Meine Erfahrungen als Gamerin

Gestern stolperte ich ahnungslos über einen Artikel bei einem Gaming-Onlinemagazin: „Willkommen im Leben eines weiblichen Spielers und Redakteurs„. Der Inhalt ist nicht verkehrt, beschreibt die Autorin Emily Schuhmann doch schlichtweg ihre eigenen Erfahrungen, die sie innerhalb der Gamingwelt gemacht hat. Grob gesagt fühlt sie sich als etikettiertes Einhorn in der Community, sowohl ausgegrenzt, als auch bewundert und für verrückt erklärt. Darauf aufbauend möchte ich nun meine eigenen Erfahrungen teilen, die sich doch von den ihren unterscheiden. Warum? Weil ich damit allen Sexismus und jedes Ungleichgewicht für nonexistent erklären möchte? Nein. Den gibt es, auch in dieser, unserer, Branche. Sondern um aufzuzeigen, dass es sehr wohl Fortschritte gibt und nicht alles immer vorsintflutlich ist. Wir schreiben das Jahr 2017 und es fühlt sich für mich normal an, eine Gamerin zu sein. 

Auf Presseevents kein funkelndes Einhorn

Seit ich heimlich mit dem Gameboy meines großen Bruders gespielt habe, spiele ich Videospiele. Damals war ich 5. Bei meinem ersten P&P-Rollenspiel – Star Wars – war ich ~10. Wieder war mein Bruder Schuld: Ich spielte einen Wookie in seiner Abenteuergruppe. Die Faszination, selber in eine Geschichte eingreifen zu können, sie mitzugestalten und Abenteuer aus eigener Hand zu “erleben” hatte mich sofort im Griff. Ich spielte damals und spiele noch heute: Blutiger, actionreicher, brutaler als damals. Was sich nicht geändert hat, ist mein Geschlecht. Ich bin eine Frau. Mittlerweile spiele ich nicht nur, ich schreibe auch über Spiele. Manchmal für mich und diesen Blog, manchmal für andere. Für Presseevents wurde ich ein paar Mal quer durch Deutschland geschickt, um Hard- und Software zu testen, anzusehen, darüber zu berichten.

Auf solchen Events habe ich bislang noch keine Ausgrenzung erfahren. Ich wurde ganz natürlich einbezogen und mit mir wurde auf Augenhöhe diskutiert. Meistens war ich zwar nicht die einzige Frau, aber eine unter nur wenigen. Natürlich – ich wurde ab und zu an die Hand genommen. Man bot mir stets freundlich an, mir das Handling zu zeigen oder dieses oder jenes zu erklären. Das könnte ich nun negativ werten, allerdings gebot mir ein rascher Blick nach links und rechts Einhalt: Auch meinen männlichen Kollegen wurde Hilfe angeboten. Diese anzunehmen ist dann keine Frage des Geschlechts, sondern des individuellen Skills. Auch ich beherrsche nicht sofort jedes neue Spiel perfekt. Und ich habe auch noch keinen Mann getroffen, auf den das zugetroffen hätte.

Mein Weg durch virtuelle Gefilde

Ja, auch ich wurde in Online-Spielen bereits diffamiert und beleidigt. Das allerdings unabhängig von dem Geschlecht meiner Spielfigur oder gar meiner selbst. Erstaunlicherweise (?) unterscheidet sich die Art, wie ich in Spielen angesprochen werde nämlich nicht. Egal ob ich mit männlichem oder weiblichem Avatar unterwegs bin, die Gründe für etwaige Beleidigungen liegen nicht am Geschlecht, sondern an meiner Spielweise. Böse Worte erhalte ich beispielsweise, wenn ich besonders gut spiele und sich der Gegner dadurch erniedrigt oder hintergangen fühlt (sprich: Wenn der Spieler durch mich unfassbar frustriert ist), wenn ich Mobs „blockiere“ oder auch, wenn ich besonders schlecht spiele und ein Spiel dadurch versaue. Denn, ja: Auch Gamerinnen können mal beschissen spielen, einen schlechten Tag haben. Surprise.

Habe ich ein besonders dickes Fell, dass mir Beleidigungen vielleicht schlicht am Allerwertesten vorbeigehen? Hatte ich bisher einfach nur Glück? Oder sehen manche Frauen Angriffe auf ihr Frausein dort, wo eigentlich keines stattfindet? Ist es Hass auf ihr Geschlecht oder auf sie als Gegner? An dieser Stelle möchte ich explizit nochmal darauf hinweisen, dass Sexismus auch im Gamingbereich sehr wohl existiert. Frauen werden aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt, beleidigt und ausgegrenzt. Doch nicht immer, nicht überall. In der Vergangenheit hatte ich auch schon einige Male auf Sexismus im Geekdom aufmerksam gemacht – sowohl der gegen Frauen, als auch gegen Männer.

Rücken an Rücken mit Patrick vom Blog: www.omgwtfbbq1337.de

Im Nachhinein finde ich es erstaunlich, dass ich als ein, zwei, sogar drei Jahre jüngere Teenagern unter den männlichen Gamern ernst genommen worden bin. In dem Alter ist das nicht unbedingt selbstverständlich. Wenig Berührungsängste hatte ich daher mit dem Internet und LAN-Parties. LANs war mein Battlefield. Ich hatte nie verheimlicht, dass ich ein Mädchen bin, warum auch. Es kam vor, dass sich ein männlicher Mitspieler mehr über einen ihn beleidigenden Gamer ausgelassen hat, als ich mich über meine Tode echauffiert habe.  Ich war nie die angebetete Königin im Raum oder der Gruppe. Ich war eine Spielerin, die mal gut und mal schlecht gespielt hat. Spaß hatte ich fast immer. Und wenn nicht, dann lag es in den seltensten Fällen an meinen Mitspielern. Ich wollte als Spieler ernst genommen werden und habe das, denke ich, auch immer so ausgestrahlt.

Des Glanzes Schatten

Dann kam meine WoW-Ära und auch dort war ich aus meiner Sicht einfach Teil des Spiels und später Teil der Gilde. Natürlich kam es vor, dass sich jemand in mich verguckt hatte. Das und Annäherungsversuche kommen im besten Hobby vor. Versuch dich mal als halbwegs gutaussehender Mann in einem Nähkurs voller weiblicher Singles unsichtbar zu machen. Klappt nicht. Und das ist auch okay so – wenn es nicht zu Übergriffen kommt.

Ich bin kein Mauerblümchen. Ich bin zwar keine klassische Schönheit, aber auch längst nicht hässlich. Je nachdem wie ich an dem Tag angezogen bin falle ich in Gamingkreisen durchaus auf. Die dummen Kommentare? Sie kommen von Frauen.

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