Comic Con München – Eher Flop als Top

Sonntag, 10 Uhr. Während die German Comic Con München ihre Toren öffnet, sitzen Marcus und Guddy frohlockend in der U-Bahn. Wir erwarten Spannung, Spiel und Mukolade und das am besten eisgekühlt! Obwohl gerade ich im Vorfeld viel Negatives über den Veranstalter gehört habe, sind wir tatsächlich guter Dinge. Dank der vielbescholtenen Sicherheitsmaßnahmen würden wir ja nicht mal in Gefahr laufen, von Schaumstoffkatanas enthauptet zu werden! Was wir allerdings auch erwarten: Schwitzende Massen an Menschen und vollgestopfte Hallen. Als wir allerdings ankommen, werden wir von einem Rollbusch begrüßt.

Die Schlange ist so lang wie mein Geduldsfaden, also in etwa so kurz wie dieser Gedankenstrich: „-“ und gibt einen ersten Hinweis auf das, was da kommen mag. Denn natürlich: Wer das Datum der Convention ausgerechnet auf das RPC-Wochenende legt sollte sich über etwaigen Besucherschwund Richtung Köln nicht wundern. „Klein, aber oho“ trifft hier leider auch nicht zu. Zwar ist es angenehm, viel Platz für eventuelle Roundhousekicks zu haben, doch ist die geringe Besucherdichte sinnbildlich für das gähnende Entertainment. Natürlich wissen wir davon noch nichts, als wir durch die kühle Eingangshalle flanieren, an Cosplayern vorbei, die sich nun vornehmlich um den EMP-Stand tummeln um sich eine der kostenlosen Umhängetaschen abzustauben. Kümmerlich winken, aus der Ferne klein und verloren wirkend, ein paar nachgebaute Filmsets und der DeLorean. „Da gehen wir später hin“, sagen wir uns uns und gelangen in die erste eigentliche Halle.

Sofort werden wir magisch von den Konsolen angezogen, die ihr staubiges Dasein auf Tapeziertischen frönen. Kurz geben wir uns einem virtuellen Ehekrach hin und ziehen nach liebevoller Prügelei erfrischt weiter. Merchandise. Merchandise, wohin das Auge blickt. Auf hartem kalten Boden, eingebettet in eine viel zu große Halle, die für diese Veranstaltung wie der Schuh des Vaters wirkt, in den der zweijährige Sohn geschlüpft ist. Irgendwo in all dem Wust aus Standard-Geekshirts und bunten Plüschtieren müssen sie doch sein! Die Künstler, Comics, interessanten Diskussionen wer denn nun den beste Batman war oder warum die Superhelden von damals ihre Unterhosen außen trugen. Während ich am Rande ein Gespräch über Hautausschlag höre und es zu verdrängen versuche, stolpern wir doch noch über eine kleine Tischreihe. Dort sitzen Schaffende wie Soniu Peng und Rem Broo, die ihre Zeichnungen dar- und feilbieten. Interessante Zeichnungen, fürwahr,. und wir lassen uns in ein paar Gespräche verwickeln.

Mit Sebastian Luca etwa tauschen wir uns über Boobies und muskulöse nackte Männerkörper aus. Die auf seinen Zeichnungen versteht sich. Diese sind unheimlich hübsch anzusehen, beschränken sich aber fast nur auf die weibliche Schönheit. Gut, wer kann es ihm schon verübeln? Bevor wir weiterziehen, verliebe ich mich in ein Regina Regenbogen-Portemonnaie und muss es dann doch zurücklassen. Noch immer bitterlich der halb durchsichtigen Geldbörse nachweinend stehen wir dann auch schon in der 2,5ten Halle vor den Schauspielern, die, auf Autogrammwünsche wartend, auf unbequem wirkenden Stühlen ausharren. Manche von ihnen drehen Däumchen, eine gähnt verstohlen, die nächste immerhin lächelt ihren Fan an, der die rund 25€ für ihre Unterschrift ausgeben möchte. Ein Run ist dort nicht auszumachen. Ich frage mich, ob sie zwischendurch wenigstens Hearthstone spielen dürfen.

Insgesamt schlendern wir vielleicht eine Stunde lang durch die beiden Hallen, die trotz der Stände lieblos wirken, kalt wie der graue Boden. Dann haben wir auch schon alles gesehen, mit jeder Requisite ein Foto gemacht. Für die 20-25 Euro, die ein Tagesticket kostet, erwarte ich mehr als das, was man geboten bekommt. Mehr als eine kleine Handvoll immerhin sehr coole Requisiten, mit denen man posieren kann, mehr als 7 Workshops und Panel am Tag. Die Specialtickets, für die man zwischen 150 und 300€ hinblättern muss, scheinen mir wie Abzocke. Wow. Man bekommt einen Early Bird Einlass – wo man die komplette Con ohnehin innerhalb von einer Stunde begangen hat. Wow. Man erhält einen VIP Fast Pass. Wo es ohnehin keine nennenswerten Schlangen gibt und die Fotoshootings ohnehin nur zwischen 5 und 10 Minuten dauern. Pro Star. Nicht pro Besucher. Die Gutscheine für Autogramm und/oder Photoshoot reisst es längst nicht raus.

Immerhin: Die Panels mit den Schauspielern aus bspw. The Walking Dead, Superman – Die Abenteuer von Lois & Clark, Game of Thrones sind unterhaltsam und informativ. Dumm nur, dass die Bühne inmitten der lauten Halle steht und die Lautsprecher nur auf die eher spärlichen Sitzplätze ausgerichtet sind. Hat man keinen dieser Plätze ergattert, hört man in die Röhre. Das ist, Verzeihung, dezent schlecht gelöst.

 

Ich kann nun noch minutiös auflisten, was wir sonst noch so getrieben haben. Aber ich mache es nun kurz: Es war eine lieblos wirkende Convention, deren Stargäste zwar motiviert und freundlich waren, die das kühle Ambiente jedoch nicht wirklich zu retten vermochten. Auch die Mitarbeiter wirkten freundlich und engagiert und die Hallen waren nett klimatisiert. Aber… naja. Natürlich kann man dort trotzdem seinen Spaß haben. Sich lustig mit Fans und Sternchen unterhalten, Lichtschwertkämpfen beiwohnen und Merchandise kaufen. Aber alles in allem war die Con für uns doch sehr enttäuschend. Ein wirklicher Lichtblick stellte Dean Cain alias Superman dar. Über ihn wird Marcus – spontan in ewiger Liebe für ihn entflammt – im Laufe der Woche noch einen eigenen Artikel schreiben.

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