7 lesenswerte Bücher für Gamer

Viele Gamer tun es regelmäßig und mit ausdauernder Leidenschaft. Morgens, abends, nachts, ja manchmal sogar in öffentlichen Verkehrsmitteln! Die Rede ist, wie es der Titel fast vermuten lässt, natürlich vom Lesen. Das Genre ist dabei nicht festgelegt, kann der gemeine Gamer ganz nach Fasson doch sowohl nach Fantasy, als auch Romantikliteratur und vielem mehr greifen. Hier möchte ich euch aber nun derer sechs Titel vorstellen, die Gaming und geschriebenes Wort wunderbar miteinander verbinden.

Read on!

Fiktion

Constantin Gillies – „Extraleben“

Zwei Mittdreißiger nerden sich nicht nur gegenseitig zu, sondern finden eines schönen Tages auch noch eine versteckte, nach Verschwörungstheorie duftende Botschaft inmitten eines alten C64-Spiels. Es kommt, wie es kommen muss: Die beiden hüpfen vergnügt in einen Oldtimer und wagen auf der Suche nach weiteren Hinweisen eine heiße Schnitzeljagd quer durch die Weltgeschichte und insbesondere die USA.

Im Mittelpunkt steht dabei nicht der Roadtrip an sich, sondern die gedankliche Zeitreise in die Anfänge der Videospielzeit. Nostalgiegefühl dringt durch jede Pore der Seiten, wenn sich die beiden die Dialogklinke in die Hand geben und über die alten Gerätschaften fachsimpeln dass man am Ende fast meint, selber einen C64 auseinander nehmen zu können.

Mancheiner wird für diesen Nostalgietrip vielleicht zu jung sein – für jeden früher als 1990 Geborenen könnte der Griff zu diesem Buch aber ein warmes Glücksgefühl im Konsolendaumen hervorrufen.

Unterhaltung: ♦♦♦♦
Anspruch: ♣♣

Austin Grossman – „You“

Weniger fidel geht es in diesem knapp betitelten Buch zu. Protagonist Russel wuchs zu Zeiten der ersten Homecomputer auf. Damals, als Pong noch neu und jeder Mausklick aufregend war, zockte und nerdete er mit vier Freunden Tag für Tag derart enthusiastsich, dass er mit ihnen den ersten Grundstein für eine Videospielfirma legte: Black Arts. Doch diese Zeit jugendlicher Frohlockung war einmal. Nun steht Russel, mittlerweile um die 40, vor den Toren eben jener Firma um dort bei seinen ehemaligen Freunden anzuheuern. Jetzt ist zwar die Firma groß, ihr Spiel „Realms of Gold“ erfolgreich, doch die alten Freunde wirken fremd und auch innerhalb der Spielestätte ist nicht alles so glorreich, wie es scheint.

Durch viele Rückblenden gewürzt erfahren wir durch Russel das Auf und Ab seines Lebens, tauchen ein in eine Welt jungen Spieldesigns und Freundschaft. Der eigene Spieleavatar wirkt greifbar, ein Gefühl, das Russel kaum in Worte fassen und so mancher Gamer doch gut verstehen kann. Es ist eine Reise zur Erschaffung eines Mythos, in nachdenkliche Worte gekleidet, die doch auch die freudenstrahlende Passion immer wieder aufblitzen lassen.

Unterhaltung: ♦♦♦
Anspruch: ♣♣♣

Ernest Cline – „Ready Player One“

Wir schreiben das Jahr 2044. Wieder einmal hat es das Leben, wie wir es kennen, dahingerafft und Platz für primär eine neue Welt gegeben: Der virtuellen. Diese nennt sich wohlklingenderweise OASIS und wird von den Menschen sowohl für Freizeit, als auch Arbeit genutzt. Als dessen Erfinder stirbt, hinterlässt er nicht nur ein unfassbares Vermögen – sondern auch eine Art virtuelle Schnitzeljagd , deren Ziel sein Kontoguthaben ist. Doch wo fängt die wilde Jagd an? Wo sind all die Hinweise verborgen? Und wo verdammt ist denn nun dieses easterigste aller eggs?!

In einer für Dystopien sehr ungewöhnlichen, unterhaltsam-lockeren Art folgen wir dem Jungen Wade, der als einer der ersten eine heiße Spur aufnimmt und uns mit auf eine abenteuerliche Reise durch bunte Pixel, 80er Jahre Shizzle und erfreulich viel Nerdtum nimmt. Wer hier nicht alle paar Minuten über eine Referenz seufzt oder schmunzelt, ist wohl auch nicht mehr zu helfen.

Unterhaltung: ♦♦♦♦♦
Anspruch: ♣♣

Non-Fiktion

Jane McGonigal – „Besser als die Wirklichkeit!: Warum wir von Computerspielen profitieren und wie sie die Welt verändern“

Wie genau definiert sich das eigentlich: „Spiel“? Warum spielt sich ein Tetris auch nach unendlich vielen Versuchen noch so reizvoll? Und sind Videospiele wirklich so schlimm wie ihr Ruf?

In dieser äußerst interessanten Symbiose aus Psychologie und Videospielfakten wagt McGonigal einen positiven Blick in die Welt des Gamings. Auf wissenschaftlichen Erkenntnissen fundierend, erklärt sie nicht nur wortgewandt, was so viele Menschen an Konsolen und PCs fesselt, sondern auch, wie man die diversen Spielprinzipien auf das reale Leben übertragen und was man auch als Arbeitgeber von ihnen lernen könnte.

Ich selber hatte beim Lesen einige Aha-Momente und wurde trotz seiner wissenschaftlichen Basis wunderbar unterhalten.

Unterhaltung: ♦♦♦
Anspruch: ♣♣♣♣

David Sheff – „Nintendo, ‚Gameboy’“

Hinter diesem doch recht drögen Titel verbirgt sich die spannende und nicht immer gesetzlich einwandfreie Reise Nintendos von seinen ersten Anfängen als Spielkartenproduzent bis zum aktuellen Hype um – Gameboy und SNES. Denn, ja, das Buch stammt aus den frühen 90ern. In Internetzeitrechnung ist das Werk also bereits ausgestorben.

Das allerdings soll kein Hindernis sein. Ganz im Gegenteil ist sein Blick auf die Ursprünge aus heutiger Sicht frischer; eine Zeitreise auf bedruckten Seiten, die ihresgleichen sucht. Gerade für diejenigen, die gerne einen Blick hinter die Kulissen werfen, sei dieses Buch wärmstens empfohlen, setzt es den Fokus doch auf die Business-Seite des japanischen Unternehmens.

Ein besonderes Schmankerl bilden die letzten Kapitel. Diese beschäftigen sich mit Nintendos Zukunftsplänen. Wohlgemerkt aus Sicht der 90er. Aus heutiger Sicht ist dies dezent amüsant zu lesen, kam doch manches dezent anders als gedacht.

Unterhaltung: ♦♦
Anspruch: ♣♣♣♣

Jordan Mechner – „The Making of Prince of Persia: Journals 1985 – 1993

Wer schon immer gerne in fremden Tagebüchern herumgeschnüffelt hat wird an diesem Werk wohl seine helle Freude finden. Doch auch für Leser mit weniger zweifelhaften Hobbys wird diese Lektüre ein kleines Nerdfest sein. Bei diesem Titel befinden wir uns in den Tagebucheinträgen Jordan Mechners, besser bekannt als Mastermind hinter dem Klassiker Prince of Persia. Man schaut ihm bei seinen ersten Gehversuchen als Gamedesigner über die Schulter, trocknet seine imaginären Tränchen bei ersten Misserfolgen und wohnt letrztlich doch noch beim bekannten Erfolg bei.

Dabei tänzelt Mechner auf unterhaltsame Weise zwischen Informationen und kurzweiligen Anekdoten hin und her. Die Tagebuchform lockert das Lesen auf, bietet abwechslungsreiche Abschnitte. Vermutlich war man selten näher an der Entstehung eines Spiels dran wie bei diesem Making Of.

Unterhaltung: ♦♦♦♦
Anspruch: ♣♣♣

Matt Barton – Dungeons and Desktops: The History of Computer Role-Playing Games

Für mich als alte Rollenspielhäsin sowohl im P&P, als auch im Videospielbereich ist solch eine Übersicht über die digitalen Rollenspiele natürlich eine kleine Schatztruhe. Barton führt auf satten 451 Seiten so ziemlich jedes halbwegs wichtige CRPG von Beginn an bis 2008 auf und lässt dem geneigten Leser dabei das ein oder andere „Hach“ entweichen. Dabei erhält man Informationen beispielsweise über die Wichtigkeit bestimmter Spiele für das Genre, wann welches Feature zuerst aufgetreten ist und wie sich einzelne Spiele im Markt behauptet haben.

Diese Historie der Computerrollenspiele ist nicht vollständig. Dennoch sind auch hier Geheimtipps zu finden und man erhält einen detaillierten Überblick, der seinesgleichen sucht. Der fällt recht trocken aus, Humor oder eine ausführliche Darstellung seiner eigenen Meinung sucht man vergebens. Einem Rollenspielnerd jedoch würde ich es definitiv empfehlen.

Unterhaltung: ♦♦
Anspruch: ♣♣

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8 Kommentare bei “7 lesenswerte Bücher für Gamer

  1. Einige habe ich schon auf dem Kindle liegen und angefangen.

    Nächstes Jahr soll eine Verfilmung von Steven Spielberg zu Ready Player One kommen. Sehr gutes Buch. Habe ich bis zum ende durchgesuchtet.

    Das Buch „Gamify Your Life“ von Jane McGonical gibt noch mehr Hintergründe zu den positiven psychologischen Efekten von Spielen. Jeder Sanitäter sollte bei traumatischen Unglücken Tetris für die Beteiligten dabei haben.

    Ansonsten kann ich noch „Empires of EVE: A History of the Great Wars of EVE Online“ empfehlen. Darin kann man nachlesen wie ein virtuelles Universum seine eigene Geschichte schreibt, mit Intrigen, Allianzen und was es sonst noch so alles in der menschlichen Geschichte gab. Im Gegensatz zur echte Geschichte starben nur Pixel.

    • Ah, dass eine Verfilmung geplant ist bzw. gerade realisiert wird, wusste ich gar nicht! 🙂

      Danke für den Buchtipp! Das gucke ich mir mal näher an.

  2. Ha, klasse, genau das kann ich zur Zeit gebrauchen. Da werde ich mal reinschnüffeln. 🙂

    Einen Tipp habe ich auch noch:
    Cory Doctorow „For the win“
    Es ist ein ziemlich fetter Schinken über einen Jungen, der gerne zockt und damit um die Runden kommen will. Wie immer bei Doctorow sind dabei die Übergänge zwischen Realität und Fiktion fließend. So lernen wir nicht nur einen Protagonisten kennen, sondern gleich mehrere, in verschiedenen Ländern der Welt, die sich über MMORPGs kennenlernen, versuchen Probleme in ihrem Leben zu lösen und eine bessere Welt zu schaffen. Gespickt ist das Ganze mit Anekdoten rumd ums Netz und (virtuelle) Wirtschaftshintergründe (z.B. Zahlungsmittel sind nur etwas wert, solange die Menschen an den Wert glauben). Spannend und auch hier gibt es AHA-Momente. 😉

  3. Tolle Liste! „Ready Player One“ und das Buch von Jane McGonigal habe ich auch gelesen und die haben mir gut gefallen. Die anderen Titel notiere ich mir gleich mal 🙂
    Ansonsten kann ich mich Steffi anschließen, „For the win“ von Cory Doctorow ist auch super.

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