[Lesetipp] Blogroman: Heimsuchung

Jule habe ich vor etwa 15 Jahren kennengelernt. Damals hat sie, unter anderem auch mit mir, in einem Rollenspielchat gespielt. Die Spiele waren in den allermeisten Fällen rein textbasiert, obwohl sie auf dem P&P Das Schwarze Auge wurzeln. Keine Würfel, nur das geschriebene Wort im Wechsel mit den anderen Mitspielern. Jules Texte waren immer länger, ausführlicher als die der anderen. Ihre Figuren weder strahlenden Helden, noch pseudodunkle Gestalten – sondern echte Persönlichkeiten. Das unscheinbare Mädchen von nebenan etwa, Lailah, an die ich mich noch immer gerne erinnere und die mir mehr im Gedächtnis geblieben ist als all die „krassen Typen“, die von den anderen gespielt wurden.

Jule schreibt noch immer. Sie möchte Autorin werden. Auf ihrem Blog nennt sie sich „Möchtegernautorin“ – und ist ihrem Ziel doch mit ihrem neusten Projekt näher als vermutlich jemals zuvor.

Ein Jahr lang saß sie an ihrem Blogroman „Heimsuchung„, den ich bereits betalesen durfte und ich hiermit sehr gerne weiterempfehle. Er stellt die angehende Meuchlerin Sananka in den Mittelpunkt. Vier von 19 Kapiteln sind bereits online, die restlichen werden jeweils mittwochs bis Ende dieses Jahres veröffentlicht. Die Kapitelliste befindet sich hier.

[Klappentext] Als Sananka den Auftrag für ihre Feuerprobe als Meuchlerin erhält, wähnt sie sich bereits am Ziel ihrer Bemühungen. Doch ein grausamer Todesfall im Sanatorium rüttelt nicht nur bei ihr Erinnerungen wach. Ihr alter Freund Kyle sieht sich als Gardeschüler nicht nur mit der Aufklärung sich häufenden Gewaltausbrüchen in der Stadt konfrontiert, sondern auch mit der gemeinsamen Vergangenheit. Unweigerlich stößt er bei den Ermittlungen auf Sananka, aber die schmiedet bereits ihre eigenen Pläne.

Hier darf sie nun selbst zu Wort kommen. Vielleicht liebäugelt ihr ja auch selber mit dem Schreiben eines Blogromans und habt ein paar Fragen dazu? 🙂

 

 

 

Wie kamst du auf die Idee, einen Blogroman zu schreiben?

Einerseits kam die Idee sehr spontan, andererseits aber auch nicht. Es hat mich schon eine ganze Zeit in den Fingern gejuckt, mit dieser Hauptfigur endlich mal etwas zu schreiben. Leider waren meine Ideen für Kurzgeschichten zu lang und für einen richtigen Roman zu kurz.

Der Anlass das trotzdem im Angriff zu nehmen kam letztlich sehr spontan durch den Tintenzirkel. Dort im Forum fand ich eine Anfrage zu Blogromanprojekten und da ich einerseits gerade mit der Überarbeitung eines anderen Projektes durch war und etwas schreiben wollte und andererseits ein Fan von freien Inhalten und Aktionen bin, habe ich mich angeschlossen.

Wie war die Arbeit daran bzw. wie bist du vorgegangen?

Die Arbeit an meinem Blogroman war im Grunde wenig anders, als die an jedem anderen Roman. Auch wenn ich die Story bereits im Hinterkopf hatte, wollte ich doch etwas machen, dass zumindest von einer gewissen Qualität zeugt. Drauflos schreiben war also keine Option. Stattdessen bin ich vorgegangen, wie ich es beim Schreiben immer tue: Geschichte konzipieren, komplett schreiben und Rückmeldung einholen, überarbeiten, Testleser organisiert und nochmal überarbeitet, damit das Ganze in einem vertretbaren Zustand ist. Ich will potentielle Leser schließlich nicht gleich mit unausgegorenen Plots und sich widersprechenden Zusammenhängen vergraulen. 😉

Grundlegend musste ich aber darauf achten, dass die Kapitel nicht zu langweilig werden. Schließlich muss der Leser auf das nächste Kapitel warten und wenn es nicht genug Anreiz gibt, genügend Fragen oder Spannung, stehen die Chancen schlecht, dass weitergelesen wird – ähnlich, wie bei jeder Fernsehserie.

Wer ist deine Hauptfigur?

Die Hauptfigur ist Sananka, einer meiner Lieblingscharaktere. Im Blogroman ist sie gerade sechzehn und angehende Meuchlerin. Sie ist stur, hat meistens keine besonders freundliche Art und noch dazu ein großes Mundwerk. Alles in allem ist sie keine von den überaus sympathischen Protagonistinnen aber dafür sicherlich eine interessante.

Wie entstand die inhaltliche Idee?

Die Story ist im Grunde Sanankas Vorgeschichte.

Der Charakter entstand im Zuge der Planung zu der Idee einer ganzen Romanreihe und war eigentlich nur als Nebenfigur gedacht. Allerdings gab es da zwei Probleme: 1. ich liebe Charaktere mit Knacks und 2. gingen zu dem Zeitpunkt von Sanankas Entstehung gerade diverse Fälle von Kindesmisshandlung und Missbrauchsfälle durch die Medien. Als damals frischgebackene Mutter ging mir das sehr nahe und Sananka war die ideale Methode, sich damit auseinanderzusetzen.

Aber da ich ja Fantasy schreibe, habe ich diese Grundidee natürlich auch noch durch meinen Hang zu düsteren Erzählung weiterentwickelt. Daraus wurde letztlich die Geschichte eines Mädchens, dass versucht, sich selbst zu behaupten.

Wie genau läuft so ein Blogroman ab?

Darüber gab es im Tintenzirkel viel Diskussion. 😉 Die Basis ist in jedem Fall die regelmäßige Veröffentlichung einzelner Kapitel zu einer damit anwachsenden Geschichte. Der Vorteil am Medium Blog ist allerdings: Man hat viele Freiheiten. In einem Blog kann man zum Beispiel zusätzliche Inhalte und Aktionen einbinden, die mit einem gewöhnlichen Buch nicht möglich wären. Das kann von Charakterinterviews über Bilder bis hin zu dem aktiven Mitwirken der Leser reichen.

Da Musik bei meinen Ideen immer eine große Rolle spielt, habe ich mich dafür entschieden, die Lieder einzubinden, die bei mir für die nötige Inspiration sorgten.

Was war deine liebste Szene, wann wird sie kommen?

Da muss ich gar nicht lange überlegen. Am liebsten mag ich Kapitel 13 mit dem schönen Titel „Geteilter Hass“. Ich liebe emotional aufreibende Szenen, schreibend wie lesend 😉

Ich danke Jule für die Antworten und natürlich für den Blogroman an sich!

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