkermorde, Diskriminierung, Hass. Es gehört zu vielen phantastischen Welten, erscheint dabei fern – und ist der Realität doch näher als man denkt.

Das Nornennetz – ein Netzwerk für Phantastik -Autorinnen – nimmt den Ausgang der diesjährigen Wahlen zum Anlass, die Stimme zu erheben.


Schweigen kann eine stille Zustimmung sein. Dabei sind wir sonst so laut: Schreien auf, wenn uns die Neuinterpretation eines uralten Franchises nicht in den Kram passt. Krähen es in die Welt hinaus, wenn eine Figur in der Verfilmung anders aussieht als wir es uns vorgestellt haben. Empören uns, wenn ein Trailer zu viel zeigt. Oder wahlweise zu wenig. Die Zeit, laut zu werden, ist jedoch jetzt. Der Ort ist nicht das Fiktionale. Sondern die Realität.

Nach der Wahl ist vor der Wahl

Die AfD: Eine Partei, die sich offen rassistisch und homophob äußert, für die Gleichberechtigung ein Fremdwort ist und selbst deren Wahlprogramm vor Stimmungsmache nur so strotzt. Dürfen wir es schweigend hinnehmen, dass sie von aufgerundet 13% der deutschen Bevölkerung gewählt wurde? Oder sollten nicht gerade wir, die wir gemütlich an den Tastaturen sitzen, unsere Stimmen erheben? Gesicht zeigen? Denjenigen, die nicht dem „deutschen Idealbild“ entsprechen, zeigen, dass sie nicht alleine sind.

„(…) wofür ich plädiere ist ein allgemein bewusster Umgang mit der Materie. Wir schreiben eben nicht nur für den weißen [heterosexuellen] Menschen [oder Mann] und wir sind auch nicht in der Pflicht diskriminierende Klischees immer und immer wieder aufzuarbeiten.“ Das schrieb ich im Februar in dem Artikel „Rassismus: Der stille Antagonist“ und stehe auch hier und jetzt dahinter. Gerade wir als Schreibende können – auch dezent durch die Blume – zum Nachdenken anregen. Wir können thematisieren, in den Dialog treten und ja, auch aufklären.

Die AfD gehört zur Demokratie. Aber gehören ihre Ansichten zu uns? Wollen wir, dass sie ihre diskriminierenden, rassistischen Ideologien verstärkt, zu „uns“ wird? Ich will nicht, dass die AfD – und alles, wofür sie steht – zu „mir“ gehört. Meine Stimme allein ist vielleicht klein. Aber sie kann anstoßen und aus einem „Ich“ ein „Wir“ machen.

Reden wir. Diskutieren wir. Es gibt hier kein „zu früh“. Aber es könnte ein „Es war zu spät“ werden.

Headerbild: Nornennetz

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3 Gedanken zu “#wirschreibenDemokratie”

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