Das Bloggen im Wandel der Zeit

 

„Wie bloggt es sich eigentlich, wenn man 10 Jahre von mir auseinander ist? Da sind doch sicher auch ganz andere Erfahrungen involviert!“, dachte ich mir vor nicht allzu prähistorischer Zeit und lud mir promt zwei Blogger ein, die das wichtige Kriterium des passenden Alters erfüllten: Aurelia und Tim.

Hier erzählen wir drei nun über unsere ganz persönliche Historie in Sachen Bloggen; wie wir angefangen haben, wie es sich verändert hat und was wir uns für unsere Zukunft ausmalen. Natürlich hatte ich nebenbei gehofft, dass sich unsere Aussagen altersgemäß voneinander unterscheiden werden! Aber lest selbst:

Wie bin ich aufs Bloggen gekommen?

Ich war vierzehn, als ich mit dem Bloggen angefangen habe. Gefühlt war das die Zeit, in der gerade Buchblogs zum ersten Mal so richtig aufkamen und als in einem Forum, in dem ich angemeldet war, mit einem Mal plötzlich alle anfingen, zu bloggen, habe ich es auch ausprobiert. Dass das mit einem Blog rein über Bücher nichts wird, hat sich damals auch sehr bald abgezeichnet und nach ein paar gescheiterten Anläufen habe ich dann angefangen, es mir in der Nerdblog-Ecke bequem zu machen.

Wie sah die Bloglandschaft (~2011) aus?

Ich habe meine ersten zaghaften Blogger-Schritte unter Buchblogs gemacht. Noch dazu zu einer Zeit, in der auch diese Nische noch sehr jung – in vielen Fällen, inklusive mir, vielleicht auch zu jung – war und es in erster Linie vor digitalen Tagebüchern nur so wimmelte. Das, was vorherrschte, war schlicht die Art Blog, die gerne mal etwas despektierlich als „Blümchenblog“ bezeichnet wird und wurde. Dadurch war mein Dunstkreis an Blogs thematisch deutlich banaler als er es heute ist, aber auch in diesem privaten Stil vielleicht auch etwas persönlicher. Immerhin: Die Mädels, die damals ungefähr zeitgleich mit mir mit dem Bloggen angefangen haben, habe ich heute noch zumindest entfernt in meiner Filterbubble. Und das, obwohl wir inzwischen über vollkommen gegensätzliche Themen schreiben.

Wie hat sich die Bloglandschaft verwandelt?

Seitdem ist viel geschehen, ganz besonders in den letzten 3-4 Jahren. Irgendwann konnte ich damit rechnen, auf eine Rezensionsanfrage bei einem Verlag auch eine Antwort zu erhalten, selbst wenn es eine Ablehnung war, dann kamen die Bloggerlounges auf den Buchmessen, meine E-Mail landete plötzlich in Presseverteilern und unter dem Reiter „Presse“ waren auf den meisten Verlagswebsites mit einem Mal auch Blogger aufgeführt. Zumindest der bücherlastige Teil meines Bloggerdunstkreises ist deutlich besser organisiert als früher. Inzwischen gibt es Richtlinien für Blogger von Verlagen und Leitfäden für Autoren, die Blogger anschreiben wollen, immer mal wieder kommt eine Finanzierungsdiskussion auf, aber am Ende hat sich gar nicht so viel getan. Blogs sind präsenter als noch vor ein paar Jahren und in manchen Bereichen scheinen sie auch in ihrer Anzahl etwas geschrumpft zu sein, weil sehr viel mehr Austausch über Social Media statt den Kommentaren diverser Blogs stattfindet. Sehe ich mich aber um, dann habe ich das Gefühl, dass die Leute irgendwo noch immer dieselben sind.

Prognose: Wie wird mein Bloggen in 10 Jahren aussehen?

Ich hätte schon vor sechs Jahren nicht gedacht, dass ich heute noch blogge, deshalb weiß ich auch heute nicht, wie ich wohl in zehn Jahren bloggen werde. Ich bin zwanzig und Studentin. Ich bin froh, wenn ich weiß, was ich nächste Woche essen werde. Sollte ich in zehn Jahren mein Bloggerdasein noch nicht an den Nagel gehängt haben, dann hoffe ich, dass ich mich bis dahin wenigstens ein bisschen für die Beiträge schäme, die ich jetzt schreibe. Einfach, weil ich mich weiter verbessert, weiter gelernt habe, und alles ganz anders machen würde.

Kurzbio

Ich bin Aurelia, 20 Jahre jung, und blogge seit bald fünf Jahren auf meinem Blog „Geekgeflüster“, auch wenn der früher noch einen anderen Namen trug. Im Leben offline studiere ich Geschichte und Digital Humanities, ziehe irgendwann nochmal in der Universitätsbibliothek ein und nerde mich durchs Leben.

Website | Facebook | Twitter | Instagram

 


Wie bin ich aufs Bloggen gekommen?

Damals, im Frauenforum… Ja, ich habe, inspiriert durch die aus dem Boden sprießenden Blogs meiner virtuellen Bekanntschaften, als Fashion/Make-Up/“Lifestyle“bloggerin angefangen. Hey: Ich war noch jung und brauchte das Geld! Das Bloggen erschien mir ein unterhaltsames Hobby zu sein. Schnell habe ich gemerkt, dass ich „mehr“ will als nur Fotos und famose Tagebucheinträge zu verfassen, also bin ich auf das Geekbloggerwesen umgestiegen.

Wie sah die Bloglandschaft (~2005) aus?

Ich glaube, damals dachte noch niemand daran, Geld damit zu verdienen. Es wirkte wie ein riesiger Hobbyverein auf mich, bei dem alle Spaß an der Freude hatten und es egal war, wie „fame“ jemand war – oder vorgab, zu sein. Alles war herrlich entspannt, ungezwungen und dilettantisch. Frei nach dem Motto: „Hier, Mama, ich kann zwar nicht stricken, aber ich liebe es und habe dir Socken gemacht! Naja… sie haben Löcher, aber… sind sie nicht cool?! Mit Dinos drauf!“

Wie hat sich die Bloglandschaft verwandelt?

Sie ist erwachsen geworden – mit all den damit einher kommenden Sonnen-, aber auch Schattenseiten. Vieles wirkt auf mich zu starr, zu elitär, zu gewinnorientiert. Statt Kreativität wird Struktur gepredigt, Richtlinien sind die neuen Götzen. „Das macht man so aber nicht“ und „Naja, also, dein Blog ist zwar ganz nett, aber wenn du SEO machen würdest, hättest du mehr Gewinn…“. Es liegt weniger Spaß als früher in der Luft. Dabei müsste das eine das andere nicht ausschließen! Leider geht es – in der gesamten, großen Bloggerlandschaft – gefühlt fast nur noch um fame oder darum, den größten … Followerkreis zu haben. Dafür wird gekämpft und vor allen Dingen genervt. Die Links zu seinen Blogartikeln zu spammen scheint wichtiger zu sein als alles andere. Wie viele Blogpromotiongruppen gibt es eigentlich auf Facebook? Hunderte? Gefühlte Drölfzig Milliarden. Und das alles nur für ein paar Klicks. Diese Dynamik, diese fieberhafte Gier nach Likes, Followern und Klicks ist das, was mich an „den Bloggern“ wirklich stört.

Auf der positiven Seite nimmt man sich bzw. uns nun ernster. Das Bloggen wird mehr nur belächelt, sondern kann ganz im Gegenteil sogar auch beruflich ein Proargument sein. Und das ist auch verdammt gut so!

Prognose: Wie wird mein Bloggen in 10 Jahren aussehen?

Ich denke nicht, dass ich auf viele Trends wie das Mikroblogging aufspringen werde. Auch werde ich um Themen wie SEO weiterhin einen Bogen machen. Ich glaube daran, dass sich gute Inhalte auch organisch in der Weltgeschichte verteilen können. In 10 Jahren werde ich, glaube ich, noch immer fröhlich vor mich hin bloggen. Vielleicht bis dahin zu einem anderen Thema? Wer weiß – aber geschrieben habe ich schon immer und werde es auch weiterhin tun.

Kurzbio

Ich heiße Guddy, bin 31 Jahre alt und stolze Rheinländerin! Zumindest dann, wenn ich nicht, wie jetzt, im Exil in München wohne. Seit meiner frühen Kindheit bin ich ein Geek und nahm alles mit, was die 80er und 90er zu bieten hatten: Videospiele, Konsolen, Comics und einschlägige Serien und Filme. Im Herzen bin ich vermutlich noch immer ein Kind, aber hey, solange man nebenbei auch noch ein wenig erwachsen tun kann, ist ja alles in Ordnung.

Website | Facebook | Twitter | Instagram

 


Wie bin ich aufs Bloggen gekommen?

Ich habe mich von Ende der 90er bis Mitte der 2000er Jahre sehr viel in verschiedenen Foren beteiligt, u.a. auch einem internationalen das sich mit Punkmusik und -kultur beschäftigt hat. Als Deutscher war ich dort ein wenig der Exot und habe dadurch viele Leute kennengelernt. Einige von ihnen besaßen Account bei Livejournal, einer Online- Tagebuch Plattform. Um auf die Beiträge dort nicht immer als anonymer Gast antworten zu müssen, habe ich mir im Februar 2003 einen eigenen Account angelegt. Anfangs, wie erwähnt, nur um bei anderen kommentieren zu können, doch schon bald kamen verschiedene eigene Artikel dazu in denen ich zunächst von meinen teilweise bizarren Träumen und nach und nach auch mehr privaten Erlebnissen berichtete.
tldr; Ich erstellte am 17 February 2003 ein Account bei Livejournal.com.

Wie sah die Bloglandschaft (~2003) aus?

Livejournal hat den großen Vorteil, dass man sich sehr einfach mit anderen Usern vernetzen kann in dem man sie als „Freunde“ abonniert. Innerhalb von Livejournal gibt es neben den privaten Accounts außerdem noch Communities zu allen Themen die man sich vorstellen kann. Das war damals neu, denn Facebook existierte noch lange nicht. Ab 2003 gab es dann WordPress und die Anzahl an privaten Blogs stieg. Zu der Zeit habe ich allerdings primär Tagebuch-Dienste wie eben Livejournal, dem Pendant Deadjournal oder Xanga wahrgenommen. Bloggen wurde es aber zumindest bei LJ nicht genannt, obwohl der Begriff schon existierte. So richtig geboomt hat das Bloggen in meiner Wahrnehmung aber erst ab 2005/2006, einer Zeit in der ich viele Blogs außerhalb von Livejournal und vor allem auch in Deutschland gelesen und auf Artikel geantwortet habe.
Tldr; Übersichtlich.

Wie hat sich die Bloglandschaft verwandelt?

Enorm. Anbieter wie WordPress, Drupal, blogger, tumblr und Co haben es extrem einfach gemacht sich eine privaten Blog, auch ohne eigene Domain, einzurichten. Auch wer über eine eigene Domain verfügen möchte, kann dies mittlerweile sehr viel kostengünstiger als damals tun und die Hoster bieten sogar im Regelfall ein vorinstallierte Blogsoftware, bzw CMS an. Hinzu kommt Facebook, wo viele über ihre täglichen Erlebnisse berichten, und Microblogdienste wie Instagram oder Twitter, auch wenn die Anzahl der User in Deutschland im Verhältnis zu anderen Ländern überschaubar (und teilweise auch stark mit Vorurteilen belastet) ist.

Einige Blogs, die ich damals gelesen habe, existieren noch heute, andere nicht mehr. So manch ambitioniertes Projekt wurde irgendwann abgebrochen oder nicht weiterverfolgt. Ich merke aber auch, das sich in einigen Themenbereichen die Blogs sehr ähneln. Ich koche und backe beispielsweise sehr gerne und wenn man nach Rezepten sucht, sehen die Blogs, die man in diesem Bereich findet, gefühlt alle gleich aus, bzw. sind fast identisch aufgebaut: es wird da meistens irgendeine Geschichte rundum das Rezept erzählt, die mittendrin mit kunstvoll in Szene gesetzten Bildern gespickt ist. Ganz zum Schluß kommt dann das Rezept. Ich skippe diese Textlawinen immer und frage mich, ob das tatsächlich jemand liest? Die Motivation dahinter ist aber, so meine starke Vermutung, eine andere: jeder will ein „Influencer“ sein und erhofft sich dadurch (vermeintlich) leicht verdientes Geld und ein Leben in Glamour (mal ein wenig überspitzt formuliert). Ich habe zumindest nicht den Eindruck, das alle diese BloggerInnen aus reinem Altruismus schreiben, dazu wird dort zu viel Aufwand betrieben.
tldr; Sehr stark, mit unterschiedlichen Motivationen warum man bloggt.

Prognose: Wie wird mein Bloggen in 10 Jahren aussehen?

Das Bloggen sollte immer ein Vergnügen und nie eine Pflichtveranstaltung sein. Deswegen ist die Artikeldichte bei mir in den letzten Wochen und Monaten etwas lichter und sporadischer geworden. Das Thema mit dem ich ursprünglich www.nurdertim.de angegangen bin (über meine Stadion- und Auswärtsfahrten, sowie Gedanken rundum den HSV zu berichten) ist weggebrochen, da ich mich vom Profi-Fußball weg entwickelt habe.

Aktuell gibt es gelegentlich mal eine private Anekdote, Einblicke in meine Gefühlswelt oder eines der Geekthemen (z.B. in Form einer Blogparade), die mich interessieren, während mein Alltagsleben primär auf Twitter, Instagram und vereinzelt auf meinem nichtöffentlichen Facebookaccount stattfindet. Ähnlich sehe ich auch meine Zukunft: es wird immer mal wieder ein Erlebnis oder Ereignis in/aus meinem Leben geben, das auf meinem „richtigen“ Blog landet oder vielleicht eine [Geekthema]-Erfahrung, die ich dort teilen möchte. Im Großen und Ganzen denke und glaube ich, das dies die Form sein wird in der ich auch weiterhin blogge werde, denn, wie bereits oben geschrieben: Bloggen sollte immer ein Vergnügen und nie eine Pflichtveranstaltung sein.
tldr; Ich denke und glaube nicht, das es sich großartig von status quo ändern wird.

Kurzbio

Ich heiße Tim und wurde im März 1974 in Hamburg geboren, wo ich auch lebe. Ich begeistere mich für Comics, Filme, Serien, Punkrock, sowie Brett- und Rollenspiele. Ich bin sehr anglophil und meine Abneigung für Brokkoli ist genauso legendär wie die Fotos von leer gegessenen Tellern die ich auf Instagram poste. #SektionKäsekuchen

Website | Podcast | Twitter | Instagram


Vielleicht interessiert dich auch ...

9 Gedanken zu “Das Bloggen im Wandel der Zeit”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.