Der Ultimative Gamescom-Guide

Nicht mehr lange und die Gamescom wird wieder ihre Tore öffnen, um vor Aufregung sabbernde und schwitzende Besucherströme in ihre heiligen Hallen zu lassen. Lange Wartezeiten stehen bevor, um Trailer sehen zu können, die es entweder bereits auf Youtube gibt oder dort in baldiger Baldesbälde auftauchen werden – ihr kennt das Prinzip.

Um euch ein wenig durch den Gamescom-Dschungel zu helfen, habe ich euch drei kleine Guides zusammengestellt.

Für Besucher

Trinke ausreichend Wasser. Es wird heiß. Ansonsten mach den wichtigen Leuten der Messe Platz, bete sie an und lass sie sich wie Stars fühlen. Wer die wichtigen Leute sind? Na die Stars der Szene: Youtuber, Streamer und Blogger. Und jetzt geht aus dem Weg, ich muss einen Guide für eben jene schreiben!

Für „Journalisten“

Das Presseticket ist mehr als nur eine Eintrittskarte! Es ist eine Auszeichnung, eine Trophäe, die ganz ohne das Erlegen eines majestätischen Tieres auskommt! Trage sie mit Stolz. Immer. Morgens, mittags, abends, aber vor allen Dingen nach der Messe im Restaurant und auf den Parties. Jeder soll sie sehen können, um vor Neid zu erblassen. Trage daher schwarze, unauffällige Kleidung – das Ticket soll hervor stechen! Poste Selfies mit dir und dem Presseticket Wochen vor der Messe. Du und das Ticket vor dem PC. Du und das Ticket beim gemeinsamen Bad mit Kerzenschein. Du und dein Ticket in inniger Umarmung vor den Niagarafällen. Wenn du am Eingang an der Schlange des Pöbels vorbei flanierst, lächle und winke, zeige unaufgefordert auf dein Ticket und rufe: „Ich habe ein Presseticket! Ich darf den Mastereingang nutzen! Ein Pre-sse-ticket! Bitches!“

Da du kein ordinärer Messebesucher bist, hast du Zugang zu Pressekonferenzen, geheimen Events und dem Fachbesucherbereich. Das ist der Kern deines Besuchs! Berichte über die geile Party, den kühlen Backstagebereich und die coolen Goodies. Poste mindestens halbstündlich ein neues Selfie auf Facebook und Instagram und schreibe ausführliche Berichte über deinen privilegierten Messebesuch.

Halte dich, auch wenn du keine Termine hast, möglichst häufig im Fachbesucherbereich auf. Beachte: Sieh wichtig und geschäftig dabei aus! Auch wenn du dich gerade langweilst weil für dich einfach nichts zu tun ist: Steh mitten im Weg und tippe „wichtige Dinge“ in dein Handy oder schüttle, während du auf deine Uhr siehst, schwer seufzend den Kopf und murmle immer mal wieder Unverständliches vor dich hin. Du hast hier eine Mission und das soll jeder sehen!

Dein großer Auftritt kommt freilich dann, wenn dich jemand zufällig länger als 1,5 Sekunden mustert. Er hat dich und/oder deine wahre Größe erkannt! Gehe zu ihm und reiche ihm feierlich deine selbst ausgedruckte Visitenkarte. Erzähle, wie viele Besucher dein Blog oder wie viele Abonnenten dein Kanal hat und wie unglaublich wichtig dein Tun doch für die Branche ist. Es heißt schließlich nicht „Celebrate the games!“ sondern „Celebrate me! Me, yes me!“.

„Games“. Ach ja. Es geht ja eigentlich um die Spiele. Egal: Du hast ein fucking Presseticket!

Für Journalisten

Sex sells. Neben deinen Berichten über die neusten und weniger neuen Spiele der Messe ist es also deine Pflicht, mindestens einen Artikel über die im wahrsten Sinn des Wortes geilsten Cosplays zu schreiben. Als Header eignet sich hierfür einzig und allein ein Bild der Dame mit der besten Oberweite. Die Formel lautet wie folgt: Körbchengröße + Ausschnitt in cm² = Headertauglichkeitsfaktor.

Die berichtenswerten Spiele werden nicht einfach nur vorgestellt, sondern medienwirksam in Szene gesetzt. Stimme dich auf Superlative ein! „Das beste Rollenspiel der Messe!“ ist da nur die langweiligste aller möglichen Formulierungen. Wichtig: Seriöse Berichterstattung war gestern. Spiele sind nur der Mittel zum Zweck und dieser lautet: Klicks! Um dich selber auf den Wahnsinn vorzubereiten, trage alles an Gaming-Merchandise was geht! Shirts, Schlüsselanhänger, Käppis! Deine Uniform lautet „Fanboy“. Um dieser gerecht zu werden, kreische bei Presseaufführungen unkontrolliert Dinge wie „Der Hammer!“ oder „Läuft bei euch!“.

Da du trotzdem ein ernst zu nehmender Journalist bist, hast du natürlich auch Visitenkarten dabei – bringe die unter das Volk! Immer, überall. Gerade die Toiletten sind da ein beliebter Ort, die Gäste dort sehr entspannt und stets bereit, auch die unleserlichsten Visitenkarten zu beäugen. Merke: Grenze dich von dem „Journalisten“ ab. Du stehst in der Hackordnung über ihm! Du brauchst dem Gegenüber gar nicht erst zu erzählen, was du machst – dein Auftreten ist selbsterklärend und der Name des populären Magazins steht dir auf der Brust geschrieben. Als ans Shirt gepinnter Tag gleich über dem Witcher-Fanshirt.

 

Ob „Journalist“ oder Journalist: Genieße die Gamescom im immerwährendem Wissen darüber, etwas Besseres zu sein. Viel Spaß!

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