5 romantische Fantasy-Romane, die auch das härteste Herz erweichen können

Ich persönlich bin eher die Frau für’s Grobe. Ich mag Splatter, interessiere mich für das Kriegswesen realer wie fiktiver Welten und wenn ich Herzblut innerhalb einer Geschichte will, meine ich das tatsächlich im wörtlichen Sinne.

Dennoch wage ich zuweilen einen Blick in romantischere Gefilde hinein. Dort, wo sich holde Maiden schmachtend in die Arme der barbusigen Helden schmiegen und jene mehr oder minder bemittelt irgendwelche ominösen Abenteuer bestreiten. Meistens ist mir das zu viel Klischee, zu viel Herzschmerz und zu viel Romantik. Das kann man mögen – muss man aber nicht. Im Laufe der Zeit habe ich zum Glück ein paar Titel gefunden, die zwar eine gehörige Prise Liebe beinhalten, aber dann doch noch auch mein kaltes Herz berühren können. Weil sie anders sind. Diese feine Liste möchte ich mit meinen Leidgenossen unter euch hier und jetzt teilen!

Lynn Raven – „Der Kuss des Kjer“

Heilerin Lijanas wird von Mordan, Kriegsherr der ebenso behaarten wie brutalen Kjer, entführt und denkt folgerichtig nur noch an die Flucht. Zumindest die ersten Tage und Wochen lang. Dann nämlich beginnt sie zu ahnen, dass unter dem harten Kern Mordans ein weicher, verletzlicher Kern steckt, der im scharfen Kontrast zu seinen Taten zu stehen scheint. Mehr und mehr fühlt sie sich zu ihm hingezogen und schafft es, tiefer zu blicken. Das klingt kitschig und erfüllt gleich mehrere, eigentlich altbackene Tropes – aber das tut der eigentlichen Qualität des Schreibhandwerks Lynn Ravens keinen Abbruch.

Raven schafft es, sich geschickt zwischen aufkeimender Liebesbande, schnurrendem Bestien-Klischee und dem tatsächlich noch vorhandenem Plot entlangzuhangeln und einen in die Geschichte hineinzusaugen. Die Beziehung zwischen den beiden Protagonisten wird nachvollziehbar aufgebaut und präsentiert sich fern eines jeden Stockholm-Syndroms. Zudem ist der tatsächliche Romantikanteil angenehm dezent. Gewürzt wird die Romanze durch zwei rivalisierende Völker, ein kriegerischer Zwist und einen Antagonisten, dessen menschliche Abgründe zur Abwechslung einmal mehr das Individuum, denn die ganze Welt betreffen.

William Goldman – „Die Brautprinzessin“

Ähnlich wie das nicht minder empfehlenswerte Erwachsenen-Märchen „Der Sternenwanderer“ von Neil Gaiman ist auch Goldmans Brautprinzessin den meisten eher durch die Verfilmung bekannt. Im Zentrum steht der Stalljunge Westley, der sich in die schöne Butterblume verliebt und auszieht, um ihr zu bestmöglichem Leben zu verhelfen. Zurück kommt er allerdings nicht, scheinbar dahingerafft von dem bitterlichen Piraten Roberts. Während Butterblume eines schnöden Tages anderweitig verheiratet werden soll, stürmt ein ominöser, schwarzgekleideter Scherge aufs Spielfeld – und der Kampf um die wahre Liebe kann beginnen.

Eingebettet in einen Plot, in dem ein Großvater seinem Enkel das eigentliche Märchen vorliest, zeigt sich Die Brautprinzessin unheimlich unterhaltsam. Mit Ironie gespickt, fühlt der Leser sowohl Herz, als auch Schmerz und fiebert richtiggehend mit. Es ist eine Geschichte voller überraschender Wendungen und einer Liebe, die so herrlich süß ist, dass man seine Wohnung spontan rosa streichen möchte. Und das im allerbesten Sinne. Selten habe ich so sehr über die „wahre Liebe“ fabuliert bekommen wie in dieser Geschichte, ohne davon Karies zu kriegen. Chapeau!

Lynn Flewelling – „Die Schattengilde“

Als der junge Jäger Alec zwar ungerechtfertigt, dafür jedoch umso vehementer in den Kerker geworfen wird, wähnt er sein Schicksal schon besiegelt. Zum Glück für ihn wird nur wenig später ein Gaukler zu ihm in die Zelle geworfen, der sich als letzte Rettung entpuppt. Doch nicht nur das: Er ist weitaus mehr als nur ein lispelnder Geck und selbst ihn nur Spion, Schurke oder Dieb zu nennen wäre der Beschreibung zu wenig. Dieser Mann vieler Gesichter nimmt Alec erst als Schützling, dann als Schüler und später auch als Liebhaber auf. Während sich um die beiden ein komplizierter politischer Sturm zusammenbraut, den es auch noch irgendwie abzuwehren gilt, natürlich

Die Romanze innerhalb dieser Reihe nimmt zwar zunächst nur einen kleinen Teil ein, dafür wird sie jedoch umso feinfühliger gewebt. Die Gefühle entwickeln sich langsam, authentisch. Obwohl für den größtenteils in den Wäldern aufgewachsenen Alec die Liebe zwischen zwei Männern Neuland ist, ist sie innerhalb der Gesellschaft doch als gleichwertige Beziehungs- und Erotikform akzeptiert. Das ist gerade zu der Zeit Ende der 90er, in der die Bücher geschrieben wurden, erfrischend.

Colette Moody – „The Sublime and Spirited Voyage of Original Sin“

Wer des Englischen mächtig ist und zu einem aufregenden Piratenabenteuer mit nur latent historischem Einschlag greifen möchte, dem sei dieses Werk von Colette Moody ans Herz gelegt. Hier schreiben wir das Jahr 1702 und Piratentochter Gayle Malvern übernimmt nach einer Verletzung ihres Vaters dessen Schiff, die Original Sin. Um die Verwundeten des vorangegangenen Kampfes zu versorgen, klaut sie einer Stadt kurzerhand ihren Arzt. Dumm nur, dass sie nicht den Arzt, sondern stattdessen seine Frau, die Näherin Celia erwischt. Oder sagen wir besser: Zum Glück, denn zwischen Gayle und Celia entspinnt sich mehr als nur ein Kidnap-Verhältnis.

Nein, historisch korrekt geht es hierbei nicht zu. Das Piratensetting ist derart stark romantisiert, dass man sich der Mannschaft nur zu gerne selber anschließen möchte. Ein Abenteuer jagt das nächste, Säbelduelle sind fast an der Tagesordnung und über allem weht die frische, salzige Brise piratesker Unterhaltung. Ineinander finden Gayle und Celia nicht nur Liebe, sondern auch Hoffnung, ihre Romanze ist frisch, nur dezent tragisch und auf alle Fälle sehr unterhaltend. Hier werfen sich die Frauen nicht starken Männern an die Brust, sondern starken Frauen.

Maria V. Snyder – „Die Yelena-Reihe“

Yelena hat Glück im Unglück: Kurz vor ihrer Hinrichtung nimmt sie das Angebot an, Vorkosterin des Kommandanten von Ixia zu werden und gegebenenfalls für ihn zu sterben. Doch damit nicht genug: Sicherheitschef Valek will ganz sicher gehen und mischt ihr daher Schmetterlingsstaub in jedes Essen, der sie vergiften wird, wenn sie nicht täglich das Gegenmittel von ihm erhält. Eine Flucht scheint daher aussichtslos und das, wo sie bald fliehen muss – denn sie beginnt, Magie zu entwickeln. Und die ist, natürlich, verboten. Dass sie sich ausgerechnet in Valek verliebt, ist in dieser Liste an Romance-Büchern obligatorisch und Stoff für schön tragische Subplots.

„1.000 Ways To Die“ könnte der Alternativtitel lauten, da sich die Protagonistin stets ihrem baldigen Ende entgegen zu neigen scheint. Die Geschichte ist rund, spannend und birgt so manchen Wendepunkt. Eine gute Basis für die Liebesgeschichte, die sich im ersten Band beginnt, zu entfalten. Natürlich handelt es sich bei den beiden Turteltäubchen jeweils um verkappte Mary Sues. Das sollte man verzeihen können, sonst ist der Griff zu diesen Büchern nervenaufreibend. Valek ist ein Mary-Stu wie er im Buche steht: Herausragend gut aussehend, der vielleicht beste Kämpfer weit und breit und hach, was hat er doch für tolle Äuglein. Ihr merkt es schon: Yelena ist eher etwas für die männerliebende Leserschaft. Schmacht. Wenn man sich darauf einlassen kann ist es eine verdammt gute Wahl in Sachen Romantasy!

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