Lieblings-Archetypen

Arche- und letztlich auch Stereotypen begegnen einem überall: Ob im Film, der eigenen Rollenspielrunde oder auch beim freundlichen Bäcker aus der Nachbarschaft. Natürlich sind gerade Stereotypen verpönt: Sie seien zu eindimensional, bedienen sich stumpfer Klischees und verbreiten ein farbloses Abbild der Wirklichkeit, das manche fälschlicherweise für bare Münze nehmen.

Das ist eigentlich schade, denn gerade mit Stereotypen kann man oftmals humoristisch arbeiten und sich als Leser oder Zuschauer an ihnen entlang hangeln, ohne zuvor seitenweise die Hintergrundgeschichte der jeweiligen Figur durchgelesen haben zu müssen. Speziell bei Nebenfiguren bin ich dankbar wenn mal wieder ein Stereotyp auftaucht. Auch beim Rollenspiel bediene ich mich zumindest der Archetypen, also diverser Grundformen, denen ich durch spezielle Eigenheiten natürlich noch den letzten Schliff und Tiefe verleihe, damit er oder sie eben nicht als bloßer Abklatsch eines Klischees verkommt.

Ich schätze, dass fast jeder so seine Lieblinge hat. Nicht einzelne Personen, sondern ganze Personengruppen. Der eine steht auf strahlende Helden, die er jedes Mal aufs Neue sympathisch findet, die andere kann sich einen Fantasyfilm ohne einen geschniegelten Elfen kaum mehr vorstellen. Ich zumindest habe Archetypen, bei denen ich jedes Mal aufs Neue wohlig aufseufzen muss oder die mich immer wieder schmunzeln lassen. Bei denen ich mir beim Ansehen eines bislang unbekannten Filmes denke: „Hurra! Wieder einer der Sorte!“ Meine vier völlig irrationalen und subjektiven Lieblinge möchte ich euch nun vorstellen und hoffe natürlich auf Nennung der euren!

Dass ich insbesondere Bilder von Disneyfiguren gefunden habe liegt vermutlich daran, dass es Disney verdammt nochmal versteht, mit Klischees zu spielen! Und es, nunja, Kinderfilme sind. da „darf man das“.

Die liebenswert verrückte Omi 

Willst du nicht für immer bleiben?“ Der, ich glaube, letzte Satz der Großmutter Mulans innerhalb des Filmes steht recht exemplarisch für diesen Typus: resolut, um keine Frage oder Antwort verlegen und das Herz am rechten Fleck. Stets etwas tatterig auf den dürren Beinchen, die Lippen zu einem jugendlichen Grinsen verzogen, vermag es „die liebenswert verrückte Omi“, mein Herz definitiv zu erweichen. Ein wenig Vergesslichkeitswürze hier und eine brüchige Stimme dort und es ist perfekt.

Als ich DSA geleitet habe, war eine alte Frau einer meiner NPCs und sie kam, Rückmeldungen zufolge, sehr gut an: sie verstand akustisch vieles falsch, schweifte oftmals in die Vergangenheit ab obwohl die Helden eigentlich nach Informationen der Gegenwart forschten und ab und zu schlief sie auch mitten im Satz ein. Das ist natürlich ein Extremfall, den ich jedoch sehr gerne mag. Leider eignet er sich kaum als eigener Heldentyp, wenn das Abenteuer nicht gerade während eines Kaffeekränzchens spielen soll.

Typische Zitate:

„Jaja… *imSchaukelstuhlwipp* Damals… als die Recken noch mit bloßen Händen die Drachen erschlagen konnten…“

„Pah! Jungspunde! Lasst das mal Oma XY machen! *ärmelhochkrempel*“

„Kindchen, nicht unter meinem Dach!“

Artverwandte Figuren: „Mulans Großmutter, „Küss den Frosch“ – Mama Odie

Der sanftmütige Bärtige

Ob Zwerg, Thorwaler oder Söldner: Gutmütige, biertrinkende Männer mit dem Herz am rechten Fleck haben es mir, rein platonisch, sehr angetan. Bei mir kommt da fast automatisch biergeschwängerte, freudige Lagerfeuerstimmung auf mit der Sicherheit, dass der Kerl ohnehin jeden Eindringling mit seiner mächtigen Axt von der Straße fegen würde. Ganz unabhängig davon, dass er ansonsten ein gutmütig brummender Bär ist.

Den Mix aus pfeiferauchender Gemütlichkeit, Feierlaune und Gefährlichkeit im Kampf finde ich sehr inspirierend und auch in Film und Buch einfach schön zu lesen. Ich freue mich immer, wenn so eine Person dann auftaucht und für ein paar warme Momente inmitten des Chaos‘ sorgt. Da verzeiht man auch die obligatorischerweise nicht ganz so immens vorhandenen Gehirnzellen. Der Bart ist übrigens zwingend notwendig. Natürlich.

Typisches Zitat:

„Hömma! Erst trinken wir in Ruhe das Bier aus und dann könnt ihr euch gegenseitig die Köpfe einschlagen!“

Artverwandte Figuren: Gimli, Hagrid, Mattis, „Ronja Räubertochters“ Vater

Der eitle Schnösel

Er vereint einige schlechte Eigenschaften in einer einzigen Person: Selbstverliebtheit, Arroganz, Selbstüberschätzung, meist Egoismus. Und dennoch: in seiner fiktiven Art finde ich solche Charaktere einfach klasse. Im realen Leben würde ich ihnen vermutlich quer über die Füße kotzen, doch finde ich sie in Filmen und Büchern einfach unglaublich kurzweilig. Zum Glück ist solch eine Figur, im Gegensatz zur Omi, auch noch rollenspieltauglich, weshalb ich auch einen mein Eigen nennen darf.

Der Blick in den Spiegel, das selbstbewusste durchs-Haar-Streichen, gekoppelt mit den irritiert-skeptischen Blicken der Umstehenden peppt meiner Meinung nach einfach vieles auf. Ohne Gaston würde die Schöne und das Biest nur halb so originell finden, unvergessen natürlich die Musicalszene. Der Humor ergibt sich aus der Diskrepanz zwischen der Außenwirkung und dem, wie sich der gute Mann oder wahlweise auch die gute Frau selber sieht. Herrlich btw. auch das „großartigste Pferd des Universums“ Sternschnuppe, das ich gerne zitiere und das mir ein paar meiner Kindheitsstunden versüßt hat.

Typische Zitate:

„Holdeste, wartet ersteinmal ab, bis Ihr mich kämpfen seht – es wird all‘ Eure Erwartungen übertreffen!“

„Wer ist schon Adonis? Hallo? *aufsichselberdeut* Das ist ein echter Kerl!“

„Es kann nicht jeder so absolut großartig sein wie ich…*nachsichtiglächel*“

Artverwandte Figuren: „Regina Regenbogens“ Sternschnuppe, Gaston aus „Die Schöne und das Biest“, Shreks „Prinz Charming“, Zapp Brennigan

Der verschlagene Antagonist


Fies grinsend schlängelt sich der verschlagene Antagonist in den Plot und strickt im Hintergrund seine bitterlichen Pläne. Stets darauf bedacht, den äußeren Schein zumindest bei der klassischerweise naiven Umgebung zu wahren, wird zumindest dem Zuschauer sehr schnell klar, mit wem man es zu tun hat. Kluge, gerissene Figuren mit Charakter sind es, die zwar Dank ihres oftmals herrschenden Größenwahnes sehr unsympathisch daherkommen, aber für viele Geschichten unverzichtbar sind.

Es macht unheimlich viel Spaß, ihnen beim Agieren und Intrigieren zuzusehen und die feinen, giftigen Fäden zu sehen, die sie spinnen! Herr Schlangenzunge und der ein oder andere Game of Thrones-Fiesling sind auch wunderbare Kandidaten für diesen Archetyp, der in seiner darstellung gerne mit giftgrünen Farben akzentuiert wird.

Typisches Zitat: „ja welch tragisches Schicksal deine Mutter doch ereilt hat. Wer hätte das denn auch erahnen können …?“

Artverwandte Figuren: Scar aus „König der Löwen“, Dschafar aus „Aladdin“,

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